Das Vermächnis der Vergangenheit

von Char-ly
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18
Bloom Flora Spezialisten Stella Winx Club
13.09.2020
26.09.2020
4
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13.09.2020 1.722
 
„Um das Böse besiegen zu können, muss das Gute weichen.“ Der Lehrer Wizgiz wanderte zwischen den Tischen umher, schaute seine Schüler an. Besonders die Winx, die verteilt im Klassenraum saßen, sahen gespannt zu ihrem Lehrer. Alle, außer Stella.
Stella, die einen Stift zwischen ihrer Oberlippe und ihrer Nase balancierte, schaute kurz verwirrt zu ihm, schenkte ihm danach jedoch keine Beachtung mehr, während sie ihre Gedanken äußerte. „Aber Herr Wizgiz, das ergibt doch keinen Sinn. Das Gute muss nur stärker sein.“
Der kleine Mann lachte und trat näher an Stellas Platz. Mit einem leichten Sprung landete er auf Stellas Tisch. Der Stift fiel runter und landete auf dem Boden.
„Wenn das Gute stärker wird, so wird das Böse es ebenfalls. Das Universum, die Welten und alles andere muss in einem Gleichgewicht stehen.“
Er schaute seine Schülerin an, die nur leicht seufzte und ihren Stift aufhob. Gleichgewicht, dachte Sie sich, hätte ich eben auch gebrauchen können.
„So wie Ying und Yang? Dass das Gute ohne das Böse nicht existieren kann?“
Musa, die neben Stella saß, sah zu Professor Wizgiz. Dieser nickte schon fast stolz und sah zu ihr. Mit einem erneuten Sprung landete er wieder auf dem Boden und begann erneut, zwischen den Tischen umherzuwandern.
„Genau Musa. Das ist ein spitzen Beispiel. Das Böse kann nur Böse sein, wenn es das Gute als Gegenseite hat. Genauso kann das Gute nur Gut sein, wenn es das Böse gibt.“
Seine Schritte wurden etwas langsamer, bis er vor Tecnas Tisch stehen blieb. Diese tippte wie wild auf einem kleinen Tablet rum, malte mit einem Strich wirre Linien und verband irgendetwas, was wohl nur sie auf ihrem Display sehen konnte. Plötzlich, als hätte sie die Lösung auf alle Probleme gefunden, hob sie ihren Kopf.
„Wenn es nur das Gute geben würde, wer würde dann bestimmen, dass es „gut“ ist. Es wird immer etwas weniger Gutes geben und das wäre in dem Falle dann Böse!“
Erneut nickte der Lehrer, leicht überrascht, dass Tecna wirklich dem Unterricht folgte und nicht erneut eines ihrer Produkte verbesserte.
„Du hast es verstanden. Gegensätze finden wir überall auf der Welt. Hitze und Kälte, laut und leise, schwarz und weiß. Das eine kann ohne das andere nicht überleben.“
„Aber wieso muss das Gute dann weichen? Wenn ich stärker bin als die Bösen, dann kann ich sie doch einfach besiegen, oder nicht?“, sagte Stella. Sie schien nun doch an der Unterhaltung interessiert zu sein. Wohl auch, weil dieses Gespräch sich nützlich erweisen könnte. Schließlich war es nicht erst einmal gewesen, dass sie mit ihren Freunden dem Bösen gegenüberstanden. Oder dem, was die Winx bis zu diesem Zeitpunkt für das wahrhafte Böse gehalten haben.
„Wenn du von besiegen sprichst Stella, wie stellst du das an? Wenn du sie besiegst, ohne dass es dir dabei schlecht geht, obwohl du andere Leben beendest, wie gut kannst du dann sein?“
Stille.
Mit dieser Antwort hatte niemand gerechnet. Doch der Lehrer hatte Recht. Selbstjustiz war nie der richtige Weg, vor allem nicht, wenn es über ein anderes Leben entscheidet. Doch wer war in der Position, dieses zu tun? Waren alle Wesen Gut und doch gleichzeitig irgendwo Böse? Musa seufzte und legte den Kopf auf Ihren Tisch. So viele Fragen der Ethik waren zu viel für einen Montagmorgen.
Layla saß still auf ihrem Platz und sah aus dem Fenster. Nabu.. Er war gegangen, um uns zu retten.
„Nabu ist gegangen um ein Gleichgewicht zu schaffen. Das Leben eines Guten für die der Bösen.“
Als hätte Bloom Laylas Gedanken lesen können, sprach sie diesen Satz aus. Sie sah kurz zu Professor Wizgiz und dann zu ihrer Freundin. Ein schmales Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus.
„Er ist gewichen.“ Vollendete Flora die Gedanken der zwei und schaute ebenfalls zu Layla.
Sie alle wussten wie sehr sie noch unter dem Verlust ihres Freundes litt. Sie alle wussten, dass sie jede Nacht Albträume hatte. Dass sie sich die Schuld gab.
Bloom wandte den Blick ab und schaute zu Professor Wizgiz, der nun vor ihrem Tisch stand.
„Keine Sorge, so etwas werden wir nicht nochmal zulassen. Das verspreche ich.“
Der Lehrer lächelte schon fast unsicher, als müsste er kurz überlegen, wie er eine Antwort darauf formulieren sollte. Eigentlich empfand er es als zu früh, die jungen Feen in solche dunklen Gedanken einzuweihen. Gerade da nicht nur die Winx, sondern auch seine anderen Schülerinnen mithörten. Eigentlich erachtete er es selbst den Winx gegenüber nicht richtig, ihnen trotz ihrer starken Kräfte und Positionen als Schutzfeen ihrer Planeten in diesen jungen Jahren eine so große Verantwortung zu übertragen. Doch entgegen seinem Rat entschied sich die Direktorin ständig erneut dazu, die Winx in gefährliche Missionen mit einzuspannen. Natürlich wusste er auch, dass es nicht alleine Mrs. Faragondas Schuld war. Die Gruppe bestehend aus den sechs Feen schienen die Bösewichte des Universums geradezu anzuziehen.
Mit einem Seufzer blickte er zu der Fee mit den grünen Augen hoch.
„Man sollte sowas nicht versprechen. Die Geschichte besteht nur aus Geschichten, in denen die Helden gefallen sind, um etwas Größeres zu beschützen. Es gibt viele Legenden und Mythen.“
Während Bloom mit der Antwort noch etwas haderte, spannte Flora sich an.
„Was war denn so böse? Die Hexer waren doch das Schlimmste was es gab? Sie wollten schließlich die Feen auf der Erde auslöschen. Ein gesamtes Volk.“
Der Lehrer seufzte. Darum hätte es nicht in seinem Unterricht gehen sollen. Er wollte eigentlich nur über das Prinzip des Bösen und des Guten reden und den Mädchen erklären, dass die Welt nicht immer nur Schwarz und Weiß ist.
„Es gibt viele Formen und glaubt mir, schaut man sich die Vergangenheit an, waren die Hexer, Valtor und Dakar nur kleine Fische im Gegensatz zu dem, was möglich ist.“
Musa hob ihren Kopf leicht vom Tisch und lauschte den Gesprächen. Flora stütze dagegen ihren Kopf auf ihre Hände und seufzte laut.
„Schlimmer noch als die Trix?“
Stella lachte. Die Trix waren alles andere als Böse. Sie waren doch keine Gegner für die Winx.
„Also Flora, die Trix sind nicht böse, die sind nur nervig“
Auch Professor Wizgiz schüttelte den Kopf. Die Trix, eine Gruppe aus drei Hexen, versuchten seit Jahren das Leben der Winx zur Hölle zu machen. Dazu schlossen diese sich den unterschiedlichsten Leuten an, um etwas mehr Macht zu bekommen. Bis jetzt ohne Erfolg.
„Ihr dürft das nicht verwechseln. Die Trix lieben das Chaos. Aber sie sind nicht die Bösen. Das Böse ist nicht nervig, es ist angsteinflößend, ungestüm, nicht in der Lage Mitleid zu empfinden. Wenn sie überhaupt was empfinden können.“
Professor Wizgiz ging wieder zurück zur Tafel. Er wollte das Thema beenden, damit abschließen und mit den geplanten Inhalten weiter machen.
„Das Böse wurde aber besiegt, oder nicht?“
Er blieb in der Mitte seiner Bewegung stehen. Seine Lippen pressten sich zusammen, genauso wie seine Augenbrauen. Er drehte sich nicht zu seinen Schülerinnen um.
„Besiegt? Nein. Verbannt in vielen Formen, aber besiegen kann man es niemals.“
„Professor, kennen Sie denn das Böse?“
„Nein Flora. Und ich hoffe ich werde es auch nie kennen lernen.“
„Das würde doch aber bedeuten, dass selbst die Urhexen nicht die Inkarnation des Bösen sind.“
„Das ist richtig.“
Für einige Sekunden herrschte Stille im Klassenzimmer. Die Winx hatten sich ihren Gesichtsausdrücken nach zu Urteilen eine andere Antwort erhofft.
„Wenn wir dann wieder auf den Lehrplan eingehen könnten, zumindest für die letzten…“ hörte man Wizgiz sagen, ehe seine Worte von der Klingel übertönt wurden.
„Ich weiß euer Interesse am Unterricht wirklich sehr zu schätzen, aber wenn ihr eure fehlenden Stunden trotz eures Abschlusses nachholen wollt, versucht doch zukünftig einfach nur den Inhalten zu folgen. Eure Erfahrung und auch eure Fragen gehen weit über den Stoff hinaus, den wir euch hier vermitteln. Für solche Fragen wendet euch am besten an Faragonda, sie wird euch da sicher gern behilflich sein.“ Mit diesen Worten, die er an die Winx richtete, beendete er den Unterricht.
Während die Schülerinnen ihre Unterlagen zusammen packten und einer nach dem anderen den Raum verließ, saß Layla immer noch auf ihrem Platz und starrte aus dem Fenster.
„Layla Süße, der Unterricht ist vorbei.“ Liebevoll streiche Flora ihrer Freundin mit diesen Worten über die Schulter, welche daraufhin stumm anfing ihre Tasche zu beladen und aufstand, um anschließend Richtung Tür zu gehen.
„Ich weiß, wir müssen heute den ganzen Nachmittag Kurse geben, aber wärt ihr mir sehr böse, wenn ich euch das heute überlasse.“
Ohne sich umzudrehen richtete Layla diese Worte an Ihre Freundinnen, welche sich als einzige noch im Raum aufhielten.
„Nein natürlich nicht“, kam es sofort von Bloom, welche verständnisvoll das Wort ergriff.
„Wir essen einfach in Ruhe alle zusammen etwas und anschließend…“
„Nein danke. Ich hätte gerne etwas Zeit alleine“
Mit diesen Worten ging Layla aus der Tür.
„Ich meine ich kann verstehen, dass Layla Immer noch traurig über den Verlust von Nabu ist, aber es ist nun doch schon fast zwei, drei Jahre her, seitdem er von uns gegangen ist.“ Mit diesen Worten brach Stella die Stille.
„Ziemlich genau sogar drei Jahre. Vor genau 1094 Tagen, 18 Stunden und 36 Minuten ist der Kampf auf TierNaNook mit den Wächtern her.“ führte Tecna Stellas Kommentar fort.
„Dann ist es kein Wunder, dass es ihr heute noch schlechter als sonst geht. Layla kommt einfach nicht über Nabu hinweg, egal wen sie trifft. Darum hielt ihre Beziehung danach doch auch nicht. Sie ist einfach noch nicht bereit dafür.“ so Musa.
„Ich habe nur Angst, dass sie es nie sein wird. Seit Wochen grübelt sie bis spät abends in Ihrem Zimmer und sucht nach Wegen, Nabu wieder zu bekommen. Sie schläft so wenig und wenn dann nicht gut, auf Dauer kann das niemand aushalten.“ Mit diesen Worten gab Flora den anderen Mädchen zu denken, ehe Bloom sich äußerte.
„Dann sollten wir ihr die Zeit geben die sie braucht und ihr so viel wie möglich abnehmen, sodass sie einmal richtig trauern kann. Tecna, magst du ihren Unterrichtsstoff übernehmen, ich denke du bist dafür am besten geeignet, wenn dir das nichts ausmacht"
"Das sollte kein Problem für mich darstellen."
Stella nickte ungeduldig.
"Ja tolle Idee, aber können wir das Ganze nicht beim Essen besprechen? Ansonsten trägt mein Bauch mehr zu dieser Unterhaltung bei als mein Mund."
"Das wäre mal eine nette Abwechslung" konterte Musa. Stellas Blick daraufhin reichte aus, um die anderen davon zu überzeugen, sich auf den Weg zu machen. Geschlossen gingen die fünf Richtung Speisesaal.
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