Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Apokalypse

von Daedun
GeschichteAbenteuer / P16
Alucard Enrico Maxwell Integra Wingates Hellsing Paladin Alexander Anderson Seras Victoria Walter C. Dolneaz
13.09.2020
08.01.2021
6
20.113
2
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
27.09.2020 3.130
 
Seras trommelte gelangweilt mit den Fingern auf der Lehne ihres Sessels herum. Die Vorbereitungen für das Gespräch mit Walter waren in den letzten Nächten ihr Zeitvertreib gewesen, doch jetzt gab es erst einmal nichts mehr für sie zu tun, als das Muster der abgewetzten Tapete zu zählen. Sie seufzte
„Warum machst du nicht eine kleine Erkundungstour Fräulein Polizistin?“ Sie hob den Kopf und drehte sich dann zu ihrem Meister um, dessen Kopf hinter einem dicken Buch verschwunden war. „Wie bitte?“ Seine Hände ließen kurz den schweren Ledereinband sinken, um ihr in die Augen zu schauen. „Ich höre, dass du nicht weißt, was du mit dir anfangen sollst, also schlage ich vor dass du dich ein bisschen nützlich machst.“ Jetzt wanderte sein Blick zu Integra hinüber, die sich mit dem Computer beschäftigte.
„Oder fällt unserer lieben Herrin noch etwas besseres ein?“ Die schien gar nicht zu gehört zu haben, bis sie merkte dass sie von vier Augen beobachtet wurde. Sie sah kurz verwirrt von einem zum anderen. „Worum geht’s?“ Alucard schürzte die Lippen.
„Nun ich habe gerade den Vorschlag gemacht, Seras ein wenig vor die Tür zu schicken und mal einen Rundgang durch die Gemeinde zu machen. Unauffällig versteht sich. Es wäre bestimmt nicht verkehrt zu wissen von welchen Leuten man umgeben ist.“ Sein Kopf verschwand wieder hinter dem Buchrücken. Integra überlegte ein paar Sekunden, dann nickte sie. „Warum nicht.“ Seras, die selbst gerne wissen wollte, wohin es sie überhaupt verschlagen hatte, beeilte sich dem Befehl ihres Meisters so schnell wie möglich Folge zu leisten. An der Tür drehte sie sich noch einmal um „Auf was soll ich denn speziell achten Meister?“ „Auf katholische Priester mit scharfen Messern.“
Ihr entsetztes Gesicht brachte ihn zum lachen. „Keine Sorge. Italien mag die Wiege Iscariots sein, dennoch haben sie nicht an jeder Ecke einen Pater Anderson postiert.“ „Sei trotzdem vorsichtig. Wir wollen auf keinen Fall schlafende Hunde wecken“ ermahnte Integra sie noch, dann verschwand die kleine Vampirin in die Nacht.

                                                                   *******************************************

Alucard wartete, bis er sicher war, das Seras auch mit ihren übernatürlichen Sinnen außer Hörweite war, dann konzentrierte er sich ganz auf die Geräusche, die Integra beim Arbeiten am Computer verursachte. Er war sich nicht sicher, ob das was er vor hatte, auch funktionieren würde. Schließlich war dieses Gebiet für ihn absolutes Neuland.
Sein Kopf war immer noch hinter dem Buchrücken verborgen, doch seine Ohren verrieten ihm genau, was sie gerade tat. Zeigten ihm vor seinem inneren Auge, wie sie sich gedankenverloren mit den Fingern durch die langen blonden Haarsträhnen fuhr. Er konnte sie auf ihre Schultern fallen hören. Zart wie Seide fielen sie in langen Bahnen ihren Rücken hinunter. Diesen wunderschönen geschwungenen Rücken, dessen Haut er immer noch an seinen Fingerspitzen fühlen konnte, als der sich in der Bibliothek von Helena im Moment größter Wonnen über ihm durch gebogen hatte…

Ein leiser Seufzer entfuhr seinen Lippen als er die  Erinnerung intensivierte und sie in Gedanken zu ihr hinüber schickte.
Es dauerte keine zwei Sekunden. „Alucard?“ riss ihn Integras Stimme plötzlich aus seinen Träumen. Als er den Kopf zu ihr wandte, war ihm schon klar, dass es keine große Mühe bedurfte ihm seinen Gemütszustand vom Gesicht abzulesen. Doch genau das war seine Absicht gewesen. Erfreut konnte er auch eine Spur davon in ihren Augen finden. Diese Spur war es, die ihn  aufzustehen und zu ihr hinüber zu gehen ließ.

Geschmeidig wie ein Raubtier fuhr es Integra durch den Kopf, als der dunkelhaarige Vampir auf sie zu geglitten kam. Diese scheinbar mühelose Eleganz. Sie hatte schon damals dieses Erscheinen an ihm bewundert, sich aber lieber die Zunge abgeschnitten, als auch nur eine Silbe darüber in seine Gegenwart zu verlieren, geschweige denn diesem Gefühl, dass sich jetzt erneut aus den Tiefen ihres Bewusstseins erhob nur einen Inch nachzugeben.
Wie oft hatte sie sich dafür selbst verabscheut, sich vor dem Bild ihres Vaters abgrundtief geschämt. Doch dieses schwache, menschliche Leben war vorbei.
Jetzt gab es keinen Grund mehr diesen wohligen Schauer nicht zu genießen, der ihre Nackenhaare hochstellte, als er sich langsam zu ihr hinunter beugte. Die Arme  auf den Rücken verschränkt. Ganz so wie früher, wenn er einen besonders blutigen Befehl von ihr entgegen nahm. Mit Vorfreude in den Augen, auf das was seinen Durst stillen würde. Das gleiche leicht arrogante Lächeln in den Mundwinkeln, hinter denen sich diese tödlichen Zähne verbargen. Zähne, die sich durch menschliches Fleisch bohren konnten, scharf wie Rasierklingen. Wobei sich sein Biss so sanft angefühlt hatte, so sanft wie seine Lippen. Jetzt war sie es, die seufzte. Das Lächeln wurde breiter. „Kann ich dir vielleicht irgendwie weiter helfen liebste Integra?“ Sein Gesicht kam ihrem so nah, dass sie seinen kühlen Atem auf ihren Lippen spüren konnte. In der gleichen Sekunde konnte sie ihn schmecken, mit all seiner eigenen angestauten Gier nach ihr und das war es wohl, was sie einmal mehr dazu brachte, ihm keine Antwort zu geben, sondern einfach nur die Augen zu schließen.

Er verstand sofort wozu sie ihn aufforderte. Die Signale ihres Körpers hatten ihm längst verraten, dass sie genau das Selbe wollte wie er.
Fast schon grob riss er sie aus ihrem Sessel, der poltern nach hinten krachte, während er ihre Hüfte mit beiden Händen packte und sich mit ihr über den Tisch warf.
Ihr Kopf flog nach hinten, dabei rutschte der Kragen ihres Hemdes nach unten und die weiße, gespannte Haut ihres Halses machte ihn fast genauso rasend, wie die langsamen rhythmischen Bewegungen ihres Beckens an seinem Unterleib. Knurrend fletschte er die Zähne. Eigentlich wollte er dieses mal, dieses neue Gefühl der Begierde genießen, doch das einzige wozu sein Gehirn noch in der Lage war, galt allein dazu seinen Körper endlich wieder mit ihrem zu vereinen.
Integra fasste stöhnend in seine dichte schwarze Mähne, als sie seinen hungrigen Mund auf sich spürte. Alles in ihr wollte ihn, drängte nach ihm und als sie ihn und seine Eckzähne zeitgleich in sich hinein fahren spürte, versank die Welt um sie herum in einer einzigen gewaltigen Explosion.
                                                                          ******************************************************

Es hatte Seras nur einen mühelosen Sprint gekostet, um vom Eingang der Villa bis zur befestigten Straße vorzupreschen. Von dort hatte sie beschlossen einem klapprigen alten Fiat Panda zu folgen, der mit halbkaputten Scheinwerfern in der ansonsten stockfinsteren Nacht an ihr vorbeifuhr. Wo sollte der zu dieser unchristlichen Urzeit schon anders hinfahren, als ins nächste Dorf und ihr Instinkt hatte sie nicht im Stich gelassen.
Keine Zehn Kilometer entfernt lag eine Ansammlung von zwanzig kleinen Häusern, die sich um einen mit alten Kopfsteinpflastern gesäumten Kirchplatz scharten.
Die kleine Draculina nutzte zwar jeden Mauervorsprung aus, um sich unsichtbar zu machen, doch das schien alles andere als nötig zu sein. Sowohl die Straßen als auch der Platz mit dem kleinen Springbrunnen in der Mitte lagen wie ausgestorben da.
Nur ein oder zwei Laternen, die leicht windschief an den  Hausmauern hingen spendeten ein wenig Licht. Seras geschärfte Augen suchten die Zeiger der Kirchturmuhr vor ihr. Es war kurz nach eins.
Keine zwei Stunden später hatte sie das komplette Dorf  Haus für Haus einmal in Augenschein genommen. Es gab einen Bäcker, einen Lebensmitteladen, der soweit man es vom Schaufenster aus sagen konnte über alles verfügte, was man zum täglichen Leben gebrauchte. Eine kleine Autowerkstatt mit Tankstelle und so gar so etwas wie ein Kino. In einem Glaskasten, der  am Gemeindehaus, für das hielt Seras es jedenfalls, hing prangte ein Filmplakat und obwohl sie nicht ein Wort italienisch verstand, konnte sie sich doch recht schnell zusammen reimen, worum es auf den Infozetteln ging.

Man hatte hier sogar die komplette Ausgabe einer Tageszeitung auf gehängt, in der es aber hauptsächlich um die regionale Landwirtschaft zu gehen schien. Die spärlichen Fotos zeigten entweder Traktoren mit grinsenden Menschen oder Kühe, die allerdings nicht grinsten. Seras seufzte, alles in allem schien hier nicht viel los zu sein.
Auf die Titelseite hatte es allerdings ein Bild geschafft, dass wohl den Pfarrer des Dorfes darstellte. Ein Mann in einem katholischen Talar stand mit bestürzter Miene vor einem offenen Grab, das den Erdhaufen am Rand nach zu urteilen frisch ausgehoben war. Warum Hochwürden das allerdings so tragisch fand konnte Seras nicht ableiten.
                                                                        ******************************************************

Alexander Anderson streckte mühsam seine eingeschlafenen Glieder. Der Flug war trotz der späten Stunde fast ausgebucht gewesen, was ihm eine üble Sitznachbarschaft beschert hatte. Er hatte sich zwischen ein durch überflüssige Völlerei  vollgefressenes Ehepaar quetschen müssen, das ihm beim anschnallen fast die Luft abgedrückt hatte.  Er sah seufzend gen Himmel, die Menschheit machte es einem nicht leicht sie gegen das Üble der Hölle zu verteidigen. Sein  Fuß hatte kaum italienischen Boden berührt, da hielt ihm ein kleiner runder Mann in einem schlecht sitzenden Anzug auch schon ein Schild unter die Nase „Paladin Anderson?“ schnarrte er mit einem so starken neapolitanischen Akzent das er ihn kaum verstand „Ja?“ Er wurde ohne weitere Worte zu einer schwarzen Limousine geführt.

Schon von weitem konnte er die prächtig angestrahlte Fassade der Lateran Basilika sehen über deren prächtige Säulen die Apostel den Sohn Gottes umrahmten. Der Wagen umrundete das Gebäude und kam  vor dem Palast zum stehen. Pater Ronaldo erwartete ihn schon an der schweren Eingangstür und führte ihn ohne weitere Umwege in das Büro seines Vorgesetzten. Mit düsterer Miene erwartete ihn Enrico Maxwell hinter seinem Schreibtisch sitzend. Kaum hatte der Sekretär die Tür hinter sich geschlossen, platzte es auch schon aus dem führenden Kopf Iscariots heraus.
„Bevor sie mich fragen wozu sie hier sind. Schauen sie sich erst einmal das hier an.“ Damit schmiss er eine abgegriffene Tageszeitung auf den Tisch, die er zuvor noch zusammengerollt in der der Hand gehalten hatte. Anderson beugte sich neugierig über das Blatt „ Endlich mehr Geld für die die Milchbauern“ las er laut vor, dann sah er skeptisch über den Rand seiner Nickelbrille. „Dafür haben sie mich zurückbeordert?“ Enrico sprang verärgert von seinem Stuhl auf. „Nein, Herr Gott natürlich nicht!“ hektisch fing er an die Seiten umzublättern, bis er gefunden hatte was er suchte  „Skandalöse Grabschändungen. Unbekannte haben in der Nacht zu Montag auf dem Friedhof von Vinci mehrere Grabanlagen entweiht. Die Polizei hat bisher keine Hinweise auf die Täter.“
Er klappte die Zeitung wieder zu. Alexander konnte immer noch nicht folgen „Und nur weil ein paar pubertäre Rotzlöffel keinen Respekt vor Gotteseigentum zeigen, soll ich mich darum kümmern?“ Enrico winkte ab „Dieser Artikel enthält nur einen Teil der Wahrheit. Schon seit Wochen häufen sich solche oder ähnliche Meldungen. Nur in diesem Fall ist es nicht bei ein paar umgestürzten Grabsteinen oder heidnischen Schmierereien auf Kirchenmauern geblieben.“ Langsam setzte er sich wieder hin. „Es sind Leichen verschwunden. Wir konnten den ortsansässigen Pater davon überzeugen, dass die Bevölkerung erst einmal nicht alles erfahren sollte, vor allem nicht die betroffenen Familien.“ Sein blassen Augen wurden eisig. „In Zeiten wo sich Nachrichten schneller verbreiten als ein Schnupfen gar nicht so einfach.“

„Von wie vielen Toten sprechen wir denn hier eigentlich?“ „Fünf“ Alexander Augenbrauen schossen in die Höhe „Alle Achtung, die kann man nicht so einfach mitnehmen, ohne Spuren zu hinterlassen.“ Maxwell lachte bitter auf.  „Aber genau danach sieht es leider aus. Keine Reifenspuren die auf einen Transporter schließen lassen würden, kein Bagger zum Graben oder Heben weit und breit und all das in nur einer Nacht.“ Die Blicke der beiden Männer trafen sich. „In meinen Augen klingt das nach übernatürlichen Kräften, die da am Werke sind und mir fällt nur eine Kreatur ein, die dafür in Frage kommt.“

                                                                       ***************************************************

Anderson war immer noch nicht recht überzeugt. „Sind sie sicher das wir es hier mit Vampiren zu tun haben und nicht mit einfachen Vandalismus? Zwar auch eine Gotteslästerung aber kein Grund die Silberklingen zu zücken. Maxwell sah das anscheinend anders. „Um das zu klären, werden sie sich auch  gleich morgen auf den Weg nach Vinci machen und sich da mal umsehen. Sie haben doch eine Nase dafür. Wenn tatsächlich Untote hier eine Rolle spielen, die sich verwandelt aus ihren Gräbern erheben um ihren seelenlosen Körper an unschuldigen zu laben, können sie gleich an Ort und Stelle tätig werden. Wenn nicht, freut sich ihr Orden und die Kinder sicherlich sie mal wieder sie wiederzusehen.“ „Und was ist mit diesem Hellsingungeheuer und der Lady?“ Der Bischof schnitt ihm das Wort ab „Die interessieren mich nicht länger! Sollten sich ihre Hirngespinste bezüglich des Überlebens von Lady Integra irgendwann mal bestätigen, können sie meinetwegen die Fährte wieder aufnehmen, aber jetzt werden sie sich erst einmal um diese Angelegenheit kümmern, verstanden?“
Alexander Anderson blieb nichts anders übrig als sich grollend dem Befehl Iscariots zu fügen.
                                                                              ************************************************

Seras hatte sich bereits wieder auf dem Rückweg zur Villa gemacht, als sie an den kleinen verwitterten Friedhofsmauern vorbei kam. Beim Anblick der wilden Rosenhecke, die sich wie eine überdimensionale Schlange über die alten Steine zog, fiel ihr das Foto aus dem Schaukasten wieder ein. Der kleine, verzweifelt aussehende Pfarrer vor den leeren Gräbern. Sie erreichte das Eingangstor und ihr Blick glitt über die kleine Ansammlung von Steinen und Kreuzen, die in langen Reihen in der schon heller werden Dunkelheit erstarrt schienen. Eigentlich war es eine Abkürzung, wenn sie anstatt außen herum, einfach quer über die Anlage laufen würde.
Also tat sie es. Der feine Kies unter ihren Stiefeln verschluckte fast vollständig ihre Schritte und nur das blasse Mondlicht begleitete sie. Sie hatte schon fast das Ende der parkähnlichen Anlage erreicht, als ihr die aufgeworfene Erde ins Auge sprang. Es waren die zwei Gräber von dem Foto, die vor ihr lagen. Was man auf dem Bild allerdings nicht erkennen konnte, waren die abgebrochenen Holzkreuze gewesen, die wie verkümmerte Blumenstängel auf dem Rasen lagen. Es mussten demnach alte Gräber gewesen sein, deren Bewohner man anscheinend exhumiert hatte. Sera las die Inschriften, die ihr verrieten, dass es sich um Menschen gehandelt hatte, deren Todestag fast genau ein Jahr zurück lag. Wie merkwürdig, dass man sie jetzt plötzlich ihrer ewigen Ruhe beraubt und sie umgebettet hatte? Eher doch sehr unüblich im katholischen Glauben, zumal der Geistliche des Dorfes damit wohl auch nicht recht einverstanden schien. Sie hatte sich hingekniet um die Namen besser lesen zu könne und als sie sich nun wieder aufrichten wollte, bemerkte sie etwas hartes unter ihrem linken Knie.
Es war eine kleine bronzefarbene Münze, deren Prägung allerdings nicht sehr italienisch aussah. Neugierig musterte sie die verschnörkelten Zeilen im Kreis herum am Rand eingraviert waren, doch langsam zeichnete sich ein silberner Streifen am östlichen Horizont ab, der Seras Gedanken dahin zurückbrachte sich jetzt schleunigst auf den Heimweg zu machen. Das Gefühl der Schwäche, dass ihre Glieder befiehl, sobald das Morgenlicht den Kampf gegen die Nacht gewann, war zum Glück erst kaum zu spüren, doch sie wusste mittlerweile, wie schnell sich das ändern konnte. Mit einem langen Satz sprang sie über die Mauer um kaum auf dem Boden angekommen schon weiter mit übermenschlicher Geschwindigkeit in Richtung Unterkunft zu preschen.

Ihr Meister und Lady Integra warteten bereits ungeduldig im Keller auf sie. „Wo warst du so lange?“ die Stimme der Lady klang mehr besorgt als wütend. „Ich dachte, dir hätte ich schon hinreichend eingeschärft, wie unangenehm der Tag für uns sein kann.“ Fügte Alucard mit verdrießlicher Miene hinzu. Seras verriegelte die Tür hinter sich „Sorry, aber ich hab irgendwie die Zeit aus den Augen verloren.“ Alucard zog überrascht die Augenbrauen hoch „Na nu sag bloß in der Gegend hier ist tatsächlich was los?“ „Naja das kommt darauf an was man darunter versteht.“ Es brauchte nicht viele Sätze um den beiden alle Entdeckungen zu erzählen. Es fehlte nur noch die Geschichte mit den leeren Gräbern, als ein langgezogenes Gähnen ihres Meisters sie unterbrach. „Schön, den Rest erzählst du uns morgen, wenn wir gemeinsam dieses Dorf und seine Einwohner erkunden.“ Damit verschwand er mit einem abschließenden Gruß unter dem schweren Deckel seines Sarges. Seras blickte fassungslos zu Integra hinüber. „Was hat er denn so großartig anstrengendes  die ganze Nacht gemacht, das er so fertig ist?“  „Keine Ahnung“ war die knappe Antwort. Integra schien es jetzt ebenfalls nicht mehr länger abwarten zu können sich hinzulegen und das letzte was Seras noch von ihrem Meister hörte, war ein leises Kichern.
                                                                                   *******************************************

Der Morgen erwachte langsam unter den ersten warmen Strahlen des Lichts, dass sich Stück für Stück ausbreitete. Selbst in den engen Straßen von Florenz drängte es sich schließlich hindurch, wenn es auch nicht bis in jenes Gewölbe hineingelangte , in dessen alte verschimmelte Mauern eine Feuchtigkeit wohnte die bereits viele Jahrhunderte unversehrt geblieben war. Das Resultat war ein stätig übler Geruch nach Moder und Fäulnis, der an sich bereits kaum zu ertragen war, doch in den sich nun aber noch eine weitere Nuance hineinmischte.
Eine beißende Süße, die ohne Mühe einen heftigen Würge Reiz auslösen konnte.
Darum versuchte die junge Frau auch so flach durch den Mund zu atmen, wie sie nur konnte. Sie verbrachte nun schon einige Stunden hier unten, doch an die Umstände, die ihr Tun mit sich brachte, konnte sie sich immer noch nicht ganz gewöhnen.
Ganz im Gegensatz zu ihrem Meister, dem dieser Pesthauch nicht das Geringste etwas auszumachen schien. Unermüdlich verrichtete er sein Werk im rußigen Schein der Öllampen, deren Hitze eine zusätzliche Belastung darstellte. Doch sie konnte es sich nicht erlauben auch nur den kleinen Hauch von Schwäche zu zeigen. Soweit hatte sie es schon geschafft. So anstrengend und hart war der Weg bis hierher gewesen. Nur noch ein kleines Stück trennte sie alle von ihrem großen Ziel.
Sie biss noch einmal die Zähne zusammen, packte den Holzstiel, der Säge den sie in den Händen hielt, fester und begann erneut das dünne gezackte Metallblatt vor und zurück zu ziehen. Ein schmatzendes Geräusch begleitete ihre Anstrengungen.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast