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Die Spionin

von Trios
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Alexsandr Kallus Ezra Bridger Garazeb "Zeb" Orrelios Großadmiral Thrawn Hera Syndulla Sabine Wren
13.09.2020
22.11.2020
11
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25.10.2020 2.224
 
Grüne Augen suchten nach einem Fluchtweg. Hera kannte diesen Blick nur zu gut. Das war der Ausdruck einer Frau, die nicht nur aus dem Raum flüchten, sondern gleich noch Atollon und das System hinter sich bringen wollte.
Was für eine Angst die Schmugglerin nun hatte! Hera selbst hatte sich lange nicht mehr so ängstlich gefühlt wie die Frau vor ihr. Sie bekam Mitleid. Ihre Einschätzung war wohl falsch gewesen. Diese Schmugglerin hatte bereits in Abgründe geschaut und trug Dunkelheit in sich.
Wenn sie mit Großadmiral Thrawn konfrontiert wurde und lebend davongekommen war, dann musste etwas zurückbleiben. Hera selbst würde ihre Begegnung mit ihm niemals vergessen können. Das entblößt werden aller Motive, das unheimliche durchschaut werden…und sie war überzeugt, um einiges stärker die Nerven behalten zu können als Maris Ferasi.
In Ezras blauen Augen sammelte sich Wut. Der Junge hatte einen starken Beschützer Instinkt, zu allen die sich nicht selbst helfen konnten. Eine Besonderheit, die selbst Jahre als Straßenkind nicht abtöten konnten.
„Was hat er dir angetan?“
Thrawn hatte vor einigen Wochen, einen alten Freund von Ezra getötet ohne das dieser hätte eingreifen können. Es geschah in der Fabrik auf Lothal. An jenen Schicksalhaften Tag hatten sie auch erfahren wer Fulcrum war. Der Spion, nahe an Thrawns Seite. Jetzt wollte der junge Jedi andere vor den Großadmiral beschützen, selbst wenn Maris hier relativ sicher war.
Das verschlossene Gesicht der Frau wurde etwas zugänglicher. Verwirrung spiegelte sich in ihren Zügen und abgrubt schüttelte sie den Kopf.
Hera runzelte die Stirn und ihr misstrauen kehrte noch heftiger als zuvor zurück. Maris Angst schien anderswo herzukommen…
Kurz sah sie zu Kanan. Auch er zog dieselben Schlüsse wie sie. Nur dass er mehr neugierig als misstrauisch erschien.
Commander Sato und Dodonna warfen sich blicke zu, die mehr neutral waren als alles andere.
Hera unterdrückte den Impuls die Augen zu verdrehen.
Männer!
Kaum sahen sie eine sanfte Person wie Maris und schon wurde sie nicht als Gefahr angesehen. Ihr würde das nicht passieren.
„Wir müssen das fragen. Woher kennen Sie Großadmiral Thrawn?“
Maris hatte sich inzwischen gegen die Wand gelehnt. Vorsicht zeigte sich in ihren Augen.
„Ich…war einige Monate lang seine Gefangene. Aber wie schon gesagt, es ist sehr lange her.“
Gefangene.
Ihre abweisende, vorsichtige Art und die Bedeutung der Worte passten nicht zusammen.
„Was bedeutet lange her für sie?“ Hera bemühte sich wirklich neutral zu klingen. In Maris Augen huschten unzählige Erinnerungen vorbei.
„Ein Jahr vor den Klonkriegen. Also etwa neunzehn Jahre.“
Das hatte gesessen.
„In Ordnung. Das ist lange her.“ Stimmte Sato zu und wirkte schon entspannter. Genau wie Hera, auch wenn es bei ihr fast gegen ihren Willen geschah. Fast zwei Jahrzehnte…lange vor dem Imperium und der Rebellion. Bevor sie alle für die Sache kämpfen mussten.
Mit einem Mal kam Hera etwas anderes in den Sinn. Die Frau vor ihr kannte Thrawn. Und wenn es nur eine kurzweilige Begegnung vor vielen Jahren gewesen war, so war es doch mehr, als sie über den neuen ihnen unbekannten Großadmiral wissen konnten.
Kanan war wahrscheinlich schon vor ihr dieser Gedanke gekommen. Vielleicht war die Schmugglerin doch nützlicher als Gedacht und konnte mit Informationen weiterhelfen. Jeder im Raum schien dasselbe zu denken. Jeder außer Ezra.
Unbehaglich ruhten seine Augen auf Maris. Er hielt sich mehr an die Vergangenheit und ein zurückliegendes Trauma fest, als an die Zukunft und deren Möglichkeiten. Kein Wunder. Er war noch immer ein Teenager der um seine Eltern trauerte.
„Du warst seine Gefangene…wie bist du entkommen?“
Maris blinzelte und mit einem Mal lachte sie unsicher. Sie wandte sich ganz Ezra zu und blendete alle anderen aus.
„Keine Frage nach dem was ich getan habe? Es hatte schon seinen Grund, warum Commander Thrawn mich und die kleine Besatzung der ich angehörte gefangen nahm.“
Ezra legte die Stirn in Falten und bestimmt weitete er seine Jedi Sinne aus.
„Du hast keine Angst vor ihm.“
„Nicht was in der Vergangenheit liegt.“ Stimmte Maris zu und wurde sich bewusst, dass alle ihr zuhörten und die ganze Situation immer komplizierter wurde.
„An besten du erzählst uns von Anfang an wie du Thrawn begegnet bist.“ Schlug Kanan deutlich Freundlicher vor, als es die Stimmung um sie herum verlangte.
Verlegen strich sich Maris das Haar aus dem Gesicht und als auch noch ihre Wangen etwas röter wurden, drehte sich Heras Magen um.
Nein, sie konnte nicht das aus Maris Reaktion herauslesen…nicht bei Thrawn und nicht bei dieser Art von Frau.
„Alles klar…zur Zeit der Republik war ich bereits Schmugglerin und habe einige Dinge transportiert, um die Zollgebühren zu umgehen. Ein Feind unseres Auftraggebers hat es bei einen dieser Lieferungen auf uns abgesehen. Durch…nun ja, Glück kamen wir der vorgeschobenen Verteidigungslinie der Chiss zu nahe. Commander Thrawn hat unseren Feind neutralisiert und uns am Bord geholt.“
Ezra schnaubte.
„Und Commander Thrawn hat es nicht interessiert wer ihr gewesen wart? Er hat euch aus reiner Güte geholfen?“
So langsam schien Ezra auf Heras Seite zu sein, auch wenn das offene Misstrauen gegen Ferasi noch fehlte.
Maris Lächelte milde.
„Es war ihm sehr egal das wir Schmuggler waren. Wir waren die ersten Menschen denen er begegnet ist. Er hat sich für unsere Sprache Interessiert. Für die Republik und den ihnen unbekannten Welten.“
Dodonna ergriff das Wort und fasste alles nüchtern zusammen.
„Er wollte durch Ihnen an Informationen über die Republik gelangen?“
Maris zuckte mit den Schultern.
„Ja. Obwohl wir wohl nicht die besten Vertreter der Menschen oder Republik waren. Jeder von uns dreien, hatte seine eigene Sicht auf das Ganze und war unterschiedlich bereit Gespräche zu führen. Außerdem hatte niemand von uns politische Insider wissen. Für den ersten Kontakt jedoch hat es gereicht.“
Hera klappte der Mund auf.
„Habe ich das richtig verstanden? Eine Ihnen und der Republik unbekannte Spezies, hat sie gefangen genommen und nach Informationen gegraben. Und sie haben sie ihnen gegeben?“
Maris Augen verengten sich.
„Hatten wir eine Wahl?“
„Keine Ahnung. Hatten sie die?“
Die beiden Frauen lieferten sich ein Blickduell. Es war Maris die müde nachgab.
„Thrawn hat versprochen, dass es den Chiss nicht um eine Invasion ging. Sie greifen nicht an, sofern sie nicht selbst angegriffen werden. Mit diesem Dilemma hatte er persönlich schon zu kämpfen. Außerdem war ich selbst ebenfalls neugierig auf dieses Volk. Car`das und ich haben Thrawn Basic beigebracht und in Gegenzug Cheunh Unterricht bekommen. Die Sprache der Chiss. Es war den Umständen entsprechend ein fairer tausch.“
Heras Lippen pressten sich fest zusammen. Ihr wurde klar wie Jung Maris damals gewesen sein muss. Der Jugend konnte man viel verzeihen. Mann war jung um zu lernen. Nur schien Maris aus all dem nicht schlauer geworden zu sein. Sie verteidigte Thrawn nicht wirklich. Für Hera war das nur eine Frage der Zeit. Sie hatte ein wirklich mieses Gefühl bei Ferasi.
Ezra schüttelte nur still den Kopf. Kanan blieb verschlossen und Sato und Dodannas Gefühle wechselten von Anspannung zu Neugier und zurück.
„Wie lange waren sie gefangen?“ Sato nahm Ezras Frage wieder auf.
Da Hera sie nun nicht weiter ins verhör nahm, wurde sie ruhiger und antwortete auch dementsprechend.
„Etwas mehr als drei Monate. Und ich konnte nicht fliehen. Thrawn hat uns gehen lassen. Zusammen mit unserer Schmuggler Ware und einige zusätzlichen Schätzen, damit unsere Verspätung keine schlimmen Konsequenzen hat.“
Sie zögerte und sah nacheinander jeden in die Augen.
„Mit Commander Thrawn habe ich keine schlechten Erfahrungen gemacht. Bis gerade eben war mir nicht klar, dass er dem Imperium beigetreten ist. Und ich verstehe diesen Schritt von ihm auch nicht wirklich. Er war immer loyal zu seinem Volk. Irgendetwas muss passiert sein.“
Bei der Macht! Sie machte sich sorgen um ihm? Ernsthaft?
Kanans Kopf legte sich schräg und er nahm so wie Ezra zuvor gewisse Schwingungen wahr. Unausgesprochenes das in der Luft hing und Gefühle. Selbst Hera konnte auch ohne die Macht etwas aus Maris Worten heraushören.
Sehnsucht.
„Sie wollten zu diesen unbekannten Aliens zurückgehen?“
Nun klang Kanan so fassungslos wie Hera sich fühlte. Maris reckte das Kinn vor.
„Es war mein Plan damals, ja. Ich habe Einblicke in diese Kultur bekommen und ich beherrschte die Sprache etwas. Thrawn tut nichts ohne Grund. Bestimmt hat auch er daran gedacht als er uns mit all dem vertraut gemacht hat. Ich wollte nur einige Dinge regeln und mein Privatleben aufräumen. Doch dann kamen die Klonkriege dazwischen. Die Republik ist auseinandergebrochen. Wie hätte sie sich auf die Unbekannten Regionen konzentrieren können? Ich war kurszeitig bei den Heilern und Ärzte. Ich habe mir geschworen die Brücke zu den Chiss aufzubauen, wenn die Zeiten ruhiger werden nur…“
Hera seufzte.
„Kam das Imperium.“ Beendete sie den Satz.
Kälte erschien in den grünen Augen. Ungewohnt, nicht gegen Hera gerichtet.
„Ja. Ich wollte den Imperator nicht auf einen weiteren Planeten aufmerksam machen, den er sich unter den Nagel reißen kann. Die Chiss wären sicherer ohne dass weiter kontakt gefördert wird.“
Sie stutzte und Bitterkeit war in ihrer Stimme zu hören.
„Offensichtlich hat Thrawn das anders gesehen.“
Kurz herrschte Schweigen. Es war etwas unangenehm. Noch hatte Maris nichts wirklich Persönliches über Thrawn preisgegeben. Hera glaubte nicht daran das es an irgendeiner Unwissenheit der Frau lag. Viel mehr schien sie bewusst das Thema zu vermeiden und machte sich so nur noch verdächtiger.
Wenn sie Thrawns Gefangene war und sie ihm seit so langer Zeit nicht mehr begegnet war, warum sprach sie dann nicht offener? Dodonna schien es so wie Hera zu sehen nur verpackte er es höflicher. Lockte Maris langsam aus sich heraus.
„Was genau haben Sie Großadmiral Thrawn erzählt? Etwas wichtiges unsere jetzige Situation betreffend?“
Verlegen sah sie zu Boden.
„Alles was ich ihm erzählt habe, war mit meiner persönlichen Meinung durchtränkt. Mit Car`das hat er sich auch privat unterhalten und wahrscheinlich war er sachlicher als ich.“
Sie zögerte.
„Vor allem habe ich ihm etwas über Kanzler Palpatine erzählt und in den Punkten wo die Republik versagt hat. Und einige Geschichten über die Jedi.“ Gab sie zerknirscht zu.
Toll.
Hera hatte es nicht laut ausgesprochen, dennoch schien der Vorwurf in ihrem Gesicht offensichtlich zu sein. Maris Augen wurden wieder kämpferisch.
„Alles was ich über die Jedis wusste, waren öffentlich bekannte Fakten und so einige unterhaltsame Legenden. Was immer ich ihm damals erzählt habe, heute wird er für alles bessere Quellen gefunden haben, als eine weltverbessernde Optimistin von damals.“
Dennoch, Maris hatte ihm Dinge erzählt. Damals und vielleicht tat sie es bei zu vertrauensvoll aussehenden Feinden noch heute.
Ezra hatte Maul vertraut. Beide hatten dieselbe Leichtigkeit in sich nur das gute sehen zu wollen.
Ezra konnte immer nur den Kopf schütteln. Seit so vielen Sätzen tat der Junge nichts anderes mehr.
„Wie konntest du dich von Thrawn nur so täuschen lassen? Er muss schon damals ein Monster gewesen sein. Es ist ein Wunder das du noch lebst.“
Würdevoll richtete Maris sich etwas auf, die Schultern hochgezogen. Hera wurde sich mit einem Mal bewusst wie hübsch sie war. Nicht umwerfend gutaussehend aber dennoch, für eine Frau nahe der vierzig auf natürliche Weise schön. Ihr drehte sich der Magen um als sie sich vorzustellen begann, was noch bei privaten Gesprächen passiert sein konnte.
Hera wollte nicht darüber nachdenken. Konnte es ein Stück weit auch nicht. So viele Frauen wurden ausgenutzt und hintergangen. Gebrochen zurückgelassen.
Maris war nicht gebrochen…
Und gerade dass, dieser Punkt trieb Hera in den Wahnsinn. Was war zwischen den beiden passiert?
Maris Augen durchstachen Ezra geradezu.
„Zu mir war er die ganze Zeit über höfflich und nett. Was immer er jetzt tut und ist, meine Erinnerungen an ihm sind nicht falsch. Sie sind echt, waren real und sollten nicht von fremden verunglimpft werden.“
Das hatte gesessen. Ezra sah kein bisschen schuldig aus, dafür jedoch verlegen.
„Sie waren nicht nur seine Gefangene.“ Stellte Hera fest. In einem Raum voller Männer war es besser, wenn eine andere Frau dieses heikle Thema ansprach.
Maris Augen schlossen sich. Tief atmete sie durch und suchte nach Worten.
„Wir waren Freunde.“ Gab sie schließlich zu.
Hera hob eine Braue.
„Und wie tief ging diese Freundschaft?“
Maris Kopf fuhr mit einem Ruck hoch.
„Das geht niemanden etwas an!“
„So tief also?“
Mit vor der Brust verschränkten Armen schwieg sie. Ezra sah Maris mit einer Mischung aus Unglaube und Ekel an. Dodonna und Sato tauschten beunruhigte Blicke. Beide waren geübt daran das Beste aus jeder Situation zu machen.
Hera legte ihre Hand auf die Stirn um sich zu beruhigen, die Frau vor sich nicht noch heftiger anzugreifen.
„Nun ja, das kam unerwartet.“ Sagte Kanan nicht ohne Humor in der Stimme. Genau wie Dodonna und Sato gingen seine Gedanken schnell in eine Richtung die Hera nicht gefiel. Wo ihr das Vertrauen in Maris Ferasis Loyalität fehlte.
Der Kampf der nach diesen Enthüllungen kommen würde. Hera hatte das ungute Gefühl sich auf Maris Seite schlagen zu müssen.

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Anmerkung:
Timeline Fetischisten wird vielleicht aufgefallen sein, dass ich die Ereignisse aus dem Buch „Die Kundschafter“ wo Maris und Thrawn sich kennengelernt haben, vorverlegt habe. Das Legenden Buch spielt eigentlich fünf Jahre vor den Klonkriegen. Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und ehrlich gesagt war der einzige Faktor warum ich es geändert habe Maris Alter. Wären es noch wie in den Legenden, wo die meisten Menschen in durchschnitt glaube ich hundertdreißig Jahre alt werden, hätte ich nicht an der Zeit gedreht. Hoffentlich stört es keinen zu sehr. Immerhin ist „Die Kundschafter“ (leider) nur ein Legenden Buch. Nicht alles daran muss eins zu eins stimmen.

Danke fürs Lesen und die neuen Empfehlungen und Favoriten Einträge:)
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