Die Spionin

von Trios
GeschichteDrama, Romanze / P18
Alexsandr Kallus Ezra Bridger Garazeb "Zeb" Orrelios Großadmiral Thrawn Hera Syndulla Sabine Wren
13.09.2020
25.10.2020
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18.10.2020 3.130
 
Die Kabine die sie sich mit Quennto teilte war winzig klein. Zumindest kam es ihr von Tag zu Tag immer schlimmer vor. Beengt, fast klaustrophobisch. Die glatten Wände, der Schreibtisch mit der Fremden Technologie und die zwei Betten waren nicht gerade etwas, das ihre Augen über längere Zeit fordern konnte.
So anders als die Kunstwerke die die Vagaari in ihren Besitz gebracht hatten. Seufzend drehte sie sich im Bett herum und drückte frustriert ihr Gesicht ins Kissen.
Was machte sie sich vor? Sie hatte immer das Schöne an Kunst wertgeschätzt, sich aber ansonsten nie wirklich Gedanken über Gemälde, Künstlern und den unterschied einzelner Spezies gemacht. Auch jetzt dachte sie nicht an die Bilder und Statuen die in irgendeinem Frachtraum gebracht wurden, sondern an den faszinierenden Commander, der diese mit seinen intensiven roten Augen betrachtet hatte.
Die Galaxis hatte einige seltsame Wesen zu bieten. Die roten Augen waren unheimlich. Zumindest am Anfang. Sobald Maris darüber hinwegsehen konnte war ihr klar geworden, wie attraktiv Thrawn eigentlich war. Hoch gewachsen mit ernstem Gesicht, das ein Stück weit zugänglicher wurde, wenn er Lächelte. Was er in Gesprächen recht oft tat.
Sei es drum! In der Galaxis gab es viele attraktive Männer. Keiner jedoch war wie dieser Commander. Maris fühlte sich nicht von seinem Aussehen angezogen. Es ging tiefer diese Faszination…und konnte gefährlich sein. Zumindest war sie dumm ohne eine Zukunft.
Leise seufzte sie und schloss ihre Augen.
Schwärmereien mussten keine Zukunft haben. Zumindest himmelte sie niemanden an, den sie noch nie getroffen hatte. Wie ihre Freundinnen damals in der Schule. Oder wie Kathy, die lautstark verkündete in Kanzler Palpatine verliebt zu sein. Maris verzog das Gesicht seufzte dann jedoch resigniert. Jeder sollte seine Vorlieben haben…
Maris spürte eine starke Hand auf ihre Schulter. Wärme und eine unaufdringliche nähe. Vielleicht riss sie sich etwas zu heftig weg.
„Nicht jetzt, Rak.“
Quennto verharrte an ihrem Bett und etwas schuldbewusst drehte sie sich zur Seite um ihm anzusehen. Er sah nicht wirklich wütend aus, eher besorgt und zerknirscht. Ihr schlechtes Gewissen wuchs.
„Es tut mir leid. Ich kann in dieser Umgebung nichts mit dir anfangen.“
Nicht wenn sie ständig an den Commander dachte. Nicht wenn sie in diesen Raum eingesperrt waren.
Quennto verzog das Gesicht. Mit einem Mal betrachtete er dieses Zimmer wachsam als befürchtete er ausspioniert zu werden. Womöglich glaubte er, das dies Maris davon abhielt die gemeinsame Zeit zu genießen und das Beste daraus zu machen.
„Wenn du Angst hättest, dann würde ich dich beschützen. Doch das hast du nicht. Du machst zusammen mit Jorj bei diesem dämlichen Sprachunterricht mit. Direkt unter den Augen von diesen Thrawn!“
„Commander Thrawn.“ Widersprach sie. Wenn er ihnen schon entgegenkam, auf seinen vollen Namen bei der Anrede zu verzichten, dann konnten sie zumindest seinen Rang anerkennen.
Quenntos Lippen wurden zu einer dünnen Linie.
„Sei vorsichtig, Maris. Egal wie kultiviert und höflich er sich gibt, er ist doch ein Alien aus den Unbekannten Regionen. Wir wissen nichts über dieses Volk und du bist sehr schön. Er könnte auf falsche Gedanken kommen.“
Maris unterdrückte die Empörung. Hinter Quenntos Warnung verbarg sich eine sorge. Frustriert biss sie sich auf die Lippen.
„Du weiß gar nicht, was die Chiss an Frauen attraktiv finden.“
Er zuckte mit den Schultern. Die Unruhe in seinen dunklen Augen blieb.
„Neugier reicht manchmal aus.“
Sie unterdrückte es sich die Haare zu raufen.
Neugier…
Dieses Wort beschrieb das komplizierte Verhältnis das der Commander ihnen entgegenbrachte wohl am besten. Nichts weiter war dahinter. Neugier und vielleicht Berechnung. Nicht gerade die Emotionen nach der es einer Frau verlangte.
Ihre eigenen Gefühle jedoch waren schon jetzt vielschichtiger. Sie wäre eine Idiotin sie Quennto gegenüber zu erwähnen.
„Ich bin Müde. Bitte lass mich schlafen.“
Mit diesen Worten drehte sie ihm den Rücken zu und schloss ihre Augen. Dabei fühlte sie sich trotzig wie ein kleines Kind. In diesen Moment war sie wütend auf die ganze Galaxis.
Eigentlich war sie nicht wirklich müde gewesen. Als das Licht jedoch gedimmt wurde und sich ruhe über den tristen Raum legte, schlief sie doch ein. Maris hoffte wenigstens beim Schlafen ihren Gefühlen zu entkommen.
Wie falsch sie lag. Die Dunkelheit setzte Bilder und Szenen zusammen. Absichtlich berührte sie seine Haut und fuhr mit den Fingern durch sein blauschwarzes Haar. Sie lachte ihn an und ihre Finger glitten über seine Wange. Auf Zehenspitzen küsste sie ihm. Er reagierte auf nichts. Die Haut fühlte sich entsetzlich kalt an und keine Emotionen waren in seinen roten Augen zu finden. Es glich einem Alptraum.
Ein lautes knarren ließ sie hochschrecken. Quennto fluchte.
„Brauchen diese Wesen keinen Schlaf!“
Maris blinzelte verwirrt. In diesen Raum hatten sie keine Uhr. Vielleicht sollte sie Thrawn darum bitten und auch wie sie die Zeit darauf ablesen konnte. Da Quennto ebenfalls eingeschlafen war, konnte es früher Abend bis späte Nacht sein.
Maris erhob sich aus dem Bett und stellte fest, dass sie ihre Decke im Schlaf von sich geworfen hatte. Kein Wunder das ihr im Traum so kalt gewesen war. Sie trug zwar ihre normale Alltagskleidung doch im Weltraum kühlte man schnell aus, wenn man ruhte.
Die Tür öffnete sich und ein Chiss Krieger stand höflich davor ohne reinzukommen. Verwirrt fuhr sich Maris durch das Haar. Sie musste schrecklich aussehen. Verschlafende Augen, zerknitterte Kleidung und zerzaustes Haar. Ein kleiner Trost war ihr Quenntos frustriertes brummen von oben. Es sah nun wirklich nicht so aus, als hätte man sie in einer Intimen Situation überrascht.
Bevor Quennto etwas unhöfliches sagen konnte, das der Krieger ohnehin nicht verstand, griff sie ein.
„Ist etwas passiert? Gibt es einen Notfall?“ Schnell sprach sie die Worte in Cheunh und spürte selbst im halbdunkeln Quenntos stechenden Blick auf sich. Er mochte es nicht, wenn sie die Führung übernahm. Dieser stolze Idiot!
Er nahm nicht an den Sprachunterricht den Thrawn ihnen anbot teil. Er konnte sich nicht verständigen außer vielleicht mit Sy Bisti, das von einigen ebenfalls beherrscht wurde. Da musste er doch genug vertrauen haben, sich auf sie zu verlassen.
„Commander Thrawn verlangt nach Ihrer Anwesenheit.“
Verwundert hob sie eine Braue. Sie wunderte sich über die Uhrzeit. Andererseits, vielleicht war es gar nicht so spät wie sie glaubte. Als Commander hatte er jede Menge zu tun und konnte sich nur wenig Zeit für Gespräche und Unterricht freinähmen. Car`das und sie hingegen, waren Gäste die nichts weiter zu tun hatten als hier herum zu sitzen. Schlaf konnte sie nachholen und alles andere war Momentan sowieso nicht wichtig.
Sie würde bei Thrawn keinen schlechten Eindruck hinterlassen nur weil sie Momentan etwas verstimmt war. Sonst wurde sie so ausgeschlossen wie Quennto und was blieb ihr dann noch hier?
Wie immer war sie bestrebt aus jeder Situation das Beste zu machen. Und ehrlich gesagt, verbrachte sie gerne Zeit mit ihm.
„In Ordnung. Ich ziehe mir nur die Schuhe an.“ Jetzt stolperte sie etwas über die Worte und hoffte das der Sinn verständlich war. Sie setzte sich auf das Bett und zog ihre Stiefel an. Als Schmugglerin hatte sie schon früh gelernt in ihrer normalen Kleidung zu schlafen. In den letzten Tagen und besonders in einer fremden Umgebung tat sie es oft. Aber Schuhe…die kamen ihr nicht ins Bett.
„Das ist los?“ Wollte Quennto wissen. Er saß noch immer auf seinem Bett.
„Thrawn will irgendetwas von Jorj und mir. Wahrscheinlich nichts Besonderes. Vielleicht ist es nur eine weitere Sprachstunde.“ Sie zuckte mit den Schultern.
Quennto starrte wütend an die Wand.
„Mitten in der Nacht? Der Kerl ist komplett verrückt.“
Maris unterdrückte ein Lächeln und versuchte ihr Haar etwas zu ordnen. Irgendwie hatte er schon recht. Nur stören tat es sie kein bisschen.

Maris wunderte sich etwas, das der Soldat nicht auch Car`das aus seinem Zimmer holte. Wahrscheinlich war dieser bereits bei Thrawn. Seit der ersten Begegnung der Crew mit den Commander, war er dessen Bezugsperson, was die Menschen betraf. Eigentlich sollte es ihr nichts ausmachen. Car`das war schlau und überlegter in seinen Worten als Quennto. Und wenn sie ehrlich war, war er auch realistischer in seiner Einstellung zur Galaxis als sie selbst.
Dennoch…Vernunft war eine Sache. Eiversucht verspürte sie dennoch. Egal wie dumm sie sich dabei fühlte.
Der Soldat nickte ihr zu und sie ging allein durch die Tür. Die Gänge waren leerer gewesen als sonst. Sie hatte höflich nach der Uhrzeit gefragt. Es war später Abend und nicht mitten in der Nacht, wie sie vermutet hatte.
Sie betrat den Raum der zu Thrawns privaten Quartier gehörte, die Augen suchend im hellen Licht.
Thrawn entdeckte sie sofort und ohne dass sie es bewusst tat, breitete sich ein Lächeln auf ihren Lippen aus.
Wie gut er aussah…
Selten hatten ihr gegenüber Männern die Worte gefehlt oder Schüchternheit sie ergriffen. Nun ja, einige der bestaussehenden Männer ihrer Vergangenheit waren Idioten gewesen. Nicht vergleichbar mit den hoch intelligenten Commander dem nichts zu entgehen schien.
„Guten Abend, Commander.“ Begrüßte sie ihm und ging auf ihm zu. Dabei sah sie sich suchend um. Suchte nach der recht schmächtigen Gestalt von Car`das.
Auch das entging Thrawn nicht. Leicht verwirrt folgte er ihren Blick.
„Wo ist Car`das?“
Eine unschuldige Frage. Maris war sich sicher, dass ihr Freund hier sein würde. Er war immer bei ihren Treffen mit Thrawn dabei.
Thrawn hob eine Braue. Inzwischen stand sie etwa ein Meter von ihm entfernt und er deutete auf eine Sitzecke. Sie setzte sich entspannt. Nachdem ihr Schlaf unterbrochen war, erschien ihr diese deutlich bequemer als die standartmäßigen Stühle für den Unterricht.
„Car`das ist noch in seinem Quartier. Ich wollte mit dir reden.“
Alle Entspanntheit viel ihr aus dem Gesicht. Sie waren allein. In der Nacht. So etwas tat man nicht!
Die altmodische Erziehung sprach aus ihr. Sie war in der Nacht bei Männern gewesen. Bei Liebhabern und Freunden. Manchmal in Cantinas ohne Hintergedanken.
Hier jedoch…egal was sie sich einzureden versuchte. Sie war noch immer eine Gefangene und er derjenige der sie gefangen hielt. Die Situation jetzt war nicht richtig.
„Warum? Wir haben schon öfter miteinander geredet. Weshalb muss es allein sein?“ Maris sprach schnell und unterdrückte ihre Nervosität.
Sie mochte ihm. Und doch hallte, ohne dass sie es wollte Quenntos Wahrung durch ihren Kopf.
Thrawn setzte sich neben ihr. Es war intimer als die nähe während des Unterrichts, wo er meistens stand oder beim Schreiben ihnen gegenüber am Tisch saß. Er schwieg noch einen Moment und studierte ihr Gesicht. Maris legte ihre Hände ineinander um jedes zittern zu unterdrücken.
„Car`das hat seine Sicht auf die Galaxis. Ich will gerne mehr über deine erfahren.“
Ihre Wangen röteten sich.
„Ich weiß nicht, ob es die richtige Sicht ist.“
„Es gibt keine richtige oder falsche Sichtweise.“
Maris biss sich auf die Unterlippe.
„Was wollte dir Car`das nicht verraten?“ Sie war nicht so dumm wie einige glaubten und Thrawn sie vielleicht hielt. Seine Augen begannen noch etwas mehr zu glühen. Womöglich Missfallen oder Anerkennung. Sie wusste es nicht.
„Er ist etwas vorsichtig was Politik betrifft. Und ihm entgehen einige Feinheiten. Orte und Personen die er für selbstverständlich nimmt, mit denen die Chiss aber nichts anfangen können.“
Maris Augen schlossen sich. Gegen ihren Willen wurde sie ruhiger.
Er wollte tatsächlich nur reden. Natürlich wollte er das!
Maris fühlte sich schlecht an etwas anderes gedacht zu haben. Wie sie Quennto bereits gesagt hatte, es gab hierbei zu viele Dinge von denen sie nichts wusste. Nichts über Thrawn.
Sie lächelte nun wieder offener. Vorsicht gegenüber anderen war nie ihre Stärke gewesen.
„Versprich mir, dass du es nicht gegen die Menschen einsetzt.“
Es war so leichter in vertrauten Worten zu verfallen. Maris wusste das sie sich zusammenreißen musste. Dass sie nicht so mit ihm reden durfte.
Thrawn währenddessen sah sie nur an und nickte dann.
„Die Chiss erobern nicht. Wir halten uns sogar mehr aus den Belangen und Nöten der anderen raus als dass es mir gefällt. Nichts was du sagst, wird der Anstoß einer Invasion sein. Darauf gebe ich dir mein Wort.“
Maris atmete tief durch. Wie ernst er das sagte und wie nahe sie trotz allem zusammensaßen.
Er hatte keine Ahnung wie andere das interpretieren konnte. Diese Erkenntnis kam ihr mit einem Mal und ließ das ganze schon fast lustig wirken.
Thrawn war in Sachen Nähe und all den Zwischentönen so naiv wie sie auf den Blick auf die Galaxis. Der Commander hatte keine Ahnung wie anziehend er sein konnte.
Verdammt, warum machte ihm das nur noch attraktiver? Sie hoffte für die Frauenwelt, dass ihm das nie bewusst werden würde.
Maris riss sich zusammen. Es war eine Schwärmerei, nichts weiter!
„Wirst du anderen erzählen worüber wir reden.“
Er lächelte. Sie war so von den rotglühenden Augen eingenommen das ihr gar nicht aufgefallen war, wie schön es war. Er sollte es öfter tun.
„Wahrscheinlich nicht. Es sei denn, es wird anderen später helfen diese Informationen zu haben.“
Das gefiel ihr nicht. Thrawn konnte sie noch glauben, dass er nichts Böses gegen die Republik geplant hatte. Die anderen Chiss jedoch…die waren nicht unter seiner Kontrolle.
Nun schwieg sie und jede Emotion verschwand aus seinem Gesicht.
„Maris?“
Sie zuckte zusammen. Er hatte sie noch nie mit ihren Vornamen angesprochen. Es fühlte sich seltsam an. Sie selbst nannte ihm auch selten Thrawn, auch wenn er es ihr erlaubt hatte. Für sie war er der Commander. Sie nannte ihm so wohl auch um nicht zu vergessen, wo die Grenzen lagen. Und ein Stück weit, das Quennto nicht noch eifersüchtiger wurde.
„Wie wäre es, wenn ich mit Legenden beginne und wir sehen weiter, wohin das führt?“ Schlug sie vor. Maris wollte ihm etwas Harmloses geben.
„In Ordnung. Das klingt fair.“

Die Stunde die sich Thrawn Zeit genommen hatte verging unglaublich schnell. Maris entspannte sich in der Sitzecke und ohne, dass sie wusste wie bemerkte sie, dass sie nun noch dichter neben ihm saß.
Im Nachhinein waren ihr die Kleidung die sie trug und der Zustand ihrer Haare unangenehm. Besonders wenn sie es mit Thrawn makellosen auftreten verglich.
Thrawn jedoch hatte keinen Blick für so etwas. Er hing an ihren Lippen und ab und an durchbohrten seine Augen sie, wenn ihre Worte etwas zu abenteuerlich wurden.
Sie lachte oft und sah aus dem großen Fenster hinaus ins Schwarze Weltall. Eigentlich unterschieden sich die Abenteuer jener von denen sie erzählte, nicht so sehr von dem was ihr widerfahren war.
„Diese Jedi, ihre Kräfte sind doch bloß die Übertreibung von vielen Erzählungen.“ Fragte er nach.
Maris grinste.
„Das glaubst du? Habt ihr keine Wesen in euren Reihen, die übermenschliche Kräfte besitzen?“
Mit einem Mal war sein Gesicht verschlossen und die Augen abweisend. Maris erstarrte. Sie hatte ihn nur necken wollen. Es gab Wesen in der Galaxis, die die Macht nicht nutzen konnten. Ganze Völker und Spezies. Da Thrawn so gebannt auf ihren Lippen geschaut hat, hatte sie angenommen, dass die Chiss ebenfalls zu ihnen zählten. Seine Reaktion bewies fast schon das Gegenteil. Nur wollte er nicht darüber reden, oder durfte nicht.
„Es tut mir leid. Das hätte ich nicht fragen sollen.“ Murmelte sie und sah fort.
Eine Hand griff nach ihr. Wie bei ihrem Namen zuckte sie zusammen. Thrawns Haut war warm und rau an den Fingern. Es überraschte sie und schickte im selben Moment Schauer durch ihren Körper.
Sie hatte in den letzten Wochen immer nur seine Intelligenz gesehen. Das hatte sie vor allem anderen angezogen und fasziniert. Die rauen Hände bewiesen, das er nicht nur ein Gelehrter war. Ihm war harte Körperliche Arbeit oder Intensives Training nicht fremd. Schüchtern huschten ihre Augen über seinen Körper. Über die dunkle Uniform, die ihm einfach nur gut stand aber nichts preisgab.
Neugier konnte gefährlich sein oder einem in Verlegenheit bringen.
„Darüber darf ich nicht reden. Es hat nichts mit dir zu tun und entschuldige dich niemals für eine Frage. Sie war völlig berechtigt.“
Maris schluckte und wich den rot seiner Augen nicht aus.
„Und trotzdem wirst du sie mir nicht beantworten.“ Stellte sie tonlos fest. Seine Hand drückte fester zu. Es tat fast schon weh.
„Maris…“
Die Zeit schien still zu stehen. Etwas passierte gerade zwischen ihnen. Thrawn rang mit sich. Kurz fragte sie sich wie alt er war. Zumindest deutlich älter als sie selbst. Dennoch hatte dieses ganze Gespräch und seine Unentschlossenheit ihr etwas zu sagen, etwas Unschuldiges an sich.
Thrawn verstand die Welt nicht. Nicht wirklich. Er sah überall Dunkelheit und Misstrauen. Nun hatte er jemanden vor sich. Eine Fremde. Fremder als jeden anderen den er zuvor in seinem Leben getroffen hatte. Und gerade sie wollte nichts von ihm. Nur ein Stück weit Offenheit. Kein Nachgrübeln über irgendwelche verworrenen Motive.
„Die Chiss kennen Fähigkeiten, die über das Wort normal hinausgehen. Ob es die Macht ist, das weiß ich nicht. Sie ist selten und zeigt sich nicht so übermäßig wie in deinen Legenden.“
Maris stockte der Atem. Für Thrawn waren diese Worte unglaublich offen und ein eindeutiger Vertrauensbeweis. Sie wusste schon von dem hohen Besuch, dass man ihr an liebsten alles an Informationen und Wissen vorenthalten hätte. Er ging ein Risiko ein indem er ihr etwas Derartiges anvertraute. Niemals würde sie darüber reden.
„Ich verstehe.“ Dabei bezog sie sich auch auf all das unausgesprochene. Sie würde sein Vertrauen nicht missbrauchen.
Noch immer sah er nicht weg und Maris schaffte es nicht sich aus dem hypnotischen Blick zu befreien. Seine Hand lag noch immer auf ihrer. Wenn sich nicht bald etwas veränderte, würde es unangenehm werden.
Darum löste sie den Blickkontakt und sah zu Boden. Sie war es auch die ihre Hand zurückzog. Thrawn hatte schon bewiesen das ihm zwischenmenschliche Schwingungen nicht so sehr lagen. Sie durfte nicht zu viel hineininterpretieren.
„Ich glaube, ich sollte zurück in mein Quartier gehen.“ Murmelte sie.
Thrawn stand auf. Sein Gesicht so unleserlich wie sonst auch.
„Es wäre mir am liebsten, wenn du unser Treffen vor den anderen für dich behältst.“ Thrawn sagte es als sei es ihm gerade erst eingefallen.
Maris fühlte sich etwas überrumpelt. Vielleicht hatte Thrawn doch eine Ahnung davon, wie seltsam es erscheinen konnte, wenn sie zwei alleine waren. Nach kurzen zögern nickte sie.
Es wäre auch für sie leichter, wenn sie Quennto dieses Treffen nicht auf die Nase band.
„In Ordnung, Commander.“
Er lächelte als sie ihm so nannte. Erst jetzt wurde ihr klar, wie perfekt er schon Basic sprach. Ab und an war er über einzelne Worte gestolpert, hatte sie falsch ausgesprochen doch im Großen und Ganzen, konnte sie fast vergessen wo sie sich befanden. Zumindest für ihm konnte das Ganze als eine weitere Sprachstunde gesehen werden.
„Bis bald, Ferasi.“
Erst in ihrem Quartier wurde ihr klar, dass er nicht gesagt hatte ob sie das Treffen wiederholen sollten.
Maris würde sich wohl überraschen lassen.

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Anmerkung:
Für alle die „die Kundschafter“ nicht gelesen haben. Thrawn hat Basic dort überraschend schnell und vor allem nahezu akzentfrei sprechen gelernt. Es macht für mich Sinn, dass dies auch Maris verdienst war und den heimlichen Gemeinsamen Sitzungen.
Hoffentlich hat euch dieses Kapitel in der Vergangenheit gefallen. Mein Plan sind drei bis fünf „Damals“ Kapitel im Laufe der Geschichte.

Danke fürs Lesen:)
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