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Neue Wege

von weha
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 Slash
Böse Königin / Regina Mills Emma Swan
12.09.2020
12.09.2020
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12.09.2020 21.551
 
„Hallo Regina!“
„Miss Swan…“
„Waren wir nicht schon längst beim Du?“ Emma lächelte und ihre grünen Augen blitzten frech, als sie sich ungefragt gegenüber von Regina setzte. Es war Mittagszeit und wie so oft war Granny’s Diner um diese Zeit randvoll.
„Was willst du, Emma?“, fragte Regina sichtlich genervt. Heute war mal wieder einer der Tage, an denen sie sich am liebsten in ihre Gruft zurückziehen würde. Aber sie erstickte beinahe vor Arbeit im Büro und hatte deswegen keine Zeit um dorthin zu fliehen. Die einzige Auszeit, die sie sich gönnte, war die kurze Mittagspause, in der sie schnell einen Salat im Granny’s essen wollte. Ungestört! Und vertieft in ihre Zeitung, dem Storybrooke Daily Mirrow. Sie wollte nicht reden. Nein, sie wollte noch nicht einmal jemanden ansehen. Es reichte ihr ja schon, dass sie von allen angesehen wurde.
„Na, was essen, was sonst?“, grinste Emma.
„Ich meinte damit, was du an meinem Tisch willst.“ Reginas Nerven waren zum Zerreißen dünn.
„Schau dich um, Regina. Alle anderen Plätze sind besetzt.“
„Du könntest ein paar Minuten warten, bis ein Tisch frei wird. Wie andere auch. Vorne am Tresen!“
„Schlecht gelaunt?“, fragte Emma und machte keine Anstalten sich zu erheben und Reginas Tisch zu verlassen.
„Natürlich!“, giftete die Bürgermeisterin sie an. „Weil ich meine Mittagspause alleine verbringen wollte.“
„Okay… was ist los?“, wollte Emma wissen. Ihr war klar, dass Regina nicht wegen ihr schlecht gelaunt war. Na gut… nicht nur wegen ihr.
„Emma!“ Reginas dunkelbraune Augen funkelten bedrohlich und ihre vollen Lippen waren zu einer dünnen Linie gepresst. „Ich möchte alleine sein!“
Gerade als Emma wieder etwas erwidern wollte, kam Ruby an den Tisch. „Hey Sheriff, was darf’s sein?“
Emma blickte von Ruby zu Regina, die bereits wieder starr auf ihre Zeitung schaute und Emma so gut es ging ignorierte, dann sah sie zurück zu Ruby. „Sorry, Rubs. Ich muss schon wieder los. Ich komme später wieder.“
„Alles klar. Dann bis später Emma.“
„Ja, bis dann!“ Als Ruby den Tisch verlassen hatte, sah Emma wieder zu Regina. Sie räusperte sich, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen, doch wurde weiterhin ignoriert. „Tut mir leid, dass ich dich gestört habe, Regina. Ich geh dann mal. Man sieht sich…“
„Miss Swan…“, murmelte Regina bloß zur Verabschiedung, jedoch ohne hochzusehen.

Als Emma den Weg zur Sheriffstation entlang spazierte, blickte sie sich lächelnd um. Die Straßen und Häuser waren bereits mit Girlanden geschmückt, viele kleine Holzbuden standen verteilt an den Straßenrändern und überall hingen Zweige mit Lichterketten verbunden, die zu Herzen geformt waren. Es war unglaublich kitschig, doch Emma freute sich bereits auf den morgigen Tag. Morgen und am Sonntag würden die Bewohner der Stadt das Fest der Liebe und Freundschaft feiern. Aus den Holzbuden würde Glühwein und Lebkuchen verkauft werden und den ganzen Tag und den ganzen Abend würde Musik in der Stadt gespielt werden und auch am Folgetag würde das Fest bis zum Abend weitergehen. Die Stadtbewohner würden miteinander lachen und tanzen und sich zeigen, dass sie sich mochten. Noch mehr als sonst. Emma freute sich unglaublich darauf. Es würde ihr erstes Fest dieser Art werden. Snow hatte ihr erzählt wie besonders es jedes Jahr im Zauberwald gewesen war und nun würde es auch endlich in Storybrooke stattfinden. Es sollte ein wundervolles Zweitagefest werden, das auch einen Monat nach Weihnachten erneut an das Wichtigste im Leben erinnerte. An die Liebe und an die Freundschaft.
Für Emma war es etwas ganz Besonderes. Jetzt, wo sie eine Familie hatte, ihren geliebten Sohn bei sich und viele Freunde. Sogar Regina zählte sie zu ihren Freunden, auch wenn sie einst als böse Königin sehr viel Schlechtes getan hatte, so hatte sie sich geändert und bis auf ihre zickige Laune, die sie oftmals nicht verstecken konnte oder wollte, war sie doch ein guter Mensch. Außerdem hatte sie Henry aufgezogen und ihm so viel Liebe geschenkt, dass sich Emma keine bessere Mutter für ihren Sohn hätte wünschen können. Mittlerweile war es schon ein Jahr her, seit Emma den dunklen Fluch gebrochen hatte und sie hatte es sogar geschafft, dass Regina weiterhin die Bürgermeisterin bleiben durfte und sie von den Bewohnern akzeptiert wurde. Und das, obwohl es vor vielen Jahren Regina gewesen war, die alle mit ihrem Fluch nach Storybrooke gebracht hatte.

„Das war aber eine kurze Pause?!“, stellte David fest. „Alles okay?“
„Ja, Dad. Mach dir keinen Kopf. Ich hole mir später was zu essen. Oder könnest du mir vielleicht aus deiner Pause was mitbringen?“
„Klar, ich bring dir was. Aber erzähl! Wieso bist du schon wieder zurück?“
„Es war mir zu voll im Granny’s.“ Emma wusste selbst nicht, warum sie nicht die Wahrheit sprach. Aber wenn es um Regina ging, meldete sich eine Art Beschützerinstinkt in ihr. Niemand sollte wissen, dass sich auch Emma mal über die Bürgermeisterin ärgerte. Niemand sollte wissen, wenn Regina mal wieder schlechte Laune hatte. Immerhin war es schon hart genug gewesen, die Bewohner dazu zu bringen, Regina in der Gesellschaft zu akzeptieren. Niemand war sonderlich freundlich zu ihr, doch mittlerweile wünschte ihr auch niemand mehr den Tod. Das war vor einigen Monaten noch anders gewesen, doch niemals wieder sollte es so weit kommen. Regina war ein guter Mensch. Manchmal war ihr dies aber scheinbar selbst nicht ganz bewusst.


Einige Stunden später blickte Emma zu den Berichten auf ihrem Schreibtisch. Sie musste sie noch heute im Bürgermeisterbüro abliefern, doch bislang hatte sie sich nicht getraut. Nicht, dass sie Angst vor der ehemaligen bösen Königin hätte. Nein. Aber Regina war zu Mittag so schlecht gelaunt gewesen, dass Emma befürchtete, diese Laune könnte ihre noch sehr zart besaitete Freundschaft zerstören. Immerhin sagte Regina oft ziemlich gemeine Sachen und wenn dann auch Emma etwas rausrutschte, war Regina diejenige, die nachtragend war.
Doch wohl oder übel musste sie los, ehe ihre Schicht zu Ende war. Am liebsten würde sie David losschicken, doch sie wollte die Frage vermeiden, warum sie Regina aus dem Weg ging.
Sie stand von ihrem Stuhl auf, zog sich ihre rote Lederjacke an und schnappte sich die Berichte. „Ich geh dann mal zur Bürgermeisterin.“
David blickte kurz von seinem Computerbildschirm zu seiner Tochter und nickte lächelnd, ehe er sich wieder in seine Arbeit vertiefte. Schmunzelnd beobachtete Emma ihn noch für einige Sekunden, als er mit seinen zwei Zeigefingern die einzelnen Tasten auf der Tastatur suchte. Ganz geheuer waren ihm Computer nach all der Zeit in Storybrooke noch immer nicht. Kein Wunder also, dass Emma für das Schreiber aller Berichte zuständig war. Würde David einen schreiben, würde er dafür wohl einige Tage benötigen. Emma war flink, doch leider auch etwas schlampig, was Regina oft zur Verzweiflung brachte, wenn ein Bericht wieder einige Fehler aufzeigte, die nicht hätten sein müssen.

Als Emma im Rathaus die Treppen nach oben stieg, wurde sie immer nervöser. Sie wollte sich nicht mit Regina streiten. Doch ganz oft passierte es, wenn die Laune der Bürgermeisterin mal wieder am Tiefpunkt angelangt war, dass sich ein Gespräch zu einer hitzigen Diskussion bis hin zum Streit ausdehnte. Nein, heute wollte Emma dies unbedingt vermeiden. Es war ein guter Tag, sie war voller Vorfreude auf das morgige Fest und diese gute Laune wollte sie sich keinesfalls verderben lassen.
Als sie oben angelangt war, sah sie, dass die Tür zu Reginas Büro offen stand. Doch sie wagte es nicht hinzugehen, anzuklopfen und einzutreten, weswegen sie sich an Reginas Sekretärin wandte.
„Hey!“, begrüßte Emma sie lächelnd. „Ich habe hier einige Berichte, die die Bürgermeisterin noch heute haben wollte. Kannst du sie ihr reinbringen, bitte?“
„Hallo Emma! Ja, klar.“
Erleichtert atmete Emma durch und wollte gerade wieder gehen, als sie plötzlich Regina entdeckte, die in der offenen Tür stand und sie ansah.
„Hallo Regina.“ Ein schüchternes Lächeln legte sich auf Emmas Lippen. Sie sollte hier schleunigst weg, ehe die beiden einen Streit anfangen würden.
„Emma, hallo!“, sagte Regina ungewohnt freundlich. „Kann ich dich kurz sprechen?“
„Ähm…“ NEIN! „Klar.“
Emma folgte der Bürgermeisterin in deren Büro und schloss die Tür hinter sich. Etwas unbeholfen stand sie mitten im Raum und wartete.
„Emma, wegen heute Mittag…“
„Ja?“, krächzte Emma nervös.
„Bitte entschuldige.“
„W-Was?“
„Du hast mich schon verstanden!“, meinte Regina augenrollend. Sie hasste es, sich zu entschuldigen.
„Okay…“, hauchte Emma. „Entschuldigung angenommen.“
„Gut.“ Regina nickte und wandte sich dann wieder von Emma ab, als sie zurück zu ihrem Schreibtisch ging und ihre Arbeit fortsetzen wollte. Als sie aber bemerkte, dass Emma sich keinen Millimeter rührte, sah sie wieder zu ihr hoch. Schweigend hob sie mit fragenden Blick eine Augenbraue.
„Ähm…“, begann Emma stammelnd. Sie fuhr sich nervös durchs blonde Haar, ehe sie ihre Daumen in ihre Gürtelschlaufen einhakte. „Ich… ich wollte dir nur sagen, also… ich weiß ja nicht warum du heute nicht sonderlich gut gelaunt bist, aber… naja, also, falls du reden willst… Ich kann gut zuhören und…“ Sie atmete hörbar durch. „Naja, du hast ja meine Nummer.“
„Es gibt nichts zu bereden!“, sagte Regina, bevor sie auffordernd zur Tür nickte. „Ich muss jetzt weitermachen.“
„Alles klar.“ Emma nickte und unterdrückte das Seufzen, das über ihre Lippen wollte. „Mach’s gut.“
Gerade als sie die Tür geöffnet hatte und den Raum verlassen wollte, hielt Reginas Stimme sie nochmals zurück.
„Emma?“
„Ja?“
„Kann ich Henry heute abholen und mit ihm zu Abend essen?“
„Tut mir leid, Regina. Henry ist heute direkt nach der Schule zu einem Freund gefahren und schläft dort.“ Als sie Reginas enttäuschten Blick sah, sprach sie schnell weiter. „Aber er ist morgen natürlich am Fest. Da wirst du ihn sehen und wenn er will, kann er dann ja bei dir übernachten.“
„Nein, schon gut. Danke, das war alles. Auf Wiedersehen, Emma.“
„Ähm… okay… bis dann.“
Emma verließ das Büro und schloss die Tür. Auf der Treppe nach unten drang dann auch das ersehnte Seufzen aus ihr. Dieses Mal aber, weil ihr Regina leidtat. Nachdem der Fluch vor einem Jahr gebrochen wurde, hatte Henry beschlossen bei seiner leiblichen Mutter zu leben. Er wollte bei Emma sein und mit der bösen Königin nichts mehr zu tun haben. Einige Wochen hatte er den Kontakt zu Regina komplett abgebrochen, dann aber hatte er sich langsam wieder angenähert. Wohnen wollte er aber trotzdem weiterhin bei Emma und seinen Großeltern Snow und Charming.
Emma war sich sicher, dass das ganz furchtbar für Regina sein musste. Henry war ihr Sohn, sie liebte ihn. Und tatsächlich hatte sie ihn an seine leibliche Mutter verloren. Auch wenn Henry seine Adoptivmutter noch immer liebte und für immer lieben würde, so hatte er sich doch dafür entschieden nicht bei ihr bleiben zu wollen und übernachtete nur hin und wieder, eher selten, bei ihr. Regina hatte das akzeptiert, so schwer es ihr auch gefallen war, aber niemals hätte sie Henry dazu zwingen wollen sein Leben bei ihr zu verbringen.


Am nächsten Tag stand Emma mit ihren Eltern und mit Henry bei einer Holzhütte, aus der ihnen würziger Glühwein verkauft wurde. Henry nippte an seinem heißen Kinderpunsch.
„Ist es nicht traumhaft?“ Snow strahlte übers ganze Gesicht, während sie sich umblickte und sich ihr freier Arm bei Emmas einhakte. „Schaut nur wie glücklich alle sind!“
Auch Emma blickte sich um. Ja, tatsächlich lachten die Stadtbewohner viel, sie umarmten einander und tanzten miteinander. Die Stimmung war großartig. Es war unglaublich viel los und es wirkte, als wären alle anwesend. Fast alle. Auch Henry bemerkte, dass jemand fehlte und sah zu seiner Mutter hoch.
„Mom ist nicht da.“
„Nein, Kleiner.“ Sie zuckte mit den Schultern und biss sich auf die Unterlippe, als sie ihren Blick suchend über die Menge schweifen ließ. Sie war nirgendwo zu sehen. „Vielleicht arbeitet sie?!“
„Aber heute ist Samstag!“, entgegnete er.
„Du kennst doch deine Mom.“ Sie grinste ihn an. „Niemand ist so ein Workaholic wie sie.“
„Das stimmt!“, nickte er. „Darf ich kurz rüber zum Rathaus schauen ob sie dort ist? Vielleicht kommt sie ja mit mir mit?“
„In Ordnung, Kleiner. Hol deine Mom zu uns. Wir warten hier.“
„Okay, bis gleich!“ Er grinste Emma dankbar an und drückte ihr seine noch fast volle Tasse in die Hand. „Ich beeile mich!“
„War das denn notwendig?“, fragte Snow.
„Was meinst du?“, verstand Emma nicht.
„Dass Regina zu uns herkommen soll. Du weißt doch wie sie ist.“
„Sie ist Henrys Mom!“
„Ja, ich weiß. Und ich finde es schön, dass Henry wieder öfters ihre Nähe sucht. Er tut ihr gut.“
„Aber?“ Emma verstand noch immer nicht worauf ihre Mutter hinaus wollte.
„Sie ist so oft schlecht drauf, sie ist zickig und trieft vor Sarkasmus.“
„Ich mag ihren Sarkasmus!“, entgegnete Emma. Sie hasste es, wenn über Regina schlecht geredet wurde.
„Heute ist das Fest der Liebe und der Freundschaft.“ Snow zeigte umher und lächelte. „Schau dir an wie glücklich alle sind. Ich will nicht, dass Regina die Stimmung zerstört.“
„Das wird sie nicht!“, versprach Emma. „Sie gehört hier genauso dazu wie wir alle. Und gerade mit der Bedeutung dieses Festes müssen wir sie doch in unsere Mitte holen, oder? Sie ist Henrys Mom und sie ist mir eine Freundin!“ Am Schluss war Emmas Stimme etwas leiser geworden. Regina und sie waren Freundinnen, auch wenn nicht sonderlich dicke. Doch sie mochte Regina und sie wollte sie nicht ausschließen. Sie verbrachte gerne Zeit mit ihr.
„Wie du meinst!“, gab Snow auf. „Dann hoffen wir einfach, dass sie das hier genauso genießt wie alle anderen und keinen Streit anfängt.“

Zwanzig Minuten später hatten Emma und ihre Mutter schon längst das Thema gewechselt und unterhielten sich lachend mit Nova, die von einigen Fettnäpfchen erzählte, in die sie mal wieder getreten war, als Henry zurückkam.
Verwirrt drehte sich Emma von den anderen weg und sah zu Henry. „Wollte sie nicht mitkommen?“
„Sie war gar nicht da!“, erzählte er. „Du hast sie hier also auch noch nicht gesehen?“
„Nein, keine Spur von ihr.“
„Ob sie zuhause ist?“, fragte Henry etwas besorgt. „Wieso will sie nicht mit uns feiern?“
„Vielleicht arbeitet sie von daheim aus…“, murmelte Emma. „Weißt du was? Ich fahr mal zu ihr nach Hause. Bleib du bei deinen Großeltern.“
„Darf ich nicht mitkommen? Bitte Mom!“
„Kleiner, lass mich mal nach ihr sehen. Deine Mom war gestern schon nicht gut drauf. Ich finde raus ob sie arbeitet oder was anderes hat, in Ordnung? Vielleicht ist es ja irgendein Erwachsenenkram.“
„Hm, okay!“, brummte er.
Emma gab ihren Eltern Bescheid, wuschelte durch Henrys Haar und lief danach zu ihrem gelben VW Käfer.  

Sie parkte ihr Auto auf der Straße vor dem großen weißen Haus in der Mifflin Street mit der goldenen 108 an der Tür. Sie war nervös, als sie ausstieg und das Grundstück betrat. Hoffentlich ging es Regina gut und hoffentlich konnten sie normal miteinander reden, ohne sich zu streiten. Vielleicht hatte sie einfach nur die Zeit übersehen, weil sie ihrer Arbeit konzentriert nachging?
Emma biss sich aufgeregt auf die Unterlippe, nachdem sie ihren Finger auf die Türklingel gelegt hatte. Es vergingen Sekunden, die ihr vorkamen wie quälende Minuten, bis die Tür von innen geöffnet wurde.
„Emma?!“ Überrascht zog Regina beide Augenbrauen in die Höhe, als sie die Blonde erkannte. „Was machst du hier?“
„Ich wollte dich abholen.“
„Wie bitte?“
„Weißt du, heute ist doch das Stadtfest. Du warst nicht da, also dachte ich…“
„Miss Swan!“, kam es nun schärfer von Regina. „Viel gedacht haben Sie wohl nicht! Als Bürgermeisterin weiß ich sehr wohl, dass heute das Fest stattfindet.“
„Aber wieso bist du dann nicht…“
Wieder wurde sie von Regina unterbrochen. „Ich bin nicht dort, weil ich keine Lust auf dieses Fest habe! Sonst noch was? Oder kann ich mich nun wieder in mein Arbeitszimmer zurückziehen?“
„Henry vermisst dich!“
„W-Was?“ All die Härte war plötzlich aus Reginas Gesicht verschwunden. „Hat er das gesagt?“
„Er hat dich gesucht. Er war sogar im Rathaus, weil wir dachten, dass du arbeitest. Er möchte mit dir feiern.“
„Emma…“ Seufzend schüttelte Regina den Kopf. „Ich kann nicht.“
„Wieso nicht?“
Regina öffnete mehrmals den Mund, schloss ihn aber jedes Mal wieder.
„Darf ich reinkommen?“, bat Emma. „Nur für einen Moment? Es ist eiskalt hier draußen!“
Kurz zögerte Regina, dann aber machte sie einen Schritt rückwärts und öffnete die Tür ein Stück weiter, um Emma reinzulassen. Emma folgte ihr in die Küche.
„Ich mach mir einen Kaffee. Möchtest du auch einen?“, fragte Regina. „Der wird dich wärmen.“
„Ja, gerne.“

Sie saßen sich einige Minuten schweigend am Küchentisch gegenüber. Irgendwann hielt es Emma aber nicht mehr aus und öffnete den Mund.
„Wie hast du das vorhin gemeint? Wieso kannst du nicht zum Fest gehen?“
„Ist das nicht offensichtlich?“, lachte Regina, doch die dunkelbraunen Augen wirkten unglaublich traurig.
„Nein, nicht für mich!“, sagte Emma schulterzuckend. „Ich verstehe es nicht.“
„Emma, ich bin die böse Königin.“
„Nein, du warst die böse Königin. Das ist vorbei.“
„Für dich vielleicht. Merkst du nicht wie mich alle anstarren, wenn ich das Diner betrete oder durch die Stadt laufe? Die Leute haben Angst vor mir. Nach wie vor wollen sie mich tot sehen oder mich zumindest wegsperren.“
„Das ist nicht wahr!“ Emma schüttelte so heftig den Kopf, dass ihre blonden Wellen wild durch die Luft wirbelten. „Du wirst von allen Stadtbewohnern akzeptiert.“
„Akzeptiert…“, echote Regina und lachte rau. „Vielleicht akzeptieren ein paar, dass ich noch lebe. Vielleicht tolerieren auch ein paar, dass ich nicht im Gefängnis verweile. Aber niemand mag mich! Was soll ich am Fest der Liebe und der Freundschaft, wenn mich niemand liebt und ich keine Freunde habe?“  
Emma stand der Mund offen. So hatte sie Regina noch nie erlebt. Noch nie hatte sie ihr Inneres offenbart und zugegeben, wie sehr sie alles belastete. Nach einem kurzen Moment fasste sich Emma wieder.
„Das ist nicht wahr! Henry liebt dich! Und… und ich zähle dich zu meinen Freunden.“
Regina senkte den Kopf, doch nicht rechtzeitig genug, denn Emma hatte das verräterische Glitzern in den Augen bereits bemerkt.
„Du hast Henry und mich, Regina. Wir werden dich nie fallen lassen.“
Nach dieses Worten sah Regina wieder hoch und es schien ihr egal zu sein, dass sie somit ihre Tränen offen zeigte. „Henry hat mich längst fallen gelassen! Und du… Ich kann nicht verstehen, warum du mit mir befreundet sein willst?!“
„Henry war im Schockzustand. Zu erfahren, dass seine Mom tatsächlich die böse Königin war und sich das nicht nur in seiner Fantasie abgespielt hat, hat ihn mitgenommen. Aber merkst du nicht, dass er sich versucht anzunähern? Er vermisst dich! Du bist und bleibst die Mutter für ihn, die ihn großgezogen hat und ihm so viel Liebe geschenkt hat. Der Kleine liebt dich wie verrückt!“ Emma atmete tief durch, dann sprach sie weiter. „Und ich mag dich einfach. Was soll ich da groß erklären? Ich weiß, was du früher alles getan hast, aber es ist Vergangenheit. Ich habe keine Ahnung was genau ich an dir so mag, aber du bist mir sehr wichtig, Regina. Vielleicht liegt es daran, dass du Henry so eine tolle Mutter warst und bist. Vielleicht liegt es daran, dass du so eine starke Frau bist. Ich weiß es nicht und ich will da auch gar nicht lange darüber nachdenken. Ich mag dich einfach. Punkt. Und du bist für mich eine Freundin, egal was du dagegen sagen willst.“
Regina schluckte und wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln. „Du müsstest mich hassen. Nach allem was ich deinen Eltern angetan habe. Wegen mir musstest du ohne sie aufwachsen. Du müsstest mich hassen…“, hauchte sie zum Schluss nur noch. Sie konnte es nicht verstehen.
„Das tu ich aber nicht. Und wäre nicht alles so passiert wie es passiert ist, würde es Henry nicht geben. Ich könnte dich nie hassen, Regina!“
Als Regina nach diesen Worten leise aufschluchzte und beschämt ihren Kopf wegdrehte, stand Emma auf, umrundete den Tisch und setzte sich auf den freien Stuhl neben ihr. Sie wollte Regina beweisen, dass sie Freundinnen waren. Sie wollte es ihr zeigen. Und somit zögerte sie keine Sekunde länger und zog ihre Freundin in eine tröstende Umarmung.
Überrascht keuchte Regina auf, doch im nächsten Moment krallte sie sich in Emmas Rücken und weinte in ihre Halsbeuge.
„Ich bin immer für dich da! Das verspreche ich dir!“, flüsterte Emma und strich dabei beruhigend durch Reginas Haar und über ihren Rücken.
„Wenn du irgendjemandem von meinem Ausbruch hier erzählst…“, schniefte Regina an Emmas Hals und schmunzelte dabei etwas. „… dann werde ich wieder zur bösen Königin und reiße dir das Herz raus.“
„Schon verstanden!“, lachte Emma. „Das hier bleibt unter uns!“
Sie hielten einander noch eine Weile fest und erst, als Reginas Tränen versiegt waren, löste sie sich von Emma. Beschämt wischte sie sich über die nassen Wangen, auf denen die dunklen Spuren der Mascara zu sehen waren. Emma half ihr und fuhr mit ihren Daumen über Reginas zarte Haut, um den Rest der verlaufenen Schminke zu entfernen.
„Danke!“, hauchte Regina.
„Nichts zu danken!“, lächelte Emma sie an und zwinkerte. „Du bist wieder vorzeigbar.“  
„Nein, das meinte ich nicht. Nicht nur. Danke, dass du mir zugehört hast und für alles, was du mir gesagt hast.“
„Hierfür will ich schon gar keinen Dank hören. Jedes Wort war ernst gemeint, Regina.“ Sie lächelte noch immer und strich ihrer Freundin sanft über den Unterarm. „Bist du jetzt bereit? Können wir los?“
„Emma, ich… es tut mir leid.“
„Du kannst nicht!“, nickte Emma verstehend. „Ist in Ordnung.“
„Wirklich? Aber was ist mit Henry?“
„Ich sage ihm, dass du von der Arbeit nicht loskommst.“
„Wird er sehr enttäuscht sein?“
„Nicht, wenn er heute bei dir schlafen darf!“, schmunzelte Emma. Sie wusste, dass das Reginas Stimmung aufhellen würde. „Wäre das für dich in Ordnung?“
„Ja!“, nickte Regina sogleich. „Ja, natürlich. Sag ihm, dass ich Lasagne machen werde.“
„Mmh, da wird er sich freuen! Und ich werde eifersüchtig sein, während ich an trockenem Brot rumknabbere und es mit Wasser runterspüle!“, scherzte sie.
„Dann solltest du auch hier essen.“
„Das war nur Spaß, Regina. Ich wollte mich nicht selbst einladen. Mach dir einen schönen Abend mit Henry.“
„Ich habe deinen schlechten Scherz schon verstanden!“, lachte Regina. „Und du hast dich nicht selbst eingeladen, sondern wurdest von mir eingeladen.“
„Meinst du das ernst?“
„Natürlich!“ Regina kam nicht umhin genervt mit den Augen zu rollen. Emma machte es ihr wirklich nicht leicht… „Genießt das Fest noch und kommt später einfach gemeinsam her. Vielleicht so gegen sieben?“
„Okay, gerne. Danke dir!“  


Den restlichen Nachmittag grinste Emma wie ein Honigkuchenpferd. Ihre Eltern wunderten sich anfangs darüber, dann dachten sie jedoch, dass Emma einfach die Stimmung am Fest so sehr genoss. Auch Henry war anfangs von Emmas Laune verwirrt gewesen, dann aber hatte er für sich beschlossen, dass sich seine Mom wohl genauso auf die Lasagne freute wie er. Vor allem aber freute er sich auf seine andere Mom und darauf heute in seinem früheren Zuhause zu schlafen.
Niemand kannte den wahren Grund warum Emma so glücklich war. Sie war glücklich, weil sie noch nie zuvor so gut mit Regina hatte reden können. Noch nie hatte Regina ihr so sehr vertraut wie heute. Zwar war es nicht schön, Regina traurig zu wissen, aber dafür umso mehr, ihre Vertrauensperson zu sein. Emma schwor sich, sich heute beim Essen von ihrer besten Seite zu zeigen. Sie wollte, dass Regina ihr weiterhin vertraute und vor allem sollte Regina merken, dass sie sich für den Ausbruch vorhin nicht schämen musste. Sie würden gemeinsam essen, vielleicht ein Glas Wein trinken und dann würde Emma nach Hause fahren und Henry mit seiner Mom allein lassen. Bestimmt brauchten die beiden auch etwas mehr Zeit für sich, weswegen Henry auch gerne den ganzen Sonntag im Mills Anwesen verbringen dürfte.
„Schau mal, Mom!“ Henry zupfte an ihrem Jackenärmel und zeigte auf die Holzhütte, die Lebkuchenherzen verkaufte. „Sollen wir Mom heute so was mitbringen?“
„Gute Idee, Kleiner!“, nickte sie. „Such dir eins aus!“
„Wir beide müssen ein Herz aussuchen.“
„Ähm… ich denke nicht, dass ich ihr ein Herz kaufen werde. Ich bringe ihr lieber Rotwein mit.“
Henry erwiderte darauf nichts weiter, da er schon konzentriert die Sprüche auf den Herzen las. Es war alles Mögliche dabei. Aufschriften wie ‚Mein Herz‘, ‚Ich bin Dein‘, ‚Ich liebe dich‘, ‚Prinzessin‘ und ‚Darling‘ waren darauf zu lesen und noch vieles mehr.
„Das hier!“, rief Henry euphorisch. Er zeigte Emma das Herz, das er soeben entdeckt hatte. „Was meinst du?“
„Ja, das ist toll! Da freut sie sich bestimmt.“
„Denkst du?“ Mit einem Lächeln las er das Wort ‚Supermom‘ laut vor, dann nickte er. „Ja, das gefällt ihr bestimmt!“
Nachdem sie das Lebkuchenherz gekauft hatten, spazierte Emma mit ihrem Sohn weiter von Holzhütte zu Holzhütte und schmökerte durch die unterschiedlichsten Sachen, die verkauft wurden. Als sie bei einem Stand einen Apfellikör entdeckte, verwarf sie die Idee Wein mitzubringen. Regina liebte alles was mit Äpfel zu tun hatte. Emma würde ihr hiervon eine Flasche mitnehmen.
Am späten Nachmittag war die Sonne bereits untergegangen und viele Kerzen und Lampions tauchten das Fest in ein wundervolles Licht. Noch immer waren unglaublich viele Leute anwesend und die Stimmung war noch gelöster als zuvor. Vielleicht lag es bei manchen auch am Glühwein. Emma hatte an diesem Tag sogar einige Male das Tanzbein geschwungen. Einmal mit ihrem Vater, einmal mit Archie und einen Tanz hatte ihr Henry geschenkt. Doch nun stand sie schon seit einer Weile rum und beobachtete die anderen. Ohne Bewegung und ohne Glühwein, immerhin wollte sie nüchtern bei Regina auftauchen, begann sie zu frösteln. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie erst in zwei Stunden bei Regina sein würden. Doch sie wollte nicht länger hierbleiben.
„Henry?“
„Ja?“
„Komm, lass uns nach Hause gehen. Wir müssen uns noch heiß duschen, sonst werden wir krank.“
„Ich will aber nicht duschen!“, maulte er.
„Keine Widerrede!“, entgegnete sie. „Komm wir fahren. Wir wollen doch pünktlich bei deiner Mom sein, oder?“
„Okay!“, gab er miesmutig auf.


Um fünf vor sieben standen sie vor Reginas Tür, die Sekunden nach dem Klingeln geöffnet wurde.
„Mom!“, rief Henry erfreut und schmiss sich in die Arme seiner Mutter, die etwas überrascht aber doch mit einem glücklichen Lächeln die Umarmung erwiderte.
„Hallo Liebling.“ Sie löste sich ein Stück aus der Umarmung und küsste seine Stirn. „Schön, dass du da bist.“
„Ja, ich freu mich auch. Schau mal, ich hab dir was mitgebracht!“ Er gab ihr das Lebkuchenherz mit der Aufschrift ‚Supermom‘, bevor er ohne ein weiteres Wort ins Innere stürmte, aus den Schuhen und der Jacke schlupfte und dem Duft folgte, der aus der Küche kam. „Oh, riecht das lecker!“, hörten die beiden Erwachsenen ihn noch sagen, ehe er aus ihrem Blickfeld verschwunden war.
Kichernd nickte Emma. „Er hat recht. Die Lasagne duftet bis hierher.“
„Hallo Emma!“ Mit einem Lächeln begrüßte Regina sie und ignorierte das Gesagte über ihre Lasagne. Viel wichtiger war, dass ihr Sohn hier war. Und Emma. Sie ging einen Schritt auf sie zu und umarmte sie kurz mit einem kleinen Kuss auf die Wange. „Danke, dass du mir diesen Abend ermöglichst.“
Emma konnte gerade nichts sagen. Sie war viel zu überrumpelt davon, dass Regina sie umarmt hatte und auch von dem kleinen Backenkuss. Diese Nähe zwischen ihnen war neu. Noch nie zuvor hatten sie sich auf diese Art begrüßt.
„Ähm… hier…“, stammelte sie wortklaubend und hielt Regina die Flasche Apfellikör hin. „Ich hoffe der schmeckt.“
„Das wäre nicht nötig gewesen. Aber danke!“ Mit einem Lächeln beäugte sie das Etikett der Flasche und auch nochmal das Lebkuchenherz, was sie zum Strahlen brachte. Es war etwas ganz Besonderes für sie, dass sie ein solches Herz von ihrem Sohn bekommen hatte. Und sie freute sich auch darüber, dass sich Emma an ihre Vorliebe für Äpfel erinnerte. „Komm rein!“, sagte sie schließlich. „Das Essen ist gleich fertig.“

„Mom, ich schwöre dir, dass du die allerbeste Lasagne auf der ganzen weiten Welt machst!“, schwärmte Henry mit vollem Mund. „Ich platze gleich, aber darf ich trotzdem noch einen Nachschub haben?“
„Natürlich Henry. Nimm dir noch ein kleines Stück!“, sagte Regina. „Magst du auch noch was, Emma?“
„Nein danke. Es hat wundervoll geschmeckt, Regina. Danke dir!“ Sie sah von ihr zu Henry. „Sag mal, Kleiner, wo isst du denn das alles hin?“
„Das ist jahrelanges Lasagne-Training!“, meinte er schulterzuckend.
„Das stimmt!“, lachte Regina. „Schon von klein auf hat er davon nie genug bekommen. Es ist, als würde sich für diese eine Mahlzeit sein Magen ins Unendliche weiten und sobald es Salat gibt in ein Nichts schrumpfen.“
„Weil Salat eklig ist!“, erklärte Henry.
Normalerweise würde Regina ihm nach so einer Aussage verständlich machen, wie wichtig und gesund Salat war, doch dieses Mal ließ sie es bleiben. Viel zu sehr genoss sie den Abend mit ihrem Sohn und mit Emma, die ihr heute so beigestanden hatte.

Nach der Lasagne servierte Regina noch das Dessert und sogar hier langte Henry ordentlich zu. Doch nachdem sie sich anschließend noch zu dritt mit einem Brettspiel vergnügt hatten, wurde Henry müde. Es war noch gar nicht wirklich spät, aber sein voller Magen raubte ihm jegliche Energie.
„Ich sollte dann wohl auch aufbrechen!“, meinte Emma unsicher, als Henry nach oben verschwunden war. Sie wollte noch gar nicht gehen, aber sie wollte sich auch nicht aufdrängen.
„Jetzt schon?“, schoss es aus Regina, was sie beide überraschte.
„Ähm… ich will dich nicht stören.“
„Das tust du nicht.“ Das tat sie wirklich nicht. Regina gefiel der heutige Abend und auch wenn das etwas ganz Neues für sie war, so wollte sie gerne noch mehr Zeit mit Emma verbringen. „Möchtest du noch etwas Wein?“
„Gerne.“
„Dann setz dich rüber ins Wohnzimmer, dort ist es bequemer. Ich hol uns noch etwas Wein.“
Nickend stand Emma auf, schnappte sich die beiden leeren Weingläser und ging damit ins angrenzende Wohnzimmer. Es war eigenartig mit Regina Zeit zu verbringen. Doch es war eigenartig schön. Sie fühlte sich in ihrer Nähe wohl und wenn sie ehrlich war, würde sie gerne viel öfter solche Abende verbringen.
Regina folgte kurz darauf ins Wohnzimmer, goss in beide Gläser etwas Rotwein und setzte sich danach neben Emma auf die Couch.
„Emma…“, begann sie ungewohnt schüchtern. „Ich weiß, dass ich nicht immer die Freundlichste bin. Und… naja, dass ich hin und wieder ziemlich launisch sein kann.“ Sie atmete tief durch und versuchte mit festem Blick in Emmas grüne Augen zu sehen. „Danke, dass du mich trotzdem nicht aufgegeben hast. Ich kann nicht in Worte fassen, wie viel es mir bedeutet Henry heute hier zu haben und… und dich. Danke für alles, was du mir heute gesagt hast. Ich werde versuchen einen neuen Weg einzuschlagen. Ich weiß nicht wie und ob ich es schaffe, aber ich werde es versuchen. Ich versuche mich zu bessern.“
„Regina, ich…“
„Nein!“, unterbrach Regina. „Bitte sag jetzt nichts dazu. Es ist mir schon peinlich genug, dass ich vor dir so gefühlsduselig bin. Lass uns einfach auf den Tag anstoßen und den Abend noch genießen!“ Sie griff nach den beiden Weingläsern am Tisch und gab eines davon Emma. „Auf neue Wege, Emma!“
„Auf neue Wege!“, stimmte sie zu und klirrte ihr Glas sanft gegen Reginas, als sie noch etwas hinzufügte. „Solange du nicht zu weit vom Weg abkommst. Ich mag dich nämlich wie du bist.“
„Emma…“, hauchte Regina und schluckte schwer. Wieso sagte sie so etwas? Regina war grauenvoll! Wie konnte Emma sie trotzdem so mögen?
„Und jetzt bitte ich dich, nichts darauf zu sagen. Nimm es einfach an!“, lächelte Emma. „Zum Wohl!“
„Zum Wohl!“, flüsterte Regina. Sie konnte und wollte nicht lauter sprechen. Sie wollte die Stimmung nicht zerstören, die gerade so besonders war.

Sie unterhielten sich noch über eine Stunde und lachten sogar einige Male miteinander. Es war für beide ein tolles Gefühl, dass sie plötzlich so unbefangen miteinander reden konnten.
„Darf ich dir nachschenken?“, fragte Regina und griff dabei nach der noch fast vollen Weinflasche.
„Nein, danke. Ich muss noch fahren!“, antwortete Emma. „Ich sollte jetzt sowieso aufbrechen. Immerhin hast du morgen einen anstrengenden Tag mit Henry vor dir. Er hat dich so vermisst, da wird er dich zu allen möglichen gemeinsamen Aktivitäten überreden wollen.“
„Ich kann es kaum erwarten!“, gab Regina lächelnd zu. „Ich habe ihn auch sehr vermisst.“
„Ich weiß!“, seufzte Emma. „Tut mir leid, dass das letzte Jahr so schwer für dich war. Wir werden das ändern, versprochen. Ich möchte, dass du Henry wieder öfter bei dir hast. Und er will das auch.“
„Das würde mich sehr freuen.“ Regina nickte zur Bestätigung. Sie folgte Emma, die von der Couch aufstand. „Ich bringe dich noch zur Tür.“
An der Tür angekommen, umarmten sie sich wieder. Es war eine längere Umarmung als bei der Begrüßung. Eine innigere. Als sie sich voneinander lösten, war es dieses Mal Emma, die ihre Lippen für einen kleinen Kuss auf Reginas Wange legte.
„Danke für den schönen Abend.“
„Jederzeit wieder!“, lächelte Regina. Sie war selbst erstaunt, welche Worte über ihre Lippen gehuscht waren und doch waren sie ehrlich gewesen. Sie wollte Emma bald wiedersehen und gerne auch wieder so entspannt wie heute auf der Couch.


Am nächsten Tag, es war Sonntag, genoss Emma ihre Ruhe. Henry war noch bei seiner anderen Mom und ihre Eltern besuchten wieder das Stadtfest. Emma genoss die sturmfreie Bude so sehr, dass sie erst am frühen Nachmittag unter die Dusche gesprungen war und nun mit noch feuchten Haaren und mit einer gemütlichen Jogginghose auf der Couch lümmelte.
Das Buch, das sie las, war so spannend, dass sie das erste Klopfen an der Wohnungstür gar nicht gehört hatte. Als jedoch lauter daran gepoltert wurde und sie die Stimme ihres Sohnes hören konnte, der nach ihr rief, legte sie das Buch zur Seite und stand auf. Sie öffnete die Tür und entdeckte Henry und Regina davor.
„Sorry Mom, ich habe meinen Schlüssel vergessen.“
„Kein Ding! Hallo Kleiner.“ Sie wuschelte ihm durchs Haar, als er sich an ihr vorbei ins Innere drängte und lächelte Regina an.
Die Bürgermeisterin stand in einem dicken Mantel gehüllt vor ihr. Um den Hals war ein Schal gebunden und auf dem Kopf trug sie eine schwarze Wollmütze. Einige dunkle Haarsträhnen lugten daraus hervor und Emma kam nicht umhin, sie etwas zu lange anzustarren. Sie fand, dass Regina süß aussah. Ein Wort, das sie nie mit Regina in Verbindung gebracht hatte und auch nicht dachte, das jemals zu tun. Für Regina fielen ihr eher Worte ein wie wunderschön, adrett, elegant oder stilvoll. Aber ja, sie sah tatsächlich unglaublich süß aus mit dieser Mütze.  
„Hallo Regina!“ Emma umarmte sie wieder und gab ihr wie auch gestern ein Küsschen auf die Wange. Sie mochte diese neue Art der Begrüßung und Verabschiedung. „Wieso bringst du Henry schon zurück? Ich dachte ihr wolltet später auch gemeinsam zu Abend essen?“    
„Wollen wir auch!“, erwiderte Regina. „Aber… naja… Henry möchte gerne zum Fest und… und…“
„Du willst nicht und deshalb soll ich mit ihm hin?“, fragte Emma flüsternd, sodass Henry sie nicht hören konnte.
„Nein, das ist es nicht.“ Nervös atmete Regina durch. „Ich gehe mit ihm hin, aber… aber ich würde mich sehr freuen, wenn ich auf deine Unterstützung zählen könnte…“
„Oh…“, machte Emma erstaunt. Schon wieder hatte sich Regina bei ihr geöffnet. Sie hatte Angst vor all den Bewohnern beim Fest. Vor den Blicken, von denen sie gestern schon gesprochen hatte. Und ja, sie wollte für Regina da sein. Immer. „Ich muss mir schnell die Haare föhnen und mich umziehen. Gebt mir zehn Minuten!“


Wenige Meter bevor die erste Holzhütte kam, wo sich einige Menschen tummelten, griff Regina unauffällig nach Emmas Hand und drückte sie sanft.
„Danke, dass du mitgekommen bist!“, flüsterte sie.
„Gerne!“, lächelte Emma. Als Regina ihre Hand wieder losließ, fühlte sich diese sogleich um einiges kälter an. Sie musste zugeben, dass sie Reginas Berührungen mochte. Ob Wangenküsse, Umarmungen oder so wie eben das kurze Händchenhalten. Sie würde diese Hand gerne erneut in ihrer spüren, doch wie sollte sie so etwas erklären? Nein, das war unmöglich. Sie konnte es sich doch selbst nicht erklären.
Nebeneinander liefen sie hinter Henry her, der zielsicher auf die Hütte zusteuerte, die den Kinderpunsch verkaufte, der ihm gestern so geschmeckt hatte. Regina bestellte ihm seinen Punsch und auch für sich selbst und für Emma kaufte sie einen Glühwein.
Obwohl sie Henrys gute Laune genoss und die Zeit mit Emma, so fühlte sie sich von Minute zu Minute unwohler. Es war etwas anderes wenn sie im Granny’s auftauchte oder durch die Stadt lief, selbst da erntete sie böse Blicke, doch scheinbar hatte sie für die anderen am Fest der Liebe und Freundschaft nichts verloren. Es wurde gemurmelt und geflüstert, es wurde zu ihr hingestarrt, teils verwundert, teils zornig. Die Bewohner wollten die einstige böse Königin nicht hierhaben.
Auch Emma schien es zu bemerken und wieder war sie es, die Regina zur Seite stand. Sie schritt näher an ihre Freundin heran und legte einen Arm um ihre Taille. Ein Küsschen auf Reginas Wange sorgte kurz darauf für noch mehr flüsterndes Getratsche, doch das war Emma egal. Sollten doch alle denken was sie wollten. Sie wollte für Regina da sein und allen zeigen, dass sie auf ihrer Seite war. Dass sie beide befreundet waren. Und alleine der Blick, den Regina ihr schenkte und der so voller Dankbarkeit war und etwas unglaublich Liebevolles ausstrahlte, war für Emma genug um zu wissen, dass sie das Richtige tat.

„Mom, magst du mit mir tanzen?“, fragte Henry, nachdem seine Tasse geleert war.
„Ähm… Henry, ich weiß nicht…“, stammelte Regina. „Die Leute starren sowieso schon.“
„Na und?“, fragte er schulterzuckend. „Mir doch egal! Ich will mit meiner Mom tanzen! Nein, warte… Ich will mit meinen beiden Moms tanzen! Kommt mit!“
„Du wirst staunen!“, sagte Emma, als Henry bereits zu einer der Tanzflächen vorlief. „Er ist ein begnadeter Tänzer.“
„Er hat es ja auch von mir gelernt!“, zwinkerte Regina und versuchte somit auch ihre Unsicherheit zu überspielen. Sie hasste es von allen so angestarrt zu werden. Bestimmt wurde bereits geredet, dass sie Emma verflucht hätte, weil sie sich mit ihr abgab.
„Oh nein!“, jammerte Emma. „Heißt das, ihr beide könnt so gut tanzen? Ich werde mich blamieren!“, seufzte sie.
„Bestimmt nicht. Die Wahrheit ist, dass Henry und ich uns das Tanzen vor einiger Zeit selbst beigebracht haben. Ich habe davor zuletzt mit meinem Vater getanzt, als ich noch ein junges Mädchen war.“
Wieder staunte Emma über die Offenheit ihr gegenüber. „Hast du nie mit König Leopold getanzt? Oder mit… mit Daniel?“ Den zweiten Namen sagte Emma nur ganz leise. Sie hatte Angst mit ihrer Frage zu weit gegangen zu sein. Doch wieder antwortete Regina ihr offen und ehrlich.
„Leopold hatte nur Augen für seine Tochter. Selbst bei unserer Hochzeit hat er mich nicht ein einziges Mal aufgefordert.“ Regina blieb kurz stehen und sah Emma nachdenklich an. Als sie aber beschloss mehr aus ihrer Vergangenheit zu erzählen, setzte sie auch wieder einen Fuß vor den anderen. „Einmal im Pferdestall, da hat mich Daniel sogar aufgefordert. Er hat mein Lieblingslied gesummt und wollte mit mir tanzen. Gerade noch rechtzeitig haben wir meine Mutter bemerkt, die sich dem Pferdestall genähert hatte. Zum Glück, sonst hätte ich Daniel wahrscheinlich schon früher verloren.“ Sie schluckte schwer, aber Emma sollte alles erfahren. Sie wollte sich ihr anvertrauen, um Emma die Freundin zu sein, die sie sich wünschte. „Dieser romantische Moment damals wurde zerstört, als meine Mutter in den Stall kam und Daniel mal wieder wie ein Nichts behandelt hat. Daniel und ich haben nie ein Wort darüber verloren und haben auch keinen weiteren Versuch gewagt. Wir haben kein einziges Mal in unserem Leben miteinander getanzt.“
„Regina, das… das tut mir furchtbar leid.“
„Lass uns über etwas anderes reden!“, forderte Regina und zwang sich zu einem Lächeln. Dabei kam ihr unbewusst Henry zur Hilfe, der vor der Tanzfläche schon ungeduldig auf seine Mütter wartete.
„Kommt endlich!“
„Wir sind ja schon da, Kleiner!“, entgegnete Emma. Sie schielte kurz zu Regina, die jedoch schon wieder ehrlich lächelte, als Henry ein leises „Wurde auch Zeit!“ murmelte.

Auf der Tanzfläche wurde gelacht, sie drehten sich im Kreis und Emma wurden ein paar Tanzschritte beigebracht, die sie gestern schon bei Henry bewundert hatte. Alle drei hatten jede Menge Spaß. Irgendwann reichte es Henry jedoch und er ging zu seinen Großeltern, die sich in der Nähe der Tanzfläche mit Abigail und Frederick unterhielten.  
„Sollen wir es noch einmal wagen?“, fragte Regina. „Ich denke, bald hast du den Schritt raus.“
„Klar, gerne!“, grinste Emma. Es machte ihr unglaublich Spaß mit Regina zu tanzen und sie so locker zu erleben. Im Moment wirkte es sogar so, als würde sie die Blicke der Stadtbewohner gar nicht registrieren oder sie ignorierte sie schlichtweg. Im Moment wirkte sie zufrieden. Ja, schon beinahe glücklich. Emma fragte sich, ob Regina genauso viel Spaß hatte, wie sie selbst. Sie hoffte es!
„Dann lass uns das jetzt mal anständig machen!“, forderte Regina. Jetzt, da Henry nicht mehr mitmachte, konnten sie sogar die richtige Haltung einnehmen.
Regina legte ihre rechte Hand auf den unteren Teil von Emmas linken Schulterblatt, mit ihrer linken Hand ergriff sie Emmas rechte.
„Leg deine linke Hand auf meinen Oberarm.“ Regina nickte zu der Stelle, an der Emma sie berühren sollte. Als Emma sie an die richtige Stelle gelegt hatte, übte Reginas Hand unterm Schulterblatt etwas Druck aus, damit Emma einen Schritt auf sie zumachte, jedoch nur so weit, dass etwa eine halbe Körperbreite Abstand zwischen ihnen herrschte.
Noch bevor der erste Tanzschritt folgte, schaute Emma gebannt zur ihren Füßen hinunter. Doch das erlaubte Regina ihr nicht, die ihre Hand kurz von Emmas Rücken löste und den Zeigefinger davon unter Emmas Kinn legte.
„Schau nicht nach unten, Emma. Schau mich. Am besten blickst du mir durchgehend in die Augen und lässt dich führen. Du kannst den Schritt, vertrau darauf.“
„Okay…“, sagte Emma leise und sah Regina in ihre dunkelbraunen Augen. „Dann hoffen wir mal, dass ich uns beide nicht zu Fall bringe.“
Tatsächlich schafften sie es nach ein paar Anfangsschwierigkeiten, die Schrittfolge fehlerlos zu meistern. Und als sie so weit waren, begann das Tanzen auch wieder richtig Spaß zu machen. Die Schritte wurden weniger vorsichtig, sie drehten sich schneller und manchmal fühlte es sich an, als wären sie eins und würden über die Tanzfläche schweben. Emma hatte keine Ahnung zu wie vielen Stücken sie bereits getanzt hatten. Sie wollte niemals wieder damit aufhören.
„Moms!“ Henry unterbrach die beiden jedoch. „Ihr tanzt jetzt schon seit über einer halben Stunde. Ich hab Hunger!“
„Oh…“, kam es aus beiden gleichzeitig. Sie sahen sich an und lachten, da sie beide nicht auf die Zeit geachtet hatten.
„Ihr beide wollt bestimmt ins Granny’s, oder?“, fragte Regina.
„Ja!“, rief Henry begeistert. „Ein Burger wär jetzt super lecker!“
„Wollt ihr nicht lieber zu zweit gehen?“ Emma war unsicher, immerhin hätte es Reginas und Henrys Tag sein sollen.
„Kommt gar nicht in Frage, Emma!“, entgegnete Regina. „Ich lade dich zum Essen ein. Als kleines Dankeschön, weil du uns begleitet hast!“ Sie beute sich zu Emma vor und flüsterte ihr die nächsten Worte ins Ohr. „Und weil du mich die Blicke der anderen hast vergessen lassen.“


In den nächsten Tagen und Wochen spürte Emma wie sie beobachtet wurde. Egal wo sie lang lief, egal wo sie einkaufte oder wo sie essen ging. Egal was sie tat, sie spürte die Blicke auf sich. Es schien, als würde die ganze Stadt sie beobachten und über sie reden. Denn jedes Mal wenn sie sich zu den Blicken umdrehte, erwischte sie die Leute wie sie schnell wegschauten und flüsternd weitersprachen. Sie hatte keine Ahnung warum sie das neue Gesprächsthema der Stadt war.
„Hey Mom!“
„Hallo Emma.“, begrüßte Snow ihre Tochter, als sie sich zu ihr an den Tisch setzte. „Hast du gerade Mittagspause?“
„Ja, aber nur noch zehn Minuten, dann muss ich wieder los. Was machst du schon hier? Triffst du dich nicht mit Dad?“
„Doch, doch. Er kommt nachher her. Um ehrlich zu sein hatte ich gehofft, dass ich dich noch erwische. Dein Vater meinte, dass du deine Pause bestimmt wieder im Granny’s verbringst.“
„Was gibt’s? Wieso wolltest du mich sehen?“, wurde Emma neugierig.
„Ich wollte fragen, wie es dir geht.“
„Gut. Wie immer. Was ist los, Mom? Wieso fragst du?“
„Naja, du weißt schon. Wegen… wegen den Gerüchten… Kommst du damit klar?“
„Welche Gerüchte?“
„Du weißt nichts davon?“, fragte Snow überrascht. „Die ganze Stadt spricht davon. Tut mir leid, ich dachte, dass es dir längst jemand verraten hätte.“
„Mom, wovon redest du?“
„Emma… Schatz…“, begann Snow stammelnd, während sich ihre Wangen unnatürlich rot färbten. „Die Stadt redet über dich.“
„Über mich? Aber wieso das denn? Was hab ich denn getan?“
„Emma, seit… seit dem Fest wird über dich und Regina geredet.“
„Und was? Was ist mit Regina und mir? Starren mich deshalb alle so an?“
„Mach dir nichts draus, Emma. Ich weiß, dass das nur Gerüchte sind.“
„Mom!“, wurde Emma lauter. „Was für Gerüchte? Ich habe keine Ahnung wovon du sprichst!“
Snow atmete mehrmals tief durch, dann senkte sie den Blick um ihre Tochter dabei nicht in die Augen sehen zu müssen. „Es wird geredet, dass du eine Affäre mit Regina hast!“, murmelte sie.
„Bitte WAS?“, schrie Emma beinahe. „Wie kommen die Leute auf so einen Unsinn?“
„Naja, ihr seid in letzter Zeit irgendwie so… so vertraut miteinander.“
„Weil wir befreundet sind!“, entgegnete Emma. „Und wir beide sind Henrys Mütter. Wir müssen uns vertrauen um ihn gemeinsam erziehen zu können.“
„Und ihr Verhalten neuerdings? Regina lacht sonst nie!“
„Uns wird eine Affäre angedichtet weil sie lacht?“, fragte Emma fassungslos. „Wie bescheuert ist das denn!“
„Sie ist bei dir so anders…“, versuchte Snow erneut zu erklären.
„Ja, weil ich die einzige Person bin, die auch anders zu ihr ist. Jeder hier behandelt sie schlecht. Würden alle etwas freundlicher sein, wäre sie es auch.“
„Emma, bitte schau mich nicht so zornig an. Ich glaube dir ja. Ich erzähle nur, was ich gehört habe. Ich weiß, dass du nichts mit Regina hast.“
„Aber?“, wollte Emma wissen. Sie konnte ihrer Mutter ansehen, dass ihr noch etwas auf der Zunge lag.
„Aber ich kann auch verstehen warum dieses Gerücht entstanden ist. Regina benimmt sich bei dir so anders, sie lacht mit dir, du legst öffentlich deinen Arm um ihre Taille und küsst ihre Wange. Wie ihr getanzt habt, so als würde es um euch herum nichts und niemanden geben… Emma, wenn ihr euch weiterhin so benehmt, wird die Gerüchteküche nie enden.“
„Das ist doch lächerlich! Regina und ich sind befreundet und jetzt sollen wir aufpassen wie wir in unserer Freundschaft miteinander umgehen? Nur, damit wir die Fantasie von euch Märchenwesen stoppen?“
„Emma!“, sagte Snow streng. „Hör auf so frech zu sein. Ich bin immer auf deiner Seite, selbst wenn die Gerüchte wahr wären. Das weißt du! Also hör auf mich so anzugreifen!“
„Dann hör du auf mir solche Sachen zu unterstellen! Es klingt nämlich so, als würdest du diesen Gerüchten mehr Glauben schenken als mir.“
Mit diesen Worten sprang Emma auf und rannte ohne ein Wort der Verabschiedung aus dem Diner. Sie hatte genug gehört. Das war doch nicht zu fassen! Sie und Regina? Nur weil sie sich gut verstanden und endlich so locker miteinander umgehen konnten?


Am späten Nachmittag klingelte das Festnetztelefon im Sheriffbüro.
„Sheriff Swan?“
„Hallo Emma. Ich bin’s, Regina.“
„Hi!“, sagte Emma kurz angebunden. Nachdem was ihr Snow heute erzählt hatte, wusste sie nicht, wie sie weiterhin mit Regina umgehen sollte.
„Ich wollte dich fragen, ob du heute mit Henry vorbeikommen möchtest. Ich hätte Lust auf eine Paella, aber für mich alleine möchte ich nicht kochen.“
„Ähm… Regina?“
„Ja?“
„Du hast noch nichts von den Gerüchten gehört, oder?“
„Welche Gerüchte?“
„Ähm…“ Wie sollte sie ihr das beibringen? Was, wenn sie deswegen den Kontakt abbrechen würde? Je weniger sie miteinander zu tun hätten, desto weniger hatten die Leute zu reden…
„Emma? Was ist los? Welche Gerüchte?“
„Regina, ich komme gerne mit Henry vorbei. Darf er heute bei dir schlafen? Dann erzähle ich dir alles, sobald er im Bett ist.“
„Muss ich mir Sorgen machen?“, wurde Regina unsicher.
„Nein! Nein, musst du nicht. Lass uns später reden.“
„In Ordnung. Und natürlich darf Henry hier schlafen. Sehr gern sogar. Passt es euch um sieben?“
„Ja, wir werden pünktlich sein. Soll ich Wein mitbringen?“
„Nein danke, Emma. Ich habe einen spanischen Rotwein zuhause, der wunderbar zur Paella passt.“
„Alles klar. Dann bis später! Ich freu mich.“
„Ich mich auch. Bis dann.“  


Als Henry an diesem Abend müde in seinem Kinderzimmer verschwand, setzten sich Emma und Regina mit dem Rotwein auf die Couch im Wohnzimmer.
„Danke nochmal für die Einladung!“, sagte Emma. „Es hat wieder großartig geschmeckt.“
„Das freut mich. Danke fürs Kompliment.“ Danach schwiegen sie eine Weile, bis es Regina nicht länger aushielt. „Nun sag schon, Emma. Von welchem Gerücht hast du heute gesprochen? Wird in der Stadt geredet, dass ich jemandem das Herz rausgerissen hätte?“
„Was? Nein! Nein, natürlich nicht.“ Emma schüttelte den Kopf, ehe sie sich nachdenklich auf die Unterlippe biss.    
„Ist es denn so schlimm?“, fragte Regina nervös. „Oder wieso fällt es dir so schwer?“
„Ich weiß nicht ob du es schlimm findest.“ Emma blickte in Reginas braune Augen. „Ich habe Angst, dass du den Kontakt mit mir abbrichst, damit diese Gerüchte aufhören.“
„Ich verstehe nicht. Emma, was wird denn geredet? Und wieso sollte ich deswegen den Kontakt zu dir abbrechen? Wir sind Freundinnen und ich bin unheimlich froh darüber. Seit Daniel konnte ich mich niemandem mehr so öffnen, wie ich es bei dir tue. Ich vertraue dir und du kannst mir vertrauen. Ich wüsste keinen Grund, warum ich den Kontakt…“
„Wir haben eine Affäre!“, schoss es aus Emma.
„Bitte was? Mit wem hast du eine Affäre?“ Regina verstand kein Wort.
„Mit dir!“, antwortete Emma und atmete tief durch. „In der Stadt wird geredet, dass wir beide etwas miteinander haben.“
Regina sah sie mit großen Augen an. Ihr Mund stand etwas offen und sie schwieg. Es dauerte eine Weile bis das Gesagte von Emma vollständig bei ihr angekommen war, dann aber funkelte es in den Augen belustigt und ihr Mund formte sich zu einem Schmunzeln.
„Diese Idioten denken tatsächlich, dass wir eine Affäre haben?“
„Ja!“, nickte Emma. „Meine Mom hat es mir heute erzählt.“
„Wie kommen die darauf?“
„Scheinbar lachst du mehr, seit wir befreundet sind und die Bewohner haben wohl gesehen, wie ich beim Stadtfest meinen Arm um deine Taille gelegt und dir einen Kuss auf die Wange gegeben habe. Ach ja… und wir hatten wohl zu viel Spaß beim Tanzen…“
„Es stimmt!“, nickte Regina. „Ich lache mehr, seit wir uns angenähert haben. Das liegt aber daran, dass du mir eine Freundin geworden bist und nicht daran, dass wir Sex miteinander haben. Zumindest noch nicht.“
„W-Was?“
„Das war ein Scherz, Emma!“, grinste Regina augenrollend. „Keine Sorge, ich falle nicht über dich her. Ich steh nicht auf Frauen. Wir sind Freundinnen und wenn jemand was anderes behauptet, dann sollen sie eben. Das ist mir vollkommen egal. Kommst du damit auch zurecht?“
„J-Ja. Ja, ich denke schon. Aber was ist, wenn Henry was von den Gerüchten mitbekommt? Sollen wir davor mit ihm reden?“
„Ja, das sollten wir unbedingt. Er muss wissen, dass an den Gerüchten nichts dran ist.“
„Okay!“, stimmte Emma zu. Sie griff nach ihrem Weinglas und genehmigte sich einen großen Schluck. Reginas Scherz von vorhin steckte ihr noch tief in den Knochen. Und doch war sie dabei auch neugierig geworden. „Regina?“, fragte sie vorsichtig.
„Hm?“
„Darf ich dich etwas ganz Persönliches fragen?“
„Natürlich!“, nickte sie. „Sofern ich nicht antworten muss, wenn mir die Frage nicht gefällt?“
„Musst du nicht!“
„Dann frag mich!“, forderte Regina.
„Hast… hast du schon mal mit einer Frau geschlafen?“
„Nein!“, antwortete sie kopfschüttelnd. „Und du?“
„Auch nicht.“
„Dann sollten uns die Gerüchte umso mehr kalt lassen. Wir beide stehen nicht auf dasselbe Geschlecht. Wir haben nichts miteinander und werden auch nie was miteinander haben. Lass die Leute reden. Irgendwann hört das wieder auf.“
„Ich hoffe es. Ich hasse es, wie sie mich seit Tagen anstarren und hinter meinem Rücken flüstern.“, schimpfte Emma.
„Ich weiß. Das ist schrecklich.“
„Oh.“ Erst jetzt bemerkte Emma, was sie soeben gesagt hatte. Für Regina musste das noch viel schlimmer sein. Immerhin wurde über sie schon seit viel längerer Zeit hergezogen. Und auch jetzt würden die Bewohner wahrscheinlich ihr die Schuld für die angebliche Affäre geben. Wahrscheinlich hatte sie laut den anderen Emma mit Magie dazu gezwungen… „Tut mir leid, Regina. Du machst das schon viel länger durch und noch viel schlimmer.“
„Du musst dich nicht entschuldigen!“, sagte Regina kopfschüttelnd, griff nach Emmas Hand und drückte sie sanft. „Dir macht die Situation zu schaffen, dann rede auch mit mir darüber. Du musst dich bei mir nie zurückhalten.“
Emma lächelte ihre Freundin dankbar an. Sie wollte darauf nichts sagen. Sie wollte die Worte von Regina einfach nur in sich aufnehmen und genießen. Diese Freundschaft fühlte sich wunderbar an. Schade, dass sie so lange gebraucht hatten, um diesen Weg einzuschlagen. Aber dafür war es nun, nach all den Diskussionen und Streitigkeiten, umso intensiver. Emma war glücklich.


In den nächsten Tagen wurde weiterhin gemurmelt und getratscht. Es schien, als würde das Gerücht, Regina und Emma hätten eine Affäre, noch lange nicht aus der Welt geschafft sein. Aber zumindest wussten Henry und Emmas Eltern Bescheid, dass daran nichts Wahres war. Als sie gemeinsam mit Henry gesprochen hatten, hatte er zugegeben, dass es ihm gefallen würde, wenn seine beiden Mütter ein Paar wären. Er verstand aber auch, dass Liebe nicht erzwungen werden konnte, auch wenn er insgeheim hoffte, dass sie durch dieses Gerücht vielleicht doch irgendwann zusammenfinden würden.
Heute war Donnerstag. Regina und Emma hatten sich für eine gemeinsame Mittagspause im Granny’s verabredet.
„Hi!“, sagte Emma, als Regina das Diner betrat, stand von ihrem Tisch auf und umarmte sie mit einem Küsschen auf die Wange.
„Hallo Emma!“
Kaum, dass die beiden Platz genommen hatten, hörten sie auch schon wieder das leise Gemurmel von den anderen Tischen. Nach wie vor war jeder davon überzeugt, dass zwischen ihnen etwas lief und so wie es aussah, gefiel es den Bewohnern von Storybrooke nicht sonderlich, dass die Retterin von der bösen Königin verführt wurde.
„Ich würde dich jetzt am liebsten küssen!“, flüsterte Regina in Emmas Richtung.
„Bitte was?“
Regina schmunzelte, als Emma sie mit weit aufgerissenen Augen ansah. „Versteh mich nicht falsch!“, erklärte sie. „Aber es würde mir wirklich Spaß machen, wenn es allen hier die Sprache verschlägt.“
„Ach so…“, murmelte Emma und atmete hörbar aus. Für einen Moment hatte sie wirklich gedacht, dass es Regina ernst meinen würde. Aber das war lächerlich. Warum sollte Regina sie auch küssen wollen? Regina stand nicht auf Frauen und Emma genauso wenig.
Sie beobachtete Regina, die ihre Gabel mit einem Stück Salat zu ihrem Mund führte, das Blatt kaute und schluckte. Ein kleiner Tropfen vom Dressing haftete auf ihren Lippen, doch Sekunden später hatte sie diesen mit ihrer Zunge entfernt. Emma konnte nicht anders und starrte auf die vollen Lippen, über die soeben Reginas Zunge gefahren war. Es waren wunderschön geformte Lippen, die unglaublich weich aussahen. Wie es wohl wäre diese Lippen zu küssen?
„Emma?“
Bestimmt fühlten sich diese Lippen genauso weich an wie sie aussahen. Und bestimmt bewegten sie sich bei einem Kuss genauso sinnlich wie sie es taten, wenn sie Worte formten. So wie jetzt. Äh… was?
„Geht es dir gut? Emma?“
„Hm?“ Mit hochrotem Kopf löste Emma den Blick von Reginas Mund und schaute in ihre Augen. „W-Was hast du gesagt?“
„Ich habe gefragt, ob alles in Ordnung ist. Es hat gerade so gewirkt, als wärst du etwas weggetreten.“
„Ähm… nein, nein alles gut. Entschuldige, ich war nur in Gedanken.“
„Sicher?“
„Ja. Ja, es ist alles gut. Wirklich!“, nickte Emma und um von weiteren Fragen abzulenken, genehmigte sie sich einen großen Bissen ihres Burgers, der ihr jedes Sprechen verweigerte.

Nachdem sie aufgegessen hatten, blickte Regina auf die Uhr. „Oh Mist!“, fluchte sie. „Ich habe die Zeit übersehen. Ich muss zu einem Meeting mit dem Stadtrat.“
„Dann geh, ich übernehme die Rechnung.“
„Nein, das musst du nicht. Warte, ich lass dir Geld da.“
„Regina, hau schon ab!“, lachte Emma. „Das Essen geht auf mich.“
„Dann danke!“, sagte Regina lächelnd, bevor ihr Gesicht wieder reinste Professionalität ausstrahlte. „Ach ja, ich warte noch auf einige Berichte. Bis wann kann ich damit rechnen?“
„Ich bring sie dir heute vorbei.“
„Sehr gut!“, nickte Regina, die bereits wieder in ihrer Rolle als Bürgermeisterin war. „Danke fürs Essen! Bis später!“
„Bis dann!“, sagte Emma noch, doch da war Regina schon aufgesprungen und mit schnellen Schritten aus dem Diner gestürmt. Sogar wenn sie beinahe rannte, sah Regina noch elegant aus. Emma seufzte. Sie musste mit diesem Starren aufhören, sonst würde Regina irgendwann noch glauben, dass Emma tatsächlich was von ihr wollte. Und so war es nicht.
„Darf’s für dich noch was sein?“
„Äh… was?“
„Erde an Emma!“, lachte Ruby, die an ihren Tisch gekommen war. „Dich scheint es ja ziemlich erwischt zu haben.“
„Wovon redest du?“
„Na, von dir und der Bürgermeisterin. Läuft es gut zwischen euch? So verträumt habe ich dich noch nie erlebt.“
„Ähm… Ruby, du hast da was in den falschen Hals bekommen. Diese Gerüchte stimmen nicht. Wir haben nichts miteinander.“
„Ach Emma…“ Ruby war es egal, dass das Diner voll war und setzte sich neben Emma. „Jeder Blinde kann sehen, was zwischen euch läuft. Du musst mich nicht anlügen! Ich finde es toll!“
„Du denkst also nicht, dass Regina mich verzaubert hat?“, lachte Emma.
„Verzaubert vielleicht schon!“, zwinkerte Ruby. „Aber ganz ohne Magie. Ihr passt wirklich gut zusammen, Emma. Ich freu mich für dich! Und mal unter uns… Regina ist echt heiß!“
„Rubs, ich finde es wirklich toll von dir wie offen du damit umgehst. Aber zwischen mir und Regina läuft wirklich nichts. Wir sind bloß befreundet.“
„Ach komm schon, Emma!“ Ruby wollte ihr nicht glauben. „Du bist doch total vernarrt in sie und sie steht auf dich.“  
„Nein, das stimmt nicht. Wie gesagt, wir sind Freudinnen. Mehr nicht. Klar, sie ist umwerfend schön, aber um das zu erkennen muss man nicht verliebt sein. Da ist nichts zwischen uns.“
„Meinst du das ernst?“, begann Ruby zu zweifeln.
„Vollkommen!“
„Hm…“, machte Ruby und fuhr sich nachdenklich übers Kinn. „Aber hättest du nicht Lust es mal mit ihr zu probieren? Da ist was zwischen euch, ich bin doch nicht blöd!“
„Nein, da ist nichts! Wirklich nicht!“
„Also gut!“, seufzte Ruby und grinste frech. „Dann tu ich mal so, als ob ich dir glauben würde und werde nicht anmerken, dass ich deine Blicke gesehen habe.“
„Blicke?“
„Ach, lass gut sein!“, wehrte Ruby schmunzelnd ab.
„Was für Blicke?“
„Ich habe mich bestimmt getäuscht. Immerhin stehst du nicht auf Regina. Bestimmt habe ich es missverstanden, als du ihr ewig auf die Lippen und vorhin auf den Hintern gestarrt hast.“
„Ähm… bi-bitte was?“
„Vergiss es, Emma.“ Ruby kicherte leise, als sie aufstand, um sich wieder an die Arbeit zu machen. „Ich habe mich bestimmt geirrt. Also. Darf’s für dich noch was sein oder möchtest du die Rechnung?“
„Die… die Rechnung bitte…“, murmelte Emma verwirrt. Hatte sie Regina tatsächlich so offensichtlich angestarrt? Hatte Regina es auch bemerkt? Oh nein, bitte nicht. Nicht, dass es Regina, genauso wie Ruby, in den falschen Hals bekommen würde.


Als Emma am späten Nachmittag Reginas Büro betrat, verfluchte sie Ruby innerlich erneut. Wie sie es schon in den letzten Stunden getan hatte. Sie ärgerte sich, dass Ruby ihr solche Flausen in den Kopf gesetzt hatte. Denn nur deswegen hatte sie den ganzen Nachmittag an Regina denken müssen und an das, was Ruby ihr gesagt hatte. Und auch jetzt, in Reginas Büro, dachte sie an Rubys Worte. Sie wagte es kaum Regina anzusehen, da sie nicht auffällig starren wollte.
„Miss Swan!“ Reginas strenge Stimme ließ sie aufhorchen.
„Wieso Miss Swanst du mich?“, fragte sie verwirrt.
„Weil ich es gerade zweimal mit Emma versucht habe, aber scheinbar bist du mal wieder in deiner Gedankenwelt versunken. Was ist los, Emma?“
„Nichts. Alles gut!“, log sie. Nichts war gut! Sie wusste nicht was mit ihr los war. Das hatte sie früher nie getan, warum also jetzt? Warum konnte sie nicht aufhören Regina anzustarren? Wieso musste sie jede Bewegung in sich aufnehmen, als Regina in ihrem engen roten Kleid mit geschmeidigen Hüftbewegungen auf sie zu kam? Wieso musterte sie die endlos langen Beine, die in diesen verdammten High Heels noch länger wirkten? Wieso starrte sie schon wieder auf diese vollen Lippen, die sich zu ihrem Namen formten?
„Ich hasse dich…“, knurrte Emma leise, weshalb Regina abrupt stehenblieb.
„Bitte?“
„Tut mir leid!“, sagte Emma sogleich. „Nicht dich! Natürlich nicht dich.“
„Emma, was ist mit dir los? Muss ich mir Sorgen machen?“ Regina ging die letzten Meter auf sie zu, legte ihre Hände auf Emmas Schultern und sah sie aus ihren dunkelbraunen Augen wachsam an. „Was ist passiert? Wen hasst du?“
Emma konnte dem Blick nicht standhalten und senkte ihren. Sie biss sich auf die Unterlippe und betrachtete ihre eigenen Füße.
„Emma…“ Reginas Stimme war sanft und leise. „Rede mit mir.“
„Es ist nichts!“, wehrte Emma mit einem Kopfschütteln ab. „Ich hatte heute nur mit jemandem ein Gespräch, das mir nicht gefallen hat. Ich will nicht darüber reden. Bitte…“, flehte sie und sah Regina wieder an. „Bitte, können wir es gut sein lassen? Ich habe die Berichte mit.“
Seufzend löste Regina den Griff von Emmas Schultern und wich einen Schritt zurück. Sie konnte den Sheriff nicht zwingen mit ihr darüber zu reden, auch wenn sie zu gern wüsste was los war. Sie nahm Emma den Ordner ab, in dem die Berichte waren und ging zurück zu ihrem Schreibtisch.
„Danke!“, sagte sie und zeigte dabei auf den Ordner. „Ich mach dann mal mit meiner Arbeit weiter.“
„Okay…“, hauchte Emma. Es tat ihr leid. Bestimmt dachte Regina jetzt, dass sie ihr nicht genug vertrauen würde. So war es nicht. „Dann geh ich wieder. Bis dann, Regina.“
„Ja, bis dann!“, nickte die Bürgermeisterin und wandte sich ihrer Arbeit zu.


Die nächsten Wochen waren mehr als nur qualvoll für Emma. Regina beherrschte nicht nur Emmas Tagträume, nein mittlerweile träumte Emma auch nachts von ihr. In keinem dieser Träume war je etwas zwischen Regina und ihr passiert und doch war die Spannung in diesen Träumen beinahe greifbar. In diesen Träumen tauchten dunkelbraune Augen auf, die von langen, dichten Wimpern umschmeichelt wurden. Volle, weich aussehende Lippen luden zum Küssen ein, ohne, dass es je einen Kuss gegeben hätte. Sie sah in diesen Träumen, wie Reginas Zunge langsam über die Lippe leckte, um den Tropfen Salatdressing zu entfernen. Sie träumte davon, wie sich Regina bewegte, wie ihre Hüften schwangen. In den Träumen tanzten sie miteinander, sie lachten miteinander, hielten sich an den Händen und umarmten sich.
In keinem der Träume war mehr passiert und Emma ertappte sich immer öfter dabei, dass sie darüber enttäuscht war. Zu gerne würde sie wissen, wie es wäre Regina zu küssen. Wie es sich anfühlen würde. Doch dann, jedes Mal wenn ihr ein solcher Gedanke kam, schüttelte sie ihn schnell wieder ab. Zum Glück war in keinem Traum mehr passiert. Regina und sie waren Freundinnen. Mehr nicht.
Als Emma an diesem Morgen erwachte und noch immer das Antlitz Reginas vor sich sah, kam erneut der Wunsch in ihr hoch, sie zu küssen. Das musste aufhören! Sie brauchte Ablenkung. Sie beeilte sich unter der Dusche, zog sich rasch an und machte sich auf den Weg zu Granny’s . Ein leckeres Frühstück würde sie bestimmt auf andere Gedanken bringen.
„Guten Morgen, Emma!“, begrüßte Ruby sie gut gelaunt, als Emma am Tresen Platz nahm. „Kakao?“
„Nein, heute brauch ich was Stärkeres. Einen doppelten Espresso bitte. Und Pancakes bitte – wie immer.“
„Klar, kommt sofort.“
Emma beobachtete Ruby, die ihrer Großmutter die Essensbestellung in die Küche rief und sich danach an die Kaffeemaschine machte. Ruby war eine wunderschöne Frau. Sie hatte eine tolle Figur, hatte Charme und ein bezauberndes Lächeln. Emma blickte auf Rubys Lippen. Verspürte sie bei ihr auch den Wunsch sie zu küssen? Nein! Nein, ein Kuss war unvorstellbar! Emma war ganz klar, dass sie Ruby niemals küssen möchte. Sie spürte nicht mal annähernd eine sexuelle Anziehung.
„Ich bin nicht lesbisch…“, murmelte sie leise, doch Ruby hatte sie hören können, die ihr gerade die Kaffeetasse hinstellte.
„Ist das gut oder schlecht?“, grinste Ruby.
„Was?“
„Dass du nicht lesbisch bist.“
„Oh.“ Erst jetzt wurde Emma bewusst, dass sie ihren Gedanken laut ausgesprochen hatte. Verzweifelt zog sie die Stirn kraus. „Ich versteh mich selbst nicht mehr, Rubs.“
Ruby beugte sich über den Tresen und griff nach Emmas Hand. „Was ist los Emma? Geht es um Regina?“
Emma atmete hörbar durch. Sie blickte sich kurz im Diner um und bemerkte, dass sie der einzige Gast zu dieser frühen Stunde war. Sie musste mit jemandem darüber sprechen und vielleicht wäre Ruby genau die Richtige dafür. Immerhin war Ruby weltoffener als jede andere Person, die sie kannte.  
„Ich… ich…“, begann sie stammelnd. „Ich denke immer öfter daran, wie es wäre sie zu… ähm…“ Nervös atmete sie erneut tief durch. Was mit Ruby unvorstellbar war, konnte sie sich mit Regina sehr gut vorstellen. „Wie es wäre sie zu küssen.“
„Aber das ist doch gut?!“, stellte Ruby fest. „Vielleicht solltest du es einfach tun und sehen, wohin es euch führt.“
„Aber ich bin nicht lesbisch. Und Regina auch nicht.“
„Ach, dieses verdammte Schubladendenken!“, winkte Ruby ab, was Emma aufhorchen ließ.
„Wie meinst du das? Man ist doch entweder lesbisch oder nicht. Oder eben bi oder sonst was.“
„Und was hältst du davon, dass man sich einfach in eine Person verliebt? Egal welches Geschlecht? Muss man sich denn so festlegen? Und muss man dem einen Namen geben?“ Ruby lächelte bei ihren Worten. „Ich zum Beispiel bin für die Person offen, die mein Herz erobert. Egal ob Mann oder Frau, ob Zwerg oder Elfe.“
„Hm…“, machte Emma. „Da ist schon was Wahres dran. Aber… aber ich kann Regina doch nicht einfach küssen…“, sagte Emma nachdenklich.
„Klar kannst du!“
„Was, wenn sie dann nichts mehr mit mir zu tun haben will? Wir haben einen gemeinsamen Sohn, wir müssen gut miteinander auskommen und… und außerdem will ich sie nicht verlieren. Wir sind wirklich gute Freundinnen geworden.“
„Du kennst Regina am besten. Denkst du wirklich, dass du sie damit verlieren würdest?“, fragte Ruby.
„Ich denke nicht, dass sie sich von mir abwenden würde. Aber bestimmt würde es etwas zwischen uns verändern.“
„Ja, das ganz sicher. Aber vielleicht wäre es eine positive Veränderung?“
„Und wenn nicht?“ Emma sah sie verzweifelt an. „Was, wenn ich damit alles zwischen uns kaputt mache? Nein!“, sagte sie plötzlich entschlossen. „Ich werde sie nicht küssen. Niemals. Ich muss es nur irgendwie hinbekommen, dass diese Träumereien aufhören.“
In dem Moment hörten die beiden das Glöckchen über der Eingangstür, das einen neuen Gast begrüßte. Deswegen flüsterte Ruby ihre nächsten Worte nur noch, ehe sie sich von Emma wegdrehte. „Wenn du dich nach einem Kuss sehnst, werden deine Träumereien nicht enden, Emma.“


Emma saß alleine im Sheriffbüro, als sie Schritte hörte, die sich näherten. Das bekannte Geräusch von High Heels ließ ihr Herz aufgeregt schlagen. Was wollte Regina hier? Sie setzte sich aufrecht hin und blickte zur Tür, durch die wenige Augenblicke später die Bürgermeisterin trat.
„Miss Swan!“, kam es zornig von ihr und die braunen Augen funkelten vor Wut. Sie ging auf Emmas Schreibtisch zu und schmiss ihr einen Ordner hin. „Da drin sind die Berichte von letzter Woche. Jeder einzelne ist überhäuft von Fehlern. Ich bin weder Ihre Korrekturleserin noch Ihre Lehrerin! Ich habe es satt, dass Sie es nicht ein einziges Mal schaffen, Ihre Arbeit konzentriert zu machen!“
„Regina…“ Emma schluckte schwer. „Wieso bist du denn so sauer?“
„Das ist doch nicht zu fassen!“, kam es scharf retour. „Muss ich mich jetzt auch noch rechtfertigen, weil ich mir vom Sheriff korrekte Arbeit wünsche?“
„Regina…“
„Miss Swan!“, fuhr die Bürgermeisterin sie an. „Mir ist egal ob Sie heute die ganze Nacht daran sitzen werden. Morgen um zehn Uhr will ich alle Berichte fehlerfrei auf meinem Schreibtisch haben. Guten Tag!“ Mit diesen Worte rauschte Regina wieder aus dem Büro und ließ eine verdutzt dreinblickende Emma zurück. Was war das gerade?

Den ganzen Tag saß Emma an den Berichten, die sie immer und immer wieder überarbeiten musste. Immerhin war die Konzentration nicht mal halbherzig anwesend, nachdem Regina heute hier gewesen war. Am Abend knurrte ihr Magen, da sie bis auf die Pancakes heute Morgen nichts gegessen hatte. David hatte frei und mit all den Berichten hatte sie es bislang nicht geschafft eine Pause zu machen. Doch jetzt musste sie etwas essen. Sie legte den Bericht zur Seite, an dem sie später weiterarbeiten musste, zog sich ihre Jacke an und machte sich mal wieder auf den Weg zu Granny’s Diner.
„Emma…“, begrüßte Ruby sie leicht zerknirscht, als sie sich an den Tresen gesetzt hatte.
„Hi!“, sagte Emma. „Machst du mir bitte einen Burger zum Mitnehmen? Ich habe heute noch jede Menge Arbeit vor mir.“
Ruby nickte und bestellte bei Granny Emmas Lieblingsburger, ehe sie zu ihr zurückkam, sich etwas zu Emma beugte und leise sprach, damit niemand sonst sie hören konnte.
„Hast du Regina heute schon gesehen?“, wollte sie wissen.
„Ja. Und ich habe sie nicht geküsst, falls du darauf hinaus willst.“
„Nein, das ist es nicht!“, wehrte Ruby ab. „Wie geht es ihr?“
„Geht so…“, meinte Emma schulterzuckend. Sie wollte nicht verraten, dass Regina unglaublich schlecht gelaunt war. „Wieso?“
„Ich konnte heute ein paar Leute reden hören…“, begann sie. „Ich habe mitbekommen, dass sie Regina heute einen Brief ins Büro gebracht haben.“
Emma sah sie nur fragend an, so sprach Ruby weiter. „So was wie einen Drohbrief.“
„Was?“ Entsetzt riss Emma die Augen weit auf.
„Im Brief haben sie Regina aufgefordert, den Zauber zu lösen, der dich an sie bindet. Sie sind sich wohl alle sicher, dass die Retterin niemals so innig mit der bösen Königin wäre, wäre da nicht Magie im Spiel.“
„Sind die jetzt alle komplett bescheuert?“, entfuhr es Emma wütend. Nun war ihr auch klar, warum Regina heute so miese Laune hatte.
„Es tut mir leid, Emma. Aber wie es aussieht wird eure Freundschaft nicht akzeptiert. Und schon gar nicht die Affäre, die euch angedichtet wurde.“
„Ich fasse es nicht!“ Verzweifelt schüttelte Emma den Kopf. „Regina ist schon lange nicht mehr die böse Königin. Sie reißt sich als Bürgermeisterin den Arsch für diese Stadt auf, damit es niemandem an was fehlt. Sie eine großartige Mom und eine tolle Freundin. Regina ist ein guter Mensch! Sie tut nichts Böses mehr und sie hat mich ganz sicher nicht mit einem Zauber belegt, nur weil ich scheinbar die Einzige bin, die ihr wahres Ich erkennen kann.“
Emma hatte gar nicht bemerkt, wie laut ihre Stimme geworden war. Erst jetzt, als es mucksmäuschenstill im Diner war, sah sie sich um und stellte fest, dass jedes Augenpaar auf sie gerichtet war. Doch das war ihr egal. Nein, es war ihr sogar recht.
„Ihr habt richtig gehört!“, wandte sie sich nun an alle Gäste. „Ich steh zu Regina, egal was ihr plant und egal wie sehr es euch stört. Und nein, auf mir liegt kein Zauber! Ich bin scheinbar nur nicht so nachtragend und oberflächlich wie ihr es seid!“
Nach diesen Worten sprang sie vom Barhocker auf und verließ stinksauer das Diner. Vergessen war ihr Hunger. Vergessen war der Burger, den Granny gerade in der Küche zubereitete. Jetzt war nur noch Regina wichtig. Sie lief zu ihrem Auto, setzte sich rein und startete den Motor.

Wenige Minuten später parkte sie den Käfer vor Reginas Haus.
Sie klingelte Sturm, klopfte wie eine Verrückte an der Tür und rief immer wieder Reginas Namen. Es dauerte etliche Minuten, bis die Tür endlich aufgerissen wurde. Regina stand vor ihr und blickte sie wütend an. Das Gesicht trug noch immer die zornige Maske der strengen Bürgermeisterin oder vielleicht sogar der bösen Königin.
„Was willst du hier?“, fauchte sie Emma an. „Schon einmal daran gedacht, dass ich niemanden sehen will, wenn ich nicht beim ersten Klingeln öffne?“
„Ich weiß vom Brief!“, sagte Emma und kurz huschte ein trauriger Schatten über Reginas Augen, doch schnell wurde der Blick wieder kühl.
„Gut. Dann muss ich ja nichts erklären. Ich schlage vor, dass wir unseren Kontakt ausschließlich auf Henry reduzieren. Auf Wiedersehen, Miss Swan!“
Regina wollte die Tür zuschlagen, doch da war Emma schneller und hielt ihren Fuß dazwischen. Genervt blickte Regina sie an.
„Was denn noch?“
„Hör auf so mit mir zu reden, Regina!“, forderte Emma. „Willst du wegen diesen Idioten alles wegschmeißen, was wir uns aufgebaut haben?“
Regina atmete tief durch und ließ dabei auch ihre Maske fallen. „Emma, sei nicht dumm. Wenn wir den Kontakt abbrechen wirst du bald wieder ein volles Mitglied der Gemeinde sein. Sie werden irgendwann anfangen auch dich zu hassen, wenn du dich weiterhin mit mir abgibst.“
„Deshalb bist du so? Weil du mich schützen willst?“
„Emma…“, sagte Regina nun sanfter. „Du weißt, dass du mir wichtig geworden bist. Ich lasse nicht zu, dass sie dich schlecht behandeln. Es ist das Beste, wenn unsere Freundschaft hier endet. Du solltest nicht länger zu mir stehen. Du musst auf dich schauen!“
„Dafür ist es zu spät!“
„Wie meinst du das?“, verstand Regina nicht.
„Naja…“, begann Emma grinsend und zuckte mit den Schultern. „Vor weniger als fünfzehn Minuten habe ich der halben Stadt im Granny’s klargemacht, dass ich immer zu dir stehen werde. Dass du mich nicht verzaubert hast und… ähm… naja, dass sie alle mehr oder weniger bescheuert sind.“
„Du hast was getan?“, fragte Regina fassungslos. „Spinnst du, Emma? Du wirst all deine Freunde verlieren!“
„Das sind keine Freunde, Regina. Nicht, wenn sie dich so behandeln. Nicht, wenn sie nicht sehen können, wie glücklich mich unsere Freundschaft macht.“  
Sprachlos und mit angehaltenem Atem sah Regina Emma an. Noch nie zuvor in ihrem Leben wurde ihr so der Rücken gestärkt.
„Was ist jetzt?“, fragte Emma lächelnd. „Darf ich reinkommen oder willst du mich noch immer wegschicken?“
Regina brachte kein Wort über ihre Lippen. Aber immerhin machte sie einen Schritt zur Seite und ließ Emma eintreten.
„Willst… willst du etwas trinken?“, fragte Regina, nachdem Emma ihre Jacke an den Garderobenständer gehängt hatte. Sie war noch immer völlig durch den Wind.
„Am liebsten hätte ich was Starkes!“, schmunzelte Emma. „Aber ich habe die Berichte noch nicht alle durch. Wenn du die wirklich bis morgen Vormittag haben möchtest, dann lieber ein Wasser.“
Sie folgte Regina in die Küche und bemerkte grinsend, wie sie nach zwei Schnapsgläsern und nach der Flasche Apfellikör griff, die Emma damals vom Fest der Liebe und Freundschaft mitgebracht hatte. Scheinbar waren die Berichte nun doch nicht mehr allzu wichtig.

„Wieso hast du das getan?“, fragte Regina, als sie nach zwei Gläsern endlich wieder etwas klarer denken konnte. „Du machst dir damit nur das Leben schwer.“
„Das sehe ich anders!“, sagte Emma. „Wer wäre ich denn, wenn ich meine Freunde verleugne? Nein, das ist nicht meine Art. Und du weißt, dass du mir sehr wichtig bist. Das gebe ich nicht auf, weil ein paar Leute etwas dagegen haben.“
„Ein paar Leute? Emma, die ganze Stadt hasst mich. Sie glauben, dass ich dich mit Magie dazu zwinge mich zu mögen.“
„Sollen sie es glauben, wenn sie meinen. Das ist mir egal.“
„Ich kann es nicht verstehen…“, murmelte Regina kopfschüttelnd. „Nach allem was ich dir und deinen Eltern angetan habe, ich…“
„Regina!“, unterbrach Emma und hielt selbst kurz den Atem an, als Regina sich auf ihre volle Unterlippe biss. Mal wieder brachte dieser Mund sie aus dem Konzept. „Bitte hör auf in der Vergangenheit zu leben. Sei besser, als die restlichen Stadtbewohner. Wir sind jetzt in der Gegenwart und ich bin froh darüber, dass wir uns angefreundet haben. Ich bin froh, dass durch alles was passiert ist, Henry in unserem Leben ist. Ich mag dich, Regina. Ich mag dich sogar sehr. Bitte hör auf daran zu zweifeln.“
Nach ihren Worten füllte Emma mit roten Wangen die beiden Schnapsgläser und leerte ihres sogleich wieder. Das Gesagte war wahr gewesen und doch war es ihr etwas peinlich. Es hatte sich beinahe wie eine Liebeserklärung angehört.
„Ich mag dich auch sehr, Emma!“, sagte Regina leise, dann trank auch sie ihr Glas in einem Zug leer.

„Willst du nicht doch lieber hier schlafen?“, fragte Regina erneut, als sie im Flur vor der Haustür standen. Sie hatten ein paar Gläser von diesem süßlichen, leckeren Apfellikör getrunken.
„Nein, danke!“, antwortete Emma. „Etwas frische Luft wird mir guttun. Ich hole mein Auto einfach morgen ab, hier steht es ganz gut.“
„Es ist eiskalt draußen!“, entgegnete Regina.
„Durch den Likör ist es mir warm genug!“, lachte Emma. „Aber danke dir fürs Angebot. Wir sehen uns, Regina.“
„Gute Nacht, Emma!“, verabschiedete auch sie sich und schloss Emma in eine kurze Umarmung.
Als sie sich wieder gelöst hatten und Emma bereits zum Türknauf greifen wollte, hielt Regina sie jedoch nochmal zurück.
„Emma?“
„Ja?“
„Danke nochmal!“
„Lass gut sein, Regina!“, lächelte die Blonde. „Ich bin froh dich zu haben.“
„Geht mir auch so!“
Erneut umarmten sie sich. Dieses Mal etwas länger. Die Umarmung tat ihnen beiden nach diesem harten Tag unglaublich gut. Als Regina Emmas Wange küssen wollte, wollte Emma gerade dasselbe tun. So passierte es, dass sich ihre Münder unabsichtlich sehr nah kamen und sie anstatt der Wange, den Mundwinkel der anderen trafen.
„Entschuldige…“, sagte Regina leise und räusperte sich beschämt.
Emma hingegen sagte nichts. Sie sah Regina einfach nur an, während es in ihrem Inneren verrücktspielte. Es war kein Kuss gewesen, nur eine kleine, unabsichtliche Berührung der Mundwinkel. Und doch hatte diese Berührung ausgereicht, um sich noch mehr, als all die Tage zuvor, nach einem Kuss zu sehnen.    
Ihr Kopf war wie leergefegt, sie konnte nicht denken und hatte keine Kontrolle über ihren Körper, als sich ihre Hände plötzlich in Reginas Nacken legten, sie sich vorbeugte und ihre Lippen sanft auf die vollen Reginas presste. Ihr wurde beinahe schwindelig, so gut fühlte es sich an. Und dabei bewegten sich die Lippen nicht einmal. Sie lagen nur auf Reginas und genossen diese Weichheit und die Wärme. Es war unglaublich.
Doch da schob Regina sie plötzlich vorsichtig von sich. „Emma…“, hauchte sie überrascht. „Was…“
„Oh Gott!“ Emma realisierte erst jetzt was sie getan hatte. Panisch schlug sie eine Hand vor ihren Mund. „Es tut mir leid, Regina!“
„Wieso hast du mich geküsst?“ Regina klang weder wütend noch abwertend. Jedoch überrascht. Klar, der Kuss hatte sie bestimmt völlig überrumpelt.
„Ich… ich…“ Emma schloss kurz die Augen und rieb sich die Nasenwurzel, um sich zu sammeln. „Es tut mir leid…“, wiederholte sie. „Ich weiß auch nicht… wahrscheinlich, also der Alkohol… und… also… es tut mir leid.“ Ohne Regina nochmal anzusehen, drehte sie sich um und öffnete die Tür. „Es tut mir leid!“, sagte sie erneut, ehe sie nach draußen trat und davon lief.
Regina blieb verdutzt in der offenen Tür stehen. Wieso hatte Emma das getan? Mit den Fingerspitzen fuhr sie sich über ihre Lippen, auf denen sie noch immer Emmas spüren konnte. Emma hatte sie geküsst…


Am nächsten Tag brachte Emma die überarbeiteten Berichte ins Büro der Bürgermeisterin. Sie war unglaublich nervös und hoffte, dass Regina sie nicht auf den Kuss ansprechen würde. Was war da bloß in sie gefahren? Wie hatte sie so dumm sein können? Sie hatte ihre Gefühle nicht unter Kontrolle gehabt und einen riesigen Fehler begangen. Was, wenn Regina nun doch wieder Abstand forderte?
Mit zitternden Händen winkte sie Reginas Sekretärin zu, die mit einem Nicken zu verstehen gab, dass sie zum Büro der Bürgermeisterin durchgehen durfte. Mist! Emma hatte gehofft, dass Regina in einer Besprechung war und sie die Berichte nicht selbst reinbringen musste.
Nervös atmete sie tief durch, dann klopfte sie.
„Herein?“
Mittlerweile zitterten nicht nur die Hände, sondern auch die Knie schlotterten, als sie die Tür öffnete und das Büro betrat.
„Hallo Regina.“ Sie spürte die Hitze in ihren Wangen, als sie kurz zur Bürgermeisterin schaute, jedoch sogleich den Blick wieder abwandte.
„Hallo Emma.“ Nun sah Emma doch wieder zu ihr hin, denn die Stimme klang sanft und freundlich. War sie gar nicht sauer?
„Ich… ich habe die Berichte dabei. Zwar etwas verspätet, aber… aber immerhin nur um vier Stunden.“ Sie quälte sich ein Lächeln ab und hoffte, dass Regina somit ihre Nervosität nicht bemerkte.
„Danke dir!“, sagte Regina. Sie stand auf und nahm Emma den Ordner aus der Hand, um ihn auf den Schreibtisch zu legen. „Ich habe mir gerade eine Kanne Tee gekocht. Möchtest du eine Tasse?“
„Ähm…“ NEIN! Emma wollte hier schleunigst weg. „Okay…“
„Setz dich schon mal auf die Couch!“, forderte Regina mit einem Lächeln. „Ich bin gleich bei dir.“
„O-Okay.“ Emma musste sich das genervte Augenrollen über sich selbst verkneifen. Sie stammelte und stotterte planlos rum, obwohl sie gerne dasselbe souveräne Auftreten wie Regina an den Tag legen würde.

Als sie nebeneinander auf der Couch saßen, spürte Emma Reginas Blick auf sich ruhen. Sie selbst jedoch fand wohl die Tasse am Couchtisch unglaublich spannend, denn darauf klebte ihr eigener Blick.
„Wir sollten darüber reden!“, sagte Regina in ruhiger Tonlage.
„Nein.“ Emma schüttelte den Kopf. „Wir sollten es einfach vergessen.“
Regina seufzte. Dann aber war sie es, die den Kopf schüttelte. „Das kann ich nicht.“
Überrascht blickte Emma nun endlich zu ihr. „Wieso nicht?“
„Ich muss wissen, warum du das getan hast.“
„Regina, ich… ich weiß nicht warum!“, log sie. „Lass es uns einfach vergessen, bitte!“
„Ich kann den Kuss nicht vergessen!“, wiederholte Regina. „Ich muss wissen, wieso du mich geküsst hast. Wolltest du es nur ausprobieren? Wolltest du nach all den Gerüchten wissen, wie es ist eine Frau zu küssen? War das ein Fehltritt durch den Alkohol? Oder…“ Regina schluckte laut. „Oder hast du Gefühle für mich?“
„Ich kann darüber nicht reden…“, sagte Emma kopfschüttelnd. Es war ihr peinlich. Sie konnte Regina nicht erzählen, dass sie seit geraumer Zeit von einem Kuss geträumt hatte. Dass sie sich zu ihr hingezogen fühlte. Nein, das konnte sie einfach nicht aussprechen.
Ruckartig sprang sie von der Couch auf und wollte aus dem Büro flüchten, doch da ergriff Regina ihre Hand und hielt sie zurück.
„Emma!“, sagte sie, als sie hinter ihr stand. Doch als Emma nicht reagierte und wie erstarrt wirkte, drehte Regina sie zu sich um. Sie legte ihre Hände auf Emmas erhitzte Wangen, beugte sich vor und küsste sie.
Überrascht durch diese Berührung seufzte Emma leise in den Kuss und als sie spüren konnte, dass sich Reginas Lippen dieses Mal bewegten und den Kuss vertieften, löste sie sich aus ihrer Starre. Sie legte ihre Hände auf Reginas Hüften und zog sie näher an sich ran, während sie mit geschlossenen Augen den sinnlichen Kuss genoss. Als sie es wagte und ihren Mund leicht öffnete, um mit der Zungenspitze vorsichtig über Reginas Lippen zu streichen, hörte sie ein leises Seufzen, das dieses Mal nicht von ihr kam. Regina ließ die Zunge eintreten und berührte sie mit ihrer eigenen. Es war unglaublich. Emmas Beine wurden weich wie Pudding, weswegen sie sich noch fester an Regina klammerte. Der Kuss war wundervoll. Ihre Lippen, ihre Zungen, ihre Berührungen… alles harmonierte so perfekt miteinander, als wären sie füreinander gemacht worden. Und Reginas Geschmack brachte Emma beinahe um den Verstand. Niemals wieder sollte dieser Kuss enden. Nie wieder!
Doch kurz nach diesem Gedanken löste sich Regina von ihr. Etwas atemlos sahen sie sich in die Augen.
„Wieso hast du das getan?“, hauchte Emma.
„Weil du jetzt nicht mehr alleine in Erklärungsnot bist!“, schmunzelte Regina.
„Nur deswegen?“, fragte Emma. Chancenlos die Enttäuschung zu verbergen. „Damit ich mit dir über gestern rede?“
„Emma…“, begann Regina seufzend und konnte sich das Augenrollen nicht verkneifen. „Denkst du, ich küsse dich, wenn ich es selbst gar nicht will?“
„Ähm…“ Mal wieder applaudierte sich Emma gedanklich selbst zu, da sie rhetorisch gerade mächtig Eindruck schindete.
„Verrätst du mir den Grund?“, versuchte es Regina erneut. „Wieso hast du mich geküsst?“
„Weil… weil…“ Sie stieß frustriert Luft aus. Wieso war das denn so schwierig? „Ich habe schon öfters daran gedacht dich zu küssen!“, gab sie schließlich zu. „Und gestern ist es irgendwie passiert. Ich konnte es nicht kontrollieren.“
Ein kleines Lächeln zierte Reginas Lippen. „Hast du Gefühle für mich?“
„Ich…“ Emma biss sich nervös auf die Unterlippe. Dann aber versuchte sie so ehrlich wie möglich zu antworten. „Ich… ich habe immer wieder daran gedacht dich zu küssen und ja, ich denke ständig an dich. Tagsüber und nachts. Einfach ständig. Ich verstehe das doch selbst nicht! Ich habe mich noch nie zu einer Frau hingezogen gefühlt. Und dann passiert mir das ausgerechnet bei dir…“ Die letzten Worte klangen beinahe zornig, weshalb Regina etwas erschrak und Emma danach sogar etwas verletzt ansah.
„Ist es so schlimm für dich, weil ich die böse Königin bin?“
„Was? Nein!“, entgegnete Emma sofort. „Weil ich dich nicht verlieren will! Ich habe Angst, dass du dich von mir abwendest und außerdem sind wir beide Henrys Moms. Wie soll es für ihn werden, wenn du nichts mehr mit mir zu tun haben willst?“
„Aber wieso sollte ich mit dir nichts mehr zu tun haben wollen?“
„Regina, verstehst du denn nicht? Ich versuche dir gerade zu sagen, dass ich glaube, dass… dass… Regina, ich glaube, ich bin dabei mich in dich zu verlieben!“
Nun hatte sie es gesagt. Selbst erschrocken über ihre Worte, sah sie Regina mit weit aufgerissenen Augen an. Doch dann bemerkte sie das Zucken Reginas Mundwinkel und kurz darauf das Lächeln, das immer breiter wurde.
„Emma.“ Regina umfasste das Gesicht der Blonden mit beiden Händen. „Ich hätte dich niemals geküsst, wenn ich keine Gefühle für dich hätte.“
„W-Was?“
„Ich fühle mich zu dir hingezogen, seit du nach Storybrooke gekommen bist. Und seit wir uns angenähert haben, haben sich meine Gefühle auch weiterentwickelt. Emma…“ Einer ihrer Daumen streichelte sanft über Emmas Lippen. „… dass du mich gestern geküsst hast, war wohl die schönste Überraschung überhaupt.“
„Aber… aber…“, begann Emma verwirrt. „Du sagtest doch, dass du nicht auf Frauen stehst.“
„Tu ich auch nicht. Nicht allgemein. Aber ich steh auf dich, Emma!“, sagte Regina mit einem Schmunzeln. „Ich konnte es dir nicht sagen. All die Zeit, seit wir uns kennen, habe ich meine Zuneigung hinter Streitereien versteckt. Und dann wollte ich dich nicht als Freundin verlieren. Ich habe mich nicht getraut, es dir zu sagen. Aber gestern… Emma, nachdem du mich gestern geküsst hast, wurde mir klar, dass du es wissen solltest.“
„Ich…“ Emma schnappte aufgeregt nach Luft. „Ich glaube, ich bin etwas überfordert.“
„Ich weiß!“, nickte Regina. „Ich auch, glaub mir.“
„Was bedeutet das jetzt für uns?“
„Das kommt ganz darauf an, was wir wollen.“ Sie griff nach Emmas Hand und führte sie zurück zur Couch, auf die sie sich nebeneinander setzten.
„Ich weiß nicht, was ich will. Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich dich tatsächlich irgendwann küssen werde und schon gar nicht damit, dass du etwas für mich empfindest.“
„Willst du weitermachen wie bisher?“
„Ich weiß nicht, ob ich das kann!“, gab Emma zu. „Dieser Kuss eben, der war… also der war…“
„Unglaublich!“, hauchte Regina verträumt.
„Ja!“, bestätigte Emma. „Unglaublich.“
„Was hältst du davon, wenn wir es langsam angehen lassen?“, fragte Regina. „Lass uns sehen, wo es uns hinführt.“
„Okay!“ Emma nickte, doch dann schmunzelte sie. „Dürfen wir uns dabei trotzdem küssen?“
Regina lachte herzhaft, was Emmas Herz schneller schlagen ließ. „Wir dürfen alles, Emma. So lange es für uns beide das richtige Tempo ist.“
„Also wäre es für dich in Ordnung, wenn ich dich hier und jetzt nochmal küsse?“
„Mehr als nur in Ordnung!“, antwortete Regina leise.
Mit einem Lächeln näherte sich Emma ihr. Sie konnte es kaum erwarten, diese Lippen endlich wieder auf ihren zu spüren. Sie wollte die Zunge wieder an ihrer schmecken und Reginas Hände fühlen, die sie festhielten. Doch kurz bevor sich die Münder trafen, klopfte es an der Bürotür.
„Fuck!“, entfuhr es Regina, was Emma zum Kichern brachte. Noch nie zuvor hatte sie ein solches Wort aus dem Mund der Bürgermeisterin gehört.
„Was?!“, schrie Regina wütend gegen die geschlossene Tür.
„Ähm… Miss… Miss Mills…“, hörten sie die nervöse Stimme der Sekretärin. „Ihr 15 Uhr Termin ist schon hier.“
Genervt schnaufte Regina durch. „Einen kleinen Moment noch bitte!“, rief sie nach draußen, ehe sie sich entschuldigend an Emma wandte. „Tut mir leid.“
„Wir holen das nach!“, versprach Emma und stand auf.
Regina folgte ihr bis in die Mitte des Raums, wo sie sich zur Verabschiedung umarmten. Emma wollte ihr einen Kuss auf die Wange geben, doch da hielt Regina sie auf. Sie lächelte, ehe sie Emma einen sanften Kuss auf die Lippen gab.
„Kommst du am Abend zu mir? Alleine?“
„Ja!“, antwortete Emma sogleich. Sie beide liebten Henry über alles, doch zwischen ihnen passierte gerade unglaublich viel Neues, worüber sie reden mussten. Und hoffentlich würden sie sich küssen. Da sollte Henry nicht im selben Haus sein. Erst müssten sie herausfinden, wohin sie das führte.


Als Emma abends Reginas Haus betreten hatte, standen sie sich etwas unbeholfen im Flur gegenüber. Doch dann wagte Emma es und begrüßte sie genauso, wie sich Regina von ihr heute verabschiedet hatte. Mit einer Umarmung und mit einem kleinen Kuss auf die Lippen.
„Ist das okay?“, fragte Emma ganz leise. Ihre Lippen lagen noch an Reginas.
„Ja!“, sagte Regina genauso leise und küsste Emma erneut. „Du darfst mich küssen wann immer du willst.“
„Okay…“, gab Emma nur noch nuschelnd von sich, denn schon wurde sie von Regina nochmal geküsst. Dieser Kuss war anders, als die beiden kleinen Begrüßungsküsse. Dieser Kuss war inniger, leidenschaftlicher und verlangender. Wie schon heute im Büro öffneten sie ihre Lippen und schmeckten sich. Die Zungen liebkosten und streichelten sich. Mal zärtlich und sanft, dann wieder gierig und stürmisch. Emma vergrub ihre Hände in Reginas dunklem Haar und stöhnte leise in den Kuss, als sie gegen die Haustür gedrückt wurde. Regina hielt sie an den Hüften fest und presste ihren eigenen Körper eng an Emmas. Als Emma diese weichen Lippen dann auch noch an ihrem Hals fühlen konnte, brauchte sie alle Selbstbeherrschung, die sie aufbringen konnte.
„Warte…“, hauchte sie. Ihr ganzer Körper bebte und gierte nach Regina. Sie war sich sicher, noch nie in ihrem Leben so erregt gewesen zu sein. Und doch ging ihr das etwas zu schnell.
„Bitte verzeih, Emma!“, sagte Regina von sich selbst schockiert. Sie machte einen großen Schritt rückwärts und sah Emma zerknirscht an. „Ich weiß nicht, was da gerade in mich gefahren ist…“
„Hey, alles gut!“, beruhigte Emma sie und grinste schulterzuckend. „Es ist ja nicht so, als hätte es mir nicht unglaublich gut gefallen. Aber ich würde es gerne etwas langsamer angehen lassen.“
„Natürlich!“, nickte Regina, sah aber weiterhin fürchterlich schuldbewusst drein. „Es tut mir wirklich leid.“
Emma konnte sich das nicht länger mitansehen, weswegen sie auf Regina zuging und sie in eine Umarmung zog. Sie gab ihr einen sanften Kuss auf die Lippen und lächelte. „Dir muss rein gar nichts leidtun, okay?“
„Okay…“, sagte Regina leise. Als sie danach noch einen Kuss von Emma erhielt, lächelte sie auch endlich wieder.

Sie aßen zusammen eine Kleinigkeit zu Abend, bevor sie sich mit einem Glas Wein auf die Couch setzten. Sie wollten sich besser kennenlernen und Sachen voneinander erfahren, über die sie zuvor nie gesprochen hatten.
„Lieblingsfarbe?“
„Schwarz!“, antwortete Regina.
„Das ist keine richtige Farbe.“
„Natürlich ist das eine Farbe. Aber na gut. Dann rot.“
„Klar!“, lachte Emma belustigt. „So rot wie die Äpfel an deinem Baum im Garten?“
„Ganz genau dieses rot!“, grinste Regina. „Und deine?“
„Hm… grün. Deine Lieblingsspeise?“
„Lasagne. Deine?“
„Deine Lasagne!“, antwortete Emma, was wieder beide zum Lachen brachte.
„Wenn dein Leben ein Buch wäre, welchen Titel würdest du ihm geben?“, fragte Regina
„Schwierig…“, sagte Emma und überlegte kurz. „Hm… vielleicht ‚Märchen werden wahr‘. Was wäre dein Titel?“
„Neue Wege‘!“, schoss es aus Regina und erinnerte damit an den Toast, den sie vor Wochen ausgesprochen hatte. Sie wollte sich für Emma ändern. Sie wollte sich bessern. „Wohin würdest du gerne mal reisen?“, war ihre nächste Frage.
„Nach Italien! Ich muss ja testen, ob zumindest die Italiener deine Lasagne übertreffen können. Und du?“
„Ich möchte irgendwann die ganze Welt bereisen. Angefangen mit den USA, dann will ich nach Asien und Europa. Ich will alles sehen!“
„Darf ich dich auf deiner Weltreise begleiten?“
„Ja!“, sagte Regina lächelnd. „Wenn du bis dahin noch nicht genug von mir hast?“
„Das sollte klappen, sofern du mir meine Wünsche erfüllst!“, schmunzelte Emma.  
„Ach ja?“, lachte Regina mit rauer Stimme, die Emma eine angenehme Gänsehaut bescherte. „Und was für Wünsche wären das?“
„Hm…“, tat Emma nachdenklich. „Momentan habe ich nur einen.“
„Verrätst du ihn mir?“
„Ich wünsche mir, dass du mich küsst!“
„Diesen Wunsch erfülle ich dir liebend gerne!“, lächelte Regina.  
Der Kuss war sanft, lange und intensiv, jedoch behielt Regina dieses Mal die Kontrolle über ihr Verlangen. Als sich ihre Lippen voneinander lösten, saßen sie Stirn an Stirn gelehnt da und hielten sich weiterhin im Arm.
„Wow…“, flüsterte Emma.
„Ja.“ Reginas Stimme war genauso andächtig leise.
„Wenn du dich schon so lange zu mir hingezogen fühlst, wieso hast du mich nicht eher geküsst?“, fragte Emma schmunzelnd. „Was haben wir nur all die Zeit verpasst?“
„Wärst du früher schon bereit dazu gewesen?“, stellte Regina die Gegenfrage.
„Nein, wahrscheinlich nicht!“, gab Emma zu. Noch immer lag ihre Stirn an Reginas, als sie breit lächelte. „Aber jetzt bin ich es!“
„Denkst du…“, begann Regina zögerlich und streichelte dabei sanft über Emmas Wange. „Denkst du, du wärst auch schon bereit dafür, heute Nacht bei mir zu bleiben?“
Emma schluckte hörbar und wich ein Stück zurück, um Regina in die Augen sehen zu können. „Regina, ich… ich brauche etwas mehr Zeit um mit dir…“
„Warte!“, unterbrach Regina, die ahnte, was Emma sagen wollte. „So meinte ich das nicht. Ich spreche nicht davon, dass wir miteinander schlafen sollten.“
„Nicht?“
„Nein!“, lächelte sie. „Aber ich würde heute gerne neben dir einschlafen.“  


Als Emma am Morgen wach wurde, musste sie augenblicklich lächeln. Sie hatte gestern zugestimmt bei Regina zu übernachten und nach vielen langen Küssen waren sie schließlich eng aneinander gekuschelt in Reginas Bett eingeschlafen. Und scheinbar hatten sie sich die ganze Nacht gehalten, denn Emma bemerkte, dass sie noch immer gleich da lagen, wie gestern. Regina am Rücken und Emma dicht neben ihr. Der blonde Kopf hatte auf Reginas Schulter geruht und einen Arm hatte Emma um Reginas Taille geschlungen, auf dem wiederrum Reginas Hand lag.
Emmas Lächeln wurde breiter, als sie ihren Kopf hob, um Regina anzusehen. Sie sah wunderschön aus. Leise Atemgeräusche drangen aus dem leicht geöffneten Mund, die Augenlider waren geschlossen, zuckten aber hin und wieder ganz leicht. Was sie wohl träumte? Sie sah so friedlich aus und obwohl sie schlief, wirkte sie glücklich. War sie es denn? War sie genauso glücklich wie Emma? Emma schmolz beinahe dahin, als sie ganz sachte ihre Fingerspitzen über Reginas warme und weiche Wange gleiten ließ und mit ihnen danach über die vollen Lippen fuhr. Diese Lippen machten sie verrückt. Sie konnte kaum fassen, dass es tatsächlich sie war, die diesen Mund küssen durfte. Noch vor einigen Wochen hätte sie nie geglaubt, dass sie jemals eine Frau küssen würde, dass sie jemals Regina küssen würde. Und nun war es passiert und Emma konnte sich nicht vorstellen, jemals wieder ohne diese Küsse sein zu wollen. Sie wollte nicht mehr ohne Regina sein. Sie hatte sich tatsächlich in sie verliebt…
Emma sah, wie die Mundwinkel leicht zuckten und sich zu einem Lächeln formten. Gebannt starrte sie auf Reginas Lippen, auf dieses schöne Lächeln. Dann bemerkte sie ihr Blinzeln, bevor sich die müden Augenlider hoben. Als Regina ihre Augen geöffnet hatte, funkelte es im dunklen Braun glücklich.
„Guten Morgen, Emma!“, hauchte sie.
„Guten Morgen.“ Emma sah ihr noch eine Weile lächelnd in die Augen. Dann beugte sie sich das kleine Stück hinab und legte ihre Lippen für einen sanften Kuss auf Reginas.
„Hm…“, seufzte Regina zufrieden. „Daran könnte ich mich gewöhnen.“
„Ich mich auch!“, gab Emma zu, während sie wieder verträumt über Reginas Wange streichelte. „Es war schön neben dir aufzuwachen. Das hätte ich gerne öfter.“
„Das lässt sich bestimmt einrichten!“, lächelte Regina. „Und jetzt komm her und küss mich nochmal, bevor wir los müssen.“
„Los müssen? Was?“
„Es ist Freitag, Emma. Wir müssen zur Arbeit.“
„Oh, verdammt! Ich dachte, es ist Samstag!“, fluchte Emma. „Am liebsten würde ich den ganzen Tag mit dir hier liegen bleiben.“
Regina sah sie eine Weile schweigend an, dann grinste sie plötzlich frech.
„Was?“, wollte Emma wissen.
„Dann lass uns hier bleiben!“, schlug Regina vor und fühlte sich wie ein kleines Schulmädchen, das zum ersten Mal schwänzte. Um ehrlich zu sein, hatte Regina auch noch nie ihre Arbeit geschwänzt, es wäre heute das erste Mal. Aber immerhin gab es einen triftigen Grund, um zu Hause zu bleiben. Sofern Emma mitspielte…
„Okay!“, schmunzelte diese.
„Das war ja einfach.“ Erstaunt zog Regina eine Augenbraue hoch. „Machst du das öfter?“
„Von der Arbeit fernbleiben? Nein!“, antwortete Emma. „Aber um ehrlich zu sein, interessiert mich meine Arbeit, das Katzen von Bäumen retten und Berichte schreiben gerade überhaupt nicht, wenn ich stattdessen mit dir im Bett bleiben kann. Du hast das doch ernst gemeint, oder?“
„Natürlich!“
„Gut. Dann ruf ich schnell Dad an. Meinst du es ist glaubhaft, wenn ich ihm sage, dass ich mit dir an einem Fall arbeite? Von zuhause aus?“
„Sag ihm, dass wir einige Akten durchgehen müssen und es den ganzen Tag dauern wird. Er weiß, dass ich in meinem Arbeitszimmer einige Kartons damit aufbewahre. Er wird dir glauben.“
„Okay!“, nickte Emma, seufzte dabei aber. „Ich hasse es zu lügen.“
„Wenn du ihm die Wahrheit sagen möchtest, dann mach’s.“
„Das kann ich nicht. Noch nicht.“ Sie sah Regina etwas zerknirscht an. „Ich hoffe du nimmst mir das nicht übel.“
„Nein, ganz bestimmt nicht. Wir bestimmen das Tempo, Emma. Und wir haben alle Zeit der Welt. Von mir aus darf jeder über uns Bescheid wissen, aber niemand muss. Es geht keinen etwas an, außer uns.“
„Und Henry.“
„Ja, und Henry!“, stimmte Regina zu. „Aber auch er muss nicht alles sofort erfahren. Erst müssen wir beide mal rausfinden, wohin es uns führt.“


Statt im Bett zu liegen, lümmelten die beiden satt auf der Couch. Regina hatte ihnen ein herzhaftes Frühstück zubereitet, wovon mittlerweile nur noch die leeren Teller und Tassen übrig waren, die auf einem Tablett am Couchtisch standen. Der seidene Schlafanzug, der Emma für letzte Nacht geborgt worden war, war einer bequemen Jogginghose und einem T-Shirt gewichen. Auch dieses Outfit wurde ihr, nach einer langen, heißen Dusche, von Regina geborgt, die selbst ähnliche Kleidung trug.
Emma sah an sich hinab und musterte auch ihre Freundin von Kopf bis Fuß, ehe sie laut lachen musste.
„Was ist so witzig?“
„Nichts…“, sagte Emma kopfschüttelnd, lachte aber erneut auf.
„Jetzt sag schon!“, forderte Regina. „Wieso starrst du mich die ganze Zeit über an und lachst dabei? Habe ich mich bekleckert?“
„Nein. Tut mir leid, Regina. Es ist nur so… so ungewohnt.“ Schmunzelnd deutete Emma auf Reginas Outfit. „Seit wir uns kennen, habe ich dich nur in eleganten Kleidern, schönen Hosen und Blusen gesehen. Selbst letzte Nacht haben wir seidene Pyjamas getragen. Genau solche, die zu deinem restlichen Stil passen. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass du Jogginghosen besitzt. Sogar zwei davon.“
„Drei!“, grummelte Regina. „In meinem Schrank liegt eine dritte davon. Aber wieso ist das so lustig? Nur weil ich so nicht außer Haus gehe?“
„Ich hatte immer geglaubt, dass du auch zuhause Kleid und High Hees trägst.“
„Mach ich auch meistens!“, gab sie zu. „Aber wenn ich krank bin oder mir sicher, dass niemand hier auftaucht, mach auch ich es mir bequem. Und dazu gehört bequeme Kleidung. Findest du es schlimm, dass wir so was tragen?“, fragte sie verunsichert. „Ich habe bestimmt auch was anderes im Schrank, was dir passen könnte. Ich dachte nur, dass wir es bequemer haben, wenn…“
„Regina!“, unterbrach Emma. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht verunsichern. Ich hab nur darüber gelacht, weil es ein ungewohnter Anblick ist. Und nein, ich finde es nicht schlimm. Im Gegenteil. Ich liebe gemütliche Kleidung und du… du siehst verdammt sexy darin aus.“ Mit ihren letzten Worten färbten sich Emmas Wangen rötlich.
„Du findest mich also sexy?“, zog Regina sie auf, als sie die Wangenfarbe bemerkte.
„Naja… wer findet das nicht? Du weißt, dass du gut ausschaust!“
„Sogar in Jogginghosen?“, fragte sie schmunzelnd.
„Sogar in Jogginghosen!“, antwortete Emma lachend. Ihr Lachen stoppte jedoch abrupt, als Regina sich zu ihr lehnte und mit beiden Händen ihre Wangen umfasste. Wie gebannt starrte Emma auf die vollen Lippen, die nur noch wenige Zentimeter von ihren entfernt waren.
„Ich finde dich auch verdammt sexy!“, flüsterte Regina und überbrückte den letzten Abstand, um ihre Lippen sanft auf Emmas zu legen.

Seufzend schlang Emma ihre Arme um Reginas Körper, krallte sich mit einer Hand am Rücken fest und fuhr mit der anderen unter das dunkelbraune Haar, als sie den Kuss erwiderte und vertiefte. Sie ließ sich nach hinten fallen und zog Regina in der Umarmung mit sich, sodass diese auf ihr zum Liegen kam und leise in den Kuss stöhnte, als sie Emmas Körper so dicht an ihrem fühlen konnte. Auch Emma war die neuentstandene Nähe sehr wohl bewusst. Sie spürte Reginas Gewicht auf ihrem Körper, ihre Brust an der eigenen und bemerkte auch das Bein, das zwischen ihren lag. Ihre Hände wanderten unter Reginas T-Shirt und malten dort sanfte Kreise auf der nackten Haut am Rücken. Verzückt spürte sie die Gänsehaut unter ihren Fingern.
Der Kuss wurde feuriger und intensiver, als Regina eine Hand über Emmas Seite fahren ließ. Und als ihr Oberschenkel auch noch etwas Druck an Emmas Mitte ausübte, stöhnte Emma leise in den Kuss.
„Oh Regina…“, kam es von Emma atemlos. Es fühlte sich traumhaft an. Die Küsse, die Berührungen, die warme Haut unter den Fingern. Es war wundervoll und das wollte Emma unbedingt loswerden. Regina jedoch missverstand den wohligen Ausruf und hielt sogleich alarmiert mit jeder Bewegung inne.
„Emma, es tut mir leid. Ich hatte mich schon wieder nicht unter Kontrolle.“ Sie wollte sich aufsetzen, doch da hielt Emma sie zurück.
„Hör nicht auf!“, bat sie. „Es hat sich gerade alles so schön angefühlt. Bitte hör nicht auf!“
Um es noch deutlicher zu machen, war sie es selbst, die die Münder wieder zusammenführte. Wie schon zuvor wurde auch dieser Kuss wieder schnell leidenschaftlicher. Regina scheute sich nicht mehr und begann sich auf Emma zu bewegen, rieb ihren Schenkel immer wieder an Emmas Mitte und fuhr mit einer Hand auch unter das T-Shirt, um sanft die Seiten und den Bauch zu streicheln. Höher wagte sie es jedoch nicht. Immer wenn sie den Ansatz vom BH berührte, bewegte sie ihre Hand schnell wieder tiefer. Doch plötzlich wurde ihr Handgelenk von Emmas Fingern umklammert.
Regina löste sich aus dem Kuss und hob ihren Kopf so weit an, damit sie Emma fragend ansehen konnte.
„Bitte…“, sagte Emma nur leise und führte Reginas Hand wieder höher. Regina schluckte schwer, als sie verstand. Sie wollte es. Sie wollte es wirklich! Doch sie konnte nicht garantieren, danach noch stoppen zu können. Sie war verrückt nach dem blonden Sheriff.
Sie sahen sich in die Augen, als Reginas Hand auf Emmas Brust zum Liegen kam. Sie sahen sich weiterhin an, als sie ihre Hand bewegte, als sie die Brust durch den BH hindurch massierte. Als ihr Daumen jedoch über die bereits erhärtete Brustwarze strich, schloss Emma die Augen und stöhnte leise. Regina biss sich auf die Unterlippe, während sie jede Regung in Emmas Gesicht in sich aufsog und ihr jeder Laut ein Kribbeln bescherte. Dann aber konnte sie nicht länger widerstehen und küsste Emma wieder.

Viele Minuten küssten sie sich, streichelten sich und bewegten sich aneinander, bis Emma Regina plötzlich etwas von sich schob und sie ansah.
„Lass uns hoch ins Schlafzimmer gehen.“
„Emma…“ Regina musste sich räuspern, um zu einer halbwegs normalen Stimme zu finden. Ihre Erregung war deutlich hörbar. „Ich weiß nicht ob ich mich beherrschen kann, wenn wir im Bett sind.“
„Das solltest du auch nicht!“, schmunzelte Emma.
„Aber…“
„Ich weiß!“, unterbrach Emma. „Wir wollen es langsam angehen und ich weiß auch, dass ich gestern gesagt habe, dass ich noch nicht so weit bin. Aber… aber Regina, ich möchte mit dir schlafen. Ich will es wirklich. Willst… willst du es auch?“
„Ja!“, brachte Regina nur krächzend hervor und nickte. Und wie sie es wollte! Doch sie war unglaublich nervös. Sie hatte noch nie zuvor mit einer Frau geschlafen. Was, wenn sie nicht gut war? Was, wenn es Emma nicht gefiel?
„Was hast du?“, fragte Emma, die den unsicheren Blick sogleich bemerkt hatte und strich Regina sanft über die Wange. „Willst du es doch nicht?“
„Doch! Doch, ich will es, Emma. Ich… ich bin nur etwas nervös!“, gab sie zu.
„Das bin ich auch!“, sagte Emma lächelnd. „Aber ich kann mir gerade nichts Schöneres vorstellen, als Haut an Haut mit dir im Bett zu sein.“

Wenige Minuten später standen sie sich neben Reginas Bett im Schlafzimmer gegenüber. Sie lächelten sich schüchtern und nervös an. Dann aber wagte Emma es und ging einen Schritt auf ihre Freundin zu. Sie legte ihre Hände auf Reginas Wangen und gab ihr einen sanften, liebevollen Kuss, ehe sie wieder einen Schritt zurückwich und sich ihr T-Shirt über den Kopf zog.
Reginas Herz raste, als ihre Augen alles in sich aufnahmen. Sie entgegnete dem funkelten Blick der grünen Augen, sah wie sich das lange blonde Haar in Wellen über die nackten Schultern legte. Sie ließ den Blick weiterwandern. Über die Brüste, die vom BH verdeckt wurden und tiefer zum muskulösen Bauch. Dort sah sie, wie sich Emmas Finger im Bund der Jogginghose einhakten und diese Stück für Stück nach unten schoben. Erst sah Regina den Slip, dann die nackten schlanken Beine. Ihr Blick glitt den Körper wieder hoch, sog wieder jedes Detail in sich auf, bis er bei Emmas Augen angelangt war. Im Grün funkelte es noch immer, doch dieses Mal entdeckte Regina auch etwas Unsicherheit darin.
Sie ging den Schritt auf Emma zu, den sie voneinander entfernt waren legte ihre Hände auf die nackten Hüften und küsste sie.
„Du bist eine unglaublich schöne Frau, Emma.“ Sie hatte die Worte nur gewispert, ehe sie ihre Lippen wieder mit Emmas verschloss.
Sie küssten sich lange. Anfangs sehr vorsichtig und sanft, bald aber wurde der Kuss verlangender. Es war, als wäre mit diesem Kuss die letzte Unsicherheit verflogen. Sie wollten sich. Regina schob Emma zum Bett, die sich darauf fallen ließ und zog sich selbst noch ihr T-Shirt und ihre Hose aus, bevor sie Emma folgte.

Sie lagen aufeinander, nebeneinander, wälzten sich und küssten und streichelten sich. Irgendwann setzte Emma sich auf und deutete Regina, es ihr gleichzutun.
„Ich will dich ausziehen…“, sagte Emma leise.
Regina sagte darauf nichts, sondern griff nach Emmas Händen und führte sie an ihren Rücken zum BH-Verschluss. Es war Antwort genug. Mit zitternden Fingern, öffnete Emma die kleinen Häkchen am Verschluss und sah Regina in die braunen Augen, während sie langsam die Träger von den Schultern streifte, die dem Stoff den letzten Halt am Körper gaben. Als sie den BH aus dem Bett geworfen hatte, hielt Emma den Atem an und löste ihren Blick aus Reginas Augen, um ihn langsam tiefer gleiten zu lassen. Der angehaltene Atem kam mit einem wohligen Seufzen über die Lippen, als sie die entblößten Brüste bewunderte. Regina war so schön.
Eine Hand bewegte sich langsam auf eine Brust zu, als Emma wieder hoch in Reginas Augen sah. „Darf ich?“
Regina nickte bloß, aber lächelte. Natürlich durfte Emma! Sie sollte sogar. In Reginas Körper kribbelte es und das Pulsieren zwischen ihren Schenkeln verriet ihr ebenso, wie sehr sie bereits darauf brannte von Emma berührt zu werden. Und sie wollte auch Emma berühren.
Ein raues Stöhnen entfloh ihrer Kehle, als Emma ihre Brust streichelte und vorsichtig massierte. Nach wenigen Augenblicken wurde sie mutiger, reizte mit ihren Fingern die aufgerichtete, empfindliche Knospe und weitere kurze Augenblicke später, spürte Regina Emmas Lippen, die sich um die Brustwarze schlossen. Wieder stöhnte sie. Es fühlte sich großartig an. Die nasse Wärme, als die Zunge darüber glitt, das prickelnde Ziehen, als die Lippen sanft daran saugten und der Atem, der plötzlich ganz kühl wirkte, wenn Emma neckend über die erhärtete Knospe blies.
Regina ließ sich nach hinten auf ihren Rücken fallen, wohin ihr Emma wortlos folgte, zu sehr war sie noch von den Brüsten angetan. Auch wenn Regina kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte, so wusste sie dennoch, dass sie noch viel mehr wollte. Angefangen damit, dass sie Emmas nackte Haut auf ihrer spüren wollte. Während Emma weiterhin ihre Brüste mit Hand und Mund liebkoste, öffnete Regina ihren BH und zog ihn ihr aus.
„Komm her!“, forderte sie ungeduldig, schon beinahe knurrend. Sie wollte diese Haut unbedingt an ihrer fühlen können. Emma legte sich auf sie, während sich die beiden lange und innig küssten. Es war berauschend einander so spüren zu dürfen. Und doch war es Regina noch immer nicht genug. Das Pulsieren in ihrer Mitte brachte sie beinahe völlig um den Verstand. Sie ergriff den Bund von Emmas Slip und schob ihn soweit es ihr möglich war nach unten. Emma half ihr, indem sie sich ihren Slip selbst auszog. Dann beugte sie sich über Regina und nahm auch ihr das letzte Kleidungsstück.

Für einen Moment rührte sich Emma nicht mehr. Sie blickte hinab auf ihre Freundin, die nun völlig hüllenlos am Rücken lag, schnell atmete und in deren Augen eine unbändige Lust loderte.
„Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie zu einer Frau hingezogen gefühlt…“, begann Emma leise. „Aber jetzt bin ich mir sicher, dass dein nackter, weiblicher Körper das Schönste ist, was ich je gesehen habe.“ Ihre Fingerspitzen tanzten hauchzart über Reginas Haut. Über ihre Brüste, über den Hals und das Schlüsselbein, über den Bauch und über die Beine. „Ich will dich überall berühren, Regina.“
Nach diesen Worten griff Regina in Emmas Nacken und zog sie wieder zu sich hinunter, um sie leidenschaftlich und gierig vor Verlangen zu küssen. Emma lag halb auf ihr und stöhnte in den Kuss, als sie Reginas Hände spüren konnte, die sich auf ihren Hintern legten, dort Druck ausübten und den Unterleib gegen Reginas Schenkel pressten. Wie von selbst begann sich Emmas Becken zu bewegen und sich am Oberschenkel zu reiben. Die Lust wuchs weiter an. Sie wollte mehr. Ihre rechte Hand legte sich auf Reginas Bauch und wanderte von dort langsam tiefer. Sie bemerkte, wie Regina den Kuss beendete, ohne die Lippen jedoch von Emmas zu entfernen und aufgeregt den Atem anhielt.
Der angehaltene Atem drang mit einem lauten Stöhnen aus ihr, als Emmas Finger ihr Ziel erreicht hatten und sich auf das empfindliche Nervenbündel zwischen den Beinen legten. Auch Emma stöhnte dabei. Es fühlte sich unglaublich an. Feucht und heiß und es war so intim, dass ihr diese Berührung selbst eine Gänsehaut bescherte. Sie durfte Regina so berühren. Sie durfte diese Hitze unter den Fingern spüren und sie war es, die die lustvollen Laute hören durfte.
Sie sah in Reginas Gesicht, als sie die Perle mit stetigen Druck massierte. Sie beobachtete jede Muskelregung im Gesicht, die geschlossenen aber flatternden Augenlider und den geöffneten Mund, aus dem solch betörende Geräusche drangen.  
„Oh… Em-ma…“ Reginas Stimme war lauter geworden und etwas abgehackt, dann begann ihr Körper unkontrolliert zu zucken und im nächsten Moment durfte Emma Reginas Gesicht bewundern, als sie ihren Höhepunkt erreichte.
„Du siehst dabei wunderschön aus!“, hauchte Emma völlig fasziniert.
Sie legte ihre Lippen wieder auf Reginas und küsste sie. Sie wollte Regina nochmal so sehen, sie nochmal hören und sie selbst wollte unter ihren Fingern noch mehr spüren. Während sie sich küssten, fuhr Emmas Hand deswegen ein kleines Stück tiefer und ein Finger drang vorsichtig in Regina ein.
„Emma…“, keuchte Regina überrascht. Damit hatte sie nicht gerechnet. Doch wehren wollte sie sich ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil. Auch wenn sie erst vor einem kurzen Augenblick von einem Orgasmus überrollt worden war, so siegte doch die noch immer bestehende Lust in ihr. Verlangend nach mehr hob sie ihr Becken etwas an, um Emmas Finger tiefer in sich zu spüren. Und ihre Freundin verstand, denn die führte einen weiteren Finger in sie und beschleunigte ihre Bewegungen. Immer schneller und kräftiger drang sie in Regina ein, kreiste die Finger in ihr und stupste an die empfindlichen Innenwände.
Emma selbst war wie im Rausch. Regina so berühren zu dürfen, ihre Erregung zu fühlen und eins mit ihr zu sein, ließ sie auf Wolken schweben. Als sie dann aber auch noch spürte, wie Reginas Hand ihre Mitte aufsuchte, zeitgleich zwei Finger in sie eindrangen und sich der Daumen auf ihre Perle legte, schrie sie lustvoll auf. Noch nie zuvor hatte sie sich so fallen lassen können, wenn sie mit jemandem geschlafen hatte. Mit Regina war es einzigartig. Es war wundervoll.


„Ich werde mich niemals an dir sattsehen können!“, sagte Emma leise.
Seit Stunden lagen sie im Bett, hatten mehrere Male miteinander geschlafen und viel Zeit damit verbracht, so wie jetzt, sich einfach nur anzusehen. Emmas Fingerspitzen strichen hauchzart über Reginas Bauch, durch das Tal ihrer Brüste und hoch zum Hals. Von dort wanderten sie in den Nacken unter das braune Haar. Mit sanften Druck forderte sie Regina so dazu auf, ihr entgegenzukommen, um sie zu küssen. Es war ein liebevoller, zärtlicher Kuss.
„Bleibst du auch heute Nacht bei mir?“, fragte Regina hoffungsvoll.
„Ich würde gern…“, seufzte Emma. „Aber ich kann nicht.“ Sie blickte kurz durch das Fenster nach draußen, wo die Sonne bereits untergegangen war. „Ich muss bald los, sonst stellt mir meine Familie zu viele Fragen.“
Sie beugte sich nach ihren Worten nochmal zu Regina und gab ihr einen kleinen Kuss auf die Lippen. „Aber ich würde dich gerne am Wochenende sehen. Mit Henry. Und…“ Sie grinste frech und umkreiste mit ihrem Finger Reginas Brustwarze. „…einige Stunden auch unbedingt ohne Henry.“
„Mutierst du jetzt zum Sexmonster?“, lachte Regina.
„Kannst du es mir nach diesem Tag verübeln?“, schmunzelte Emma.
„Nein, ganz sicher nicht!“ Mit ihren Worten drückte Regina Emma auf den Rücken und legte sich auf sie, um sie verlangend zu küssen. Kurz wollte Emma sich wehren, weil sie nach Hause sollte, doch den Gedanken tat sie schnell wieder ab. War doch egal, ob sie eine Stunde früher oder später bei den Charmings auftauchen würde. Viel wichtiger waren gerade Reginas Lippen, die sich vom Mund über den Hals immer tiefer küssten. Oh ja, dafür war auf jeden Fall noch Zeit.


„Sheriff Swan?“, brummte Emma in den Telefonhörer.
Hoffentlich musste sie nicht wieder auf einen Baum klettern und eine Katze retten. Sie war völlig hinüber. Jeder Muskel schmerzte und durch den Schlafmangel war ihre Laune auch nicht sonderlich gut. Sie hatte den Samstag und den Sonntag mit Regina und Henry verbracht und damit der Kleine nichts davon mitbekam, was zwischen seinen Müttern lief, hatten sie sich beide Tage kein einziges Mal berührt. Nur hatte das die Sehnsucht noch mehr gesteigert und auch das Verlangen, sich wieder näher zu kommen. Aus diesem Grund war Emma letzte Nacht aus der Wohnung geschlichen und zu Regina gefahren. Sie hatten sich bis kurz vor Sonnenaufgang geliebt, ohne auch nur eine Minute zu schlafen. Dann war Emma zurück zur Wohnung gefahren, hatte sich geduscht und umgezogen und hatte kurz darauf ihren Dienst angetreten.
„Schlecht gelaunt?“, drang es mit lächelnder Stimme durchs Telefon.
„Regina!“ Sofort erhellte sich Emmas Laune und die Müdigkeit war beinahe vergessen.
„Bist du allein?“
„Ja, Dad kommt erst zu Mittag. Geht es dir gut?“
„Ja!“, nickte Regina, auch wenn es Emma nicht sehen konnte. „Ich habe gerade an letzte Nacht gedacht…“
„Ähm… Regina…“, sagte Emma nervös. „Hör auf. Ich versuche absichtlich nicht daran zu denken, sonst kann ich mich nicht auf die Arbeit konzentrieren.“
„Das ist schade. Ich hätte dir ansonsten vorgeschlagen, deine Mittagspause bei mir zuhause zu verbringen. Ich würde mich gerne für diese eine Sache revanchieren, die du da letzte Nacht mit mir gemacht hast.“
„Regina!“, keuchte Emma mit knallroten Wangen. Sie wusste genau welche Sache Regina meinte. Noch immer hörte Emma diesen lauten Lustschrei in ihren Ohren. Oh Gott… Was machte Regina nur mit ihr? Sie war hundemüde, jeder Muskel beschwerte sich über letzte Nacht und doch wollte sie gerade nichts anderes, als bei ihr zu sein. „Wann soll ich da sein?“
„Um dreizehn Uhr!“, antwortete Regina belustigt. Es war herrlich, wie leicht Emma zu überzeugen war.

Nach der etwas längeren Mittagspause als üblich, kehrte Emma völlig verstrahlt auf die Wache zurück.
„Na, Emma? Alles klar?“, fragte ihr Vater, als er das Lächeln bemerkte.
„Ähm… ja, alles super!“, gab sie knapp zurück. Wie peinlich. Da strahlte sie wie ein Honigkuchenpferd, weil sie gerade die beste Mittagspause ihres Lebens gehabt hatte und ihrem Vater fiel es sogleich auf. Hoffentlich sah man ihr den Sex nicht an.
„Warst du im Diner?“
„Nein, ich… ähm… ich war bei Regina. Sie hat mich zum Essen eingeladen, weil ich ihr am Freitag bei den Akten geholfen habe.“ Sie hasste es zu lügen. Aber die Wahrheit konnte sie ihm unmöglich sagen. Sie musste schleunigst das Thema wechseln. „War hier in der Zwischenzeit was los?“


Nach zwei Wochen, in denen Regina und Emma immer mal wieder solche Mittagspausen verbracht hatten und sich ansonsten heimlich nachts trafen, fasste Emma einen Entschluss. So konnte es nicht weitergehen. Sie war hundemüde, kaum noch aufnahmefähig und selbst der sonst so adretten Bürgermeisterin war der Schlafmangel mittlerweile anzusehen.
„Bist du dir sicher?“, fragte Regina, nachdem Emma ihr ihre Entscheidung mitgeteilt hatte.
„Ja! Ja, ich bin mir sicher. Aber natürlich nur, wenn es auch für dich in Ordnung ist.“
„Das ist es!“ Regina legte ihre Arme um Emma und küsste sie zärtlich. „Also sagst du es ihnen heute?“
„Ja, heute beim Abendessen. Wenn es alle gut aufnehmen, vor allem Henry, dann würde ich anschließend mit ihm zu dir kommen, wenn du möchtest.“
„Natürlich will ich das!“, lächelte Regina. „Ich kann es kaum erwarten mit dir wieder gemeinsam einzuschlafen. Und Henry wird es bestimmt gut aufnehmen. Er hat ja damals schon gesagt, als wir mit ihm über das Gerücht gesprochen haben, dass es ihm gefallen würde, wenn wir ein Paar wären.“
„Wir… wir sind doch ein Paar, oder?“, fragte Emma plötzlich unsicher. Sie hatten es noch nie ausgesprochen. Sie verbrachten zwar unglaublich viel Zeit miteinander, aber durch all die Heimlichtuereien war diese Zeit meist nur auf Sex beschränkt. Kurz wurde es Emma übel. Was, wenn sie für Regina nur eine Affäre war?
„Emma…“, begann Regina leise. Sie biss sich kurz nervös auf die Unterlippe, dann aber lächelte sie wieder. „Ich liebe dich!“ Sie streichelte ihr sanft über die Wange. „Ich liebe dich und ich möchte gerne eine Beziehung mit dir.“
„Das möchte ich auch!“, flüsterte Emma. Ihre Stimme war weg. Regina hatte ihr gerade ihre Liebe gestanden. Sie war gerade völlig unfähig diese Liebe mit Worten zu erwidern, so zeigte sie Regina ihre tiefen Gefühle mit einem innigen Kuss. Sie war in Regina verliebt, das war ihr bewusst. Aber liebte sie sie? Jetzt schon? Emma wusste es nicht.


Beim Abendessen war Emma unglaublich nervös. Sie hatte Angst vor der Reaktion ihrer Eltern, immerhin hatte Regina jahrelang versucht sie zu trennen und Snow zu töten. Doch sie waren gute Menschen. Menschen, die verzeihen konnten. Und sie hatten Regina verziehen, oder? Als Snow Emma damals vom Gerücht erzählt hatte, das in der Stadt kursierte, hatte sie gesagt, dass sie immer auf Emmas Seite wäre. Selbst wenn das Gerücht wahr wäre. Hoffentlich war das nicht nur eine Floskel. Sie wollte ihre Eltern nicht verlieren oder einen Streit mit ihnen haben und genauso wenig wollte sie Regina verlieren. Regina liebte sie. Wieder hörte sie Reginas Worte und sah das Funkeln der braunen Augen und das Lächeln vor ihrem geistigen Auge. Ja, Regina liebte sie. Und Emma wollte mit ihr zusammen sein. Sie wollte ganz offiziell die Nächte bei ihr verbringen. Mit ihr und Henry eine Familie sein.
„Ich muss euch was sagen!“, schoss es aus ihr, woraufhin jeder sein Besteck zur Seite legte und sie ansah.
„Ist alles in Ordnung, Schatz?“, fragte Snow besorgt.
„Ja! Ja, mehr als das.“ Emma atmete tief durch. „Ich habe mich verliebt.“
Unsicher blickte sie in jedes Gesicht ihrer Familie. Henry grinste, als wüsste er bereits von wem sie sprach. Auch ihre Mutter trug dieses wissende Lächeln. Ahnten sie es? Hatten sie darüber gesprochen? Als sie jedoch zu ihrem Vater blickte, war ihr klar, dass zumindest er keine Ahnung hatte.
„Du hast dich verliebt? In wen?“, wollte er wissen. „Wieso hast du nie etwas gesagt? Ich wusste nicht, dass du auf Dates warst. Wer ist er?“
„Es… es ist kein Mann…“, gab sie leise zu.
„Komm schon, Grandpa!“, lachte Henry. „Hast du das nicht mitbekommen? Es ist Mom!“
„Wie… Regina?“ Er riss überrascht die Augen auf, als hätte er sich verhört.
„Hast du nicht mitbekommen, wie die beiden sich ansehen? Und unsere Tochter schleicht sich jede Nacht aus der Wohnung!“, erklärte Snow.
Nun war es Emma, die überrascht war. Henry und ihre Mutter hatten die ganze Zeit über Bescheid gewusst. Und sie freuten sich? Ohne Kritik, ohne Bevormundung oder einer Warnung?
„Kommt ihr damit klar?“, wollte sie unsicher wissen.
„Mom, das ist großartig!“, rief Henry, sprang auf und umarmte seine Mutter. „Jetzt können wir eine richtige Familie sein.“
„Ich freu mich auch für dich, Emma!“, lächelte Snow. „Ich kannte Regina schon lange bevor sie zur bösen Königin wurde. An deiner Seite ist sie beinahe wieder diese Person von früher. Du tust ihr gut. Und ich kann sehen, was du ihr bedeutest. Das ist offensichtlich!“
„Für mich nicht!“, sagte David. „Ich wusste es nicht.“
„Akzeptierst du es?“, fragte ihn Emma.
„Ach Emma…“ Er stand auf und legte lächelnd eine Hand auf ihre Schulter. „Wenn du glücklich bist, dann bin ich es auch. Und wenn es nun mal Regina ist, die dich glücklich macht, dann heiße ich sie herzlich in der Familie willkommen.“
„Wirklich?“ Emma war zu Tränen gerührt. Ihre Familie war großartig!
„Ja, wirklich!“, lachte er, doch formte anschließend seine Augen zu Schlitzen. „Aber wenn sie dir wehtut, bekommt sie es mit mir zu tun!“
„Das wird sie nicht. Sie… sie liebt mich!“, sagte Emma und lächelte bei diesen Worten. Regina liebte sie. Noch immer füllten diese Worte ihren Körper mit Wärme.
„Hat sie das gesagt?“, fragte Snow schmunzelnd. Ihre Augen leuchteten glücklich. Sie hatte immer gehofft, dass Regina nach Daniel irgendwann wieder lieben würde.
„Ja!“, hauchte Emma und strahlte dabei.
„Was machst du dann noch hier?“ Snow grinste sie an. „Du solltest bei ihr sein!“
„Ja! Ja, du hast recht! Komm Kleiner…“, sagte sie an Henry gewandt. „Wir übernachten heute bei deiner Mom.“


Nachdem Snow und David über die Beziehung Bescheid wussten und Henry mehr als nur glücklich darüber war, scheuten sich Emma und Regina auch nicht länger, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. Sie spazierten Hand in Hand durch die Stadt, sie begrüßten sich in der Mittagspause im Granny’s mit einem Kuss auf die Lippen und sahen sich mit Blicken an, die nur so vor Liebe strotzen.
Den Stadtbewohnern gefiel es gar nicht. Sie waren sich sicher, dass Reginas Zauber, den sie über Emma gelegt hatte, noch stärker geworden war. Dass Emma durch Magie gezwungen wurde, nun auch öffentlich diese falsche Liebe zu zeigen. Nie und nimmer konnte es für die Bewohner von Storybrooke sein, dass sich die Retterin in die böse Königin verliebt hatte. Nein, nicht ohne Magie. Regina sollte dafür büßen!

Es war ein Sonntagmorgen, als Regina mit Emma und Henry am Frühstückstisch saß. Sie waren zu einer kleinen Familie geworden.
„Ich bin froh, dass ihr jetzt zusammen seid!“, sagte Henry, bevor er sich eine volle Gabel Rührei in den Mund stopfte.
„Ja, das sind wir auch!“, lächelte Emma und griff nach Reginas Hand. Sie lächelten sich an und Regina wollte gerade etwas sagen, als sie jedoch laute Schreie vor dem Haus hörten.
„Komm raus und zeige dich!“, schrie jemand und eine Menschenmenge jubelte dabei.
„Was soll das?!“ Reginas Augen formten sich zu Schlitzen, als sie aus dem Fenster blickte und halb Storybrooke in ihrem Vorgarten stehen sah. Erschrocken wandte sie ihren Blick ab und richtete ihn auf ihren Sohn. „Henry, geh hoch in dein Zimmer und bleib dort, bis wir dich holen.“
„Was ist da draußen los, Mom?“
„Später! Geh jetzt hoch, sofort!“, sagte sie mit strengerem Tonfall. Ihm durfte nichts geschehen, sie musste ihn schützen.
Als Henry nach oben verschwunden war, trat Emma neben ihre Freundin. Beide blickten durchs Fenster nach draußen. „Was machen wir jetzt?“
„Du solltest zu Henry gehen!“, sagte Regina. „Ich kläre das.“
„Nein!“, meinte Emma kopfschüttelnd. „Ich lasse dich nicht allein. Die werden dich töten.“
„Emma, sie werden mir nichts tun. Das wagen sie nicht. Sie wollen mich bloß provozieren.“
Wieder sah Emma nach draußen. Nein, das war keine Provokation. In den Händen hielten die Stadtbewohner brennende Fackeln, Mistgabeln, Baseballschläger, Schwerter und andere Waffen. Sie wollten Regina etwas antun. Das würde Emma aber niemals zulassen.
Noch ehe Regina reagieren hätte können, lief Emma in den Flur, öffnete die Tür und trat nach draußen.
„Emma, komm!“, rief eine Person aus der Menge. „Wir retten dich!“
„Verdammt nochmal!“, fluchte Emma. „Seid ihr noch ganz bei Trost? Ich muss nicht gerettet werden! Und ihr macht Henry Angst. Haut ab!“
„Sie hat dich verhext, Emma!“, rief jemand.
„Das ist nicht wahr! Hört endlich damit auf, oder ich…“
„Genug!“, schrie Regina, die soeben aus dem Haus getreten war. „Was verlangt ihr von mir?“
„Wir wollen dir deine Magie nehmen!“, sagte eine Frau und hielt ein magisches Armband hoch. „Wenn du das trägst, kannst du uns und Emma nichts mehr anhaben.“
„Oder ich vernichte euch einfach!“, meinte Regina böse schmunzelnd, während in ihrer Hand ein Feuerball entfachte. „Ihr wollt mir drohen? Habt ihr vergessen wer ich bin?“
„Regina…“ Emma ging auf sie zu und legte eine Hand beruhigend auf ihren Oberarm. „Lass dich nicht anstacheln. Das wollen sie doch. Sie wollen einen Beweis, dass du noch immer böse bist, aber das bist du nicht!“
Oh wie gerne würde Regina jedem einzelnen das Herz rausreißen, doch Emmas Stimme und ihre Worte ließen sie blinzelnd durchatmen. Nein, sie war nicht mehr die böse Königin. Sie war Henrys Mutter, der ihr nicht verzeihen würde, würde sie jemandem etwas antun. Und sie war Emmas Freundin, die sie niemals enttäuschen wollte.
So schnell die Flamme in Reginas Hand entstanden war, so schnell verschwand sie auch wieder. Reuevoll blickte sie in Emmas grüne Augen. „Es tut mir leid.“
„Es nichts passiert!“, beruhigte Emma sie lächelnd, dann wandte sie sich an die Bürger. „Regina könnte euch alle mit nur einem Wimpernschlag töten. Aber das tut sie nicht. Und hätte sie mich verzaubert, würde sich meine eigene Magie dagegen wehren.“
„Aber sie ist die böse Königin!“, schrie die Menge. „Sie ist mächtig und sie hat dir etwas angetan! Dafür muss sie büßen! Sie muss ihre Magie aufgeben und ins Gefängnis oder wir töten sie!“
„Hört endlich damit auf!“ Emma zitterte vor Zorn. „Regina tut so viel für euch! Merkt ihr das nicht? Sie hat sich geändert, seit der Fluch gebrochen wurde. Sie hat sich schon geändert, als Henry in ihr Leben getreten ist. Seid nicht so blind! Öffnet eure Augen und denkt darüber nach, wer von euch gerade Böses tut! Nicht Regina!“
„Sie hat dich verzaubert, Emma! Niemals hätte sich die Retterin in die böse Königin verliebt!“
„Ich sagte, ihr sollt damit aufhören!“, schrie der Sheriff aufgebracht.
„Emma… lass gut sein, sie hören nicht auf dich!“, sagte Regina.    
„Nein! Ich lasse es nicht gut sein!“, fuhr sie Regina an, dann wieder die Bürger von Storybrooke. „Ich wurde nicht verzaubert! Ich habe mich in Regina verliebt, ganz ohne Magie! Verdammt nochmal, lasst uns in Ruhe leben! Ich liebe Regina und das werdet ihr nicht zerstören können. Niemals!“
Erschrocken schlug Emma ihre flache Hand vor den Mund. Das Volk war mucksmäuschenstill geworden, als Emma zu Regina blickte, die sie mit offenem Mund anstarrte.
„Ich… Regina… es ist wahr!“, sagte sie, nachdem sie die Hand von ihrem Mund gelöst hatte. „Ich hätte es mir romantischer vorgestellt, wenn ich dir das zum ersten Mal sage. Aber es stimmt. Regina, ich liebe dich!“
Ein glückliches Lächeln zierte Reginas Lippen, als sie Emmas Wangen in beide Hände nahm. „Ich liebe dich auch!“ Dann küsste sie sie.

„Könnt ihr es sehen?“, fragte Snow lautstark in die Runde. Henry hatte seine Großeltern angerufen und um Hilfe gebeten, die sogleich zum Mills Anwesen geeilt waren. „Das hier ist keine Magie. Und wenn, dann ist es die Magie wahrer Liebe. Ich bitte euch! Lasst meine Tochter und Regina in Frieden leben. Wenn sogar Charming und ich Regina verzeihen können, dann solltet auch ihr es können. Regina ist nun ein Mitglied meiner Familie. Hört damit auf, meiner Familie schaden zu wollen!“
Nicht nur die Bewohner Storybrookes, sondern auch Emma und Regina sahen Snow verdutzt an. Das, was sie eben gesagt hatte, bedeutete ihnen mehr als Snow je ahnen könnte. Doch würde das Volk noch immer auf sie hören? So wie damals im Zauberwald?
„Ich habt Snow gehört!“, rief plötzlich Grumpy inmitten Menge. „Lasst uns gehen.“ Er sah zornig zu Regina, dann aber wurden seine Gesichtszüge weicher, als er sich an Snow wandte. „Wenn sie zu deiner Familie gehört, wollen wir ihr noch eine Chance geben. Wir würden nie etwas tun, das dich verletzt, Snow!“
„Ich danke dir, Grumpy!“, sagte sie ihm.
„Dann lasst uns auf den Frieden anstoßen!“, meldete sich nun auch David zu Wort. „Die erste Runde im Granny’s geht auf mich!“

Nachdem die Meute verschwunden war, standen Emma und Regina alleine vor dem großen Haus.
„Ist das gerade wirklich passiert?“, fragte Emma noch immer verblüfft. „Hat meine Mom gerade einen jahrelangen Streit beendet und innerhalb von wenigen Sätzen Frieden gestiftet?“
„Tja…“, grinste Regina schulterzuckend. „Das war die Snow, die ich kenne. Ich dachte, dass sie sich völlig in Mary Margaret verloren hätte, aber scheinbar ist die wahre Snow zurück.“
„Sie hat mich echt beeindruckt!“, meinte Emma.
„Weißt du was mich noch mehr beeindruckt hat?“, lächelte Regina und fuhr mit ihrer Nasenspitze über Emmas. „Dass du mich liebst.“
„Und wie ich das tue!“, flüsterte Emma, bevor sie ihre Lippen auf die ihrer Freundin legte.
Der Kuss wurde erst unterbrochen, als Henry aus dem Haus stürmte und seine beiden Moms umarmte.
„Wird jetzt alles gut?“, fragte er mit belegter Stimme. Er hatte furchtbare Angst gehabt, während er das Spektakel durch sein Fenster im Kinderzimmer beobachtet hatte.
„Ja, Kleiner. Jetzt wird alles gut!“, sagte Emma. Sie wuschelte ihm liebevoll durchs Haar, während sie Regina erneut küsste, die sich in die Umarmung mit ihren zwei Liebsten schmiegte.

 
ENDE
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