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The Iron Fear

GeschichteAllgemein / P18 / Gen
OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
12.09.2020
16.03.2021
13
47.609
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22.09.2020 3.008
 
„Wo sind wir?“ Ich trotte hinter Keirran her der nun vor einem Gang stehen bleibt, der uns anscheinend hier raus führen soll. „Das ist nicht der Ausgang.“ „Doch ist es.“ Er seufzt und deutet auf die kleine, leere Wiese, die nach dem Ende der schier unendlich langen Hecke liegt. Zu meinem Erstaunen stehen dort unsere großen, schwarzen Kutschen und die silbernen Pferde.
„Es nur ein anderer, der liegt ein wenig weiter hinten. Sonst wärst du wieder mitten auf dem Elysium gelandet und du wolltest doch zu den Kutschen, nicht?“ „Oh.“ Ich nicke und lächle ihn leicht an. „Danke Bruderherz.“ Er grinst, kommt nach einem kurzen Zögern zu mir und umarmt mich. „Ach Mad.“ Keirran hält mich ein Stück von sich weg und sieht mich an. „Merk dir eins: Du bist kein Niemand. Du bist meine kleine Schwester und die Tochter der Herrscher des Eisernen Reiches. Das musst du kapieren.“ Ich wende den Kopf ab und blicke an ihm vorbei zu der Wiese, die aus dem Labyrinth hinausführt. „Ja ich weiß.“ Meine Stimme klingt leise und rau. Irgendwie fange ich an mich für mein Verhalten zu schämen. Dieser Wutausbruch und das Ganze, das war wirklich dumm. Und kindisch.  
Was ist dir lieber, wie ein Kleinkind an Mommy und Daddy ausgeliefert zu werden oder wie eine Erwachsene freiwillig mitzukommen?“
Diese Worte brennen in meiner Erinnerung wie Blitze.
Kleines dummes Gör, die mit Titania durch das Heckenlabyrinth spazieren geht.“
Es sind nicht die Worte, an die ich mich nun rückblickend erinnere. Es ist die Stimme und die Art wie er mich angesehen hat. Als ob er mich extra beleidigen würde. Als wolle er mich reizen und provozieren, weil es ihm Vergnügen bereitet. Robin hatte sich jede Beleidigung auf der Zunge zergehen lassen und mich dabei so stechend angestarrt, mit Augen, in denen etwas lag, etwas seltsam Erregendes.
Es hat dir gefallen.
Nein. Innerlich stampfe ich vor Scham und Verwirrung auf. Wieso sollte es mir gefallen haben? Er hat mich beleidigt, es hat mir nicht gefallen!
Sein Blick hat dir gefallen.
Nein das hat er nicht! Sein Blick war fast schon pervers gewesen, so als hätte er ein diabolisches Vergnügen daran mich zu triezen.
Und seine Stimme.

„Es tut mir leid, wie ich mich benommen habe.“ Jegliche Gedanken an diesem Vorfall unterdrückend sehe ich zu Keirran hinauf. „Ich bin nur…das war so viel auf einmal und…“ „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, ich verstehe dich schon.“ Er schwingt einen Arm um mich und zieht mich kurz zu sich hin.
„Und hey.“ Kurz kneift er mir in Wange. „Du bist die erste in unserer Familie, die es geschafft hat, Titania, um den Finger zu wickeln. Wie nennt sie dich? Täubchen?“ Er kichert und ahmt ihre hohe Stimme nach. „Mein Täubchen Madeleine wie bezaubernd du doch bist! Mein Täubchen willst du mir keine Gesellschaft leisten? Mein Täubchen wollen wir uns nicht gegenseitig Zöpfe flechten und unsere tiefsten Geheimnisse erzählen?“ Ich lache und boxe ihn leicht gegen die Schulter. „Lass das du Dummkopf!“ Doch dann kommt in mir eine Frage auf, sogar eine sehr wichtige. Etwas was mir nicht ganz geheuer scheint.
„Hast du eine Ahnung, warum sie mich mag?“ Auf einmal schwindet das Lächeln aus Keirrans Gesicht und er lässt mich los. „Keine Ahnung Mad.“ Kurz mit den Schultern zuckend wendet er sich ab.
„Aber warum hat sie dich denn nicht eingeladen ich meine, wenn es daran liegt, dass ich die Tochter dreier Reiche bin und sie möglicherweise glaubt ich könnte ihr von Nutzen sein, warum hat sie nicht versucht dasselbe mit dir zu machen? Das hat sie doch nicht, oder?“ „Nein.“ Keirran kratzt sich kurz die Wange und schaut an mir vorbei. Auf einmal versteinert sich seine Miene und sein Gesicht wird rot. Ich runzele die Stirn. „Keirran?“ Als er nicht antwortet wedele ich kurz mit der Hand vor seinem Gesicht herum. „Keirran?“ Er reagiert nicht, sondern starrt immernoch wie von der Tarantel gestochen an einen Punkt hinter uns. Verwundert drehe ich mich um. Dort steht jemand. Es ist das Mädchen, mit dem Titania ihn zum tanzen gezwungen hat. Doch nun scheint er ganz und garnicht mehr perplex und überfordert wie damals. „Entschuldigt, ich wollte nicht stören…eure Majestät.“ Ihre Stimme klingt hoch und piepsig und als sie unserer beider Blicke bemerkt weicht sie schüchtern zurück. „Ich wollte nur Prinz Keirran fragen ob er noch einmal tanzen möchte, das Elysium ist bloß bald vorbei… aber wenn ihr beschäftigt seid werde ich natürlich sofort gehen.“ „Nein, nein!“, antwortet Keirran mit seltsam hastigem Ton. „Ich wollte nur meine Schwester zu den Kutschen bringen, danach bin ich gleich wieder da, wirklich es dauert nur einen Moment.“ Ich wende mich ihm grinsend zu. „Ach geh schon. Ich bin schon ein großes Mädchen, die Kutschen stehen doch gleich da.“ Ich zeige mit dem Finger nach vorne zu dem anderen Ende der langen Wiese. Er schluckt und sieht etwas verwirrt zu mir. „Bist du dir sicher, ich…“ „Keirran geh schon.“ Dann beuge ich mich kurz vor und flüstere: „Schnapp sie dir!“
Keirran lacht kurz auf und verdreht die Augen. „Gut Mad, wir sehen uns später.“ Er kneift mir noch einmal in die Wange und läuft dann etwas zu hastig zu dem immernoch scheu dreinblickendem Mädchen. Ich grinse und salutiere ihr kurz zu. Sie lächelt und winkt sachte zurück, bevor Keirran bei ihr ankommt und zur Begrüßung kurz ihre Hand an seine Lippen hält. Leise lachend raffe ich mein Kleid etwas zusammen und gehe aus dem Labyrinth hinaus.
Sobald ich draußen angekommen bin durchfährt mich eine Woge der Erleichterung, so als wäre eine zentnerschwere Last von meinen Schultern gesunken. Die Luft hier scheint reiner und frischer zu sein und diese drückende Stille die zwischen diesen verdammten Hecken geherrscht hat wird ersetzt durch das leise Rauschen des Windes dem Fiepen von Insekten und Vögeln und dem Schnauben der an den Kutschen stehenden Pferde. Es ist seltsam erfüllend und friedlich. Langsam wandere ich die Wiese entlang und atme die Düfte der zu meinen Füßen wachsenden Blumen ein. Zwar bin ich mir dem bewusst, dass dort direkt neben mir sich der unendliche und gefährliche Wilde Wald erstreckt, doch seltsamerweise stört mich das kaum. Es ist schön hier. Sehr sogar. Zu schön.
Plötzlich höre ich etwas.
Es ist nicht weiter ungewöhnlich nur ein brechender Zweig, irgendwo rechts von mir, aber dennoch bleibe ich erschrocken stehen und blicke mich hastig um. Ich weiß nicht warum, doch auf einmal breitet sich ein Schauer über meinen Rücken aus und ich fühle mich beobachtet. „Hallo?“
Idiotisch. Ich schüttle den Kopf. Lächerlich. Das war bestimmt nur ein kleines Tierchen oder etwas anderes, vollkommen ungefährliches. Hier ist es sicher, ganz bestimmt. Alle sind auf dem Elysium und feiern, jedes Wesen im Umkreis ist da und keiner wird sich um mich scheren.
Ich setze mich wieder in Bewegung. Gleich da vorne sind die Kutschen, in weniger als einer Minute werde ich in eine von ihnen hineinsteigen und ein wenig schlummern bis Mutter, Vater, Keirran und der Rest nach den langen Feierlichkeiten zurückkommen. Danach werde ich aufwachen, mich bei meinen Eltern entschuldigen und wir werden alle gemeinsam friedlich zurückfahren, nach Mag Turiedh. Ja so wird es sein, ganz bestimmt, so wird es…
Gerade erfasst mich Ruhe und fast schon kriege ich es hin mir einzureden ich hätte mir das Geräusch bloß eingebildet. Doch da. Wieder. Da ist etwas. Ich habe es dieses Mal ganz deutlich gehört. Jetzt jedoch bleibe ich nicht stehen. Die Panik durchfließt mich wie ein kalter Schauer und ich laufe schneller. Hunderte Möglichkeiten schießen mir durch den Kopf.
„Bleib ruhig.“ ermahne ich mich flüsternd selbst. Das hilft mir stets, wenn ich Angst habe.
Keine Panikattacken. Nicht hier ohne Zeugen und ohne Hilfe. Und dann spüre ich es. Es ist dieses Gefühl wie schon vorhin in der Kutsche und auf dem Elysium. Es ist eine Aura, ein unbeschreibliches Empfinden.
Bleib stehen.
Diese Stimme. Sie ist da. Es ist da. Irgendwo hier in meiner Nähe. Nicht nur mehr in meinem Kopf nein, es ist hier.
Nun kann ich mich nicht mehr rühren. Meine Beine sind auf einmal wie festgefroren und steif wie Eis. Benommen bleibe ich stehen und starre zu Boden. Das was mich gerade überkommt ist keine Angst, nein. Es ist etwas anderes. Es ist schrecklicher. Und dieses Gefühl kenne ich. Doch woher? In meinem inneren Auge erscheinen Bilder, Szenen wie die in diesem Traum, den Traum, den ich ständig habe:
Es ist Nacht, dunkel und kühl, jemand sagt ich solle trinken, da ist eine Frau mit schwarzen spitzen Hörnern, und ich schmecke etwas köstliches, Wörter über Sieg, etwas über wegnehmen und da ist dieses Gefühl, das Gefühl, dieses unendliche, wunderbare…
„Bleib stehen.“
Ich bin wie erstarrt. Da redet wieder jemand. Doch dieses Mal ist die Stimme nicht mehr nur in meinem Kopf. Sie ist hinter mir. Oder besser gesagt er ist hinter mir. Denn diese Stimme ist männlich.
„Was eine Pracht.“ Ich will mich umdrehen, will weglaufen und schreien und kreischen und um Hilfe flehen, doch es geht nicht. Mein Körper regt sich mit keinem Muskel. Wie betäubt hinabstarrend bleibe ich in derselben Position wie vorher.
„Was für eine entzückende Schönheit.“ Schritte. Näher. Er ist näher. Und etwas fasst mich an. Am Rücken. Eine Hand. Und sie ist kalt, so kalt wie eine grausige Nacht im kühlsten Winter. Mein Herz schlägt mir schmerzhaft gegen die Brust. Und nun bewegt er sich langsam vor, gemächlich und tief ein- und ausatmend.
„Wie lange haben wir schon darauf gewartet Madeleine Chase. Doch Hut ab, es war erstaunlich wie lange du dich vor uns verstecken konntest. Als ob du gewusst hättest, dass wir nicht ins Eiserne Reich vordringen können, um dich zu uns zu holen.“ Er ist vor mir. Direkt. Meine Augen schließen sich und ich kneife sie zu denn ich will sein Gesicht nicht sehen viel zu sehr graust es mich davor.
„Mach sie auf.“, befiehlt die dunkle Stimme leise lachend. „Öffne deine Augen, ich möchte die Farbe sehen.“ Ich tue wie geheißen. Nicht weil ich es will, sondern weil mein Körper auf jeden seiner Befehle zu reagieren scheint. Doch es ist keine Kontrolle, kein Zwang. Es ist etwas anderes, so etwas wie eine innere Gewissheit, dass wenn ich seinen Worten nicht gehorche etwas schlimmes geschehen wird. Etwas schmerzhaftes, folterndes. Und das will ich nicht. Also muss ich mich fügen, oder wohl eher mein Körper, denn mein Bewusstsein ist mir wie vom Leibe gelöst. Und das was ich sehe als ich meine Lider aufschlage erfüllt mich mit reinem Entsetzen.
„Schön, die Farbe hat sich kein Stück verändert.“ Seine Hand schnellt vor, streicht unter meinem Auge entlang und er mustert mein Gesicht so, als würde er jeden Quadratzentimeter davon prüfen.
„Alles ganz genau so wie es sein soll. Ja, einfach nur perfekt, es hat niemand gemerkt, absolut niemand…Terrent du bist einfach ein Genie.“, murmelt der leise Mann vor sich hin. Er spricht offensichtlich mit sich selbst. „Oh ja.“ Mit kratziger Stimme auflachend sieht er mir direkt in die Augen. „Und ich hatte schon Angst, dass der Schein sich von selbst an die Oberfläche fressen würde, aber die Versiegelung hält bis heute. Fantastisch, nicht?“ Ich habe keine Ahnung, worüber er redet, verstehe nicht ein einziges Wort. Versiegelter Schein? Und was ist fantastisch? Wieder sind seine Finger an meinem Gesicht und dieses Mal fahren sie meine Wangenknochen entlang.
„Bezaubernd.“, flüstert er fast geräuschlos. „Einfach bezaubernd.“
Ich bin gelähmt vor Angst. Ein Déjà-vu durchkreuzt meine Erinnerung.
Er. Ich kenne ihn, dieses grausige Gesicht kenne ich. Doch ich weiß nicht woher. Rote Augen, unter denen sich schwarze Adern räkeln, schiefe, gelbliche Zähne, die im Mondlicht spitz und gefährlich aussehen, so als könne er mir mit einem einzigen Bissen die Kehle damit aufreißen. Bei jedem Atemzug fließt eine schwarze Flüssigkeit über seine Wangen hin und her, immer weiter, hinab und wieder herauf.
„Ach Eiserne Prinzessin, habt keine Angst vor mir. Wollte ich euer Leid so wäret ihr sicherlich nicht mehr am Leben.“
„Wer bist du?“ Ich schaffe es endlich zu sprechen. Meine Stimme klingt rau und leise und sie entlockt ihm ein Lächeln. Doch es ist weder hämisch noch bösartig, nur leicht amüsiert.
„Mein Name ist Noctis, Bruder von Terrent des Königs der Furcht. Und du...“ Er machte einen Schritt auf mich zu. „...du bist ein mehr als wichtiger Teil der bereits vor Jahren gestellten Prophezeiung.“
Ich will zurückweichen aber nein, keine Chance. Keuchend versuche ich mich zu bewegen, doch es geht einfach nicht.
Angst. Ich habe Angst. Doch es ist nicht diese Art von Angst, die ich empfinde, wenn Vater mir ein Schwert zuwirft, mit dem ich kämpfen lernen soll. Nicht die Angst, die man spürt, wenn man eine Spinne sieht oder von einem Gremlin angesprungen wird. Es ist eine Angst die ich in jedem Knochen, jedem Nerv spüre und die mich das Leben kosten könnte. Es ist eine Furcht, die mich quält und lähmt.
„Der Schein der Angst. Die Verkörperung des Schreckens. Spürst du ihn auch, Prinzessin des Eisens?“ Der Mann nimmt meine Hand und lächelt. Auf einmal fließt aus seinen Nägeln eine Woge aus schwarzem Nebel. Sie schwebt umher, in einer dürren Linie, nach oben und unten und dann direkt auf mich zu.
„Es ist nicht dasselbe wie Sommer, Winter oder Eiserner Schein. Es ist schlimmer, besser, älter und mächtiger.“ Der Nebel ist nun bei mir, direkt vor meinem Gesicht.
„Bitte.“ Ich zittere am ganzen Leib. Er, Noctis, nimmt nun sanft mein Kinn zwischen die Finger und streicht mir über die Wange.
„Lass es zu.“ Der dunkle, schwarze Nebel, er fließt zu mir. In mich. Ich versuche die Luft anzuhalten, um ihn nicht einzuatmen doch diesem fast schon lebendig scheinenden Dunst scheint das gleich zu sein. Es fließt in mich und nicht nur durch meinen Mund. Ich spüre es an meiner Nase, meinen Augen meiner Haut, auf jedem Partikel meines Körpers. Als würde es vollständig in mich hineingleiten.
„Ist das nicht fabelhaft?“ Er hält seine Hand direkt vor mich, sodass ich sehe, wie das schwarze durch seine Adern fließt. Dann nimmt er meinen Arm und hält ihn gegen seinen. Bei mir passiert dasselbe. Es sieht grausig aus und dennoch wunderschön. Ich will schreien und weinen doch gleichzeitig auch lachen. Als wären in mir mehrere Persönlichkeiten, die um die Herrschaft ringen.
Und dann hört der Dampf auf. Urplötzlich. Und als die unbändige Erschöpfung mich wie eine Explosion durchstößt falle ich auf die Knie. Er bückt sich zu mir hinab und nimmt meine Hand in seine und krempelt meinen Ärmel hinauf bis zum Ellbogen. Dort überall, an meinem gesamten Arm schlängeln sich schwarze, lebendig wirkende Linien wie Würmer, die Nahrung suchen.
„Spürst du es schon? Weißt du, seit Nyls dir die letzten Reste ihres wertvollen Scheins gab, mussten wir ihn versiegeln. Damit diese schrecklichen Biester von Sidhe nicht merken welche unglaubliche Gabe du in dir trägst.“ Er blickt zufrieden auf mich herab und mustert mich zufrieden.
„Doch bald ist die Versiegelung endlich gelöst und du wirst in deiner vollen Pracht erblühen. Sobald du gelernt hast die Angst zu beherrschen werden wir dir deine anderen Kräfte, Winter, Sommer und Eisen freigeben und du wirst die wohl mächtigste Person werden die je gelebt hat. Wenn dein erstes Opfer dir, von Furcht erfüllt, zu knien steht, wird es kommen wie versprochen."
Mir ist schlecht, wahnsinnig schlecht. In meinem Körper ist etwas und zwar etwas lebendiges und es frisst sich durch mich hindurch, von unten nach oben. Es ist erst in meinen Beinen, dann in meinem Bauch und schließlich spüre ich dieses Etwas in meinem Hals, meinem Gesicht, meinen Augäpfeln.
„Wir hätten deinen Bruder als den Träger dieser Gabe nehmen können, doch er hat sich als schwächlich und unwürdig erwiesen. Das Orakel hat uns davon abgeraten, dieser Junge ist viel zu treu - anders als du.“
Er lacht und es klingt fast aufmunternd. Beruhigend. Freudig.
„Wir haben die Hoffnung auf eine Wiederkehr fast aufgegeben, doch dann wurdest du geboren. Ein Kind das stark genug ist, um uns aus dem Abgrund des Vergessens zu befreien. Und somit kann die Prophezeiung endlich von statten gehen. Nun da die Versiegelung deiner Macht sich trübt und deine wahre Natur zum Vorschein kommt, wird alles Prophezeite endlich wahr...“
Ich habe keine Ahnung was er redet, verstehe kein einziges Wort.
Aber dennoch umfasst mich Faszination und ich hänge wie gebannt an seinen Lippen.
Es ist als würde mich etwas anziehen, hypnotisieren, einlullen.
Ich kann mich weder rühren noch atmen. Aber das ist auch überhaupt nicht nötig. Meine Lungen sind gefüllt mit diesem Rauch, diesem schwarzen, berauschendem Dampf und solange er, dieser Stoff, diese Macht in mir ist benötige ich keine Luft.
„Heute wirst du zu unserer Kriegerin, unserem Racheengel. Du wirst unsere Wiederkehr einläuten Kind dreier Reiche. Du bist würdig den Schein der Angst erneut in die Welt hinauszutragen.“ Noctis lächelt mich an. Es ist kein grausames Lächeln. Darin liegt nichts Gemeines oder Boshaftes. Es ist als würde er sich freuen mich zu sehen, wie wenn man etwas Kostbares vor sich liegen hat.
Seine Zähne, diese gelblichen schiefen Zähne schimmern im Mondlicht und mir fällt auf, dass sie schön sind. Genau wie seine roten Augen mit den winzigen Pupillen. Es ist angsteinflößend. Und alles was Angst und Furcht und Grauen erzeugt ist von wahrhaftiger Schönheit. Meine Gedanken streifen zurück, zu den Gesichtern dieser…dieser Wesen, diesen hässlichen Wesen, mit ihren widerlichen Gesichtern. All jenen die ich mein ganzes Leben lang ertragen musste. Wie konnte ich nur so etwas schön finden? Wie kann man Titania, Mab, Oberon, Keirran oder auch nur einen von ihnen als perfekt bezeichnen? Sofort ekele ich mich vor mir selbst. Ich bin wie sie. Wie diese entsetzlichen Feen mit ihrem hellen Schein, abscheulich und abstoßend. Ich muss etwas Grauenhaftes an mir haben, die Macht in mir muss schwarz sein, sonst bin ich zur ewigen Hässlichkeit verdammt!
„Wir werden uns schon sehr bald wiedersehen, Prinzessin.“
Er lacht leise und streicht mir sanft eine Strähne aus dem Gesicht.
„Du ahnst ja garnicht wie viel wir noch mit dir vorhaben.“ Mit diesen Worten legt Noctis seine Fingerkuppen leicht auf meine Stirn. Erst spüre ich nichts außer seiner kalten Haut.
Dann kommt der Schmerz wie eine Explosion.
Und ich falle in Ohnmacht.
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