What Rises from the Ashes

von Ashla
OneshotFantasy, Schmerz/Trost / P18
Amarantha Feyre Archeron Lucien Vanserra Rhysand Tamlin
12.09.2020
12.09.2020
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12.09.2020 4.609
 
»What Rises from the Ashes (A Tamlin Ficlette)« ist eine autorisierte Übersetzung aus dem Englischen.

Autor des Originals: Rhysand_vs_fenrys (AO3) oder Rhysand-vs-Fenrys (Fanfiction.net)
Das Original: AO3 oder FF.net
Altersempfelung: P18
Protagonisten: Tamlin, Amarantha, Rhysand, Lucien, Feyre
Kapitelanzahl: 1
Genre: Fantasy, Schmerz/Trost

Reviews sind gern gesehen. Falls ihr Verbesserungsvorschläge habt oder einen Rechtschreibfehler, etc. entdeckt, sagt mir Bescheid. :)


Ich wusste, was sie war, vom Moment an, den ich sie das erste Mal sah. Zu meiner ewigen Verdammnis wusste sie es ebenfalls.

Manchmal dauert es Jahre, bis die Verbindung zwischen zwei Seelenverwandten einrastete.

Unsere brauchte dafür eine Sekunde.

Ein Krieg drohte, unsere Sklaven hatten Angst, dass sie von der einen Seite als Kollaborateure und Rebellen von der anderen bezeichnet würden. Ganz Prythian ging wie auf Eiern, die ganze Welt hielt den Atem an, während wir unaufhaltsam auf den Abgrund zuhielten.

Und in der Ruhe vor einem Sturm, der die Welt in Blut ertränken würde, kam sie zum Frühlingshof.

Amarantha.

Mit dem ersten Schlag der Kriegstrommeln kam sie mit ihrer verdammten Schwester von den Ufern Hyburns, gerüstet für die Schlacht, um die anwachsende Spannung endlich zu brechen. Dieses rotblute Haar, diese scharlachroten Lippen – geschmückt in Juwelen aus Obsidian und einem schwarzen Kleid präsentierte sie sich unserem Hof gegenüber wie die Königin der Hölle selbst. Ein Schrecken, der auf die Welt losgelassen würde–

–und meine Seelenverwandte.

Sie begrüßte uns alle förmlich, doch ich erinnere mich nicht an viel. Ich erinnere mich nicht an das, was sie gesagt hatte oder wie meine Eltern geantwortet hatten. Alles, woran ich mich erinnerte, ist das Ziehen unserer Seelenverbindung und die Art und Weise, wie sie mich ansah, wenn keiner hinsah. Ich erinnere mich, wie sich ihre Lippen zu einem grausamen, kalten Lächeln kräuseln, während sie mich verhöhnte und neckte, um mir auf den Zahn zu fühlen.

Seelenverwandte sind ebenbürtig.

Das sucht mich bis heute heim. Es wird mich bis ins Grab heimsuchen.

Seelenverwandte sind ebenbürtig.

Ich wusste, dass sie Unschuldige abgeschlachtet hatte, ich wusste, dass sie es aus Vergnügen getan hatte. Ich wusste, dass ihre schwarze Seele noch finsterer als die des High Lords des Hofes der Nacht war ... und der Kessel hatte uns für ebenbürtig befunden.

Anfangs bedrängte sie mich in keinster Weise. Sie war ein General von Hybern; ich war ein Kind, nichts weiter als eine Kuriosität. Fae sind geduldig – so unglaublich geduldig – und auf ihre eigene Weise wollte sie eine Liebesgeschichte. Ich wollte ans Ende der Welt laufen und mich vom Kessel verschlingen lassen. Ich war nicht ihrs. Sie war nicht mein. Ich war gut und stark und treu. Ich war ein unbedeutender Prinz des Frühlingshofes, sie war die Königin von Blutbädern und Grausamkeit.

Doch der Krieg war schließlich gekommen.

Ich traf den rechtmäßigen Erben des Nachthofes und dieses Monster war ... gütig.

Dann starb Clythia.

Dann wurde Jurian abgeschlachtet.

Dann– dann erzählte ich meinem Vater, wo der Champion der Loyalisten-Armee sein würde – dieser Erbe des Nachthofes, mit dem ich mich versehentlich angefreundet hatte. Der Krieg war nicht so weit gewonnen, dass wir glaubten, dass die Angelegenheit bereits erledigt war. Ich fühlte Zorn und Schmerz – ich fühlte das Bluten des gebrochenen Herzes meiner Seelenverwandten und ich ließ zu, dass die Seelenverbindung mich Hass lehrte. Ich überließ meinen Freund dem Tod und zwei wehrlose Frauen der Vergewaltigung.

Und in seinem Zorn erklärten er und sein Vater mich zum High Lord.

Dann erwiderte ich den Schlag.

Die Welt versank erneut in Schweigen. Amarantha kam zu dem Schluss, dass Liebe Gift war und ihr Kummer verschonte mich für eine Weile. Niemand wusste, was wir füreinander waren – obwohl ich glaube, dass der gefallene Lord des Nachthofes es vermutete. Ich denke, dass ich es in seinen Augen sah, als er starb.

Fünfhundert Jahre lang – oder jedenfalls nahezu – überzeugte ich mich, dass wir nichts waren. Der brennende Schmerz in meiner Brust war nicht für die Frau weit entfernt von mir. Diese verdammte Fügung des Schicksals führte in eine Leere – nicht zu ihr. Sie führte zu jemandem, den ich noch finden musste, einer Frau voller sengenden Lichts und der Hoffnung auf ein neues Leben. Sie führte zu einer Schönheit, die würdig war, an meiner Seite zu sitzen. Eine Frau, die meine Welt erhellte und mir eine Armee molliger, lachender Kinder schenkte. Dahin führte die Verbindung in Wirklichkeit.

Als Amarantha wiederkehrte, um Prythian zu beanspruchen, kam sie auch meinetwegen.

Lucien denkt, dass ich einer der letzten High Lords war, der ihrem Akt der Reue Glauben schenkte. In Wahrheit denke ich, dass ich der erste war. Sie gab mir Hoffnung und das ist etwas Gefährliches, woran sich ein ertrinkender Mann festhalten konnte. Ich konnte ihr in der Dunkelheit nicht ebenbürtig sein, doch womöglich war sie meine Seelenverwandte im Licht. Wenn sie sich wahrhaft veränderte, wenn sie wahrhaft reumütig werden würde–

Nun … ›falls‹ ist nichts weiter als eine der vielen Lügen, die wir uns einreden, um zu überleben.

Ihr Preis für die Leben meiner Leute war ich. Natürlich war er das.

Amarantha war war besessen von Liebe. Sie korrumpierte in anderen, was sie für sich selbst beanspruchte – alles wegen Clythia und Jurian. Sie stahl unsere Macht, aber bot mir an, mir meine zurückzugeben und dann noch viel mehr. Alles, was ich tun musste, war, unsere Verbindung zu akzeptieren ...

Doch ihr seid nicht hier, um das noch einmal aufs Neue zu hören. Ihr wisst, dass ich mich ihr verweigert habe, ihr wisst, dass sie Luciens Auge genommen, mir den Fluch auferlegt, mich hinter eine Maske verbannt hat – ihr wisst, dass sie meinen Feind als ihren Bettsklaven genommen hat.

Es sorgte dafür, dass mir das Blut in den Adern kochte – wissend, dass dieser Mann, den ich mit jeder Faser meines Seins hasste, in meiner Seelenverwandten war. Ganz gleich, ob er das wollte, oder nicht. Genau aus diesem Grund tat sie es schließlich auch – um mich mit ursprünglichen, besitzergreifenden Zorn in den Wahnsinn zu treiben. Sie packte die Seelenverbindung und hielt sie fest wie eine Seil, das um meine Kehle geschlungen war. Doch ich hatte diese Verbindung so lange verleugnet, dass ich nicht bereit, sie anzuerkennen. Nicht einmal, wenn dadurch alles in mir zerbrach.

Der Schlüssel dazu, unseren Fluch zu beenden, war, dass ich ein Menschenmädchen dazu brachte, dass es seine Liebe zu mir bekundete, nicht, dass ich sie ebenfalls liebte. Das war Prythians erster Hinweis– und ich hatte solche Angst, dass sie die Wahrheit erkannten, die kaum verborgen hinter dem Zauberspruch steckte. Sie spielte mit mir, sie folterte sie. Wie konnten sie das nicht sehen?

Aber dann– aber dann kam Feyre. Nun ja– ich zerrte Feyre aus ihrem Haus, sprach einen Zauber, der sie in Ohnmacht versetzte, und brachte sie gewaltsam zum Frühlingshof. Sie war Feuer und Zorn, stärker als irgendein Mensch das Recht hatte zu sein, und so sehr an Grausamkeit gewöhnt, in solcher Erwartung daran, dass es mir die Sprache verschlug.

Feyre … wenn Amarantha meine Verdammnis war, war sie meine Errettung.

Sie glaubte, dass wir Ungeheuer seien. Sie dachte, dass wir sie essen würden, sie versklaven, foltern, sie in einer Zelle zu Tode hungern lassen, sie nachts vergewaltigen, ihren Körper und ihre Seele brechen – und sie gab mir mein Leben zurück. Sie erwartete, dass wir uns wie Amarantha verhielten, doch bei ihr hatte ich eine Chance, gut zu sein. Zu beweisen, dass Amaranthas Fähigkeit zu hassen nur meiner Fähigkeit großzügig zu sein, ebenbürtig war. Wenn wir ebenbürtig waren, lass es auf diese kleine, seltsame Weise sein.

Ich verführte Feyre für meine eigenen Zwecke, ja. Das gebe ich offen zu. Ich ließ zu, dass Lucien mir beibrachte, wie man charmant und freundlich war, wie ich die bestmögiche Katikatur meiner selbst sein konnte. Feyre verliebte sich in diesen Mann und ohne es zu wollen, verliebte ich mich auch in sie.

… nein, das ist nicht war, oder?

Ich verliebte mich in die Vorstellung von ihr. Wenn sie eine Fae wäre, wäre sie diejenige gewesen, die meine Seelenverwandte hätte sein können. Ihr Lachen war das Plätschern eines Gebirgsbaches, ihr Zorn der Blitz eines Frühlingsgewitters, und ihr Lächeln die Wärme einer Mittagssonne. Sie war gut, und gütig, und rein – sie war diejenige, für die ich hätte bestimmt sein sollen. Nicht Amarantha. Nicht diese blutrünstige, grausame Kreatur unter unserem heiligen Berg.

Als Feyre und ich schließlich miteinander schliefen, hatte ich mich davon überzeugt, dass sie das war, was ich wollte. Was ich verdiente ... doch die Zeit war bald um, und mit jedem Stoß in ihren Körper flatterte und toste die Seelenverbindung, die ich fünfhundert Jahre lang ignoriert hatte, lauter als wir beide. Ich wollte sie lieben, ich musste sie lieben. Ich wehrte mich mit Händen und Füßen, ich riss sie so gut, wie ich konnte, von mir – doch es hatte keinen Zweck.

Ich wusste, dass es ein Kampf war, den ich niemals gewinnen konnte.

Ja, ich schickte Feyre fort, um sie vor Amaranthas Grausamkeit zu beschützen, um sie am Leben zu erhalten, dieses eine Geschöpf, das bewies, dass ich immer noch gut war. Doch ich schickte sie auch wegen der Seelenverbinfung fort. Eine Verbindung, zu der ich mich schließlich selbst bekennen musste ...

Und dann kehrte sie zurück.

Ich hatte aufgegeben. Ich ließ zu, dass Amarantha meinen Körper in der ersten Nacht Unter dem Berg benutzte, doch wir waren noch nicht ganz ebenbürtig, schien es. Eine Seelenverbindung erfordert die Einwilligung beider Seiten, um gänzlich zum Leben zu erwachen. Es schien so, als zählte passive Hinnahme des Unausweichlichen nicht. Sie ließ mich von einer Ecke aus zusehen, wie ihr Spielzeug sie bediente – wie sie den mächtigsten High Lord in der Geschichte Prythians dazu zwang, den enttäuschenden Versuch einer Vereinigung aufzuschlecken.

Als ich sah, wie Feyre in den Thronsaal gezerrt wurde, wollte ich sie anschreien zu gehen. Ich wollte ihr sagen, dass es nutzlos sei, dass es keinen Sinn hatte, jemanden zu retten, der verdammt war. Amarantha sah die Liebe in Feyres Augen, fühlte durch die Seelenverbindung, wie viel mir an ihr lag ...

Und wieder, ihr wisst, was daraus geworden ist.

Feyre rettete Prythian, Amarantha war dabei, sie zu töten, ich brüllte – aber wen brüllte ich an? Amarantha, dafür, dass sie dieses kostbare Wesen umbrachte, das Hoffnung zurück nach Prythian brachte? Den Lord des Nachthofes, der meine Seelenverwandte töten wollte? Brüllte ich wegen des Gefühls, das sich durch unsere Verbindung sprengte?

»Liebe.«

Feyre rettete uns alle mit einem Wort. Als meine Kraft zurückkehrte, tat ich das Undenkbare. Ich öffnete eine Wunde in meinem Inneren, die niemals heilen konnte. Ich machte mich zu einer schlimmeren Abscheulichkeit als dieses rothaarige Biest, das durch eine Fügung des Schicksals an mich gebunden war–

–ich spießte meine Seelenverwandte an der Wand auf und zerfetzte ihr die Kehle.

Jedes Quäntchen Abscheu, das ich für meine Seelenverwandte hegte, jeder Funke von Hass, den sie die Verbindung hinunterjagte und dennoch kostete mich meine gesamte Kraft und noch viel mehr, um sie zu töten.

Und dann wurde ich wahnsinnig.

Mord an der Seelenverwandten. Es gibt keine größere Schmach in unserer Kultur.

Feyre wurde zur Fae – und verspottete mich, indem sie endlich die Seelenverwandte wurde, die ich hätte haben sollen, und das war nicht genug, um mich bei Verstand zu behalten. Um mich am Leben zu erhalten.

Drei Monate lang sah ich ihr beim Sterben zu, Stück für Stück. Ein Teil von mir wollte, dass sie glücklich und fröhlich war, dass sie malte und an meiner Seite saß, das perfekte Bild einer perfekten Braut. Ich sagte jedem, der es hören wollte, dass die Seelenverbindung kam. Falls irgendjemand vermutete, was Amarantha für mich war – das Loch, das sie in meiner Seele geöffnet hatte, als sie gestorben war –, lenkte ich sie mit der hübschen Erretterin ab, die von den High Lords von Prythian selbst gesegnet wurde.

Der andere Teil von mir – der war es, der sie umbrachte. Der Teil, der sie als das Geschöpf sah, das mich zwang, meine Seelenverwandte zu töten. Der Teil, der dafür sorgte, dass ich mitten in der Nacht aufwachte und in Tiergestalt ans Ende des Bettes schlich, wo der Schmerz der Seelenverbindung geringer war und wo ich schlafen konnte, ohne Feyre neben mir zu riechen. Dieses verabscheuungswürdige, widerwärtige Ding, das mich dazu gebracht hatte, die Frau zu töten, die mir ebenbürtig war.

Jede Nacht erinnerte ich mich daran, sie zu hassen, während ich Amarantha wieder und wieder beim Sterben zusah – während meine Träume sich so verzerrten, dass es Feyre war, die sie mir nahm. Die Seelenverwandte, die ich nie wollte. Die Seelenverwandte, die mir Angst einjagte.

Jeden Tag benutzte ich Feyre, um diese Dunkelheit zu verbergen. Ich beugte mich zwischen Beine und badete in ihrem Geruch von meiner Zunge zu meinem–

–na ja, ihr wisst schon.

Dass ihr Geruch jeden Moment des Tages an mir klebte, war, was mich aus der Bahn warf. Lucien mochte es vermutet haben, doch er merkte nicht, ob sich mein Geruch veränderte. Nicht, ob ich auch in Feyres gehüllt war. Sex war das einzige, was dafür sorgte, dass sie im Leben in der Dunkelheit etwas fühlte, und ich benutzte sie nur zu gern. Ich hatte solche Angst, dass andere es herausfanden, solche Angst, dass die Wahrheit allgemein bekannt würde. Mich kümmerte es nicht, ob sie ein Gespenst des Frühlingshofes wurde, solange ich immer ihren Geruch an mir hatte, um die Wahrheit zu verschleiern–

–dass die Seelenverbindung in der Nacht, als Amarantha mich endlich in ihr hatte, ein klein wenig heller geleuchtet hatte. Nicht gänzlich erwacht, aber genug, um meinem Geruch ein bisschen Blut  beizufügen. Blut auf den Frühlingsrosen – das war, was ich jeden wachen Moment in der Nase hatte.

Es war Wahnsinn, Paranoia und Schrecken. Das weiß ich jetzt. Ich zerbrach etwas in mir, als ich Amarantha tötete, und dennoch benutzte ich Feyre, um diese klaffende Wunde zu verbergen. Sogar vor meinen eigenen Augen.

Während sie zum Hof der Nacht gebracht wurde, zerstörte ich das Anwesen. Ich redete mir ein, dass ich Angst um sie hatte, davor, was ihr angetan wurde, doch in Wahrheit hatte ich viel mehr Angst, meinen Schild dagegen zu verlieren, wer ich war. Das Blut auf der Rose – ich war sicher, dass jeder das roch, und jede Sekunde, die Feyre weg war, wurde der Geruch stärker und stärker.

Jedes Mal, wenn sie zurückkam, war sie ein bisschen wacher ... Zumindest für einen Tag. Dann presste ich mich aufs Neue auf sie, jedes Mal mit mehr Kraft und unaufhörlicherem Trieb. Ich sagte, dass ich sie beschützte, doch ich beschützte mich selbst. Ich erstickte und zerstörte sie, bestrafte und liebte sie gleichermaßen.

Die Abscheu hielt mich schließlich davon ab, zu ihr ins Bett zu gehen. Es überzeugte mich davon, einzuschränken, wie viel ich von ihrem Geruch annahm. Ich hasste es, in der Frau zu sein, die den Tod meiner Seelengefährtin herbeigeführt hatte – die mich gezwungen hatte, ihr das Leben zu nehmen ... und ich hasste mich dafür, jemanden so Gutes, so Reines, zu benutzen, als nicht mehr als eine Tarnung. Feyre verdiente etwas Besseres, doch ich hatte auch etwas Besseres verdient.

Liebe und Hass gleichermaßen ... Doch wir waren nicht mehr gleich. Ich hasste, dass sie sich immer noch jeder Entscheidung, die ich traf, widersetzte, mich vor meinen Leuten in Frage stellte und ihnen zeigte, wie schwach ihr High Lord war. Ich– ich war dabei zu vergessen, wie man liebte, doch ich ließ nicht los. Selbst wenn es uns beide tötete, war ich bereit dazu, dass mein eigener Wahnsinn sie in Stücke riss. Feyre – die Erretterin, die ich hätte lieben sollen, die Seelenverwandte, die ich hätte verdienen sollen.

Und dann– und dann tötete ich sie. Ich sperrte sie ein und wusste, dass es ein Todesstoß für ein bereits verletztes Wesen war. Ich wusste, dass es ihren Geist endgültig brechen würde – ich redete mir ein, dass es mich interessierte, doch ich denke nicht, dass es das war. Ich denke, dass es Rache für einen Haufen Kleinigkeoten war, die eher imaginär als echt waren.

Die Nacht rettete sie.

Die Nacht kam sie holen, entzog sie meinem Gefängnis und ich sah das als Herausforderung. Ich sah es so, dass der Lord des Nachthofes endlich der Welt offenbarte, was er Unter dem Berg zwischen Amaranthas Beinen geschmeckt hatte– Blut auf den Rosen. Eine Vermischung der Gerüche konnte nur eines bedeuten. Allein das Gerücht konnte mich zerstören. Er wollte sie nicht retten, es konnte für ihn nicht dort enden. Es war eine Falle, es war eine Täuschung, und ganz gleich, welche Briefe Feyre auch geschickt haben mochte, ich überzeugte mich davon, dass es Lügen waren. Ich war gewillt, die Welt in Stücke zu reißen, um sie zurückzubekommen – die Maske, die zuließ, dass ich mich mir selbst stellte. Diese Kreatur, die Schuld am Tod seiner Seelenverwandten trug.

Die Frau, die ich liebte und hasste mit solch einer rasenden Leidenschaft.

Also schloss ich einen Pakt mit Hybern und ließ die Welt aufs Neue bluten.

Als die Masken fielen, als ich sie unter den versammelten High Lords wiedersah, war sie glücklich, sie war ganz, und die Liebe in ihren Augen, wenn sie ihren Seelenverwandten ansah, eine Liebe, die ich mir niemals zu fühlen erhoffen konnte–

~~~~~~~~~

Tamlin schloss die Augen und ließ Tränen auf seine gefalteten Hände tropfen.

Er lag zusammengerollt in einer Ecke seines zerstörten Arbeitszimmers, in seinem zerstörten Anwesen. Hyberns Streitkräfte haben es beinahe ausgelöscht und dort verbannte er sich selbst nach der letzten Schlacht. Ein Heim, das sich nicht länger als Heim eignete. Ein zerstörter Hof, der durch Flammen und Dornen auseinander genommen wurde.

Das Arbeitszimmer war der Raum, der am meisten ganz geblieben ist, und es war immer noch dunkel, kalt und feucht. Es war eine Höhle inmitten einer Wiese. Ein Ort, wo seine Kraft sogar das Sonnenlicht verbannte. Während sein Hof ohne seine geschwürartige Gegenwart wieder aufgebaut wurde, verrottete der Lord des Frühlings in einer leeren Ruine. Es war besser so. Für alle.

»Wieso ich?« Eine tiefe Stimme ertönte von der gegenüber liegenden Ecke des Raumes aus, wo ein geflügelter Fae stand und die gebrochene Gestalt am Boden betrachtete. »Wieso hast du mir all das erzählt?«

Tamlin konnte ihm nicht in die Augen schauen. »Weil ich ihr mehr als sonst jemandem eine Erklärung schuldig bin. Warum ich so– warum ich zuließ, dass alles passiert ist, wie es passiert ist ... ich hasse sie noch immer und ich liebe sie noch immer ...« Der andere Mann brachte zur Antwort ein warnendes Knurren entgegen. »Wenn ich sie sehe, werde ich so wütend, dass die Wunden wieder aufflammen. Wenn ich es ihr nie sagen kann– dann kannst du es wenigstens tun.«

»Diese Nachricht werde ich nicht überbringen. Nach allem, was du getan hast, nach allem, was du sie hast durchleiden lassen, bekommst du die Chance, dich zu erklären. So viel bist du ihr schuldig.« Rhysand verschränkte die Arme vor der Brust und sein Gesichtsausdruck war hart. Es war Verständnis in diesen violetten Augen, vielleicht sogar Mitleid, doch er würde Tamlin nicht vergeben. Niemals.

»Ich–«

»Du hast ihr beim Sterben zugesehen. Du wusstest, dass du sie umbringst und nachdem sie zu mir zurückgekehrt ist – nachdem du die Stärke, die sie gefunden hatte, erkannt hast, hast du vor aller Leute Augen versucht, sie in Stücke zu reißen, sie erneut zu brechen. Das werde ich nie vergeben und nie vergessen.« Rhysands Fauchem war dunkel, wild und entsprach eher zu seiner Tiergestalt als alles andere.

Tamlin schluckte schwer und nickte. »Ich war auf der anderen Seite des Schlachtfeldes, als du starbst« – er schloss die Augen und mehr Tränen flossen – »ihre Schreie– den Klang habe ich nur einmal zuvor in meinem ganzen Leben gehört.« Er sah Rhysand wieder an. »Der Tag, an dem sie starb. Der Tag, an dem Amarantha–«

Rhysand knurrte erneut, doch seine Augen glänzten. »Hör auf«, warnte er. Er erinnerte sich nur zu gut an diesen Tag in seinen Albträumen. Er brauchte Tamlins Erinnerung nicht.

»Es tut mir leid ... ich habe sie schreien hören und es war so, als wäre ich wieder Unter dem Berg und würde zuhören, wie du schreist. Ich wollte es nicht sehen. Ich wusste, was passiert sein musste, dass man diesen fürchterlichen Schrei aus so großer Entfernung noch hören konnte. Ich wusste, was Gewinnen für einen Preis gehabt haben musste ... und ich weiß, was getan wurde, um das zu ändern.«

»Die einzigen Dinge, für die ich dir je danken werden, sind, dass du sie nach Prythian gebracht, sie nach Amarantha zurückgeholt und mich zurück zu ihr geführt hast«, flüsterte Rhysand, »das ist alles, was mich davon abhält, dich zu töten.«

»Weißt du, was auf dem Hügel passiert ist?«

»Nein.« Seine Stimme war tonlos, tot.

Tamlin starrte Rhys' Schuhe an. »Ich war der letzte. Ich war das letzte notwendige Teil. Ich teilte den Wind, um dorthin zu gelangen, und als sie zu mir aufsah ... Sie versprach mir alles, was ich wollte, ganz gleich, was, wenn ich dich nur retten würde. Ich hätte sie dort wieder als meine Gefangene nehmen können« – ein weiteres warnendes Knurren – »ich hätte einen Preis verlangen können, der so hoch war, wie ich wollte ... Doch wie sie mich ansah, die Liebe für dich und mehr Kummer, als irgendein Wesen fühlen sollte.«

»Ich habe Amarantha an meiner Seite gespürt, wie sie auf sie hinunter lächelte. Ich denke, es war der Kessel – wie er zitternd wieder zum Leben selbst erwachte, doch ich schwöre, dass sie da war. Ich hörte die Stimme, die mir sagte, einfach stehenzubleiben, die Hände in den Taschen, und zu lächeln, während Feyres Welt um sie herum brannte. Zu lächeln, während ihr Seelenverwandter vor ihr starb, wissend, wie einfach es für mich wäre, ihn zu retten ... Ich hörte die Stimme dieses hasserfüllten, grausamen Monster, das mich zerstörte, weil ich es zugelassen hatte – und ich erkannte, dass es meine eigene Stimme war.«

»Ich war so erpicht darauf, zu verbergen, was wir füreinander waren, dass ich nicht gemerkt habe, dass ich mich selbst in Amarantha verwandelt habe. Ein männlicher Klon dieser abscheulichen Frau.« Tamlin konnte kaum die Kraft zu einem Schulterzucken aufbringen. »Also entschied ich, es zu versuchen und wieder er zu sein – Tamlin. Das Bild von ihm, das ich Feyre in den ersten Monaten zeigte. Ich ließ zu, dass der Schandfleck meiner Seelenverbindung mich in den Wahnsinn trieb, seit ich mich erinnern kann, ich habe zugelassen, dass das den ganzen Verlauf meines Lebens diktierte ... Der Tamlin, den Lucien und Feyre liebten, war nichts weiter als eine Maske, doch wenn es das ist, was darunter liegt« – er zuckte lediglich die Schultern, wieder wusste er nicht weiter – »dann ist die Maske vielleicht gar nicht so schlecht.«

»Das ist ein Haufen Schwachsinn«, murmelte Rhysand.

»Was?«

»Ich sagte, das ist Schwachsinn. Du hast dich fünfhundert Jahre lang vor dir selbst versteckt und das hätte beinahe meine Seelenverwandte getötet. Du hast deine Maske und das Gesicht darunter getragen, dass es zu etwas Verrottetem und Verfaulenden geworden ist, und du denkst immer noch, das sei die Antwort? Beim brodelnden Großen Kessel– ich sage es nochmal!« – Rhysand rümpfte die Nase, als er die Lippen zu einem Zähnefletschen verzog – »du lebst nicht hinter einer Maske. Du stirbst hinter einer.«

»Sagt der High Lord der Träume und Albträume?« Tamlins Anfechtung war allenfalls halbherzig.

Rhysand knurrte: »Sagt der Lord, der seine Maske als Schutzschild gegen seine Leute benutzte – nicht nur für sich selbst. Wenn du verbirgst, wie gebrochen du bist, wirst du daran nur noch mehr zerbrechen. Aus dir wird etwas Monströses und Unerkenntliches – etwas, das genauso schlimm ist, wie sie es war. Ich habe mich mit meinen Freunden umgeben, mit Leuten, die ich liebe und denen ich vertraue. Einige Dinge kann ich ihnen noch immer nicht erzählen, aber immer wenn ich mich tapfer fühle – und wenn es nur für eine Minute ist – gebe ich ihnen eine Ahnung, was Amarantha in mir zerbrochen hat und ließ sie mich wieder aufbauen. Du hast jeden, der dich gern hatte, aus deinem Leben verbannt, sogar deine eigenen Leute.« Er schenkte der zerstörten Wand des Arbeitszimmers einen vielsagenden Blick.

»Was soll ich tun?«, flüsterte Tamlin. »Sagt es mir, bitte?«

»Du stehst wieder auf, krempelst die Ärmel hoch und wenn deine Leute sagen, dass sie deine Hilfe beim Wiederaufbau nicht wollen, wirst du sie ihnen dennoch geben. Du wirst aufhören, die Leute hier am Hof als deine Untertanen anzusehen, und erkennen, dass die tiefliegende finstere Wahrheit unserer Krone ist, dass wir diejenigen sind, die ihre Macht ausüben. Du hasst, wie übel dir das Leben mitgespielt hat? Finde einen Weg, es besser zu machen. Diene nicht dir selbst, diene ihnen. Umgib dich mit Fae, die sich mit dir streiten und dich anzweifeln – umgib dich mit denen, die dich der Krone für würdig befinden und lass zu, dass sie dir helfen, dich zu leiten.«

»–und lass auch zu, dass wir dir helfen.« Tamlins Kinn bebte, als Lucien vom Eingang aus sprach.

»Lass uns versuchen, das zu reparieren, was zerbrochen war.« Er stieß ein Schluchzen aus, als Feyre von der Stelle aus hervortrat, wo Rhysand in den Hintergrund verschwunden war, um zuzuhören.

Lucien hockte sich vor Tamlin hin und legte ihm eine Hand auf die Schulter.  »Prythian ist nicht so groß, dass wir nicht kämen, wenn du uns brauchst. Du hast Freunde, die dich gernhaben. Daran wird sich niemals etwas ändern.«

»Diejenigen, die wir lieben, heilen uns. Es ist hässlich, es ist schmerzhaft, doch das ist wert. Wir sind kaputt, aber das Wesen, das sich aus unserer Asche erhebt, kann auch schön sein.« Feyre lächelte leicht, als Rhysand hinter sie trat und sie sanft an sich hielt. »Und nebenbei, es tut mir leid, dass sie deine Seelenverwandte war.«

»Es tut mir leid– es tut mir so leid«, schluchzte Tamlin offen. Lucien zupfte an seiner Schulter und Tamlin ließ sich von seinem Freund in eine feste Umarmung ziehen. Lucien ließ Tamlin weinen, gab ihm eine Schulter, um das zu tun. Vierhundert Jahre nach ihrer ersten Begegnung und zum ersten sah er endlich seinen Freund.

»Wir werden keiner Seele erzählen, was sie für dich war«, sagte Feyre, als Tamlins Tränen versiegt waren. Lucien wandte sich um um sich neben seinen einstigen High Lord zu setzen und Feyre nahm die Hand ihres alten Liebhabers. »Du kannst deine Geheimnisse für dich behalten – aber Tamlin, ich weiß nicht, ob du heilen kannst, ohne das Gift aus der Wunde zu saugen.«

»Deine Seelenverwandte ist nicht dein Herz. Sie messen deinen Wert als Fae nicht. Sie ist selten und kostbar, so kostbar, wenn sie zwei Seiten einer Medaille sind« – Rhysand atmete den Geruch von Feyres Haaren ein – »doch manchmal schlägt dein Herz für jemand Anderes. Finde die Frau – oder den Mann –, jemanden, der dich heilt. Suche nicht nach jemandem, der deiner würdig ist – finde jemanden, der dich dazu bringt, dass du dich ihrer zuerst als würdig erweisen möchtest.«

Es würde nicht an einem Tag geschehen, diese fundamentale Veränderung in Tamlin. Sie würde nicht in einer Woche, einem Monat oder gar einem Jahr sein. Es war möglich, dass sie nicht einmal in einem Jahrhundert geschah, aber sie würde kommen. Lucien und Feyre konnten sehen, dass sich Rhysands Worte wie Säure in Tamlins Inneres brannten.

»Seelen können zersplittert, zermalmt, verbrannt, zerbrochen, und bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden – aber auch wenn etwas nie mehr sein wird wie vorher, heißt das nicht, dass es nicht wieder besser werden kann. Anders – ja. Aber stärker.« Lucien legte seinem Freund eine Hand auf den Rücken.

In dieser Nacht, nachdem Lucien, Feyre und Rhysand an ihren Hof zurückgekehrt waren, verließ Tamlin sein zerstörtes Arbeitszimmer. Als die Dämmerung hereinbrach, war er im dem Anwesen am nächsten gelegenen Dorf mit all dem Essen, das er für alle finden konnte, die Hunger bekamen. Am ersten oder gar am zweiten Tag sagte er nicht einmal etwas. Er krempelte einfach die Ärmel hoch und half beim Wiederaufbau. Er zog Kraft aus denen um sich herum – doch zum ersten Mal in seinem Leben verlieh er sie ihnen gleichermaßen.

Der Frühling war ein Hof der Wiederherstellung, des Gedeihens und neu erwachenden Lebens nach der Verwüstung des Winters.

Es war nur passend, dass sein High Lord all dies widerspiegelte.
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