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Denver Ghoul [AU]

von KiraYuki
GeschichteÜbernatürlich, Tragödie / P18
11.09.2020
13.01.2021
7
15.633
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5. Kapitel: I Know Why the Caged Bird Sings

Das ist deine letzte Entscheidung.

Egal wie hart und verletzend ein Kampf war, Kämpfe hörten niemals auf, sie gingen immer weiter. Nach der Auseinandersetzung mit meinem Onkel wurde mir das in allen folgenden Einsätzen schmerzlich bewusst.

Ich hätte mich niemals für das Leben eines Fahnders entschieden. Es klang verrückt, denn obwohl ich ein Ghoul war, machte mir jeder Tote und Verletzte zu schaffen. Egal wie stark ich wurde, egal wie scharf meine Krallen waren, im Endeffekt blieb ich ein zahmer Beutegreifer. Eine Kreatur, die außerhalb ihres Käfigs nicht überleben konnte.

Ein Ghoul hatte mir das bei meinem letzten Einsatz mit James vorgeworfen. Er war ein zentrales Mitglied der GWA und somit ein Ghoul der unter Menschen lebte. Ich versuchte mit ihm zu reden, ihn davon zu überzeugen, dass die CCG Ghoulen wie uns beiden Schutz bot, dass man auch leben konnte ohne Menschen zu töten. Doch ich traf auf Granit.

Es liegt in der Natur eines Ghoule Menschen zu fressen und kein Kannibale zu sein, wie du einäugiger Abschaum. Hausghoul. Taube. Quinke.

Selbst Mensch klang in meinen Ohren bereits wie eine Beleidigung.

Nachdem der Mann auf mich losging, musste James ihn töten, um mich zu beschützen. Wir stellten fest, dass er zwei Kinder zurückgelassen hatte, die diesen unfairen Kampf verängstigt von einem Wandschrank aus mitansehen mussten. Wir nahmen sie mit zur CCG, wo sie ins Corniculum gebracht wurden, ein Gefängnis der CCG, indem neben sehr schwachen Ghoulen auch ihre menschlichen Verbündeten saßen.

Die Gerichte diskutierten bereits seit Jahren darüber die Strafverfolgung von Menschen, die Ghoule beschützten, abzuschaffen aber die Vorsitzenden der CCG hielt dagegen. Es würde ihre Ermittlungsarbeit erschweren. Das solche Ermittlungsarbeiten Problemfälle wie mich heraufbeschworen, schienen sie allmählich zu ahnen.

James verkündete sein Besitzrecht gegenüber den beiden Ghoulkindern und ich hoffte die beiden bald in unserem Team begrüßen zu können. Es war das einzige Leben, was wir ihnen bieten konnten.

Noch Tage später hingen mir die Worte ihres Vaters im Kopf, der mich sofort als Kannibalen erkannte. Ich fanden heraus, dass der Geruch von kannibalischen Ghoulen sich von normalen unterschied. Ein Insasse der Cochlea erzählte mir außerdem, sie rochen nach Gefahr und es wäre nicht unüblich, dass sie ihren Verstand verlieren.

Das hatte ich schon ganz ohne Ghoulfleisch geschafft, aber danke der Vorwarnung.

Ich wollte der CCG vertrauen, auch wenn ich für sie freiwillig widerliches Ghoulfleisch fraß, doch Sen hatte es geschafft in mir Zweifel zu sähen. Manchmal dachte ich, dass ich ihn in den Schatten sah oder sein Flüstern hörte, wenn mich das Training an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit brachte. Es war einfach immer da, dieses – Verräter.

~

Auf meinem Weg zur Trainingshalle des Campus traf ich zum ersten Mal nach unserem letzten Einsatz Jack. Da er sich mit einem anderen jungen Ermittler unterhielt, verfiel ich hinter eine Wand ins Lauschen und spitze meine Ohren als das Wort »Pilotenprojekt« fiel.

»Hey, hey, stimmt es eigentlich, dass er dich angegriffen hat?«

Jacks Stimme klang spöttisch, schon fast arrogant. »Erzähl doch keinen Scheiß. Ich bin zwar gut, aber gegen einen SS-Rang wie dem der GWA komm auch ich nicht ohne weiteres an. Fynn ist wirklich eine Bereicherung für jedes Team, keine unserer Ukaku-Quinken kann mit seiner Kagune mithalten.«

»Pff, dann hast du noch nicht die Quinken auf Kakuja Basis gesehen, dagegen sind seine Flügelchen nichts. Ich finde, er hat schon genug Schaden angerichtet, es wird Zeit, dass die da oben ihn entsorgen, bevor er noch freidreht.«

»Oh, hat da etwa jemand Angst, um mich?«, scherzend bog ich um die Kurve und setzte mein bestes verrücktes Lachen auf. In meine Augen lag ein rotes Glühen und die Kralle flammte kurz auf. »Vielleicht solltest du dann rennen …«

Angst trat auf das Gesicht des jungen Mannes und noch bevor ich mein Schauspiel auflösen konnte, ging er mir tatsächlich schnell aus dem Weg. Verwirrt sah ich ihm aus braunen Augen nach. War ich so angsteinflößend?

»Man, Fynn, du machst dich aber auch nicht gerade beliebter«, scherzte Jack und klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter. Mein Herz machte einen Sprung, da alles zwischen uns mehr oder weniger in Ordnung zu sein schien. »Kein Wunder, dass dich die Profs schon als Drohmittel verwenden.«

»Echt? Bin ich so beliebt?« Ein Grinsen schlich sich automatisch auf meine Lippen und zu allem Überfluss bestätigte er meine Aussage auch noch.

Etwas verhaltener musterte mich dieser großgewachsene Mann, bevor er wie ein Schüler verlegen ansetzt: »Ich … Ich wollte mich noch bei dir entschuldigen, wegen der Sache auf dem Eis.«

»Oh, ja. Das tut mir auch leid.« Tat es mir nicht. Ich wusste nicht wie ich darüber fühlen sollte.

»Nein, muss es nicht. Sollte es auch nicht … Wegen der Quin- … wegen der Kralle deiner Mutter tut es mir leid. Ich habe darauf bestanden sie anzunehmen, aber als ich dich so gesehen habe, wusste ich warum mir James davon abgeraten hat. Ich hab sie wieder abgegeben, ich konnte sie einfach kein zweites Mal benutzen.«

Mittlerweile wusste ich wie fanatisch junge Ermittler auf ihre erste starke Waffe hinfieberten und ich konnte es verstehen, doch seine Worte trieben mir die Tränen in die Augen. Ich fühlte mich seit langem seltsam verstanden.

Meine emotionale Reaktion ließ ihn nur noch unbeholfener wirken, während er mich unbeholfen in die Trainingshalle schob. »Jetzt lass und einfach reingehen. Im Gegensatz zu dir frier ich mir hier draußen den Arsch ab. James meinte, dass wir bei dem nächsten großen Auftrag wieder ein Team sein werden, also lass uns zusammen trainieren, bevor du mich ein zweites Mal abschießt.«

Ich lachte zwar, doch die Stimme meines Onkels hallte in meinem Inneren wieder. Verräter.

Der nächste Auftrag war ein offensiver Angriff auf den Stützpunkt der GWA. Ein Kampf gegen unzählige Ghoule und Zivilisten. Keiner von uns nahm diesen Auftrag auf die leichte Schulter.
   
Neben Einsätzen und Training, bemerkte ich, dass ich das erste Mal im Leben die Schule vermisste. Nicht bloß die Freunde, die ich dort hatte, sondern auch die dummen Texte, die wir immer überinterpretierten. Also begann ich mit meiner Katze auf dem Schoß Bücher zu lesen, obwohl ich lesen immer hasste.

Zum ersten Mal verstand ich etwas und ich wollte auch etwas verstehen. Ich wollte wissen woher Ghoule kam und was uns von Menschen unterschied. Alle noch so komplizierten Evolutionstheorien ergaben für mich auf einmal Sinn. Desto mehr ich über mich selbst erfuhr, umso interessanter wurden Sen Takatsukis Bücher. Es war so, als seien sie von einem Ghoul an einen Ghoul geschrieben. Wahrscheinlich war das der Grund, warum das CCG erst nicht wollte, dass ich sie las.

In ihrem letzten Buch »King Bileygr« schrieb sie über eine einäugigen Ghoul, der als Nanaki, Nameless, bekannt war. Er startete eine Revolution, um Ghoule vor der Unterdrückung zu befreien unter der sie Jahrzehnte litten. Sie kämpften dabei gegen eine korrupte Menschenorganisation, die sich im geheimen mit Ghoulen zusammentat, um über die Welt zu regieren, als sei sie ihr überdimensionaler Bezirk.

Ob mein Sen wohl dachte, dass er jemand wie dieser einäugige König werden kann?

Ich war nicht der einzige, den diese fiktive Organisation an die CCG erinnerte. Aber ich hatte es überprüft, der Leiter den Behörde in Denver war kein Ghoul. Ich hätte es gerochen. Um ehrlich zu sein zweifelte ich daran, dass alles eine große Verschwörung war und die Leiter der CCG in Washington D.C. auch nur ansatzweise Ghoule sein könnten.

Der Grabenkampf zwischen Menschen und Ghoulen war erschreckend simpel zu erklären. Wir fraßen sie und sie hatten Angst davor. Und Angst war eine viel mächtigere Emotion als Hass. Ich wünschte es gäbe einen epischen Plot in meinem Leben, aber es war nun mal kein Helden Epos, kein Roman und schon gar nicht ein Bestseller.

In meiner Vorbereitung auf den Großeinsatz gegen die GWA durchstöberte ich Archive, in denen die Entwicklung dieses Organisation festgehalten wurde. Erneut stieß ich auf einen Zusammenhang mit dem Buch von  Sen Taza- wie auch immer.

Ihr letztes Werk löste in Japan einen heftigen Tumult und Protestbewegungen aus. CCG Mitarbeiter zweifelten an ihrer eigenen Organisation und es bildeten sich sogar Hilfsorganisationen für Ghoule. Viele von ihnen wurden von den japanischen Behörden unterbunden, doch die wenigen Leute, die übrig blieben, rotteten sich in einer Untergrundgruppe zusammen – dem Great Wheel Act, GWA.

Viele ihrer Aktionen verletzten nicht die Abwehrgesetze gegen Ghoule und so gingen sie viral. Der Gedanke dieser Gruppe fand in vielen Ländern noch mehr Anhänger und schwappte von Europa zu Amerika rüber. Aus dem »Kult der Ghoulanhänger« wurden rasend schnell weitere reale Bewegungen und Demonstrationen.

All das hatte mich nie interessiert, ich dachte sie wären einfach nur irgendwelche radikalen Spinner. Doch mein Onkel hatte recht, im Endeffekt kämpfen sie wirklich für das einzig richtige. War ich wirklich einfach nur auf der korrupten Seite dieser Geschichte gefangen? Als Ghoul unter den Tauben? Konnte ich überhaupt etwas ändern?

Meine Eltern hatten mal gesagt, umso mehr man weiß, desto mehr versteht man, das man gar nichts weiß. Wie recht sie damit doch hatten.

James ließ mich in seinem Büro an die virtuellen Datenbanken der CCG, um schneller an aktuelle Fälle zu kommen. Wahrscheinlich hatte ihm die Bibliothekarin erzählt, dass ich den zweiten Abend hintereinander über irgendwelchen Ordnern eingeschlafen war. Es war wirklich mühselig sich durch Papierkram zu arbeiten.

Am Abend vor dem Großeinsatz und meinte James zu mir ich sollte meinen Gehirn nicht mit noch mehr Informationen füttern, doch ich konnte nicht anders als vor den Datenbanken zu hängen. Auf seinem Desktop ploppte eine Mail von seinem Vorgesetzen auch. »Antrag auf Pilotproj-«

In der Annahme es ging um mich, klickte ich auf die Nachricht. Antrag auf Pilotprojekt #2 abgelehnt. Keine Kampftauglichkeit der Fälle #845 und #846 feststellbar, keine Kooperation, Ablehnung gegen die CCG. Eliminierung wurde genehmigt.

Verräter. Da war dieses hyänenhafte Lachen schon wieder. Es sollte aufhören …

Ich wusste nicht wie lange ich stumm den kalten Bildschirm ansah. Ich hörte auch nicht wie sich James beim Kaffeeholen mit einem Mitarbeiter vor unserer Tür verquatscht hatte. Und ich spürte auch nicht seine Hand an meiner Schulter. Oder sein Fluchen über die Mail.

»Sen hatte doch recht, oder? Es ging euch nie um ein besseres Leben für uns Ghoule. Wir waren alles, was diese Kinder noch hatten … und ihr habt sie umgebracht!« Nein, wir haben sie umgebracht. Ich war schon längst ein Teil von dieser korrupten, ghoulfressenden Maschine. Dabei wollte ich ihnen vertrauen … ich wollte es doch so sehr.

»Fynn, bitte beruhig dich, es-«

»Was?! Es hätte nicht passieren dürfen? Es tut dir leid? Es ist aber passiert! Schon wieder!« Ich hatte keine Kraft meine Krallen auszufahren, es hätte auch nichts gebracht. Ich konnte nur versuchen meine Tränen runterzuschlucken und das Gefühl von Machtlosigkeit ignorieren.

»Denkst du mich pisst das nicht an? Denkst du ich bin gerne ein Teil von diesen Kindermördern? Nein. Aber solche Gesellschaftsumbrüche passieren leider nicht von heute auf morgen, Fynn. Das muss du verstehen.«

»Ich versteh es aber nicht! Bin ich für euch auch nur eine Quinke? Entsorgt ihr mich, wenn ich nicht mehr funktioniere? Kriegst du dann auch so ‘ne Mail von wegen Eliminierung genehmigt? Dann wird es nämlich Zeit! Ich will das nicht mehr. Ich hab euch vertraut, aber ich will kein Mörder sein …«

Er umarmte mich wissend, dass seine Worte nicht bei mir ankommen würden, weil ich wie ein hirnloser Vogel rumschrie, der erst jetzt realisierte in welchen Käfig er saß. Meine Chance zu fliehen hatte ich vertan, es gab nur einen Weg hier raus. Oder ich vertraute weiterhin in dieses Luftschloss, welches James mir versprach … wir wussten beide nicht ob es jemals real werden würde.

»Bitte … mach mich nicht zu einem Mörder …«

Im nächsten Kapitel bestimmt deine Entscheidung über dein Leben und Tod. Wähle weise.

1) Dir ist es wichtiger kein Mörder und damit nicht länger ein Teil der CCG zu sein (2.2.A)
2) Du vertraust weiterhin der CCG, auch wenn es heißt die Augen vor Grausamkeiten zu verschließen (2.2.B)
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