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Waffenbrüder - 10. Beziehung

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Aramis Athos D'Artagnan Porthos
11.09.2020
30.10.2020
8
19.371
6
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Dieses Kapitel
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11.09.2020 1.487
 
Hallo, liebe Leser,

hiermit beginnt eine kleine Sammlung aus acht lose zusammenhängenden Geschichten der Waffenbrüder-Reihe. Zeitlich sind sie nach „Geständnisse“, aber noch vor Beginn der Serien-Staffel 2 angesiedelt. Sie werden also keinen direkten Bezug zu Serien-Folgen haben (das kommt in späteren Geschichten wieder). Übrigens sind die meisten der acht Geschichten bereits 2019 entstanden und warten also schon lange auf Veröffentlichung.

Inhaltlich: Athos und d’Artagnan haben endlich zueinander gefunden und suchen nun ihren Weg, die neue Art ihrer Beziehung zu leben und zu festigen. Wir begleiten sie dabei, wenn sie versuchen, mit alltäglichen Problemen fertig zu werden, aber auch mit den Besonderheiten, die die Liebesbeziehung zweier Männer, zweier Musketiere, mit sich bringen. In Porthos und Aramis haben sie dabei zwei treue Freunde, die ihnen immer wieder zur Seite stehen.

Bei Kaffee, Tee und Krümelkuchen wünsche ich nun viel Vergnügen beim Lesen.

Ann



Alltag

geschrieben 28.12.2019  


Die Wunde des jungen Gascogners heilte vollständig, hinterließ nichts als eine fingerlange, glatte Narbe, die noch rosa glänzte, aber im Laufe der Zeit immer weiter verblassen würde. Und endlich kam der Tag, an dem d’Artagnan wieder seinen Dienst aufnehmen konnte.

Athos und d‘Artagnan entwickelten eine Routine, die am Tage der von früher - vor ihrer Zeit - weitestgehend glich. Sie kamen gemeinsam mit ihren Kameraden ihren Pflichten bei Hof, als Wachen des Königs und der Königin nach, begleiteten Louis XIII. auf seinen Jagdausflügen oder Reisen, dienten als Boten für brisante Nachrichten und schlugen sich regelmäßig mit Ganoven oder der Roten Garde.

Ihrer Freundschaft zu Porthos und Aramis stand die veränderte Art ihrer Beziehung nicht im Weg, im Gegenteil: Das Band zwischen den vier Unzertrennlichen war stärker und unverbrüchlicher denn je.

War nichts anderes zu tun, trainierten sie miteinander im Hof der Garnison, mit Porthos, Aramis und auch mit den anderen Kameraden. Athos hatte versprochen, d’Artagnan nicht zu schonen, ihn als Musketier nicht anders zu behandeln als vorher, und genau das tat der Ältere. Er ließ d‘Artagnan keinen Fehler, keine Schwäche durchgehen, und wenn überhaupt strengte sich der junge Gascogner noch mehr als zuvor an, seinen Mentor - seinen Geliebten - zufrieden zu stellen und stolz zu machen.

Die körperliche Nähe, die das Training mit dem Degen unweigerlich mit sich brachte, barg zunächst eine gewisses Problem. Beiden fiel es in den ersten Tagen schwer, die nach außen hin nötige Distanz zu wahren, hatten sie sich erst einmal Auge in Auge mit den Degen ineinander verhakt. Das mutwillige Blitzen in d’Artagnans Blick bei solchen Gelegenheiten ließ Athos‘ Atem schlagartig schwerer gehen, wohingegen d’Artagnan jedes vordergründig freundschaftliche Schulterklopfen, bei dem Athos Hand anschließend eine kleine Spur zu lange auf seinem Rücken ruhte, jedes anerkennende Wuscheln mit den behandschuhten Fingern durch seine Haare mit einem auffallend strahlenden Lächeln quittierte. Sobald ihnen ihr Verhalten bewusst wurde - ein warnendes Augenrollen von Aramis, ein verruchtes Grinsen von Porthos - sahen sie sich aufmerksam um.

Den anderen Kameraden, die den Trainingskämpfen gerne und ausdauernd zusahen, schien jedoch nichts Ungewöhnliches aufzufallen, war doch auch vorher schon die besondere Nähe der vier Unzertrennlichen zueinander fast sprichwörtlich und die freundschaftlichen Gesten als solche nicht anders als früher. Und dass Athos seit d’Artagnans Auftauchen nach und nach immer zugänglicher geworden war, häufiger lachte, weniger trank und überhaupt insgesamt leichter mit ihm auszukommen war, war schon lange kein Geheimnis mehr.

Trotzdem blieben sie vorsichtig.

Am Tag...

Doch die Nacht gehörte ihnen.

 

Nachdem d’Artagnans schließlich vollständig genesen war und seinen regulären Dienst wieder aufgenommen hatte wurde es jedoch immer schwieriger, einen Vorwand zu finden, warum er des Nachts in Athos‘ Quartier verweilte.

Jacques war zu seiner Erleichterung ein umtriebiger Zimmergenosse, der die Abende häufig bis tief in die Nacht auswärts verbrachte und so selten mitbekam, wenn d’Artagnan erst spät in ihre gemeinsame Stube zurückfand. Und wenn, unterstellte er dem Musketier die gleichen Beweggründe, die auch den jungen Kadetten ferngehalten hatten: Frauen und Wein.

Doch wenn sie in der Hauptstadt waren, wagten Athos und d‘Artagnan es in der Regel nicht mehr, bis zum nächsten Morgen beieinander zu liegen, gemeinsam aufzuwachen und den Tag zu beginnen. Umso wertvoller waren die nächtlichen Stunden, die sie damit verbrachten, ihre Körper gegenseitig zu erkunden, zu lernen, was dem anderen gefiel, was ihn erregte oder was ihm auch einfach nur nach einem langen, harten Tag gut tat.

Sie sprachen miteinander, teilten ihre Vergangenheit, kleine und größere Begebenheiten aus ihrer Kindheit und Jugend, und nach wie vor fand d’Artagnan unbändige Freude daran, wenn Athos ihm aus einem seiner Bücher vorlas. Doch genauso gut konnten sie einvernehmlich schweigend zusammen vor dem Kamin sitzen oder eng aneinander geschmiegt in der Wärme und Nähe des anderen versunken den eigenen Gedanken nachhängen.

 

Und so flossen Stunden in Tage über, und Tage wurden zu Wochen.

Und d’Artagnans Liebe blieb ihm erhalten.

Eine Tatsache, die Athos immer und immer wieder in pures, dankbares Staunen versetzte...

...wenn sie einander am Morgen beim Frühstück begegneten, d’Artagnans noch etwas verschlafener Blick auf ihn traf und sofort jede Müdigkeit sich zu verflüchtigen schien, um einem strahlenden Lächeln Platz zu machen, in dem die Erinnerung an die vorangegangene Nacht mitschwang.

...wenn sie als Wache im Palast Stunde um Stunde nebeneinander standen, ab und an ihre Schultern sich berührten und er sich sicher war, die lebendige Wärme des Jüngeren selbst durch ihrer beider Lederbekleidung hindurch zu spüren.

...wenn er d’Artagnan beim Training die Hand hinhielt, um ihm auf die Beine zu helfen, ihn hochzog und dessen Gesicht nur Zentimeter von seinem entfernt war, so dass d’Artagnans Blick unwillkürlich für einen winzigen Moment mit einem hungrigen Ausdruck auf Athos‘ Lippen lag und nur die Anwesenheit der Kameraden ihn davon abhielt, seinen Mund auf den des jüngeren Musketiers zu pressen.

...wenn sie beim Abendessen einander auf ihrer Bank gegenüber saßen, er einfach nur dabei zusah, wie d’Artagnan nach den Pflichten des Tages hungrig über Serges Essen herfiel - und er über dessen Kopf hinweg einen zufriedenen Blick mit dem alten Hofmeister tauschte, weil sie sich einig waren in ihrem Bestreben, den jungen Mann ein wenig heraus zu füttern.

...wenn sie, nur zu zweit oder in Gesellschaft von Porthos und Aramis, während ihrer längeren Missionen abends irgendwo im Wald oder einer geschützten Stelle an einem Bach ihr Lager aufgeschlagen hatten, gemeinsam ums Feuer saßen und d’Artagnan sich wie selbstverständlich eng an seiner Seite niederließ in dem Wissen, wie willkommen er war, während Porthos und Aramis ihre Nähe zueinander mit gutmütigen Kommentaren und freudig leuchtenden Augen honorierten.

...wenn d’Artagnan sich in der Abgeschiedenheit von Athos‘ Kammer voller Behagen, voller Lust und voll blinden Vertrauens unter seinen Berührungen wand und zugleich verlangend, mit dunklem Blick und ungeduldigem Raunen seine Hände nach dem Älteren ausstreckte, um das, was er empfing, hundertfach zurückzugeben…

 

„Was ist...“, murmelte d’Artagnan eines Nachts, nachdem sie einander Erlösung geschenkt hatten und ihr Atem sich langsam wieder beruhigte, während die Hitze auf ihrer bloßen Haut sich allmählich abkühlte.

Athos lag neben ihm und hatte wieder einmal mit fassungslosem Staunen versucht zu begreifen, wie es dazu gekommen war, dass sein Leben sich dank dieses unglaublichen jungen Mannes so sehr geändert hatte.

Weil er keine Worte dafür fand, schüttelte er nur mit einem sachten Lächeln den Kopf. Doch d’Artagnan schien etwas ins einem Blick erkannt zu haben, und so richtete er sich auf einem Ellbogen auf, musterte seinen Geliebten mit der ihm so eigenen eindringlichen Intensität, die Athos das Gefühl gab, er würde bis auf den Grund seiner Seele sehen und fragte leise: „Geht es dir gut?“

Athos lachte auf, eine Mischung aus Unglaube und Hilflosigkeit, schüttelte erneut den Kopf, griff mit der Hand an d’Artagnans Hinterkopf, um ihn sanft zu sich herunter zu ziehen, ihre Stirn aneinander zu legen und voller Innigkeit zu bekennen: „Ich habe niemals erwartet, dass mein Leben noch einmal mehr für mich bereit halten könnte als meinen Dienst als Musketier und meine beiden einzigen Freunde. Und dann kamst du, mon Coeur... Was du mir schenkst... jeden Tag... Es ist ein Wunder, das ich nicht verstehe, welches ich nur staunend und aus tiefster Seele dankbar annehmen kann...“

Er sah, wie der Jüngere hart schluckte, wie sich dessen Augen voll tiefer Emotionen verdunkelten, wie er zu einer Antwort ansetzen wollte - die Athos jedoch nicht benötigte. D’Artagnans Taten sprachen für sich. Jeden wundervollen Tag aufs Neue.

Und so zog er etwas bestimmter am Nacken seines Geliebten, legte seine Lippen in einer nachdrücklichen Geste auf d’Artagnans - und küsste den Jüngeren, langsam und tief, voll Liebe und Zuversicht.

Und d’Artagnan verstand...

 

 

Die erste, ziemlich unspektakuläre Geschichte bildet die Brücke zwischen „Geständnisse“ und den folgenden Geschichten. Ich hoffe, es war trotzdem nett zu lesen.

Nächsten Freitag geht es an dieser Stelle weiter mit einer Geschichte, die sogar zeitlich noch vor dieser entstanden ist und die ich sehr mag. Ich freue mich, wenn wir uns da wieder-lesen.

Habt bis dahin ein schönes Wochenende und eine gute Woche,

Ann
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