Kälte

GeschichteRomanze / P16 Slash
Richard Kruspe Till Lindemann
10.09.2020
26.10.2020
5
6.240
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
10.09.2020 1.507
 
Eine Windbö ließ den Schnee aufwirbeln und heulte in den Bergen wieder. Das Schneetreiben schien kein Ende zu nehmen. Es war ein heftiger Sturm und in der Einsamkeit noch schlechter zu ertragen. Dunkel und monströs erhob sich ein großer Schatten in ein paar Metern Entfernung gegen das endlose weiß. Es schien Licht von dort zu kommen. Der gutaussehende, schwarzhaarige Mann kämpfte sich durch den hohen Schnee. Seine Stiefel waren nass und seine Felljacke konnte die eisige Winterkälte nicht mehr abhalten. Er hoffte, dass es das Haus war, doch er war sich nicht sicher. Lange würde er diese Kälte nicht mehr aushalten. Der Schwarzhaarige kämpfte sich weiter durch den scheinbar immer tiefer werdenden Schnee. Jetzt war er sich sicher. Das alte Gemäuer eines großen Herrenhauses tat sich vor ihm auf. Warmes Licht schien durch die vereisten Fenster. Eiszapfen hingen von den Dachrändern und vor der Tür war ein kleines, fast schneefreies Feld geschaufelt worden. Der Schnee lag hoch an den Seitenwänden des Hauses und auf dem Dach. Wieder peitschte der Sturm dem Mann Schnee in die Augen und ließ sein Haar noch weißer werden. Er klopfte an die Tür und hoffte inständig, dass er gehört werden würde. Kurz passierte nichts, doch dann wurde die Tür vorsichtig geöffnet. Ein großer, starker Mann schaute durch den Türspalt. Seine blauen Augen blitzen, wurden jedoch sofort freundlich als er seinen langjährigen Freund erkannte. Er bedeutete mit einer Kopfbewegung, dass er reinkommen solle. Die Tür fiel wieder ins Schloss, als beide drinnen standen.,,Richard, wo kommst du denn her?", fragte Till den Schwarzhaarigen, während dieser sich den Schnee abklopfte. Er zitterte leicht und seine Kleidung war durchnässt.,,Ich habe dich gesucht und dann kam der Schneesturm. Weißt du, du bist so plötzlich weg und ich habe mir Sorgen gemacht. Paul meinte zwar ich solle dir deine Ruhe lassen, aber ich konnte nicht." Till lachte, er war froh, dass Richard ihm gefolgt war. Er liebte alle seine Freunde, aber am Meisten liebte er Richard, vielleicht sogar mehr als gut war. Richard konnte er sogar ertragen, wenn er sauer war und das will schon was heißen. Seine Miene verfinsterte sich.,,Du zitterst ja ganz. Ich bring dir trockene Sachen, setz dich schonmal vor den Kamin.", sagte Till dann und ließ Richard alleine. Kurz dachte er noch darüber nach, warum er eigentlich weggegangen war. Tief in seinem Herzen wusste er, daß er es getan hatte, damit Richard ihm folgen würde. Richard saß vor dem Kamin. Der Schnee, der sein Haar hatte weiß aussehen lassen, schmolz allmählich. Es war schön warm in Tills Haus und es roch überall nach ihm. Richard ließ seinen Blick durch den Raum gleiten. Ein großes, graues Sofa, ein Sessel und ein runder, kleiner Teppich standen dem Kamin zugewandt, in einem Halbkreis angeordnet. Es gab einen Durchgang vom Hausflur in dem er vorher gestanden hatte in eine mittelgroße Küche. Es war gemütlich eingerichtet. Ein Wohnzimmer gab es auch noch und eine Treppe zweigte gegenüber des Durchgangs nach oben ab. ,,Hier", meinte Till als er wieder da war und reichte Richard ein paar Klamotten. Sie waren ein bisschen zu groß, doch Till fand, dass es süß aussah. Er setzte sich neben ihn an den Kamin und genoss die Nähe seines Freundes. Richard war müde von der langen Wanderung und die Wärme tat unendlich gut. Er spürte wie er immer müder wurde. Schon fast im Schlaf lehnte er sich an Till an und flüsterte zaghaft:,,Ich bin froh, dass ich bei dir bin.",,Ich auch, Richard, ich auch.", flüsterte Till lächelnd zurück und legte einen Arm um ihn. Richard schlief ein. Bei Till fühlte er sich immer sicher, bei Till konnte er sich fallen lassen. Till saß noch eine ganze Weile so da und lauschte Richards ruhigen Atemzügen, dann nahm er ihn hoch und legte ihn auf die breite, flauschige Couch. Er strich ihm nochmal durchs Haar und ganz leicht über sein schönes, ebenmäßiges Gesicht, dann wollte er die Hand wegnehmen, doch Richard hielt sie fest und zog ihn zu sich. Till legte sich, fast dankbar darüber, dass Richard, wenn auch nur im Schlaf, ihn zu sich gezogen hatte, neben ihn und drückte seinen Kopf in Richards Halsbeuge, dann legte er ihn auf seiner Schulter ab. Mit einer Hand fuhr er über Richards Bauch, streichelte ihn. Er spürte fein definierte Muskeln unter dem Stoff des Shirts. Langsam und mit einem Lächeln auf den fein geschwungenen Lippen schlief auch er ein. Am nächsten Morgen hatte sich der Sturm noch nicht gelegt. Die Sonne schien schwach durch den weißen Flokentrubel, doch vermochte sie nicht die Kälte zu besiegen. Sie konnten unmöglich wieder nach Hause bei diesem Schneefall. Till war eigentlich glücklich darüber, denn so hatte er mehr Zeit mit Richard.
Er wachte zuerst auf. Das Holz war heruntergebrannt und Till stand schnell auf, um die Glut mit neuem Holz wieder zu einem Feuer aufleben zu lassen. Er blickte zu Richard, der friedlich schlief. Seine Gesichtszüge waren völlig entspannt, gleichmäßig hob sich sein Brustkorb und Till lächelte, er war glücklich mit Richard. Till stand auf und ging in die Küche. Sein Blick fiel aus dem Fenster, in die Ferne. Ob Richard Glück überhaupt kannte? Richard war immer ernst, selten lachte er, aber wenn er es tat, dann war es das schönste auf der Welt, dann war es Tills Sonnenaufgang. Richards Welt war nicht hell, sie war sehr, sehr dunkel, wie er selbst einmal gesagt hatte. Till fragte sich, ob er Richard glücklich machen könnte, ob er sein schönes Lächeln aufblitzen lassen könnte und seine Augen zum Strahlen. Er hörte Bewegungen aus dem Wohnzimmer. Richard war also aufgewacht. Till endschied sich schnell das nötigste für Frühstück auf ein Tablet zu packen und dann schnell zu ihm zu gehen.,,Guten Morgen, Richard", flötete er und setzte sich zu ihm. Richard sah noch ganz verschlafen aus und lächelte ihn schwach an und trotzdem sah er wunderschön aus.,,Guten Morgen", wünschte Richard ebenfalls.,,Hier, iss was und dann würde ich schnell Holz von draußen rein holen.",verkündete Till noch und reichte Richard ein Brot. Als Richard fertig mit essen war, sprang er auf und rief:,,Auf die Plätze, fertig, los!" Till verstand erst nicht, doch als Richard zur Tür lief, verstand er. Richard lief in den Schnee hinaus. Seine vom gestrigen Tag verwuschelten Haare fielen ihm wild ins Gesicht und sein seltenes Lachen klang so schön wie die Stimme klarer Gewässer. Till folgte ihm nach draußen und bekam gleich einen Schneeball ab. Eigentlich fand er sowas kindisch, aber an diesem Tag. Schnell hatte er sich eine Armee an Schneebällen angefertigt, während Richard sich einen Schneewall gebaut hatte, hinter dem er sich verschanzt hatte. Immer wieder musste er seine Deckung aufgeben, um Till abwerfen zu können. Wieder begannen Schneeflocken vom Himmel zu gleiten. Es war wunderbar, doch viel zu schnell holte sie die unerbittliche Kälte ein. Richard hatte sich ein letztes Mal für heute an Till angeschlichen, der im Begriff war die Schwelle der Haustür zu überqueren und schüttete eine Ladung Schnee über ihn. Till erstarrte kurz in der Bewegung, dann fuhr er herum und versuchte den Schnee von sich zu schütteln mit den Worten:,,Na warte Richard! Das gibt Rache!" Doch Richard drückte sich an ihm vorbei nach drinnen und flüchtete ins Wohnzimmer. Till würde keinen Schnee soweit ins Haus tragen oder doch? Richard stand vor dem Anfang des Sofas und überlegte, ob Till Schnee mitbringen würde, doch Till hatte keinen Schnee dabei als er zu Richard trat. Er hatte sich vor ihm ganz groß gemacht und blickte ihn finster an. Richard fühlte sich plötzlich klein, doch viel Zeit zum Nachdenken hatte er nicht, denn Till gab ihm einen kleinen Schubs wodurch er auf das weiche Sofa fiel und leicht einsank. Till legte sich sofort auf ihn und fing an ihn zu kitzeln. Jetzt schaute Till nicht mehr finster, sondern grinste vergnügt. Irgendwann hörte Till auf ihn zu kitzeln, denn diese wunderschönen, blauen Augen zogen ihn in den Bann. Doch er löste sich schnell von ihm, denn wie könnte er von seinem besten Freund derartiges Verlangen? Dunkelheit legte sich über die Welt. Die letzten Farben des Tages verblassten in ihrer Schönheit und Kraft. Till führte Richard die holzbelegte Treppe hinauf. Ein großes Bett stand in der Mitte des Raumes und ein massiver Eichenschrank stand an der rechten Wandseite. Richard legte sich auf das breite, weiche Bett. Till würde sich gleich neben ihn legen. Er sah Till dabei zu wie er sein Hemd auszog und sich zu ihm legte. Richard wusste, dass vorhin ein Moment gewesen war in dem sie sich fast geküsst hatten und jetzt lag er neben ihm, so nah und doch so weit entfernt. Es ist nur die Einsamkeit. Richard seufzte, vielleicht etwas zu laut. Es ist nur die Einsamkeit, dachte er wieder, obwohl er wusste, daß das nicht stimmte und noch nie gestimmt hatte. Wieder seufzte er und langsam schlief er ein, doch seine Träume waren, wie seine Gedanken umhüllt von einem dunklen Schleier der Traurigkeit und Schuld. Schuld, es tut mir leid, ich bin so undankbar.
Review schreiben