Kise Ryouta - wer bist du?

von Dark-Lady
GeschichteAllgemein / P6
Kise Ryōta
09.09.2020
09.09.2020
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Huhu ihr Lieben,

hier eine Kleinigkeit von mir.
Ich bin ja eigentlich schon lange mit dem Anime fertig und habe kaum mehr daran gedacht... Aber irgendwie bin ich die Tage wieder darüber gestolpert und musste über einen meiner Lieblinge schreiben *-*
Natürlich ist nichts davon bewiesen... aber darum geht es ja nicht ;)

Viel Spaß beim Lesen und ich würde mich über eure Meinungen freuen!

Liebe Grüße

Dark-Lady

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Als Kind war er nichts weiter als eine leere Hülle.
Ein unreifer Junger, der am liebsten die Mitmenschen beobachtete.
Viele hielten ihn für sonderbar, da er scheinbar lieber den Kindern beim Spielen zusah, als selbst Spaß zu haben.
Mit seinen blonden Haaren und honigfarbenen Augen war er in Japan ohnehin schon ein Sonderling. Sein ungewöhnliches Verhalten machte es jedoch nicht besser.
„Er hat ein so hübsches Gesicht… ein Lächeln würde ihm bestimmt gut stehen“, hörte er die anderen Eltern flüstern.
„Ja, er sieht immer so ernst und nachdenklich aus. Gruselig“
„Das ist doch nicht normal für ein fünfjähriges Kind?“
„Vielleicht behandeln ihn seine Eltern schlecht und er kann deshalb nicht lachen?“
Der blonde Junge stutze. Warum sagten die Erwachsenen das? Seine Eltern waren sehr liebevoll zu ihm. Auch wenn sie oft arbeiten waren und ein Kindermädchen auf ihn aufpasste. Nelly war im Übrigen auch immer nett zu ihm.
Aber er war zu jung, um die genauen Bedeutungen hinter den Aussagen zu verstehen. Zudem bemerkte er auch die verunsicherten Blicke seiner Eltern nicht, wenn sie sich selbst über sein Verhalten wunderten. Das war für ihn eben Alltag.
Aber eins verstand er: Es wurde offenbar von ihm erwartet zu lächeln.
Zuhause setzte er sich vor den Spiegel und zog seine Mundwinkel nach oben. Es gefiel ihm nicht. Es wirkte verkrampft und unecht. Woher er das wusste? Bei den Kindern auf den Spielplätzen sah das ganz anders aus!
Also beobachtete er die Kinder noch genauer.
Ein paar Tage dauerte es und er sah ein junges Mädchen – vielleicht ein Jahr älter als er selbst – und sie zog ihn in ihren Bann. Für romantische Gefühle war er natürlich noch zu jung, daher musste es einen anderen Grund dafür geben. Er wusste nicht was es war.
Er sah sie immer wieder und er wurde nicht müde sie zu beobachten. Was war so besonders an ihr? Die braunen Locken? Die grauen Augen? Nein, das war alles so gewöhnlich.
Er horchte auf, als er hörte, wie sich die Erwachsenen über das Mädchen unterhielten: „Wirklich süß die Kleine!“, schwärmte eine Frau an die Mutter gewandt.
Diese lächelte stolz und antwortete: „Danke, sie ist wirklich ein Engel. Natürlich ist Mia auch oft anstrengend – aber bei diesem Lächeln kann ich ihr nicht lange böse sein!“
Kise stutzte. Das Lächeln?
Erneut betrachtete er das Mädchen und erst jetzt verstand er ihre magische Ausstrahlung – sie hatte wirklich ein unglaublich schönes Lächeln. Er wusste nicht warum, aber es war anders als bei den anderen Kindern. Es wirkte so unbeschwert und strahlend.
Ungeduldig sprang er auf und lief nach Hause.
Er hatte die letzte Woche immer wieder vor dem Spiegel sein Lächeln geübt – erfolglos. Nie hatte es ihm gefallen. Aber ab heute hatte er ein Ziel auf das er hinarbeiten wollte.
Nach zwei Stunden Training saß der Gesichtsausdruck schon recht gut. Aber irgendwas fehlte…
Er stellte sich erneut Mia vor. Er verglich in Gedanken ihr neutrales Gesicht mit dem grinsenden.
Die Augen!
Sie waren anders – strahlender – wenn sie die Mundwinkel nach oben zog. Gleichzeitig wurden sie kleiner. Ein wenig so, als würde sie sie zusammenkneifen.
Es dauerte drei Tage bis Ryouta mit dem Ergebnis vollends zufrieden war.
Mit diesem Lächeln im Gesicht rannte er zu seinen Eltern in das Wohnzimmer, die sich gerade unterhielten.
„Mama, Papa, lasst uns auf den Spielplatz gehen!“, rief er in gewohnter Tonlage und merkte dabei selbst, dass sie sich im Zusammenhang mit einem Lächeln falsch anhörte. Noch etwas woran er arbeiten musste.
Seine Eltern wandten sich ihm zu und wirkten erstaunt über seine Mimik.
Nach Sekunden der Verwirrung zeichnete sich ein glücklicher Ausdruck auf dem Gesicht seiner Mutter.
„Natürlich Ry-Chan, lass uns gleich los“, stimmte sie ihm zu und auch sein Vater schien erfreut. Das wiederum machte den Jungen unheimlich stolz. Er hatte es geschafft und seine Eltern waren zufrieden!
In diesem Moment beschloss er nie wieder mit dem Lächeln aufzuhören. Jetzt fehlte nur noch die passende Stimmlage dazu.
Noch in den ersten drei Stunden stellte er allerdings fest wie schwer dieses Vorhaben war. Seine Wangenmuskulatur schmerzte fürchterlich und das Lächeln wurde von Sekunde zu Sekunde anstrengender. Unzufrieden fing er an sich mit den Handflächen die Wangen zu reiben.
Aber er wäre nicht Kise Ryouta, wenn er so schnell aufgeben würde! Die Komplimente die er in so kurzer Zeit bekommen hatte, hatten ihm in seinem Vorhaben nur bestärkt.
Ständig hörte er Mütter flüstern: „Wie ein Engel!“, „Das wird mal ein hübscher Mann“ oder „Die Familie dort drüben sieht aus, als wäre sie einer Werbung entsprungen“
Also hieß es weiter üben. Irgendwann würde er von früh bis spät ununterbrochen Lächeln können!
Bis dahin hatte er dann auch seine perfekte Stimme gefunden.
Er fing an andere Kinder zu imitieren. Aber er hatte noch nicht die richtige, passende Erheiterung gefunden. Aber bis er sie gefunden hatte, würde er mit anderen Tonlagen üben.
Er probierte vieles aus und achtete auf die Reaktionen seiner Umgebung, wenn er anfing zu reden. Inzwischen war er sechs Jahre alt und alle hatten sich an sein strahlendes Lächeln gewöhnt. Als hätte er es schon immer getragen.
Da war sie! Seine perfekte Stimmlage. Dies wusste er sofort, als er sie zuerst bei seiner Mutter ausprobierte. Dieses Glänzen in den Augen hatte sie nur, wenn ihr etwas richtig gut gefiel. Trotzdem testete er die Stimme noch bei einigen anderen Personen aus und stellte mit einer großen Genugtuung fest, dass die Reaktionen immer positiv waren.
Ein paar Jahre später würde er sich darüber wunder, dass es nie jemanden aufgefallen war, dass er täglich anders sprach. Aber noch einige Zeit später verstand er,  dass so minimale Unterschiede nicht bewusst wahrgenommen wurden. Sie erreichten nur das Unterbewusstsein, welches aber nicht verstand worin die Veränderung genau bestand.
Gut für ihn. So hatte er problemlos experimentieren können.
Aber auch das war ihm schnell nicht mehr gut genug. Er merkte, dass viele zwar sein Gesicht und seine Stimme mochten, aber sein Verhalten nicht zu den anderen Kindern passte.
Also glich er auch dies nach und nach an. Erst versuchte er es damit sich an den Spielen der anderen zu beteiligen und machte nach, was die anderen ihm zeigten.
Es wurde wie eine Art Sucht.
Hier viel zum ersten Mal sein Talent zum Kopieren von Bewegungen auf. Nur die wenigsten Spiele machten ihm Schwierigkeiten und auch die komplizierten hatte er schnell erlernt.
Nebenbei verfeinerte er seine überschwängliche Art.
Seine Eltern liebten es zu sehen, wenn er mit Freude bei der Sache war und es gab nun viele andere Kinder die mit ihm befreundet sein wollten.
Was Änderungen der Persönlichkeit alles ausmachen konnten.
Er suchte sich für jede Charaktereigenschaft eine andere Person heraus. Immer diejenigen die in seinen Augen das größte Potential aufwiesen. Entweder weil er selbst fasziniert von ihrem Verhalten war oder weil die Erwachsenen positiv auf sie reagierten.
Es war eine langwierige Aufgabe für den kleinen Kise, aber irgendwann war er zufrieden.
Er war acht Jahre jung und strahlte so viel Lebensfreude aus, wie es nur möglich war. Er war beliebt und seine Mutter wollte ihn zu ihrer Modelagentur mitnehmen. Sein Lächeln überzeugte so schnell, dass er bald seinen ersten Job annehmen konnte. In einer Zeitschrift für Kindermode.
Im Nachhinein stellte er fest wie anstrengend dieser Beruf war und er wäre vor Müdigkeit fast umgefallen. Aber sein Lächeln bröckelte nicht.
Er wurde von seinen Eltern in die örtliche Fußballmannschaft gesteckt, damit er mehr Sport machte. Doch schnell wurde ihm zu langweilig. Durch seine Kopien war er den anderen überlegen und es machte keinen Spaß.
So ging es ihm bei vielen weiteren Sportarten.

Seufzend ließ sich der Junge auf sein Bett fallen.
Bald würde er in die Mittelschule kommen. Aber auch die würde kein Problem sein. Was sollte sich schon ändern? Er würde auch in der neuen Umgebung beliebt sein und alle mit seinem Lächeln blenden, die Mädchen wurden auch allmählich anhänglicher, da sie merkten, dass Jungs ja doch nicht sooooo doof waren und er würde einfach überall der Beste sein.
So wie immer.
Er würde zumindest im letzten Punkt eines besseren belehrt werden. Im Basketball konnte er nur wenig ausrichten und das nervte ihn. Aber das war Ansporn genug, um weiter zu machen. Wenigstens hatte er jetzt ein Hobby gefunden, das er nicht gleich wieder aus Langweile aufhörte.
Wenn er Basketball spielte war er gut – aber nicht gut genug. Es gab genug Konkurrenz in seiner eigenen Mannschaft, mit der er es kein einziges Mal aufnehmen konnte. Es verwunderte ihn selbst – denn das war der Grund, weshalb dieses Team schnell zu einem wichtigen Teil seines Lebens wurde. Es war aufregend nicht perfekt zu sein. Endliche eine Herausforderung. Zudem ließen sie sich nicht von einem Gesicht beeinflussen oder von seinem Lächeln blenden.
Es versetzte ihn Stiche in das Herz, wenn sie betonten, dass er ihnen egal war. Auch als er in die erste Mannschaft kam.
Er war doch schon ein Flickenteppich aus fremden Charakterzügen. Warum war das auf einmal nicht mehr gut genug? Hatte er noch nicht genug übernommen – kopiert?
Also versuchte er die Eigenschaften der Generation der Wunder zu erlernen. Nicht nur ihre Art zu spielen, sondern auch ihren Charakter. Schließlich waren sie offenbar genervt von seiner überschwänglichen Art.
Aber diesmal stieß er auf eine Mauer.
Er konnte sie nicht kopieren. Nicht eine einzige Faser ihrer Selbst wollte auf ihn überspringen. Warum konnte er nicht sein wie sie? Er spielte doch schon seit Jahren mehrere Personen, die er in sich vereint hatte. Also was war an seiner Mannschaft anders?

Erst gegen Ende des ersten Jahres der Oberstufe begriff er warum er es nie geschafft hatte.
Der Flickenteppich hatte sich über die Jahre so über seinen Charakter gelegt, als wären sie eins. Deswegen konnte er nicht so grausam wie Akashi sein, auch die Arroganz von Aomine konnte sein Drang nett zu sein nicht ertragen. Kuroko hatte kaum Ausstrahlung – das Model in ihm rebellierte. Bei Musakibara war genau der Gegenteil der Fall – seine Aura war zu überwältigend. Er liebte Kitsch, aber Midorimas Lucky-Items waren fern von gutem Geschmack und so viel Glaube konnte er gar nicht aufbringen.
Diese Eigenschaften beeinflussten auch ihre Art zu spielen. Deswegen war er nicht in der Lage wie sie zu sein.
Er musste also nur eine Sache ändern und schon konnte er perfekte Kopien der Generation der Wunder anfertigen.
Aber wie sollte er seine Persönlichkeit nach all den Jahren aufgeben? Sie war ein zu großer Teil seiner selbst geworden. Er wollte gar nicht mehr anders sein. Manchmal wäre es sicher praktisch, wenn er so unbeteiligt sein könnte wie Aomine, aber so würde er sich auf Dauer nicht mehr wohl fühlen.
Er war Kise Ryouta, der über fünfzig Leuten einen Teil ihrer Persönlichkeit geklaut hatte und es liebte was er geworden war. Auch wenn manche seiner Reaktionen kindisch waren – er hatte schließlich von Kindern kopiert – hatte er Gefallen daran gefunden. Vielleicht sollte er einige seiner Charaktereigenschaften weiterentwickeln, da niemand ewig gleich blieb… aber warum denn? Er war so glücklich durch diese Persönlichkeit die Menschen kennengelernt zu haben, die er heute liebt. Wäre es nicht Verrat, wenn er sich auf einmal gegen sich selbst entscheiden würde?
Dieser Flickenteppich war so schön bunt wie er selbst und die Farben vermischten sich von Tag zu Tag mehr mit seiner eigenen Persönlichkeit.
Sie waren schon längst unzertrennlich.
Aber zumindest für seine Basketballspiele würde er sich ändern. Er würde nicht noch einmal gegen einen der Generation der Wunder verlieren. Dafür durfte er aber nicht Kise Ryouta bleiben. Er musste wie sie alle sein. Er würde ihnen beweisen wie perfekt seine Kopien sein konnten!
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