... Und Kontrolle nur eine Illusion.

GeschichteAllgemein / P18
08.09.2020
08.09.2020
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Ein lauter Knall ertönte durch die Wohnung Magnussen's. Ein Lauter Knall, unter welchem John zusammen zuckte. Der Knall einer Pistole. Wie gut sich der Militärarzt nur an dieses Geräusch erinnerte. Erinnernungen kamen in ihm hoch, doch er konnte sie mittlerweile besser kontrollieren als in der Zeit, nachdem er aus dem Krieg zurückgekehrt war. Zu der Zeit lernte er Sherlock kennen und er musste sich eingestehen, dass dieser Mann ungemein dabei geholfen hatte, vergangenes zu verarbeiten. Die Fälle, welche sie schon zusammen gelöst hatten, die Momente in denen Sherlock ihm bewiesen hatte, dass John die Gefahr brauchte um weiter zukommen.

John erinnerte sich daran, wie Sherlock ihn mit sich durch die Stadt zog, einem Taxi hinterherrennend, nur um dann nicht einmal den Täter gefasst zu haben. Nein, das war an diesem Tag auch gar nicht seine Intention gewesen. Sherlock wollte John lediglich zeigen, dass er sehr wohl ohne seinen Stock laufen konnte.Über die Jahre sind die beiden zu sehr guten, ja schon besten Freunden geworden und Sherlocks Tod, wenn dieser auch nur Vorgetäuscht war, zerstörte John um einiges, bis seine jetzige Frau ihn wieder aufbaute. Wütend, aber dennoch dankbar und erleichtert war er, als Sherlock vor ihm stand. Lebend. Der Gedanke Sherlock noch einmal zu verlieren brach ihm sein Herz ein kleines Stückchen mehr.

Ein ziehen durchzog John's Brust. Ihm überkam ein ungutes Gefühl und als er sich wieder in der Realität befand, die Erinnerungen an den Krieg und Sherlocks Tod weggeschoben, sah er sich um.

Wo war Sherlock überhaupt?
Denk nach, John.

John sprang vom Boden auf, auf welchem er zuvor gekniet hatte und lief durch die Wohnung. In einem Augenblick erinnerte er sich. Sherlock, der Schuss. Mittlerweile sah man schon die Blaulichter und das Martinshorn war zu hören. Jemand musste bei diesem Schuss verletzt worden sein. Und John hoffte, bei Gott falls es ihn doch gab, dass es nicht Sherlock gewesen war.

Er lief weiter durch Magnussens Wohnung, die Sanitäter kamen an. John lief in den letzten Raum, der ihm überblieb und was er dort fand, zerbrach sein Herz erneut.

***

Das letzte was Sherlock mitbekam, war wie die Sanitäter ihn auf eine Trage hebten, ehe er sein Bewusstsein verlor. Er spürte keine Körperlichen Schmerzen, doch innerlich zerriss er. Sterben war genau das Gegenteil von dem was er wollte: Leben. Fälle lösen. Seine Gedanken blieben bei John stehen. Die letzten Jahre über hatten sie zusammen gearbeitet, ja, sie sind sogar Freunde. Sherlock zeigte es nicht, es ist nicht seine Art Gefühle so auszudrücken, doch John bedeutet ihm viel. Er hatte ihn schonmal zwei Jahre lang allein gelassen, dass konnte er nicht nocheinmal ertragen. Er durfte jetzt nicht wieder von ihm gehen!

Sein Leben zog an ihm vorbei, all die bekannten Gesichter, all die Verbrecher, sie standen alle wieder da. Lebendig, als wären sie nie Tod gewesen oder im Knast gelandet. Da war Moriarty, er grinst zu Sherlock rüber und ging langsamen Schrittes auf ihn zu, so weit wie die Ketten es zuließen.

,,Du wirst sie alle allein lassen.'', sagte Moriarty, lachte dabei. ,,Du wirst John verletzen, wieder einmal.''
Weiteres lachen.

Nein. Sherlock wollte und konnte John nicht verletzen oder verlieren. Er brauchte ihn. Im Gegensatz zu Anfangs als er einen Assistenten brauchte, brauchte er nun John. Er ertrug den Gedanken nicht, seinen besten Freund, seinen einzigen richtigen Freund, für immer zu verlieren. Es war ein ungewohnter, aber erkennbarer Schmerz, welcher sich durch Sherlock zog. Seine Hände waren zu Fäusten geballt, stand immernoch vor Moriarty, in seiner Zelle. Sherlock wusste, Moriarty war Tod, dessen war er sich bewusst. Er bildete sich bloß ein vor dem Mann zu stehen, welcher an die Wand gekettet war, lachte und immer wieder die Worte ,,Du wirst sie alle allein lassen.'' wiederholte.

Sherlock schüttelte seinen Kopf und biss die Zähne zusammen, er sah sich im Raum um. Da war eine Tür, sicherlich veschlossen, aber er musste jede Möglichkeit testen, er musste wieder aus seinem Kopf rauskommen. Sein Leben davon abhalten den Löffel abzugeben. Als lief er mit nun anwesenden Schmerzen zur Tür, hinterließ eine Blutspur, dessen Blut aus der Schusswunde austrat. Sie verfolgte ihn jetzt auch hier.

,,Sherlock!!''
Moriarty sah rüber zu Sherlock, wollte ihn aufhalten, doch konnte ihn nicht mehr erreichen.

Sherlock hämmerte gegen die Tür, versuchte sie einzutreten. Tränen tropften von seiner Nasenspitze. Tränen vor Wut, auf sich selbst. Wie konnte er bloß zulassen, John wiedereinmal allein zurück zu lassen? Er konnte das nicht. Er durfte das nicht. Und vorallem wollte er das nicht!

Die Schmerzen in seiner Brust veschlimmerten sich allmälig, er konnte seine volle Kraft nicht mehr einsetzen. Was sollte er bloß tun? Es gab keinen anderen Ausweg als diese Tür. Kein Fenster, nichts. Er musste also weitermachen. Mit Schmerzen quälend schlug er weiter auf diese Tür ein.

,,Nein!'', schrie er immer wieder, ignorierte das rufen seines Namens, welches von Moriarty hinter ihm ausging.

John. Verdammt.

Mit einem Mal zersprang die Tür. Helles, grelles und blendenes Licht fiel auf Sherlock, sodass er nichts mehr erkennen konnte. Er konnte nur schwer seine Augen offen halten, drohte sein zweites Bewusstsein auch hier verloren zu gehen und er konnte nichts mehr tun, als es passieren zu lassen und nach vorne ins Licht zu fallen.

Im nächsten Moment befand er sich auf etwas weichem, es musste ein Bett sein. Irgendwo im Hintergrund waren Geräusche zu hören, ein ständiges Piepen,unverständlich redene Menschen.

War einer von Ihnen John? Sah er, dass er nicht tot war? Er hatte es geschafft, dieses mal nicht zu sterben. Und, um alles in dieser Welt, er wäre jetzt am liebsten bei John. Seine Anwesenheit spüren, seine beruhigende Stimme zu hören.

Sherlock atmete langsam und schwach, lag in irgendeinem Bett, wusste jedoch nicht wo genau. Das sinnvollste und logischste wäre ein Krankenhaus gewesen, er musste dort sein. Aber er konnte sich nicht bewegen, er konnte nicht einmal seine Augen öffnen, geschweige den reden oder irgendetwas anderes von sich geben. Seine Brust schmerzte, atmen viel ihm schwerer als sonst. Langsam kamen ihm erinnerungen hoch, er wurde angeschossen, doch wer war es? Das einschussloch war vorne in seiner Brust, er musste dem Täter also gegenüber gestanden haben, doch er erinnerte sich einfach nicht mehr daran, wer es gewesen war. Er war sich nicht einmal sicher, wie lange er hier wohl schon lag, ob John wusste, dass er noch lebte. Ob John überhaupt hier bei ihm war, er konnte keine der Stimmen identifizieren, er konnte sie ja noch nicht einmal verstehen. Entweder sprachen sie viel zu leise oder sie befanden sich zu weit weg. Das Piepen, welches Sherlock stets vernahm, übertönte die unverständlichen Stimmen meist.

Er vesuchte sich zu entspannen, konnte die bleibenden Schmerzen jedoch nicht ausblenden. Sie waren zu stark. Der Wunsch nach Morphin kam Augenblicklich in dem gelockten Detektiven hoch, es würde ihn nun sicherlich beruhigen können. Er spürte, dass sein Bewusstsein wiedermals verschwand.
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