Redress

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Draco Malfoy George Weasley Harry Potter Hermine Granger Molly Weasley Ronald "Ron" Weasley
08.09.2020
17.10.2020
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17.10.2020 1.953
 
Der erste Tag war gelinde gesagt eine absolute Katastrophe. Egal in welcher Unterrichtsstunde er saß, egal welcher Lehrer vor ihm stand, Draco fühlte sich die ganze Zeit misstrauisch beäugt. Er setzte sich in jedem Raum in die hinterste Reihe neben Blaise, verhielt sich ruhig und unauffällig und trotzdem konnte er die missbilligende Blicke seiner Mitschüler auf sich spüren, teilweise konnte er auch den ein oder anderen Lehrer dabei erwischen, wie sich seine Miene verfinsterte, wenn sie ihn ansahen. Der Beginn der Mittagspause glich fast einer Erlösung. Müde schleppte er sich neben seinen besten Freunden zur großen Halle und ließ sich mit einem leisen Seufzen auf die Bank sinken. Als er einen Blick auf sich spürte straffte er automatisch die Schultern und sah sich um, bis er an Ginny Weasley hängen blieb, die ihn anstarrte und einige Meter von ihm entfernt am Tisch saß neben Luna. „Kann ich was für dich tun Wiesel?“, schnarrte er, zog abwertend eine Augenbraue hoch. Lediglich ein Kopfschütteln bekam er als Antwort, ehe die Rothaarige sich wieder zu ihrer Sitznachbarin umdrehte, die Draco lächelnd zuwinkte. Er wusste nicht genau, wie er reagieren sollte und wand sich stattdessen den Gryffindor zu, die sich ihm gerade gegenübersetzten. Harry, Ron und Hermine unterhielten sich lebhaft über die bisherigen Unterrichtsstunden, beklagten oder freuten sich über den ein oder anderen Lehrer und schlangen das vor ihn liegende Essen beinahe hinunter. Er selbst hörte einer Diskussion zwischen Zabini und Parkinson nur mit halbem Ohr zu, während er lustlos in dem Essen auf seinem Teller stocherte.
„Draco?“, riss ihn Granger aus seinen Gedanken? „Ist alles in Ordnung? Willst du nichts essen?“ Kurz war er in Versuchung ihr einen Spruch an den Kopf zu werfen, doch er riss sich zusammen, legte die Gabel nieder und schob den Teller von sich weg. „Nur keinen Appetit“, brummte er und drehte sich bei seinem nächsten Satz zu dem Slytherin neben sich: „Welches Fach haben wir als nächstes?“ Blaise kramte in seiner Tasche und zog ein Stück Pergament heraus. „Zaubertränke.“ Ein Kloß bildete sich im Hals des Blonden und er schluckte. „Dray?“, Pansy legte vorsichtig ihre Hand auf seine Schulter „Alles okay?“ Er nickte lediglich, doch es war alles andere als okay. Zaubertränke war immerhin das Fach seines Patenonkels gewesen. Zwar hatte dieser bereits das letzte Jahr schon nicht mehr unterrichtet, sondern als Schulleiter fungiert, doch für Draco gab es keinen anderen Lehrer als ihn. Er hatte ihm alles beigebracht, hatte ihn an die Kunst des Brauens herangeführt und seine Fähigkeiten geschleift. Severus stand für ihn einfach automatisch in Verbindung mit dem Unterrichtsfach. Auch wenn er eigentlich in jedem Bereich gut war, so war Zaubertränke das Einzige, das er gerne erlernt hatte und sich mehr als alles andere angestrengt hatte, um sich stetig zu verbessern. Der letzte Lehrer, Schughom oder wie auch immer er hieß, war nicht gleichzusetzen mit seinem Patenonkel. Natürlich musste Draco auch seine Begabung beim Brauen anerkennen, aber dieser Kerl... Er fand ihn furchtbar. Er schleimte sich mehr als jeder andere bei dem goldenen Trio ein, ließ während des Unterrichts erkennen, wen er bevorzugte und das machte den Malfoyspross rasend. Snape war zwar nicht anders gewesen, aber da hatte er noch auf der bevorzugten Seite gestanden und es hatte nicht gegen ihn gespielt. Der Kloß in seinem Hals wanderte hinab zu seinem Magen und blieb dort mit einer bleiernen Schwere liegen.  

Bereits der Weg hinunter in den Unterrichtsraum kam Draco vor wie die reinste Folter. Vor der Tür blieb er eine Sekunde lang stehen, atmete tief durch und rief sich in Erinnerung, dass er nie wieder durch diese Tür gehen würde und Snape ihn auf der anderen Seite mit seinem gewohnten missmutigen Blick empfangen würde. Seine Hände verkrampften sich, als er daran dachte, dass er nie wieder die gelangweilte und genervte Stimme seines Patenonkels hören würde, er ihm nie wieder Punkte für seinen perfekt gelungenen Trank geben würde und er nie wieder darüber lachen könne, wenn Severus Potter in die Mangel nahm.
„Beweg dich Todesser Bastard.“ Jemand rempelte ihn im Vorbeigehen an und riss ihn somit aus seinen Gedanken. Der Ravenclaw, der sich an ihm vorbei drängte, um in die Klasse zu gelangen funkelte ihn wütend an, was ihm einen höhnischen Gesichtsausdruck seitens des Blondschopfes einbrachte, der sich nun auch endlich in den Raum begab und sich in die hinterste Bank zu Zabini setzte. Auf den fragenden Blick seines Freundes hin winkte er nur ab und knallte sein Zaubertränkebuch auf den Tisch, während er genervt mit den Zähnen knirschte. Was glaubten seine dämlichen Mitschüler eigentlich wer er war? Auch wenn er hierhergekommen war, um seinen Abschluss zu machen, um seine Fehler wieder gut zu machen, so war er immer noch ein Malfoy, eine der ältesten und reinsten Zaubererfamilien die es gab und niemand hatte das Recht ihn wie den letzten Dreck zu behandeln, vor allem kein dahergelaufener dummer Ravenclaw. „Draco“, zischte ihm sein Sitznachbar zu „hör auf zu knirschen, das hört man bestimmt noch bis in den nächsten Raum.“ Unter dem Tisch ballte der Blonde seine Hand zur Faust und unterdrückte den Drang Blaise eine reinzuhauen oder aufzustehen und einfach zu gehen.

Die Lehrkraft betrat den Raum und begrüßte überschwänglich die in der ersten Reihe sitzenden Gryffindor: „Aaaah Mister Potter. Schön, dass sie trotz allem wieder hier sind und meinen Unterricht bereichern. Miss Granger, Mister Weasley, schön sie hier zu sehen. Auch wenn die letzten Wochen und Monate dunkel waren so bin ich mir sicher“, er wand sich nun an die gesamte Klasse „Bin ich mir sicher, dass jeder von ihnen hier in der Lage ist, seinen Schulabschluss ordentlich nachzuholen und etwas aus seiner Zukunft zu machen. Ohne Angst und Schrecken, dank Mister Potter hier vorne.“ Draco verdrehte genervt die Augen bei dem ganzen Gesülze und blätterte in seinem Buch. „Wie sie wissen, ist Professor Snape“, der Slytherin blickte auf und sah mit gerunzelter Stirn den älteren Mann an. Warum zur Hölle sprach der bitte gerade über seinen Patenonkel? „Wie sie wissen, ist Professor Snape während des Kampfes von sie wissen schon wem getötet worden.“ Eine kurze Stille herrschte und Slughorn räusperte sich. „Nun, dass war wohl auch nicht anders zu erwarten, bei dem, was wir über ihren Professor wissen. So war es doch jedem klar, dass der dunkle Lord ihn töten würde, wenn er ihn in die Finger bekommen würde.“ Malfoy glaubte sich verhört zu haben.
„Wie bitte?“, zischte er laut und die gesamte Klasse drehte sich zu ihm um. Der Professor kam einige Schritte auf ihn zu: „Nun Mister Malfoy, sie werden zustimmen müssen, dass der dunkle Lord niemanden seiner Gefolgsleute am Leben hätte lassen, der so versagt hatte. Wenn Professor Snape nicht durch seine Hand gestorben wäre, dann durch eine der unseren da er Voldemort zu Diensten war.“ Wutschnaubend stand Draco auf, seinen Zauberstab in der geballten Hand und kurz davor diesem Arsch an Lehrer einen Unverzeihlichen an den Hals zu jagen. Zabini knurrte neben ihm, er solle sich hinsetzen und den alten Spinner einfach reden lassen, doch Draco reichte es. Es war ihm soweit egal, dass die Leute seinen Namen in den Dreck zogen, den seiner Eltern, denn war er ehrlich, so hatte es zumindest sein Vater verdient, aber sein Patenonkel war mehr gewesen, mutiger gewesen, als dieser Affe hier vorne ihn darstellte. Harry hatte ihm nach seiner Anhörung alles über Snapes Erinnerungen erzählt, die er dem Helden gezeigt hatte. Hatte ihm jedes kleinste Detail erzählt, wie alles von Anfang an von Dumbeldore geplant gewesen war, dass Severus all die letzten Jahre über für ein Doppelleben geführt hatte und jeden Tag sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte, sobald er dem dunklen Lord gegenübergetreten war.
Und dieser Kerl hier wagte es ihn so schlecht darzustellen? Als wäre er ein Feigling gewesen? Jemand, der einfach nur gestorben war, weil er seinen Auftrag nicht erledigt hatte? „Was glauben sie eigentlich, wer sie sind?“, fauchte er den Professor nun an, der angesichts seiner Tonlage und dem Zauberstab in seiner Hand wieder vor ihm zurückwisch. „Haben sie überhaupt eine Ahnung von dem, was sie da gerade von sich lassen? Gerade sie als Slytherin sollten doch wissen -  sie sollten – stattdessen haben sie sich an Dumbledore´s Rockzipfel gehangen -  sie haben doch verdammt nochmal keine Ahnung, wer mein Patenonkel wirklich waren und jetzt erdreisten sie sich, so über ihn zu reden? Severus war mehr Mann als sie es jemals sein werden!“ Immer lauter wurde seine Stimme, überschlug sich beinahe und schallte von den Wänden des Kerkerraumes zurück. „Mister Malfoy-“, hauchte Slughorn, doch Draco hatte bereits seine Tasche geschultert und sein Buch ergriffen. „Vergessen sie es. Ich geh, bevor ich wegen ihnen doch noch in Azkaban lande.“ Ohne weiter auf seinen Professor oder seine Mitschüler zu achten, rauschte er aus dem Raum. Das letzte was er vernahm, war die Stimme des Ravenclaw, der ihm „Dann verschwinde nach Azkaban, Todessebastard!“ hinterherrief.

Erst einige Minuten später, in denen er beinahe durch die leeren Korridore gerannt war, merkte er, dass ihm jemand hinterherlief. „Draco, jetzt warte verdammt nochmal!“ Er verdrehte genervt die Augen, als er erkannte, zu wem die Stimme gehörte. Er stoppte, drehte sich um und um ein Haar, wäre Potter in ihn hineingerauscht. „Was willst du?“, knurrte er ihn an und trat einen Schritt zurück. „Mich dazu bringen zurück zu gehen und dem Mistkerl an Professor in den Arsch zu krieche? Das kannst du sowas von vergessen, ich-“ „Das hätte er nicht sagen dürfen“, japste Harry und beugte sich ein wenig vor, um besser Luft zu bekommen. Der Slytherin starrte ihn an, wartete darauf, dass der Gryffindor wieder normal atmen konnte und fortfuhr. „Slughorn hätte nicht so über Snape sprechen dürfen. Er weiß nicht, was Snape die Jahre über durchgemacht hat. Niemand außer dir und mir und dem Orden weiß darüber Bescheid. Ich kann verstehen, dass du dich angegriffen gefühlt hast-“ „Angegriffen?“, fuhr Draco ihn an. „ich fühle mich nicht angegriffen, ich bin stock wütend! Jeder hier glaubt über mich richten und urteilen zu können. Dämliche Ravenclaw glauben mit mir umspringen zu können, wie sie lustig sind. Nicht einmal die Hälfte meines Hauses ist zurückgekehrt und wir, die wieder hier sind, werden auf Schritt und Tritt beobachtet und behandelt, als würden wir jeden Augenblick das Schloss in die Luft jagen und den dunklen Lord von den Toten zurückholen! Und dann spricht dieser Typ, diese Schande von Slytherin über Severus, als hätte er ihn persönlich gekannt? Als hätte er auch nur ansatzweise eine Ahnung, was vor sich ging? Wie kann dieser Mann - dieser Feigling – wie kann er nur“ Atemlos rang er nach Luft, versuchte den brennenden Zorn in seinem Innern irgendwie besänftigen zu können. Es freute ihn einerseits, dass der Schwarzhaarige verstand und wusste, wieso niemand so schlecht über seinen Patenonkel sprechen sollte, doch auch der Held wusste nicht, wie er sich jeden Augenblick hier fühlte, wie sehr es ihn anpisste die Füße stillhalten zu müssen und alles über sich ergehen zu lassen. „Draco“, Potter versuchte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter zu legen, doch der Malfoyspross schlug seine Hand beiseite: „Nicht.“, knurrte er und fuhr sich fahrig durch seinen Blondschopf. „Dieser Mann hat keine Ahnung, wie es war während des Krieges gezwungen zu sein, auf der falschen Seite zu stehen und ich werde nie wieder seinen Klassenraum betreten Potter.“
Harry nickte nur stumm und blickte ihn traurig an. „Ich werde mit McGonagall darüber sprechen und ihr die Sache erklären. Ich -  ich werd wieder zurück in den Unterricht gehen. Wir sehen uns nachher in magische Geschöpfe?“ Er wartete noch, bis sein Gegenüber nickte, ehe er sich umdrehte und zurück zu den Kerkern schritt. Der Grauäugige blieb noch eine Sekunde lang ratlos stehen, ehe er sich auf dem Weg nach draußen machte. Er brauchte frische Luft, um sein Gemüt wieder zu beruhigen und sich für die nächste Stunde zu wappnen.
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