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Neun Jahre

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18
Futakuchi Kenji OC (Own Character)
07.09.2020
23.11.2020
17
36.679
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28.09.2020 1.600
 
Wut?!


Bereits seit zwei Wochen war die  Klausurwoche vorbei, heute gab es die letzte Klausur zurück. Mathe, das Fach welches mich am meisten auf die Probe gestellt hatte. Iwashita hatte mich in der Nachhilfe wirklich verdammt hart rangenommen. Egal wie blöd ich mich auch anstellte, die Schwarzhaarige fand immer Mittel und Wege wie sie mir den Stoff plausibel vermitteln konnte, auch wenn ich mich gegen so manche Methode zu erst quer stellte. Wenn ich daran zurück dachte, wie kindisch ich mich verhalten hatte, als sie mir Integralrechnung so erklären wollte das ich es besser verstand. War es mir auch fast fünf Wochen später noch peinlich, wenn ich sie sah. Der Lehrer legte mir meine Klausur auf den Tisch, bedachte mich mit einem Blick der wirklich alles bedeuten konnte. Aone schräg vor mir, sackte erleichtert seufzend  über seinem Klausurbogen zusammen. Er hatte somit alle Klausuren bestanden, kam um die Nachhilfestunden, in der Schule am Wochenende drum herum. Nervös mit zitternden Händen schaute ich selbst nach, klappte den Bogen sofort wieder zu. Das konnte nicht wahr sein was da stand, ich hatte mich so da rein gehängt. Die Seite ganz umgeklappt, sprang mir diese Zahl knallrot ins Gesicht, seufzend starrte ich die Zahl an. Unglaubliche zweiundsiebzig Punkte! ZWEIUNDSIEBZIG! "Verdammte Scheisse! JAAAA! Kein Nachhilfeunterricht nötig! So gut war ich noch nie!" Platzte es aus mir heraus, ich spürte die Blicke meiner Mitschüler auf mir, auch ohne das ich hinsehen musste. "Futakuchi, wir sind hier nicht in der Sporthalle, zügeln sie ihr Mundwerk." Erschrocken schaute ich auf in das strenge Gesicht des Lehrers der vorne stand, mich mahnend an blickte. "Verzeihung, das kommt nicht mehr vor." Ich zwang mich diese nicht ernst gemeinte Entschuldigung auszusprechen, unser Mathelehrer war das Paradebeispiel für einen strengen, humorlosen Vertreter seines Berufes. Ein fettes Grinsen begleitete mich den Rest der Mathestunde, die ewig zu dauern schien, wie jeden Freitag wenn wir in der letzten Stunde dieses verhasste Fach hatten. Das Klingeln der Schulglocke dröhnte erlösend durch das Gebäude, verabschiedete uns ins Wochenende. Aone packte genauso langsam wie ich die Schulsachen ein während die, welche heute keinen Club mehr hatten, aus dem Raum stürzten. "Es geht doch meine Herren, behalten sie das Engagement zukünftig bei. Bis nächste Woche." wir starrten unserem Lehrer hinterher, als dieser an uns vorbei und aus dem Raum schritt. Mein Freund neben mir schnaubte erstaunt aus, ein Lob von diesem Mann hatten wir noch nie kassiert. "Ich kann es nicht glauben, seit wann hat dieser Kerl Annerkennung in seinem Wortschatz?" Die Türe starrten wir noch einige Augenblicke an, ehe wir uns selbst in Bewegung setzten und durch den schon fast leeren Flur liefen.

"Iwashita-" Abrupt hielt ich inne, als ich diesen Namen hörte, der Mittelblocker ebenso, gespannt blickten wir die Türe der Univorbereitungsklasse an. Diese stand nur wenig auf, aber es war bereits so still im Flur das wir alles verstanden was darin gesprochen wurde. Eiskalt lief es mir bei den Worten den Rücken hinab, die Keikos Klassenlehrerin von sich gab. "-was ist passiert? Ihre Klausurergebnisse sind in jedem einzelnen Fach um 15 bis 30 Punkte gesunken, im Gegensatz zu ihren bisherigen Ergebnissen. Dieses Resultat ist zwar immer noch gut und sie könnten sich die Universität zwar noch aussuchen, jedoch wenn sie es weiterhin schleifen lassen, rückt ein Stipendium für die Uni in unerreichbare Ferne. Merken sie sich das gut, wenn sie wirklich auf eine renomierte Universität möchten." Takanobu entwich ein angespanntes Murren, ich schaute ihn kurz von der Seite her an, er stierte immer noch die wenig geöffnete Türe zu Keikos Klassenzimmer an. "Ich habe keine Ahnung was da los ist. Iwashita hat gar nichts gesagt in den letzten Wochen." Ich flüsterte extra leise damit wir nicht verpassten wenn unsere Freundin antwortete. "Also...Ich… Es tut mir leid, aber ich hatte die letzten Wochen sehr viel zu tun und konnte nicht so viel lernen wie sonst. Ich verstehe was sie meinen, ich werde es dementsprechend anpassen, die Chance auf das Stipendium kann ich mir nicht entgehen lassen." Schuldbewusst und leise kam der Schwarzhaarigen das über die Lippen, ehe die Stimme der Lehrerin von neuem Erklang. "Dann sollten sie dringend ihre ausserschulischen Aktivitäten einschränken und sich auf die Schule und ihr eigentliches Ziel konzentrieren, statt ihre Zeit zu vergeuden. Sie können jetzt gehen, wir sehen uns Montag wieder. Denken Sie darüber nach."
Leise Schritte aus dem Klassenraum kamen immer näher, wenn ich nun nichts tat, erwischte sie uns, das wir gelauscht hatten. Schnell zog ich den Mittelblocker einige Schritte weiter und fing an zu plappern, was besseres fiel mir in diesem Moment nicht ein. "...das Training so weiter geht, dann haben wir verdammt gute Chancen richtig weit zu kommen dieses Jahr, Aone. Wir müssen uns einfach noch mehr reinhängen als bisher, alles aus uns rausholen." Der Weissblonde starrte mich mit hochgezogenen Augenbrauen von oben herab an, in Gedanken schrie ich ihm zu das er mitspielte. Sein zustimmendes Grunzen entlockte mir ein erleichtertes Aufatmen, kurz bevor wir uns ertappt zu unserer Freundin umdrehten, welche eilig auf uns zu und vorbei lief? "Tut mir leid, ich muss los, ich komme sonst zu Spät zur Arbeit. Wir sehn uns Montag!" verdattert schauten wir ihr nach, wie sie um die Ecke verschwand, hörten nur noch ihre Schritte die Treppe hinab. Verwirrt schaute ich auf die Uhr, welche an der Wand hing, eben hatte sie uns angelogen, soweit ich wusste, musste sie erst in zwei Stunden bei der Arbeit sein. Wenn ich mich nicht geirrt hatte, standen Tränen in ihren Augen. "Hey Futakuchi, Aone! Kommt jetzt, wir sind schon spät dran. Wenn ihr beiden wieder zu spät kommt, meckert  Moniwa nur wieder!" Obara hastete an uns vorbei und schaute uns auffordernd an, ehe wir uns selbst in Bewegung setzten, in Richtung der Clubräume.

Äusserst genervt und verärgert über mich selbst, stapfte ich mit verdammt schlechter Laune die Strasse entlang. Beim Training gestern und heute ging alles schief, was schief gehen konnte, die letzte Nacht hatte ich kaum geschlafen, zu sehr beschäftigte mich das, was wir gestern zufällig mitbekommen hatten. Zu sehr waren diese Gedanken im Vordergrund, ich hatte keine Zeit für sowas, das Turnier stand an, darauf sollte ich mich konzentrieren, nicht auf die Probleme anderer, so wie immer! Genervt seufzte ich auf, während ich schnellen Schrittes an einem Pärchen vorbei lief das auf dem Bürgersteig knutschte. Ein gemeiner Kommentar dazu lag mir auf der Zunge, bereit diesen auszusprechen, drehte ich mich um. Aone lief direkt in mich hinein, fixierte mich von oben herab. Mir war es gleich wer meine schlechte Gemütsverfassung abbekam, hauptsache ich konnte mich abreagieren. Das ganze Training über hatte mich dieser Riese bereits davon abgehalten, meine Launen an den Teamkameraden auszulassen, geschah ihm ganz recht, wenn er es darauf anlegen wollte. Angriffslustig blickte ich in seine Augen, holte verbal in Gedanken bereits aus. "Was ist dein Problem, Futakuchi? Hast du ein schlechtes Gewissen gegenüber, Keiko?" Damit hatte er mich eiskalt erwischt, in der Regel waren unsere Gespräche mehr als einseitig, ich meckerte und er gab höchstens einen Tonlaut von sich, der einem Knurren oder Murren ähnelte. Erschrocken blinzelte ich ihn kurz an, ehe ein verächtliches Zungenschnalzen aus meinem Mund kam, sich mein Körper fast selbstständig umdrehte und weiter ging. Allzu weit kam ich allerdings nicht, Takanobus Pranke hielt mich an der Schulter, pinnte mich an Ort und Stelle fest. Gedanken sammelnd schloss ich für einen Moment die Augen, bevor ich zu meinem ältesten Freund herum wirbelte. "Wieso sollte ich wegen Iwashita ein schlechtes Gewissen haben? Ich habe sie nicht gezwungen mir zu helfen, selbst schuld wenn sie ihre Sachen vernachlässigt. NICHT MEIN PROBLEM!"
Energisch drehte ich mich um, als sein Griff nach ließ, ging in die Richtung in der ich bereits unterwegs war. "So ein Arschloch bist du nicht, Futakuchi." Kurz kam mein Tritt ins Stocken, hatte mich aber schnell wieder gefangen. Zornig schritt ich voran, ohne darauf zu achten wohin überhaupt. Wut stieg in mir auf, wie Galle, aber weshalb überhaupt? Weil Aone mit seiner Vermutung voll ins Schwarze getroffen hat, weshalb meine Laune jenseits von gut und böse war? Weil ich die ganze Nacht gebraucht hatte, um zu erkennen das ich ein schlechtes Gewissen hatte?

Dieses schlechte Gefühl, raubte mir den letzten Nerv, ließ meine Zündschnur noch kürzer werden als sie eh schon war. Und ein einziges falsches Wort, ein seltsamer Blick reichte bereits aus, um das Fass meiner Geduld zum überlaufen zu bringen. Die ganze Nacht über quälte ich mich schon damit, fühlte mich schuldig sie darum gebeten zu haben, mir wieder aus der Klemme zu helfen. Im Wissen das sie nicht 'Nein' sagen konnte, auch wenn sie wirklich nicht die Zeit dazu hatte, sich lieber um sich selbst kümmern sollte, als um so einen Idioten wie mich. Ja, ein Idiot war ich alle mal, zu doof um sich regelmässig  Zeit zu nehmen für die Schule. Sie hatte mir ein weiteres mal angeboten mir regelmässig Nachhilfe zu geben, damit ich nicht wieder bei den nächsten Klausuren in Panik verfiel, so wie die letzten Male. Angenommen hatte ich es an dem Sonntag vor den Klausuren, aber nun wollte ich es doch ausschlagen, auch wenn wir noch nicht über die Details gesprochen hatten. Zu groß war nun mein schlechtes Gewissen, dass ich höchstwahrscheinlich daran schuld war das Keikos Notendurchschnitt gefallen war. Wütend auf mich selbst schob ich meine Hände in die Taschen meiner Trainingshose, stapfte einfach weiter, ohne auch nur einen Teil meiner Umwelt bewusst wahrzunehmen.
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