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Angstschweiß

von Calydea
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16
Bobby Singer Dean Winchester OC (Own Character) Sam Winchester
07.09.2020
22.01.2021
19
57.940
10
Alle Kapitel
79 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
07.09.2020 1.390
 
Ihr Lieben,

ich begrüße euch zu meiner ersten längeren Geschichte.
Die Idee kam mir vor etwa einem Jahr und wollte unbedingt geschrieben werden. Ich hoffe, sie gefällt euch. Lasst mir doch gern etwas dazu da, ich würde mich freuen :).

Das erste Kapitel nach dem Prolog folgt bereits morgen und dann bis einschließlich Kapitel 7 immer Dienstag und Freitag. Danach wöchentlich freitags.

An dieser Stelle geht ein riesiges Dankeschön an die liebe Maja Lito, die hier nicht nur wundervolle Betaarbeit geleistet hat, sondern seit der Entstehung der Idee immer mit dabei war. Auch der Titel und der Name des Monsters stammen von ihr. Maja kam einfach zur rechten Zeit mit der zündenden Idee ums Eck.
Vielen Dank, meine Liebe, für deine Begleitung, deine immer ehrliche Meinung und die Tritte ;). Du hast einiges zu dieser Geschichte beigetragen. Das bedeutet mir sehr viel. Fühl dich fest gedrückt <3

Jetzt aber genug der langen Worte.
Ich wünsche euch (hoffentlich) viel Spaß.

Liebe Grüße
Die Caly


Spoiler/Allgemeines:
Die Geschichte spielt zeitlich zwischen S4/E06 (Gelbfieber) und S4/E07 (Der große Kürbis, Sam Winchester). Die ersten fünf Kapitel noch davor.
Die P16-Einstufung sollte ausreichend sein, aber wir sind hier bei SPN und wie wohl jeder weiß ist das normalerweise kein Sonntagspicknick.



*********


Prolog

Der Dolch bewegt sich auf meine Brust zu. Die Spitze deutet auf einen Punkt, nur minimal unterhalb der Stelle, an der sich die Rippenbögen über dem Herzen vereinen. Ich kann nichts dagegen unternehmen. So sehr ich auch versuche, mich zu wehren. Ich habe keine Chance.
Unaufhaltsam sehe ich die Dolchspitze auf mich zu kommen. Quälend langsam und geführt von meinen eigenen Händen. Ich habe keine Kontrolle mehr über mein Handeln. In meinem Kopf herrscht eine unerklärliche Macht. So stark, dass ich ihr nichts entgegenzusetzen habe.
Alles in mir schreit, dass ich damit aufhören muss. Doch mein Körper hört nicht auf mich. Verzweifelt gebe ich meinen Händen den Befehl, die Waffe fallen zu lassen. Aber nichts dergleichen geschieht.
Pure Angst durchflutet mich und ich gerate in Panik.
Es kann doch nicht so enden? Ich will das nicht! Ich hatte nie den Wunsch, meinem Leben ein Ende zu setzen. Und doch stehe ich hier und mache genau das.
“Bitte!”, flehe ich. “Bitte nicht!”
Der Mann, der vor mir steht, lächelt nur. Seine Augen fixieren mich. Starren mich, ohne zu blinzeln, an. Die Farbe darin ist undefinierbar. Sie scheint ständig zu wechseln.
Leise säuselnd redet er auf mich ein. “Der Tod, von eigener Hand herbeigeführt. Ein wahrhaft angsteinflößendes Erlebnis, nicht wahr? Du hast keine Vorstellung, was mir deine Angst bedeutet! Dagegen war alles, was du vorher schon durchlebt hast, nur ein kleiner Vorgeschmack. Doch das hier ist die Vollendung. Unermessliche Angst. Kein Mensch kann sich ihr entziehen. Dem eigenen Leben, nicht willentlich, ein Ende zu setzen. Und dann noch auf diese Art! Das ist wunderbar. Jeden Menschen, der alle seine Sinne beieinander hat, treibt man so in die vollkommene Panik und letztendlich zerbrechen sie daran. Und soll ich dir noch etwas Interessantes erzählen? Je mehr du dich dagegen wehrst, desto besser ist das für mich.”
Meine Panik steigt ins Unendliche, als der Stahl mein Shirt durchdringt und meine Haut berührt.

Mit einem lauten Schrei reiße ich die Augen auf und sehe im ersten Moment nichts als Dunkelheit.
Erst einige Augenblicke später wird mir bewusst, wo ich bin.
Ich sitze in meinem Bett. Mein Atem kommt nur stoßweise. Mein Herz rast und ich habe das Gefühl, als würde es sich gleich überschlagen und stehenbleiben. Mein Puls dröhnt mir in den Ohren. So laut, dass ich erst einmal keine anderen Geräusche wahrnehme. Ich bin schweißnass. Mein Shirt klebt mir am Körper.
Mit zittriger Hand knipse ich die Nachttischlampe an, und die plötzliche Helligkeit lässt mich die Augen zusammenkneifen.
Fahrig streiche ich mir das nasse Haar aus dem Gesicht und verberge dieses anschließend in den Händen. Ich spüre, wie die ersten Tränen in meine Augen schießen, und ziehe die Beine an. Umschließe sie mit den Armen und lege die Stirn auf meine Knie. Die Tränen lasse ich einfach kommen. Ich kann sie sowieso nicht aufhalten. Dann kippe ich nach rechts und rolle mich so klein zusammen, wie es mir möglich ist.
So liege ich da und weine stumm vor mich hin, bis mich ein starkes Zittern überkommt, das mir signalisiert, dass ich das Schlimmste erst einmal überstanden habe.
Das Adrenalin, das der Traum ausgeschüttet hat, baut sich langsam ab und weicht einer bleiernen Erschöpfung. Ganz langsam beruhigen sich meine Atmung und mein Herzschlag. Auch das Dröhnen in meinen Ohren lässt nach und schließlich finde ich mich inmitten einer all umfänglichen Stille wieder.

Ich weiß nicht, wie lange ich so dalag. Irgendwo zwischen Schlafen und Wachen. Doch nach einiger Zeit blinzle ich und richte mich langsam wieder auf.
Ich muss wirklich über einen längeren Zeitraum so verkrampft dagelegen haben. Meine Muskeln protestieren aufs Schärfste, als ich meine Arme aus der Umklammerung löse und meine Beine ausstrecke. Mir ist kalt. Ich friere. Der Schweiß ist inzwischen getrocknet, nur mein Shirt und mein Bett sind noch feucht. Ebenso mein Haaransatz, wie ich feststelle, als ich mir die Haare hinter die Ohren streiche. Ich sehe auf die Uhr.
Mein Radiowecker zeigt 4.32 Uhr an, und ich vermute, dass ich mindestens eine Stunde in dieser Embryonalhaltung zugebracht haben muss. Zumindest, wenn ich meinen verkrampften Muskeln Glauben schenken darf. Wahrscheinlich war es sogar länger.
Woher ich das so genau weiß?
Es ist nicht das erste Mal, dass mir das passiert.

Dieser Traum verfolgt mich schon seit gut sieben Jahren und die Bilder reißen mich, jedes Mal aufs Neue, vorübergehend in ein Loch. Ganz zu Anfang, als das losging, hatte ich ein paar Tage gebraucht, um mich wieder zu fangen. Hatte ich die ersten paar Nächte danach nicht, oder nur wenig, schlafen können. Inzwischen habe ich gelernt, damit zu leben, und wenn mich dieser Traum mal wieder einholt, habe ich ihn meist innerhalb eines Tages überwunden. Ich schlafe zwar in der ersten Nacht danach ziemlich schlecht, aber ich weiß, dass ich dann vorerst wieder meine Ruhe habe.
Mit den Jahren ließ die Häufigkeit des Traums nach. Das letzte Mal, dass ich ihn hatte, war vor fast zwei Jahren gewesen.
Doch das macht es gerade nur umso schlimmer. Dass mich diese Erinnerungen, ausgerechnet jetzt wieder, mit voller Wucht, überrollen.

Ich kenne diesen Traum nur zu gut. Ich weiß auch genau, wie er endet.
Aber wenn er so schlimm ist, woher weiß ich dann, wie er ausgeht? Man sollte doch meinen, dass ich, wie es bei schlechten Träumen häufig der Fall ist, jedes Mal rechtzeitig aufwache?
Ja, ich wache immer auf. Aber ich weiß trotzdem, wie er endet, da es nicht einfach nur ein Traum ist.
Die grausame Wahrheit ist, es ist genau so passiert. Ich habe es gesehen! Es gespürt!
Es hätte verhindert werden können, dass ich da hineingerate. Genaugenommen hätte es überhaupt nicht erst so weit kommen dürfen. Ich hatte zwar Glück, dass mir geholfen wurde, und ich immer noch am Leben bin, aber der Preis dafür war hoch.
Seit diesem Tag begleitet mich dieses Erlebnis der totalen Hilflosigkeit, Angst und Panik. Und manchmal holt es mich, zum unmöglichsten Zeitpunkt, wieder ein.

Es kann passieren, dass ich nicht nur in der Nacht alles noch einmal durchlebe. Unter gewissen Umständen, die aber sehr selten und eher dem Zufall geschuldet sind, kann es vorkommen, dass ich auch im Wachzustand in dieses Loch falle. Der einzige Unterschied zum Traum ist der, dass ich, wenn das geschieht, mehrere Stunden brauche, um wieder einigermaßen klar denken zu können.
Es ist eine Art psychischer Ausnahmezustand, in dem ich mich dann befinde. Währenddessen schwanke ich zwischen grenzenloser Wut und absoluter Resignation. Es ist furchtbar und ich hasse es, wenn ich so bin.
Es gibt nur einen Menschen, der es bisher geschafft hat, mich innerhalb von zwei Stunden da herauszuholen. Der alles, was ich ihm in meinem Zorn an den Kopf knallte, oder schlimmer noch, dass ich nach ihm schlug und trat, widerspruchslos hinnahm. So lange, bis ich meine Umgebung wieder wahrnahm und schließlich vor Erschöpfung einschlief.

Doch was kann so schlimm sein, dass man, auch nach Jahren, in solch einem Maß darauf reagiert, dass alles bei einem aussetzt?
Der Grund ist so einfach, wie er schrecklich ist.

Überall da draußen, auf der ganzen Welt, umgeben von uns allen, lauern Dinge, die die Vorstellungskraft eines jeden normalen Menschen übersteigen ...
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