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You and me might end up together

KurzgeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Het
Der Professor / Sergio Marquina Raquel Murillo
07.09.2020
07.09.2020
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Hey ihr Menschen!
Hier ist meine zweite kleine Serquel Geschichte^^ Ich hoffe ihr habt Spaß beim Lesen. Es war das Geburtstagsgeschenk für eine gute Freundin von mir. Aber geießt eure Serquel Zeit und seid nicht zu streng mit mir^^


***

“You and me might end up together”

***

“A drop in the ocean
A change in the weather
I was praying that you and me might end up together
It's like wishing for rain as I stand in the desert
But I'm holding you closer than most 'cause you are my heaven”
- Ron Pope, A drop in the ocean

***


Das sich über die Jahre eine magische Freundschaft entwickelt hatte, hätten sich Raquel und Sergio nicht denken können. Es war für beide das letzte Semester an der Universität von Madrid, bevor beide in eigene Richtungen gehen würden. Sergio, der zwei Wochen nach dem Abschluss nach San Sebastian zurück ziehen würde, um sich um seinen Bruder zu kümmern und Raquel, die nach ihrem Studium auf die Polizeischule gehen würde, um in wenigen Jahren bei der Policía Nacional zu arbeiten. Die Wege beider würde sich trennen.

Nach, mittlerweile, vier Jahren sehr enger Freundschaft, vielen Schicksalsschlägen, Streitereien und unzähligen Wochenenden mit Netflix und Büchern im Bett. Anfangs hatten sich Raquel und Sergio abgrundtief gehasst. Sie waren nicht einmal im gleichen Studiengang, aber die Tatsache, dass sie zu diesem Zeitpunkt die gleiche Mathe Vorlesung besuchen mussten, hatte beiden ausgereicht, um sich zu hassen. Das klang langweiliger als es war, denn normalerweise nahm man an, dass man Menschen die man hasste aus dem Weg ging, Raquel und Sergio hatte es aber näher zusammen gebracht, auch, wenn Andrés schon mehrmals die Nummer der Bestattung gewählt hatte und nur mehr auf den grünen Knopf drücken musste, der einen Anruf startete. Zum Glück war das aber Vergangenheit. Das hatte nicht nur Sergio und Raquel entspannt, sondern auch die ganze Universität, heute aber erinnerten sich alle gerne an die Erlebnisse von damals.

Raquel saß, trotz des schönen Wetters im Juni, an ihrem Schreibtisch in ihrer Studentenwohnung. Die Hände hatte sie dazu verwendet, um ihren Kopf abzustützen, der mittlerweile von Sekunde zu Sekunde schwerer wurde. Am liebsten hätte sie ihn fallen gelassen, aber der Knall den es dann geben würde, war sicher schmerzhafter als sie es sich vorstellte. Vielleicht würde ihr auch einfach eine Pause gut tun. Seufzend wanderten ihre Augen zu der Wanduhr, die sie vor wenigen Wochen aufgehangen hatte, damit sie keine Ausrede mehr hatte mal „kurz aufs Handy“ zu schauen. Das war gerade ihre größte Droge. Hätte man Menschen wegen einer Handy-Sucht verhaften können, dann wäre sie die erste die wegen Drogen zwanzig Jahre ins Knast gehen würde. Innerlich wünschte sie sich manchmal so diszipliniert zu sein wie Sergio.

Dieser konnte sein Handy weglegen und über Tage nicht anfassen, wenn er es nicht wirklich brauchte. Aber viel besser war, dass er sein Handy konsequent nach zehn Minuten weglegte um weiter zu lernen, während Raquel dann immer noch in Tiktok Tänzen oder in Instagram versunken war.

Ihr Wasserglas war mittlerweile auch leer. So langsam drückte auch ihre Blase, aber wenn sie jetzt aufstand, dann konnte sie das Lernen für den restlichen Tag vergessen. Es war Abend und sie hatte am Vormittag angefangen. Das war immer noch nicht genug für die letzten Prüfungen. Noch immer war ihr Kopf mehr leer als voll, aber würde sie länger sitzen bleiben, musste sie in wenigen Stunden vermutlich den Boden trockenwischen. Darauf hatte Raquel natürlich auch keine Lust.

Noch einmal kurz ließ sie einen Blick über ihre Unterlagen schweifen, ehe sie sich zurück lehnte, sich kurz streckte und anschließend ihr Heft zusammen klappte, in dem sie sich alles wichtige noch kurz notiert hatte, damit die Lernzettel nicht die einzigen Unterlagen waren. Anschließend entsperrte sie ihr Handy. Keine verpassten Nachrichten, auch keine verpassten Anrufe. Sergio hatte die Nachrichten aus ihrer Mittagspause noch nicht gelesen, was Raquel auch nicht wirklich wunderte. Er machte sein Handy an solchen Tagen gar nicht mehr an.

Nachdem Raquel beschlossen hatte einen Ausflug auf die Toilette zu machen, stand sie wieder in ihrem kleinen Zimmer. Es war eigentlich nicht klein, es lagen nur viele Dinge herum, was ihr Zimmer kleiner wirken ließ, als es war. Sobald die Prüfungen vorbei waren, würde sie endlich wieder aufräumen. Ein letztes Mal, ehe sie nie wieder zurück kehren würde. Es war ihr letztes Semester. Irgendwie hatte es die zukünftige Inspectora noch nicht ganz so verstanden. Da aber ihr Abend noch nicht verplant war und sie etwas anderes tun musste als lernen, beschloss sie kurzer Hand zu Sergio zu gehen, der nur drei Türen weiter am Ende des Ganges wohnte. Ja. Er wohnte da. Sie hauste eher wie ein Messi.

Bevor Raquel die Hand heben konnte um an der Tür zu klopfen, machte Sergio die Türe auf. Im Hintergrund lief diese schreckliche klassische Musik, die er immer mit Platten auf seinem Plattenspieler hörte. Seine Haare waren, wie seine Klamotten auch, ordentlich gekämmt und seine Brille nach oben geschoben auf seiner Nase.

„Mach diese schreckliche Musik aus“, meinte Raquel, als sie dabei das Gesicht verzog. Immer wenn sie seine Musik hörte, fragte sich Raquel, wie eine Freundschaft zwischen beiden möglich war. Denn allein von der Musik her war es unmöglich. Raquel hörte am liebsten Rock. Harte Musik. Nichts von dem man Einschlief. Wie konnte ihr bester Freund bei so einer Musik nur lernen? Raquel würde da eher schlafen. Wie ein Stein.

„Hallo Raquel“, meinte Sergio einfach und drückte seine beste Freundin mit einer festen Umarmung an sich, „Ich habe deine Schritte gehört und dachte mir, ich mach dir die Tür auf, bevor du klopfst.“

Raquel legte den Kopf schief. Bevor sie klopfte?

„Du kannst mich unmöglich von draußen gehört haben“, stellte Raquel fest. Rein aus Provokation wuschelte sie die Haare ihres besten Freundes durch.

„Nichts ist unmöglich. Ich habe, im Vergleich zu dir, gute Ohren“, grinsend lehnte er sich gegen den Türstock. Die Musik lief weiter. Auch, als Raquel die Augen verdrehte.

„Und wieso sollte ich keine guten Ohren haben, Señior Marquina?“, Raquel legte den Kopf schief.

„Weil du die ganze Zeit diese schreckliche Rock Musik hörst. Die Lautstärke ist viel zu hoch“, erklärte Sergio kurz. Okay, vielleicht hörte sie manchmal laut Musik, aber nichts war schlimmer als Sergios Klassik.

„Bei deiner Musik würde ich Halluzinationen bekommen. Oder ins Koma fallen“, Raquel drückte Sergio leicht aus dem Weg, damit sie sein Zimmer betreten konnte um die Musik auszuschalten. Schrecklich sowas. Damit nervte Sergio seit Jahren seinen Nachbarn. Der arme Typ.

Neben Sergio waren öfters schon Menschen ein- und ausgezogen. Vermutlich echt wegen seiner Musik.

„Bitte? Nur weil ich keinen Herzinfarkt beim Musik hören haben will?“, Sergio stupste seine Brille nach oben. In letzter Zeit rutschte sie ihm oft hinunter.

„Ach halt die Klappe. Ich wollte eigentlich nur Fragen, ob du mit mir eine Pause machen willst“, Raquel legte den Kopf schief. Würde er ihr sagen, dass sie weiter lernen musste, dann würde sie ihn wohl wirklich in einen Müllsack stecken und entsorgen. Aber Sergio war dann doch nicht so.

„Aber natürlich. Wir könnten eine Runde um den Block gehen und dann weiter Lernen“, meinte Sergio stolz. Kurz schweifte sein Blick nach hinten in sein Zimmer, wo auf dem Tisch perfekte geordnete Lernzettel lagen, die er in den letzten Stunden vorbereitet hatte.

„Kannst du vergessen. Ich werde mich weder bewegen, noch weiter lernen. Ich dachte eher an einen Ausflug zu McDonalds. Dann an einen entspannten Filmeabend in deinem Bett“, Raquel lachte. Sergio nickte. Eigentlich hielt er nicht viel von Fastfood. Eher setzte er auf gesunde Ernährung, aber manchmal musste er Raquel zu Liebe einfach nachgeben.

„Ausnahmsweise. Aber wir müssen noch weiter lernen. Wie läuft es bei dir eigentlich?“

„Genauso beschissen wie die letzten Wochen auch. Ich verstehe absolut gar nichts. Ich will auch nichts mehr hören“, schiss Raquel zurück. Sie hielt Inne. Es war ganz klar, welche Frage jetzt kommen würde.

„Ich kann dich abfragen, wenn du wi-“, Sergio hatte extra Luft für diese Frage geholt, als Raquel ihm das Wort abschnitt.

„NEIN! Ich will das nicht! Ich will nur mehr Essen haben! Alberto ist mit seinen Freunden unterwegs. Ich habe dich die letzten Tage viel zu selten gesehen.“

„Aber wir haben doch die ganze Zeit zusammen gelernt?“, fragte Sergio nach. Ja, das stimmte. Aber es war nicht das Gleiche. Bevor Raquel seine Frage beantwortete, schnappte sie sich Sergios Wohnungsschlüssel und zog ihn auf den Gang.

„Aber du bist beim Lernen wie eine Wand. Nichts kann man dir sagen. Ich kann keine Witze machen. Ich kann mich nicht aufregen, dass ich keine Lust mehr habe“, erklärte die zukünftige Inspectora. Ja, er war tatsächlich wie eine Wand. Oder ein Hydrant. Jedenfalls sprach er nicht. Über Stunden hinweg.

„Weil man beim Lernen nicht redet. Schon gar nicht in der Bibliothek“, Sergio legte einen Arm um seine beste Freundin. Sie war warm und wärmte direkt seine kalten Hände.

Am liebsten hätte er sie die ganze Zeit so gehalten und nie wieder losgelassen. Aber noch lieber hätte er sich vermutlich mit ihr in ein Bett gelegt, alle Klamotten weggeworfen und nie wieder welche angezogen. Wenn es da nicht Alberto gab. Er hatte Raquel das Herz gestohlen, bevor Sergio es tun konnte.

Eine Zeit lang hatte sich der große Braunhaarige mit der süßen Brille ein schlechtes Gewissen gemacht. Er hatte sich gehasst, alles bereut was er nicht getan hatte. Er hatte jedes Abendessen und jeden Filmeabend bereut. So viele Chancen hatte er gehabt um nach einem wirklichen Date zu fragen, stattdessen hatte er die zukünftige Inspectora einen anderen Typen daten lassen. Okay, vielleicht war es auch besser so. Er würde wieder nach San Sebastian ziehen, während Raquel in Madrid blieb. Ganz zufällig würde Alberto auch zur Polizei gehen. Da war Sergio sowieso schon wieder überflüssig.

„Aber wenigstens ein paar kleine Anmerkungen sind erlaubt“, entgegnete sie ihm. Ihre Augen verharrten einige Sekunden lang an seinem Gesicht. Er hatte süße Hamsterbacken, auch, wenn diese mit einem Bart verdeckt wurden. Raquel hatte Sergio noch nie ohne Bart gesehen. Aber Erzählungen nach sah er komisch aus ohne Bart.

„Ist ja gut. Ich weiß ich bin komisch Raquel“, meinte er ruhig, eher er seine Freundin über die Straße zog. Wie viel Geld McDonalds schon durch Raquel gemacht hatte?

„Schön, dass du es auch endlich verstanden hast“, murmelte Raquel. Niemand war komischer als Sergio. Manchmal schon wirke Andrés, Sergios Bruder, normaler als Sergio.

„Ich bin stolz auf mich. Deswegen lade ich dich zum Essen ein“, flüsterte er plötzlich ganz nah an ihrem Ohr. Raquel schrie auf. Das hatte sie definitiv nicht erwartet.

„SERGIO! Hör auf das immer zu machen!“, ihre Hand schlug leicht gegen seine Schulter. Sergio konnte sich ein Lachen nicht unterdrücken.

„Sonst was? Gibst du mich zur Adoption frei?“

„Ja. Genau das würde ich tun aber die nehmen dich leider nicht mehr zurück. Selbst dein Psychologe ist überfordert mit dir.“ Raquel musste die Augen rollen als sie das sagte.

„Du bist mein Psychologe. Ich habe dir gesagt, dass, wenn ich zu anstrengend werde, du einfach auflegen oder gehen kannst“, seine Augen musterten sie aufmerksam. „Aber dann weinst du und wenn du in meinem Bett liegst kann ich dich nicht rauswerfen“, meinte Raquel ernst.

Raquel betrat als erste den McDonalds. Es war wie immer voll, aber den ersten Kiosk den sie sah, wurde von ihr eingenommen. Schnell schon landeten Burger, Nuggets, Käsenuggets und Pommes mit Soßen im Warenkorb. Während Raquel immer wieder Sachen auswählte, nutzte Sergio die Zeit um sich die Kalorien im Kopf zusammen zu rechnen. Raquel müsste laut seinen Berechnungen schon Diabetes haben oder viel zu stark übergewichtig sein. Auch wenn es ihm manchmal suspekt vor kam was sie tat, er würde sie immer wieder sofort zu seiner festen Freundin machen. Keine Frage.

„Das ist schon fast gefährlich für die Menschheit. Diese Mengen sollten echt verboten werden“, merkte er am Rande an, als er sich eine kleine Packung Nuggets und einen einfachen Cheeseburger bestellte.

„Gar nicht.“

„Raquel, das sind fast 8000 Kalorien. Das isst doch kein Mensch als Abendessen“, Sergio stupste seine Brille nach oben, die durch das viele Schauen auf das Display herunter gerutscht war.

„Aber ich habe ja auch noch einen Mitternachtssnack geplant, Frühstück, Mittagessen. Für die erste kleine Lernpause brauch ich auch etwas“, sie zog eine Augenbraue nach oben. Was fiel Sergio ein ihr Essen zu kritisieren? Er sollte sie mittlerweile schon gut genug kennen um zu wissen, dass sie immer viel bestellte.

„Ich sage einfach nichts mehr dazu. Du müsstest mindestens 13 Stunden Sex haben um diese ganzen Kalorien zu verbrennen.“

Raquel sah auf. Was hatte er gerade gesagt? Die Information war zwar willkommen aber dass so etwas von ihm kam, war neu. Erstmal wusste sie nicht, was sie sagen sollte. In ihrem Gehirn spielten die Wörter verrückt. Wollte er Sex mit ihr haben? Sie waren doch nur Freunde. Raquel war seit fast einem Jahr glücklich vergeben.

„Verzeih meine Aussage. Ich wollte dich nicht verstören. Du kannst natürlich Alberto anrufen und 13 Stunden mit ihm Sex haben, aber mir fiel gerade kein besserer Vergleich ein“, gab er zu. Ah. Ja klar, ausgerechnet bei ihr fiel ihm kein besserer Vergleich ein, nachdem er sie über Minuten hinweg angestarrt hatte. Manchmal war sich die zukünftige Inspectora nicht so sicher, wenn ihr bester Freund sagte, dass er nicht auf die stand.

„Das hatte ich jetzt nicht vor, aber das ausgerechnet dir kein besserer Vergleich einfällt wundert mich schon.“ Raquel zog eine Augenbraue in die Höhe. Sergio hatte manchmal schon komische Einfälle.

„Ich bin müde, lass uns bezahlen und dann wieder in dein Zimmer. Vielleicht sollte ich in der Nacht mehr schlafen“, merkte Sergio wieder an. Vielleicht war er aber auch einfach nervös, weil er sich im Kopf vorgestellt hatte, wie er mit Raquel 13 Stunden Sex haben würde. Alberto zerstörte seine Vorstellungen. Aber irgendwie war es auch Sergios Schuld gewesen.

„Auch das ist mir neu. Du schläfst doch nie wirklich mehr als vier Stunden“, meinte Raquel ruhig. Sie bezahlte mit seiner Karte und stellte sich vor den Tresen, um die Bestellung, sobald sie fertig war, in Empfang zu nehmen.

„Manchmal braucht man eben mehr Schlaf. Wir könnten doch eine kleine Pyjamaparty machen. Naja, ohne Party. Aber mit Pyjama! Der Pyjama ist sehr wichtig!“, meinte Sergio schnell. Fast hätte er sich verschluckt, was absolut nicht von Vorteil war, wenn man nervös neben der Frau stand, in die man sich verguckt hatte, welche man aber niemals bekommen würde. Sergios Herz raste schon genug.

„Natürlich ist der Pyjama wichtig, ich würde ihn dir auch nie wegnehmen. Ich weiß doch, dass du ohne diesen Pyjama schlafen könntest.“

„Da hast du Recht. Ich kann ohne Pyjama wirklich nicht schlafen. Einmal war ich die ganze Nacht wach, weil ich vergessen habe meinen Pyjama einzupacken. Dann konnte ich nicht mit Andrés‘ Schlafanzug mich ins Bett legen“, meinte Sergio leise. Er war erwachsen, dennoch hing er sehr an seinem Schlafanzug. Oder eher Schlafanzüge, die er alle nach Farben geordnet, fein säuberlich zusammengelegt in seinem Schrank liegen hatte und nach genau sechs Tagen wechselte. Dann immer nur, wenn er am Abend duschen war, damit ja kein Dreck in einen frischen Pyjama kam, auch, wenn er gar nicht dreckig oder verschwitzt war.

„Ich weiß. Andrés hat mir das so oft erzählt. Aber gut, ab in mein Bett, auch, wenn deines viel ordentlicher ist und wir da sicher besser den Abend verbringen können“, grinste Raquel unschuldig.

„Deswegen gehen wir ja auch in dein Zimmer. Damit ich kein Chaos habe und nicht mein Bett neu überziehen muss, weil du Soße oder Cola auf meinem Bett verschüttest. Ich musste das letzte Mal drei Nächte auf meinem Teppich schlafen, weil mein Bett dreckig war“, meinte Sergio grummelig. Es war wirklich so. Raquel hatte etwas verschüttet. Daraufhin hatte sich der Student einen Platz auf seinem Teppich gesucht, damit er nicht auf einem Fleck schlafen musste. Aber diese Logik würde man nie verstehen, wenn man nicht Sergio Marquina war.

Sergio suchte in Raquels Zimmer einen Platz, während diese Bücher und Hefte in eine andere Ecke pfefferte, damit sie neben ihrem besten Freund auch noch Platz hatte. Um Sergio nicht ganz so nervös zu machen, besorgte sie sich aus seiner Wohnung, die zwei kleinen Tische, die man ins Bett stellen konnte, damit man zum Beispiel seinen Laptop darauf platzieren konnte. Auf das stellte sie das Essen, teilte es auf beide gerecht auf und machte anschließend einen guten Film an, den sie mit Sergio schon immer schauen wollte. Während Sergio auf literarische Filme stand und sich eher mit Wissenschaft beschäftigte, schaute Raquel am liebsten Horror. Das, was Sergio gar nicht konnte. Davon konnte er oft die ganze Nacht nicht schlafen. Ja, er wusste, dass es nicht real war, aber schlafen konnte er dennoch nicht.

„Bald ist das Semester zu Ende“, murmelte Sergio, als Raquel neben ihm Platz genommen hatte und sich in die Kissen kuschelte.

„Stimmt. Wir haben nur mehr zwei Wochen Vorlesungen. Dann ein paar Wochen lernen und schon sind wir fertig mit der Universität“, meinte Raquel ruhig. Ihre Augen musterten seine. Liebevoll. Man wie sehr sie die Abende mit Sergio vermissen würde.

„Wirst du die Universität vermissen?“, fragte er leise weiter. Lernen war Sergios Leben, wortwörtlich. Besonders durch die lange Zeit die er im Krankenhaus verbracht hatte, war Lernen sein bester Freund geworden. Es war so ziemlich die einzige Beschäftigung die er ohne Probleme machen konnte, aber das hatte bald ein Ende, weil es in diesem Sinne bald nichts mehr zu lernen gab.

„Das Lernen und die Vorlesungen nicht, aber ich werde dich vermissen. Die Zeit mit dir in der Bibliothek. Die vielen Gespräche an den ganzen Orten, die wir in den letzten Jahren für uns gefunden haben“, murmelte Raquel leise. Klar, der Kontakt zu Sergio würde halten. Zumindest dachte sie es, aber dennoch war es eine neue Situation. Sergio, der nach San Sebastian zog und dann wieder etliche Kilometer weit weg war. Das war schon jeden Sommer schlimm genug, wenn er nach Hause zu seinem Bruder fuhr, während Raquel den Sommer in Madrid bei ihrer Mutter verbrachte.

„Ich auch. Das wird komisch, wenn du nicht mehr… fast nebenan bist. Und ich nicht einfach so kommen kann um mit dir zu lernen“, lachte er leise als Antwort. Auch er schaute die zukünftige Inspectora an. Ein Arm legte sich um ihren dünnen Körper. Im Vergleich zu Sergio, hatte sie kein Gramm Fett an sich. Sie war ein pures Muskelpacket. Da fühlte sich Sergio manchmal wie ein Schwabbel. Okay, er wurde so manchmal auch liebevoll genannt.

„Ich komme dich besuchen. Vielleicht habe ich ja irgendwann mal einen Fall der bis nach San Sebastian reicht. Dann will ich aber in deinem Bett schlafen“, lachte Raquel leise weiter. Die Vorstellung, dass sie Sergio und seinen Bruder besuchen würde gefiel ihr. Andrés und sie hatten eine Hassliebe zueinander. Einerseits hassten sie sich, andererseits war Andrés heile froh, dass Sergio nicht alleine war. Obwohl er technisch gesehen keine Freundin hatte. Aber eine beste Freundin, die ihn in jeder Situation unterstützte.

„Das will ich glaube ich nicht. Dann bestellst du dir die ganze Zeit Essen, dann muss ich jeden Tag mein Bett überziehen“, lachte Sergio auch. Etwas fester drückte er seine beste Freundin an sich.

„Vielleicht werde ich aber auch kriminell und wir sehen uns dann wieder, wenn ich bei dir auf die Wache komme, nachdem ich verhaftet wurde“, sagte Sergio anschließend weiter. Raquel hob den Kopf etwas an, um ihren besten Freund besser zu sehen.

„Bitte? Dann schlage ich dich eher bis du weinst. Du wirst sicher nicht kriminell wie dein Bruder, Sergio. Kommt doch nicht in Frage. Ich dachte ich habe dich gut erzogen“, meinte sie ernst. Ja, Andrés tat die ein oder andere Sache, die nicht okay war. Da man es ihm nicht nachweisen konnte, tat auch keiner was dagegen.

„Schade, ich dachte es funktioniert. Dann werde ich eben doch Lehrer und unterrichte dann deine Tochter. Du kannst sie ja zu mir schicken. Ich schicke sie dir dann in den Ferien wieder“, schlug Sergio vor. Okay, das war möglich aber wer traute Sergio schon ein Kind an? Sicher nicht Raquel, die wusste wie ihr Freund tickte.

„Du vergraulst jedes Kind. Ich sag nur Nachhilfe. Dieses Kind war drei Tage lang verstört und die Mutter wollte dich anzeigen. Das kannst du nicht machen Sergio. Ich musste mit der, die ganze Zeit telefonieren um ihr Kind zu beruhigen“, meinte Raquel, um seinen Vorschlag, Lehrer zu werden, abzulehnen.

„Wenn sie es nicht versteht nachdem ich es ihr vier Mal erklärt habe, ist das ja wohl auch nicht mehr mein Problem. Dann habe ich halt gesagt, dass ich ihren Teddy klaue und sie ihn erst wieder bekommt, wenn sie die Aufgaben alle richtig berechnet hat“, erklärte sich Sergio weiter. Er hatte seine Mittel Menschen etwas beizubringen, auch, wenn sie pädagogisch gesehen nicht sinnvoll waren.

„Das kannst du aber bei mir machen. Ich habe kein Problem damit, wenn du mir mein Essen wegnimmst. Aber doch nicht bei einem Kind“, meinte Raquel ernst.

„Es tut mir leid. Das war einmal“, fing Sergio seine Entschuldigung mit einem Grinsen auf dem Gesicht an, hörte aber nach kurzem Überlegen auf zu grinsen., „Ich werde diese Zeit mit dir vermissen.“

„Glaub mir, ich vermisse sie jetzt schon, dabei haben wir unseren Abschluss noch gar nicht bekommen“, meinte Raquel leise. Bald würde sie mit Alberto in eine Wohnung ziehen.

„Bist du immer noch glücklich mit Alberto? Ich will, dass es dir gut geht, wenn ich nicht mehr in Madrid bin. Alles andere würde ich mir nie verzeihen“, flüsterte Sergio jetzt. Er war nah an ihrem Ohr, also brauchte er gar nicht lauter reden, zudem wusste Raquel, dass er ein Problem mit Alberto hatte oder ihn zumindest nicht so mochte, wie es andere taten.

„Bin ich Sergio. Wirklich. Und ich weiß, dass du immer da sein wirst und dass ich dich bei jedem Problem anrufen kann. Das schätze ich an dir. Genauso wie du dich auch immer auf mich verlassen kannst. Wir sind ja nicht tausende Kilometer entfernt und können miteinander regelmäßig telefonieren“, meinte Raquel ebenso leise. Sie wusste, dass es ihm weh tat, wenn sie über ihrem Freund sprach.

„Wir machen das Beste aus den nächsten Wochen. Ich helfe dir bei deinem Umzug in deine Wohnung noch, bevor ich nach San Sebastian fahre“, schlug Sergio vor. Mit ihm konnte das nur witzig sein. „Wetten, du hast schon einen ganzen Plan wie mein Umzug aussehen soll?“, grinste Raquel ihn plötzlich an. Ertappt nickte er. Natürlich hatte Sergio das. Es war ja schließlich seine Persönlichkeit die da zum Vorschein kam.

„Wusste ich es doch. Aber weißt du, du wirst sicher mit deinem Bruder mal herkommen, dann unternehmen wir was zusammen. Zeit ist begrenzt. Die Universität ist auch nur eine Phase in unserem Leben. Distanz ist kein Abschied für immer, sondern nur ein Weg den wir zurücklegen müssen. Außerdem reisen wir nicht mehr mit Pferden durch die Prärie. Ich habe dich lieb Sergio. Bitte weine also nicht, wenn ich meinen Abschluss bekomme“, lachte Raquel leise. Eine Träne bildete sich in ihrem Auge. Okay, vielleicht würde der Abschied schwerer fallen als gedacht. Schließlich weinte die zukünftige Inspectora schon beim Gedanken an den Abschied.

„Glaub mir, ich habe dich mehr lieb als du es dir vorstellen kannst. Zudem bin ich die Frau in unserer Freundschaft, da darf ich weinen“, meinte Sergio leise. Raquel nickte. Ihr Kopf fand auf seiner Schulter einen Platz zum Ruhen. Immer wieder nahm sie einen Bissen ihres Burgers oder eines Nuggets, aber ansonsten genoss sie die Ruhe die beide erzeugten und natürlich genoss auch den Netflix-Film.
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