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Fenster zur Freiheit

Kurzbeschreibung
OneshotSchmerz/Trost / P12 / Gen
06.09.2020
06.09.2020
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Ich guckte aus dem Fenster. Ich erhob meine zitternde Hand und berührte den eisigen Griff. Wie schön kalt er war! Sofort presste ich meine heiße und bestimmt nun auch angeschwollene Backe gegen. Mich überkam ein schwindel Gefühl, doch ich ignorierte es. Mein Kopf tat immer noch erbärmlich weh und auch die Blutergusse an meinen Armen vom Tag zuvor waren noch nicht verschwunden. Doch auch diese Schmerzen versuchte ich mit anderen Gefühlen zu überspielen. Ich konzentrierte mich allein auf meine Backe, die ich immer noch mit dem Griff des Fensters zu kühlen versuchte. Doch das schwindel Gefühl gab nicht nach. Im letzten Augenblick schaffte ich es noch rechtzeitig, mich mit den schwachen Händen an der Fensterbank festzuhalten, so landete ich nicht direkt auf meinem Steißbein, sondern in der hocke, die Hände an der Kante der Fensterbank. Doch obwohl meiner Reaktion spürte ich neuen Schmerz. Ich setzte mich unsanft auf den Boden und betastete meinen Rücken, so gut es ging. Der Schmerz war nicht schlimm, eher nur ein kribbeln, doch trotzdem wusste ich, dass dieser Kratzer lange Zeit zum Heilen brauchen würde.

Ich musste mich gar nicht nach dem Objekt, woran ich mich gestoßen hatte, umsehen, denn in dem kleinem Raum kam eh nur eine Sache zur Verfügung. Es war der kleine, abgenutzte Schreibtisch meines kleinen Bruders, welcher früher einmal mir gehörte. Schon immer hatte ich ihn wegen den ganzen Kratzern und Kritzeleien auf dem Holz verabscheut. Doch das schlimmste waren die spitzen Ecken. Viele Male habe ich mir bereits das T-Shirt oder einen Pulli aufgeschlissen und im Gegenzug Schläge und Prügel erhalten, bis auch meine Mutter begann mit mir zu schimpfen.

Damit meinem Bruder nicht das selbe Schicksal geschah, hatte ich sie mit Panzertape abgerundet, jedoch war genau hier an dieser Ecke eine abgefallen.

"Scheiß Tisch!", murmelte ich verzweifelt, und eine Träne kullerte mir leise die Wange herunter. Ich wusste nämlich genau, dass ich mir das tape von meinem Vater irgendwie klauen musste, um dies zu reparieren. Das Problem dabei war, dass er so eine Unordnung hat, das er selbst nicht wusste, wo etwas war. Im schlimmsten Fall könnte dies Stunden dauern.

Ich stützte mich an der Kante des Tisches und erhob mich langsam, um nicht noch einmal das Gleichgewicht zu verlieren. Ich blieb eine Sekunde wartent stehen und atmete tief ein und aus. Erst die eine, dann die andere Hand bewegte ich langsam zu der Fensterbank. Nachdem der Schwindel vorbei war, erinnerte sich meine Backe wieder, dass sie verletzt war, und weh tun musste. Doch der Griff war nicht mehr kalt, was ich leider feststellen musste. Im Gegenteil, er fühlte sich nun in meiner Hand warm an. Ich seufzte. Mit einem Ruck, der mich fast von den Beinen gerissen hätte, öffnete ich das Fenster und guckte hinab in die Tiefe. Ich befand mich im 7 Stock eines Hochhauses in Münster. Bestimmt wäre der Flug hinab auf den Fußgengerweg befreiend und schön. Keine Schule, für die man lernen muss und weinend mit dem Vater Mathe machen muss, weil er mit einem für die Arbeit lernen möchte und einem Aufgaben, für die Oberstufe stellt, keine blöden Lehrer, die Lieblings schüler haben und einem nur wegen den Anziehsachen kritisieren. Keine Schläge und Backpfeifen mehr und das Wichtigste: Keinen Vater. All diese Sachen wären in diesem Augenblick egal. Nur der Wind, der mir gegens Gesicht peitschte, und die Freiheit von all dem Elend.

Ich setzte mich auf die Bank und ließ meine Beine aus dem Fenster baumeln, was mir viele angsteinflößende Blicke kassieren ließ. Doch das war mir schon lange egal gewesen. Sollten sie sich doch um ihren eigenen Kram kümmern, ihr wunderschönes, ruhiges Leben genießen.

Gerade ging ein Kleinkind, vielleicht 4 oder 5 Jahre alt, jedoch war ich noch nie sonderlich gut im Schetzen gewesen, Hand in Hand mit seinen Eltern spazieren. Es lächelte und lachte ab und zu laut und schrill auf. Mir huschte ein Lächeln über das Gesicht. Wie schön es gewesen wäre, hätte ich doch diese glückliche Kindheit gehabt. So... wunschlos, farbenfroh! Doch leider war ich schon damals zu klug, zu aufmerksam und auch kombinieren konnte ich, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zuging.

Seit dem Augenblick, wo ich endlich verstand, was hier vorging, konnte ich an nichts anderes mehr denken. Von einem Tag auf den anderen war aus dem glücklichen, süßen und ja, manchmal auch frechen Grundschulkind, ein dukles, nachdenkliches und ruhiges Mädchen geworden. Aber nur von den innerlichen Werten her. Keiner ahnte, was in mir vorging. Nicht meine Eltern, nicht meine Lehrer, nicht meine Freunde. Denn von außen, war ich immer noch das kleine fröhliche Kind geblieben, welches mich im inneren schon längst verlassen hatte.

Doch nie, nie hätte ich früher geahnt, wie schlimm es war, es selbst zu erleben. Den ganzen Schmerz, die Verzweiflung, die Depressionen.

Ich hatte nicht bemerkt, wie ich mit dem Weinen anfing. Meine gesamten Wangen waren nun feucht von den vielen Tränen. Das Kind war schon längst verschwunden. Es ist weiter gelaufen. Glücklich. Ohne Probleme, ohne Depressionen.

Wie leicht es jetzt wäre. Ich müsste mich nur einmal abstupzen. Und dann wäre ich frei. Für immer.

                    .・゜゜・ .・゜゜・.・゜゜・    

Hallo!
Sorry, dass so lange keine neu Geschichte kam. Diese blöde Schule : / Ich versuche nächste Woche noch mindestens 1 kapitel hochzuladen. Allgemein denke ich, dass ich am Wochenendde mehr hochladen werde, da ich ja mehr Zeit habe.
Ich weiß noch nicht genau, ob ich diee Geschichte noch weiter schreibe, oder sie als Oneshot lasse. Könnt ihr, wenn ihr wollt, in einem Review schreiben, ob ihr noch weiter Leiden sehen wollt, oder ob dieses offene Ende gut ist. Natürlich könnt ihr direkt Kritik oder Lob dazuschreiben XD
Eine schöne Woche
Schatti
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