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Someone Will Remember Us

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Montgomery de la Cruz
06.09.2020
22.11.2020
30
99.640
3
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Dieses Kapitel
1 Review
 
20.11.2020 3.551
 
Guten Abend ihr Lieben!



Es tut mir unfassbar leid, dass das neue Kapitel heute erst so spät kommt. Ich musste aufgrund des Weihnachtsgeschäfts, das bei mir auf der Arbeit Anfang dieser Woche richtig angelaufen ist, von 9 Uhr bis 19 Uhr arbeiten und bis ich zuhause war und gegessen hatte… Deshalb habe ich es leider einfach nicht früher geschafft...

Ich kann gar nicht glauben, dass wir schon beim vorletzten Kapitel sind. Wahnsinn!

Jetzt bin ich einfach nur müde und will gar nicht mehr viel sagen, außer, dass ich mich wieder sehr für eure Rückmeldungen bedanke. :-)

Habt viel Spaß mit dem neuen Kapitel und macht euch noch einen schönen Abend.

Wir lesen uns Sonntag wieder, zum letzten Kapitel von SWRU… :-(

Liebe Grüße

eure Anja

_________________________________________


Kapitel 29: Besser zusammen


Benji scheint der einzige zu sein, dem meine roten Fingerknöchel auffallen, als ich zurückkomme. Zum Glück kommentiert er es nicht, er grinst nur vor sich hin.

Schweigend esse ich auf und wage es nicht einmal, zu Winn oder Benji aufzusehen. Winn versucht auch nicht, mich zum Reden zu bringen, aber wir müssen uns unterhalten.

Ich bedanke mich bei Winns Familie dafür, dass ich kommen durfte und Winns Augen folgen mir, als ich aufstehe.

„Warte, wohin gehst du?“, fragt er mich und sieht bestürzt darüber aus, dass ich ihn verlassen würde.

„Ich sollte zurück zu Scott fahren“, sage ich und er hebt die Augenbrauen.

Bitte, sag mir, dass ich bleiben soll. Bitte, sag mir, dass du mit mir reden musst. Bitte, lass mich nicht einfach gehen. Werde meiner nicht überdrüssig.

„Kannst du noch ein paar Minuten bleiben?“, fragt er und ich will lächeln, weil er mich nicht gehen lässt.

Lucas hat unrecht. Er wird mich nie leid werden.

„Okay“, sage ich leise und er steht langsam von seinem eigenen Stuhl auf. „Ich denke, ich kann noch ein bisschen länger bleiben.“

Ich bleibe die ganze Nacht lang, wenn er mich darum bittet.

Er legt seine Hand auf meinen Ellbogen und führt uns aus dem Esszimmer. Keiner fragt uns, wohin wir gehen, aber ich sehe, dass Benji hinter seinen unordentlichen dunklen Haaren vor sich hin grinst.

Er nimmt die Hand von mir, sobald wir bei der Treppe sind und ich habe keine Ahnung, warum wir hochgehen, aber es macht mir nichts aus.

Ich denke immer noch an das, was Lucas mir erzählt hat. Hat Winn versucht, über mich hinwegzukommen? Oder hat er versucht, mich zu ersetzen? Ich vermute, ich werde es bald herausfinden.

Er seufzt, sobald wir eines der Zimmer betreten. Es sieht aus wie das Elternschlafzimmer und er schließt die Tür hinter uns.

„Ich habe Lucas nicht eingeladen“, erklärt Winn mir sofort, als hätte er es den ganzen Abend zurückgehalten.

„Okay“, sage ich ruhig. Ich glaube ihm. Er ist nicht dumm, er würde uns nicht beide einladen.

„Ich habe nur dich eingeladen. Das ist alles“, fährt er fort, nur für den Fall, dass ich ihm nicht wirklich glaube. „Ich wollte nur dich hier haben.“

Langsam nicke ich und seufze dann. Er hat mich hier haben wollen. Aber er will auch, dass wir Freunde bleiben.

„Was – was machen wir eigentlich?“

Er sieht mich mit zusammengezogenen Augenbrauen und gerunzelter Stirn an. „Was meinst du?“

„Ich meine…“ Ich seufze und fahre mit einer Hand durch meine Haare. „In der einen Minute willst du, dass wir Freunde sind, und in der nächsten sagst du so etwas. Ich weiß nicht, was ich denken soll.“

„Okay, du willst über „verwirrend“ sprechen?“, sagt er und hebt die Augenbrauen. „Was war das? Du küsst mich auf die Wange und ignorierst mich anschließend bis zum Abendessen. Und glaub nicht, ich hätte nicht bemerkt, dass sich die Farbe deiner Fingerknöchel verändert hat, nachdem du Lucas „zur Tür gebracht“ hast.“

Ich habe dich ignoriert?“, frage ich nach und schnaube. Ich hoffe, dass er sich nicht näher nach den anderen beiden Dingen erkundigt, die er erwähnt hat.

„Wie steht es denn mit dem Kuss?“, will er wissen und sieht plötzlich nervös aus. „Was zur Hölle war das?“

„Wolltest du, dass ich dich richtig küsse?“, will ich von ihm wissen und seine Augen huschen automatisch zu meinen Lippen. Scheiße, wir sollen uns aussprechen. Wir sollen uns nicht küssen wollen.

„D-das habe ich nicht gemeint“, stammelt er und wendet den Blick von mir ab.

„Können wir einfach auf diesen ganzen „Freunde“-Mist scheißen?“, frage ich ihn. Benji hat es selbst gesagt, es ist ermüdend und anstrengend, so zu tun, als wolle ich ihn nicht jede Sekunde eines jeden Tages.

Einen Moment sieht er so aus, als wolle er mir zustimmen, aber dann seufzt er. „Ich… Ich habe Angst, okay?“

Fragend hebe ich eine Augenbraue. „Angst?“

Angst? Vor mir?

„Ich… Ja! Angst“, wiederholt er und seufzt dann tief. „Ich habe Angst, weil… ich werde mich in… uns verlieren und anfangen, zu glauben, dass wir tatsächlich etwas sein können, aber… ich habe Angst, dass du– dass wir es wieder vermasseln werden.“

„Das werden wir nicht!“, argumentiere ich. Wir wissen beide, dass – wenn es irgendjemand vermasseln wird – ich derjenige sein werde.

Ich weiß, dass ich ihm wehgetan habe. Ich weiß, dass ich ihn verärgert habe. Aber ich will nicht sein Vertrauen verlieren.

„Das kannst du nicht wissen“, stöhnt er und schüttelt den Kopf, während er zu Boden blickt. „Weil, was wird passieren, wenn wir das nächste Mal jemandem wie Ryan begegnen? Wirst du mich wieder zur Demonstration zusammenschlagen?“

Er hat gemeint, dass er mir vergeben hätte… offensichtlich nicht.

„Ich werde dir nicht wehtun“, sage ich und mache einen Schritt auf ihn zu.

Ich habe ihn nie verletzen wollen. Nicht wirklich. Im Hotelzimmer… habe ich ihn bloß von mir stoßen wollen. Und dabei sind wir beide verletzt worden.

„Das kannst du nicht wissen“, wiederholt er leise und starrt nach wie vor auf den Boden.

Ein paar Augenblicke bleiben wir stumm so stehen. Was bedeutet das für uns?

Er will, dass wir Freunde sind. Er will, dass ich seine Familie kennenlerne und dann erzählt er mir, dass er Angst hat, mit mir zusammen zu sein.

„Was wollte Lucas?“, will ich von ihm wissen und er schaut auf, nur um dann wieder wegzusehen.

Ich kann ihn genauso gut zu der Liste mit den Dingen hinzufügen, über die wir reden müssen.

Er zuckt mit den Schultern und ich schnaube.

„Er… er wollte nur reden“, meint er vage und ich hebe meine Augenbrauen. „Über… Dinge. Er… er wollte mehr als Freunde sein.“

Ich schlucke, als er zu mir aufsieht, und wir halten Blickkontakt. „Und du? Willst du mehr als nur sein Freund sein?“

Ich kenne die Antwort bereits. Er hat Lucas abgewiesen, deshalb ist er so verärgert gewesen. Aber ich will, dass er es sagt.

„Nein“, sagt Winn und schüttelt den Kopf. Dann lächelt er. „Muss immer noch irgendwie über diesen einen Kerl hinwegkommen. Hat mich wirklich fertiggemacht.“

Hinwegkommen? Ich will nicht, dass er über mich hinwegkommt. Das kann er nicht.

Aber er gibt mir nicht die Zeit, ihm mehr Fragen über Lucas zu stellen, weil er erneut spricht.

„Warum hast du ihn geschlagen?“, fragt er mich und deutet auf meine Knöchel.

Ich schaue weg und berühre gedankenverloren die wunde Stelle an meiner Hand. Ich habe ihn geschlagen, vielleicht seine Nase gebrochen, und er hat mich weggeschubst und ist aus dem Haus gerannt, wobei er immer noch eine Hand an seine Nase gehalten hat. Ich würde es wieder tun.

Winn wartet immer noch auf eine Antwort und ich verdrehe die Augen. „Er hat nur… etwas gesagt, was mir nicht gefallen hat.“

Winn will Lucas nicht. Ich muss nicht wissen, was Lucas bei ihm zuhause gemacht hat, warum sie miteinander abgehangen haben, ob er versucht hat, mit ihm zu schlafen…

Nichts davon ist wichtig.

Wir haben beide Dinge getan, auf die wir nicht stolz sind.

Er macht noch ein paar Schritte auf mich zu und berührt leicht meine Hand, bevor er das Gespräch wieder aufnimmt.

„Du solltest dein Temperament zügeln“, sagt er zu mir, während sein Daumen über meine roten Fingerknöchel streichelt. Dann seufzt er und blickt zu mir auf. „Was machen wir jetzt?“

Es ist offensichtlich, dass diese „Freunde“-Sache nicht funktionieren wird. Voneinander getrennt zu sein, ist keine so gute Idee, aber zusammen zu sein… Ich glaube nicht, dass einer von uns dafür schon bereit ist.

„Wir könnten…“, sage ich und konzentriere mich auf seine Finger, die meine Haut berühren und dafür sorgen, dass mein Herz gegen meinen Brustkorb hämmert.

„Wir könnten… zu mir nach Hause fahren. Reden.“

Reden.

Aber ich vertraue mir nicht in seiner Nähe. Er und ich in seinem Schlafzimmer? Reden?

„Ich denke nicht, dass das eine gute Idee ist“, erkläre ich ihm und ziehe meine Hand aus seinem Griff.

Er lacht leise. „Seit wann ist auch nur eine unserer Ideen gut?“

Aber ich kann das nicht tun. Nein, ich kann nicht hier stehen und nur mit ihm sprechen.

Vielleicht sind wir noch nicht bereit, zusammen zu sein, aber das bedeutet nicht, dass ich ihn weniger will.

Ich atme tief ein, aber es hilft nicht wirklich, meinen Herzschlag zu verlangsamen.

„Ich sollte gehen“, sage ich leise und mein Hals ist so trocken, dass ich mich selber kaum hören kann. „Wir sehen uns?“

Er nickt und ich kann nicht anders, als zu bemerken, dass er ein wenig enttäuscht aussieht. Er will sich wirklich aussprechen.

Lucas hat unrecht. Er wird meiner nicht überdrüssig. Er wird nicht zu einem anderen Kerl wechseln.

Er wird immer mich wählen.

***


Ich habe die ganze Nacht nicht schlafen können.

Ich habe nur an ihn denken können. Was wäre passiert, wenn ich mit zu ihm nach Hause gefahren wäre? Hätten wir nur geredet?

Er hat ehrlich geklungen. Er hat wirklich reden und das zwischen uns in Ordnung bringen wollen.

Ich höre Schritte, die die Treppe hochkommen. Scotts Schritte.

Er hat mich gefragt, wie es gelaufen ist, was passiert ist und wen ich geschlagen habe, als ich letzte Nacht zurückgekommen bin.

Ich habe ihm kurz berichtet, was passiert ist, während wir im Bett lagen, und er hat geduldig zugehört. Er hat mir zugestimmt, dass es vielleicht nicht so klug gewesen wäre, mit Winn abzuhauen. Ich habe das Richtige getan.

„Endlich, du bist wach“, meint er, als er ins Zimmer kommt. Das bin ich die ganze Nacht lang gewesen.

Ich ächze und drehe mich von ihm weg. „Ich schlafe.“

„Nein, tust du nicht“, sagt er und ich spüre, wie die Bettdecke von mir weggerissen und mein Körper sichtbar wird. „Steh auf, Monty.“

Erneut ächze ich auf und versuche, mein Gesicht im Kissen zu vergraben. Scotts Seite.

„Monty. Auf“, sagt er streng und ich seufze und drehe mich endlich auf die Seite, um ihn anzusehen. „Wir haben Pläne mit Charlie gemacht, erinnerst du dich?“

Oh, verdammt. Das ist heute.

Weihnachtseinkäufe.

Warum habe ich nochmal zugestimmt, mitzufahren?

Scott will nicht mehr warten. Er packt meinen Arm und versucht, mich hochzuziehen.

„In Ordnung, in Ordnung!“, sage ich und setze mich auf, während ich ihn von mir schiebe. „Ich stehe auf. Gib mir nur eine Sekunde.“

Weihnachtseinkäufe. Was eine dumme Idee.

Scott lässt mich alleine in die Dusche gehen, auch wenn er seine Zweifel hat und denkt, dass ich mich dort drin einschließen und Charlie sitzenlassen würde.

Ich lasse das lauwarme Wasser an meinem Körper hinabfließen, während ich an den gestrigen Abend denke.

Warum vermisse ich ihn immer, wenn er nicht in der Nähe ist?

Wir sind keine Freunde.

Wir werden nie Freunde sein.

***


Niemand stellt meine Geduld so auf die Probe, wie Charlie.

„Kauf einfach ein paar Socken. Sicherlich wird er sich darüber freuen“, stöhne ich.

Wir sind die letzte Stunde oder so durch das Einkaufszentrum gelaufen. Der Zweck des Ganzen ist es, Charlie dabei zu helfen, etwas für Alex zu finden, das er ihm kaufen kann, aber wir laufen immer noch herum und er ist der einzige, der noch nichts gekauft hat.

Scott übertrifft sich selbst und kauft Zeug für seine Eltern und Estela. Er hat sich vor einer Weile von uns abgesetzt und ich bin sicher, dass er auch für uns Geschenke gekauft hat, obwohl wir ihm befohlen haben, es nicht zu tun.

Ich habe gehofft, etwas für Winn zu bekommen, aber nichts ist gut genug für ihn und ich will ihm nichts Billiges und Kitschiges besorgen.

„Du bist keine Hilfe“, erklärt Charlie mir, während wir zum hundertsten Mal an diesem Tag durch das Einkaufszentrum laufen. „Ich mag ihn wirklich, Monty.“

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand Alex mögen könnte, aber Charlie hat mir ausgeholfen, daher könnte ich ihm genauso gut helfen.

„Ich bin sicher, dass ihm gefallen wird, was auch immer du für ihn aussuchst“, sage ich und Scott starrt mich an. „Was?“

„Nichts… Nur, ich habe erwartet, dass du einen Witz machst oder so“, meint Scott und ich verdrehe die Augen.

„Er wird erwachsen“, zieht Charlie mich auf und Scott lacht.

„Ja, ja, sehr witzig. Lacht mich ruhig aus“, sage ich zu ihnen.

Aber insgeheim hoffe ich, dass sie recht haben. Vielleicht werde ich erwachsen und das bedeutet, dass wir einen Schritt näher dran sind, zusammen zu sein.

Endlich lässt Charlie uns gehen und meint, er würde alleine nach etwas suchen. Scott schlägt vor, dass wir etwas essen gehen und Charlie erklärt uns, dass er uns in einer halben Stunde treffen wird. Ich bezweifle, dass er in einer halben Stunde etwas finden wird.

„Kumpel, du kannst nicht Mayo und Ketchup mischen“, meint Scott, während er beobachtet, wie ich beides mit meinem Strohhalm miteinander vermische.

„Wieso nicht?“, frage ich ihn. Ich meine, beides ist auf meinem Sandwich und auf die ein oder andere Art werden sie sich ohnehin vermischen.

„Darum. Es ist falsch“, sagt er und ich rolle mit den Augen, während ich meinen Strohhalm sauber lecke. „Nein, weißt du was? Dein erster Fehler war es, Mayo zu nehmen.“

„Mayo ist lecker“, entgegne ich, als ich in mein Sandwich beiße. „Besonders mit Ketchup gemischt.“

Scott sieht angewidert aus, sagt aber nichts mehr, während er sein eigenes Essen isst.

Ich habe gehofft, dass ich ihn bis Montag nicht sehen würde, bis ich das Chaos in meinem Kopf in Ordnung gebracht habe. Bis ich in der Lage bin, mich gelassen in seiner Gegenwart zu benehmen.

Aber er ist hier. Winn ist hier.

Als er eintritt, sieht er mich zuerst nicht und ich höre auf, mein Essen zu kauen. Wenn ich vielleicht genau jetzt aufstehe und zu den Toiletten laufe…

Aber ich bekomme die Chance nicht, weil die Person, die hinter Winn eintritt, mich bemerkt.

„Hey! Schön, dich hier zu treffen!“ Benji zögert nicht einmal, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht an unseren Tisch zu treten.

Winn steht weiter weg. Er wirkt unsicher, was er tun soll, dann folgt er Benji langsam.

Benji setzt sich neben Scott, der verwirrter aussieht, als wir anderen.

„Benji“, stellt er sich Scott vor und hält ihm die Hand hin.

Ich habe Scott von Benji erzählt. Er weiß, wer er ist.

„Scott.“

Sie schütteln sich die Hände und lösen sich voneinander, als Winn herüberkommt.

„Hey“, sagt er und ich rutsche auf, damit er sich neben mich setzen kann.

Er lässt ein wenig Platz zwischen uns, aber neben ihm zu sitzen… hilft mir definitiv nicht, meine Gedanken zu ordnen.

„Winstons Mom hat uns aus dem Haus geworfen“, berichtet Benji und ich spüre Winstons Augen auf mir. Ich weiß, dass Benji nur einen Scherz macht, und er weiß offensichtlich nicht, dass ich tatsächlich aus meinem Zuhause rausgeschmissen worden bin.

„Benji wohnt für eine Weile bei uns“, sagt Winn schnell und will damit das Thema wechseln. „Mom dekoriert für Weihnachten um und wir standen ihr nur im Weg.“

„Ich habe meine Hilfe angeboten. Sie hat eine Lampe nach meinem Kopf geworfen“, erzählt Benji und verdreht die Augen. „Also… sind wir jetzt hier. Wie steht es mit euch?“

„Weihnachtseinkäufe“, erklärt Scott ihm und er nickt zu unseren Tüten, die unter dem Tisch stehen.

Benji grinst. „Cool.“

Ich bemerke, dass Winn mit seinen Fingern unter dem Tisch herumfummelt. Er scheint wirklich nervös zu sein. Ich stupse ihn mit meinem Knie an und er sieht zu mir auf.

„Geht’s dir gut?“, frage ich ihn.

Benji fängt eine Diskussion mit Scott an und Scott scheint es nicht zu stören. Der Kerl kann jedes Gespräch interessant machen.

„Wir können abhauen, wenn du willst“, sagt Winn leise und dann wandern seine Augen zu Benji. „Ich weiß, dass er ein wenig aufdringlich sein kann.“

Ich hebe eine Augenbraue. Benji, aufdringlich? Niemals.

„Es ist in Ordnung“, sage ich. Es ist nicht perfekt, hier auf ihn zu stoßen. Aber zumindest bekomme ich ihn zu Gesicht.

„Ihr zwei, hört auf zu flirten und unterstützt mich hier“, meint Benji und wir drehen unsere Köpfe, um ihn anzusehen. Er rümpft die Nase beim Anblick von Scotts Glas. „Du kannst keinen Orangensaft mit Stückchen mögen. Das ist einfach nur widerlich, Kumpel.“

Okay, also vielleicht ist er ein wenig aufdringlich.

***


Scott und Benji scheinen miteinander auszukommen, auch nach ihrer Orangen- vs. Apfelsaft-Diskussion.

Ich kehre von den Toiletten zurück und bemerke, dass Charlie ihnen etwas erzählt und sie an seinen Lippen hängen.

Er hat viel länger als eine halbe Stunde gebraucht, um sich mit uns zu treffen, aber es hat uns nicht gestört. Die Zeit verfliegt, während wir uns unterhalten, mehr Essen bestellen und noch mehr reden.

„Also, Scott und ich, wir versuchen ihn hochzuheben–“

„Worüber redet ihr?“, sage ich, während ich mich auf meinen Platz neben Winn setze.

Charlie grinst, aber Scott sieht ein wenig unsicher aus.

„Über die Nacht, in der du auf Lukes Couch gekotzt hast“, sagt Charlie und ich verdrehe die Augen, lache aber trotzdem leise. Es ist vermutlich besser, es zu einem Witz zu machen, als daran zu denken, worum es damals wirklich gegangen ist. „Also, wie auch immer, wir versuchen, ihn vom Boden hochzuheben, und er legt sich einfach wieder hin–“

„Komm schon, es war gemütlich“, bringe ich mich mit ein und Winn lacht mich an.

Er muss nicht wissen, wie fertig ich in der Nacht wirklich gewesen bin. Nur wegen ihm.

Charlie fährt fort, ihnen zu erzählen, wie sich das ganze Footballteam um mich herum versammelt und gefragt hat, was zum Teufel mit mir los gewesen ist. Niemand fragt, warum ich überhaupt so besoffen gewesen bin. Diese Details lassen wir aus.

„Also gehe ich aus dem Raum, um Luke zu überreden, ihm nicht in den Hintern zu treten“, sagt Charlie und deutet auf mich, Benji lacht leise. „Luke ist dieser gewaltige Kerl und er–“

Aber Charlie bekommt nicht die Möglichkeit, seine Geschichte zu Ende zu erzählen. Er verstummt mitten im Satz und seine Augen ruhen auf etwas hinter mir.

„Wa–“

Aber ich komme nicht dazu, meine Frage zu stellen.

„Wirst du wieder erpresst, Monty?“

Ich höre den spöttischen Ton und erinnere mich daran, dass dies der Kerl ist, der fast alles kaputtgemacht hat.

Ryan hält an unserem Tisch an und sieht sich um, als versuche er, herauszufinden, wer von uns ihm antworten wird.

Ich denke, ich spreche für uns alle, wenn ich auf Benji wette.

„Willst du was, Junge?“, will Benji von ihm wissen und er sieht Ryan mit erhobenen Augenbrauen an. Das gefällt Ryan nicht.

Ich spüre, wie Winn sich neben mir versteift. Ihn hier zu sehen… es bringt für uns beide keine guten Erinnerungen wieder hoch.

Ich bin nicht sicher, ob Benji weiß, wer dieser Typ ist, aber er hat unsere Gesichter gesehen. Er spürt die Spannung zwischen uns.

„Wollte nur Monty fragen, in welchem Obdachlosenheim er zurzeit wohnt“, meint er und starrt von oben auf mich herab. Er hat genau gewusst, was er tut, als er mit meinem Dad gesprochen hat.

„Warum? Suchst du nach einem Gefährten fürs Etagenbett?“, fragt Benji ihn und Ryan dreht sich sofort, um ihn anzufunkeln.

Scott sieht mich an und dann Winn. Charlie starrt Benji an und Winn hält den Kopf gesenkt.

„Ich weiß nicht, wer zum Teufel du bist, aber–“

„Okay Kumpel, erstens, tritt verdammt nochmal ein paar Schritte zurück. Ich kann deinen Atem bis hier riechen und lass mich dir sagen, es ist nicht angenehm“, sagt Benji und er schafft es, den Blickkontakt mit Ryan zu halten. Er versucht angestrengt, seine Stimme leise zu halten, aber einer der Tische um uns herum fängt an, zu bemerken, dass etwas los ist.

„Ryan, verschwinde verflucht nochmal einfach“, sage ich schlicht, ehe Benji uns in Schwierigkeiten bringen kann.

Einen Moment lang starrt Ryan Winn hat und schaut dann wieder zu mir. „Sprich mich nicht an, Schwuchtel.“

Benji steht von seinem Platz auf, kann aber nicht raus, weil Charlie seinen Weg blockiert.

„Es ist okay, es ist okay“, sage ich rasch. Ich werde ihn nicht schlagen, nicht in der Öffentlichkeit, nicht vor Winn. Ich kann mich beherrschen.

Nach dem, was ich wegen meinem Dad durchmachen musste, muss er sich mehr Mühe geben, um eine Reaktion aus mir herauszubekommen.

Ryan sieht aus, als hätte er einen Schlag erwartet, und er ist nicht der einzige. Winn sieht zu mir auf, genau wie Charlie und Scott.

Ich werde erwachsen. Ich werde mich nicht provozieren lassen.

„War es das?“, frage ich Ryan und langsam weicht er von unserem Tisch zurück, als er erkennt, dass er nichts sagen kann, um mich wütend zu machen.

Benji wirkt wie ein stolzer Dad, als Ryan uns eine Grimasse schneidet und dann mit hoch erhobenem Kopf weggeht.

Ich starre ihm nach und versuche, mich zu beruhigen. Aber mein Herz hämmert nicht wegen dem, was Ryan gesagt hat. Nein, mein Herz hämmert, weil ich eine Hand auf meiner fühlen kann, und es ist das beste Gefühl auf der Welt.
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