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Someone Will Remember Us

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 Slash
Montgomery de la Cruz
06.09.2020
22.11.2020
30
99.640
2
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40 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
13.11.2020 2.170
 
Einen schönen Freitagabend!



Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal sehr für eure Reviews. :-)

Jetzt sind wir schon bei Kapitel 26. Es ist wieder etwas kürzer und wir müssen heute ganz stark sein…

Samstag kommt dann schon wieder ein neues, auf das ihr euch freuen könnt.

Ich bin fast mit Kapitel 5 von der dritten Story der Autorin fertig und arbeite fleißig daran, euch nach der Fortsetzung von SWRU neuen Lesestoff zu geben. ;-)

Jetzt wünsche ich euch – wie immer – viel Spaß beim Lesen.

Liebe Grüße

eure Anja

_______________________________________


Kapitel 26: Das Ende


Ich habe gewusst, dass der Name ein bisschen zu vertraut geklungen hat.

Lucas.

Jetzt erinnere ich mich, dass Winston mir von ihm erzählt hat.

Ich habe die Party vor einer Weile verlassen. Ich habe mir geschworen, heute nicht zu trinken, aber hier bin ich, mit einem Flachmann in der Hand, sitze auf dem Tisch und starre den leeren Bildschirm an.

Der Froschraum. Aber diesmal wird kein Film abgespielt und das Zimmer ist still, mit Ausnahme des Geräuschs der Musik, die von her Party herüberschallt.

Der Sommer ging langsam zu Ende und eines Tages hatten wir beschlossen, die Nacht durchzumachen. Ich war mir sicher, dass er zuerst einschlafen würde, und während die Zeit vorbeigestrich, haben wir uns immer wohler in der Gegenwart des anderen gefühlt.

Um ungefähr zwei Uhr morgens hat er mir von seinem Exfreund berichtet. Lucas.

Lucas, der erste Kerl, der sein Herz gebrochen hat. Der Mistkerl hat Winn betrogen. Was tut er also, indem er wieder mit ihm abhängt?

Vorher habe ich nicht darüber nachgedacht, aber nun kann ich nicht anders, als mich zu fragen, ob ich nur ein Lückenbüßer gewesen bin.

Ich meine, auf der Party hat er damals nur nach jemandem gesucht, den er abschleppen konnte. Jemanden, der ihn von seinem fremdgehenden Ex ablenken konnte. Dieser „Jemand“ bin ich gewesen.

Und nachdem ich ihn verprügelt habe, ist er sicher gewesen, dass wir uns nie wiedersehen würden.

Aber dann bin ich vorbeigekommen und habe mich bei ihm entschuldigt. Und aus irgendeinem Grund hat er etwas in mir gesehen, das ihn dazu gebracht hat, mich kennenlernen zu wollen. Ich wette, das bereut er jetzt.

Der Flachmann ist leer und ich kann mich nicht einmal erinnern, von wem ich ihn habe. Von irgendeinem aus der Mannschaft.

Ich habe gedacht, dass Lucas mein Lückenbüßer gewesen wäre. Ich hätte nicht falscher liegen können.

Ich habe das Licht im Zimmer nicht angemacht. Ich will nicht, dass jemand weiß, dass ich hier bin. Als also die Tür langsam aufgeht, ist das Licht, das vom Flur hereinfällt, fast blendend.

Er steht bloß da in der Tür. Wegen der Dunkelheit kann ich nur seine Umrisse erkennen, aber es reicht, um zu wissen, dass er es ist. Ich kenne jeden Zentimeter seines Körpers.

„Was machst du hier drin?“, fragt er mich und tritt unsicher in den Raum. Er schließt die Tür hinter sich, schaltet aber nicht das Licht an, und wir sitzen ein weiteres Mal still da.

Zuerst bleibt er zögernd bei der Tür stehen, aber dann höre ich ihn seufzen und zum Tisch hinübergehen. Er drückt sich hoch, um sich auf ihn zu setzen.

Homecoming. Er hat da gesessen, wo ich gerade sitze, und ich bin derjenige gewesen, der reingekommen ist.

Ich frage mich, ob er bemerkt hat, dass ich die Party verlassen habe und gewusst hat, dass ich vielleicht hier sein könnte. Oder vielleicht hat er die Feier ebenfalls verlassen wollen und das ist sein sicherer Rückzugsort.

Was auch immer der Grund ist, wir sind beide hier gelandet. Schon wieder.

Ich höre die Stimme von der Dokumentation über den Frosch in meinem Kopf. Ich erinnere mich lieber daran, als an unsere Gespräche hier.

„Ich… brauchte nur ein wenig Ruhe“, sage ich und seufze.

Ruhe. Zeit. Abstand. Ich behaupte, dass ich diese Dinge brauche, aber in Wirklichkeit brauche ich nur eins.

„Hmm“, macht Winn leise. „Warum das?“

Wir sind bereits an diesem Punkt gewesen, wir laufen im Kreis. Was macht es für einen Sinn, sich zu vertragen, wenn wir beide wissen, dass wir es früher oder später sowieso wieder vermasseln?

Ich seufze. Beide blicken wir auf den leeren Bildschirm. Ich habe nichts mehr zu verlieren. Meine Mannschaftskameraden wissen es, meine Familie weiß es, meine Freunde wissen es. Ich habe schon das Einzige verloren, das mir jemals wichtig gewesen ist.

„Versuche irgendwie über diesen Kerl hinwegzukommen“, sage ich und niemand von uns rührt sich. „Hat mich irgendwie abgefuckt.“

Und das hat er. Er weiß nicht, wie sehr er mich abgefuckt hat.

Ich höre Winn leise schnauben. „Ja? Klingt, als wäre er dir wirklich wichtig gewesen.“

Mir wichtig gewesen… So war es wirklich. Nie wieder.

„Ja“, stimme ich zu und räuspere mich. „Habe ihn geliebt.“

Ich muss nicht hinsehen, um zu wissen, dass Winn erstarrt ist.

Dieses eine Wort. Wenn ich es nur früher gesagt hätte, wären wir jetzt nicht hier.

Aber sobald es meinen Mund verlassen hat, bereue ich es. Habe ich ihn wirklich geliebt? Ich fühle mich, als würde ich das Wort missbrauchen. Es sollte nicht für jemandem benutzt werden, den man so sehr verletzt hat.

„H-h-hast du?“, stammelt Winn unsicher und ich bin nicht sicher, ob ich sein rasendes Herz höre oder meins.

Ich zucke mit den Achseln als Antwort. Ich weiß nicht, wie Liebe sein soll, aber was ich für ihn empfinde… So habe ich mich bei anderen nie gefühlt. Nie.

Vielleicht liebe ich ihn, vielleicht denke ich auch nur, dass ich es tue. Es ist nicht so, als wäre es jetzt noch wichtig.

Niemand von uns sagt etwas und ich kann hören, dass die Musik aus der Halle zu einem langsamen Lied wechselt. Aber er ist nicht dort, um mit Blondie zu tanzen. Er ist hier bei mir.

Immer wählt er mich.

„Willst du…“, sage ich und zerreiße die Stille. Ich drehe den Kopf zur Seite, um ihn zum ersten Mal, seit er reingekommen ist, anzusehen. Sofort tut er das gleiche, als hätte er die ganze Nacht nur darauf gewartet, mir in die Augen zu schauen.

„Will ich was?“, will er wissen und seine Augen… Gott, seine verdammten Augen und seine verfluchten Lippen. Ich könnte ihn genau hier küssen, genau jetzt. Aber ich werde es nicht. Es steht mir nicht zu, ihn zu küssen.

„Willst du vielleicht tanzen?“, sage ich, weil – Scheiße – wir sind auf einem Ball und haben die ganze Nacht noch nicht getanzt. Es wäre eine Verschwendung, nicht zu tanzen. Aber er sagt nichts und ich rudere schnell zurück. „Oh, scheiße, tut mir leid. Ich weiß nicht, was ich sage. Ich–“

„Ja“, unterbricht er mich und ich blicke auf, um ein nervöses Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen. „Ich würde gerne mit dir tanzen.“

Meine Hände zittern, während ich versuche, den Flachmann zurück in die Tasche meines Jacketts zu stecken. Ich springe vom Tisch und drehe ihm den Rücken zu, damit er meine bebenden Hände nicht sieht. Er muss nicht wissen, wie sehr er mich aus dem Konzept bringt.

Er steht bereits und wartet darauf, dass ich mich wieder umdrehe. Ich gehe vorsichtig auf ihn zu.

Ich habe noch nie mit einem Kerl getanzt. Mädchen? Ja, Unmengen. Aber ich bin nicht sicher, wo meine Hände hingehören, ob ich führen soll oder ob ich ihm die Führung überlasse.

„Ich, ähm… Wie willst du…“, sage ich, als ich einen Schritt näher an ihn herantrete und runter auf meine Hände blicke.

Die Musik vom Ball ist undeutlich, aber ich kann sie trotzdem hören, auch wenn das Blut, das durch meine Ohren rauscht, lauter zu sein scheint.

Er nimmt meine Hand in seine, bevor ich in Panik geraten kann, und ich erinnere mich an das letzte Mal, als wir Händchen gehalten haben. In der Nacht, als alles perfekt gewesen war. Kurz, bevor ich alles vermasselt habe.

Ich lege meine Hände auf seine Hüften, dann platziert er seine eigenen Hände auf meinen Schultern. Er hat Übung, wahrscheinlich mit Lucas.

Ich bin so froh, dass es fast pechschwarz ist und er mein Gesicht nicht richtig sehen kann. Oder zumindest hoffe ich es, weil – verdammt – ich bin nervös.

Wir schaukeln von einer Seite auf die andere, nicht wirklich sicher, wie das funktionieren soll. Ich versuche, ihn wenigstens eine Armeslänge von mir zu halten, aber er zieht mich näher zu sich. Ich wünschte, ich könnte mich wehren, aber ich will es nicht.

Er legt den Kopf auf meine Schulter und ich verstärke meinen Griff auf seinen Hüften. Ich wünschte, ich könnte mich in dem Augenblick, in dem wir in dem dunklen Klassenzimmer miteinander tanzen, verlieren. Aber ich kann nur daran denken, dass er mit einem anderen hierhergekommen ist und nicht mir gehört.

Ich habe rund eine Million Dinge in meinem Kopf, die ich ihm sagen will, aber keines scheint angemessen zu sein – als würden sie den Moment zerstören.

Nach einer Weile wechselt der Song, aber meine Hände bleiben auf seinen Hüften und sein Kopf bleibt auf meiner Schulter, weil wir beide wissen, dass wir uns mit der Realität befassen müssen werden, sobald wir uns voneinander lösen.

Ich habe ihn immer noch verletzt und er ist nach wie vor mit seinem Ex hier.

Ich atme ein und bin ziemlich sicher, dass er meinen schnellen Herzschlag spüren kann, aber ich kann seinen auch fühlen und glaub mir, seiner ist auch nicht wirklich langsam.

Ich versuche nicht zu bemerken, dass er nicht so richtig nach ihm selber riecht. Der andere Geruch… er ist schwach, aber er ist da. Eine weitere Erinnerung daran, dass er nicht mir gehört.

Der Scheiß ist momentan so verwirrend. Ich wünschte nur, er würde mir sagen, was als nächstes passiert.

Er sagt etwas, seine Stimme ist kaum lauter als ein Flüstern und ich kann so tun, als hätte ich es nicht gehört, aber das habe ich.

„Ich habe dich auch geliebt“, hat er gesagt. Oder zumindest denke ich das. Er könnte genauso gut „Ich liebe dich auch“, gesagt haben, aber wo ist der Unterschied? Beides bedeutet nun nichts.

Und ich weiß nicht, ob es die Art ist, wie er mich hält oder wie ich ihn halte, aber wir wissen beide, dass das hier ein Abschied ist.



***


Das Licht von der Party schmerzt in meinen Augen. Nachdem ich so lange in der Dunkelheit gewesen bin, ist das Licht grell für meine Augen.

Ich weiß, dass ich benommen und verwirrt aussehe, und als Scott mich bemerkt, wirkt er besorgt.

„Hey, wo warst du? Charlie wollte schon eine Suchmannschaft für dich losschicken“, erzählt Scott mir, während er zu mir herüberkommt.

Ich versuche nicht hinzusehen, tue es aber doch. Meine Augen suchen die Tanzfläche ab, während ich nach einem Schopf dunkler lockiger Haare suche. Aber ich finde ihn nicht. Er muss gegangen sein.

Mit Lucas.

Jetzt bereue ich es, nicht gefragt zu haben. Ich hätte ihn fragen sollen. Was macht er mit Lucas? Sind sie nur Freunde oder sind sie…

„Geht’s dir gut?“

Scott legt eine ruhige Hand auf meine Schulter und geleitet mich langsam zurück durch die Türen, durch die ich gerade erst gekommen bin. Weg von der Musik, der Tanzfläche, dem Spaß.

Ich nicke. „Ja. Ich habe nur… mich um etwas gekümmert.“

Scott drückt die Doppeltüren auf und führt mich weiter den Flur hinunter. „Mit… Winston?“

Winston…

Der Typ, der fast mir gehört hat.

Ich nicke, weil ich befürchte, dass meine Augen sich wieder mit Tränen füllen könnten, wenn ich den Mund öffne.

„Habt ihr zwei geredet?“, fragt Scott leise und ich bin froh, dass seine Hand auf meinem Rücken liegt, weil sie das Einzige ist, dass mich gerade zusammenhält.

Wieder nicke ich, während der Kloß in meinem Hals größer wird.

„Und?“, fragt Scott nach. Ich bin nicht sicher, ob er mir eine Reaktion entlocken will oder so, aber…

„Und…“ Meine Stimme verliert sich und ich versuche, die Glasscherben in meinem Hals herunterzuschlucken. „Es ist vorbei. Endgültig diesmal.“

Meine Stimme bricht und ich wende den Kopf vor Scott ab, weil ich es nicht ertragen kann, wenn er mich so sieht. Nicht er. Niemand.

Ich habe ihm immer wieder wehgetan, bis er es nicht mehr ausgehalten hat.

Ich habe nicht gemerkt, wie glücklich ich mich schätzen konnte, ihn zu haben, bis ich ihn verloren habe.

Die Tränen fühlen sich heiß an, während sie meine Wangen hinabrollen, aber sie lassen eine kalte Spur zurück. Es ist mir so verdammt unangenehm.

Ich versuche, sie mit einer Hand wegzuwischen, aber sie werden schnell durch neue ersetzt.

„Es ist okay“, meint Scott leise und drängt mich nicht, ihn anzusehen.

„Ich habe ihm verflucht nochmal gesagt, dass ich ihn geliebt habe, und es hat verdammt nochmal nichts geändert!“ Ich hasse es, wie erbärmlich ich klinge, wie die Tränen meine Wangen hinabrinnen und sich an meinem Kiefer sammeln. Ich benutze meine Schulter, um sie wegzuwischen, und Scott klopft mir auf den Rücken.

„Vielleicht ist es besser so“, sagt er zu mir und versucht unbeholfen, seinen Arm um meine Schultern zu legen, aber ich schüttle ihn ab.

Wie soll das verfickt nochmal besser sein?

Ich will ihn, verdammt. Ich will ihn. Ich will ihn für mich.

Ich will ihn ich will ihn ich will ihn.

Aber er will mich nicht.
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