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Someone Will Remember Us

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 Slash
Montgomery de la Cruz
06.09.2020
22.11.2020
30
99.640
2
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11.11.2020 3.051
 
Hallo zusammen!



Endlich ist es wieder Zeit für ein neues Kapitel. :-)

Ich kann gar nicht fassen, dass es schon das fünfundzwanzigste ist. Wahnsinn, wie schnell die Zeit verfliegt!

Ich hoffe sehr, dass euch auch dieses kleine Stück aus Montys und Winstons Geschichte gefallen wird.

Am Freitag gibt es – wie gewohnt – Nachschub. ;-)

Ich wünsche euch einen schönen Abend.

Liebe Grüße

eure Anja

______________________________________


Kapitel 25: Kreise


„Du willst aber einen Jungen, oder? Kein Mädchen?“

Ich zucke mit den Achseln. Ist das wirklich eine so gute Idee? Mit irgendeinem wahllosen Kerl auf dem Winterball aufzukreuzen, nur um ihn eifersüchtig zu machen? Scott und Charlie finden schon.

Scott hat es aufgegeben, mich dazu zu bringen, mit Winston zu reden. Er hat ihn gestern mit dem blonden Kerl in der Stadt gesehen und wir alle finden, dass es das Beste ist, wenn wir beide weiterziehen. Er hat es schon getan.

Wir sitzen an unserem Tisch in der Mittagspause und blicken uns auf der Suche nach einem potentiellen Date für mich um. Ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Ich will Winston nicht verletzen, aber ich will auch nicht wie ein Versager alleine auftauchen.

„Was ist dem Kerl?“, fragt Charlie und deutet in irgendeine Richtung. Ich schaue nicht einmal hin, ich habe zehn Typen zuvor aufgegeben.

Scott schüttelt den Kopf. „Nee, ich bin ziemlich sicher, dass er mit einem Mädchen geht.“

Charlie ist dagegen, Winston weh zu tun, aber er will auch, dass ich darüber hinwegkomme. Scott will, dass wir es klären, aber wir wissen beide, dass das niemals passieren wird.

Ich kaue weiter auf meinem Sandwich. Alex wird mit Charlie gehen und ich habe keinen Zweifel, dass Winston entweder alleine kommen oder die Party auslassen wird. Vielleicht wird er nur für das Jahrbuch kommen. Ich denke einfach nicht, dass ich es ertragen könnte, ihn mit einem anderen zu sehen.

„Ich würde mit dir gehen, aber…“, sagt Charlie und ich schnaube.

Sicher, mit meinem schwulen Freund aufzutauchen, wird ihn total eifersüchtig machen. Ich habe Winston noch nie eifersüchtig gesehen und ich glaube, es würde viel mehr als Charlie brauchen, um eine Reaktion aus ihm hervorzulocken.

„Ich kann mit dir hingehen“, meint Scott beiläufig.

Ich wohne immer noch bei ihm zuhause. Mittlerweile seit fast zwei Wochen.

Estela hat es gewagt, Dad zu fragen, wann ich wieder nach Hause kommen könnte. Er meinte, er hätte keinen Sohn, der zurückkommen könnte – nicht mehr. Ich habe gelacht, als sie es mir erzählt hat, und so getan, als wäre es mir völlig egal.

Und dann habe ich die ganze Nacht lang wachgelegen und darüber nachgedacht.

Scotts Eltern machen sich langsam Sorgen, sie wollen etwas unternehmen. Ich weiß, dass Scotts Mom darüber nachgedacht hat, sich mit meinem Dad zu treffen und darüber zu sprechen.

Wir haben Scotts Zimmer ein wenig umgestellt, sodass ein wenig Raum für mich da ist und ich meine Sachen nicht in ein paar abgewetzten alten Taschen lassen muss. Ich habe mein eigenes Regal und die Hälfte von Scotts Kleiderschrank gehört mir.

Es ist weniger, als ich zuhause gehabt habe, aber aus irgendeinem Grund ist es besser als alles, was ich in meinem Schlafzimmer gehabt habe. Ich kann sogar Scotts alte Michael Jackson-Poster ertragen.

Aber ich muss auch Hausarbeiten erledigen. Ich helfe im Haus und Scotts Eltern stellen sicher, dass ich meine Hausaufgaben zur gleichen Zeit mache wie Scott. So ist es also, Eltern zu haben.

„Ich dachte, du gehst mit Estela hin“, sage ich und Scott wechselt einen Blick mit Charlie.

Wie ich gesagt habe, er versucht, diskret zu sein. Aber ich weiß, dass er gestern nicht alleine in die Stadt gefahren ist.

„Ich–“

„Es ist okay“, meine ich. „Es ist in Ordnung für mich.“

Ich würde es vorziehen, wenn Estela mit Typen ausgehen würde, die nicht meine besten Freunde sind, aber zumindest kenne ich Scott und weiß, dass ich ihm vertrauen kann.

Ich habe geglaubt, dass Scott sie vielleicht ausnutzt, aber sie scheint glücklich mit ihm zu sein und nur das zählt für mich. Abgesehen davon muss ich mir um andere Dinge Sorgen machen.

Scott sieht immer noch nicht überzeugt aus und leckt sich über die Lippen. „Bist du sicher? Ich will nicht, dass es zwischen uns seltsam wird oder–“

„Ich bin sicher“, unterbreche ich ihn. „Nimm sie einfach mit auf den Ball. Sie braucht eine Pause von der ganzen Scheiße.“

Ich habe keine Ahnung, wie es für sie zuhause ist, aber ich weiß, dass es nicht angenehm sein kann. Sie kann ein bisschen Spaß gebrauchen.

„Und du?“, will Charlie wissen, weil es der einzige Zweck dieser Mittagspause gewesen ist, eine Verabredung für den Ball für mich zu finden. Vielleicht ist es besser, dass ich alleine hingehe. „Mit wem wirst du hingehen?“

Ich zucke mit den Schultern und seufze. Würde er immer noch Ja sagen, wenn ich ihn fragen würde?

Es kann nicht schaden, es zu versuchen.

***


Ich weiß, dass er normalerweise nach der Schule länger bleibt. Er verbringt seine meiste Zeit in der Dunkelkammer.

Ich habe gehofft, dass er immer noch dort drin wäre und wir dort reden könnten, aber er kommt gerade heraus, als ich das Klassenzimmer betrete.

„Oh“, macht er, als er die Tür zur Dunkelkammer hinter sich schließt.

Ja. Oh.

Er blickt zurück zur Tür, als würde er darüber nachdenken, wieder reinzugehen und sich einzuschließen – weg von mir.

Ich stehe da und kratze mich am Hinterkopf. Ich muss etwas sagen, bevor –

„Wolltest du etwas?“, fragt Winston. Er klingt nicht wütend. Er benutzt den gleichen höflichen Ton, von dem ich mitbekommen habe, dass er ihn gegenüber Fremden, Kassierern und Baristas anschlägt.

Er bewegt seine Schultern, um zu verhindern, dass der Riemen seiner Tasche an seiner Schulter hinabrutscht und ich räuspere mich.

„Ich habe mich nur gefragt, ob…“, sage ich und mein Herz fängt an zu hämmern. „Ob du am Freitag auf den Ball gehst?“

Es fühlt sich an, als hätten wir das schon hinter uns. Wir bewegen uns im Kreis.

„Fragst du mich, ob ich mit dir auf den Homecoming-Ball gehe?“

Aber diesmal lächelt er nicht. Er steht einfach nur da und verschränkt die Arme vor der Brust.

„Ja, tue ich“, meint er und ich nicke langsam. Er wird hingehen.

Ich blamiere mich schon, indem ich überhaupt hergekommen bin. Da kann ich es genauso gut so gut wie möglich nutzen.

„Mit jemandem zusammen?“, frage ich nach. Seine Augenbrauen zucken und ich kann erkennen, dass er angestrengt versucht, ein ausdrucksloses Gesicht beizubehalten.

Er zuckt mit den Achseln. „Vielleicht.“

Vielleicht? Was soll das heißen?

„Oh.“

Wahrscheinlich der blonde Typ.

Ich habe mir diesen Moment um die hundertmal in meinem Kopf vorgestellt. Ich habe alles genau geplant, jede Kleinigkeit. Ich habe genau gewusst, was ich sagen würde, damit er mir vergibt.

Jetzt fällt mir nichts mehr davon ein.

Er steht immer noch abwartend da und gibt mir die Zeit, mich zu entschuldigen.

„Hör zu, Winn. Ich…“, sage ich, aber ich habe keinen Schimmer, was ich sagen soll. Ich habe ihn bei seinem Spitznamen genannt und meine Hände beginnen zu schwitzen. „Es tut mir leid. Alles.“

Er hebt eine Augenbraue und leckt sich über die Unterlippe. Ich kann nicht anders, als zu starren.

„Alles? Was ist „alles“?“, will er wissen und mein Magen verknotet sich.

Müssen wir das alles wirklich wieder durchleben? Haben wir nicht genug durchgemacht?

Mit einer Hand glätte ich meine Haare und seufze. Wofür entschuldige ich mich? Das könnte etwas länger dauern.

Ich kann ihn nicht ansehen, tue es aber trotzdem.

„Es tut mir leid, dass ich dich im Sommer auf dieser Party verprügelt habe. Es tut mir leid, dass Bryce dir gedroht hat, damit du nicht redest. Es tut mir leid, dass ich dich ignoriert habe, als du an die Liberty gekommen bist. Es tut mir leid, dass ich wütend auf dich geworden bin, als du mir erzählt hast, dass du von der Schule verwiesen wurdest. Es tut mir leid, dass… ich dich in der einen Nacht im Stich gelassen habe. Es tut mir leid, dass ich Natalie mit auf den Homecoming-Ball genommen habe, das hätte ich nicht tun sollen. Es tut mir leid, dass ich dich… ähm, weggestoßen habe, als du nach der Abriegelung gekommen bist, um mich zu sehen.“ Ich muss tief Luft holen. Wer hätte gedacht, dass es so vieles gibt, für das ich mich entschuldigen muss. Er ist gekommen, um mich zu sehen, direkt nachdem er Zach gesagt hat, dass er mich liebt. Und mir ist es unangenehm gewesen, dass er versucht hat, mich zu umarmen.

Ich wage es, zu ihm aufzusehen. Seine Lippen sind leicht geöffnet und seine Augen geweitet. Er wirkt nicht so, als würde er es genießen, an all die Dinge zu denken, die ich ihm angetan habe.

„Es tut mir leid, dass… ich dich nicht vor Ryan und Bryce verteidigt habe. Und es tut mir leid, was ich dir danach im Hotelzimmer gesagt habe. Dafür gibt es keine Entschuldigung, ich hätte nichts davon sagen sollen. Ich hatte nicht das Recht dazu“, sage ich. Er glaubt, dass es das gewesen ist. Er schluckt und öffnet den Mund, aber ich schüttle den Kopf und seufze. „Es tut mir leid, dass ich dir das Gefühl gegeben habe, nur wegen deiner Sexualität weniger Mann zu sein. Aber vor allem tut es mir leid, dass ich dich als selbstverständlich betrachtet und dich behandelt habe, als… als würdest du immer in meiner Nähe sein. Du hattest nichts davon verdient.“

Ich habe nie so jemanden in meinem Leben gehabt. Jemanden, der mir immer wieder zweite Chancen gibt, auch wenn ich es jedes Mal vermassle. Und ich habe es ausgenutzt.

Er sieht mich an und ein paar Sekunden lang verhaken sich unsere Blicke. Aber dann schauen wir weg und er räuspert sich.

„Danke“, sagt er leise und ich seufze erleichtert auf.

Scott hat recht gehabt. Darüber zu reden… tut weh. Aber es tut weniger weh, als jeden Tag zu leben und nicht zu wissen, wo wir stehen.

Einer von uns sollte sich bewegen. Einer von uns sollte etwas sagen.

Ich atme tief ein und blicke ihn dann wieder an. Er sieht mich nicht an und beißt sich auf die Unterlippe.

„Mir tut es auch leid“, sagt er und ich hebe eine Augenbraue.

Ihm tut es leid?

„Lass es“, sage ich zu ihm und schüttle den Kopf. „Du musst dich für nichts entschuldigen.“

„Ich glaube schon“, sagt er und ich weiß, dass es keinen Zweck hat, mit ihm zu diskutieren. „Es tut mir leid… wenn ich dir jemals das Gefühl gegeben habe, dass du nicht genug warst, weil wir nicht zusammen gesehen werden durften. Ich hätte das, was wir hatten, wertschätzen sollen. Ich hätte dir nicht das Gefühl geben dürfen, dass du dich outen müsstest. Also ja, mir tut es auch leid.“

Ich schnaube leise. Ja, darüber muss ich mir keine Gedanken mehr machen. Dafür hat Ryan gesorgt.

Wir haben es beide vermasselt. Aber ich habe es mehr vermasselt.

Ich will ihm von meinem Dad erzählen. Ich will ihn fragen, ob er gemeint hat, was er Zach gesagt hat. Und ich will ihm sagen, wie sehr ich ihn vermisst habe.

Aber ich sage nichts davon.

Scott wartet wahrscheinlich schon auf mich.

„Ich… Es ist schön, dich zu sehen“, sage ich ihm und er lächelt.

Es scheint ihm gut zu gehen. Den Umständen entsprechend.

„Dich auch“, meint er und ich versuche, ihn ebenfalls anzulächeln.

Wir lächeln einander an. Wir haben uns entschuldigt. Wir haben geredet.

Aber wir wissen beide, dass es immer noch nicht wieder gut ist.

Ich kann spüren, dass sich etwas verändert hat. Und es kann nicht wieder so zwischen uns werden, wie es einmal war. Nicht für lange.

***


Zuzulassen, dass Scott und Estela zusammen kommen… ist wahrscheinlich das Dümmste, was ich jemals getan habe.

Ich kann nicht mit Scott abhängen, weil das merkwürdig wäre. Ich kann nicht mit Charlie abhängen, weil er mit Alex zusammen ist und ich habe keine weiteren richtigen Freunde.

Eine Weile hänge ich mit Zach ab. Er erwähnt die Regenbogenflagge nicht und ich tue es auch nicht. Dann wird Diego von Jessica Davis abgewiesen und er schließt sich uns an. Dann sitzen wir auf der Tribüne und reden über die Entscheidungsspiele.

Zumindest haben wir über die Entscheidungsspiele geredet.

„Wie kann es sein, dass wir drei alleine hier sind, während Leute wie… Tyler Down mit einem Date hierherkommen“, beschwert sich Diego und er schüttelt den Kopf über die Tanzfläche, auf der Tyler mit irgendeinem Mädchen tanzt. Armes Mädchen, er weiß nicht einmal, wie man tanzt.

Zach seufzt. „Ja… wir scheinen einfach nur Pech zu haben.“

Oder wir haben einfach nicht den Mut, den Menschen – den wir wollen – zu fragen, ob er mit uns auf den Ball gehen will.

Letzte Nacht habe ich das erste Mal seit Wochen durchgeschlafen.

Mit ihm zu reden… es hat unser Verhältnis nicht gekittet, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung gewesen.

Ich fühle mich immer noch, als hätte ich ihn zumindest fragen sollen, ob er mit mir herkommt. Aber ich bin direkt abgehauen und er hat mich nicht gebeten, zu bleiben.

Ich habe mich so oft im Raum umgesehen, aber er scheint noch nicht da zu sein. Er hat gemeint, er würde kommen.

„Was ist deine Entschuldigung?“, fragt Diego und wendet sich mir zu. „Warum bist du nicht mit jemandem hier? Natalie oder eines dieser Mädchen von –“

„Ich bin schwul“, sage ich und räuspere mich.

Der eine Mensch, von dem ich nie wollte, dass er es herausfindet, weiß es. Ich sehe keinen Sinn darin, mich weiterhin zu verstellen.

Und wenn es Diego nicht gefällt… ist das sein Problem.

Diego starrt mich an. Zach lächelt vor sich hin und ich sitze einfach nur da und schaue keinen von beiden an.

„Oh, scheiße. Sorry Mann, ich wollte nicht–“, fängt Diego an, sich zu entschuldigen und ich lache leise vor mich hin.

„Ist schon in Ordnung“, sage ich zu ihm. Ich habe mich so lange wie ein Hetero verhalten, dass ich angefangen habe, es selber zu glauben. Zum Teufel, ich habe es geglaubt, bis er in mein Leben getreten ist…

„Ich habe nur– Ich habe nie–“, meint Charlie und er findet nicht, dass es ekelhaft ist. Er beleidigt mich nicht. Er verurteilt mich nicht. „Ist das der Grund, warum dein Dad…“

Er muss nicht weitersprechen, weil mich meine Reaktion verrät, als ich blinzele und meine Kiefer aufeinanderpresse.

Zach räuspert sich laut. „Ich brauche einen Drink.“

„Ich gehe“, sage ich und stehe schnell auf. Ich brauche einen Moment ohne die beiden.

Ich habe keinen Zweifel, dass Zach und Diego eine interessante Unterhaltung führen werden, während ich weg bin, aber es macht mir nichts aus.

Ich laufe über die Tanzfläche und entdecke Charlie und Scott.

Ich habe Charlie vorher noch nie so nervös und gleichzeitig so glücklich gesehen. Alex wirkt ein bisschen unbeholfen, aber ich bin sicher, dass Charlie ihm helfen wird, aus seiner Komfortzone rauszukommen. Bei mir hat er es geschafft.

Scott und Estela… Ich sehe nicht zu lange hin, aber sie scheinen glücklich miteinander zu sein. Sie zusammen zu sehen, ist nicht leicht, aber ich bekomme auch nicht den plötzlichen Drang, Scott eine reinzuhauen. Wir kommen langsam dahin, ich werde lernen, damit zu leben, sie zusammen zu sehen.

Endlich erreiche ich den Tisch mit den Drinks. Ich bin ziemlich sicher, dass bereits jemand den Punch mit Alkohol gemischt hat, aber Zach sollte es nicht kümmern.

Ich nehme zwei Becher vom Tisch und spüre dann, dass jemand hinter mir steht.

„Hey!“

Er ist gekommen.

Allein der Klang seiner Stimme reicht, um mich nervös zu machen.

Ich lasse die Becher auf dem Tisch stehen und drehe mich langsam um, um ihn anzusehen und er… Er sieht…

„Hey“, erwidere ich und er grinst mich an. Er sieht so glücklich aus, glücklicher, als ich ihn seit einer Weile gesehen habe.

Er trägt den gleichen schwarzen Smoking, den ich ihm später in der einen Nacht in seinem Schlafzimmer ausgezogen habe.

„Du siehst gut aus“, sagt er zu mir und normalerweise würde ich mich umsehen, um festzustellen, ob es jemand gehört hat, aber ich lächle nur.

„Danke“, sage ich und ich will ihm sagen, dass er auch gut aussieht. Nein, besser als gut. Er–

Aber mein Lächeln verschwindet beim Anblick des blonden Kerls, der von der Seite her auf uns zukommt.

Er hat gemeint, dass er vielleicht mit einem Date kommen wird, aber ich habe nicht gedacht…

„Hey“, sagt er und bleibt gefährlich nah neben Winn stehen.

Ich blinzele und starre ihn an. Die Stimme… es ist der gleiche Typ. Und ich weiß nicht, was ich denken soll.

Sie berühren sich nicht, aber er steht so verflucht nah bei ihm.

Zuerst sieht Winston panisch aus, aber er schafft es schnell, wieder zu lächeln.

„Monty, Lucas“, sagt er in dem Versuch, uns einander vorzustellen. „Lucas, Monty.“

Lucas.

Er streckt die Hand aus und ich mustere sein Gesicht und versuche herauszufinden, wer der Kerl ist. Aber das muss ich nicht, erinnere ich mich selbst.

„Wir hatten mal was miteinander“, sagt er und deutet auf Winn, während er meine Hand schüttelt. Ich ziehe meine Hand weg und er lacht und blickt Winston an.

Wer zur Hölle stellt sich so vor?

„Hi, ich bin Lucas und früher hat dieser Kerl meinen Schwanz gelutscht.“

Ja, meinen auch, Kumpel. Du bist nichts Besonderes.

Aber Winston ist mit ihm hier. Nicht mit mir.

„Wir hatten mal was miteinander.“ Vergangenheit. Kein Grund zur Sorge.

Ich bin versucht mit „Wir auch“ zu antworten, aber dann erinnere ich mich daran, dass wir nie zusammen waren. Sicher, ich habe ihn zu Dates ausgeführt, ihn gefickt, in seinem Bett geschlafen, mit ihm gefrühstückt, ihn gehalten, während er geweint hat… aber wir sind nie zusammen gewesen. Und das ist meine Schuld.

Winston wirkt, als wäre ihm unbehaglich, als würde er es auf einmal bereuen, hergekommen zu sein. Ich weiß, dass ich es tue.

„Also, ähm–“

„Entschuldigt mich“, unterbreche ich Blondie und gehe weg, ohne ihnen eine Erklärung zu geben.

Was zum Teufel habe ich erwartet?

Er hat gesagt, er würde mich lieben, nachdem er mich ein paar Wochen gekannt hat. Ich habe keinen Zweifel, dass er wieder mit diesem Kerl zusammenkommen wird. Es ist nur eine Frage der Zeit.

Ich habe gedacht…

Ich habe mich entschuldigt und gewusst, dass es nicht genug gewesen ist. Aber ich habe gedacht, dass… dass er vielleicht erkennen wird, dass ich wirklich erwachsen werde und dass ich wirklich bereit für eine Beziehung sein werde. Aber er ist bereits weitergezogen.

Ich bin zu spät.
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