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Someone Will Remember Us

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Montgomery de la Cruz
06.09.2020
22.11.2020
30
99.640
3
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08.11.2020 3.416
 
Guten Morgen zusammen!



Heute gibt es wieder einmal ein neues Kapitel für euch. Ich hoffe, ihr habt den Schock aus dem letzten überstanden. Monty hat es im Moment echt nicht leicht und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Dafür hat er einfach zu viel Mist gebaut… :-(

Ich wünsche euch viel Spaß beim neuen Kapitel und einen schönen Sonntag. :-)

Liebe Grüße

eure Anja

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Kapitel 24: Verletzte Menschen verletzen nur noch mehr Menschen


Estela ist nicht über Nacht bei Scott geblieben. Wir waren uns alle einig, dass es besser wäre, wenn sie nach Hause gehen würde.

Sie ist nun seit ein paar Tagen wieder zuhause.

Sie soll mir schreiben, wenn sich Dad endlich ein bisschen beruhigt hat und es sicher ist, wieder zurückzukommen. Aber es ist Sonntag und ich warte immer noch auf eine Nachricht.

Letzte Nacht hat sie ein paar meiner Sachen vorbeigebracht, damit Dad sie nicht erwischt. Sie hat einige Klamotten, Schulsachen und ein paar Toilettenartikel in eine Tasche gepackt und sie zu Scott gebracht.

Ich hätte schlafen sollen, als sie vorbeigekommen ist, bin aber aufgewacht, als ich gespürt habe, wie Scott vom Bett aufgestanden ist. Dann habe ich gehört, wie die Haustür geöffnet wurde. ‘Stela sollte nur die Tasche abgeben und zurück nach Hause gehen, aber sie ist eine Zeit lang geblieben. Ich will nicht wissen, worüber sie und Scott gesprochen haben.

Scotts Eltern stellen mir nicht viele Fragen, aber ich weiß, dass sie Scott ausfragen, wenn sie denken, dass ich nicht hinsehe.

Ich habe Scott gesagt, dass ich mir einen anderen Ort suchen kann, wenn ich Probleme bereite, aber er meinte, dass er mich nirgendwo hingehen lässt. Und dann habe ich gehört, wie er mit seinen Eltern in der Küche diskutiert hat.

All dieser Scheiß, den ich darüber gesagt habe, dass Scott nicht meine Familie wäre… Was zur Hölle habe ich mir dabei gedacht? Der Kerl ist mein verdammter Bruder und ich weiß nicht, was ich ohne ihn tun würde.

Charlie weiß mittlerweile Bescheid. Er hat angeboten, mich bei ihm zuhause wohnen zu lassen, wenn Scotts Eltern genug von mir haben.

Alle passen auf mich auf.

Morgen ist Montag. Eigentlich könnte es sogar bereits Montag sein. Ich bin nicht sicher. Ich weiß nur, dass ich bald zur Schule fahren muss.

Schule. Nach allem, was passiert ist, scheint die Schule nicht einmal mehr real zu sein.

Ich habe Winston so oft anrufen wollen. Aber immer, wenn ich seine Nummer auf dem Display gesehen habe, habe ich mich an unser letztes Gespräch erinnert und mein Handy wieder weggelegt.

Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal richtig geschlafen habe. Nicht seit der Nacht auf dem Jahrmarkt.

Ich frage mich, ob er auch Schlafprobleme hat. Ob er nachts auch stundenlang wach liegt, an die Decke starrt und an all die Erinnerungen denkt, die wir miteinander geteilt haben.

Es ist alles real gewesen – und es ist das Beste gewesen.

Ich frage mich, ob er je sein Kissen umarmt – das auf seiner rechten Seite liegt, weil das die Seite ist, auf der ich geschlafen habe – und sich wünscht, dass ich bei ihm wäre. Ich frage mich, ob er jedes Gespräch, das wir jemals geführt haben, noch einmal in seinem Kopf durchlebt und sich wünscht, dass er etwas anderes gesagt hätte. Ich frage mich, ob er mich vermisst.

Ich weiß, dass ich ihn verdammt nochmal vermisse und all diesen dummen Scheiß zu tun, hilft nicht.

Seit Mittwochabend habe ich in Scotts Bett geschlafen. Manchmal bleibt er mit mir wach und ermutigt mich, zu reden, aber ich sage nichts. Manchmal bleibt er wach, bis ich so tue, als würde ich schlafen, und manchmal geht er vor mir schlafen, weil er weiß, dass ich es bevorzuge, einfach nur dazuliegen und über all die Schlamassel nachzudenken, die ich angerichtet habe.

Manchmal schließe ich meine Augen, liege da und versuche mir vorzustellen, wie Winn in seinem eigenen Bett liegt – in der genau gleichen Position wie ich –, und ich versuche mir vorzustellen, was er gerade fühlt.

Es fängt gut an, aber dann betritt jemand anderes das Zimmer und legt sich zu ihm ins Bett. Und Winston kuschelt sich genauso an den gesichtslosen Kerl, wie er es früher bei mir getan hat. Er legt seinen Kopf auf die Brust des Typen und legt den Arm um dessen Mitte. Und sie schlafen gemeinsam ein. Der gesichtslose Kerl, der an dem Tag, als ich ihn sehen wollte, in seinem Wohnzimmer gewesen ist.

Ich bin sicher, dass er nur ein Freund ist. Weil, wer sollte er sonst sein? Er würde nicht einfach irgendeinen wahllosen Typen ficken – nicht einmal eine Woche nach unserem Streit. Das würde er nicht, es sähe ihm nicht ähnlich.

Mein Dad weiß es nun. Wenn ich die Eier hätte, würde ich ihn genau jetzt anrufen und ihm sagen, dass ich ihn will. Ich will alles von ihm und es interessiert mich nicht, was alle anderen darüber denken.

Ich setze mich im Bett auf und greife nach meinem Handy. Adrenalin pumpt durch meinen Körper.

Ein Anruf. Es könnte alles verändern.

Aber dann nehme ich mir eine Sekunde, um darüber nachzudenken und die Idee klingt nicht mehr so gut.

Zeit und Abstand. Er hat beides gewollt und ich muss das respektieren.

***


„Hast du letzte Nacht überhaupt geschlafen?“, fragt Scott mich und beäugt die Kaffeetasse in meiner Hand.

Scotts Eltern sind vor ein paar Minuten zur Arbeit aufgebrochen und jetzt sind nur wir am Küchentisch übrig und frühstücken schweigend.

Ich bin kein Fan von Kaffee, ich gebe es zu, aber ich fühle mich beschissen und werde meine Geschmacksnerven für ein bisschen zusätzliche Energie opfern.

Gewichttraining am Morgen, Training und dann endlich das letzte Spiel am Freitag.

Ich nicke. Ich muss es geschafft haben, zumindest eine halbe Stunde Schlaf zu bekommen, und das muss etwas zählen.

Scott seufzt und schüttelt über mich den Kopf. „Dieser Junge wird noch dein Tod sein.“

Meine Augen huschen zu Scott und ich starre ihn finster an. Er darf nicht über Winston sprechen. Er kennt ihn nicht so, wie ich. Es ist nicht seine Schuld. Es geht alles auf meine Kappe.

„Komm schon, Monty. Kannst du nicht deinen Stolz runterschlucken und ihm schreiben?“, stöhnt Scott und starrt mich über den Tisch hinweg an. „Denkst du nicht, dass es ein bisschen viel wird? Du bist verletzt, er ist verletzt und es wird so bleiben, bis ihr euch entscheidet, wie Erwachsene miteinander zu sprechen.“

Ich frage mich, ob das etwas mit seinen Telefongesprächen spät in der Nacht zu tun hat. Ich bin nicht blöd, ich weiß, wie die Stimme meiner Schwester klingt, auch wenn er sich im Badezimmer einschließt und versucht, sich diskret zu verhalten.

Aber dann erinnere ich mich an Charlies Rat und schüttle den Kopf, während ich den letzten Rest Kaffee aus meiner Tasse trinke. „Ich gebe ihm Zeit.“

Scott verdreht die Augen über meine Sturheit. „In Ordnung, das ist gut, aber denkst du nicht, dass ihr euch aussprechen, an euren Problemen arbeiten und euch dann etwas Zeit geben könnt, um über alles nachzudenken?“

Ich drehe mich um und gehe hinüber zur Spüle, wo ich meine leere Tasse abstelle.

Scott denkt, er würde helfen, tut er aber nicht. Ich würde Charlies Rat jederzeit seinem vorziehen.

„Monty! Hörst du mir überhaupt zu?“

Ich stöhne auf und drehe mich um, um ihn anzuschauen. „Ja, ich höre dich und entscheide mich, deinen beschissenen Rat zu ignorieren“, sage ich und Scott runzelt die Stirn. „Charlie findet, dass es besser ist, wenn ich Winn in Ruhe lasse und –“

„Was?“, fragt Scott und verzieht das Gesicht. „Du hörst auf Charlies Rat? Auf den Kerl, der seine letzte Beziehung in der zweiten Klasse hatte, als Süßigkeiten miteinander zu teilen als „zusammen sein“ zählte?“

Ich weiß, worauf er hinauswill, aber Charlie ist schwul und Scott nicht. Scott wird es nicht verstehen.

Ich lehne mich mit dem Rücken gegen die Spüle und zucke mit den Schultern. Scott schnaubt, steht vom Tisch auf und kommt zu mir herüber.

„Hör mir zu: Kläre deinen Scheiß, bevor es zu spät ist“, sagt Scott zu mir. Ich öffne den Mund, um mit ihm zu diskutieren, aber er fällt mir ins Wort. „Ich will nicht wissen, was du getan hast oder was er getan hat. Du kannst es ohnehin nicht ungeschehen machen. Aber du kannst es wiedergutmachen.“

„Ich bin nicht sicher, ob ich das kann“, sage ich und presse meine Lippen aufeinander.

Charlie hat es gesagt, ich bin zu weit gegangen. Mir fällt nichts ein, was das zwischen uns reparieren könnte.

Ich beiße auf meine Unterlippe. Es fühlt sich an, als hätte ich nichts mehr. Meine Eltern wissen Bescheid und denken, dass es widerlich ist. Mein Footballteam denkt, dass ich total fertig bin, Winston will mich nicht sehen. Und Charlie tut so, als wäre alles in Ordnung, schaut mich aber anders an, seit ich ihm erzählt habe, was ich getan habe.

„Du hörst mir jetzt zu, Montgomery de la Cruz“, sagt Scott mit strenger Stimme und ich zucke zusammen bei der Erinnerung daran, was das letzte Mal passiert ist, als jemand meinen vollen Namen ausgesprochen hat. „Ihr sprecht euch aus und entscheidet dann, ob ihr weiterhin umeinander kämpfen wollt oder nicht. Du hast keine Ahnung, was er denkt, und er kann deine Gedanken auch nicht lesen. Redet miteinander, um Gottes willen.“

Ich habe versucht, mit ihm zu reden, aber vielleicht ist das zu früh gewesen. Als ich zum Reden zu ihm gefahren bin, ist er immer noch angepisst gewesen. Ich hätte ihm mehr Zeit geben sollen.

Scott legt seine Hände auf meine Schultern und seufzt dann. „Du weißt, dass ich immer für dich da sein werde, egal was. Du kannst alle Winstons auf dieser Erde verarschen und ich werde immer noch hier sein.“

Ich lache über ihn, aber mein Herz wird schwer und meine Lunge eng.

Scott gehört nicht zu meiner Familie? Ja, ich muss high gewesen sein, als ich das gesagt habe.

„Oooh, komm her, Scotty“, sage ich, schlinge meine Arme um seine Schultern und ziehe ihn nah an mich heran.

Scott lacht leise, als ich auf seinen Rücken klopfe, und auch, wenn es sich nicht so anfühlt, wie Winston zu umarmen, fühle ich mich dadurch trotzdem ein bisschen heiler.

***


Scotts Eltern laden mich zum Abendessen ein.

Mittwoch. Ich wohne jetzt schon eine Woche bei ihnen.

Ich sehe Estela nur in der Schule und manchmal in der Nacht, wenn sie es schafft, sich wegzuschleichen und mir ein paar Sachen von zuhause zu bringen.

Sie berichtet mit, dass Dad die ganze Woche lang kein Wort gesagt hat. Er läuft durch das Haus, starrt finster die Möbel an und grunzt, wann immer ihm etwas nicht gefällt.

Er hat gerade erst herausgefunden, dass sein einziger Sohn eine Schwuchtel ist, und weiß nicht, wie er damit umgehen soll. Ich auch nicht Dad, ich auch nicht.

Es ist kein schickes Restaurant, es ist eher ein zwangloses Restaurant für Familien. Eines, in das du dein Kind zu seinem dreizehnten Geburtstag bringen würdest.

Ich sage, dass ich das gleiche nehme wie Scott, weil ich nicht so wirken will, als würde ich sie für Geld, Essen oder sonst etwas ausnutzen. Mein Dad würde es als Betteln bezeichnen.

Wir sitzen in der Nähe der Glaswand, daher weiß ich, dass jeder uns von draußen sehen kann. Aber ich kann auch jeden sehen.

Ich beobachte, wie Menschen vorbeilaufen und versuche zu erraten, wohin sie gehen, was sie fühlen.

Und dann bleibt mein Herz stehen.

Ich habe nicht damit gerechnet, ihn hier zu sehen. Zuerst bin ich nicht einmal sicher, ob er es ist. Er ist weit entfernt und es besteht nicht die Chance, dass er mich erkennen kann.

Aber er ist es.

Er ist nicht alleine. Ein Typ läuft neben ihm her. Blonde Haare, die bis an sein Kinn reichen, viel größer als Winston, aber er wirkt, als hätte er meine Statur.

Zuerst denke ich, dass er nur irgendein Kerl ist, der an ihm vorbeiläuft, aber dann beginnen sie, nebeneinander loszugehen. Der blonde Typ sagt etwas und Winn lacht.

Also hat der gesichtslose Kerl ein Gesicht. Oder zumindest nehme ich an, dass er es ist.

Ich habe keine Luft mehr in meiner Lunge. Wie kann er schon mit einem anderen herumlaufen? Das kann er nicht. Das würde er nicht tun.

Ich halte meine Augen auf ihre Hände gerichtet und warte darauf, dass sie sich berühren. Oder etwas anderes, das mir zeigt, wer zur Hölle dieser Typ ist. Ihre Hände berühren sich nicht einmal, aber sie sind nicht weit davon entfernt.

Vielleicht gehört er zu seiner Familie. Aber sie sehen sich überhaupt nicht ähnlich. Vielleicht ein entfernter Cousin? Ein Freund von der Hillcrest. Ja, das ist es. Er ist nur ein Freund.

Ich könnte in diesem Moment rauslaufen und zu ihm gehen, während er an der Bank steht und darauf wartet, dass Blondie seine Schnürsenkel bindet. Ich könnte ihn fragen, mit wem zum Teufel er herumläuft. Ich hätte jedes Recht dazu.

Ich frage mich, wenn ich ihm von meinem Dad erzählen würde… er würde Blondie stehen lassen und prüfen, ob es mir gut geht. Er würde sich nach meinem Dad erkundigen und mich fragen, wie ich damit klarkomme. So ist er einfach.

Aber dann bringt der Kellner unser Essen. Sie gehen weiter und Scotts Mom stellt mir eine Frage zu unserem letzten Footballspiel.

Meine Chance ist verstrichen.

***


Ich werde mich nicht selbst erniedrigen, indem ich mit ihm rede.

Er ist weitergezogen? Nun, ich auch.

Scott heißt es offensichtlich nicht gut. Er findet, ich verhalte mich kindisch. Ich denke, dass ich jedes Recht habe, wütend auf ihn zu sein.

Ich habe angenommen, dass Alex das Problem wäre, derjenige, der mir im Weg steht. Aber Charlie hat es geschafft, Alex aus dem Weg zu räumen und Winn hat einen Ersatz gefunden.

Unser letztes Spiel. Es ist ein sicherer Sieg. Wir sind bereits in den Entscheidungsspielen und der Trainer denkt, ich sollte nicht zu viel spielen. Ich muss meine Kräfte sparen.

Aber ich würde gerne ein paar Köpfe zusammenschlagen, ein paar Typen zu Boden ringen. Vielleicht geht es mir dann besser.

Wir sollen jeden Augenblick aufs Feld laufen, aber Zach ist nirgendwo zu sehen und alle fangen an, sich Sorgen zu machen, obwohl der Coach uns befiehlt, ruhig zu bleiben. Alles sei in Ordnung.

Wir verstehen nicht, was los ist, bis Zach mit einer großen Regenbogenflagge in der Hand zurückkommt. Dann sind wir nur noch verwirrter.

Was zur Hölle tut dieser Kerl?

„Zachy, was zum Teufel? Wir müssen in einer Minute raus“, sage ich ihm und versuche, meinen schnellen Herzschlag beim Anblick der Regenbogenflagge zu ignorieren.

Ich bin nicht dumm, ich weiß, wofür sie steht.

Ein paar Leute wissen, dass ich zuhause rausgeschmissen wurde und fürs Erste bei Scotty wohne, aber sie wissen sicherlich nicht, warum. Es ist besser, es dabei zu belassen.

Mit einer schnellen Drehung seines Handgelenks rollt Zach die Flagge auf und sieht sich im fast leeren Umkleideraum um. „Das ist unser letztes Match vor den Entscheidungsspielen. Ich dachte, es wäre nett, der… der LGBTQ*-Gemeinschaft ein wenig Unterstützung zu zeigen.“

Charlie steht neben mir und hat ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht. Diego, Luke und den meisten Jungs scheint es nichts auszumachen, aber ein paar Kerle haben die Stirn gerunzelt und wirken etwas skeptisch. Wäre Bryce noch immer Captain, würde so etwas nie passieren.

„Falls jemand irgendwelche Einwände hat“, sagt Zach und sein Blick ruht einen Moment auf mir. „Steht es demjenigen frei, zu gehen. Ich hätte lieber niemanden wie ihn in meiner Mannschaft.“

Er sagt nichts darüber, dass unser Quarterback schwul ist, und erklärt nicht, an wen er gedacht hat. Die Leute scheint es nicht zu kümmern. Wir befinden uns im einundzwanzigsten Jahrhundert, um Gottes willen.

Es entsteht ein leises Murmeln im Raum, aber niemand sagt etwas, niemand bewegt sich, und dann nickt Zach.

„Gut“, meint er und reicht dem Trainer die Flagge. „Lasst uns jetzt rausgehen und ihnen in den Hinter treten.“

Wenn das seine Art ist, mir zu zeigen, dass das Team mich unterstützt, egal, was kommt… denke ich nicht, dass es ein schlechter Versuch gewesen ist. Überhaupt keine schlechte Idee.

***


Ich habe versucht, mich aus der Party herauszuwinden. Ich habe nur zurück zu Scott fahren und versuchen wollen, ein wenig Schlaf zu bekommen, aber die Jungs haben nichts davon hören wollen. Selbst Luke hat gemeint, es wäre nicht das gleiche, wenn ich nicht dabei wäre.

Trotzdem halte ich mich von der Party, der Musik und dem Alkohol fern. Nach dem letzten Mal habe ich meine Lektion gelernt.

Ich bleibe auf dem Balkon, weg von allen anderen, und schaue hinunter auf die Menge, die um den Pool herum feiert. Eine Poolparty im Dezember. Zumindest scheinen sie Spaß zu haben.

Entscheidungsspiele.

Vor ein paar Monaten sind sie alles gewesen, was mir wichtig war. Jetzt scheinen sie nicht mehr so wichtig zu sein.

Wenn ich mich nur darauf konzentrieren könnte, Landesmeister zu werden…

Aber ich denke immer wieder an Mittwochabend. Er ist bereits weitergezogen.

Es tut weh. Es tut verdammt nochmal weh.

Ich habe ihn ganz für mich allein gehabt. Selbst, wenn wir nicht zusammen waren, habe ich ihn nur für mich gehabt und wir haben es beide gewusst.

Wie lange ist es her, dass er mich dazu angestiftet hat, die Schule zu schwänzen, um Schlaf nachzuholen? Ich könnte davon jetzt gerade etwas gebrauchen.

Aufzuwachen, ihn neben mir sitzend zu sehen…

Ich vermisse es verflucht nochmal. Ich vermisse ihn.

Ich weiß nicht, wann ich mich in ihn verliebt habe.

Scott hat mir befohlen, mit ihm zu reden, aber es scheint, als wäre es dafür zu spät. Er will mich nicht einmal sehen, also warum sollte er mit mir sprechen wollen?

Ich verbringe jede einzelne Nacht damit, unseren Schreit in meinem Kopf noch einmal durchzuspielen, und an Dinge zu denken, die ich stattdessen hätte sagen können.

Ich habe es vermasselt. Und im Gegenzug macht er mich mit jedem Tag mehr und mehr fertig.

Ich muss einfach darüber hinwegkommen. Es hat keinen Sinn, jetzt deswegen zu weinen.

Ich bin sicher, Scott wird verstehen, wenn ich nun abhauen will.

Ich kehre der Party unter mir den Rücken und gehe zurück durch die Balkontür.

Drinnen ist es viel wärmer, als draußen auf dem Balkon. Bis gerade ist mir nicht aufgefallen, wie kalt es ist.

Als ich hier heraufgekommen bin, war das Zimmer leer. Das ist es immer noch. Aber dann tritt ein Kerl aus dem Badezimmer und sieht mich an.

„Ich war nur im Badezimmer“, erklärt er mir, als bräuchte er einen Grund, um hier zu sein.

Ich nicke und dann stehen wir da und blicken einander einfach nur an.

Ich kann nicht anders, als ihn von oben bis unten zu mustern.

Er ist dünn, nicht so dünn wie Winn, aber trotzdem dünn. Er ist auch viel kleiner als Winston und sie haben eine ähnliche Haarfarbe.

Ich denke zurück an das erste Mal, als ich Winston getroffen habe. Wie hat er gewusst, dass ich…

Der Typ kommt langsam auf mich zu und ich rühre mich nicht vom Fleck.

„Monty, richtig?“, erkundigt er sich und sieht mir in die Augen. Mein Herzschlag beschleunigt sich. Ich komme darüber hinweg.

Ich nicke und lasse meine Augen ein paar Sekunden lang auf seinen Lippen ruhen. Es hat bei Winn funktioniert. Hoffentlich wird es bei dem Kerl auch klappen. Ich habe ihn noch nie zuvor gesehen und werde ihn vermutlich auch nie wiedersehen. Perfekt.

„Du warst gut da draußen, auf dem Spielfeld“, sagt er mir, aber es ist nur Small Talk.

Wir wissen beide, was wir wollen. Ich kann es in seinen Augen sehen. Wie er mich von oben bis unten mustert, wie er sich auf mich zubewegt.

Das fühlt sich so falsch an. So, so falsch, aber wen kümmert es?

Der Small Talk ist langweilig. Er gibt mir Zeit, einen Rückzieher zu machen. Ich will keinen Rückzieher machen.

Ich packe das Shirt des Kerls und ziehe ihn zu mir. Er ist zu klein, nicht dünn genug. Aber vielleicht, wenn ich meine Augen schließe…

Da küsst er mich.

Ich halte die Augen geschlossen, während ich spüre, wie sich seine Lippen auf meinen bewegen. Aber er schmeckt ganz falsch, fühlt sich komplett falsch an und riecht vollkommen falsch.

Seine Hände wandern langsam hinunter zu meiner Jeans und ich spüre, wie seine Hände versuchen, meinen Gürtel zu öffnen. Ich will ihn nicht weiterhin küssen, es zerstört meine Illusion.

Ich drücke seinen Kopf runter und er wehrt sich nicht.

Und wenn ich meine Augen weiterhin geschlossen halte, wenn ich nicht hinuntersehe… wird es einfach so sein, als wäre es stattdessen er.

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*Für alle, die mit der Abkürzung nichts anfangen können: LGBTQ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer
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