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Someone Will Remember Us

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 Slash
Montgomery de la Cruz
06.09.2020
22.11.2020
30
99.640
2
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.11.2020 3.680
 
Guten Abend ihr Lieben!



Ab jetzt müssen wir ganz stark für Monty sein, er hat einiges vor sich...

An dieser Stelle bedanke ich mich noch einmal für eure lieben Reviews! <3 Es wird euch freuen, zu erfahren, dass die Autorin die Fortsetzung BTFC bis auf ein Kapitel fertig geschrieben hat. Insgesamt werden es 20 sein, von denen ich bereits 15 fertig übersetzt habe, an Kapitel 16 arbeite ich im Moment.

Daher wird es nach dem Ende von SWRU direkt mit BTFC weitergehen! :-)

So, das nur mal für euch zur Info, falls es wen interessiert. Jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen.

Liebe Grüße

eure Anja

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Kapitel 22: Es war echt


Wir verlieren.

In der Halbzeit gehen wir zurück in unsere Umkleide und sehen alle erschöpft aus.

Zach hat mich spielen lassen und ich stelle mich besser an, als ich vermutet habe. Lasse meine Wut auf eine gesündere Art heraus.

Ich habe etwas Dummes getan.

Er ist die ganze Woche über nicht in der Schule gewesen und ich weiß, dass ich es nicht sollte, aber ich mache mir Sorgen um ihn.

Er würde nicht einfach die Schule schwänzen, nicht ohne einen guten Grund.

Ich mag etwas Dummes getan haben, aber ich hatte einen guten Grund.

Immer wieder prüfe ich mein Handy, um zu sehen, ob er mir geantwortet hat. Hat er nicht.

Zugestellt.

Monty: Geht’s dir gut? Du warst eine Weile nicht in der Schule.

Monty: Ich denke, wir müssen reden.

Monty: Ich muss mich entschuldigen.

Monty: Ich habe es nicht so gemeint.

Ich bin so ein Idiot.

Ich lausche kaum Zachs Rede darüber, dass sie uns nicht brechen können, dass wir die Liberty Tigers sind und bla bla bla.

Nichts davon ist wichtig.

Ich will nur wieder dort rausgehen und ein paar Typen zu Boden ringen.

Charlie wirft mir immer wieder Blicke zu, aber er hat seit Mittwoch kein Wort über Du-weißt-schon-wen verloren. Scott genauso wenig.

Aber sie behandeln mich nicht wie ein Kind. Sie laufen nicht wie auf Eierschalen um mich herum. Ich muss es mir nur ausreichend vorstellen und es fühlt sich fast so an, als wäre alles in Ordnung.

Tyler steht immer noch mit seiner Kamera auf dem Feld, als wir wieder rauskommen. Irgendwie habe ich mir gewünscht, dass sie sich in der Halbzeitpause abwechseln würden. Ich weiß, erbärmlich.

***


Ich lächle, weil die anderen das von mir erwarten.

Charlie und Zach tragen mich auf ihren Schultern, als wäre ich irgendeine Gottheit.

„Du bist mein verdammter Held!“, sagt Charlie zu mir und ich lache und verstrubbele sein Haar mit einer Hand.

Wenigstens die Mannschaft denkt nicht, dass ich komplett nutzlos bin.

Irgendwann lassen sie mich herunter, weil Zach losmuss, um mit dem Coach zu sprechen. Ich laufe mit Charlie über das Feld zu Scott, der bereits mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht auf uns wartet.

„Guter Fang, hm?“, meint Scott und gibt mir einen Klaps auf den Rücken, während wir zurück in den Umkleideraum gehen. „Dir auf dem Feld zuzusehen… einfach wow.“

Ich weiß, dass er übertreibt, aber ich lächle über das Kompliment und Charlie versucht, auf meinen Rücken zu springen, damit ich ihn huckepack trage.

Ich schaffe es, mit ihm auf dem Rücken zwei oder drei Schritte zu gehen und dann rutscht er runter. Er ist schwerer, als er aussieht.

„Also… Lukes Party“, sagt Scott und ich weiß, worauf er hinauswill. Er will, dass ich ausgehe, Spaß habe, vergesse.

„Ja, wird sicher lustig. Richtig, Monty?“, fragt Charlie mich und grinst mich an, aber es ist ein gezwungenes Lächeln.

Ich nicke. Ich werde immer besser darin, so zu tun, als wäre alles okay. Ich bin sicher, dass ich bald anfangen werde, es zu glauben.

„Zuerst muss ich aber noch etwas erledigt“, erkläre ich ihnen und sie sehen mich beide gleichzeitig mit hochgezogenen Augenbrauen an.

Ich bin nicht sicher, wie sie über die ganze Situation denken, ob sie denken, dass ich es vermasselt habe oder er. So oder so sind sie auf meiner Seite und wollen nur sichergehen, dass es mir gut geht.

„Es wird nur ein paar Minuten dauern“, sage ich zu ihnen, damit sie aufhören, sich zu sorgen. „Ich treffe euch bei Luke?“

Sie sehen nicht glücklich aus, weil sie sich denken können, wohin ich fahre. Aber sie sagen nichts.

***


Im Sommer ist es mir in Fleisch und Blut übergegangen, bei ihm zuhause aufzutauchen. Es hat sich natürlich angefühlt, so normal.

Aber mittlerweile ist November. Die Luft ist kalt und der Wind beißt in meine Wangen, als ich vor seinem Haus stehe und darauf warte, dass die Tür geöffnet wird.

Er hat immer noch nicht auf meine Nachrichten reagiert. Aber ich werde nicht zulassen, dass er mich ignoriert. Ich brauche nur eine Chance. Diesmal werde ich es nicht vermasseln, ich verspreche es.

Aber genau das werde ich.

Und ich werde um eine weitere Chance bitten. Und noch eine.

Aber das ist es, was wir tun. Wir vermasseln es, er vergibt mir und wir halten ein paar Tage lang. Dann schließt sich der Kreis und es fängt wieder von vorne an.

Ich denke an das zurück, was er gesagt hat. Darüber, dass er mir genug Chancen gegeben hat und ich finde, dass er recht hat. Ich denke nicht, dass ich überhaupt eine Chance verdient hatte, geschweige denn eine zweite oder dritte oder all die anderen, die darauf gefolgt sind.

Plötzlich wird das Flurlicht angeschaltet und ich halte den Atem an, während ich darauf warte, dass sich die Tür öffnet.

Ich höre, wie der Schlüssel im Schloss umgedreht wird und erinnere mich, wie ich am Samstag die Tür zu unserem Hotelzimmer aufgeschlossen habe. Es fühlt sich an, wie in einem anderen Leben. Ist das überhaupt passiert oder habe ich es mir nur eingebildet?

Dann öffnet sich die Tür und er steht in ihr. Ich sehe den Ausdruck auf seinem Gesicht und fühle mich nicht so gut.

„… hey“, flüstere ich und kann spüren, wie sich meine Brust zusammenzieht, während ich auf eine Antwort warte. Er antwortet nicht. Er steht einfach nur da und hält Blickkontakt, aber ich kann in seinen Augen nichts lesen. „Darf ich… reinkommen?“

„Ich bin beschäftigt“, erzählt er mir und schaut die Tür an, als würde er erwägen, sie mir jeden Augenblick vor der Nase zuzuschlagen.

„Nun, dann nimm dir Zeit für mich. Ich führe dich aus.“

Ich muss schlucken und blinzeln, weil ich nicht an diesen Tag denken kann – nicht jetzt. Nicht lange.

„Ich… ähm… habe dir geschrieben?“, sage ich. Ich will, dass er etwas sagt, wortwörtlich irgendwas.

Aber er starrt mich in Grund und Boden und ich werde wieder nervös, weil – scheiße – das viel schwieriger ist, als ich gedacht habe.

„Ich wollte nur… eine Antwort von dir… Ich habe den ganzen Tag auf mein Handy gestarrt und dachte nur… komm schon, antworte bitte, weil ich nicht gewusst habe, wie du… reagieren oder was du denken würdest, aber…“

Bitte, irgendwas. Irgendwas. Gib mir nur irgendwas.

Hier stehe ich, auf seiner Türschwelle, schütte ihm mein Herz aus und entschuldige mich, weil ich weiß, dass das – was ich getan habe, falsch war. Noch nie zuvor habe ich mich so entblößt gefühlt, aber es interessiert ihn nicht.

Er steht da, ohne irgendeinen Ausdruck auf dem Gesicht und mit leeren Augen und es treibt mich in den Wahnsinn.

„Ich denke, ich habe klargemacht, wie ich über das denke, was du gesagt hast“, sagt er monoton und es ist nicht er, der da spricht. Das ist nicht Winston Williams, er ist es einfach nicht. Er kann es nicht sein. „Du hast es auch deutlich gemacht.“

Meine Brust zieht sich mit jeder Sekunde mehr zusammen und ich glaube, ich werde mich auf seiner Türschwelle übergeben. Aber ich muss mich zusammenreißen.

„Ich… Ich habe es nicht so gemeint“, sage ich und schüttle leicht den Kopf, weil ich mich nicht einmal daran erinnern will, was ich zu ihm gesagt habe. Ich habe versucht, es aus meinem Gedächtnis zu löschen. „Ich war einfach wütend und aufgebracht und ich…“

Ich will, dass er wütend auf mich wird. Er ist nie wütend auf mich gewesen. Das nächste, an das er jemals zu „wütend“ gekommen ist, war, als er mir gegenüber seine Stimme im Hotelzimmer erhoben hat. Das ist es gewesen.

Wir stehen stumm da, keiner von uns weiß, was er sagen soll, aber er sieht… gelangweilt aus. Er will mich hier nicht haben. Er will mich nicht.

„Winn? Kommst du?“

Mein Körper verspannt sich beim Klang der Stimme von drinnen. Es scheint Winston nicht im Geringsten zu beeinflussen.

Es ist eine männliche Stimme und sie klingt zu jung, um seinem Dad zu gehören, aber reif genug, um so zu klingen, als gehöre sie jemandem in unserem Alter.

„Komme!“, ruft er hinter sich. Dann sieht er mich an und seufzt. „Wie ich sagte, ich bin beschäftigt.“

Dann schaut er mich noch ein letztes Mal an und hebt die Augenbrauen, als hätte ich mich allein dadurch blamiert, dass ich hierhergekommen bin. Danach schließt er die Tür, das Licht geht aus und ich stehe da.

***


Ich habe nicht gedacht, dass ich es auf die Party schaffen würde, aber hier bin ich.

Ich bin nicht sicher, wie viele Drinks ich getrunken habe, wie spät es ist oder wen ich gerade küsse, aber ihr scheint es nichts auszumachen.

Ich habe Natalie vor einer Weile irgendwo in der Menge erspäht. Ich habe darüber nachgedacht, mich bei ihr zu entschuldigen, aber dann hat sie eine Grimasse in meine Richtung geschnitten und ist gegangen, um sich stattdessen mit ihren Freunden zu unterhalten.

Aber das war vier Mädchen vorher. Ich habe keine Ahnung, mit wem ich gerade zusammen bin.

Sie ist ein Durcheinander aus blondem Haar, unausstehlichem Lachen und Alkohol, aber es ist mir völlig egal. Ich habe geholfen, das Spiel zu gewinnen, ich habe mir das verdient.

Scott und Charlie beobachten mich von der anderen Seite des Raums aus, während ich mit dem Mädchen tanze. Ich bin kein Tänzer, es sei denn, ich bin komplett besoffen. Aber heute bin ich hagelvoll, habe endlich aufgehört, mich wie eine Schwuchtel zu benehmen, und habe meinem Team geholfen, zu gewinnen. Ich denke, es wäre dumm, nicht zu tanzen.

„Willst du hier raus?“, fragt das Mädchen und das ist mein Stichwort, wegzugehen. Ich schaue mich nach meiner nächsten Ablenkung um.

Ich will noch nicht abhauen. Ich habe vor zu feiern, bis ich die letzte noch stehende Person auf dieser beschissenen Party bin.

Sie starrt mich mit einem verwirrten Gesichtsausdruck an, während ich von ihr wegtaumele. Fast stolpere ich, aber dann ist da eine Hand auf meiner Schulter, die mich stützt.

„Hey… geht’s dir gut?“

Ich erkenne die Stimme. Diego.

Er starrt mich sichtlich besorgt an und ich fange an zu lachen. „Es ist so süß, dass du dich für mich interessierst.“

Kaum jemand interessiert sich heutzutage für mich.

„Ich glaube, du musst langsamer machen“, sagt Diego zu mir und beginnt, mich mit seiner Hand, die nach wie vor auf meiner Schulter liegt, von den tanzenden Leuten wegzudrängen.

Ich diskutiere nicht mit ihm. Er ist der Nüchterne, also muss er wissen, was er tut.

Er bringt mich ins Wohnzimmer, wo eine große Gruppe von Leuten herumsitzt und sich unterhält.

„Macht Platz“, befehlt Diego und sie werfen mir einen Blick zu und müssen kein zweites Mal aufgefordert werden.

Diego führt mich zur Couch und mein Herz fängt an zu hämmern, mein Mund füllt sich mit Spucke und ich –

„Ich glaube, ich muss–“

Und Kotze kommt aus meinen Mund geschossen und landet auf der Couch vor mir.

Es hört nicht auf und ich würde weiter all den Alkohol hervor, den ich zu mir genommen habe. Aber ich fühle mich dadurch nicht besser. Mit jeder vorbeistreichenden Sekunde fühle ich mich immer schlechter.

Diegos Hand bleibt auf meiner Schulter und ich fühle mich, als stünde ich kurz davor, auf die Knie zu fallen, aber er sorgt dafür, dass ich aufrecht stehen bleibe.

Ich höre Charlies Stimme im Hintergrund und er hat Panik.

Ich würge den letzten Rest hervor und dann stehe ich da. Kotze tropft von meinem Kinn, meine Augen sind rot und wässrig und ich blicke runter auf das Schlamassel, das ich auf der Couch hinterlassen habe. Lukey wird wahnsinnig wütend auf mich sein.

Ich mache einfach alles kaputt.

***


Ich glaube, das ganze Footballteam ist da.

Und sogar mit so vielen Kerlen in einem Raum können sie sich nicht einig darüber werden, was sie tun sollen.

Ich steuere nichts bei, während ich zuhöre, wie sie darüber diskutieren, was sie machen sollen. Ich liege einfach mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. Charlie und Scott haben versucht, mich aufzuheben und dazu zu bekommen, mich vernünftig hinzusetzen, aber der Boden fühlt sich einfach so schön und kalt an und ich will nirgendwo anders hin.

„Ich denke, wir sollten ihn einfach irgendwo im Nirgendwo aussetzen und darauf warten, dass er wieder nüchtern wird“, sagt einer der Jungs. Er kann nicht viel nüchterner sein als ich.

„Ja bitte“, murmele ich, aber sie hören mich nicht.

Ich weiß, dass Charlie irgendwo draußen mit Luke spricht und ihm erklärt, dass ich gerade einiges durchmache. Er versucht, ihn davon zu überzeugen, mich nicht zu Brei zu schlagen, weil ich seine Couch ruiniert habe.

Sie alle rufen durcheinander und dann öffnet sich die Tür und ich höre Lukes Stimme.

„Er wird ganz sicher nicht die Nacht über hierbleiben“, sagt er und ein paar der Jungs werden still.

„Es ist nicht so, als er hätte er es beabsichtigt“, verteidigt Diego mich. „Davon abgesehen, habe ich ihn zur Couch gebracht. Ich bin zumindest ein bisschen dafür verantwortlich.“

Wenn ich von dieser Logik ausgehe, sind Winn, fünf verschiedene Mädchen, Scott, Charlie und der Kerl, der den Alkohol besorgt hat, auch verantwortlich. Nee, das geht nur auf meine Kappe.

Sie fangen wieder an zu streiten, aber mein Kopf kann ihre Stimmen und Wörter nicht entschlüsseln und es hört sich einfach nur wie Krach an.

Einfach nur Krach, der mich nicht interessiert.

„Kannst du nicht sehen, wie verdammt fertig er ist?“, fängt Scott mit jemandem zu streiten an.

Ja. Total fertig. Das bin ich.

Nur ein paar Stunden zuvor bin ich der Held des gesamten Teams gewesen. Der Typ, der ihnen beinahe einen Platz in den Entscheidungsspielen gesichert hat. Jetzt bin ich nur total fertig.

„Halt deine verdammte Klappe, Reed. Du bist nicht mal im Team“, erwidert jemand und dann höre ich, wie jemand aufseufzt, und eine neue Diskussion bricht vom Zaun.

Schön.

Ich stifte nur Chaos.

Ich will nicht an ihn denken, tue es aber trotzdem.

Wenn er mich jetzt sehen könnte… er würde sofort flüchten.

Er hat mir gesagt, ich solle meinen Scheiß klären und das ist es, was ich tue.

Er verdient etwas Besseres, er verdient das hier nicht.

Charlie hat recht. Es ist peinlich, mit mir gesehen zu werden. Ich habe Angst davor, was die anderen denken würden, wenn sie uns zusammen sähen.

Wenn ich die Nacht nur früher beendet hätte. Wenn ich den Einkaufsbummel übersprungen hätte und wir direkt zum Riesenrad gegangen wären…

Wir hätten dort unseren Kuss gehabt, ich hätte ihn gefragt, ob er mein fester Freund sein will und er hätte Ja gesagt. Dann wären wir zurück in unser Hotelzimmer gegangen und hätten die ganze Nacht und den Morgen nur für uns gehabt.

So hätte es laufen sollen.

Aber stattdessen habe ich ihn vor Menschen beleidigt, zu denen ich früher aufgesehen habe. Ich habe gelacht, als er angespuckt wurde und habe anschließend alles noch schlimmer gemacht, indem ich ihn eine Schwuchtel genannt habe. Diesmal habe ich es wirklich vermasselt.

Das kann man nicht wiedergutmachen.

„Ist hier irgendjemand nüchtern?“, ruft Charlie über alle anderen hinweg. Er mag vielleicht der Jüngste hier sein, aber manchmal denke ich, dass er schlauer ist, als die ganze Mannschaft zusammen.

Die Nacht vom Homecoming. Er ist mit Alex gekommen und mit mir gegangen. Er hat sich für mich entschieden. Am Morgen danach hat er mir von seiner Kindheit erzählt und wir haben zusammen gefrühstückt.

Die Nacht von Halloween. Ich habe ihn mit nach Hause genommen und mich um ihn gekümmert. Am Morgen danach habe ich ihn meinen Freunden vorgestellt und er hat sich entschieden, mir von seinem Cousin zu erzählen. Er hat mir vertraut.

Meine liebsten Erinnerungen über uns sind die, von denen ich mir wünsche, dass wir sie nie erlebt hätten.

Gott, es wäre so viel einfacher, wenn wir nichts von diesem Mist gemacht hätten.

„Ich hatte nur einen Drink“, sagt jemand und dann tritt ein leises Murmeln von Stimmen ein, während sie entscheiden, was sie tun sollen.

Seit dem ganzen Schlamassel mit Jeff Atkins sind wir behutsamer, was betrunkenes Fahren angeht. Gott, er wüsste jetzt, was zu tun ist.

„Ich kann fahren. Wenn niemand anderes es kann?“

Zachy.

Gott, ich vermisse Zach, Bryce und Justin und alle anderen. Damals, als meine größte Sorge gewesen ist, regelmäßig für das Footballteam zu spielen.

Mein vierzehnjähriges Ich wäre angewidert, wenn es mich gerade sehen könnte, wie ich alles für irgendeinen Typen wegwerfe, wofür wir so hart gearbeitet haben.

Aber er ist nicht nur irgendein Typ.

Er ist anders.

Weil ich –

„Kannst du stehen?“, fragt Zach mich und kniet neben mir nieder. Ich antworte nicht und er dreht den Kopf zu Scott. „Kann er stehen?“

Scott zuckt mit den Achseln. „Ich weiß es verflucht nochmal nicht.“

Zach seufzt, kommentiert es aber nicht. Ich fühle seine Hände auf meiner Taille, als er versucht, mich dazu zu kriegen, mich aufzusetzen. „Komm schon, Monty. Ich habe dich. Es wird alles gut.“

Ich wünschte, es wäre so einfach.


***



Zach nimmt uns alle drei zu Charlie nach Hause mit und ich will mich immer wieder bei ihm bedanken, aber die Worte kommen einfach nicht aus meinem Mund.

„Du musst mit mir arbeiten, Mann“, sagt Zach zu mir, während er versucht, mich anzuschnallen.

Ich ächze und bewege meinen Arm ein bisschen, damit es leichter für ihn ist. Endlich schafft er es, mich anzuschnallen, dann steht er draußen vor dem Auto und starrt mich an.

„Was zur Hölle ist mit dir passiert, Mann?“, fragt Zach und schüttelt enttäuscht über mich den Kopf. „Zu feiern ist vollkommen okay, aber… es sieht nicht einmal so aus, als hättest du Spaß.“

„Kein Scheiß“, lalle ich und kann fühlen, dass ich Kopfschmerzen bekomme. Er hat mich echt fertiggemacht.

Ich schließe die Augen und atme aus, während ich versuche, mich nicht auf die Kopfschmerzen zu konzentrieren, aber Zach steht immer noch über mir.

„Ich will nicht neugierig sein, aber… ist es… wegen jemandem?“, erkundigt er sich unsicher und ich grunze.

All das… wegen eines Kerls.

Dann erinnere ich mich daran, wie gleichgültig er ausgesehen hat, als ich zu ihm gefahren bin, um mich zu entschuldigen. Es interessiert ihn nicht, es schmerzt ihn nicht. Er spielt nur mit mir. Wahrscheinlich fickt er in genau diesem Moment diesen Typen, der in seinem Wohnzimmer gewesen ist, während ich hier sitze und mich wegen dem fertigmache, was ich ihm angetan habe.

Erbärmlicher kann es nicht mehr werden.

Wenn mein Magen nicht leer wäre, würde ich mich vermutlich übergeben.

„Ist es… wegen Winston?“

Mein Herz setzt einen Schlag aus. Ich presse meine Kiefer aufeinander und reiße meine Augen auf. Wie kann er…

In meinem Kopf dreht sich alles und ich bin sicher, dass ich jede Sekunde ohnmächtig werde. Wie zum Teufel kommt es, dass Zach es weiß? Hat er uns Samstag gesehen? Hat Bryce etwas erzählt? Oder ist es einfach so offensichtlich?

Können Scott und Charlie sich nicht verflucht nochmal beeilen, damit wir von hier verschwinden können?

„Woher…“ Meine Stimme verliert sich und Zach leckt sich nervös über die Lippen.

„Er hat es mir erzählt“, meint Zach und meine Augenbrauen schießen nach oben. Er hat es ihm erzählt? Wem hat es verdammt nochmal noch erzählt? Zach? Ausgerechnet…

„Während der Abriegelung“, fährt Zach fort und ich blicke nicht zu ihm auf, weil ich seine Beurteilung nicht will. „Wir haben beide einfach wirklich am Rad gedreht, waren high und wahnsinnig verängstigt.“

„Was hat er dir erzählt?“, frage ich leise und balle meine Hände zu Fäuste, um mich auf das vorzubereiten, was kommen wird.

Ich schaue zu Zach auf und er wirkt zögerlich. Er seufzt und sieht dann runter auf seine Füße. „Er meinte, er… er hat dich geliebt. Ich meine, er liebt dich. Präsens.“

Nicht mehr.

Ich kann es nicht verarbeiten.

Wie könnte er mich lieben?

Ich bin ein einziges Chaos, das bin ich immer gewesen. Er kann mich nicht lieben. Er kennt mich nicht einmal.

Er kann nicht…

Es fühlt sich an, als läge ein schweres Gewicht auf meiner Brust und ich weiß nicht, ob es am Alkohol oder vielleicht etwas anderem liegt, aber meine Augen beginnen, feucht zu werden. Ich gebe ein leises Schluchzen von mir, das ich schnell als Lachen zu kaschieren versuche.

„Tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen, aber…“ Ich muss tief einatmen, weil es sich anfühlt, als würde mir jemand die Luft aus meiner Brust ziehen. „Er liebt mich nicht. Er hasst mich.“

Ich lecke über meine Lippen und starre vor mir auf den Fahrersitz. Er liebt mich nicht. Das hat er nie.

Zach hat es selbst gesagt, sie waren high und hatten Angst. Er hat wahrscheinlich nicht einmal gewusst, was er sagt.

Ich wünschte, Zach würde an dieser Stelle seinen verfickten Mund halten. Und was zur Hölle brauchen Scott und Charlie so lange? Erzähl mir nicht, dass sie immer noch mit Luke darüber diskutieren, wer die Couch bezahlt.

Aber nichts verläuft heute so, wie ich es gerne hätte, und Zach kann nicht anders.

„Du kannst jemanden nicht in einer Woche lieben und ihn in der nächsten hassen. So funktioniert es nicht. Selbst wenn du es wolltest und du dein Bestes versuchst“, sagt Zach zu mir und ich lege die Hände über meine Ohren, weil die Kopfschmerzen immer schlimmer werden. „Was auch immer zwischen euch passiert ist, ich bin sicher, dass ihr–“

„Halt einfach deine verdammte Klappe!“, brülle ich Zach an und er verstummt. „Okay? Ich brauche deinen beschissenen Ratschlag nicht. Ich habe es vermasselt, er hasst mich und es ist vorbei. Okay? Also lass es zum Teufel einfach!“

Zach starrt mich an und nickt dann langsam. „In Ordnung.“

Ich muss ihm nicht sagen, es niemandem zu erzählen, weil er nicht dumm ist. Und es gibt nichts, zu erzählen.
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