Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Someone Will Remember Us

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 Slash
Montgomery de la Cruz
06.09.2020
22.11.2020
30
99.640
2
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.10.2020 2.369
 
Guten Abend ihr Lieben!



Heute sind wir schon bei Kapitel 19. Puh, wie die Zeit einfach verfliegt!

Das heutige Kapitel ist etwas kürzer, dafür dürft ihr euch am Freitag auf ein längeres freuen. :-)

Jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen. Bis Freitag!

Liebe Grüße

eure Anja

__________________________________

Kapitel 19: Charlie hat die Wette verloren


Ich weiß, dass ich es vermasselt habe.

Winn lässt mich deutlich spüren, dass ich etwas getan habe, das ihn verärgert hat.

Und ich vermassle es weiterhin an jedem weiteren Tag, an dem ich mich nicht bei ihm entschuldige.

Ich weiß immer noch nicht, was genau ich getan habe, aber ich habe ein paar Vermutungen.

Er hat mir am Freitag abgesagt und jetzt ist Samstag und er reagiert nicht auf meine „Willst du abhängen?“-Nachrichten.

Wir frühstücken bei Charlie zuhause, weil wir uns immer noch auf unsere letzten beiden Footballspiele vorbereiten müssen.

„Hör zu, du gibst ab und dann –“, erklärt Scott Charlie, während wir an dessem Esstisch sitzen, weil es im Esszimmer keine Ablenkungen gibt. „Monty, hörst du überhaupt zu?“

Vielleicht ist sein W-LAN schlecht oder so. Oder vielleicht hat er sein Handy verloren. Wahrscheinlich schläft er noch. Er wird die Nachrichten bald lesen.

Zugestellt.

Ich habe den Rest des Tages frei, ich kann ihn nicht einfach verschwenden. Ich muss ihn seh–

„Monty!“

„Hm?“

Ich blicke von meinem Handy auf und beide starren mich an. Großartig. Eine Intervention ist im Anmarsch.

„Was hast du gemacht?“, fragt Charlie mich mit leicht erhobenen Augenbrauen.

Ich runzele die Stirn. Warum vermuten sie immer, dass ich derjenige bin, der es vermasselt hat?

„Nichts. Ich–“

Scott langt über den Tisch und schnappt sich mein Handy aus meiner Hand, bevor ich überhaupt reagieren kann.

Er und Charlie lesen die Nachrichten und analysieren sie, als wären sie ein Gedicht für den Englischunterricht. Vielleicht sollte ich versuchen, ihm ein Gedicht zu schreiben?

Darauf müsste er antworten.

Scott schiebt mein Handy zurück über den Tisch und seufzt.

„Was hast du gemacht, Monty?“, wiederholt er Charlies Frage und jetzt sehen sie beide mich abwartend an.

Nichts. Okay?“, sage ich, aber sie sehen nicht überzeugt aus. „Okay. Du meintest, du gibst ab und dann–“

„Nein, nein, nein“, sagt Charlie schnell und ich verdrehe die Augen. „Du erzählst uns jetzt, was du dem armen Winston angetan hast, dass er dich ignoriert.“

Ich schnaube. „Er ignoriert mich nicht, er schläft vermutlich noch.“

„Um 11 Uhr vormittags?“, fragt Scott und ich sollte den Schlag einfordern, den ich ihm noch schulde.

Ich will schon argumentieren, dass wir auch um diese Zeit frühstücken, aber so sind wir halt. Winn könnte nie so lange ausschlafen, es sei denn, er hat in der Nacht vorher viel getrunken.

Ich seufze und streiche meine Haare zurück. Wieso muss er immer so verwirrend sein? Kann er mir nicht einfach sagen, was ich falsch gemacht habe, damit wir es klären können?

„Du hast offensichtlich etwas getan, das ihn verärgert hat“, berichtet Charlie mir und ich stöhne auf. Ja, kein Scheiß. „Fahr einfach rüber und rede mit ihm.“

Es fühlt sich echt so an, als würde es mich dümmer machen, mit Charlie abzuhängen.

„Kannst du lesen? Ich habe ihn gefragt, ob er abhängen will, und er hat noch nicht einmal meine Nachrichten geöffnet“, erinnere ich sie und sie schauen einander an, als wäre ich der Idiot in diesem Raum.

„Versteh mich nicht falsch, aber…“, setzt Charlie an und ich weiß bereits, dass ich es falsch auffassen werde, „… hast du nie das Gefühl, dass du vielleicht nicht so viel Mühe in eure Beziehung investierst wie Winston?“

Ich verziehe das Gesicht und Scott nickt und stimmt damit Charlie zu. „Was zur Hölle soll das heißen?“

Scott seufzt, aber er schaut Charlie an, damit er es erklärt.

„Warum ich?“, will Charlie wissen und starrt Scott an. „Er hört nie auf mich.“

Scott zuckt die Achseln. „Ich lasse euch schwule Kerle das unter euch klären – und ja, Monty, bevor du irgendwas sagst, ich weiß, dass du nicht wirklich schwul bist.“

Ich verdrehe meine Augen bei seinem spöttischen Ton. Ich bin nicht vollkommen schwul.

„Nur für Winston schwul“, meint Charlie mit einem selbstgefälligen Grinsen und ich erwidere nichts. „Wie auch immer. Wie ich eben sagte… Winston, er… er ist geoutet.“ Haben wir dieses Gespräch nicht schon geführt? „Und es muss so frustrierend für ihn sein, sich für dich in der Öffentlichkeit verstecken zu müssen, besonders, wenn du dich privat komplett wohl mit ihm fühlst.“

„Können wir zum Punkt kommen?“

Winn hat gewusst, auf was er sich einlässt. Er kann nicht wütend auf mich sein, weil er genau das bekommt, was ich ihm versprochen habe. Er weiß, dass ich niemand bin, der öffentlich seine Hand hält. Das habe ich ihm in der Nacht des Homecoming-Spiels gesagt.

„Was ich damit sagen will, ist“, sagt Charlie rasch, „, dass du vielleicht versuchen solltest… Ich weiß nicht. Ihm zu zeigen, dass er dir wirklich wichtig ist? Ihm zu zeigen, dass es dir nicht peinlich ist, mit ihm gesehen zu werden?“

Was erwarten sie von mir? Dass ich ihn hoch in meine Arme hebe und der ganzen Welt verkünde, dass ich ihn hinter verschlossenen Türen ficke?

„Aber ich–“

Aber Charlie hat bereits ein Gegenargument parat. „Ich sage nicht, dass ihr zwei in der Öffentlichkeit Händchen halten und euch küssen sollt – dafür bist du offensichtlich noch nicht bereit. Aber führe ihn vielleicht irgendwohin aus? Es muss nicht mal in Evergreen sein. Ihr könnt überall hinfahren, irgendwohin, wo euch niemand kennt. Nur… zeig ihm, dass er dir nicht egal ist.“

Mir fallen ungefähr hundert andere weniger peinliche Methoden ein, wie ich Winn zeigen könnte, dass er mir wichtig ist. Keine davon beinhaltet, dass wir öffentlich miteinander ausgehen. Es ist zu gefährlich.

„Also?“, sagt Scott und ich starre ihn an. „Was machst du immer noch hier? Geh.“

Und ich… gehe einfach? Und führe ihn aus? Es kann nicht so einfach sein.

„Aber… die Nachrichten“, setze ich an und Scott stöhnt auf.

„Benutz eine andere Ausrede, diese hier wird langsam alt“, sagt Scott mir und Charlie wirkt erleichtert, dass er nicht derjenige sein muss, der mich zurechtweist. „Cenwood. Zwei Städte entfernt. Da ist ein Jahrmarkt… Niemand dort wird euch kennen.“

Er sieht traurig aus, als er den letzten Teil ausspricht, und schaut weg. „Ich wollte Estela dorthin mitnehmen“, sagt er und bestätigt damit genau, was ich vermutet habe. Kein Wunder, dass ich nie gewusst habe, dass sie zusammen waren.

Aber die ganze Sache mit Estela ist lange vergessen. Ich habe Scott verziehen und es besteht keine Notwendigkeit, es zur Sprache zu bringen.

Charlie sieht zuerst Scott und dann mich an und er ist derjenige, der die peinliche Stille unterbricht. „Also, worauf wartest du?“

Ich bin immer noch nicht sicher, ob das eine gute Idee ist oder nicht. Ich meine, wird er überhaupt mit mir ausgehen wollen? Was, wenn er beschäftigt ist? Was, wenn er mich heute gar nicht sehen will?

„Ich schwöre, in einer Sekunde schleife ich seinen Arsch durch diese Tür“, meint Scott leise und Charlie grinst.

All diese Fragen verschwinden in meinem Hinterkopf und ich kann nicht anders, als zu grinsen. „Ihr glaubt wirklich, dass das funktionieren wird?“

Charlie zuckt mit den Achseln. „Versprechen können wir es dir nicht. Aber du solltest wissen, was zu tun ist. Er ist dein Freund, nicht meiner.“

Er ist nicht mein Freund. Noch nicht. Aber das wird er.

Hoffentlich, bevor diese Nacht zu Ende ist.

***


Fast hoffe ich, dass er – wenn er die Tür öffnet – kaum wach ist und immer noch die Shorts und das Shirt zum Schlafen trägt. Das würde bedeuten, dass er mich nicht wirklich ignoriert hat.

Aber als er die Tür aufmacht, ist er komplett wach und starrt mich an. „Was machst du hier?“

Er könnte wenigstens so tun, als würde er sich freuen, mich zu sehen. Ich bin den ganzen Weg hierhergefahren und könnte ihn fragen, warum er meine Nachrichten ignoriert oder weshalb er mir letzte Nacht abgesagt hat. Aber ich tue es nicht. Es hat keinen Zweck, den Tag zu ruinieren, bevor er überhaupt angefangen hat.

„Ich wollte dich sehen“, sage ich und blicke weg, weil – oh Gott – ich klinge lächerlich. Er sollte mir einfach die Tür vor der Nase zuschlagen.

Aber selbst das bringt ihn nicht zum Lächeln. „Richtig. Mich sehen. Bei mir zuhause. Wo uns niemand zusammen sehen kann.“

Ich seufze und verdrehe die Augen. Er kann nicht erwarten, dass ich einfach so meine Gefühle für ihn verkün– … dass ich mich einfach so bereit erkläre, ihn öffentlich zu küssen, nur weil ich ihn mag.

Okay. Ich gebe es zu. Ich mag ihn.

Einen Kerl. Das macht mich nicht schwul und es bedeutet nicht, dass ich auf einmal all den Homoscheiß unterstütze, den er unterstützt.

Ich halte den Mund geschlossen. Er ist geduldig mit mir gewesen, ich habe das ein oder andere von ihm gelernt.

„Darf ich reinkommen?“, frage ich und lecke über meine Lippen, weil sie sich plötzlich trocken anfühlen, obwohl ich schwitze und mein Herz hämmert.

„Ich bin beschäftigt“, sagt er und verschränkt die Arme vor der Brust. Ich schwöre, ich verliere meine Fassung.

„Nun, dann nimm dir Zeit für mich“, sage ich ihm. „Ich führe dich aus.“

Ich bin noch nie in meinem gesamten Leben so nervös gewesen. Mir wäre nie der Gedanke gekommen, dass die Möglichkeit bestünde, dass er mich abweist.

Er hebt fragend eine Augenbraue und ich seufze, weil ich mich erklären muss. Ich habe gehofft, dass es eine Überraschung werden könnte.

„Wow, du weißt, wie man eine Überrascht ruiniert“, murmele ich und sehe, wie langsam ein Lächeln auf seinem Gesicht erscheint. „Es ist nur… Du musst nur wissen, dass wir ausgehen. Und das kannst du nicht tragen.“

Ich betrachte seinen roten Pullover und die grauen Hosen und schüttle den Kopf.

„Was stimmt denn nicht mit dem, was ich anhabe?“, lacht er und schlägt mir spielerisch auf die Schulter.

„Es ist nicht angemessen“, erkläre ich ihm schlicht und er schnaubt. „Wir werden auf richtige Menschen treffen und ich werde nicht zulassen, dass du mich mit diesem Outfit blamierst.“

Ich versuche, so gelassen wie möglich zu klingen, aber meine Hände zittern und ich weiß, dass es jetzt keinen Weg zurück mehr gibt.

Wir gehen aus. Zusammen. Und andere werden uns zusammen sehen.

Winn sieht aus wie ein Kind an Weihnachten, seine Augen glitzern und seine Lippen sind zu einem breiten Grinsen verzogen.

Langsam trete ich einen Schritt zurück, weg von seinem Haus, und jetzt grinsen wir beide wie verrückt. „Zehn Minuten. Ich warte im Auto.“

Er schüttelt den Kopf und lacht, weil er weiß, dass er nicht Nein sagen kann. Selbst dann nicht, wenn er es wollte.

***


Seit einer Ewigkeit bin ich nicht mehr zusammen mit Winn Auto gefahren.

Und ich erinnere mich wieder, warum ich es nicht vermisst habe.

„Ernsthaft?“, will ich wissen, weil wir wieder rechts ranfahren müssen. „Es ist eine fast zweistündige Fahrt und wir werden mindestens doppelt so lange brauchen, wenn ich wegen dir alle fünf Minuten anhalten muss.“

Ich schwöre, er hat keine Blase. Was auch immer er trinkt, kommt sofort wieder aus ihm raus.

„Ooh, machst du dir Sorgen, dass jemand sieht, wie ich aus deinem Auto aussteige?“, meint er und ich weiß, dass er mir immer noch nicht komplett verziehen hat, dass ich ihn wie irgendein Geheimnis verstecken wollte.

Ja.

„Nein“, sage ich. „Es nervt mich nur, dass wir ständig anhalten müssen.“

Ich habe mir bereits eine Erklärung überlegt, weshalb er mit mir unterwegs ist, falls uns jemand aus der Schule sieht und fragt. Alles ist gut, wir können das schaffen.

Also halte ich an der nächsten Tankstelle an und tanke, während ich darauf warte, dass er von der Toilette zurückkommt.

Scott hat mir vor einer Weile die Adresse geschickt, aber bis gerade habe ich keine Zeit gefunden, ihm zu antworten. Ich bedanke mich bei ihm und während ich ihm schreibe, kommt Winn zurück zum Auto.

Scott: Also hat er Lust, mit dir zu fahren?

Monty: Jepp.

Scott: Ha, Charlie schuldet mir 10 Mäuse. Viel Spaß.

Sie haben darüber gewettet? Darauf werde ich gar nicht erst antworten.

Winn hat immer noch keine Ahnung, wohin wir fahren, als ich den Motor wieder starte. Aber diesmal habe ich die Adresse des Jahrmarkts bei Google Maps eingegeben und bin sicher, dass er erraten könnte, wohin es geht, wenn er wollte.

Ich muss immer noch entscheiden, was wir unternehmen werden, wenn wir da sind. Wir werden ziemlich früh dort ankommen und der Jahrmarkt öffnet nicht vor 19 Uhr. Wir werden viel Zeit für uns haben.

Ich blicke zur Seite, um zu sehen, was er macht. Er schaut aus dem Fenster, aber er lächelt. Ich glaube nicht, dass er aufgehört hat, zu lächeln, seit ich bei ihm zuhause aufgetaucht bin.

Ich bemerke, dass ich das hier nicht wirklich durchdacht habe, während ich weiterfahre. Ich bin nach wie vor nicht sicher, wie lange wir bleiben werden. Wir könnten über Nacht bleiben, ich bin sicher, Estela und Charlie würde es nichts ausmachen, mich zu decken, wenn ich sie nett frage.

Ich wünschte nur, ich wüsste, was Winn will. Es würde das so viel einfacher machen.

***


Winn wirft immer wieder alle paar Minuten einen Blick auf sein Handy und ich bin nicht sicher, warum er so unruhig und nervös aussieht, weil er die ganze Zeit mit seinen Händen spielt.

Aber dann, als er erkennt, dass es nur noch zehn Minuten dauert, bis wir unser Ziel erreichen, wagt er es, zu reden.

„Wir könnten… ähm… in einem Hotel übernachten. Wenn du willst.“

Er klingt so nervös, dass es grausam wäre, Nein zu sagen. Und ich weiß, was er damit andeutet und spüre, wie sich mein Herzschlag beschleunigt. Aber leider können wir nicht.

„Ich habe nicht genug–“, sage ich peinlich berührt, aber Winn unterbricht mich.

„Ich kann zahlen“, meint er schnell. Unsere Blicke treffen sich und er schluckt schwer.

Scheiße.

Scheiße.

Sogar ich werde jetzt langsam nervös und meine Hände fühlen sich glitschig auf dem Lenkrad an, aber zumindest habe ich etwas, das ich festhalten kann.

Ich soll dich ausführen“, erinnere ich ihn, aber ich hoffe verdammt nochmal wirklich, dass er uns zu diesem Hotel bringt. Allein daran zu denken, macht mich geil.

Winn zuckt mit den Schultern, ein durchtriebenes Grinsen bildet sich bereits auf seinem Gesicht. „Zusammenarbeit.“

Und ich bin es leid, zu diskutieren. Wir fahren zu einem verdammten Hotelzimmer. Es interessiert mich nicht.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast