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Someone Will Remember Us

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Montgomery de la Cruz
06.09.2020
22.11.2020
30
99.640
3
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Dieses Kapitel
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25.10.2020 3.055
 
Guten Morgen ihr Lieben!



Heute ist der letzte Tag meines voraussichtlich letzten Urlaubs in diesem Jahr angebrochen und ich bin schon etwas traurig. Aber immerhin habe ich diese Woche 11 Kapitel übersetzt, worauf ich echt stolz bin. Ich bin heute Nachmittag unterwegs, versuche aber, heute noch Kapitel 10 von der Fortsetzung Becoming The First Choice zu übersetzen, sodass ich die Geschichte auch zur Hälfte fertig habe.

Übrigens: Falls ihr euch dafür interessiert, wie weit ich mit meinen Übersetzungen bin, findet ihr auf meinem Profil immer die entsprechende Kapitelanzahl. Ihr könnt mich bei Interesse aber auch gerne anschreiben – ich beantworte eure Fragen gerne.

Jetzt wünsche ich euch einen schönen Sonntag und viel Spaß beim Lesen. :-)

Liebe Grüße

eure Anja

____________________________________


Kapitel 18: Abriegelung


Estela redet nicht mit mir. Sie hat gemeint, ich hätte sie vor der gesamten Schule blamiert.

Sie hat mich monatelang blamiert, indem sie sich hinter meinem Rücken mit Scott getroffen hat. Es muss einiges passieren, bevor wir quitt sind.

Charlie hat heute Morgen an meinem Spind auf mich gewartet. Ich bin an ihm vorbeigegangen, ohne ihm auch nur einen Blick zuzuwerfen.

Aber so schnell gibt Charlie nicht auf, besonders nicht, wenn er sich mies fühlt.

Er hat beim Mittagessen, während des Footballtrainings und anschließend im Umkleideraum versucht, mit mir zu reden. Ich habe nicht einmal geduscht, sondern mich umgezogen und bin abgehauen, ehe mich jemand aufhalten konnte.

Jetzt habe ich Englisch.

Ich will wirklich nicht angeben, aber ich glaube, dass ich tatsächlich Miss Lawrence‘ Liebling bin. Sie hat alles darangesetzt, mir mit meiner Englischnote zu helfen, und sie ist sicher, dass ich meinen Abschluss schaffen werde, wenn ich so weitermache. Ich kann es nur hoffen.

Die Flure sind leer, weil die meisten Schüler immer noch in ihrem Unterricht sind, ich bin noch nie früh in einer Klasse erschienen.

Ich halte an der Tür inne, weil Miss Lawrence nicht alleine ist.

„Ja, Scott, ich verstehe, aber ich kann–“

„Was zum Teufel machst du hier?“

Ich habe versucht, ihm auf zu dem Weg zu gehen und er hat es mir nur leichter gemacht, indem er mir ebenfalls den ganzen Tag lang aus dem Weg gegangen ist. Aber jetzt sind wir hier, im selben Klassenzimmer.

Miss Lawrence sitzt an ihrem Tisch und Scott steht vor ihr und sie drehen die Köpfe, um mich anzusehen.

„Also?“, will ich wissen und schaue ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.

Ich habe gedacht, ihn zu sehen würde mittlerweile etwas leichter sein. So, wie es leichter geworden ist, Charlie zu sehen. Aber Charlie hat nicht mit meiner Schwester geschlafen, er hat es nur vor mir geheim gehalten.

Miss Lawrence hat offenbar von unserem Streit gehört – ich bin ziemlich sicher, das hat jeder. „Jungs. Warum reden wir nicht einfach–“

„Stalkst du mich jetzt?“, frage ich Scott und er schnaubt. Okay, ja, wir haben ähnliche Stundenpläne und besuchen beide diese Schulstunde, aber er muss jetzt gerade nicht hier sein.

„Es dreht sich nicht alles um dich“, sagt er mit leicht erhobenen Augenbrauen.

Ich hätte ihn gestern wirklich krankenhausreif schlagen sollen.

Ich mache ein paar Schritte auf ihn zu, aber er ist nicht so verwirrt oder benommen wie gestern und behauptet sich.

„Du bittest mich gerade praktisch darum, dass ich dich schlage“, sage ich und wegen seiner Größe ist es leicht, ihn einzuschüchtern.

Und was ist das Schlimmste, das passieren könnte, wenn ich ihm genau jetzt eine verpassen würde? Lawrence wäre nicht in der Lage, uns auseinander zu bringen, und bis sie einen Lehrer geholt hätte, wäre ich mit Scott längst fertig.

Aber ich habe keine Zeit, überhaupt daran zu denken, ihn zu schlagen, weil ein lautes klingelndes Geräusch ertönt.

Zuerst denke ich, dass es die Klingel ist, die das Ende der Schulstunde signalisiert. Aber dann dröhnt der Alarm los und ich sehe die Panik auf Miss Lawrence‘ Gesicht.

Ich weiß, was das bedeutet.

Die Schule wird abgeriegelt.

***


Lawrence lässt uns in entgegengesetzten Ecken des Zimmers sitzen. Ich bin ziemlich sicher, dass sich alle im Falle einer Abriegelung an einer Stelle zusammendrängen sollen, aber sie denkt vermutlich, dass wir im Augenblick füreinander gefährlicher sind, als irgendein Amokläufer.

Ich sitze mit dem Gesicht zu Wand, genau wie er. Augenkontakt ist gefährlich.

„Es ist nur eine Übung, Scotty. Mach dir nicht in die Hose“, rufe ich quer durch den Raum. Ich weiß, wie panisch Scott wegen so einem Zeug werden kann.

Obwohl ich ihn nicht sehen kann, kann ich mir genau vorstellen, wie er wegen mir gerade die Augen verdreht.

„Sprecht leiser“, befiehlt Lawrence uns. Ich bin sehr sicher, dass sie gerade überall lieber wäre, als hier.

Winn hat mir fast sofort geschrieben, als die Abriegelung losgegangen ist. Er ist bei Zach, also sollte es ihm gut gehen. Ich könnte ihn anrufen und mit ihm am Telefon bleiben, während wir abgeriegelt sind, aber ich kann nicht. Nicht mit Scott und Lawrence im Raum.

Ich habe Estela geschrieben, aber sie hat nicht geantwortet. Selbst wenn die Möglichkeit besteht, dass wir sterben könnten, ignoriert sie mich immer noch. Sie ist ein stures Mädchen. Aber ich mache mir Sorgen um sie.

„Kannst du Estela schreiben? Prüfen, ob es ihr gut geht?“, frage ich Scott, auch wenn ich es nicht will. Aber schwierige Zeiten und so weiter und so fort.

Es ist wahrscheinlicher, dass sie eine Nachricht von Scott beantwortet, als eine von mir.

Ich höre Scott schnauben. „Wir sind nicht zusammen.“

„Ja, das will ich auch hoffen“, meine ich, aber ich bin froh zu hören, dass sie zumindest den Anstand hatten, es zu beenden. „Aber kannst du nicht–“

„Nein. Was ich meine, ist… wir haben vor ein paar Wochen Schluss gemacht“, erklärt Scott mir und ich runzele die Stirn. Ein paar Wochen? Aber…

„Wir haben es ein paar Tage vor Halloween beendet“, berichtet Scott mir jetzt. „Aber dann hat sie mich auf der Halloweenparty gesehen und sie dachte, sie wäre… du weißt schon. Und irgendwie haben wir am Ende dort gestritten. Sie wollte keinen Schwangerschaftstest machen.“

Ich weiß wirklich nicht, was ich darauf erwidern soll, also grunze ich nur. Aber die Atmosphäre im Zimmer scheint leichter zu sein, als wäre der größte Teil der Spannung verschwunden.

Aber Scott ist noch nicht fertig. Er nutzt die Gelegenheit, um sich zu entschuldigen, weil keiner von uns hier raus kann. Wir stecken gemeinsam hier fest.

„Ich weiß, dass es falsch war, was ich getan habe. Sie ist deine kleine Schwester und ich verstehe, warum du so reagiert hast“, fährt er fort und nun bin ich an der Reihe zu schnauben. Ich hätte viel rauer reagieren müssen, als ich es getan habe. Er verdient ein blaues Auge.

„Du solltest nicht Charlie für das bestrafen, was ich getan habe“, fügt Scott seufzend hinzu. „Er wollte es dir sagen. Er war drauf und dran, es dir zu erzählen. In der Nacht, in der du…“

In der Nacht, in der ich ihnen Winn vorgestellt habe. Die Nacht, bevor er mir von seinem Cousin erzählt hat.

Ich erinnere mich daran, dass Charlie meinte, er müsste mir etwas erzählen, nachdem er sagte, er hätte Scott und jemand anderes bei etwas erwischt. Er hat es mir wirklich erzählen wollen.

Aber das hat er nicht. Ich bin länger sein Freund gewesen, als irgendjemand sonst. Ohne mich wäre er nicht einmal mit Scott befreundet. Also, warum sollte er beschließen, Scotts Geheimnis zu bewahren?

„Also, warum hat er es mir nicht erzählt?“

Scott seufzt. „Ich habe ihn dazu überredet. Ich habe ihm gesagt, dass das zwischen Estela und mir vorbei ist und du es nicht herausfinden würdest. Deswegen hat es keinen Sinn gemacht, es zur Sprache zu bringen und das zwischen uns zu zerstören.“

Ich schnaube. Ich hätte es nie herausgefunden, wenn der Schwangerschaftstest nicht aufgetaucht wäre. Wenn meine Mutter nur nicht den Mülleimer nach Quittungen durchsucht hätte… dann hätte ich es nie herausgefunden. Wir wären immer noch Freunde.

Aber ich habe es herausgefunden. Und es war sein Plan, es weiterhin vor mir geheim zu halten.

Ich sitze näher an der Tür als er. Er sitzt auf der anderen Seite des Zimmers. Aus diesem Grund erschrecke ich mich fast zu Tode, als jemand anfängt, an der Türklinke zu ziehen.

„Heilige–“

Ich springe vom Stuhl auf und weiche ein wenig zurück.

Ich werfe einen Blick zurück und sehe, dass Scott und Lawrence mich besorgt anschauen.

„Monty!“, ruft Lawrence und bedeutet mir, auf die Seite des Raums zu kommen, auf der Scott und sie sich befinden. Wenn mir etwas passiert, wäre es ihre Schuld, weil sie mich so nah bei der Tür positioniert hat.

Gerade ist es mir egal, dass ich mich in Scotts Nähe befinde. Dieser ganze Scheiß ist mir völlig egal. Zumindest für diesen Moment.

***


Estela antwortet mir schließlich, nachdem ich ihr erzählt habe, dass es vielleicht doch keine Übung ist.

Ich höre, dass sie Angst hat. Es klingt, als würde sie am Telefon weinen, aber es macht keinen Sinn, darauf hinzuweisen. Zumindest für sie muss ich ruhig wirken.

„Hör mir zu, dir wird nichts passieren“, sage ich ihr. „Stell einfach sicher, dass du in deinem sicheren Versteck bleibst.“

„Das werde ich“, sagt sie mir und versucht, ihr Schluchzen mit einem Lachen zu überspielen. „… Monty?“

Scott sitzt neben mir, unsere Schultern berühren sich. Wir sitzen unter einem Tisch und ich bin ziemlich sicher, dass er mein komplettes Gespräch mit Estela mithören kann. Estela weiß nicht, dass ich bei ihm bin. Sie würde sich nur noch mehr sorgen, wenn sie es wüsste.

„Ja?“

„Du weißt, dass ich lieb habe, oder?“, sagt sie und dann lacht sie leise, als könnte sie nicht glauben, dass sie das gerade gesagt hat. „Ich meine, auch wenn wir streiten… Ich habe dich trotzdem lieb und–“

„Ich weiß“, sage ich leise und spüre einen Knoten in meinem Magen. Sie ist wirklich verängstigt und das macht mich sogar noch nervöser. „Ich… ich habe dich auch lieb“, erwidere ich und wir lachen beide gleichzeitig. Wir sind so fertig.

Wir verabschieden uns und ich lege auf, bevor sie die Möglichkeit hat, mich zum Weinen zu bringen. Ich werde nicht vor Scott weinen.

Ich atme lange aus und reibe mit den Händen über mein Gesicht.

Ich verbiete es mir, Winn zu schreiben. Er wird nur panisch werden und ich will ihn nicht beunruhigen. Aber ich will auch nicht nicht mit ihm reden. Wenn ihm etwas passiert…

Daran darf ich gar nicht denken. Ich lasse es nicht zu.

„Geht’s dir gut?“, fragt Scott mich und ich nehme die Hände vom Gesicht. Scott versucht, ruhig zu bleiben, aber seine Hände und Beine zittern. Ich spüre, wie er neben mir bebt.

Lawrence sitzt unter einem anderen Tisch und hält sich von uns fern. Sie lässt uns unseren Scheiß klären.

„Ja, gut“, sage ich und zögere dann. „Dir?“

Scott zuckt mit den Schultern. „Mir auch. Gut.“

Aber wir lügen beide. Ich drehe mich um, um ihn anzusehen, und unsere Blicke verhaken sich für ein paar Sekunden. Und dann brechen wir in Gelächter aus.

An der Situation ist überhaupt nichts komisch, aber was sollen wir sonst tun? Es ist ein angespanntes, nervöses Lachen, weil wir beide keine Ahnung haben, was als nächstes passieren wird.

„Die Tatsache, dass es einen Amokläufer und die Möglichkeit, dass du sterben könntest, braucht, damit wir unseren Scheiß klären…“, meint er und wir lachen wieder. Es ist nicht witzig. Tatsächlich ist es irgendwie traurig, aber ich lache lieber als zu weinen.

„Wer sagt, dass wir unseren Scheiß geklärt haben?“, nehme ich ihn auf den Arm, aber wir wissen beide, dass alles – was auch immer gestern oder auch erst vor einer Stunde passiert ist – vergessen ist. Es scheint, als wäre es ein ganzes Leben her, dass ich ihn gegen die Spinde gestoßen habe.

Unser Gelächter erstirbt und dann sitzen wir nur da und genießen die Stille, weil das besser ist, als den Schüssen von draußen zu lauschen.

„Weißt du, ich habe sie geliebt. Estela“, sagt Scott plötzlich und ich bin nicht scharf darauf, darüber zu sprechen, aber warum nicht?

Ich schnaube. Hat er das wirklich? Oder ist sie nur ein jüngeres Mädchen gewesen, das er leicht manipulieren konnte?

„Das tue ich immer noch“, fügt Scott leise hinzu, seufzt und dreht dann den Kopf, um mich anzusehen. „Sie ist diejenige, die Schluss gemacht hat.“

Langsam nicke ich. Mir ist nicht danach, zu erfahren, wie es war, mit meiner Schwester auszugehen. Besonders nicht von meinem besten Freund.

Ich frage nicht nach dem Warum, aber er erzählt es mir trotzdem.

„Ich denke, es wurde ihr zu ernst. Ich meinte zu ihr, dass ich es endlich öffentlich machen und nicht mehr herumschleichen wollte. Und ich wollte nicht mehr lügen und es vor dir verheimlichen“, berichtet er mir, aber ich bin nicht sicher, ob ich ihm glaube.

Er könnte mir das jetzt so erzählen, aber wer weiß, was wirklich passiert ist.

Also nicke ich nur und er sagt nichts weiter.

***


Charlie erzählt uns, dass es ihm gut geht, aber irgendein Junge in der Umkleide völlig ausrastet und Justin und Diego über irgendwas streiten.

„Wow, was bin ich froh, dass ich vorher da raus bin“, sage ich, sobald Scott das Gespräch mit Charlie beendet und Scott lacht leise.

„Ja, ich bin froh, dass du hier bist“, sagt er und ich hebe eine Augenbraue. Ich kann alles ertragen, aber nicht, dass Scott mir gegenüber völlig sentimental wird. „Weißt du…, wenn das unser letzter Tag ist, bin ich glücklich–“

„Halt die Klappe, Scotty“, befehle ich ihm rasch und er lacht. Wir sind beide nicht gut darin, unsere Gefühle auszudrücken. Aber ich weiß, was er mir sagen will. „Aber… ich auch.“

Ich schaffe es, einen Blick zu Lawrence zu werfen, und sie grinst uns an. Zumindest etwas Gutes ist aus diesem ganzen Schlamassel hervorgekommen.

Wir könnten heute sterben. Und auch wenn mir das nicht gefällt, habe ich mich mit Scott, Charlie und Estela vertragen. Aber ich kann nicht anders, als daran zu denken, dass – wenn ich tatsächlich sterben sollte – es so viel Scheiße gäbe, von der ich es bereuen würde, sie nicht getan zu haben.

Ich werde Winn nie wiedersehen. Ich werde nie seine Eltern kennenlernen. Ich werde ihn nie mit zu diesem Ort nehmen können…

Scheiße. Wir haben so viel Zeit mit unwichtigem Mist verschwendet. Das tun wir immer noch.

„Ich habe gestern irgendwie Winns Eltern kennengelernt“, erzähle ich jetzt Scott. Ich bin nicht sicher, was in mich gefahren ist, dass ich einfach so anfange, so beiläufig darüber zu sprechen. Aber ich habe nichts mehr zu verlieren.

„Irgendwie?“, fragt Scott nach und ich erkläre ihm kurz, was letzte Nacht passiert ist.

„Ich schätze, so kann man auch Eindruck machen“, lacht Scott leise und ich seufze.

Ich weiß, dass er vorher schon feste Freunde gehabt hat, aber er meinte, er hätte seinen Eltern noch nie einen von ihnen vorgestellt. Ich bin der erste.

Wir müssen aufhören, Zeit zu vergeuden.

***


Ich habe gewusst, dass es ein Probealarm war.

„Es war so offensichtlich“, sagt Scott, während wir mit allen anderen das Gebäude verlassen. Ein paar Schüler haben geweint und andere umarmen ihre Freunde, aber ich halte nur nach einer Person Ausschau.

„Oder?“ Ich stimme Scott zu, als wir zu meinem Auto gehen, an dem Charlie bereits wartet. Ich glaube, er unterhält sich mit jemandem, aber er sieht uns und scheint erleichtert, zu sehen, dass Scott und ich uns nicht umgebracht haben.

„Leere Patronen? Jeder wusste, dass es kein echter Amokläufer war“, erklärt Scott mir und er schüttelt missbilligend den Kopf, als könnte er nicht glauben, dass überhaupt jemand hat glauben können, dass es ein Ernstfall wäre.

Wir haben es definitiv nicht.

„Ist zwischen uns alles in Ordnung?“, frage ich Scott, obwohl es sich so anfühlt, als müsste er derjenige sein, der diese Frage stellt.

Scott hält inne und schaut mich unsicher an. „Ich denke? Ich weiß nicht, Mann. Ich glaube, du solltest das entscheiden.“

Scott ist seit einer Weile mein bester Freund. Und auch wenn er mich angelogen hat und hinter meinem Rücken mit meiner Schwester ausgegangen ist, ist er immer für mich da gewesen, wann immer ich ihn gebraucht habe. Ich kann das alles nicht einfach wegwerfen. Ich habe an meiner Freundschaft mit Bryce festgehalten. Ich bin ziemlich sicher, dass ich Scott dieses eine Mal verzeihen kann.

„Ja, Mann“, sage ich und Scott grinst. „Zwischen uns ist alles in Ordnung.“

Sie haben sich getrennt, es ist jetzt vorbei. Kein Grund, daran festzuhalten.

Wir kommen meinem Auto näher und jetzt kann ich die Person sehen, mit der Charlie spricht.

„Winn?“

Er sieht gut aus für jemanden, der gerade ein oder zwei Stunden während einer Abriegelung zusammen mit Zach Dempsey verbracht hat. Er sieht aber auch…

„Bist du high?“, will ich von ihm wissen und er grinst und zeigt dabei seine Zähne.

„Ich… Scott und ich müssen wohin“, meint Charlie und entfernt sich langsam von Winn.

„Müssen wir?“, fragt Scott, aber Charlie packt ihn am Arm und beginnt, ihn von uns wegzuziehen.

Überhaupt nicht unauffällig.

Wir stehen hinter meinem Auto und niemand kann uns wirklich sehen. Das wirkt nicht allzu verdächtig.

„Ich habe dich vermisst“, berichtet Winn mir und macht einen Schmollmund. Er macht einen Schritt nach vorne, als wollte er mich umarmen, aber ich trete einen Schritt zurück.

Schnell schaue ich mich um, um zu sehen, ob jemand uns gesehen hat. Ich glaube nicht.

Winns Augenbrauen ziehen sich zusammen und einen Augenblick lang sieht er genervt aus. Er muss verstehen, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem, was wir in der Öffentlichkeit und dem, was wir privat tun können.

„Soll ich… dich mit nach Hause nehmen?“, frage ich ihn, weil ich ihn auf gar keinen Fall in dem Zustand fahren lassen werde, in dem er sich befindet.

Er schüttelt den Kopf und fährt mit einer Hand durch sein Haar. „Eigentlich muss ich noch dableiben, um ein paar Dinge mit Tyler zu erledigen“, erklärt er mir leise und räuspert sich. „Ich bin nur gekommen, um zu sehen, ob es dir gut geht.“

Ich nicke, weil ich wirklich nichts anderes tun oder sagen kann. Nicht hier. „Ja. Mir geht’s gut.“

Er nickt ebenfalls, blickt aber nach unten auf den Boden und seufzt. „Das ist gut.“

„Ja“, sage ich und verstehe nicht, warum er sich plötzlich so verhält – so distanziert. Vielleicht weiß er, dass es besser ist, mich nicht zu viel in der Öffentlichkeit anzugrinsen.

„Wir sehen uns dann“, sagt er zu mir und geht an mir vorbei, ohne mir noch einen Blick zuzuwerfen. Er gibt mir nicht einmal einen Klaps auf die Schulter oder so.

Okay.

Gut.

Ich will nicht verdächtig wirken.

Er versteht das.
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