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Someone Will Remember Us

GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P18 Slash
Montgomery de la Cruz
06.09.2020
22.11.2020
30
99.640
2
Alle Kapitel
40 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
06.09.2020 3.050
 
Herzlich willkommen!


Es freut mich sehr, dass ihr zu meiner neuesten Übersetzung gefunden habt. Ich hoffe sehr, dass ich meine früheren Stammleser nicht enttäusche, weil es sich diesmal nicht um eine Drarry-Fanfiktion handelt. Über die letzten Jahre habe ich mit einigen Drarry-Übersetzungen angefangen, aber aus unterschiedlichen Gründen habe ich es nie geschafft, diese zu beenden.

Seit einigen Jahren hatte ich neben meinem Vollzeitjob nicht mehr die Zeit und Motivation, Geschichten zu übersetzen. Aber als ich in meinem diesjährigen Sommerurlaub endlich dazu gekommen bin, Staffel 3 und 4 von Tote Mädchen lügen nicht anzuschauen, habe ich eine starke Obsession für Monty und Winston (Wonty) entwickelt, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat.

Ich weiß, dass Monty ein umstrittener Charakter in dieser Serie ist. Er hat Dinge getan, die ich niemals gutheißen oder tolerieren kann. Aber ich finde, dass er nicht das Ende bekommen hat, das er verdient hätte. Ich war so stolz, als er sich am Ende von Staffel 3 vor seinem Vater geoutet hat – gerade vor ihm! –, und dann lassen sie ihn einfach sterben.

Ich finde es einfach unglaublich unfair, dass sein Leben gerade dann beendet wurde, als er anfing, sich in die richtige Richtung zu bewegen und sich womöglich zu bessern. Ich hatte das Gefühl, dass er sich wirklich zum Besseren verändert hätte, hätte er Winston z.B. früher getroffen.

Aus diesem Grund habe ich mich im Internet auf die Suche nach Wonty-Fanfiktions gemacht, weil ich die Hoffnung hatte, dass es anderen Fans der Serie genauso geht wie mir und vielleicht eine Person eine Geschichte schreibt, in der Monty ein anderes Ende findet (vorzugsweise zusammen mit Winston). Und Gott sei Dank bin ich fündig geworden.

Die großartige KingWinston ist Autorin von aktuell sechs unglaublich tollen Wonty-Fanfiktions, die ich geradezu verschlungen habe und es immer noch tue. Sie hat mich mit ihrem Schreibstil und ihren unglaublich schönen Storys so in den Bann gezogen, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte, jedes einzelne ihrer Kapitel zu verschlingen.

Sie schreibt sehr realistische Fanfiktions, die im Originaluniversum angesiedelt sind, aber auch AU-Geschichten, die mich nicht minder begeistern.

Vor ein paar Wochen hat sie mir die Erlaubnis gegeben, ihre Geschichten zu übersetzen. Ab diesem Moment habe ich angefangen, ihr erstes Baby „Someone Will Remember Us“ zu übersetzen. Dieses ist im Originaluniversum von Tote Mädchen lügen nicht angesetzt und spielt nach Staffel 2 – Monty hat Tyler also nicht vergewaltigt!

Ich hoffe sehr, dass ich ein paar Lesern hier auf fanfiktion.de mit Wontys Story eine Freude machen kann – vor allem denen, die auch unzufrieden mit dem Ende von Staffel 3 und natürlich mit Staffel 4 sind und sich ein anderes Ende für die beiden gewünscht haben.

Hier bekommt ihr ein paar Infos zur Geschichte:

Originaltitel: Someone Will Remember Us

Autorin: KingWinston

Link zum Original: https://archiveofourown.org/works/24912337/chapters/60285538

Übersetzerin: beautiful stranger

Pairing: Montgomery (Monty) de la Cruz x Winston Williams

Kapitel: 30

Rating: P18 Slash

Genre: Romanze, Schmerz/Trost, Angst

Summary: Monty ist entsetzt, als er feststellt, dass der Junge – mit dem er den Sommer zusammen verbracht hat – auf seine Schule gewechselt ist.

Posting: Voraussichtlich jeden Sonntag und Donnerstag

Titel der Fortsetzung: Becoming The First Choice

Disclaimer: Die bekannten Charaktere aus Tote Mädchen lügen nicht gehören weder mir noch KingWinston. Diese erhebt nur Anspruch auf die Handlung der Geschichte und neuerfundene Charaktere. Mir gehört nichts außer die Übersetzung. Auch verdienen weder ich noch KingWinston Geld mit der Story.

Für diejenigen, die gerne mehr über die Geschichten von KingWinston erfahren möchten: Die Autorin postet sowohl auf Instagram als auch auf Twitter regelmäßig Updates und Umfragen für ihre Leser zu ihren Storys.

Unter diesen Usernamen könnt ihr sie dort finden und ihr bei Interesse folgen:

Instagram: @wontywilliams

Twitter: @WontyWilliams

So, das war’s erst einmal von mir, ich will euch nicht länger auf die Folter spannen.

Vorhang auf füüüüüüür…

Someone Will Remember Us


Man wird sich an uns erinnern


Kapitel 1: Geister der Vergangenheit


„Du kannst nicht ernsthaft erwarten, dass ich dir die Scheiße abkaufe.“

Nein. Nein, das tat ich nicht. Aber eine schlechte Ausrede ist besser als gar keine.

Ich hätte mir mehr Mühe geben und mir irgendeine rührselige Geschichte darüber ausdenken können, wie ich kleiner Tollpatsch im Badezimmer ausgerutscht wäre und mir den Kopf am Waschbecken angeschlagen hätte. Aber was sollte das für einen Sinn haben?

Scott wusste bereits, was passiert war, also warum fragte er nach? Wollte er, dass ich es laut ausspreche? Wie sollte das irgendetwas ändern?

„Was soll ich denn sagen, hm?“, frage ich. Ich schlage die Tür meines Spinds mit der flachen Hand zu und Scott zuckt zusammen.

Er sieht mich mit einem mitleidigen Blick an, dem gleichen, den ich immer zu sehen bekomme, wann immer ich mit einem neuen Bluterguss auftauche.

„Schau Mann“, sagt er in einem viel sanfteren Ton und versucht es damit mit einem neuen Ansatz. „Alles, was ich sage ist, dass, falls du einen Platz zum Pennen brauchst… du immer bei mir schlafen kannst.“

Er fängt an, mein Gesicht prüfend zu mustern, wahrscheinlich wartet er darauf, dass ich zusammenbreche, aber ich schüttle nur den Kopf.

„Es ist süß, dass du dir Sorgen machst.“ Ich lache leise in dem Versuch, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Vielleicht wird er den Hinweis verstehen und das Thema fallenlassen, vielleicht aber auch nicht.

Ich drehe mich um und mache mich auf dem Weg zu den Treppen, lasse Scott hinter mir.

Scott war nicht der Einzige, der mir mitleidige Blicke zuwarf. Die Leute sehen mich an, während ich im Flur an ihnen vorbeigehe, und senken ihre Blicke.

So ist es richtig, guckt mich verdammt nochmal nicht an.

Ich rechne damit, dass Scott mir folgen, mit mir gehen und versuchen würde herauszufinden, was wirklich passiert ist, aber er kommt mir nicht nach. Er gibt mich also auch auf, wie? Ich kann nicht behaupten, dass es mich überrascht.

Ich mäßige mein Schritttempo ein bisschen und drehe den Kopf, um zu sehen, ob Scott vielleicht immer noch dort steht. Tut er aber nicht.

Der Flur ist voll von Leuten, die sich unterhalten, zu ihren Klassen gehen und in ihre Spinde schauen, aber Scott ist nicht unter ihnen.

Und ich weiß, dass ich aufpassen sollte, wo ich hingehe. Aber was kann schlimmstenfalls passieren? Dass ich in jemanden hineinlaufe? Das wäre schön, ich würde denjenigen einfach aus dem Weg schubsen und ihm klarmachen, dass es sein Fehler sei und nicht meiner.

Aber Scott ist nicht da. Er ist gegangen.

Er hat mich verlassen.

Gut. Langsam wurde ich seiner sowieso überdrüssig.

Ich bin fast unten an der Treppe angekommen und drehe den Kopf. Ich weiß, dass ich jemanden gerammt habe und es ist allein meine Schuld.

Ich hatte meinen Kopf weggedreht und war direkt in ihn hineingerannt. Mein Kopf schmerzt oben ein wenig von dem Zusammenprall. Ich bin daran gewöhnt, einen Helm zu tragen, aber ich bin es ebenfalls gewohnt, dass mein Dad die Scheiße aus mir rausprügelt, also ist es nicht so, als würde ich mich nicht erholen. Ich habe Schlimmeres überlebt.

Also hebe ich eine Hand an meinen Kopf, denn natürlich hört der Schmerz auf, wenn du auf die schmerzende Stelle drückst.

Ich neige den Kopf nach oben, während ich meine Hand immer noch an diesen halte, um zu sehen, mit wem ich zusammengestoßen bin.

Er steht auf der letzten Stufe und hält eine Hand an seinen Kiefer, wobei er offensichtlich dieselbe Logik anwendet an wie ich. Als könne er den Schmerz verschwinden lassen, wenn er es nur stark genug versucht.

Ich will ihm sagen, dass er aufpassen soll, ihn aus dem Weg schubsen und mich an ihm vorbeidrängen. Aber das kann ich nicht.

Die Luft bleibt mir im Hals stecken und ich senke meine Hand.

Weil er hier ist.

Hier.

Er steht direkt vor mir.

Er ist keine Halluzination und es ist keiner meiner Träume. Nein, in meinen Träumen konnte ich nie einen der Blutergüsse spüren, die mein Dad mir verpasst hat. Zumindest nicht in den guten.

Und er kommt nur in den guten vor. Also nein, das ist kein Traum.

Sein Haar ist länger als in meiner Erinnerung, aber er ist es trotzdem.

Schüler gehen an uns vorbei, aber ich schenke ihnen keine Beachtung. Alle um uns herum scheinen langsam wegzutreiben und ich kann mich nur noch auf seine haselnussbraunen Augen konzentrieren.

Er starrt mich ebenfalls an und wartet darauf, dass ich etwas sage. Und wenn ich es könnte, würde ich es tun.

Ich schlucke schwer, weil sich meine Lunge plötzlich so trocken wie eine Wüste anfühlt, und ich scheine kein Wort herauszubekommen.

Ich kann erkennen, dass er nicht weiß, was er machen soll. Er könnte einfach an mir vorbeigehen und so tun, als wäre ich nur ein weiterer Junge an einer Schule voller Jungs wie ich. Und ich könnte an ihm vorbeilaufen und so tun, als wüsste ich nicht, wer er ist. Aber das tue ich.

Ich weiß es.

Er spricht als erster, da er sich offenbar schneller erholt als ich.

Er leckt sich die Lippen und es erfordert all meine Willenskraft, ausschließlich in seine Augen zu schauen, denn ein Blick auf seine Lippen würde mich verraten.

Er versucht zu lächeln, schafft es aber nicht ganz. Ich schätze es jedoch, dass er es wenigstens versucht.

„Hey“, sagt er leise mit kaum hörbarer Stimme. Er schiebt seine Hände in die Hosentaschen und nimmt die Schultern zurück, als versuche er, sich zu entspannen.

Und ich? Ich habe nicht einen Muskel gerührt, seit ich ihn entdeckt habe.

Hey? Das ist alles, was er mir zu sagen hat? Hey?

„Was machst du hier?“, frage ich. Die Worte stürzen so schnell aus meinem Mund, dass sie miteinander verschmelzen, und ich kann nicht weiter so tun, als wäre ich nicht wütend. Weil ich genau das bin. Wütend auf ihn.

Er schaut sich um und zuckt mit den Achseln. „Ich muss etwas aus meinem Spind –“

Ich schnaube spöttisch, weil er sich so dumm verhält. Und wie schafft er es, so gottverdammt gelassen zu sein? Glaubt er wirklich, dass er einfach so tun kann, als wäre der Sommer nie passiert? Nein, kann er nicht. Aber ich kann es.

„Nicht hier“, sage ich grob und Winston erkennt endlich, wie verärgert ich bin. „Hier. An der Liberty“, führe ich näher aus und er blinzelt. „Ist Hillcrest nicht gut genug für dich?“

Er scheint zu denken, dass ich einen Witz mache. Mache ich aber nicht. Seine Lippen verziehen sich zu einem kleinen Lächeln und dann trifft es mich wie ein Schlag. Er freut sich darüber, dass ich mich an ihn erinnere.

Ich hätte den Mund halten sollen. Ich hätte an ihm vorbeidrängen sollen, als wäre er einfach nur ein weiteres Arschloch an dieser verfluchten Schule.

Aber jetzt ist es zu spät. Er weiß, dass ich mich an ihn erinnere.

Er öffnet den Mund, um zu antworten, aber ich will seine Antwort nicht hören. Was interessiert es mich, auf welche Schule er geht? Gar nicht.

„Ich muss zu meinem Unterricht“, sage ich und versuche, mit meinem Tonfall nichts preiszugeben.

Ich räuspere mich in dem Versuch, die Verlegenheit zwischen uns zu vertreiben, und sein Lächeln schwindet langsam.

Er kapiert es allerdings nicht. Er steht immer noch auf der ersten Stufe und wenn er sich nicht bald bewegt, werde ich ihn aus dem Weg schubsen müssen und ihn zu berühren, ist keine Option.

Ich wende meinen Blick von ihm ab und warte. Die Sekunden ticken vorbei und es fühlt sich an, als würden wir seit Stunden hier stehen.

Vielleicht braucht er nur ein wenig Hilfe.

„Also?“, sage ich und sehe ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Mit meiner Hand mache ich eine Bewegung zur Seite, um ihm zu signalisieren, dass er sich bewegen soll, und endlich scheint er zu verstehen.

„Richtig“, meint er, seine Wangen färben sich leicht rosa und er tritt beiseite, um mich vorbeizulassen.

Ich überspringe die erste Stufe und trete direkt auf die zweite, als würde es mich verraten, mit ihm auf einer Stufe zu stehen.

Er kommentiert es nicht und ich laufe weiter nach oben. Zwei Stufen jeweils.


***



Was macht es schon, dass Zach zum Captain ernannt wurde?

Es ist ohnehin nicht so, als wäre es wichtig. Ich will nicht einmal Captain sein, all die zusätzliche Arbeit, die ich hineinstecken müsste. Wer würde das schon wollen?

Charlie versucht mich aufzumuntern, aber ich hört nicht ein Wort, das er sagt. Ich habe wichtigere Dinge im Kopf, um die ich mir Sorgen machen muss.

Was macht Winston hier? Mir fällt nur ein Grund ein. Er ist offenbar hier, um allen vom Sommer zu erzählen.

Vielleicht hat Bryce etwas zu ihm gesagt? Aber Winston hat versprochen, nicht zu reden.

Ich habe Bryce angerufen und getextet, um zu erfahren, ob er etwas darüber weiß, aber bisher hat er nicht geantwortet. Doch es ist jetzt schon Tage her, dass ich ihm das erste Mal geschrieben habe und sicherlich hätte er bereits geantwortet. Hat Bryce ihn eventuell dazu angestiftet?

Es ist fast fünf Uhr nachmittags, als ich nach dem Footballtraining endlich nach Hause komme.

Estela war nicht so dumm, auf mich zu warten, damit ich sie mit nach Hause nehme, und muss den Bus genommen haben.

Ich nehme meine Schlüssel auf der Hosentasche, um die Tür aufzuschließen, aber dann merke ich, dass die Tür bereits offen ist. Ich drücke die Klinke runter, stoße die Tür auf und gehe hinein.

Ich stelle sicher, dass ich die Tür hinter mir abschließe. Gott allein weiß, wie viele Male mein Dad mich schon dafür geschlagen hat, vergessen zu haben, die Tür abzuriegeln. Selbst wenn ich nicht der Letzte gewesen war, der nach Hause gekommen war.

Aber es ist in Ordnung. Es ist mir lieber, wenn er mich schlägt und nicht Estela.

Die Lampen drinnen sind alle aus, aber ich kann direkt ins Wohnzimmer sehen, da das Licht des Fernsehers den Raum erhellt.

Er ist auf der Couch eingeschlafen. Sein Kopf liegt im Nacken und er sitzt immer noch aufrecht, mit einer halbleeren Bierflasche in der Hand.

Ich weiß, dass ich ihm die Flasche vermutlich abnehmen sollte. Sollte er Bier auf der Couch verschütten, wird es meine Schuld sein. In seinen Augen ist alles meine Schuld.

Doch ich bin zu müde, um mir darüber Sorgen zu machen.

Für ein paar weitere Sekunden bleibe ich im Türrahmen stehen, um ihm beim Schlafen zuzusehen. Er ist offensichtlich betrunken, ich wäre überrascht, wenn er es nicht wäre. Ich bin daran gewöhnt, zu diesem Anblick nach Hause zu kommen, seitdem Mom uns verlassen hat.

Verfluchte Schlampe. Sie ist gegangen und hat uns bei ihm zurückgelassen. Sie ist nicht besser als er.

Langsam schweifen meine Gedanken zu dem Tag ab, an dem ich diese Familie endlich hinter mir lassen werde. Nun ja, Estela vielleicht nicht. Sie hat immer noch gute Eigenschaften.  

Estela.

Sie steht oben an der Treppe und sieht mich mit diesem Blick an.

Es ist etwas passiert.

Unser Dad braucht normalerweise keinen Grund, um sich zu betrinken, aber es sieht so aus, als hätte er diesmal einen Grund gehabt.

So leise ich kann, gehe ich die Treppe hoch. Ich will den Hurensohn nicht aufwecken.

Estela wartet an meiner Zimmertür auf mich und meine Augenbrauen ziehen sich zusammen.

„Was?“, will ich wissen und sie sieht aus, als wäre ihr unbehaglich.

Ich seufze. Ich weiß, dass Estela Dinge mitbekommt, wenn ich nicht zuhause bin, aber normalerweise behält sie sie für sich.

Nach ein paar Sekunden sagt sie immer noch nichts und ich mache einen Schritt auf mein Zimmer zu.

„Monty, warte“, sagt sie und sie tritt zur Seite, als könnte sie mich tatsächlich daran hindern, mein Zimmer zu betreten.

„Was?“, frage ich, diesmal klingt meine Stimme viel gröber, aber das interessiert mich nicht.

Estela blickt zu Boden und ich höre, wie sie seufzt. „Dad… Als ich nach Hause kam, war er schon betrunken. Er hat etwas gesucht, aber er wollte mir nicht sagen, was. Er war davon überzeugt, dass du es gestohlen hast.“

Ich ziehe eine Augenbraue hoch und muss mich zwingen, nicht zu lachen. Natürlich denkt er das.

Estela sieht, wie sich ein Grinsen auf meinen Lippen formt und sie ist nicht glücklich. „Monty! Das ist ernst“, meint sie in gedämpftem Ton. „Er ist stocksauer. Was auch immer du genommen hast… gib es einfach zurück. Ich bin sicher, er wird einfach nur froh sein, dass es wieder da ist und wird…“

„Mich nicht schlagen?“, beende ich den Satz für sie und sie wendet den Blick wieder ab. Aber ich kann nicht glauben, dass sie dem alten Mann tatsächlich glaubt. „Du glaubst, dass ich etwas von ihm genommen habe? Ich mag dumm sein, aber ich bin nicht selbstmordgefährdet.“

Ich trete noch ein paar weitere Schritte nach vorne und stoße meine Tür auf, trotz Estelas Bemühungen, meine Hände zu ergreifen oder mich zurück zu schubsen, um mich aufzuhalten.

Und ich verstehe, weshalb sie nicht wollte, dass ich reingehe.

Die paar Möbelstücke in meinem Zimmer sehen Möbeln nicht mehr im Entferntesten ähnlich.

Meine Matratze liegt auf dem Boden und sie ist vermutlich das Einzige, was unversehrt ist. Das Bett steht immer noch an seinem Platz, aber das Kopfbrett ist in zwei Teile gebrochen, als hätte jemand absichtlich versucht, es zu zertrümmern. Und offensichtlich hat jemand genau das.

Mein Schreibtisch ist umgekippt und entzweigebrochen. Unterlagen und Schulbücher, die vorher auf ihm gelegen haben, liegen nun überall auf dem Boden verstreut.

Der ganze Raum ist ein einziges Durcheinander. Meine Schranktür steht offen, Kleidungsstücke sind überall verstreut und gebrochene Möbelstücke liegen willkürlich überall herum.

„Monty–“, setzt Estela an, aber ich bringe sie mit einem einzigen Blick zum Schweigen.

„Lass mich raten“, sage ich. „Mein Zimmer ist das einzige, das er durchsucht hat?“

Estelas Gesichtsausdruck sagt mir alles, was ich wissen muss.

„Wichser“, murmele ich vor mich hin und Estela tritt beiseite, um mich endlich hineingehen zu lassen.

Ich balle die Fäuste, während ich zu begreifen versuche, was für ein Chaos er angerichtet hat. Ja genau, er hat etwas verloren. Ich wette, das Arschloch hat es nur verlegt und gibt mir die Schuld dafür – so wie immer.

„Ich helfe dir, aufzuräumen“, sagt Estela rasch, als ich weiter ins Zimmer trete.

Ich trete auf etwas und es zerbricht, aber ich mache mir nicht die Mühe nachzusehen. Es ist ohnehin alles kaputt.

Estela sagt etwas über einen Kehrbesen, doch ich höre ihr nicht zu und sie läuft nach unten.

Ich atme tief ein und schließe die Tür.

Eine einzige große Katastrophe, eingeschlossen in einem Raum.
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