Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

♥ PROSA: Der Froschkönig - mal anders

KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
06.09.2020
06.09.2020
1
4.352
25
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
15 Reviews
 
 
 
06.09.2020 4.352
 
.


Diese Geschichte gehört mir und darf ohne meine ausdrückliche Erlaubnis nirgendwo anders hoch geladen werden oder in andere Sprachen übersetzt werden. Die Charaktere, Orte und Geschehnisse wurden von mir frei erfunden. Ähnlichkeiten mit realistischen Geschehnissen sind daher rein zufällig entstanden.
© Elayne R. 2020


Liebe Leser,
dieses Märchen entstand aufgrund der Reviews zu meinen Märchen-Elfchen, insbesondere natürlich zum Elfchen-Märchen: „Der Froschkönig.“ Meine Leser waren sehr unzufrieden mit dem Prinz (der so doof ist, die Prinzessin zu heiraten, die ihn an die Wand warf und ihn erst wollte, als sie wusste, dass er ein Prinz ist…), der Prinzessin (die so egoistisch und stur war…), mit dem Frosch (der sich nicht besser durchsetzte und auf die blöde Prinzessin hereinfiel…), der Kugel (die aus reinem Gold doch garantiert zum Werfen zu schwer war…) und mit dem König (der seiner Tochter nicht genügend die Leviten gelesen hat).
Ich hoffe, nun ist es besser als der Mist, den die Grimm-Brüder aufgeschrieben haben.
Viel Vergnügen und ein besonderer Gruß geht an Frau Frosch. *smile*
Elayne



Der Froschkönig – mal anders

Es war einmal eine ziemlich hübsche Prinzessin, mit langem, schwarzem Haar und blauen Augen, die von ihrer Mutter eine goldene Kugel geschenkt bekommen hatte. Prinzessin Eliza saß nun mit ebendieser Kugel auf dem Brunnenrand des Brunnens im Schlossgarten.

Sie drehte die Kugel in ihren Händen hin und her. „Meine Güte, das Teil ist so schwer. Was zur Hölle soll ich nur mit diesem verfluchten Ding machen?“
Die Frage beantwortete sich eine Sekunde später von selbst, denn mit einem dicken Platsch, landete das goldene Teil im Brunnen. Wasser spritzte hoch und ein merkwürdiges Stöhnen schallte durch den Schacht nach oben.

„Oh“, murmelte Eliza entsetzt, „wie soll ich meiner Mutter nur erklären, dass die Kugel weg ist? Eine echte Goldkugel, verdammt wertvoll!“
„Wolltest du mich umbringen?“, fragte eine tiefe Stimme.
Eliza sprang erschreckt vom Brunnenrand auf, über den sie sich gebeugt hatte, um in die Tiefe zu sehen. Sie sah sich nach der Stimme um – aber da war niemand. „Ist da wer?“, fragte sie unsicher.
„Allerdings“, klang es aus der Richtung des Brunnens.

Eliza wandte sich verwundert wieder um und sah immer noch niemanden. Na ja, abgesehen von einem sehr fetten, grünen Frosch, der nun am Rand des Brunnens saß. Er hatte eine ziemlich hässliche Beule am Kopf.
„Hallo?“, fragte Eliza immer noch suchend und ging um den Brunnen herum.
„Ich bin hier“, seufzte der Frosch.
„Du kannst sprechen?“, fragte Eliza ungläubig und trat näher an den Lurch heran.
„Jepp, kann ich.“

Eliza musterte das Tier.
„Du siehst irgendwie komisch aus, so groß und warum hast du so eine dicke Delle am Kopf, was für eine Art bist du?“
„Du wunderst dich über mein Aussehen, aber nicht darüber, dass ich sprechen kann?“, fragte der Frosch nun erstaunt.
„Sollte ich?“, fragte Eliza zurück.
„Mir egal. Die Beule hast du mir jedenfalls verpasst, indem du den Felsball auf meinen Kopf hast fallen lassen.“ Wütend schaute er die Prinzessin an.
„Das war kein Fels sondern eine wunderschöne goldene Kugel. Tut mir leid, dass ich dich getroffen habe, das war echt keine Absicht. Aber ich habe nun ein Problem. Meine Mutter hat mir die Kugel geschenkt und sie wird ziemlich sauer sein, weil ich sie verloren habe.“ Die Prinzessin überlegte kurz. „Kannst du sie nicht wieder für mich hoch holen?“

„Das schwere Ding“, empörte sich der Frosch, „hast du sie noch alle?“
„Ehm, war ja nur eine Frage. Aber du hast recht. Du bist so ein winziger Schwächling…, du hättest eh nicht genug Kraft sie hoch zu holen…“
„Was? Du bist echt unverschämt! Ich bin doch kein Schwächling! Ich bin ein ausgewa… Ehm. Ich könnte die Kugel durchaus für dich herausholen!“
„Wirklich?“, strahlte Eliza, „dann mach das doch bitte!“
„Warum sollte ich?“
„Damit meine Mutter nicht mit mir schimpft?“
„Na, wenn du so dämlich bist mit der Kugel am Wasser zu spielen, hast du das Geschimpfe wohl durchaus verdient. Außerdem hast du fast einen Frosch getötet.“
„Was ein riesiger Verlust gewesen wäre…“, flüsterte Eliza und verdrehte genervt die Augen.
„Bitte was, was hast du gesagt?“, fragte der Frosch.
„Ob du bitte, bitte so lieb wärest die Kugel für mich hoch zu holen?“, säuselte die Prinzessin scheinheilig.

„Was gibst du mir dafür?“, fragte der Frosch zurück.
Zögerlich sah Eliza ihn an. „Hm, meine goldene Kette?“
„Kann ich nicht brauchen“, brummte Froschi.
„Meinen goldenen Ring mit echtem Saphir?“ Eliza streckte ihre Hand vor, an dem der pompöse Ring mitsamt Stein himmelblau in der Abendsonne funkelte.
„Nö, ziemlich unnötig, das Ding.“
„Hm, ich könnte dir etwas zu Essen aus dem Schloss bringen, was magst du denn?“
„Fliegen und Käfer.“
Eliza würgte.

„Ich habe eine Idee, wenn ich dir die Kugel heraufhole, nimmst du mich mit ins Schloss, lässt mich von deinem Teller essen, aus deinem Becher trinken und in deinem Bett schlafen. Ich will dein Freund werden!“
Eliza bekam große Augen und sah ziemlich entsetzt aus.
„Glaub mir, das Entsetzen ist ganz auf meiner Seite“, murmelte der Frosch, „aber welche Wahl hab ich wohl, besser die Fliege im Sack als… oder so…“
„Was hast du bitte gesagt?“, fragte Eliza und trat noch einen Schritt näher.
„Wenn ich dir die Kugel heraufhole, nimmst du mich mit ins Schloss, lässt mich von deinem Teller essen, aus deinem Becher trinken und in deinem Bett schlafen. Ich will dein Freund werden!“
„Das hatte ich verstanden, ich meinte, was du danach gemurmelt hast?“
„Dass du wunderschön bist, kleine Prinzessin!“, schmeichelte der Frosch ihr.
„Das stimmt, das sagt mein Vater auch immer“, grinste Eliza.
Der Frosch nickte. „Außen schön wie die leuchtenden Sterne in der Nacht und innen so kalt und kahl wie der Mond“, murmelte er.

„In Ordnung, ich gebe dir alles was du willst, wenn du mir nur die Kugel wieder hoch holst. Aber die darfst du natürlich nicht behalten…“
„Die will ich ja auch gar nicht. Okay, ich hole sie und du hältst alle deine Versprechen?“
„Großes königliches Ehrenwort“, nickte Eliza ernst und verschränkte dabei zwei Finger auf ihrem Rücken.

Der Frosch sprang in den Brunnen. Platsch.
Kurz danach hörte Eliza ihn stöhnen und hing sich wieder über den Rand, um zuzusehen, wie der Frosch in der Tiefe verschwand und dann wieder auftauchte und sich mit Hilfe der kleinen Saugnäpfe an den Zehen wieder am Rand hoch schob. Die Kugel hatte er unter seinem Kopf eingeklemmt und konnte ihr Gewicht kaum halten. Er rutschte mehrmals ab. Aber er gab nicht auf und kämpfte sich Zentimeter für Zentimeter hinauf.

Als Eliza ihn mit ausgestreckten Händen erreichen konnte, packte sie die Kugel. „Ich helfe dir!“, rief sie. Kaum hatte sie die Kugel sicher in den Händen, lachte sie hell auf, rief: „Tschüß du Dummfrosch!“ und lief zurück zum Schloss.
„Was für eine dämliche, egoistische Ziege“, murmelte der Frosch. „Na warte, der werde ich’s zeigen!“
Er sprang aus dem Brunnen und hüpfte der Prinzessin hinterher. „Hoffentlich werde ich das nicht bereuen. Na ja, man kann seine Frau notfalls verstoßen und des Landes verweisen…“, seufzte er. „In den Kerker setzen ginge auch…“
„Bei dem, herzlosen Ding hast du keine Chance“, summte ein vorbei fliegender Schmetterling.
„Das denken wir auch, aber das Glück liegt manchmal ganz nah“, flüsterten die Gänseblümchen auf der Wiese, „halt nur die Augen auf, dann wirst du es erkennen!“
„Die Augen und das Herz“, rief der laue Abendwind ihm noch hinterher.
„Danke“, sagte der Frosch und nahm sich vor im Schloss Augen und Herz offen zu halten…

Eliza war inzwischen im Schloss angekommen, brachte die Kugel in ihr Zimmer auf ein rotes Samtpolster und ging zum Abendessen in den Speisesaal, wo schon die ganze Familie versammelt war.
„Wie immer bist du zu spät“, bemerkte ihr Vater, schimpfte aber nicht weiter, denn er war sehr gütig.
„Tut mir leid, ich war am Brunnen und habe die Zeit vergessen. Die goldene Kugel, die Mama mir geschenkt hat, hat mich abgelenkt, sie ist so wunderschön!“ Sie warf ihrer Mutter einen dankbaren Blick zu, was diese allerliebst und zufrieden lächeln ließ.
„Was hast du denn mit dem schweren Ding gemacht?“, fragte Rosalie.
Rosalie war Elizas Schwester. Ebenfalls eine sehr hübsche Prinzessin, aber blond und mit grünen Augen. Sie sah aus wie der König und Eliza wie die Königin.

„Gespielt, ich habe sie hochgeworfen, aufgefangen, zwischen meinen Händen gerollt…“, erklärte Eliza.
„Das schwere Teil?“, fragte nun auch der König verwundert.
Eliza nickte. „So schwer ist sie gar nicht. Echtes Gold kann nun auch nicht leicht sein. Mama schenkt mir eben immer nur das Beste. Ein wertloser Ball aus leichten Gummi mag für Rosalie genügen, für mich nicht!“
Der König und Rosalie verdrehten schmunzelnd die Augen und das Essen wurde aufgetragen.

Aber bevor die Königsfamilie mit dem guten Mahl beginnen konnte, klopfte es leise an der Schlosstür.
„Besuch?“, fragte die Königin überrascht und sah ihren Gemahl an.
„Ich erwarte niemanden. Erich, geh bitte nachsehen!“, bat er.
Der Diener mit der rosa Schürze nickte, ging hinaus zur Tür und öffnete sie.
„Hier ist niemand.“
„Doch, ich bin hier unten!“
„Oh nein“, hauchte Eliza und wurde blass.

Erich bückte sich und hob den Frosch auf. Er trug ihn ins Esszimmer. „Es ist ein sprechender Frosch, Majestät.“
„Oh, wirklich?“, fragte der König erstaunt.
„Ihhh!“, schrie die Königin, „hinweg mit dem Biest!“
„Oh, wie süß“, meinte Rosalie interessiert.
„Bah, wirf ihn raus, Erich!“, rief Eliza.

„Aber wirklich nicht! Ich erhebe Einspruch, Euer Majestät!“, erklärte der Frosch. „Die Prinzessin hat mir ihr Ehrenwort gegeben, dass ich ihr Freund sein darf. Ich darf von ihrem Teller essen, aus ihrem Becher trinken und in ihrem Bett schlafen. Das hat sie versprochen, weil ich ihr ihre Kugel aus dem Brunnen geholt habe!“
„Stimmt das, Eliza?“, fragte der König.
Eliza nickte.
„Dann wird es so sein. Man steht zu seinem Wort. – Erich, setz unseren Gast neben Elizas Teller!“
„Ihh“, schrie die Königin, „das kann nicht euer Ernst sein. Ich gehe!“ Sie verließ sofort den Raum.

„Ich finde ihn ganz nett, er hat ein schönes Grün“, stellte Rosalie fest und betrachtete den Frosch, der nun zwischen ihrem und Elizas Teller saß.
„So wunderschön grün wie deine Augen, Prinzessin“, sagte der Frosch.
Rosalie lächelte ihn an. „Dein Grün ist etwas schöner, finde ich. Woher hast du denn diese schreckliche Beule?“
„Na, von der Kugel, die mir auf den Kopf fiel!“
„Oh nein“, rief Rosalie entsetzt. Sie nahm einen Eiswürfel aus der Schale in der Mitte des Tisches, legte ihn auf einen Suppenlöffel und kühlte mit der Löffelunterseite dem Frosch vorsichtig die Stirn.
„Danke, sehr gütig, das tut gut“, seufzte der Frosch glücklich.
„Das ist wohl das Mindeste“, flüsterte Rosalie mit einem strafenden Blick in Richtung ihrer Schwester.
„Nun ist es schon besser“, bedankte sich der Frosch.

Rosalie legte den Löffel weg. „Können wir nun bitte essen, ich habe schrecklichen Hunger!“
„Natürlich“, nickte der König, „was hast du denn getan heute, dass du so hungrig bist, Liebes?“
„Ich habe mit Erich die Bibliothek aufgeräumt. Wir haben alle neuen Bücher einsortiert.  Außerdem habe ich alles dokumentiert und eingetragen, wir sind nun wieder völlig up to date!“
„Das ist großartig, dann können wir beide doch nach dem Abendbrot dort sitzen und lesen, was meinst du?“
Rosalie lächelte ihren Vater an. „Sehr gerne, Papa. Ich lese dir auch gerne vor, was immer du willst, wenn es für deine Augen wieder zu anstrengend ist.“
„Das ist lieb, mein Kind, danke.“

Vater und Tochter unterhielten sich beim Essen, Eliza schmollte und aß nichts, während der Frosch über ihren Teller hüpfte und alles vergnüglich ansabberte.

„Du hast bestimmt auch Durst“, stellte Rosalie fest und nahm Elizas Becher. Sie schüttete etwas von dem frischen Wasser darin auf eine Untertasse und der Frosch hüpfte gleich ganz hinein und erfrischte seine Haut. „Das tut gut.“
„Wenn du möchtest, gieße ich vorsichtig etwas Wasser über dich, damit du wieder schön feucht wirst?“, bot Rosalie an.
„Bitte“, hauchte der Frosch entzückt.
Rosalie badete folglich den Frosch in Elizas Suppenteller.
Eliza verfolgte mit Entsetzen das Geschehen.

„Nun tupf deinen Freund etwas ab, Eliza, und dann trage ihn in dein Zimmer!“, befahl der König.
Eliza zuckte zusammen. „Muss das sein, kann nicht Rosalie….“
„ELIZA!!“, sagte der König drohend.
‚Schade’, dachte der Frosch.
Eliza warf eine Stoffserviette über den Frosch, zog sie einmal links und einmal rechts darüber und trug dann den Frosch im Suppenteller hinaus.
„Der arme Frosch“, murmelte Rosalie.

Eliza stellte den Teller in ihrem Zimmer auf den Boden. Dann lief sie in ihr Ankleidezimmer, zog sich um und schließlich hüpfte sie in ihr Bett. Dort kämmte sie ihr Haar und beachtete den Frosch nicht. Als er etwas sagte, begann sie laut zu singen.
Der Frosch bekam ob der schiefen Töne eine Gänsehaut. „Aber was soll ich tun? Ich muss sie dazu bringen, mich zu beachten, mich zu mögen… Aber vermutlich ist das eh zum Scheitern verurteilt, niemand wird mich je aufrichtig lieben…“, flüsterte er frustriert und hüpfte zum Bett.
„Eliza, heb mich hoch, ich will bei dir schlafen und dein Freund sein“, verlangte er.
Eliza hörte auf zu singen, bückte sich, nahm den Frosch und warf ihn mit Schwung gegen die Wand.
„Leck mich!“, rief sie.
Es gab einen riesigen Knall, der Spiegel an der Wand zerbrach und alle Kerzen im Zimmer gingen aus. Eliza sang nicht mehr.

Die Tür wurde aufgerissen, ihre Eltern, Rosalie und Erich stürmten herein. Jeder mit einer Kerze in der Hand und im Nu war das Zimmer erleuchtet.
„Was ist geschehen?“, fragte der König mit donnernder Stimme.
„Liebling, ist dir etwas passiert?“, fragte die Mutter besorgt, „wo ist der garstige Frosch?“

„Hier“, erklang eine leise Stimme und Rosalie leuchtete zur Wand. Am Boden saß der Frosch.
„Oje, nun hat er eine zweite Beule. Was hast du dem armen Tier nun wieder angetan, Eliza?“
Aber Rosalie wartete die Antwort gar nicht ab, drückte Erich ihre Kerze in die Hand und hob behutsam den Frosch auf.
„Was ist geschehen?“, fragte der König erneut.
Eliza schwieg.

„Sie hat mich gegen die Wand geworfen“, erklärte der Frosch.
„Du bist das undankbarste und widerlichste Geschöpf, das ich kenne“, sagte der König zu seiner Tochter und Enttäuschung lag in seinem Blick.
„Aber mein König“, sagte die Königin erbost.
„Nichts mein König. Deine Tochter ist eingebildet und garstig. Sie wird ab morgen in der Küche helfen und lernen die Dinge wertzuschätzen! – Rosalie, hättest du die Güte, dich um den armen Frosch zu kümmern?“
„Aber natürlich , Papa.“ Rosalie trug den Frosch sofort in ihr Zimmer.

„Ich kühle erst einmal deine Beule, du armer Kerl“, versprach sie ihm mitleidig und holte schnell wieder etwas Eis. Sie kühlte sein Köpfchen und streichelte ihn behutsam. „Hast du noch weitere Verletzungen davongetragen?“
„Ich glaube nicht, außer vielleicht an Herz und Seele.“
„Es tut mir so leid, Frosch. Bitte verzeih ihr. Ich werde versuchen, es wieder gut zu machen. Versprochen.“
„Ich glaube dir“, nickte der Frosch und ganz plötzlich wurde sein Herz von neuer Hoffnung erfüllt. ‚Eine Chance, eine neue Chance, diesmal könnte es klappen’, dachte er und ihm fielen die Worte des Schmetterlings, der Gänseblümchen und des Windes wieder ein…

Er musterte das hübsche Mädchen, deren blondes Haar wild um ihren Kopf fiel. Sie trug kein Spitzennachthemd wie Eliza, sondern ein ganz einfaches gelbes. Aber damit sah sie ganz natürlich aus und irgendwie bezaubernd, stellte der Frosch fest.
„Äußerlich wie innerlich wunderschön, so warm und leuchtend wie die Sonne.“
„Bitte was hast du gesagt?“, fragte Rosalie.
„Dass du sehr lieb ausschaust.“
„Danke, ich hoffe, dass ich lieb bin. Ich bemühe mich zumindest. Ich möchte niemals so kaltherzig sein wie meine Schwester.“
Sie trug den Frosch zu ihrem Bett und bettete ihn auf ihrem zweiten Kopfkissen. „Oder ist dir das hier zu trocken?“, überlegte sie.
„Nein, das ist in Ordnung, wenn ich morgen Früh wieder baden kann?“
„Natürlich, ich werde dir dann ein Bad im Suppenteller richten und auch Erich bitten, mir zu helfen artgerechte Nahrung für dich zu finden.“
„Vielen Dank“, flüsterte der Frosch froh.

Rosalie schlüpfte unter die Decke und deckte sich zu. Sie musterte den Frosch. „Hast du eigentlich einen Namen? Ich meine, du bist doch ein ganz besonderer Frosch, da du sprechen kannst. Dann hast du doch bestimmt auch einen Namen?“
„Richard“, flüsterte der Frosch.
„Richard. Wie Richard Löwenherz“, murmelte Rosalie.
„Du hast von Richard Löwenherz gehört?“, fragte der Frosch interessiert.
Rosalie nickte. „Er war ein guter König. Er soll sehr gerecht gewesen sein. Aber sein Enkel verschwand eines Tages und so wurde die Linie meines Vaters zur Königslinie.“
„Das hast du gelesen?“, fragte Richard gespannt.
„Ja und Papa hat mir davon erzählt. Wir sitzen oft zusammen in der Bibliothek. Vater überwacht meinen Unterricht und er weiß so viel, er ergänzt meinen Lehrer immer.“ Rosalie lächelte bei dem Gedanken.

„Was ist mit deiner Schwester, lernt sie auch gerne?“
Rosalie lachte leise. „Nein, höchstens vielleicht, wie man sich das Haar kunstvoll frisiert, sich kostbar kleidet und allen anderen im Schloss auf die Nerven geht. Hach, sie ist eben anders als ich, aber nicht nur böse. Manchmal ist sie auch nett. Sie ist noch jung, eines Tages wird sie gewiss lernen, was richtig und was falsch ist…“
„Du bist bewundernswert optimistisch“, lächelte der Frosch.
„Ich versuche immer in allem das Gute zu sehen.“ Rosalie lächelte zurück.

„Richard also. Magst du mir von dir erzählen?“
„Ich würde gerne, Prinzessin Rosalie, aber, verzeih mir, ich kann nicht…“ wisperte Richard.
„Nun wirkst du so traurig“, seufzte Rosalie. „Vermutlich darfst du nicht darüber reden, weil es ein Geheimnis ist?“
Richard nickte.
„Dann akzeptiere ich das. Schlaf gut, Richard.“

„Schlaf du auch gut, Rosalie“, erwiderte der Frosch und betrachtete das Mädchen, das nicht glücklich aussah und zu dem hellblauen Himmel des Bettes aufsah.
„Nun bist du traurig?“, fragte er schließlich.
„Ja, aber nicht wegen dir. Es ist schon gut, mir kann niemand helfen“, seufzte sie.
„Was ist denn geschehen, magst du es mir erzählen?“, fragte Richard besorgt.
„Ach, ich bin die ältere und ich muss heiraten. Morgen kommen drei Prinzen zu Besuch und Vater will, dass ich einen davon auswähle.“
Dem Frosch blieb fast das Herz stehen. Morgen schon? „Aber du willst nicht heiraten?“
„Ich werde es müssen, es ist meine Pflicht, Richard. Aber ich würde lieber jemanden heiraten, den ich liebe. Auch wenn es kein Prinz ist…“

„Ist dein Vater denn arm, so dass er das Bündnis zu einem weiteren Königreich suchen muss?“
„Nein, ihm geht es gut, unser Reich lebt im Wohlstand. Aber Vater möchte, dass unsere Linie fortgeführt wird, mit echten Königskindern. Also kommt nur ein Prinz infrage für mich. Ich habe keinen Bruder, also muss ich das Königreich später übernehmen… Aber wenn ich ihn lieben würde, würde ich lieber einen Bettler heiraten…“ Rosalie wischte sich eine Träne von der Wange.
„Bitte nicht weinen!“ Richard hielt es kaum aus, sie so unglücklich zu sehen. „Vielleicht ist einer der drei Prinzen ja sehr nett“, versuchte er ihr Mut zu machen.
„Ich weiß, wer sie sind, Richard. Glaub mir, ich lege nicht viel Wert auf Äußerlichkeiten. Aber Prinz Aaron ist nicht nur äußerst unansehnlich sondern auch ungepflegt, er riecht. Das kann ich gar nicht vertragen. Allein deshalb kann ich ihn nicht nehmen.“
„Das verstehe ich“, nickte Richard. „Der zweite?“

„Das ist Bruno. Er ist ein Krieger durch und durch und äußerst brutal. Er macht mir Angst. Ich will nicht mit jemandem verheiratet sein, der mir Angst macht. – Weißt du, da ist kein bisschen Sanftmut in seinen Augen. Nur Hass, Entschlossenheit… und so redet er auch. Er weiß alles, ist der größte und beste.“ Rosalie seufzte laut.
„Der dritte?“, fragte der Frosch.

„Das ist Constantin. Dumm wie Bohnenstroh. Er ist ganz nett und freundlich, aber sooo langweilig. Er lebt in den Tag hinein, weiß nichts und kann nichts. Aber zumindest ist er sauber und nicht böse zu mir. Vermutlich werde ich ihn nehmen müssen. Aber er ist kein Mann, mit dem ich mich unterhalten könnte. Er hat kein Interesse an der Politik, an der Geschichte, der Biologie, an Sprachen, Reisen… Was soll ich nur mit so einem dummen Mann?“
„Ich verstehe“, meinte Richard. Einerseits beglückt, dass sie keinen der Prinzen mochte, andererseits traurig, weil er nichts tun konnte.

„Lass uns schlafen, ich mag gar nicht daran denken“, flüsterte Rosalie und schloss die Augen.
„Also wünsche ich dir ein Wunder. Einen Prinzen, der gut riecht, nett aussieht, freundlich zu dir  ist und an der Welt interessiert“, flüsterte Richard, „gute Nacht, Rosalie!“
„Das wäre schön, danke, schlaf gut, Richard.“

Der Frosch betrachtete sie noch eine Weile und folgte ihr dann in den Schlaf.

Am nächsten Tag versorgte sie ihn liebevoll und er beobachtete, wie sie einen Prinz nach dem anderen traf und immer stiller wurde. Sie trug ein rosa Kleid und man hatte ihr das Haar ordentlich frisiert. Sie bewegte und benahm sich, wie es sich für eine Königstochter gehörte, aber Richard sah und spürte, wie ihr Herz mit jeder Stunde schwerer wurde. Bei den dämlichen Prinzen konnte er das nachvollziehen.

Am Abend saß Rosalie weinend an ihrer Kommode und öffnete ihr geflochtenes Haar.
„Welchen wirst du nehmen?“, fragte Richard. Er saß vor ihr auf der Kommode und schob mit dem Fuß die Haarschleifen zur Seite, um ihr behilflich zu sein und näher zu ihr zu kommen.
„Du warst den ganzen Tag in meiner Nähe, das war sehr lieb von dir. Du hast mich zwischendurch immer aufgemuntert. Sag du mir, welchen ich nehmen soll?“, sagte sie lächelnd und streichelte mit ihrem Zeigefinger über Richards Kopf.
Richard schmiegte sich wohlig in ihre Hand. „Nimm keinen. Sie gehören alle drei Eliza, sie passen zu einem Küchenmädchen.“

Rosalie lachte leise. Ein entzückendes Geräusch. „Du hast lustige Ideen. Und was meinst du, sagt mein Papa dazu?“
„Lass uns von hier verschwinden, geh mit mir fort, Rosalie, ich kenne einen sicheren Ort, wo dich niemand findet!“
Ungläubig sah Rosalie ihren Frosch an.
„Ach, Richard, du bist so süß!“ Sie beugte sich vor und küsste ihn zärtlich auf den Kopf.
Richard wurde ganz schwindelig und auf einmal drehte sich alles um ihn herum, er schloss seine Augen, es klirrte und Rosalie wich erschrocken zurück.

„Richard? Bist du das?“, fragte Rosalie leise und ihre Stimme klang erstaunt.
Vorsichtig öffnete Richard die Augen.
Da kniete sie vor ihm. Ihr nun offenes Haar fiel wieder wild um ihre Schultern. Ihre grünen Augen schienen zu leuchten. Sie war wunderschön.
„Wer sollte ich sonst sein?“, fragte er und rieb sich über das Gesicht. Der Kuss, er war so zart gewesen…
Überrascht sah Richard auf seine Hand, hob die zweite, sah an sich herab…
„Du hast mich erlöst, Rosalie!“, rief er und lachte erleichtert auf.
„Das scheint so zu sein…“, Rosalie lachte auch leise und Richard sah zu ihr.
„Ziemlich erlöst und ziemlich nackt“, schmunzelte sie.
„Ups“, hauchte Richard und legte etwas verlegen seine Hände auf sein Gemächt.

Rosalie stand auf, holte eine Decke vom Bett und hielt sie ihm hin.
Richard stand auch auf und wickelte die Decke um seine Blöße.
Nun überragte er Rosalie um einen Kopf und sie sah zu ihm auf. Vorsichtig hob sie ihre Hand und strich sein blondes Haar zurück. „Du hast auch grüne Augen“, flüsterte sie.
Richard nickte.
„Wer hat dich verzaubert?“, fragte sie.
„Eine Hexe, weil ich einen Frosch geärgert habe. Ich hatte eine Strafe verdient. Aber sie war sehr lang…“
„Weil niemand kam der dich liebte?“, vermutete Rosalie.
Richard nicke. „Genau. Wer liebt schon einen ekeligen Frosch – außer vielleicht die liebe Prinzessin Rosalie…“
Diese lächelte. „Das tut sie. Wenn du als Mann genauso bist wie als Frosch – so freundlich und lieb zu mir…“

„Das bin ich. Ich könnte nie böse zu dir sein, denn du bist ganz bezaubernd. Du bist eine sehr liebe und gescheite Frau. So eine wünschte ich mir. Eine, die sich für meine Arbeit interessiert und mir hilft und mit mir glücklich ist…“ Richard streichelte behutsam über ihre Wange.
„Ja, Richard, nun laufe ich mit dir weg, wenn du es noch möchtest. Wie könnte ich einen dieser Prinzen heiraten, wo es dich gibt, der mich versteht und auch liebt?“
Richard lächelte. „Ja, ich denke, ich habe mich sofort verliebt, als ich das erste Mal in deine grünen Augen sah und deine Liebenswürdigkeit spürte. Aber ich denke, wir brauchen nicht fortzulaufen, dein Vater wird mich akzeptieren.“
„Du bist ein Prinz?“, fragte Rosalie überrascht.
Richard nickte. „Ich bin der Enkel von Richard Löwenherz. Und ich habe sehr wohl noch ein Königreich, es grenzt an eures. Mein Diener Heinrich hat es all die Jahre verwaltet. Er hat regelmäßig nach mir gesehen, aber er konnte nicht ständig bei mir sein, es brach ihm das Herz mich so zu sehen…“

„Oh, Richard. Küss mich“, flüsterte Rosalie mutig und sah zu ihm auf. Sie schmiegte sich an seine Brust und Richard legte zärtlich seine Arme um sie. „Rosalie“, flüsterte er und dann lagen seine Lippen auf ihren. In dem Moment spürten sie beide den Zauber, der sie verband, das große Glück, dass sie sich gefunden hatten. Das also hatten die Bewohner der Wiese gemeint, dachte Richard, die liebe Prinzessin Rosalie und nicht die garstige Eliza…

Und Richard war erleichtert, dass er nicht so dämlich gewesen war, die Prinzessin zu nehmen, die ihn an die Wand geworfen hatte.

Rosalies Vater war begeistert über den fähigen Prinz, warf die drei Deppen aus dem Schloss und organisierte die größte Hochzeit, die es je im Land gegeben hatte. Heinrich war natürlich auch dabei und fuhr sie dann mit der Kutsche in Richards Königreich, wobei Richard unterwegs dreimal dachte, dass der Wagen bricht, aber es waren nur die drei Metallbänder, die um Heinrichs Herz…

Erich fuhr mit, er würde doch seine Lieblingsprinzessin niemals verlassen – war die offizielle Version – der eigentliche Grund aber war Heinrich, mit dem süßen Hintern…

Eliza musste drei Jahre in der Küche helfen, bis sie verstanden hatte, was den wahren Wert des Lebens ausmachte. Sie ließ die schwere Kugel einschmelzen und den Erlös des Goldes an die arme Bevölkerung verteilen.

Richard und Rosalie wurden natürlich sehr glücklich miteinander und bekamen sieben blonde Prinzen und Prinzessinnen mit grünen Augen. Diese spielten mit 7 leichten Gummibällen und achteten darauf, niemals einen Frosch zu verletzen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

© Elayne R. 2020



P.S.: Es ist nicht beta-gelesen, tut mir leid und
P.S. 2: Es ist absichtlich manchmal sprachlich völlig daneben, eben damit es lustig ist. Ich liebe eine Mischung aus altem Deutsch und modernen Worten, grins.


.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast