The Sun is always rising

GeschichteDrama, Fantasy / P18
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Emmett McCarty Cullen Esme Cullen Isabella "Bella" Marie Swan OC (Own Character)
05.09.2020
01.10.2020
8
32.400
5
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
16.09.2020 4.160
 
Danke an meine Leser, die meine Geschichte offenbar mögen.
Seid so lieb und lasst mich in den Reviews wissen, was ihr davon haltet. Lob, aber auch konstruktive Kritik ist gerne gesehen.

Vielen lieben Dank.

lg Finley


Previously:

Die Gier steigerte sich ins Unerträgliche, zerrte an ihren Nerven, da sie so knapp vor ihrem Ziel stand, nur getrennt durch eine simple Glasscheibe. Ihre bebende Hand fand den Öffnungsmechanismus, was die Tür mit einem leisen zischen nachgeben ließ. Finley griff nach dem erstbesten Beutel, den sie behutsamer als ihr körperlicher Zustand es zulassen hätte dürfen, an sich nahm. Mit einem Fuß stieß sie die Glastür wieder zu, die mit einem klicken einrastete. Länger konnte sie ihre Gier nicht mehr in Schach halten, biss in die Ecke des Blutbeutels, riss das Plastik auf, wobei kleine Rinnsale an der Aussenseite der Konserve entlang lief und auf den Boden tropften. Der betörende Duft, der ihr jetzt entgegen strömte, ließen ihre Kehle in Flammen stehen und ihr Gehirn schaltete in den Autopilot. In Fin´s Inneren regte sich aber dennoch eine mahnende Stimme, dass sie die Kontrolle nicht verlieren durfte - niemals. Sie schüttelte den Kopf, redete sich ein, dass sie hierfür nichts konnte und es eine absolute Notsituation war. Im Regelfall mied sie Blut solange sie nur konnte, doch ihre Körper zwang sie nach einiger Zeit regelrecht dazu, was sie stets anwiderte. Sie beschränkte sich von Kindesbeinen an auf Blutkonserven oder Tierblut, wobei es ihr egal war, von welchem sie nahm und doch war es für sie auch hier Mord. Ein Lebewesen musste durch ihre Hand sterben, damit sie leben konnte und das war in Finley´s Augen nicht richtig. So sollte es nicht sein und doch zwang ihre Natur ihr genau dieses töten auf. Fin hasste es, hier für sie das absolute Worst-Case-Szenario durchziehen zu müssen und war froh, dass sie sich nur mit Blutkonserven herum schlagen musste. Sie fühlte wie sich ihre Augenfarbe von waldgrün gen schwarz färbten und ihr klar war, dass sie keiner mehr stoppen konnte. Sie würde erst zu trinken aufhören können, wenn sie gesättigt war und dieser Kontrollverlust über ihren freien Willen setzten ihr jedes Mal zu. Ihr blieb nichts anderes, als sich ihren niedersten Instinkten zu ergeben und die Natur walten zu lassen.

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Finley´s Blick wurde leer, als sie einen großen Schluck von der Konserve nahm, der ihre letzten lästigen Gedanken verblassen ließen. Sie würde Blut trinken soviel sie bekommen konnte, doch die Verletzungen waren schwerwiegend und sie würde trotz der Heilkraft des Lebenselixiers eine Weile benötigen, bis sie sich wieder gefangen hatte. Das kühle Nass lief prickelnd ihrer Kehle hinab, füllten ihren Magen, belebten ihren Geist. Sie fühlte wie die Kraft zurückkehrte, auch wenn es nur ein Bruchteil dessen war, die ihr sonst inne wohnte. Der Blutrausch erlangte schließlich vollends die Überhand, beherrschte sie, ob sie nun wollte oder nicht. Ihr Verstand koppelte sich von ihrem Körper ab und sie trank gierig den Beutel leer. Ein weiteres Mal stieß sie die Glastür auf, riss Konserven wüst von ihrem Platz, die sich auf dem Linoleum verteilten. Finley entlockte einem nach dem anderen sein betörendes Aroma, leerte drei Beutel in einem Zug, scherte sich nicht darum, dass Blut an ihrem Kinn nach unten lief. Reste die sich noch in den Beutel befanden bildeten Lachen, die sie achtlos auf den Boden zurück geworfen hatte und den Raum langsam aber sicher in ein wahres Blutgemetzel verwandelten. Endlich ließ der Durst etwas nach, jetzt meldete sich stattdessen der Schmerz zurück, den sie eigentlich nicht wirklich vermisst hatte. Dieses verdammte Silber musste mehr Schaden angerichtet haben als Finley befürchtete, da trotz der Nahrung keine Heilung einsetzen wollte. Vorsichtig befühlte sie die von ihrer Schwester notdürftig verarztete Wunde, ließ aber die Hand sofort wieder sinken, als ein schmerzhafter Stich ihr durch den Rücken fuhr. Die anderen Blessuren wurden erträglicher, doch diese Schusswunde machte ihr Sorgen. Finley ignorierte so gut sie konnte das grässliche Pochen und sah auf ihre blutverschmierten Hände, die noch einen intakten Beutel hielten. Jetzt wo der Schmerz auszuhalten war, biss sie vorsichtig in diesen und ließ den Duft auf sich wirken. Sie verlor sich in dem Aroma, dass ihr nach einem weiteren Schluck die Kehle hinab rann. Konnte darin wie in einem Buch lesen. Es erzählte ihr die Geschichte des ehemaligen Besitzers. Das hier war blumig, süß, feminin und doch etwas herb im Abgang.

Ein leises Geräusch ließ sie aufhorchen und inne halten. Ihr Blick huschte zum Eingang, durch den sie vor nicht einmal fünf Minuten herein geschlüpft war und konnte kaum ihren Augen trauen. Zu ihrem Entsetzen drehte sich der Knauf und die Tür wurde langsam geöffnet. Fassungslos starrte sie wie gebannt an das andere Ende des Raumes und konnte sich auch beim besten Willen nicht bewegen. Sie hatte schlichtweg vergessen das verdammte Ding hinter sich abzuschließen.
Ein dummer, törichter Anfängerfehler.
Ein groß gewachsener, blonder Mann, der in einen Hollywood Film gepasst hätte, aber nicht hier in diese Klink, verharrte kurz im Türrahmen und versuchte das Chaos, das Finley inszeniert hatte, zu erfassen. Sein Blick streifte erst Fin, dann die blutbesudelten Wände, Stahlfronten und die Glastür des Kühlschrankes, die einen Riss aufwies, über den Boden, wo die letzten Blutkonserven verstreut lagen und schließlich wieder zu ihr. Sie sah kurz selbst an sich hinunter und musste zugeben, dass sie ein ziemlich erbärmliches Bild abgab. Die ehemals dunkelblauen OP Sachen, die sie trug wiesen dunkle Flecken auf, die von dem Blut stammten, dass sie so gierig getrunken hatte. Finley hatte sich natürlich nicht darum geschert, wie sie danach vielleicht aussehen würde, doch was sie wirklich in Alarmbereitschaft versetzte war die Tatsache, dass nur der Metalltisch Finley von dem Eindringling trennte. Doch wirklich merkwürdig war, dass er sie ebenfalls gebannt musterte, so wie sie ihn. Der weiße Kittel, den er trug, sowie das Stethoskop um seinen Hals, ließ die junge Frau schlussfolgern, dass er ein Mediziner sein musste. Aber warum zur Hölle stand er wie angewurzelt dort und konnte anscheinend seinen Augen nicht trauen? Klar sah es hier aus, als hätte Freddy Krüger seinen Spass gehabt, aber lief man da nicht weg, begann zu schreien oder stellte eine dämliche Frage, wie zum Beispiel: „Was machen sie da? Wer sind sie? Wie sind sie hier rein gekommen? Aber nichts dergleichen. Im nächsten Moment hatte er offensichtlich einen Entschluss gefasst, glitt in den Raum und zu Finley´s Verwirrung schloß er die Tür lautlos hinter sich und ließ das Schloß auch noch einschnappen. Fin wusste zwar nicht, was sie erwartet hatte, aber jedenfalls keinen Menschen, der so dumm war sich die einzige Fluchtmöglichkeit zu versagen, die ihm bleiben würde. Immer noch ließ er sie nicht aus den Augen, versuchte ihre Reaktion auf sein eindringen abzuschätzen, während die Spannung, die in der Luft lag immer greifbarer wurde. Finley wurde nervös, konnte die Lage nicht richtig einschätzen, doch sie würde es nicht darauf ankommen und ihn den ersten Schritt machen lassen. Sie bewegte sich im nächsten Augenblick blitzschnell, noch ehe sie sich überhaupt bewusst werden konnte, was sie tat, setzte zum Sprung an und segelte galant auf den Tisch, der sie voneinander trennte. Ihr Puls schnellte in die Höhe, während Adrenalin durch ihren Körper pumpte und sich all ihre Sinne auf Kampf einstellten. Doch er reagierte nicht so, wie sie es vermutete hatte, oder ihre Gegner es taten, wenn sie angegriffen wurden. Es gab immer nur zwei Optionen.
Gegenwehr oder Flucht.
Aber dieser Mann hatte nicht einmal mit der Wimper gezuckt. Er stand unglaublicher Weise nur dort vor der geschloßenen Tür und beobachtete sie unbeeindruckt.
Was genau war nur los mit ihm?
Angriff, Gegenangriff, so schwer war das Ganze jetzt auch wieder nicht.
Seine fehlende Reaktion auf ihren offensichtlich Angriff fachten ihre eigene Aggressivität nur noch mehr an, als sie in ihr ein anderer Gedanke keimte. Er war nicht nur ein Eindringling, sondern auch ein Zeuge. Zeugen waren schlecht und stets eine Komplikation. Sie musste ihn los werden und das schnell. Natürlich ohne Aufsehen zu erregen. Mit der heftigen Emotion ihrerseits hatte sie aber dann doch nicht gerechnet, als sich ihr Fokus auf sein Blut verschob. Verwirrt wischte sie sich mit einer bebenden Hand über ihre klamme Stirn und noch ehe sie sich versah, setzte sie abermals zum Sprung an. Sie bekam ihn an den Oberarmen zu fassen und er hätte eigentlich zu Boden gehen müssen, doch stattdessen stand Finley´s eigene Welt plötzlich Kopf. Der Mann drehte sich mit ihr so schnell, als würde sie in einem Karussell sitzen und Fin wurde ziemlich unsanft gegen die nächstgelegene Wand, mit dem Rücken voran, gepresst. Irgendetwas war hier absolut verkehrt. Er war viel zu stark für einen Menschen und der Umstand, dass er sie mit Leichtigkeit bändigen konnte, ließen Panik in ihr aufsteigen. Er war ein Vampir, da seine Hände an ihren Oberarmen kühl und nicht warm waren. Als er seinerseits ihren Geruch einsaugte, trafen sich ihr Blicke und sie konnte die selbe Verwirrung darin ablesen, wie er in ihrem. Als er dadurch etwas von ihr abließ, nutzte sie die Gunst der Stunde, wand sich rasch aus seinem Griff, tauchte unter seinem Arm durch und brachte soviel Abstand zwischen sie, soweit es dieser Raum eben zuließ. In ihrer Hilflosigkeit schnappte sie sich eine Konserve und warf, wie ein Pitcher einen Ball dem Schlagmann bei Baseball zuwerfen würde, nur mit der Absicht ihm das Ding gegen den Kopf zu knallen. Mit Schmackes verstand sich. Fin verfehlte ihn aber um Haaresbreite und der Beutel zerplatzte wie eine Wasserbombe an der grün getünchten Wand hinter ihm. Ein feiner Nebel aus Blutstropfen legte sich auf das Linoleum und flutete den Raum mit seinem betörenden Duft. Der Arzt war zwischen dem Blut, dass hinter ihm auf den Boden eine Lache bildete und Finley, die ihm jetzt schwer atmend mit wirren Haaren und irren Blick fixierte, völlig hin und her gerissen. Sie überlegte fieberhaft, wie sie aus dieser prekären Situation entfliehen konnte, ohne dabei selbst drauf zu gehen. Weiter konnte sie ihren Gedankengang nicht führen, da er plötzlich einen Schritt mit erhobenen Händen auf sie zu machte. Sie wich sofort zurück und stieß mit dem Rücken gegen die kühle Scheibe des Kühlschrankes. Finley fühlte sich schlagartig in die Enge getrieben, was ein bedrohliches Knurren ihrer Kehle empor steigen ließ. Der Arzt verharrte in seiner Bewegung, während Finley´s Herz unangenehm gegen ihre Rippen trommelte. Ihre Sinne waren vollkommen aufgepeitscht, während Schweiß ihrem Körper entlang rann und abscheulich in ihren Blessuren aus Joseph´s Kampf brannten. Wenn er Blut wollte, sollte er es sich Herrgott nochmal nehmen und verschwinden, doch er hob abermals beschwichtigend die Hände.
„Ganz ruhig. Lass es mich dir erklären, in Ordnung?“ Er sprach langsam, wählte seine Worte mit Bedacht. Ihr Blick huschte panisch in dem steril eingerichteten Raum umher. Sie konnte aber nichts entdecken, was ihr einen Vampir effektiv vom Leib halten könnte. Währenddessen sagte er immer noch auf Abstand achtend
„Hör zu! Mein Name ist Carlisle Cullen und auch wenn ich nicht weiß, was genau du…!“ weiter kam er nicht, da bei Fin die Sicherungen endgültig durchbrannten. Wut, aufgepeitscht durch ihre Panik, durchfuhr sie mit voller Wucht, da sie sie sich keine Predigt anhören wollte, bevor er Fin vielleicht das Licht für immer ausblasen würde. Wenn sie ihm schon körperlich unterlegen war, wollte sie wenigstens mit Stolz in die ewigen Jagdgründe eingehen. Sie schnappte sich den ihr zugewandten Rand des Tisches, hob ihn mit Leichtigkeit an und schleuderte ihn den Mann entgegen, doch dieser wehrte ihn ohne Mühe ab. Scheppernd kann das Mobiliar auf dem Boden zwischen ihnen zu liegen und die Arbeitsfläche wies dort, wo die Hand des Mannes gegen das Material geschlagen hatte, eine tiefe Delle auf. Ungläubig starrten sie sich abermals an, als Finley das Gefühl nicht los wurde, als könne er ihren nächsten Schritt voraus ahnen.
Was absolut nicht gut war.
Als er jede ihrer Bewegungen schließlich spiegelte, fühlte sie sich darin bestätigt, was sie aber immer mehr aus der Fassung brachte. Sie hastete zu den Schubladen in den Metallschränken und riss die erstbeste in ihrer Griffweite heraus, die mit einem klierenden Geräusch auf den Boden krachte und dessen Inhalt sich am Linoleum verteilte. Da sprang ihr auch schon die perfekte Waffe ins Auge. Sie schnappte sich das Ding, wie sie inständig hoffte, ihr wenigstens einen kleinen Vorsprung verschaffen würde. Das Skalpell, dass sie nun in Händen hielt, fühlte sich erschreckender Weise gut an, war zumindest scharf genug, um ihm eine hässliche Wunde zuzufügen. Aber soweit kann es gar nicht. Ehe sie es sich versah, stand er direkt vor ihr, noch bevor sie die Hand überhaupt gegen ihn erheben, oder aber die Klinge nach ihm werfen hätte können. Sein stählerner, kalter Körper keilten sie zwischen ihm und der Metallfront ein und plötzlich erkannte sie, dass sie nicht die geringste Chance gegen ihn hatte. Er ließ ihr keinen Raum, um sich auch nur einen Millimeter zu bewegen, griff nach ihrem Handgelenk und drückte zu.
„Lass es fallen!“ Fin schüttelte trotzig den Kopf, stemmte sich gegen ihn.
„Niemals!“ brachte sie atemlos hervor, weigerte sich das Skalpell aufzugeben. Als der Schmerz aber unerträglich wurde, die Hand heftig zu kribbeln begann, musste sie gegen ihren eisernen Willen die Waffe fallen lassen. Der Verlust ihrer einzigen Hoffnung hier heil herauszukommen, raubte ihr kurz jegliche Substanz, aber sie konnte stets auf ihren Überlebensinstinkt bauen.
„Lass uns in Ruhe darüber reden!“ presste er hervor, als sie ihn unter Aufbietung all ihrer Kraft, mit einem markerschütternden Schrei, von sich stieß.
„Nein!“ Fin schlug ihm hart gegen die Schulter, was ihr mehr Schmerzen zu bereiten schien, als ihm. Es hatte jedoch zur Folge, dass der Mann quer durch den Raum flog, gegen die Wand krachte, an der er nach unten rutschte und im bereits geronnen Blut zum Liegen kam. Finley hatte weder den Kopf, noch die Zeit sich zu vergewissern, ob sie ihn ausgeschaltete hatte, sondern ergriff die vielleicht letzte Chance und rannte blindlings zur Tür. Doch noch bevor sie dem Ausgang überhaupt in Reichweite kam, wurden ihr die Beine unter ihrem Körper weggezogen und sie stürzte hart auf ihren Arm, der wild zu pochen begann. Blitzschnell drehte sie sich zur Seite, trat mit dem freien Fuß gegen die Hand die ihren anderen festhielt, setzte sich auf und rutschte rückwärts durch den Raum, um genügend Abstand zwischen sich und ihren Gegner zu bringen. Den schmerzenden Arm hielt sie gegen ihren Bauch gepresst, während sie immer noch fieberhaft überlegte, wie sie die Situation für sich entscheiden konnte. Sie hatte sich schlichtweg darin getäuscht, dass er kampfunfähig wäre und hatte somit die letzte, ihr verbleibende Chance, aufgegeben aus dieser Klinik lebend herauszukommen. Mit erstickter Stimme, da er doch mehr eingesteckt haben musste, als sie geglaubt hatte, startete er einen neuen Beschwichtigungsversuch.
„Hör mich an! Ich will dich nicht verletzen!“ Ihr Blick durchforstete hektisch die verstreuten Instrumente, die zwischen den Blutkonserven lagen.
„Ich kann dir helfen!“ Sie wollte es nicht hören und schon gar nicht glauben, was er Finley hier versuchte zu erklären. Es gab aus ihrer Sicht nur zwei Möglichkeiten.
Er oder Sie.
Jede einzelne Muskelfaser schmerzte inzwischen unerträglich, doch Fin blieb keine Wahl. Sie musste kämpfen, durchhalten. Würde sie klein bei geben, wäre es sicherlich ihr Todesurteil. In Bruchteilen einer Sekunde war sie für einen Nahkampf bereit, wie aussichtslos er auch immer sein mochte. Sie griff nach einer Schere, rappelte sich hoch und stürmte damit auf ihn los. Der Arzt war im selben Moment wie sie auf den Beinen, stürzte sich seinerseits auf Fin und riss sie abermals zu Boden.

Der Aufprall ließ pfeifend die Luft aus ihren Lungen entweichen, als sie zusammen über glitschigen Boden schlitterten und direkt vor dem Metalltisch zum Liegen kamen. Panisch schnappte Finley nach Luft, wehrte sich atemlos und mit aller Macht gegen seinen eisernen Griff, verlor ihre Waffe, doch es war aussichtslos. Er drehte sie mit einem beherzten Griff an ihrer Schulter auf den Rücken, klemmte sie auf dem Boden mit seinem Körper fest, als Fin ihrer Kehle endlich einen Schrei der Frustration und des Schmerzes entlocken konnte. Ihre Schußwunde meldete sich ekelhaft stechend in ihrem Rücken zu Wort, was sie wimmern ließ. Dennoch sträubte sie sich festgehalten zu werden, trat und biss wie von Sinnen um sich, soweit es ihre Position überhaupt zuließ. Er war stark und doch hatte er alle Hände voll damit zu tun sie unter Kontrolle zu bringen. Der Druck seines Körpers auf ihrem nahm zu und sie bekam immer schlechter Luft, bis sie nur noch damit beschäftigt war zu atmen. Seine karamellfarbenen Augen trafen die ihren, die angesichts dieser verstörenden Situation nicht so hypnotisierend auf sie wirken hätten dürfen. Sie fing sich aber wieder und wollte erneut zu einem Schrei ansetzen. Er hielt ihr plötzlich den Mund zu und lauschte angestrengt. Die Berührung seiner eisigen Hand auf Finley´s fiebrig heißen Lippen fühlte sich wie ein elektrischer Schlag an. In seiner Miene spiegelte sich das selbe Entsetzen wieder, das Finley fühlte, als sie die Gegenwehr im nächsten Moment aufgab. Es sollte wohl so sein, und doch konnte sie sich nicht damit abfinden durch die Hand eines Mannes, auch wenn es erstaunlicher Weise nicht ihr leiblicher Vater war, sterben würde. Tränen waren es nun, die ihre Augen füllten, ihren Wangen entlang liefen und kleine Seen in der leichten Mulde ihrer Ohrmuscheln bildeten.
„Es tut mir leid!“ sagte er und sie wollte seinen Worten kein Gehör schenken oder gar glauben.
„Ich wollte auf keinen Fall so ruppig werden!“ Was genau redetet der Typ eigentlich gerade für einen Unsinn. Erst bekämpfte er sie, dann keilte er sie unter sich ein und jetzt entschuldigte er sich dafür. Vielleicht hatte die kleine Flugstunde doch mehr Schaden angerichtete, als man äußerlich sehen konnte.
„Ich muss das jetzt beenden, bevor der Wachdienst auf seiner Nachttour vorbei kommt.“ Er sprach zwar mehr mit sich selbst, als mit Finley. Aber was er genau damit meinte, dass er es beenden müsse, sorgte Fin jetzt doch sehr. Die Erkenntnis, die sie in der nächsten Sekunde wie ein Peitschenhieb traf, versetzten sie abermals in helle Panik. Er würde ihrem kleinen Intermezzo ein Ende setzen und das sicher nicht im Sinne von, gehen wir ein Eis essen und Schwamm drüber. Ihr Herz setzte einen Moment aus, als ihr klar wurde, dass sie dieser Mann wirklich töten würde. Panisch bäumte sie sich unter ihm auf, versuchte ihn irgendwie von sich zu stossen. Ihr Puls dröhnte unangenehm in ihren Ohren, machte sie beinahe taub. Finley schüttele, soweit es seine Hand erlaubte, ihren Kopf und wimmerte verzweifelt, wehrte sich nach Leibeskräften, konnte dennoch nichts gegen ihn ausrichten. Ihre Finger bekamen den Revers seines Kittels zu fassen, dessen Stoff sie nun krampfhaft umklammert hielt.
„Es tut mir leid!“ Sie versuchte noch das Gesagte zu verstehen, fragte sich, warum er sich bei Gott ständig für sein Handeln entschuldigte, doch ihr Gehirn weigerte sich strickt diese Informationen zu verarbeiten. Den Stich und das darauffolgende brennen in ihrem Oberarm hatte sie weder erwartet, noch kommen sehen und ließen sie sich noch heftiger gegen ihn stemmen.
„Ich weiß!“ Instinktiv wollte sie nach der neuen Schmerzquelle greifen, konnte sie aber nicht erreichen, erhaschte nur einen kurzen Blick auf eine Spritze mit langer Nadel, die er in seine Kittelasche zurück gleiten ließ. Er hatte ihr etwas gegen ihren Willen gespritzt, wusste nicht welches Gift nun zusätzlich neben dem Silber in ihrem Blutkreislauf zirkulierte und wollte schreien, wäre da nicht seine eiskalte Hand auf ihren Lippen gewesen.

Die Gegenwart verschmolz plötzlich mit der Vergangenheit und Finley sah sich selbst als junges Mädchen in einer dreckigen, dunklen Ecke eines Raumes kauern und musste entsetzt zusehen, wie ihr Erzeuger ihrer Schwester etwas in die Vene spritzte. Sie hatte sich im Vorfeld massiv gewehrt, doch er war ihr körperlich überlegen gewesen. Wie schon so viele Male davor. Finley die ihrer Schwester zur Hilfe eilen wollte, hatte er wie einen räudigen Hund in die Ecke geprügelt, wo sie immer noch zitternd saß. Fely bäumte sich schließlich auf, kratze, trat um sich, bespuckte Joseph, der ihr daraufhin eine schallende Ohrfeige verpasste, die Felicity´s Lippe aufplatzen ließ. Blut floss ihr über das Kinn, als ihr fahriger Blick den von Fin traf und sie wortlos den Kopf schüttelte. Finley hatte gelernt unsichtbar zu werden und ihre Schwester beschützte sie so weit es in ihrer Macht stand, vor diesen Übergriffen. Fely war daraufhin bewusstlos zu Boden gegangen und sie konnte sich noch daran erinnern, dass Joseph lauthals geflucht und etwas gegen die Wand gedonnert hatte.

Stoßweise, völlig außer sich, sog Fin Luft durch ihre Nase ein und stieß sie bebend wieder aus und da war sein Blick, der absolut deplatziert wirkte. Er schien besorgt zu sein. Joseph war das nie gewesen. Er war immer nur stinksauer geworden, wenn seine kleinen Experimente, mit was auch immer für einem Serum, schief gegangen waren. Bis er die Geschwister wie Müll zurück gelassen hatte und über alle Berge gewesen war.
Ja, aber worüber machte sich dieser Vampir hier Gedanken? Sicherlich nicht, weil er sich Sorgen um ihre Gesundheit machte. Eher weil sie nicht schnell genug den Löffel abgab, damit er endlich hinter ihr aufräumen konnte. Die Tränen flossen schneller, heißer. Ihr Herz pumpte das Serum in rasender Geschwindigkeit durch ihren Körper und verteilte es, ohne dass sie diesen Prozess aufhalten hätte können.
„Du musst dich beruhigen, dann werde ich dich los lassen!“
Beruhigen?
Ehrlich?
Sehr witzig!
Das war dann doch etwas viel verlangt angesichts der Tatsache, dass sie hier völlig wehrlos unter ihm lag und seinen Entscheidungen und Taten schutzlos ausgeliefert war. Die Arznei benebelt ihre Sinne, entfaltete seine Wirkung und ließen ihre Kräfte schwinden. Ihre Hände, die sich an seinen Kittel krallten, fielen nun seitlich an ihren Körper zu Boden, wurden bleischwer, als ihre Sicht immer mehr verschwamm. Mühsam versuchte sie ihre Augen offen zu halten.
„Das wird wieder!“ hörte sie den Arzt sagen. Die kalte Hand wurde weggenommen und das Gewicht seines Körpers verschwand. Finley blieb also nicht viel mehr, als hier zu liegen und zu atmen.
Ein und aus.
Wiederholte es.
Beobachtete wie ihr Gegner sich erhob, die Hände in die Hüften stemmte und sich zu sammeln schien, oder überlegte er, wie er ihr den Gar ausmachen konnte, ohne noch eine größere Schweinerei zu verursachen. Sein Blick schweifte über das Chaos, dass sie angerichtete hatten, dann wieder zu ihr. Seine Hände schoben sich schließlich unter sie und da ihr schlichtweg die Kraft fehlte sich ihm abermals zur Wehr zu setzten, ließ sie ihn gewähren. Egal was er mit ihr jetzt vor hatte, sie hatte sowieso keinerlei Einfluss mehr darauf. Er hob sie mühelos hoch, als ob sie nicht schwerer wäre als eine Feder. Sie sah diese gütige, verständnisvolle Miene, die sie nicht deuten und schon gar nicht erklären konnte. Die Geräusche wurden immer dumpfer, während der Mann sie so schnell durch den Raum trug, dass sie das Gefühl hatte zu fliegen. Sie musste den Kampf schließlich gegen den Sog der Bewusstlosigkeit aufgeben und ließ sich treiben.

Etwas Kaltes an der Seite ihres Halses ließen sie erneut aus der Besinnungslosigkeit auftauchen und den Mann schemenhaft über ihr erkennen.
„Ich brauche euch hier sofort in der Klink. Westeingang, Blutbank… Ja, Alice, auch im Umkleideraum muss alles so sein wie vorher… Nimm die Sachen einfach mit… In Ordnung…“ Finley drehte den Kopf etwas zur Seite, erkannte, dass sie in einem aufgeräumten, sauberen Behandlungszimmer auf einer Liege lag. Der Schleier vor ihren Augen nervte sie, wurde ihn aber nicht los, auch wenn sie noch so oft blinzelte.
„Richtig! Ich bitte euch dem Haus einige Stunden fern zu bleiben… Natürlich… Ich werde euch ins Bild setzen, sobald sich die Lage geklärt hat…“ Fin sah wieder zu dem Arzt, der ein Mobiltelefon in seine Kitteltasche steckte und abermals ihren Puls am Hals befühlte.
Daher also das kalte Gefühl.
Er hielt kurz inne und Fin hatte das eigenartige Empfinden, als ob er eine Entscheidung treffen musste, oder aber bereits getroffen hatte, sich aber nicht wirklich wohl damit zu fühlen schien. Ihre Sinne waren dermassen benebelt, dass sie alles in diese absurde Situation hinein interpretiert hätte und ließ diesen Gedankengang daraufhin fallen.
„Dann wollen wir mal!“ Er schob eine Hand behutsam in ihren Nacken, setzte sie vorsichtig auf. Kraftlos sank ihr Kopf gegen seine Schulter und da sie völlig zugedröhnt war, ließ sie es einfach über sich ergehen. Ihr fiel noch auf, dass sie saubere Sachen trug, konnte sich aber nicht wirklich erklären warum. Seine kühle Hand strich ihr über den Arm, rissen sie aus ihren Grübeleien und im Nächsten spürte sie einen weichen Stoff, der um ihre Schultern gewickelt wurde.
„Du frierst.“ Gab er zur Erklärung ab, bevor er sie erneut hochhob, sie an seinen kühlen Körper presste und Finley aus der Klink in ein Auto trug, wo er sie auf die Rückbank setzte, den Sicherheitsgut gewissenhaft schloß und sich selbst hinter das Steuer begab. Der Wagen wurde gestartet, die Innenbeleuchtung erlosch mit einem letzten Glimmen. Die einzigen Lichtquellen waren die Straßenlaternen die den Parkplatz säumten, ein beleuchtetes Schild an der Wand neben dem Eingang und das sanfte blaue Leuchten der Armaturen des Autos in dem Finley sich nun befand. Das leise, monotone Surren des Motors, die Droge, die in ihren Venen zirkulierte, ließen sei erneut in die Bewusstlosigkeit abtauchen.
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