Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das hässliche Entlein und der Star

von TSevans
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Chris Evans OC (Own Character)
05.09.2020
28.11.2020
7
10.984
8
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
05.09.2020 1.344
 
2008 in einem kleinen Dorf am Rande des Schwarzwaldes.
Eine wirklich schöne Gegend mit viel Tradition, aber eben doch ein kleines Dorf, in dem sich die wenigen Jugendlichen in Cliquen zusammen tun und sich dadurch unbesiegbar fühlen.

Und dann war da ich. Durchschnittlich groß, etwas pummelig, mit Zahnspange, Sommersprossen und einem bescheuerten Nachnamen. Kurzum, das perfekte Mobbing-Opfer. Und genau das war ich auch. Der tägliche Gang zur Schule war ein Spießrutenlauf. Ständig wurde ich gehänselt und ausgelacht und ich wusste, sobald ich konnte wollte ich weg von hier.
In der Pubertät verschlimmerte sich das ganze nochmals, denn im Gegensatz zu meinen Klassenkameradinnen schien mein Körper nicht mitbekommen zu haben, dass er sich in der Pubertät befindet.  
Wie dem auch sei, natürlich hatte auch ich eine beste Freundin. Sie hielt immer zu mir und zusammen gingen wir durch dick und dünn.

Meine Familie, naja, mit der konnte ich nicht darüber sprechen. Meine große Schwester war der Liebling. Gut in der Schule, brauchte keine Zahnspange und hatte nicht so viel Scheiß im Kopf wie ich.
Wann immer wir mit meiner Mutter shoppen waren, ließ auch sie beiläufige Kommentare über mein Gewicht oder meine geringe Oberweite fallen. Was sollte ich dann also bei meiner Familie Schutz und Trost suchen.

Mein großer Traum war immer Amerika gewesen. Ich hatte mir sogar mit 15 eine riesige Amerika Flagge an die Wand gemalt. Sehr zum Ärger meiner Mutter. Aber das war mir egal.

Dann endlich 2013 war mein Abschluss Jahr. Meine Zahnspange hatte ich los, auch meine Oberweite hatte sich endlich entschlossen, doch zu wachsen und mein Selbstbewusstsein stieg minimal an.
Trotz dessen blieb ich ein beliebtes Opfer bei den Cliquen in unserem Dorf. Sobald ich jemandem begegnete, versuchte ich mich zu verstecken, oder schneller zu laufen um ja nicht angesprochen werden zu können.

„Mama, ich hab ein Vorstellungsgespräch in Berlin! Kann ich dahin? Bitte!“, flehte ich meine Mutter an, aber sie grinste nur höhnisch.

„Mit 16 muss man nicht alleine nach Berlin! Wo hast du dich überhaupt beworben?!“, sagte sie.

„Bei Four Music, das ist die Firma von den Fantas. Als Eventmanagerin. Mama, bitte. So eine Chance bekomme ich sicher nicht nochmal!“, versuchte ich es nochmal.

„Lena, da kannst du gleich absagen. Wie schon gesagt, mit 16 muss man nicht alleine nach Berlin.“, blieb sie hart.

Mir stiegen Tränen in die Augen und so schnell ich konnte rannte ich in mein Zimmer und knallte die Türe hinter mir zu. Das war so ätzend. Die Wut in mir wuchs und wuchs und schließlich packte  ich einen Rucksack und rief kurzerhand meinen großen Halbbruder Andreas an.

„Andi, kannst du mich abholen?“, bat ich ihn am Telefon.

„Was ist denn los?“, fragte er ruhig.

„Ich will einfach nur grade weg von hier. Kann ich dir nachher erzählen. Also, holst du mich ab?“

„Ich bin in 20 Minuten bei dir!“, versprach er und legte auf.

Andreas war einer meiner zwei Halbbrüder und 12 Jahre älter als ich. Mit ihm verstand ich mich in meiner Familie am besten. Er war irgendwie genauso ein Außenseiter wie ich, da auch er seinen ganz eigenen Kopf hatte.
Nach 20 Minuten war er endlich da.

„Mama, Papa, Andi ist da um mich abzuholen. Ich bin heute Abend wieder da!“, rief ich ins Haus und ohne eine Antwort abzuwarten schmiss ich die Haustüre hinter mir zu. Schnell lief ich zu meinem Bruder und umarmte ihn.

„Auweh, dicke Luft da drinnen?“, fragte er und nickte zum Haus.

„Erzähl ich dir gleich im Auto!“, am Küchenfenster stand meine Mutter und winkte halbherzig zum Abschied.

Nachdem wir eingestiegen startete Andi den Motor und fuhr aus dem Blickfeld unseres Hauses.
„So, kleine Schwester. Was ist los? Wenn ich dich so spontan abholen soll, dann muss es was gröberes sein!“, begann er.

„Ich hab eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in Berlin bekommen. Und Mama ist dagegen!“, sagte ich kleinlaut.

„Und deswegen so ein Aufriss?“, sagte er fast verständnislos.

„Ich hab mich um eine Ausbildungsstelle bei FourMusic beworben. Meinst du, so eine Chance bekomme ich nochmal?“, sagte ich pampig.

„Okay, das ist natürlich wirklich eine Chance! Und sie wollen dich nichtmal zum Vorstellungsgespräch gehen lassen?“, fragte er nach. Ich schüttelte nur traurig den Kopf.
„Soll ich mal mit ihnen reden? Vielleicht lassen sie dich hin, wenn ich dich begleite?“, schlug er vor.

Ich riss meinen Kopf rum und sah ihn grinsend an. „Das würdest du wirklich machen?“, fragte ich aufgeregt.

„Wenn meine Lieblingsschwester dann glücklich ist?! Außerdem wollte ich schon lange mal nach Berlin!“, grinste er und fuhr auf einen Parkplatz. Dann drehte er den Wagen um und fuhr wieder zurück.

„Was machst du denn?“, fragte ich.

„Mit deinen Eltern reden!“, sagte er siegessicher und fuhr direkt zu unserem Haus.

„Hallo Andreas. Hast du was vergessen?“, fragte meine Mutter und zog eine Augenbraue in die Höhe.

„Hallo Petra, Ist Papa da? Ich muss mit euch reden!“, sagte Andi und sah meine Mutter fragend an.

„Er ist im Arbeitszimmer. Ich hole ihn kurz!“ Mama ging davon und wieder grinste Andi mich siegessicher an.

Als unser Vater endlich auch im Garten war, war der Kriegsrat eröffnet.
Andi erklärte ihnen seinen Plan, mich nach Berlin zu fahren und auch wieder heil nach Hause zu bringen. Meine Mom war nicht sonderlich begeistert, aber Papa dagegen gefiel dieser Plan sehr gut. Und so war es nach einiger Überzeugungsarbeit beschlossene Sache. Ich fiel Mama und Papa und auch Andi um den Hals und bedankte mich überschwänglich.

Ich verzog mich in meinem Zimmer, während Andi und meine Eltern die Bedingungen durchsprachen. Mit meinem Handy rief ich in Berlin an und machte einen Termin zum Vorstellungsgespräch aus. Am nächsten Donnerstag sollte es soweit sein. Zum Glück waren die Woche Schulferien.

Stolz ging ich zu den anderen zurück. „Nächsten Donnerstag darf ich zum Vorstellungsgespräch!“

„Passt, dann fahren wir am Mittwoch nach Berlin, und am Freitag wieder nach Hause!“, sagte Andi.

„Aber halte dich an die Bedingungen!“, mahnte ihn meine Mutter und Andi verdrehte die Augen.

„Natürlich. Sie ist meine Schwester! Ich pass schon auf sie auf!“, sagte er genervt.

„Und was passiert, wenn ich genommen werde?“, fragte ich vorsichtig nach.

„Darüber reden wir, wenn es so ist. Ich glaub ja nicht dran!“, den letzten Satz hatte meine Mutter fast geflüstert, aber die Worte saßen!

„Kann ich jetzt trotzdem noch mit zu dir?“, fragte ich Andi getroffen, dieser nickte nur und gemeinsam brachen wir auf.

„Hat doch ganz gut geklappt!“, sagte Andi grinsend. „Und den Rest schaffen wir auch. Und wir müssen uns ja nicht zu 100% an die Auflagen halten!“, zwinkerte er mir zu, als er den Wagen startete.

„Was sind das denn für Auflagen?“, wollte ich wissen.

„Na du weißt schon, wie immer halt. Keine Partys, kein Alkohol und dich auf keinen Fall aus den Augen lassen!“, er verdrehte die Augen und lachte.

„Als hätten wir uns je dran gehalten!“, lachte ich mit.

Andi und ich waren ein eingeschworenes Team. Ich liebte ihn mehr als meine Schwester, die mit mir als kleine Schwester nicht wirklich was anfangen konnte. Und er gab mir das Selbstbewusstsein, welches mir fehlte.
Eine Woche später verließ ich hibbelig das Bürogebäude, in dem FourMusic seinen Sitz hatte. Ich strahlte über das ganze Gesicht. Andi wartete draußen und sofort stürmte ich in seine Arme.

„Ich hab die Lehrstelle!“, schrie ich und er wirbelte mich durch die Luft.

„Ich gratuliere dir. Das heißt, wir gehen heute Abend feiern.“, sagte er feierlich und gab mir einen Kuss auf die Wange.

„Meinst du, sie lassen mich gehen?“, fragte ich ihn und wurde traurig, da ich die Antwort bereits kannte. Nämlich Nein!

„Das bekomm ich schon hin. Zur Not zieh ich mit hierher. Ne Stelle find ich sicher schnell!“, machte er mir Mut.
Dann legte er einen Arm um meine Schulter und mit einem „Das wird schon!“, schob er mich zum Auto.


********

Hallo und herzlich Wilkommen zu einer neuen/ alten Geschichte von mir. Diese schlummert schon eine ganze Weile auf meinem PC.
Und zum Einstand bekommt ihr heute gleich zwei Kapitel. Bitte lasst mir doch einen Kommentar da, damit ich weiß, was ihr zu der Geschichte denkt.

Viel Spaß
Eure TSevans
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast