Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Call Of The Heart ~ (Sequel zu "Beauty Is A Curse" (Nip/Tuck)

von MonaGirl
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
04.09.2020
01.05.2022
20
22.292
1
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
15.09.2020 1.091
 
„Sie ist was?!“ Ungläubig sah Kimber Christian an.

„Sie ist meine Schwester“, wiederholte er mechanisch, während er immer noch den Zettel anstarrte. „Sarah ist Gails jüngste Tochter.“

Kimber erinnerte sich plötzlich an ihr erstes und letztes Treffen mit Christians leiblicher Mutter. Ein halbes Jahr war seitdem vergangen. Sie hatte beide im Konsultationsraum überrascht und Gail Blumen mitgebracht. Sie hatte gehofft, dass sie so etwas wie Freundinnen werden könnten. Zwei Frauen, die etwas besonderes miteinander verband – die Liebe zu Christian. Aber Gail war ganz anders gewesen, als Kimber es sich vorgestellt hatte. Sie hatte nicht dem Bild der liebenden Mutter entsprochen. Sie war ihr gegenüber sehr kühl und distanziert gewesen, und Kimber erinnerte sich, wie unwohl sie sich damals in ihrer Gegenwart gefühlt hatte. Die ganze Zeit über hatte sie kaum gelächelt, und ein bitterer Zug hatte um ihren Mund herum gelegen. Es war Kimber durchaus bewusst, dass Gail in der Vergangenheit sehr viel Leid ertragen musste, aber sie würde ihr niemals verzeihen, dass sie Christian auf so brutale Art und Weise aus ihrem Leben verstoßen hatte. Sie hatte den Schmerz in seinen Augen gesehen, als er nach dem Besuch bei seiner Mutter wieder nach Hause gekommen war. Seit diesem Tag an hatte er seine Mutter niemals mehr erwähnt. Sie war für ihn gestorben, genauso, wie er vermutlich schon in dem Moment für sie gestorben war, als sie erfahren hatte, dass sie das Kind eines Vergewaltigers erwartete. Kimber sah plötzlich Sarah vor sich. Sie war das ganze Gegenteil von ihrer Mutter. Sie hatte ein erfrischendes Naturell, war lebhaft, fröhlich und sehr mitteilsam. Ein durch und durch offener Mensch, mit der besonderen Gabe, tiefe Gefühle zu zeigen. In gewisser Weise war Sarah Christian sehr ähnlich. Kimber fragte sich, ob Gail einst auch so gewesen war, bevor das Schicksal sie zu einer verbitterten, kalten Person gemacht hatte.

„Was wollte sie hier?“, unterbrach Christian Kimbers Gedankengang. Er war sich nicht sicher, was er davon halten sollte, dass seine Halbschwester bei ihm aufgetaucht war.

„Sie möchte Model werden“, erklärte Kimber. „Sie hatte wohl auch schon einige Vorstellungsgespräche, aber einige fanden wohl ihre Brüste zu klein und ihre Oberschenkel zu dick. Außerdem mag sie selber ihre Nase nicht.“

„Und was hat das alles mit mir zu tun?“, fragte Christian mit gerunzelter Stirn.

„Du bist Chirurg“, sagte Kimber knapp. „Sie glaubt, da du ihrem Bruder auch dabei geholfen hast, einen Studienplatz an der University of Miami zu bekommen, würdest du ihren Wunschtraum auch erfüllen.“

„Das kann man wohl kaum vergleichen!“, sagte Christian entrüstet. „Ich kann doch nicht an meiner eigenen Schwester herumschnippeln!“

„Dann geh zu ihr und erkläre ihr das“, sagte Kimber ruhig.

Christian sah sie an, als ob sie den Verstand verloren hätte. „Ich soll zu ihr gehen und ihr erzählen, dass ich ihr Bruder bin?“ Er schüttelte energisch den Kopf. „Gail hat mir damals ganz eindeutig klar gemacht, dass sie auf keinen Fall weiteren Kontakt zwischen uns wünscht.“

Kimber konnte über soviel Verbohrtheit nur den Kopf schütteln. „Denkst du nicht, dass Sarah ein Recht darauf hat zu erfahren, dass sie einen Bruder hat?“

„Sie hat bereits einen Bruder“, erwiderte Christian unwirsch. „Max....“

„Ich verstehe dich nicht!“ Kimber schüttelte den Kopf. „Du bist doch selber jahrelang in einem Netz voller Lügen gefangen gewesen. Du hast 40 Jahre lang geglaubt, dass deine Mutter tot wäre! Und niemand hat dich darüber aufgeklärt, wer dein leiblicher Vater war.“ Kimber unterbrach ihren Redeschwall, als sie sah, wie Christians Miene sich verfinsterte.

„Ich will nicht mehr darüber reden!“, sagte er barsch. „Meine Mutter ist tot!“

Kimber sah ihn betroffen an. Sie wusste, dass er das nur sagte, um sich selber vor dem Schmerz zu schützen, der ihn überkam, wenn er an die Abfuhr dachte, die seine Mutter ihm erteilt hatte.

„Sag das bitte nicht!“, bat sie. „Sie ist deine Mutter, Christian! Ganz gleich, welche Gefühle du ihr gegenüber hegst. Ihr seid Mutter und Sohn und könnt diese Tatsache nicht einfach leugnen.“

Christians Augen verengten sich zu Schlitzen. „Ich habe ihr gegenüber keine Gefühle“, sagte er kühl. „Jegliches Gefühl, dass ich vielleicht einmal für sie hatte ist gestorben!“

Kimber schloss die Augen. Sie konnte einfach nicht begreifen, wieso er so stur war.

„Und ich möchte dich auch bitten, den Kontakt zu Sarah abzubrechen“, fuhr Christian fort. „Sie wird schon woanders jemanden finden, der ihre Wünsche bezüglich einer perfekten Modelfigur erfüllen wird.“

Kimber sah ihn fassungslos an. „Ich weiß, wie verletzt du bist“, sagte sie ruhig. „Aber bitte lass es nicht an Sarah aus! Sie kann nichts dafür, dass ihre Mutter so hart und unnachgiebig ist.“

Christian senkte den Kopf. Er schluckte die Tränen hinunter, die ihm in die Augen stiegen. „Glaubst du denn, ich hätte nicht alles versucht, damit wir eine Familie werden?“, brach es aus ihm heraus. Er hob den Kopf und sah Kimber mit einem traurigen Blick an. „Meine Mutter hasst mich“, sagte er leise. „Es wäre ihr lieber, wenn ich niemals geboren wäre. Wenn sie mich ansieht sieht sie das Monster, dass ihr einst auf so brutale Weise die Unschuld raubte.“ Seine Stimme zitterte, als er fortfuhr. „Ich bin ein Schandfleck, den sie möglichst vergessen will. Und sie würde mich wahrscheinlich eher töten, als dass sie zulassen würde, dass ihre anderen Kinder von ihrem Geheimnis erfahren.“

Kimber sah die Verzweifelung in seinen Augen und nahm ihn spontan in den Arm. Obwohl Christian gut anderthalb Köpfe größer war als sie und wesentlich kräftiger, wirkte er in diesem Moment schutzbedürftig und verletzlich. Sie spürte, wie sein Körper unter den unterdrückten Tränen bebte. „Lass es raus!“, sagte sie mit sanfter Stimme, während sie ihn noch etwas fester an sich drückte.

Christian hob ganz plötzlich den Kopf und sah sie mit Tränen in den Augen an. Ihre Blicke trafen sich und verschmolzen ineinander, und ihre Gesichter kamen sich näher. Sie schloss die Augen, als sich seine Lippen auf ihre herabsenkten. Kimber schlang ihre Arme um seinen Nacken, als er sie hochhob und zum Bett hinüber trug. Er streifte ihre Kleidung ab und warf sie achtlos auf den Fußboden. Dann begann er mit seiner Zungenspitze, sanfte Kreise um ihren Bauchnabel zu ziehen.

Kimber stöhnte leise auf, und ihr Körper bog sich ihm entgegen. Sie vergrub ihre Finger in seinem dichten Haar und presste ihren Oberkörper fester an ihn. Für einen Moment ging ihr durch den Kopf, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn sie vorher noch einmal ins Bad gegangen wäre, um ihr Diaphragma einzusetzen. Aber unter Christians immer leidenschaftlicher werdenden Küssen vergaß sie bald alles um sich herum. Sie gab sich ganz seinen Liebkosungen hin, und gemeinsam strebten sie dem Höhepunkt entgegen...
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast