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Call Of The Heart ~ (Sequel zu "Beauty Is A Curse" (Nip/Tuck)

von MonaGirl
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Het
04.09.2020
01.05.2022
20
22.292
1
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09.09.2020 1.194
 
Nervös kaute Kimber auf ihren Fingerknöcheln herum, während sie immer wieder einen Blick zur Wanduhr hinüber warf. Es würde sicher nicht mehr lange dauern, bis Christian aus der Praxis heimkehren würde. Sie hatte schon hundertmal vor dem Spiegel im Badezimmer geprobt, was sie ihm sagen wollte, aber mit jeder Minute, die verstrich, wuchs ihre Anspannung. Kurz bevor Sarah gegangen war hatte sie ihr noch erzählt, dass sie 16 war und mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder etwas außerhalb von Miami wohnte. Kimber hatte es vermieden, Sarah nach ihrer Mutter auszufragen. Sie redete sich ein, dass sie das junge Mädchen nur schützen wollte, doch in Wirklichkeit hatte sie nur Angst gehabt, dass sie mehr erfahren würde als ihr lieb war. Je länger sie mit dem jungen Mädchen gesprochen hatte, desto sicherer war sie sich gewesen, dass Sarah Christians Tochter war. Sie hatten dasselbe Lächeln, denselben sinnlichen Mund und dieselbe Art, die Stirn zu runzeln. Alles an ihr erinnerte Kimber an Christian, auch wenn sich Augen und Haarfarbe unterschieden. Nach dem, was Sarah ihr erzählt hatte, starb ihr Vater bereits, als sie noch ein Baby war. Ihre Mutter hatte den zwei Jahre älteren Bruder und sie alleine großgezogen und sich als Hebamme ihr Geld verdient. Kimber stand auf und ging ins Badezimmer. Zum x-ten Male an diesem Tag überprüfte sie ihr Make Up. Sie wollte wenigstens gut aussehen, wenn sie Christian die Nachricht übermittelte, dass er Vater einer 16 Jahre alten Tochter war. Sie griff nach einer Haarbürste und begann, ihre schulterlangen Locken damit zu bearbeiten. Als sie hörte, wie der Schlüssel im Türschloss herumgedreht wurde, hielt sie angespannt den Atem an.

„Kimber, bist du da?“ Christian ging ins Wohnzimmer und begann, die oberen Knöpfe seines Hemdes zu öffnen.“ „Ich habe für heute Abend einen Tisch im „San Loco“ reservieren lassen“, rief er. „Ich dachte, wir könnten mal wieder essen gehen.“

Kimber überprüfte ein letztes Mal ihr Outfit und verließ dann das Badezimmer. „Ich faste“, sagte sie knapp.

Christian hob überrascht die Augenbrauen. „Du fastest? Aber du sagtest doch erst gestern, dass wir mal wieder ausgehen könnten.“

„Das war gestern. Ich habe erst heute damit angefangen“, log sie.

„Na gut.“ Christian runzelte irritiert die Stirn. Er wusste nicht, wie er Kimbers ständige Stimmungsschwankungen deuten sollte. Er vermutete, dass sie nervös war wegen der bevorstehenden Hochzeit. „Dann bleiben wir eben hier.“ Er ging auf sie zu und umfasste zärtlich ihre Taille.

Kimber wich vor ihm zurück, als ob sie sich verbrannt hätte. „Nicht!“, stieß sie hervor.

„Was ist los?“, fragte Christian verwirrt.

Kimber räusperte sich nervös. „Ich war heute im Kurhaus und habe von Julia eine Massage bekommen. Jetzt tut mir jeder Knochen im Körper weh.“ Um ihre Worte zu unterstreichen, reckte sie sich ein wenig, während sie schmerzerfüllt das Gesicht verzog.

„Massagen entspannen und tun normalerweise nicht weh, Sweetheart“, bemerkte Christian trocken. Er stemmte die Hände in die Hüften und sah Kimber mit einem kritischen Blick an. „Ich hätte dir mehr Fantasie zugetraut“, sagte er kopfschüttelnd. „Was ist denn mit der Ausrede „ich habe Migräne“, die ihr Frauen so gerne einsetzt, wenn ihr nicht mit uns schlafen wollt?“, fragte er mit hohntriefender Stimme. „Zieht das nicht mehr?“

Kimbers Unterlippe begann zu zittern. Sie wusste nicht, ob es vor unterdrückter Wut war oder von der Anspannung, der sie schon seit Stunden ausgesetzt war.

Christian interpretierte ihr Schweigen und Zittern völlig falsch. „Keine Sorge“, sagte er. „Ich habe bisher noch keine Frau zum Sex gezwungen.“ Er griff wieder nach seinem Hemd, das er sich gerade ausgezogen hatte. „Wenn dein Sinn mehr nach einem Fernsehabend steht – bitte. Aber nach einem anstrengenden Arbeitstag steht mir der Sinn nach anderen Dingen.“

Kimber sah, wie er zur Tür ging, und Panik stieg in ihr hoch. Er konnte jetzt nicht gehen, nicht bevor sie ihm gesagt hatte, was sie wusste. „Christian, warte!“ Sie rannte hinter ihm her und hielt ihm am Ärmel fest. “Wo – wo willst du hin?”

„Ins „San Loco“, sagte er knapp. „Du glaubst doch wohl nicht, dass ich die Reservierung verfallen lasse.“ Er sah sie mit einem kühlen Blick an. „Und falls du dir Sorgen darüber machen solltest, dass deine Reservierung verfällt ...“ Er machte eine kurze Pause, bevor er weitersprach. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich keine Probleme haben werde, eine weibliche Begleitung für den Abend zu finden.“

Die Anspannung wich der puren Verzweifelung. Kimber schlug die Hände vors Gesicht und begann haltlos zu weinen.

„Hey ...“ Christian ging einen Schritt auf sie zu und zog sie in seine Arme. Vergessen waren die harten Worte und der Streit von vorhin. Er strich ihr sanft über Kopf und Schultern und küsste zärtlich ihre Stirn. „Was ist denn los?“, fragte er beunruhigt.

Kimber gab sich ganz dem Gefühl der Geborgenheit hin. Es tat gut, beschützt in seinen Armen zu liegen, und alles in ihr wehrte sich dagegen, ihn mit der Wahrheit zu konfrontieren. Aber das Wissen, dass Christian eine uneheliche Tochter hatte, von der er nichts wusste, quälte sie. „Können wir uns setzten?“, fragte sie mit tonloser Stimme.

Christian nickte.

Sie setzten sich aufs Sofa und Kimber griff nach seiner Hand. „Was ich dir jetzt erzählen werde, wird mit Sicherheit ein Schock für dich sein“, begann sie mit zitternder Stimme.

Christian sah sie mit einer Mischung aus Sorge und ängstlicher Erwartung an. „Was ist es? Du kannst mir alles sagen. Das weißt du doch.“

„Ich hatte heute Besuch“, fuhr Kimber zögernd fort. „Ein junges Mädchen, 16 Jahre alt.“

Christian hob erstaunt die Augenbrauen, sagte jedoch nichts.

„Wir haben uns unterhalten, und sie hat mir ein wenig über sich erzählt. Dass sie gerne Model werden würde und mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder in einem Außenbezirk von Miami wohnt ...“ Kimber brach ab, als sie Christians verwirrten Gesichtsausdruck sah.

„Du hast eine Tochter, Christian!“, kürzte sie ihre Ausführung ab.

Kimber hatte erwartet, dass er von der Nachricht betroffen sein würde, doch zu ihrer größten Überraschung sah sie, wie er zu schmunzeln begann. „Kein Sex ohne Kondom, Sweetheart“, sagte er grinsend. „Wenn also eine Frau hier auftaucht und Alimente von mir fordert, dann ist sie an der falschen Adresse.“

„Aber ... aber“, stotterte Kimber. „Die Ähnlichkeit ist einfach verblüffend!“

Christian wurde wieder ernst. „Wie heißt das Mädchen, das behauptet, dass ich ihr Vater bin?“, wollte er wissen.

„Sie hat gar nicht gesagt, dass du ihr Vater bist“, sagte Kimber. „Sie weiß es nicht mal.“

Christian sah sie verständnislos an. „Wie kommst du dann auf die hirnrissige Idee, dass sie meine Tochter ist?“

„Sie sieht dir einfach verblüffend ähnlich“, erwiderte Kimber schwach.

„Ach, und nur, weil jemand meine Gesichtszüge hat, macht mich das automatisch zum Vater?“, fragte Christian ironisch.

Kimber schüttelte langsam den Kopf. Sie schämte sich ganz plötzlich dafür, dass sie anscheinend die falschen Schlüsse gezogen hatte. „Es tut mir leid!“, sagte sie leise. Sie zog aus ihrer Hosentasche einen Zettel hervor und reichte ihn an Christian weiter. „Sie hat mir ihre Adresse gegeben. Vielleicht kannst du sie ja trotzdem einmal anrufen. Sie würde gerne die eine oder andere Schönheitskorrektur vornehmen lassen.“

Christian starrte fassungslos die Adresse an. Er räusperte sich, um den Kloß in seinem Hals loszuwerden. „Sarah ist nicht meine Tochter“, sagte er mit tonloser Stimme. „Sie ist meine Schwester.“
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