Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Leipzig adé

von sika
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) SG Flensburg-Handewitt
03.09.2020
25.01.2023
31
37.983
3
Alle Kapitel
69 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
25.01.2023 1.280
 
Ich komm leider soo selten zum Schreiben, sorry. Aber es geht weiter,  versprochen!


Neles Freude hatte die ganze Schulwoche über angehalten. Sie war stets so fröhlich am Morgen aufgetaucht, dass Swantje in der Pausenaufsicht am Donnerstag vorsichtig gefragt hatte, ob sie frisch verliebt sei.
Nele hatte sich ein Herz gefasst.
«Schon ein paar Wochen, aber recht frisch, ja, schon!» hatte sie ihre Kollegin angestrahlt. Swantje hatte sich lebhaft mitgefreut:
"Und, wo habt ihr euch kennengelernt?"
Nele strahlte Swantje an.
"Das ist ne längere Story. Eigentlich beim Handball."
"Okay. Und uneigentlich?"
"Da auch beim Handball, aber schon in Leipzig."
Swantje wusste natürlich, dass ihre Kollegin einige Jahre in Sachsen gelebt hatte.
"Achso, ihr kennt euch schon länger, aber seid erst jetzt ein Paar?" fasste sie bemerkenswert schnell zusammen.
Nele nickte.
"Genau."
"Und er wohnt noch in Leipzig?"
"Nee, das nicht. Gottseidank. Er spielt inzwischen in Flensburg."
"Wa-as? Du datest einen von der SG?" Swantje schaltete wirklich schnell. Sie schnalzte anerkennend mit der Zunge.

Nele nickte schon wieder, diesmal ein bisschen verschämt. Und innerlich wappnete sie sich schon für die nächste Frage nach dem Alter. Aber ihre Kollegin boxte ihr nur freundschaftlich auf die Schulter: "Mönsch, da steht sie da und sacht nix! Deshalb haste auch das Projekt mit dem Meet und Greet gemacht."
Nele grinste spitzbübisch: "Genau, deshalb! Nein, natürlich nicht." beeilte sie sich anzufügen, falls Swantje die Ironie in ihrer Stimme missverstehen sollte.
Noch bevor diese aber weiter nachfragen konnte schellte schon die Pausenglocke und rief wieder zum Unterricht.
Nele schüttelte über sich selbst den Kopf. Besonders aufmerksam war ihre Pausenaufsicht ja nicht gewesen…
Als sie die Story Franz abends am Telefon erzählte spöttelte der erwartungsgemäss: "Ahh, deshalb hast du dich für das Meet n Greet beworben – so,so…"
Und Nele spöttelte zurück: "Richtig! Deshalb!  Ich hatte nur auf einen attraktivenSpieler gehofft."
"Tja und jetzt haste mich – alles richtig gemacht, würd ich sagen."
"Totaal..."
"Höre ich da eine Spur von Ironie?"
"Neiiin, natürlich nicht."
"Nele!" drohte Franz durchs Telefon, "du weisst, dass ich am Dienstag komme!"
"Ui, jetzt krieg ich Angst…"
"Sollst du auch!"
Nele wurde nach all der Flachserei wieder ein bisschen ernster:
"Ja, und ich freu mich mega!"
"Ich mich auch" entgegnete Franz leise und ernst.

Wie fast immer fanden sie einfach kein Ende am Telefon. Nele liebte es, Franz‘ Stimme zu hören und sie genoss seine übermütige Schlagfertigkeit. Franz hingegen mochte es, dass Nele auch für seine bissigeren Sprüche zu haben war. Und so stellte Nele dann kurz vor Mitternacht gähnend fest:
"Ich glaube, heute haben wir den Rekord geknackt."
Franz gähnte ausgiebig. "Glaub auch. Aber, wo wir uns doch am Wochenende nicht sehen können…"
Nele nickte gedankenverloren – obwohl das ja am Telefon wenig Sinn machte. Sie hatten zu Beginn der Woche gemeinsam beschlossen, dass der Fahraufwand für das Wochenende recht hoch wäre. Franz wollte noch ein wenig Zeit mit seinen Eltern verbringen und Nele hatte auch das Gefühl, dass  ihr ein Familienbesuch ganz gut tun würde, wo sie schon die Weihnachtstage eher abwesend gewesen war.

So verbrachten sie das Wochenende tatsächlich getrennt. Nele ging am Samstag spontan mit ihren Nichten in den Zoo und mit der ganzen Familie ins Restaurant und Franz lud Sina erst zum essen und dann ins Kino ein.
Am Dienstag morgen war Nele für die Schule nicht so richtig zu gebrauchen. Sie war hibbelig und bereits um 5.00 Uhr aufgewacht.
Da sie ohnehin nicht mehr einschlafen konnte nutzte sie die Zeit und putzte gründlich ihre Wohnung – nur auf das Staubsaugen verzichtete sie – den Nachbarn zuliebe.
Aufgekratzt war sie viel zu früh im Lehrerzimmer und ordnete gründlich ihre Fächermappe neu.
Erstaunlicherweise hatte Swantje sie nicht mehr angesprochen, ob aus Diskretionsgründen oder weil sie es wieder vergessen hatte konnte Nele schlecht einschätzen.

Nele freute sich unbändig auf den Abend. Da ihre Wohnung im Dachgeschoss und ohne Lift für Franz mit seinen Krücken nicht ganz so ideal war, würden sie sich in seiner Wohnung treffen. Nele hatte seit seiner Verletzung Franz‘ Wohnungsschlüssel und zwischendrin auch immer mal wieder kurz gelüftet und die wenige Post reingeholt. Gestern hatte sie ihm dann einen kleinen Willkommensgruss aufs Bett gelegt. Da sie nicht wusste, ob seine Eltern eventuell auch ins Schlafzimmer schauen würden, hatte sie nur ein Betthupferl – wie sie dieses Wort liebte, weil es sie so sehr an die Familienferien in Bayern erinnerte – in Form eines kleinen Schokoherzens aufs Kopfkissen getan. Franz würde dann schon verstehen…
Auch wenn Franz und sie schon so vieles teilten war es ihr immer noch ein wenig komisch gewesen, allein in seiner Wohnung zu sein. Einerseits hätte die ein oder andere Schublade sie schon brennend interessiert, andererseits wäre es ihr wie ein massiver Vertrauensbruch vorgekommen, wenn sie unnötig in seinen Sachen gekramt hätte.
Heute Abend würde sie nicht nur ein paar Minuten lüften, sondern das Abendessen geniessen und anschliessend dann ihre Zweisamkeit. Beim Gedanken, dass sie ihn wieder viel mehr in ihrer Nähe haben würde strahlte sie unwillkürlich auf.
„Holla, Frau Kollegin“ flachste da Heiko, der hinter dem Kopierer stand „sie strahlen ja wie das blühende Leben.“
"Ja, nöch? Das Leben ist doch schön!" beeilte sie sich mit einer Antwort und liess ihn sprachlos stehen.

Der Unterricht fiel Nele trotz ihrer aufgekratzten Stimmung heute etwas schwer. Die Zeit zog sich und als Mats Paul wieder einmal als Blödian bezeichnete und der sich mit einem anderen hässlichen Wort wehrte, ging sie energisch dazwischen. Meist fand sie Möglichkeiten mit Belohnungen ihre Schülerinnen und Schüler zu motivieren, aber jetzt platzte ihr der Kragen und sie verdonnerte beide zu einer Strafe. Das machte sie eigentlich nicht so gerne, aber der Streit zwischen den beiden nahm langsam gewisse Ausmasse an. Sie hatte das Gefühl, dass sie irgendwann den Einstieg – oder den Ausstieg verpasst hatten und nun nicht mehr zu einer guten Lösung kamen. Diesem Thema würde sie sich in der Klassenstunde widmen. Jetzt hiess es für die Jungs ganz altmodisch die drei Klassenregeln abzuschreiben, die deutlich sichtbar an der Wand hingen.

Doch auch dieser Schultag hatte ein Ende  und als endlich um vier Uhr der Unterricht fertig vorbereitet war – Nele hatte auch schon bessere Beiträge gebracht – schwang sie sich auf ihr Rad und fuhr im Eiltempo zu Franz.
Sie nutzte ihren Schlüssel, damit Franz nicht mühsam aufstehen müsste, kündigte sich aber trotzdem schnell via Wohnungsklingel an.
Sie eilte ins Wohnzimmer, wo er auf der Couch sass, schmiegte sich in seine Arme und holte sich einen langen Kuss ab, waren es doch ganze neun Tage ohne Franz gewesen.
"Warum hast du denn geklingelt?" nuschelte er erstaunt.
"Einfach. Wusste ja nicht, ob noch wer da ist."
"Wer soll denn da sein?"
"Naja, deine Eltern vielleicht?"
"Nee, die sind schon wieder auf dem Rückweg."
"Hin und zurück am gleichen Tag?" staunte Nele.
"Nee, die fahren noch bei meinem Onkel vorbei und bleiben da noch ein, zwei Tage."
"Ach so"
"Aber einen schönen Gruss soll ich sagen"
"Danke!"
Nele freute sich wirklich über die Grüsse, zeigte ihr das doch, wie normal ihre Beziehung behandelt wurde. All ihre wochenlangen Grübeleien waren umsonst gewesen.
"Und von Sina soll ich auch grüssen" redete da Franz weiter, "sie kommt dann doch mal im Januar irgendwann."
"Nochmal danke."
Und für die nächsten Minuten waren alle Anderen aus ihren Gedanken verbannt.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast