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Leipzig adé

von sika
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) SG Flensburg-Handewitt
03.09.2020
22.09.2022
28
34.589
3
Alle Kapitel
63 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
22.09.2022 1.259
 
Zurück aus den Ferien (und nein, ich hatte leider nicht ganz so lange, aber das Ferienphänomen hat wieder zugeschlagen: vorher ists stressig, weil Ferien kommen und nachher ists stressig, weil Ferien waren… Macht das Konzept überhaupt Sinn? Was mache ich falsch?

Dieses Kapitel:
-für alle, die in dieser noch so jungen Saison noch immer oder schon wieder verletzt sind und sich zurück kämpfen
– und ganz besonders für dich: möge das MRI gut sein… ♥


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Nele und Franz hatten an diesem Abend nicht mehr viel diskutiert und waren nach einem kleinen Essen früh zu Bett gegangen. Die Stimmung war noch immer ein bisschen angespannt gewesen, auch wenn sie vordergründig liebevoll miteinander umgegangen waren.
Nach einer ziemlich unruhigen Nacht hatte sich Nele am folgenden Morgen ein Herz gefasst und ihrem Freund sehr eindringlich verdeutlicht, dass sie mit dieser Art «Streit» nichts anfangen konnte.

Er war sichtbar zusammengezuckt:
«Das war doch kein Streit» hatte er Nele überrascht entgegnet.

«Nö, aber das könnte ziemlich schnell einer werden» hatte Nele trocken geantwortet.

«Bitte, red mit mir. Ich will wissen, auch wenn was schiefläuft. Du kannst auch schlechte Laune haben oder von mir aus auch vor dich hin brummeln, alles gut. Aber sag mir zuerst, was los ist. Bitte! Ich… ich lieb dich doch.»

Hilflos hatte sie ihre kleine Rede abgebrochen, weil die Intensität ihrer Gefühle sie fast erschrak. Ja, sie liebte diesen unglaublichen Mann so sehr und sie hasste es, einfach zusehen zu müssen, wie er litt. Trotzdem, sie wollte nicht wie Luft behandelt werden, einfach nicht!
Sofort hatte Franz Nele fest in den Arm genommen. Und dann hatte er sie ein wenig weggeschoben und ihr tief in die Augen geschaut: «Versprochen! Ich liebe dich!»

Er wusste ja, dass er viel mit sich alleine ausmachte. Der frühe Auszug von daheim hatte vielleicht dazu beigetragen. Franz hatte gestern gemerkt, dass er Nele tatsächlich verletzt hatte – nur: wie er damit umgehen sollte wusste er nicht so recht.
Sie hatten dann an diesem Morgen lange auf der Couch gesessen und endlos gekuschelt. Dabei hatte der junge Handballer es geschafft seine Ängste einzugestehen. Wieder nicht zu wissen, wie es weitergehen würde, wieder die Angst vor der OP, vor den ersten schmerzhaften Tagen nachher und, ja, auch wieder die Sorge um die Karriere. Er hatte auf so viel verzichtet, hatte ein klares Ziel mit dem Team und der Nationalmannschaft gehabt, das jetzt gerade nicht mehr möglich war.

Nele hatte ihm konzentriert zugehört und dann Mut gemacht. Sogar den Mut dazu, den Arzt nochmals zu kontaktieren und nach noch genaueren Angaben zu fragen – etwas, dass Franz gestern vor lauter Niedergeschlagenheit gar nicht in den Sinn gekommen war.
Dr. Bauer, der Oberarzt hatte sich dann auch wirklich Zeit genommen für seinen prominenten Patienten und seine Aussage, dass diese Entzündung in vielen Fällen postoperativ vorkomme, hatte Franz auf eine seltsame Weise beruhigt.

Gleichzeitig hatte Nele sich mit Simon Hald Jensen, Franz’ Teamkollegen, in Verbindung gesetzt - die Nummer hatte sie kurzerhand aus dem Kontaktverzeichnis ihres Freundes genommen – sich ihm kurz vorgestellt und ihn gebeten, Franz ein wenig aufzumuntern. Simon hatte das Gleiche im vergangenen Jahr durchgemacht.
Sie kam sich ein bisschen wie eine Stalkerin vor, aber über die Verletzungshistorie in «ihrer» Mannschaft wusste sie nunmal Bescheid.
Der sympathische Däne hatte auch sofort zugesagt und tatsächlich Franz am folgenden Morgen zusätzlich aufmuntern können.

So waren die letzten drei Tage des Jahres in ruhiger Trägheit verlaufen und Franz und Nele hatten es unendlich genossen, ausgiebig Zeit miteinander verbringen zu können.
Der ominöse Stichtag für einen möglichen Schwangerschaftstest rückte auch immer näher. Seltsamerweise hatten sie nur sehr am Rande über das Thema gesprochen, nicht, weil es unangenehm war, sondern weil eigentlich vorerst alles gesagt war.
Nele hatte zwei verschiedene Tests von daheim mitgebracht – falls einer nicht eindeutig sein sollte. Sie wollte auf keinen Fall im Ungewissen in Leipzig hocken, während vielleicht an Neujahr und Sonntag alle Apotheken und Drogerien geschlossen sein würden.

Zuerst aber stand am Abend die Silvesterparty an. Nele und Franz würden – das erste Mal als Paar – mit seinen Freunden feiern und Nele hatte ein wenig gemischte Gefühle. Sie wusste, dass Franz sie allen schon virtuell und per Telefon vorgestellt hatte und dass sich alle für ihn gefreut hatten, aber trotzdem…
Geplant war ein gemütlicher Spieleabend bei Lukas mit einem leckeren Raclette und Bowle dazu. Nele war über die Kombi erstaunt, aber Franz hatte erklärt, dass Bowle einfach zu Sylvester gehöre und Raclette einfach so schön gemütlich sei.
So war es auch. Nele genoss den Abend und fühlte sich im kreis von Franz’ Freunden und deren Freundinnen ziemlich schnell wohl. Mit Eva, der Freundin von Lukas, die auch Lehrerein war, hatte sie schnell ein Thema gefunden und als es ans gemeinsame Spielen ging stellte sich heraus, dass Philipp mindestens so gut im Hornochsen war, wie Nele. Die beiden lieferten sich ein regelrechtes Duell, dass Nele mit einem winzigen Punkt Vorsprung gewann, sie hatte am wenigsten Ochsen vorzuweisen.

Anschliessend wollten sie alle draussen im Garten auf das neue Jahr anstossen, aber Franz hatte Nele beim Rausgehen ein wenig von den Anderen weggezogen und lehnte sich an einen Baum in der äussersten Ecke.
«Neelchen, Schatz – zum ersten Mal kam ihm dieser Kosename über die Lippen – ich danke dir für alle deine Unterstützung, ich wüsste nicht, was ich ohne dich machen soll. Ich liebe dich und freu mich auf das Jahr mit dir -egal, was es bringt.»
Am Lächeln in seinen Augen erahnte Nele, was er meinte. Stumm barg sie ihr Gesicht an seinen Schultern. Schliesslich bog sie den Kopf zurück und blickte ihm tief in die Augen.
Sanft schüttelte sie den Kopf, viel sagen mochte sie nicht.
«Ich liebe dich auch.» Sie versanken in einem intensiven Kuss, der allerdings rücksichtslos vom lauten Gejohle der anderen unterbrochen wurde.

«10-9-8-7-6-5-4-3-2-1 Prost Neujahr!»
Lachend kehrte das junge Paar wieder zu den Freunden zurück und schloss sich dem allgemeinen Jubel und Anstossen an. In einer Pause, Franz prostete grade ausgiebig mit den Männern der Runde, blickte Nele hoch zum raketenerleuchteten Himmel und fragte sich, was wohl am Ende des so jungen Jahres stehen würde. «Lieber Gott, mach einfach, dass alles gut wird» sandte sie ein Stossgebet hinauf.
Nele wusste grade selbst nicht, woher dieser Gedanke und dieses Bedürfnis kamen. Eigentlich war sie nicht besonders fromm. Gläubig, das schon – irgendwie halt. Sie war konfirmiert und ging hin- und wieder mal sogar in die Kirche – bei der Taufe ihrer Nichten zum Beispiel oder vor einer Woche mit ihren Eltern zur Christvesper– aber es war nicht so, dass sie täglich betete. Und doch, irgendwie suchte sie ein wenig Halt in dieser Situation. Sie war sich immer noch nicht sicher, was «gut» eigentlich heissen sollte. Klar, die Heilung bei Franz, ihre Beziehung zueinander – aber was war mit einer Schwangerschaft? Würde sie am Ende des Jahres Mutter sein? Sie hatte es so gut geschafft diese Möglichkeit in den letzten Tagen zu verdrängen… Und sie war froh, dass sie bald Gewissheit haben würde – auch wenn sie nicht recht wusste, welches Ergebnis sie wirklich erhoffte.

Franz bemerkte den Stimmungswandel bei seiner Freundin
«Alles gut?»
Nele nickte. «Joa, alles gut. Gehen wir langsam wieder rein.»

Am folgende Morgen – eigentlich war es schon fast Mittag – hielt Nele es nicht mehr aus. Sie schnappte sich den Frühtest, der extra damit beworben wurde, zu jeder Tageszeit zu reagieren. Nachdem sie allerdings alles so durchgeführt hatte, wie es in der Anleitung beschrieben war, bemerkte sie, dass sie sich den Test hätte sparen können: ihre Blutung hatte eingesetzt.
Still versorgte sie die gesamte Packung im Mülleimer und machte sich einen warmen Tee.
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