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Homeless

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hiyori Iki Yato
03.09.2020
14.09.2021
19
70.307
10
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37 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
14.09.2021 3.797
 
Wir sind am Ende angekommen. Es folgt noch 1 Kapitel und vielleicht ein Epilog und dann ist Homeless abgeschlossen :).



"DU BIST VERLOBT?"

Ihre Freundinnen schlugen fast gleichzeitig mit ihren Händen auf den Tisch und zogen definitiv die Aufmerksamkeit der Gäste, der kleinen Ramenbar auf sich.

"Psssst!!! Beruhigt euch wieder! Ja, gestern hatte Yato mich überrascht und mir am Ende des Abends den Antrag gemacht."

Hiyori seufzte und lächelte verliebt vor sich hin, während sie erneut den schönen Ring an ihrem Finger drehte. Es war immer noch so surreal, sie würde bald heiraten. Ihre Freundinnen ließen sich natürlich alle Einzelheiten erzählen und ehe sie sich versah, war ihre Mittagspause schon um.

"Wir machen demnächst einen Mädelsabend Hiyori-chan mit viel Sekt und Hochzeitszeitschriften!! Ich kümmere mich um den Alkohol, Ami-chan um die Snacks und du bringst sämtliche Brautmodenmagazine mit, die du finden kannst! Das wird phänomenal!!"

Yama war völlig aus dem Häuschen, aber Hiyori freute sich wahnsinnig darauf. Das war wirklich etwas, von dem sie schon immer geträumt hatte.

"Ok, wir wollen über die Neujahrstage nach Aomori um Masaomi zu besuchen, aber wenn ich wieder da bin, wird sich sicherlich ein Wochenende finden!"

"Aber sicher. Aomori huh? Da wo alles begonnen hat? Hach Hiyori, wie romantisch! Aber ihr kommt doch sicherlich eh nicht aus eurem Hotelzimmer raus."

Ihre Freundin zwinkerte ihr dreckig grinsend zu, was Hiyori sofort rot werden ließ.

"Yama-chan!"

"Was denn? Du hast dich noch vor ein paar Tagen beschwert, dass er so viel arbeitet und ihr keine Zeit für einander habt. Also nutzt das doch etwas aus."

Die junge Frau spürte immer noch ihre Wangen glühen. Sie standen immerhin vor einem sehr gut besuchten Restaurant und ihre Freundin redete nicht gerade leise.

"Hach Hiyori, du lässt dich immer so leicht ärgern! Na dann, habt viel Spaß und melde dich, wegen dem Wochenende ok?"

Sie verabschiedete sich von ihren Freundinnen und machte sich auf den Weg zurück in die Klinik.

Als sie Abends endlich Zuhause war, ließ sie sich ein heißes Bad ein. Da es draußen schneite bot sie Yato an ihn mit dem Auto abzuholen, er schrieb ihr jedoch zurück, dass Kazuma ihn fahren würde. Also hatte sie nun genug Zeit um mit ihrem Bruder zu telefonieren.

Nach guten 45 Minuten beendete sie das Gespräch. Masaomi freute sich für sie und erzählte ihr, dass er mittlerweile auch eine Freundin hatte, mit der er sehr glücklich war. Sie redeten viel über Hiyoris Studium, ihre Eltern und seinen Job und sie war glücklich und freute sich, ihn bald in ihre Arme schließen zu dürfen. Diesmal wollte sie aber den Shinkansen nutzen, es gab zum Glück noch ein paar freie Plätze, wenn sie eine Verbindung am frühen Morgen wählten. Das war ihr lieber als bei diesem Wetter mit dem Auto zu fahren. Masaomi versprach ihr, sie vom Bahnhof abzuholen, also war das alles gar kein Problem.

Sie hörte Geräusche im Wohnzimmer und wenige Sekunden später, steckte Yato seinen Kopf durch die Badezimmertür.

"Hey..."

Hiyori strahlte ihn an und er betrat das Bad und schloss die Tür hinter sich.

"Hi, na seit ihr gut hier her gekommen, bei dem kalten Schmuddelwetter?"

Yato nickte, öffnete seine Krawatte und knöpfte sich sein Hemd auf.

"Ja ging gerade noch so, langsam wird es glatt."

Er zog es sich beides aus und öffnete den Gürtel seiner Hose. Irgendwie schien er gerade nicht so gut drauf zu sein. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände.

"Ok...Also, willst du zu mir in die Wanne?"

Sie versuchte wenigstens etwas verführerisch zu klingen, doch hatten ihre Worte nicht die gewünschte Wirkung.

"Eigentlich schon, aber ich muss gleich noch ein paar Mails weiterleiten. War heute nicht so mein Tag, also ziehe ich mich nur schnell um."

"Wie schade..."

Hiyori legte ihren Kopf auf den Badewannenrand und beobachtete ihn dabei, wie er seine Anzugshose gegen seine Jogginghose tauschte.

"Ich habe vorhin mit meinem Bruder telefoniert und uns schon Tickets für den Shinkansen gebucht, er holt uns dann dort vom Bahnhof ab."

Yato schlüpfte in seinen Pullover und sah noch weniger begeistert aus, wie vorher.

"Es geht aber schon am 31.12. um 06.10 Uhr los."

"Hiyori!"

Er fuhr sich durch die Haare und sah sie entsetzt an.

"Ich kann ja verstehen, dass du dich freust, aber ich muss am 31.12. noch arbeiten. Mindestens bis 13.00 Uhr, wir haben glaube ich um 09.00 Uhr noch ein Meeting! Wieso hast du mich nicht vorher gefragt?"

"Was? Und das sagst du mir jetzt erst? Ich kann die Tickets nicht so einfach stornieren."

"Ich habe das selbst erst letzte Woche erfahren und außerdem, wieso kommt dein Bruder nicht hier her und besucht auch mal seine Eltern?"

"Das ist nicht so einfach mit seinem Job."

"Tja sorry, mit meinem auch nicht! Dann überlege dir was, ich muss jetzt die Mails verschicken Hiyori."

Sie hörte, wie die Badezimmertür wieder ins Schloss fiel und seufzte. Was sollte sie jetzt machen? Die 3 Tage alleine zu Masaomi fahren? Ein Hotel hatte sie ja noch nicht gebucht. Ihr kam es so vor, als hätte Yato wirklich keine Lust sie zu begleiten, was sie etwas traurig stimmte. Aber sie wollte bei ihm sein und mit ihm zusammen, die wenigen freien Tage genießen, dass er gerade so eine schlechte Laune hatte, machte die Sache nicht besser.  Hiyori hielt die Luft an und tauchte für einen Moment im warmen Wasser ab, sie könnte nachschauen, ob sie evtl. die Zeiten umbuchen konnte, um Nachmittags zu fahren. Das würde sie gleich machen, sobald sie aus der Wanne raus war.

Als sie gute 20 Minuten später ihr Wohnzimmer betrat, war Yato immer noch in seinem Laptop versunken. Es war schon spät geworden, dieser Job war gut für ihn, aber er verlangte ihm auch ganz schön viel ab. Noch ein Grund, wieso er sich eine Auszeit verdient hatte.

"Ich habe es klären können."

Er sah sie nicht an, sondern sprach in Richtung seines Bildschrims, deshalb war sie sich erst gar nicht sicher, ob er überhaupt mit ihr sprach.

"Ich brauche am 31.12. nicht zu kommen, ich soll mich aber für 30 Minuten online ins Meeting klinken uns zuhören. Beginn ist 08.30 Uhr. Das müsste doch gehen oder?"

Er klappte seinen Laptop zu und stellte ihn beiseite und Hiyori war keine Sekunde später auf seinem Schoss saß.

"Natürlich, da sind wir ja auch noch unterwegs, wir fahren ja fast 3,5 Stunden."

Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und er seine um ihre Hüfte und zog sie zu sich.

"Ok, suchst du uns ein schönes Hotel ok? Irgendwas zum entspannen..."

"Das mache ich! Masaomi freut sich schon auf uns, wir haben direkt den Tag geplant, an dem wir einkommen. Ich suche ein Hotel in seiner Nähe, dann fährt er uns dorthin,  checken ein und dann sind wir bei ihm und seiner Freundin zum Essen eingeladen. Die nächste beiden Tage gehören nur uns und wenn wir abreisen, treffen wir uns vorher nochmal zum gemeinsamen Frühstück. Gibt es vielleicht was, was du gerne machen würdest?

"Ich weiß nicht Hiyori, ehrlich gesagt, will ich einfach ein paar schöne Tage mit dir verbringen. Ich bin so müde, wir können uns gerne was anschauen, aber die beiden Tage mit..."

Hiyori legte einen Finger auf seine Lippen.

"Ist schon ok, wir müssen kein Sightseeing Programm aufstellen, aber wie wäre es mit einem Onsen Besuch zur Entspannung?"

Er hatte seinen Kopf gegen ihre Schulter gelehnt und die Augen geschlossen, während sie seinen Nacken kraulte.

"Klingt gut, ich überlasse es dir."

Hiyori lächelte ihn erneut an und küsste ihn sanft. Sie würde schon für ein paar schöne Tage sorgen, aber jetzt müsste sie sich erstmal um ein Hotel kümmern und ihrer Mutter eine Nachricht schicken, sie wollte gerne am Sonntag mit ihnen Essen, um die Verlobung bekannt zu geben...

Die restlichen Tage vergingen schnell, ihre Eltern hatten das freudige Ereignis gut aufgenommen und ihre Mutter war jetzt schon dabei, eine geeignete Hochzeitslocation zu suchen, auch wenn noch überhaupt kein Datum feststand. Aber die junge Frau ließ ihr ihren Spaß, zumindest hatte ihre Mutter bei so etwas immer einen guten Geschmack. Die Tatsache, dass Yato wahrscheinlich alleine über Vina die besten Connections hatte, ignorieren sie erstmal. Dafür musste wirklich erstmal ein Datum her.

"Guten Morgen...du musst aufstehen..."

Sie streichelte seine sanft seine Wange und beobachtete dabei seine Gesichtszüge.

"Yato...los Schlafmütze wach auf, das Taxi zum Bahnhof kommt in einer Stunde."

"Mhmmmhmm..."

"Weißt du, ich habe dir gestern nicht umsonst gesagt, du sollst dein Handy ausmachen und schlafen gehen! Ich mache jetzt Frühstück."

Sie küsste seine Wange und verließ das Schlafzimmer. Momentan nervte sie seine Kollegin und vorallem seine liebe Chefin und Kazuma ganz besonders. Er bekam so viel Arbeit aufgedrückt und hatte fast keine Möglichkeit durch zu atmen. Auch wenn er zuhause war, hing er ständig an seinem Laptop oder am Handy und sie schwor sich, dass sie heute nach seinem letzten Meeting sicher stellte, dass diese Geräte ausgeschaltet blieben, bis sie wieder zuhause waren.

"So...jetzt...guten Morgen".

Sie lächelte ihn an, als er etwas später angezogen aus dem Badezimmer kam und herzhaft gähnte.

"Geht das so?"

Er deutete auf sein Hemd und die Jeans, die er trug und Hiyori lachte.

"Natürlich.  Du hättest auch einen Pullover anziehen können, du weißt doch, wie kalt es draußen ist."

"Klar, macht sicher einen tollen ersten Eindruck bei deinem Bruder."

Er setzte sich zu ihr an den Tisch und nahm sich eine Tasse Kaffee.

"Keine Angst, Masaomi ist viel lockerer als meine Eltern, dem ist es völlig egal was du an hast."

"Gut, dann ziehe ich mich schnell um und nehme den Jogginganzug."

Hiyori lachte und griff nach seiner Hand.

"Sag mal, du hattest erwähnt, du hättest nicht die besten Erinnerungen an Aomori. Aber du warst doch gar nicht in dieser Stadt oder?"

"Hach nicht wirklich, ab und an mal auf meiner Durchreise und ich hatte zwei mal einen kleineren Job dort zu erledigen. Aber alles in dieser Region dort oben, erinnert mich mehr oder weniger an meinen Vater und dann denke ich automatisch an meine Schwester."

"Wieso meldest du dich nicht bei ihr, vielleicht könnte sich euer Verhältnis jetzt verbessern..."

Yato sagte einen Moment lang nichts mehr dazu und Hiyori ließ es gut sein. Das Taxi kam in 18 Minuten und er hatte noch nichts gegessen, also stand sie auf und küsste seine Wange.

"Ess etwas, wir müssen gleich los."

Sobald sie im Zug saßen war es wieder soweit und Yatos Aufmerksamkeit, die er ihr heute morgen geschenkt hatte, wanderten in seine unbearbeiteten E-Mails. Wie froh sie war, sein Meeting fand demnächst statt und dann würde ihr ihr Verlobter ganz alleine gehören, dafür würde sie sorgen.

Sie lehnte ihren Kopf zurück und atmete durch, denn auch an ihr ging die Müdigkeit und die Krankenhausschichten der letzten Tage nicht vorbei. Ihr Blick wanderte zu ihrem Freund, der sich konzentriert seine Kopfhörer in die Ohren steckte. Langsam glitten ihre Finger zu der freien Stelle auf seinem Oberschenkel, zwischen seinem Bauch und dem Laptop auf seinen Schoß. Sie sah, wie die Gesichter seiner Kollegen auf dem Bildschirm sichtbar wurden und hörte, wie er sie leise mit einem guten Morgen begrüßte, danach blieb er ziemlich still. Sie konnte nicht dabei zuhören, aber es interessierte sie ja auch nicht besonders. Deshalb schloss sie die Augen und lauschte den Geräuschen ihrer Umgebung, doch sie war zu aufgewühlt um noch etwas zu schlafen. Nach etwa einer halben Stunde bewegte sich Yato wieder und zog sich sie Stöpsel aus dem Ohr, was sie aufschrecken ließ.

"Hast du geschlafen?"

Hiyori gähnte und streckte sich etwas.

"Nein, nicht wirklich. Bist du fertig?"

"Erstmal ja!"

"Erstmal?"

"Naja heute Abend muss ich nochmal kurz mit..."

"Nein! Du hast ab jetzt ein paar Tage Urlaub, ich will, dass du dich entspannst und sämtliche Geräte ausschaltest! Ich will dich ganz für mich alleine."

Yato lachte und packte seinen Laptop weg, bevor er sein Geschäftshandy zückte und dies tatsächlich ausschaltete. Danach beugte sich zu ihr und küsste sie sanft, bevor er ihr eine Haarsträhne hinter das Ohr schob.

"Du hast mich ganz für dich alleine! Ich muss nochmal kurz telefonieren, vielleicht 5 Minuten, das wars. Ich verspreche es dir. Glaube mir, ich brauche diese Auszeit dringend!"

Hiyori zog einen kleinen Schmollmund, was ihn Grinsen ließ, bevor er sie nochmals küsste und diesmal nicht gerade zimperlich. Eine ältere Dame schräg hinter ihnen hatte sie anscheinend beobachtet und beschwerte sich leise, dass dies nicht in die Öffentlichkeit gehörte, worauf Hiyori knallrot anlief und sich Yato lachend entschuldigte.

"Sollen wir sie ein wenig ärgern und zusammen auf dem Klo verschwinden?"

"Yato! Am Ende werden wir noch rausgeschmissen oder schlimmeres und wir haben noch eine knappe halbe Stunde vor uns."

Sie spürte seine Lippen an ihrem Ohr und danach an ihrem Hals und betete, dass man dies nicht sehen konnte.

"Der Zug hält nur noch in Aomori...sie können uns nicht rausschmeißen...also...bist du nicht neugierig, was ich alles mit dir anstellen könnte?"

Als er leicht in ihr Ohrläppchen biss und sie spürte, dass seine Worte ihr tatsächlich gerade Flausen in den Kopf setzte, zuckte sie zurück und schob seinen Kopf etwas beiseite.

"Du wirst warten können, bis wir im Hotel sind."

Er zog einen Schmollmund und grinste.

"Ja, wenn mich dein Bruder vorher nicht umbringt..."

"Was? Wieso sollte er das?"

Hiyori sah ihn verwirrt an. Gerade Masaomi freute sich doch für sie.

"Keine Ahnung...Er kennt ja noch nicht die ganze Wahrheit oder?"

"Na und? Du machst dir wie immer zu viele Gedanken. Ich liebe dich und du mich, das ist alles, was für ihn zählt. Wir sind glücklich, auch wenn der Weg bisher vielleicht manchmal nicht einfach war."

Yato sah sie mit diesem gewissen Blick an und kam ihr wieder etwas näher.

"Wenn du solche Sachen sagst...schleppe ich dich wirklich gleich nach hinten und...Warte Au!!! Wieso schlägst du mich?"

Ihre flache Hand fand mit einem Knall den Weg auf seinen Oberschenkel. Er musste damit aufhören."

Tatsächlich schafften sie es, den Rest des Weges mehr oder weniger gesittet. Als sie Zielbahnhof erreichten, schnappte sich Yato ihre beiden Koffer und ließ Hiyori den Vortritt. Sie stieg aus dem Shinkansen und blickte durch die vielen Personen, die sich tummelten, bis sie plötzlich Masaomi entdeckte, der ihr lächelnd winkte und auf sie zukam. Die junge Frau beschleunigte ihre Schritte, ohne auf ihren Verlobten zu achten und ließ es sich nicht nehmen, ihrem Bruder in die Arme zu fallen. Sie hatte ihn so vermisst.

"Onii-chan! Danke, dass du uns abholst!

"Ich sagte doch schon, dass ist kein Problem das..."

Hiyori sah, wie Masaomis Blick hinter ihren Rücken wanderten. Sie hörte die Rollen der Koffer und drehte sich zu Yato um, der plötzlich wie versteinert stehen blieb und den Mann ihm gegenüber mit großen Augen ansah.

"K...Kaii Sera?"

Sie hörte den Namen, den Masaomi vor einer Weile als eine Art Künstlernamen nutzte. Woher zum Teufel...

"DU!!!???"

Der Gesichtsausdruck ihres Bruders veränderte sich plötzlich, er wurde erst blass und dann zornig. Hiyori wurde augenblicklich von ihm unsanft zur Seite geschoben.

"Fuck...das gibt's doch gar nicht!!!"

Yato sah mit einem Mal überhaupt nicht mehr glücklich aus und stolperte drei Schritte zurück, doch schneller als er reagieren konnte, hatte ihn Masaomi schon an seinem Mantel gepackt.

"DU!!! Yato! Natürlich! Ich überlege schon seit Wochen, wieso mir dieser Name so bekannt vorkommt, obwohl ihn nur so wenige tragen!!!Was hast ausgerechnet DU in der Nähe MEINER Schwester zu suchen?"

"W-was?"

Hiyori blickte verwirrt zwischen den Beiden Männern hin und her. Was lief hier gerade?"

"Es ist sicher nicht so, wie du gerade denkst!"

Sie konnte gar nicht so schnell reagieren, bei Masaomi legte sich wohl gerade ein Schalter um, denn seine Faust traf Yato mitten im Gesicht, der nach hinten schwankte und gegen einen Getränkeautomat prallte.

"MASAOMI!!"

Hiyori traute ihren Augen kaum, was war denn jetzt in ihren Bruder gefahren? So aggressiv hatte sie ihn nur wenige Male erlebt. Sie lief mit schnellen Schritten auf ihren Verlobten zu, doch wurde von ihrem Bruder aufgehalten, bevor sie ihn erreichen konnte.

"Bleib bloß weg von ihm! Er meint es nicht ernst mit dir! Diese Hochzeit wird sicherlich nicht stattfinden!! Du hast wohl gedacht, du könntest erst mich abziehen und es dann bei meiner Familie probieren was? Aber da hast du schlechte Karten mein Freund! Ich rufe jetzt die Polizei und...

"Onii-chan!!! Was soll das?"

Hiyori riss ihrem Bruder das Handy aus der Hand und stellte sich zwischen die beiden Männer.

"Kann mir mal jemand verraten, was los ist? Woher kennt ihr euch?"

Sie hörte Yato hinter sich Seufzen.

"Ka...ich meine dein Bruder hat nicht ganz Unrecht Hiyori. Ich hatte vor ein paar Jahren den Auftrag, ihm Geld ab zunehmen, da er einen Kredit bei den Leuten meines Vaters abgeschlossen hatte...das...

"DU hast mich um 600.000 Yen* betrogen und mein kleines Geschäft somit fast ruiniert! Nur Dank eines großzügigen Sponsors konnte ich weiter machen! Und jetzt willst du dich in meine Familie heiraten? Um Hiyori genauso..."

"Nein!!! Nein, dass ist nicht so Hiyori. Das musst du mir glauben. Ich wusste nicht, dass ihr Geschwister seit und ich war auch nie..."

"Ihr haltet jetzt beide den Mund! Was ihr hier in der Öffentlichkeit einen Aufstand macht!Masaomi! Du findest dich besser damit ab und Yato! Wir reden später darüber, aber jetzt fahren wir erstmal zu unserem Hotel!"

Hiyori schnappte sich ihren Koffer, sie war so wütend und es war ihr so peinlich, dass sie gerade der Mittelpunkt des Bahnsteigs waren. Wenigstens hörten die beiden auf sie und ihr Bruder gab nach einem kurzen Schnauben die Richtung bekannt, in die sie laufen mussten. Nach einem kurzen Fußweg kamen sie an seinem Auto an, das er öffnete. Er schmiss das Gepäck in den Kofferraum und packte plötzlich erneut Yato, der neben ihm stand.

"Ich schwöre dir, solltest du meine Schwester verarschen oder irgendwas planen, was meiner Familie schaden könnte, landest du als nächstes in diesem Kofferraum!! Verstanden?!"

"Ja ich habs verstanden und ich sage es nochmal: ich wusste nicht, dass ihr Geschwister seid. Es war Zufall, dass ich Hiyori überhaupt begegnet bin!"

Der Ältere ließ ihn mit grimmigen Blick wieder los und sah zu seiner kleinen Schwester, die immer noch wütend die Autotür aufriss.

"Wenn wir nachher bei dir sind, reden wir nochmals in Ruhe darüber. Ich glaube Yato, dass war alles nur ein dummer Zufall. Aber jetzt will ich bitte erstmal ins Hotel. Also lasst diese Streitereien endlich."

Die Autofahrt verlief komplett still, nur die Musik aus dem Radio sorgte für etwas Unterhaltung. Hiyori saß auf dem Beifahrersitz und sah aus dem Fenster.  Das die beiden sich kannte oder besser gesagt Masaomi Opfer von Yato's düsterer Vergangenheit war, konnte schon gar kein Zufall mehr sein. Sicher gehörte es mit zu ihrem Schicksal.

Nachdem sie angekommen und sich verabschiedet hatten, checkten sie ein und bekamen ihr Zimmer. Nun hatten sie 2 Stunden Zeit bis sie Masaomi wieder abholte.

Hiyori lief ihrem Freund hinterher, der als erster das Zimmer betrat und ihre Koffer auf das Bett legte. Sie schloss die Tür und blieb einen Moment stehen. Normalerweise wäre sie jetzt freudig auf Erkundungstur gegangen, doch Yato machte ihr etwas Sorgen. So hatte sie sich den Start ihres Urlaubs nicht vorgestellt. Er stand immer noch mit hängendem Kopf vor dem Bett, mit dem Rücken zu ihr und sie konnte wetten, dass er gerade nach den richtigen Worten suchte. Wahrscheinlich um sich für seine Vergangenheit zu entschuldigen. Doch über diese Phase waren sie doch längst schon hinaus. Sie lief ein paar Schritte auf ihn zu, bis sie ihren Arme um seinen Bauch schließen konnte.

"Yato? Es ist alles in Ordnung, du brauchst dir nicht mehr den Kopf darüber zu zerbrechen. Ich glaube dir, dass es einfach Zufall war, zudem ist das alles schon Jaher her und ich denke auch nicht, dass mein Bruder ein reines Unschuldslamm ist."

Sie hörte ihn seufzen und kurz darauf drehte er sich zu ihr um und schlang seine Arme um ihre Schultern.

"Ich kann deinen Bruder verstehen, er macht sich nur Sorgen. Aber das wird mich nicht davon abhalten, dich zu heiraten."

Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen, das Hiyori erwiderte. Diese Situation zeigte ihr nur zu gut, wie sehr ihre Beziehung in der gereift war und wie sich Yato zum positiven verändert hatte. Sie legte eine Hand in seinen Nacken und zog ihn langsam zu sich.

"Ich kann es gar nicht abwarten."

Das Mittagessen mit ihrem Bruder und dessen Freundin verlief nach einem ausführlichem Gespräch und gutem Zureden seitens Hiyori dann doch ziemlich milde. Anscheinend war Masaomi damals recht angetan gewesen von Yato, sie hatten sich gut verstanden und er war enttäuscht gewesen als rauskam, dass dies alles nur Fassade war. Yato entschuldigte sich bei ihm und plötzlich stand eine Menge Alkohol auf dem Tisch. So waren sie anders als geplant, kompletten restlichen Tag bei ihrem Bruder und riefen erst am späteren Abend ein Taxi, das sie zu ihrem Hotel brachte.

"Is doch ganz gut gelaufen oder?"

Yato lachte und sie wunderte sich darüber, dass er überhaupt noch verständliche Sätze von sich geben konnte. Natürlich hatte er zwischendurch eine Menge Wasser getrunken und auch immer wieder was gegessen, jedoch würde er morgen sicherlich verkatert aufwachen.

"Ja, vor allem ist es letztendlich ziemlich ausgeartet. Aber ich bin froh, dass ihr euch jetzt gut versteht. Das bedeutet mir sehr viel, weißt du?"

Ihr Freund legte seinen Kopf gegen die Stütze des Rücksitzes und schloss die Augen, während der Taxifahrer durch die leeren Straßen Aomoris fuhr.

"Das habe ich alles dir zu verdanken Hiyori. Ohne dich wäre ich vielleicht immer noch in dieser Hölle gefangen oder schon gar nicht mehr hier."

Sie konnte nicht anders, als sie an ihn zu schmiegen und ihren Kopf an seine Schulter zu legen.

"Wir haben es geschafft, jetzt ist endlich alles gut."
 
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