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Homeless

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hiyori Iki Yato
03.09.2020
07.02.2021
10
36.890
9
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22 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
03.09.2020 2.501
 
Herzlich Willkommen zu meiner neuen AU. Ich hab's jetzt nicht mehr ausgehalten, also kommt hier das erste Kapitel zum Schnuppern! Bitte schreibt mir doch, wie ihr es findet ♡♡♡
Lg



"Fahr vorsichtig Hiyori und mach lieber eine Pause, wenn es nicht mehr geht! Danke, dass du extra den weiten Weg von zuhause hergekommen bist."

"Na klar Onii-chan! Das nächste Mal komme ich dich im Sommer besuchen, dann können wir an den Strand gehen und uns etwas entspannen."

Sie drückte ihren älteren Bruder einen Moment, bevor sie ihre Reisetasche nahm und den Autoschlüssel ihres Honda Civic hervorholte.

"Schau nicht so, ich bestand nicht auf das Auto. Die Uni erreiche ich super per Fahrrad oder zu Fuß, aber du kennst ja unsere Mutter. Sie fand es angebracht, wenn ihre Tochter den Führerschein macht und das Auto war noch das coolste unter denen, die sie mir vorgeschlagen hatte.

"Ich weiß, ich weiß. Komm gut nach Hause und pass auf dich auf, es besteht eine Unwetter Warnung für den Vormittag. Ich muss jetzt los zur Galerie!"

"Klar mache ich! Bis bald..."

Hiyori atmete die kühle, salzige Luft ein. Aomori war eine Hafenstadt und eine Abwechslung zu Tokyo. Sie zog sich trotz der 7 Grad Außentemperatur um 07.30 Uhr morgens ihre Jacke und ihren Schal aus, schließlich hatte sie eine Autofahrt von über 700 Kilometern vor sich und wollte es im Auto bequem haben. Jetzt musste sie aber erstmal zur nächsten Tankstelle um überhaupt nach Hause zu kommen. Sie stieg ins Auto und, drehte ihre Heizung nach oben und fuhr los. Das Radio spielte gute Musik, das Wetter war bisher bewölkt und leicht sonnig und der Verkehr hielt sich allem Anschein in Grenzen. Sie erreichte ihr Ziel, dass sich ein paar Kilometer vor der Autobahn befand und freute sich, dass nicht viel los war. Ein Service-Mitarbeiter winkte sie sofort an die nächste freie Säule und sie gab ihm die Anweisung vollzutanken. Sie schaute währenddessen dabei einem anderen Mitarbeiter zu, der ihre Scheiben säuberte und in diesem Moment entschloss sie sich, noch kurz zu halten, sich etwas zu trinken zu kaufen und auf Toilette zu gehen, bevor sie ihren Heimweg antrat.*

Hiyori bezahlte und fuhr zu den Parkplätzen, vor den Toiletten. Sie schaltete gerade den Motor aus, als ein junger Mann aus dem Herren WC stolperte. Er trug einen schmuddeligen, schwarzen Trainingsanzug, der in abgelaufenen Boots steckte mit einem halb zerissenen hellen Halstuch und hatte dunkle Haare, die im Licht violett schimmerten. Er ließ sich mehr oder weniger zu Boden fallen, zog seine Knie an und stützte seinen Kopf darauf. Sein ganzer Körper zitterte, kein Wunder bei diesen Temperaturen, ohne Jacke auf einem kalten Steinboden. Sie schüttelte den Kopf und konnte sich aber nicht dazu durchringen, ihn zu ignorieren. Vor ihm stand ein kleines Pappschild auf dem ganz groß - Tokyo - stand, sowie ein Plastikbecher, in dem anscheinend mal Kaffee oder Tee war. Neben ihm lagen zwei leere Bierdosen und sonst hatte er tatsächlich nichts bei sich. Sehr komisch für jemanden, der auf der Durchreise war? Von seinen Klamotten her zu urteilen, war er eher obdachlos und normalerweise, würde sie sich nicht weiter mit ihm beschäftigen, sondern etwas zu trinken kaufen und weiterfahren. Aber sie konnte es nicht, er brauchte vielleicht ärztliche Hilfe und als Medizinstudentin, konnte sie nicht wegschauen. Hiyori stieg aus und dachte noch einen Moment über die Situation nach, während sie auf die Damentoilette ging. Dieser Typ schien kaum älter zu sein als sie selbst, er fror weil er keine angemessene Jacke hatte und war möglicherweise betrunken. Ein obdachloser Alkoholiker oder ein Junkie, der in die Hauptstadt wollte, dort wo sie hinfuhr. Aber sie musste ihn ja nicht mitnehmen oder? Irgendwann würde ihn sicherlich ein LKW Fahrer aufgabeln, der in die selbe Richtung wollte. Er würde es schon schaffen, vielleicht konnte sie ihm ja noch etwas Warmes zu trinken kaufen, bevor sie weiterfuhr, sie würde sich auf jeden Fall kurz nach seinem Gesundheitszustand vergewissern.

Hiyori wusch ihre Hände und trat grübelnd nach draußen, ihren Blick auf den Platz gerichtet, auf dem der Fremde noch saß.

Er hatte sich mittlerweile zurück gelehnt und die Arme vor seiner Brust verschränkt, aber zitterte immernoch am ganzen Körper. Da seine Augen geschlossen waren, bekam er gar nicht mit, dass Hiyori auf ihn zulief und vor ihm in die Hocke ging. Sein Gesicht war blass und seine Lippen ganz rissig, doch seine Wangen schienen zu glühen. Hatte er Fieber?

Der Geruch von Bier schlug ihr entgegen und im allgemeinen hatte der Kerl dringend eine Dusche und frische Klamotten nötig!

"Hallo?"

Ihre Stimme war leise, aber erreichte seine Aufmerksamkeit. Er öffnete langsam seine Augen, die sie sofort faszierten. Hatte sie schon jemals so eine schöne Farbe gesehen?

Er sah sie einen Moment an, atmete dann schwer durch und jetzt erst hörte sie, dass er keuchte. Es schien ihm wirklich nicht gut zu gehen.

"Was willst du?"

Seine Stimme war schwach und er schloss im nächsten Moment auch gleich wieder die Augen. Tja aber er hatte recht. Was wollte sie eigentlich?

"Brauchst du Hilfe? Du siehst aus als hättest du Fieber. Soll ich einen Krankenwagen rufen?"

Er riss plötzlich seine Augen wieder auf und sah sie böse an.

"Nein! Lass mich einfach in Ruhe ok!".

Hiyori seufzte, als sie sah wie seine Lippen langsam blau wurden. Ihn sitzen zu lassen und auf einen LKW Fahrer zu warten, hatte nicht viel Sinn, sein Zustand verschlimmerte sich sicherlich in den nächsten Stunden..

"Ok..."

Sie stand auf und lief ein Stück zu den drei Getränkeautomaten. Sie kratze ihr komplettes Kleingeld zusammen, das für zwei Flaschen stilles Wasser und einen heißen grünen Tee reichte, den sie eine Minute später zusammen mit der Flasche Wasser vor seine Füße stellte.

"Hier, trink das Bitte. Ich habe ein Arzneimittel im Auto, das werde ich jetzt holen."

Der Fremde vor ihr fuhr sich einmal über sein Gesicht und öffnete die Augen, als sie schon auf dem Weg zu ihrem Kofferraum war.

"Du...du, dein Nummernschild..."

Mit zitternden Fingern griff er nach dem heißen Tee und trank einen Schluck, wohl etwas zu hastig, da er plötzlich stöhnte und das Gesicht verzog. Hiyori stand zwischenzeitlich wieder vor ihm und schüttelte den Kopf.

"Langsam...der ist doch heiß."

Wieder ging sie in die Hocke und legte ihn einen kleine, abgepackte Tablette vor die Füße.

"Das ist ein ganz normales Mittel gegen Fieber, wenn du keine Unverträglichkeiten hast, nimm das mit etwas Wasser. Ich schaue mich mal um, ob hier jemand ist, der in die Richtung fährt in die du musst und dich vielleicht mitnehmen kann."

Er blickte stumm auf die grüne Packung vor ihm, bevor danach und nach dem Wasser griff.

"Was ist mir dir? Fährst du nach Tokyo? Dein Nummernschild..."

Sie sah ihm einen Moment in seine traurigen, schönen Augen und wusste nicht, was sie ihm antworten sollte. Sie konnte ihn unmöglich mitnehmen auf eine Fahrt von mindestens 8 oder 9 Stunden. Einen völlig Fremden, schmuddeligen Typen. Ihre Mutter würde schreien, wenn sie davon wüsste. Deshallb beantwortete sie seine Frage nicht, sondern sah ihn nur mitleidig an.

"Verstehe! Du hast Angst und kein Bock, dass der Penner von der Straße in deinen schicken Civic verschmutzt."

Er versuchte zu lachen, was ihm nicht wirklich gelang und in einem Hustenanfall endete.

Hiyori sprang auf, er musste hier weg, das stand fest. Sie lief auf die parkenden LKW zu und schaute sich um, befragte ein paar Fahrer doch fand niemanden, der ihr oder besser gesagt ihm helfen konnte. Frustriert marschierte sie nach zehn Minten zu ihm zurück. Er drückte sich gerade den heißen Becher Tee an die Wange um sich zu wärmen und sie fasste den verrücktesten Entschluss in ihrem bisherigen Leben.

"Wie ist dein Name?"

"Was geht dich das an? Danke für den Tee und..."

"Wie ist dein Name?"

Sie wurde langsam ungeduldig, er sollte nicht so unfreundlich sein.

"Yato."

"Ahh Yato und wie noch?"

Wieder bekam sie keine Antwort, was sie die Augen verrollen ließ.

"Ich heiße Iki, Hiyori und ich fahre nach Tokyo. Also steig ein."

"Was?"

Er sah sie mit großen Augen an und plötzlich veränderte sich sein kompletter Gesichtsausdruck. Er wurde weich und hoffnungsvoll?

Sie streckte ihm ihre Hand entgegen um ihm aufzuhelfen.

"Na komm schon, bevor ich es mir anders überlege."

Kurze Zeit später öffnete er die Beifahrertür und saß tatsächlich in ihrem Auto. Was hatte sie sich da angetan?
Sie stieg selbst ein und startete erstmal den Motor um die Heizung hoch zu drehen.

Sein Blick wanderte einmal durch das Auto und blieb auf ihrer Rückbank hängen.

"Oh...kann ich...das haben?"

Er griff nach Hinten und schnappte sich eine offene Packung Kekse.

"Uhm, ich glaube nicht, dass die noch schmecken die sind schon..."

Ihre Augen wurden größer, als er sich einen Keks nach dem anderen in den Mund schob und diese regelrecht inhalierte.

"Wann...wann hast du das letzte Mal was gegessen?"

"Hm, vorgestern oder so glaube ich."

"Ohh...ok."

Hiyoris Hände legten sich um ihr Lenkrad. Sie hatte nichts zu essen dabei und der Snackautomat, hatte nur Süßigkeiten im Angebot.

Sie griff nach ihrem Smartphone, das im Becherhalter, hinter ihrer Gangschaltung lag und öffnete eine Suchmaschine, in die sie etwas eintippte. Sie hörte knuspernde Geräusch, dass von ihm ausging und plötzlich spürte sie seine Fingerspitzen an ihrem Oberschenkel. Ihr Kopf drehte sich blitzschnell zu ihm und sie packte sein Handgelenk.

"Fass mich einmal an und ich und ich reiß dir deine Eier ab! Ich kenne einige Kampfsportgriffe und hab keine Angst davor diese auszuprobieren."

Yato sah sie erst etwas irritiert und leicht geschockt an, schüttelte dann aber den Kopf und zog seinen Arm wieder zu sich.

"Wow auzuprobieren? Hiyori, wenn ich dich wirklich anfassen wollte, dann wäre das gerade die falsche Drohung gewesen. Keine Angst, ich will nur nach Tokyo zurück, danach siehst du mich nie wieder. Ich wollte mir nur die Flasche Wasser nehmen, die du da hast. Sorry."

Hiyori blickte von ihrem Handy auf ihre Beine und hatte tatsächlich beide Wasserflaschen, in ihrer kleinen Handtasche auf ihrem Schoß. Sie hatte seine vorhin ebenfalls eingesteckt, da er erst seinen Tee getrunken hatte.

"Ah, tut mir leid. Aber...ich...dachte gerade...du..."

"Schon gut. Danke, dass du mich mitnimmst du hast echt was gut bei mir."

Er lehnte sich im Sitz zurück und sie konnte sehen, wie er sich langsam entspannte. Die Heizung sprang durch den laufenden Motor bereits nach oben und sie entschied sich endlich loszufahren.

"Hör zu Yato, in ca. 75 Kilometern kommen wir an einen großen Rastplatz. Dort kannst du etwas essen und... wie lange trägst du diese Klamotten schon und wann hast du das letzte mal geduscht?"

"Was? Gefällt dir der Anzug nicht? Ich trage ihn seit ungefähr zwei Wochen, aber eine Dusche...hmm...vor 6 Tagen vielleicht? Wieso?"

"Urgh.. naja, ich will dir ja nicht zu Nahe treten aber du musst dich wirklich waschen. Du kannst dann eine Jogginghose und einen Pulli von mir haben."

"Ok, aber ich habe außer ein paar Münzen kein Geld, das ich dir geben kann Hiyori."

"Ist schon gut, duschen kostet dort ja nicht die Welt. Wir fahren jetzt los."

Sie startete den Motor und fuhr los. Das Auto heizte sich noch mehr auf und es dauerte keine Viertelstunde, bis der junge Mann neben ihr eingeschlafen war.
Hiyori drehte das Radio etwas leiser und konzentrierte sich auf den Verkehr, bis sie nach ca. 37 gefahrenen Kilometern ein Schluchzen hörte. Sie blickte für einen ganz kurzen Moment zu ihm und konnte sehen, wie eine Träne seine Wange nach unten lief. Er weinte im Schlaf? Was hatte er durchlebt um mit Fieber an Raststätte in Aomori zu landen? Wo kam er her und was wollte er in Toyko?

Etwas später steuerte sie das Auto auf den Rastplatz und parkte dort. Sie ließ Yato noch einen Moment schlafen, stieg aus und lief zu ihrem Kofferraum, um diesen zu öffnen. Sie holte eine schwarze Sweathose und einen dicken grauen Hoodie mit der Aufschrift ihrer Univerität aus ihrer Reisetasche und auch ein paar frische Socken in der Hoffnung, sie würden ihm passen. Er war zwar gute 10 Zentimeter größer als sie, aber auch recht dünn, also könnte sie Glück haben.

Sie packte die Sachen in eine Papiertüte und steckte ihren Kulturbeutel dazu, in dem sich ihr Duschgel, Shampoo, Zahnpasta, Deo und sogar noch eine verpackte Zahnbürste befand. Zudem zog sie noch ihr großes, rosanes Badetuch aus ihrer Tasche. Mit diesem hatten sie sich zwar selbst schon zweimal nach dem Duschen abgetrocknet, aber da musste er durch. Zumindest war es trocken.

Hiyori öffnete die Beifahrertür und tippte ihn leicht an.

"Hey Yato. Wir sind da!"

Er rieb sich über seine Augen, bevor er sie müde anschaute und sich abschnallte um auszusteigen.

"Gehts dir etwas besser?"

Er gähnte und streckte sich einen Moment.

"Ja, auf jeden Fall."

"Gut. Hier sind frische Sachen zum Anziehen, ein Handtuch und Shampoo und solche Sachen. Ich habe sogar noch eine frische Zahnbürste. Du gehst dich jetzt duschen und kommst danach hier ins Restaurant, ich bestelle uns schonmal etwas zu essen!"

Er nickte und nahm ihr wortlos die Sachen aus der Hand, bevor er sich umdrehte.

"Warte, du brauchst noch etwas Geld"

Sie zog noch ein paar Scheine aus ihrer Hosentasche und steckte sie in die Tüte zu den Klamotten.

"Bis gleich."

Hiyori suchte sich einen Fensterplatz und bestellte verschiedende Dinge von der Speisekarte, sowie etwas Wasser und Kaffee. Wenn er wirklich vor zwei Tagen das letzte Mal gegessen hatte, musste er riesigen Hunger haben. Das Wetter zog sich etwas zu und sie hoffte, dass es nicht regnete. Das würde ihr die Fahrt nur erschweren. Wenig später nahm sie dankend die Getränke entgegen und probierte sofort einen Schluck, von dem herrlich duftenden Kaffee. Wenn er nicht langsam bald wiederkam, konnte er seinen kalt trinken. Ihr Blick wanderte durch die große Fensterscheibe, draußen zog sich der Himmel immer mehr zu, was ihr wirklich so gar nicht passte. Sie kniff die Augen etwas zusammen, wo war eigentlich ihr Auto? Hatte sie nicht direkt hinter diesem blauen Toyota geparkt? Ihr Civic war rot, man erkannte ihn also sofort! Aber da stand jetzt ein weißes Auto...Yato hatte doch nicht etwa??? Panisch griff sie in ihre Tasche, die sie neben sich auf die Sitzbank geschmissen hatte und fing an zu wühlen.

"Autoschlüssel...scheiße, wo ist mein Autoschlüssel...?"

Sie fluchte vor sich hin, während sie ihre Tasche ausräumte und den Inhalt auf den Tisch legte. Er war weg! Und ihr Auto anscheinend auch, aber sie hatte ihn doch vorhin eingesteckt. Oh nein, dieser Mistkerl hatte doch tatsächlich...
 
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