Mordskater

GeschichteAllgemein / P12
Dr. Anja Licht Franz Hubert
03.09.2020
03.09.2020
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Hey Leute,

ich hab mich mal einer eigenen Version auf Basis der Folge "Mordskater" (S3F16) versucht. Bitte seid nicht allzu böse, es war mein erster Versuch. Aber ich hoffe, ihr könnt trotzdem Freude daran finden.

Isi

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Ihr Telefon klingelte. Hansis Nummer erschien im Display. Sie war verwirrt. Hatten sie schon wieder eine Leiche gefunden? Am Tag nach Hubsis Geburtstag? Sie hatte ihn anrufen wollen, doch jedes Mal, als sie die Nummer hatte wählen wollen, hatte sie der Mut verlassen. So hatte sie ihm nicht gratuliert. Das Telefon ließ jedoch nicht locker und so nahm sie seufzend ab: "Hansi, was gibt's?" - "Anja, du musst sofort kimma.. Der Hubsi... Der is nebn anna Leich aufgwacht." - "Wo?" - "Wallbergstraße 1. Bei Kern." - "Is ihm was bassiert?" - "Na, I glab ned. Bis auf Schädelweh." - "I kimm so schnell I ko." Anja schnappte sich einen kleinen Arztkoffer, für den Fall, dass Hubsi medizinisch versorgt werden musste und ihren Schlüssel. Sie würde es niemals zugeben, doch sie machte sich Sorgen um ihren Exmann. Obwohl sie schon seit Jahren geschieden waren und sie selbst damals die Scheidung eingereicht hatte, hegte sie noch immer Gefühle für ihn. Im Auto atmete sie kurz durch, ehe sie losfuhr. Was würde sie gleich erwarten?

Hansi ließ sie hinein, als sie ankam und trug sogar den Erste-Hilfe-Koffer, während sie, nachdem sie ihren Schutzanzug angezogen hatte, ihre schweren Pathologie-Koffer hinterher schleppte. Hubsi saß wie ein Häufchen Elend auf der Couch auf einem weißen Fell. Den Kopf gesenkt, der Blick leer und starr zu Boden gerichtet. Er sah sie nicht an, als sie den Raum betrat, nickte nur knapp, als sie ihre Koffer geräuschvoll abstellte. Sie hätte ihn am liebsten in den Arm genommen, doch sie wusste, dass sie das nicht mehr durfte. Innerlich seufzend kniete sie sich neben die junge Frau auf dem Boden und begann routinuert ihre Untersuchung. Kaum hatte sie ihre erste Inaugenscheinnahme beendet, polterte Polizeirat Girwirdz durch die Tür. "Hubert. Was soll das hier alles?" - "Des sengs doch. Da liegt a Tote, I bin aufgwacht, mim Messa in da Hand und ko mi an nix darinnan!", ätzte der Polizeiobermeister, während Anja sich erhob und mit einem Pflaster auf ihren Exmann zuging. Vorsichtig klebte sie es ihm auf die Wunde an der Stirn. Sie genoss es mehr als sie sollte, ihm so nah zu sein. Doch er wand sich aus ihrer Berührung, kaum, dass sie fertig war. Das versetzte ihrem Herzen einen enttäuschten Stich, doch sie versuchte ihr Möglichstes, sich nicht anmerken zu lassen.

Girwirdz hatte Huberts Aussage erst einmal verarbeiten müssen: "Wie, Sie können sich nicht erinnern? An gar nichts? Ich meine, Sie wachen neben einer unbekannten Toten auf und können sich an gar nichts erinnern?!", wütete er und gestikulierte wild. "Naja, ganz so unbekannt a wieder ned.", erwiderte Staller ruhig, "Jennifer Kern. 35 Jahre alt, geboren in Hünxe." - "Herrgott, Hubert! Jetzt versuchens sich doch zu erinnern!", redete Girwirdz auf seinen Obermeister ein und beachtete Hubsis leidenden Blick gar nicht. "Eine Amnesie is nachm heftigen Schlag auf den Kopf keine Seltenheit.", warf Anja ein. "Natürlich. Und n bisschen was über den Durst getrunken ham wir nicht zufällig au noch, an unserem Wiegenfest?!" Anja atmete gespielt überrascht ein: "Mensch, du host Geburtstag ghabt..Alles Gute nachträglich." - "Danke." Seine Stimme klang brüchig und traurig und sie hätte ihn dafür am liebsten in den Arm genommen, wie früher. "Also, wie war das jetzt mit dem Alkohol?", bohrte Girwidz weiter nach. "Na, ich habs echt ned so mit der Feierei." - "Des kann ich bestätigen, er war sogar am Tag unserer Hochzeit nüchtern.", grinste Anja. "Und da hätt ich wirklich Grund zum Saufn ghabt.", motzte Hubsi, doch sie erkannte an seinen Augen, dass er es nicht ernst meinte. Sollte das etwa bedeuten, dass er ebenso noch etwas für sie empfand? Ihr Herz machte einen freudigen Hüpfer, doch ihr Gesicht sah ihn empört an.

Sie verkniff sich jedoch einen bissigen Kommentar und begann stattdessen, ihre Werkzeuge, wieder in ihren Koffer einzusortieren. Sonja kam herein, mit einem gerahmten Foto in der Hand: "Scheint ihr Freund zu sein." Sie hielt es Polizeirat Girwirdz unter die Nase, doch er machte nur eine wegwerfende Handbewegung: "Dann brauchen wir seinen Namen, aber schnell." Sonja versicherte, dass sie sich kümmern würde. Auch Staller kam ins Zimmer und informierte die Anwesenden, dass die Haustür keinerlei Einbruchsspuren aufwies. "Und das ist die Tatwaffe?", fragte Girwirdz und hielt eine transparente Tüte hoch, in der sich das Messer befand, welches Hubert in der Hand gehalten hatte, als er aufgewacht war. "S schaut so aus. Sicher kann ichs erst nach der Autopsie sagen. Und ich muss noch die Fingerabdrücke nehmen." Zum Ende wurde ihre Stimme besorgter und sie sah zu Boden. "Meine san auf jeden Fall drauf. I hobs  ja in da Hand ghabt, wie I aufgwacht bin.", meinte Hubsi seufzend. Es brach Anja das Herz, ihn so mutlos zu sehen und sie war noch fester entschlossen, alles, aber wirklich alles dafür zu tun, seine Unschuld zu beweisen.

Sie wusste, wenn es etwas gab, um ihn zu entlasten, dann würde sie es finden.

Und vielleicht, wenn sie es gefunden hatte, würde er sie wieder so umwerfend anlächeln, dass ihre Knie weich werden würden. Sie biss sich auf die Lippe, um ein Lächeln ihrerseits zu unterdrücken. Girwirdz seufzte und riss sie damit aus ihren Gedanken. "Also gut. Kann jemand zusammenfassen, wo wir stehen?" Anja blickte auf, sah ihren Exmann traurig an. "Mach ruhig. Brauchst ka Rücksicht nehmen.", murmelte er bemüht gefasst. "Ok.", seufzte sie. "Wobei ich natürlich nur sagen kann, wonach es aussieht, was nicht bedeutet, dass es auch so war, also, was wirklich passiert ist...", betonte sie, ehe sie anfing. "Wies scheint hat Jennifer Kern im Morgenmantel ihrem Mörder die Tür..." - "Sie wollten sagen, wonach es aussieht.", unterbrach Girwirdz sie. "Ja.", nickte sie und brauchte einen Moment, um sich zu fassen, während Hansi sich neben Hubsi setzte, um ebenfalls zuzuhören. "Es sieht so aus, als hätte Jennifer Kern Hubert die Tür geöffnet." Bei der Erwähnung seines Namens blickte er auf und ihr direkt in die Augen. "Dann ist sie dem Chaos im Flur nach ins Wohnzimmer geflüchtet, der Täter, Hubert, is ihr gefolgt und hat mit dem Messer auf sie eingstochen. Sie hat sich gewehrt, einen Aschenbecher zu fassen bekommen und ihn bewusstlos gschlagn, bevor sie gegen 22:30 Uhr ihren Verletzungen erlegen is..."

Anja konnte kaum glauben, dass sie solch furchtbare Anschuldigungen tatsächlich aussprach. Auch Hubert sah am Boden zerstört aus. Sie seufzte innerlich. "Jetzt amal im Ernst: Während unserer Ehe gabs Momente, in denen ich ihn am liebsten umgebracht hätte, ja. Aber er ist genauso wenig a Mörder wie ich!" Es war nicht gelogen. Jedes Mal, wenn sie gestritten hatten, wollte sie ihn tot sehen. Doch sie hatte ihn viel zu sehr geliebt, als dass sie ertragen hätte, wenn er tatsächlich gestorben wäre. Und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, liebte sie ihn immer noch. Girwirdz brummelte zustimmend, als sie ihren Vortrag beendete. "Mogst ned amal des Gschenk anschaun?", meldete sich jetzt Hansi an Hubsi gewandt zu Wort. "Hm?" Er blinzelte kurz verwirrt. "Achso.", murmelte er kaum hörbar und zog einen gelben Umschlag aus seiner Lederjacke. Hansi grinste ihn erwartungsvoll an. Hubsi riss den Umschlag auf und entnahm ihm eine Karte. "Gutschein für eine Woche Frühstück bei Rattlinger.", las er vor, "Super. Gilt der auch in fuchze Joar no?" Girwirdz stand auf und hatte mit seinen Männern das Haus gerade verlassen, als Anja sie zurückhielt. "Herr Girwirdz. Ich würd den Hubert gern noch genauer untersuchen. Vielleicht war ja doch Alkohol im Spiel oder jemand hat ihm K.O.-Tropfen verabreicht." - "Halten Sie so einen extremen Gedächtnisverlust wirklich für möglich?" - "Wie ich schon gsagt hab, es is...", setzte sie an, wurde jedoch von Nadine Scholz unterbrochen.

Sie ließ die Reporterin und Girwirdz alleine und steuerte Wagen 3 an, in der Hoffnung, ihren Exmann und seinen Partner noch abpassen zu können. Sie hatte Glück. Der Wagen stand noch da, wenngleich es ein abstruses Bild abgab, als Hansi versuchte, Hubsi auf die Rückbank des Streifenwagens zu setzen. "Hubsi?" Angesprochener zuckte zusammen und drehte sich um. "Fährst gleich mit mir mit, bitte?", bat sie. "I muss sicherstellen, dass ihr ned noch zum Frühstück bei der Rattlinger einkehrt." Hubsi wurde blass. Alleine mit Anja in einem Auto? Würde er das überleben? Es fiel ihm jetzt schon schwer, ihr nicht einfach um den Hals zu fallen und sie zu küssen, aber eingesperrt und nicht einmal einen halben Meter neben ihr... Er schluckte, tat aber wie ihm geheißen. Schließlich hatte er noch immer Kopfschmerzen und wenn er sich geweigert hätte, hätte sie ihn vermutlich recht laut zurechtgewiesen.

Müde ließ er sich auf den Beifahrersitz fallen. Er wurde jedoch schlagartig hellwach, als Anja sich neben ihn setzte und er ihren Duft riechen konnte. Sie roch so gut! Unweigerlich lächelte er. Anja sah ihn an und zog eine Augenbraue hoch. Doch dann musste sie ebenfalls lächeln. Sie zwang sich, ihren Blick von ihrem attraktiven Exmann abzuwenden. Bei einem Blick in den Spiegel sah sie, dass Wagen 3 immer noch da stand und Hansi ungeduldig auf dem Lenkrad herumtrommelte. Sie ignorierte ihn und fuhr los.

Auf dem Weg bemerkte sie, dass der Streifenwagen ihr Auto verfolgte. "Der Hansi folgt uns.", informierte Anja ihren Beifahrer. Hubsi sah überrascht in den Spiegel. "So a Depp.", fluchte er. "Wuist ihn vielleicht a untersuchen?" - "Na. I woas a ned, warum der uns hinterherfahrt." Einen kurzen Moment schwiegen beide. Anja überlegte. "Wie wärs, wenn mia zum Starnberger See fahren? Nur, um den Hansi zu verwirren...", fragte sie grinsend. Hubsi überlegte kurz, dann begann auch er zu grinsen. "Ok. Dem sei blöds Gsicht will I ma ned entgehn lassn.", lachte er, als sie abbog, in die entgegengesetzte Richtung der Klinik. Wie erwartet bog auch Hansi in die gleiche Richtung ab. Nur einige Augenblicke später klingelte Hubsis Handy. Es war Hansi, der direkt lospolterte: "Herrschaft, wo fahrts ihr no? Die Pathologie is in die annere Richtung!" Anja, die mitgehört hatte, meinte: "Du weißt ja ned, wos mia noch vorham." Hubsi und sie begannen wie auf Kommando zu lachen und Hansi legte beleidigt ohne Verabschiedung auf. "Kannst du da amal schnell rechts ranfahren?" - "Warum?" - "Äh.. Um den Hansi vorbeizulassen?" Er grinste verlegen, sich selbst darüber bewusst, dass er wenig glaubhaft klang. Doch er konnte das Verlangen danach, Anja zu küssen, nicht länger unterdrücken. Irritiert hielt Anja am Straßenrand in einem Waldstück an, doch entgegen seiner Erwartung blieb auch Hansi hinter ihnen stehen. "Anja? Hast was dagegen, wenn ma an Spaziergang machen? Is bestimmt a gud füa mein Schädel."

Mit einem Blick in den Spiegel grinste Anja und nickte. Sie stellte den Motor ab und stieg aus. Auch Hubsi stieg aus dem Wagen und streckte sich kurz. Die Nacht steckte ihm immer noch in den Knochen. Er lächelte dennoch, als er Anja an die Hand nahm und mit ihr querfeldein in den Wald lief. Sie hörten Hansi hinter ihnen rufen: "Hubsi? Anja? Des is aber fei koa Untersuchung!" Hubsi blieb stehen und zwang damit Anja, ebenso stehen zu bleiben. Er sah Hansi an: "Wos machstsn du do? Hot dich der Girwirdz als Babysitter engagiert?" Hansi wurde rot. "Und wos machts jetz ihr do mittn im Wald?" - "Nix.", grinste Hubsi und zog Anja schnell weiter.

Sie ließ es ohne Protest geschehen. Ihre Hand kribbelte, genau dort, wo Hubsi sie berührte. Ihr Herz schlug so schnell, dass sie Sorge hatte, es würde gleich aus ihrer Brust springen. Und die Schmetterlinge in ihrem Bauch schienen eine wilde Party zu feiern. Sie konnte das Bedürfnis, Hubsi zu küssen, kaum unterdrücken. Als sie es schließlich nicht mehr aushielt, blieb sie abrupt stehen, dadurch fuhr Hubsi herum und sie nutzte den Moment seiner Verwirrung, um ihre Lippen auf seine zu pressen. Er erstarrte einen Augenblick, konnte nicht glauben, dass sie ihn tatsächlich küsste. Doch schnell entspannte er sich und erwiderte den Kuss. Ihre Arme schlangen sich um seinen Nacken, während seine Hände an ihrer Hüfte lagen. Beide genossen den Kuss, bis sie keinen Sauerstoff mehr übrig hatten und sie gezwungenermaßen voneinander lösen mussten. Beide lächelten sich glücklich an, bis Anja die Stille brach: "Franz?" Hubsi sah sie verwundert an. Es war Ewigkeiten her, dass sie ihn bei seinem Vornamen angesprochen hatte. Aber es war schön, dieses Wort wieder aus seinem Mund zu hören. "Ja?" - "I lieb di imma no. Die Scheidung war der größte Fehler, den I jemals gmacht hob, weil s hot ma die Liebe meines Lebens gnomma." Statt einer Antwort legte Hubsi seine Lippen wieder auf ihre. Kurze Zeit später schlenderten sie Arm in Arm zurück zu Anjas Auto. "I lieb di übrigens a immer no, Anja.", murmelte er glücklich, sodass nur sie es hören konnte.
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