Road Trip/ Wilde Zeit (2)

von JaneS
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18
Chris Fehn Corey Taylor Craig Jones Joey Jordison OC (Own Character) Sid Wilson
02.09.2020
27.09.2020
48
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16.09.2020 3.935
 
Schwur


Im Flur stehend und zu dem Telefon in seiner Hand sehend kam Craig sich komplett überrannt vor, ehe er den Blick zu Sid hin und die Schultern fragend zucken ließ. Das Chris ihn so abfertigte und Ben sich so vollkommen aufgelöst und sauer anhörte, das konnte er in der Situation ja verstehen, aber warum zum Teufel schaltete Sid sich ohne etwas zu sagen in die Fahndung ein? „Was regt er dich denn so auf? Das Bild ist doch verwackelt, ich will sie doch nur finden.“, brummte Sid und sah von Liss zu ihm rüber, Craig hingegen seufzte. Zurückrufen war unsinnig, Chris war sauer und würde jetzt nicht mehr abheben, zudem war Ben am Ende seiner Kräfte angekommen. „Herrje, verstehst du das denn nicht? Amelia hat ihn belogen und benutzt, du hast es doch gerade selbst gehört. Sie ist vor sich selbst geflohen und du zerrst dieses Thema nun in die große Öffentlichkeit, sogar die Medien im Ausland sollen darüber berichten, Sid. Was rauchst du für Tabak, um Bens Angst nicht mehr zu sehen?“, fragte er erschrocken, Melissa aber ergriff Sids Hand und seufzte schweren Herzens. „Sidney, das musst du stoppen. Ich bitte dich, Amelia reißt Ben und unser Mäuschen auseinander. Sie verlieren sich, wenn das nicht aufhört. Du hast Bens Tränen nicht gesehen, er weint um 20 Jahre verloren gegangene Kindheit, die ihm vorkommen wie eine einzige große Lüge.“, meinte seine Frau leise, Sid hingegen schüttelte nur den Kopf. „Ach Quatsch, es kann Ben doch egal sein, ob ich Amy finden will oder nicht. Er braucht doch keine Angst zu haben. Wie er gerade selbst sagte, er ist doch jetzt ein Mann.“, meinte der DJ geblendet von der Wahrheit und darüber verdrehte Craig wieder die Augen, das war ja nicht zum aushalten. „Du Trottel von einem DJ. Wie lange hatte Elá Angst vor diesem Kerl von Trivium? Wie lange hatte Mina Angst vor Männern generell? Und wie lange muss Ben sich mit deiner Tochter und ihrem übergroßen Ego noch herumschlagen, sich belügen lassen? Ich rufe Damian jetzt an, egal wie spät es schon ist. Himmel Herr und Donnerwetter. Eins schwöre ich dir, wenn meine Tochter mit ihren Zwillingen weinend anruft und mir sagt, das Amelia gewonnen hat in ihrem ekelhaften Machtspiel, dann rasiere ich dir eigenhändig den Kopf.“, brummte er sauer und wählte die Nummer, die Sandy ihm gegeben hatte. Es war der Hausanschluss in Los Angeles, dort, wo Damian nun wohnte. „Reg dich mal ab, Craig. Ben hat mit der Fahndung überhaupt nichts zu tun und wie zur Hölle soll Amy sich denn noch in seine Ehe drängen, wenn sie nicht einmal mehr hier ist?“, fragte Sid, Liss übernahm das aber, indem sie den DJ wieder ins Wohnzimmer drückte und ruhig auf ihn einredete. „Gray, mal auf die Uhr geschaut, Kumpel?“, fragte Damian da in die Leitung und das riss Craigs Blick von Sids Hinterkopf, irritiert von der Ansprache sah er zur Uhr, es war kurz nach Mitternacht. „Schon mal was davon gehört, dass es hier zwei Stunden später ist als in L.A.? Damian, hier ist Craig. Wir haben gerade einen Anruf aus Napier erhalten und ich muss die Notbremse ziehen, du musst umgehend alle Fahndungsversuche zurückziehen, hast du das gehört? Sid hat diese Sache ins Rollen gebracht, ohne mit uns darüber zu sprechen und hier ist die Hölle deswegen los.“, erklärte er, Damian hingegen hatte wohl schon den Abend ruhig genossen. „Hi, na wunderbar. Ich kann es nicht zurückziehen, die Zeitung wird in der Sekunde wahrscheinlich schon gedruckt. Außerdem hab ich kein Mitspracherecht in der Firma, ich kann es höchstens anmerken. Sid muss zuerst bei den Cops anrufen und denen sagen, das die Fahndung abgeschlossen ist, ansonsten...“, erklärte Pauls Sohn, weshalb Craig genervt seufzte. „Damian, stopp. Geh, zieh dich an und fahr zum nächsten Polizeipräsidium. Gib die Meldung, das Amy sich gemeldet hat und wohlbehalten aufgetaucht ist, nur so können wir das hier irgendwie abfangen.“, sagte er in den Redeschwall von Damian hinein und es wurde kurz still. „Und Sid reißt mir den Arsch auf, weil ich sein kleines Mädchen habe entkommen lassen.“, meinte der junge Mann, Craig nickte. „Eher reiß ich Sid den Kopf ab, weil Ben sich von Liana trennt und sich Amelias Übermacht ergibt, um seine Familie zu schützen. Sie reißt Ben nieder, Damian. Du kennst deinen besten Freund und du hast ihn gesehen, wie fertig er war. Chris hat mich gerade sehr erzürnt angerufen und gemeint, er erkenne seinen Sohn nicht mehr. Hilf uns, ich bitte dich.“, bat er und wieder lauschte er der Stille, hörte nur Damians Atem. „Wenn ich sie finde, Craig, ich weiß nicht, ob ich mich beherrschen kann.“, brummte Pauls Sohn und darüber schüttelte er nun den Kopf. „Reiß dich zusammen. Sie ist nicht mehr das Mädchen, welches dir hübsche Augen gemacht hat, ja? Amelia ist weg, lass das einfach so stehen. Damian, ich rufe morgen früh in eurer Redaktion an und sage, dass wir Meldung bekommen haben. Kümmere du dich um die Cops, den Rest lass meine Sorge sein. Diese Fahndung muss sofort stoppen, sonst haben wir eine riesige Katastrophe in Neuseeland zu verkraften und überhaupt keine Mittel, diesen von Amelia geschlagenen Krater zu füllen.“, bat er leise und sah in das Wohnzimmer, weil Melissa ihn ansah und den Kopf schüttelte, Sid war also uneinsichtig. „Ich mach mich auf die Socken. Wir hören morgen voneinander, okay? Gute Nacht, Craig.“, meinte Damian und legte auf, Craig nickte und steckte das Telefon ebenso zurück auf seine Station, hörte das Gewitter in seinem Hinterkopf brummeln und sah deshalb beim Betreten des Wohnzimmers erst zu dem alten, großen Gruppenfoto auf, ehe er sich zu Sid setzte und den Kerl stumm ansah. „Dieser Blick schon wieder. Stell dir mal vor, Lilly wäre ausgebüchst, du würdest sie doch auch suchen lassen.“, brummte Sid und ja, das würde er, nicht aber mit diesen Mitteln. „Das würde ich, ja, aber nicht so. Zudem hat Lilly keinem Mann so in die Eier getreten, das der Kerl kaum noch Luft bekommt.“, antwortete er ruhig, vergessen war der Film im Fernsehen. „Das hat Amelia auch nicht. Da gehören immer zwei dazu und wenn ich mich recht entsinne hat Ben bei Damian ja alles zugegeben, er hängt da auch mit drin.“, konterte Sid ruhig, worüber Liss wieder die Stirn kraus zog. „Und wie Amelia Ben genau da gepackt hat und ihn mit diesem festen Griff in die Knie zwingt… Wenn Amy sich einer Gang oder einem Clan angeschlossen hat, um über die Runden zu kommen, was glaubst du wirbelt dieses Foto von ihr mit ihrer Begleitung für Dreck auf? Willst du, das Damian in L.A. aus einem Auto heraus abgeknallt wird? Willst du, dass diese Menschen in Amelias Umgebung sich auf die Suche nach Ben machen, weil sie sich ja ach so versetzt von ihm fühlt? Sidney, Ben bricht vor Amelia ein, mach bitte endlich die Augen auf und sieh, was deine Tochter mit ihm gemacht hat.“, bat er und deutete auf Paul und Elá da oben, Sid folgte seinem Fingerzeig, ehe er zum Tisch sah. „Sie ist nicht mehr dein Löckchen. Sie ist gefährlich geworden. Und Ben weiß das, er hat es am eigenen Leib erfahren. Um Liana und die Kinder zu schützen ist er bereit sich ihr zu ergeben, hast du das nicht gehört?“, fügte er an und legte sich gestresst die Hand über den Mund, sah zu Melissa und schüttelte den Kopf. Wie sollten sie diese wilden Zeiten bloß überstehen, die da auf sie zurollten?


Liana saß im Wohnzimmer und hatte die Babys bei sich liegen, beide Zwerge waren wach und tranken ihre Flasche, als Chris in den Raum kam und die Situation stumm beäugte. Ohne etwas zu sagen nahm er der Kleinen eine der Milchflaschen ab und fütterte seinen Enkel weiter, sodass Liana sich hier nicht verbiegen musste. Müde sah sie aus, verschlafen und noch nicht ganz wach, ihr Blick aber war scharf und stechend. „Sie haben mich geweckt. Ich bin bei Ben eingeschlafen, tut mir leid.“, meinte sie und ja, sie klang auch ganz müde, Chris hingegen nickte nur und sah zu den Babys hinab. „Du musst dir diese Pausen gönnen, Kleines. Ein Baby zu haben ist schon heftig, du händelst allein gleich zwei Monsterchen. Du bist stark, aber auch du brauchst hin und wieder Ruhe.“, murmelte er ruhig und sah zur Uhr, hatte sie von ihrer Unterhaltung nichts gehört? „Warum ist er so wütend? Wir haben hier doch so ruhig den Abend genossen.“, fragte Lilly ihn, Chris hob den Blick wieder zu ihr auf und seufzte, das war eine Fangfrage. Liana wusste ganz genau durch ihre Verbindung, wie es Ben ging und warum er so sauer war. „Mäuschen, ich werde das stoppen, okay? Ich hätte es viel eher stoppen müssen.“, antwortete er und gab Liana die Hand, ja, sie war genauso beunruhigt wie sein Sohn. „Er ist weit weg, wo ist er hin? Was ist passiert, ich erreiche ihn kaum.“, fragte sie müde und hob den Blick zur Scheibe, Ben hatte aber die Vorhänge etwas zugezogen, um seiner Familie den Abend ruhig zu gestalten. „Er ist spazieren, am Strand unten. Ich denke, Ben braucht diese Ruhe jetzt, um nach dem langen Tag einfach ein wenig zu sich selbst zu finden.“, sagte er und spürte den Druck ihrer Finger, weshalb er Lilly wieder ansah. „Ich glaube an ihn und seine Stärke, an seine Liebe. Er kämpft um mich und um sein eigenes Seelenheil, ich weiß das. Aber sie bricht ihn, sie bricht seinen Willen und seine Vorstellungen von Loyalität und Liebe. Er wird sie finden und ihr nachgeben. Ich kann nichts tun, um sie zu stoppen. Ich war immer die Kleine, die sich hinter ihr versteckte. Und jetzt bin ich durch diese beiden hier geschwächt. Amelia gewinnt und ich verstehe, dass sie mir eine Illusion vorgegaukelt hat.“, murmelte sie, nahm Emma hoch und drückte sich an ihre Tochter, die noch immer am trinken war. Tränen ergossen sich auf diesen blassen Wangen, Liana litt genauso wie Ben unter diesem Druck. Und durch ihr Wochenbett war sie aufgewühlt, das alles war schwer für die so junge Ehe. „Wenn sie irgendwann vor ihm steht wird sie ihn wieder so benutzen. Sie hat es zweimal getan, sie wird es wieder drauf anlegen. Und Ben wird ihr nachgeben, Ben wird sich brechen lassen, für mich und die beiden hier.“, fügte sie hinzu und schloss schmerzverzerrt die Augen, Chris hingegen schluckte und legte das Handy auf das Sofa, er hatte es gerade gegriffen und nahm dieses Gespräch für Sid gut hörbar auf. „Das wird er nicht tun, Liana. Er liebt euch drei abgöttisch, würde sterben für euch. Amelia ist verschwunden und läuft vor sich selbst weg, sie wird Ben nie wieder zu Gesicht kriegen.“, antwortete er und berührte nun ihr Knie um Trost zu spenden, Liana hingegen schluchzte und ließ die Augen zusammengekniffen. „Nein. Du weißt, dass das anders laufen wird. Sie war immer so, hat sich genommen, was sie wollte. Zur Not mit Gewalt. War es mein Armband, welches sie zerriss oder war es Damian, der Blödmann hat sich von ihrem Wimperngeklimper um den Finger wickeln lassen. Sie hat sich immer so benommen und wird sich immer so benehmen. Ben ist ihr Opfer, weil er sich für diese geschwisterliche Beziehung immer eingesetzt hat. Sie wird vor ihm stehen und ihm drohen, mit was weiß ich. Und dann wird sie sich einfach nehmen, was sie haben will. Amelia macht mich krank.“, schluchzte die junge Frau, Chris verstand, was sie meinte. „Aber Liana, ihr alle habt euch verändert, ihr seid keine 13 mehr. Ben ist ein erwachsener Mann, der seine Prioritäten neu gesteckt hat. Du bist nicht mehr die unbeholfene Kleine in dem Schlabbershirt mit dem Fleck am Kragen, der nicht mehr rausgeht und Amelia wird auch erwachsen.“, warf er ein, nun öffnete Liana ihre hübschen Augen und sah ihn angeekelt an. „Sie wird erwachsen. Wenn sie das ist auf diesem Foto in ihrem Nuttenfummelchen und den schicken Diamanten, dann weiß sie, wie sie spielen muss. Sie kennt Tricks, die ich nicht einmal kommen sehe. Wie war das früher immer? Hey Lilly, weißt du, wie sich ein Mann tief in dir anfühlt? Ach nein, du bist ja verklemmt und lässt keinen Spaß zu, oder rein haha. Hey Lilly, hast du mal einen Lolly gelutscht? So musst du auch einen Mann mit dem Mund verwöhnen, sie werden dir alle zu Füßen liegen. Das hat sie immer dann raus gehauen, wenn all unsere Freunde zusammen am Tisch saßen und über mich lachen konnten, weil ich mich dafür genierte und mir bescheuert vorkam. Die Jungfrau, die verklemmte kleine Schwester, die einen Krampf in den Knien hat und deshalb niemanden dazwischen lassen kann. Sie wird Ben treffen, ihn tief verletzten. Sie kennt Tricks, die ich mir nicht mal ausdenken könnte. Und je länger das hier läuft, desto gefährlicher wird sie mir. Ich wünschte, ich könnte sie einfach aus unseren Köpfen radieren. Wünschte, ich hätte sie niemals kennengelernt. Sie ist schon immer eine manipulative Lügnerin gewesen, eine Zicke, die ihre ganz eigenen Spielregeln aufstellt, bei denen du nur verlieren kannst.“, brummte die Kleine getroffen und voller Schmerz, ehe sie die Milchflasche auf den Wohnzimmertisch stellte, Emma hochnahm und ihr sanft den Rücken klopfte. „Ich hasse sie. Ich hab sie immer gehasst für ihren Egoismus und ihre Macht über uns, Chris. Ich hasse sie.“, brummte Bens Frau ernst und ja, auch Emmas Bäuerchen löste die Anspannung im Raum nicht auf. „Ich weiß, Kleines.“, sagte er nur mit gesenktem Blick und beobachtete Max, der Junge trank gut und schnell. Warum war ihnen nie aufgefallen, was die jungen Leute untereinander für Probleme hatten und warum hatte Ben nur früher nie etwas über dieses Verhalten gesagt? Hatte Amy ihn wirklich so eingehüllt in ihr Ego, das er das einfach als Normal empfand? „Er hat Angst, Chris, ich sehe es in seinem Herzen. Angst, und da ist so viel Wut, Ekel und Scham. Ben hat erkannt, wie Amelia sich all die Jahre aufgespielt hat und sieht ihre hässliche Fratze ohne ihre engelsgleiche Maske, die sie der Familie gegenüber immer trug. Er sieht sie und das zerreißt ihn. Es zerreißt uns.“, sagte Liana und schluchzte wieder bitter, Chris hingegen stellte die leere Milchflasche seines Enkels ebenso auf den niedrigen Tisch und nahm das Kind hoch, Max schlief schon wieder so halb. „Ich helfe euch, Liana. Wo ich kann. Und ich halte Amelia so weit weg, wie ich kann. Warum habt ihr euch denn nicht früher an mich gewandt?“, fragte er und sah Liana an, die Emma traurig betrachtete. „Weil es einfach normal war, wie es war. Erst, als Amy sich Ben krallte und ihn zu Boden riss, da fiel uns auf, dass das alles nicht normal sein konnte oder durfte. Und jetzt… entschuldige mich, ich muss auf Toilette.“, bat sie leise und stand auf, Chris hingegen drückte die Nachricht ab und schickte sie an Sid, sollte der DJ endlich einsehen, das Amelia der Stolperstein ihrer Geschwister war und nicht Ben. Und Craig bekam diese Nachricht auch, nur zusammen konnten sie diesen Sturm noch abfangen.


Im Bad stehend sah sie sich selbst in die geröteten Augen und lauschte dem Rauschen in sich, Ben war traurig und vollkommen außer sich vor Wut auf Amelia. Wenn es dem Kerl zu viel wurde nahm er eher Reißaus als auf den Tisch zu schlagen, so war Ben schon immer gewesen. Selbst jetzt nach all den negativen Dingen zeigte er sich so liebevoll und aufmerksam, er kümmerte sich um sie, wenn sie weinte und um die Babys, wenn er müde von der Arbeit kam und eigentlich selbst nur noch ins Bett wollte. Er war so ein guter Mensch, was erlaubte Amelia sich nur, so ein reines Herz so zu zerfetzen? Und das krasse war, das diese Pute nicht einmal in der Nähe war und trotzdem so einen Wirbel machte. „Wie soll ich mit euch beiden allein leben?“, fragte sie Emma, die in der Babywippe hier lag und an der Rasselraupe herumfingerte, in ihrem Kopf drehte das Rad sich nämlich so, das Ben Amelia nachgeben würde. Das hieß, er würde seine Ehe mit ihr beenden und sie so vor weiteren Tiefschlägen durch diese Zicke schützen. Würde mit Amy eine Beziehung eingehen und wieder mit ihr im Bett landen. Amy würde sich ein Kind von ihm machen lassen und dann war Ben so oder so an Amelia gebunden, derweil Lilly mit den Zwillingen so weit weg von Zuhause unglücklich vor sich hin welken würde. Ja, sie hasste Amelia dafür, sie hasste diese Gedanken und sie hasste die Tränen in Bens Gesicht. Wäre sie nur nicht mit der Pille durcheinander gekommen bei dem langen Flug von den USA hierher, wäre sie nur nie schwanger geworden. Ben hatte sich die Kinder gewünscht, sie sich ja auch. Mit Blick zu Emma biss sie sich auf die Unterlippe und tja, nun war sie eben in der Situation, Mutter von Zwillingen zu sein. Sie hatte Ben aus dem Mittelpunkt ihres Blickfelds geschoben, um sich auf die Kinder zu konzentrieren, das brachte ihn hingegen an den Rand der Hölle. Dann klopfte es leise an der Tür, sie ignorierte Chris jetzt einfach, ihr ging es nicht gut und eine Minute Ruhe würde sicher gut tun. „Kleines, bitte.“, bat Ben aber vor der Tür stehend und drückte die Klinke, Liana hatte aber abgeschlossen. „Kleines, mach auf.“, bat er wieder leise und ja doch, sie öffnete die Verriegelung der Tür und sah dabei zu, wie Ben in das Bad kam, sie musterte und ehe er etwas sagen konnte lag sie in seinen Armen und schluchzte schon wieder, was war das für ein schreckliches Gewitter in ihrem Kopf? „Du hast mich so laut gerufen, Kleines, ich musste nach dir sehen. Ich bin hier, Lilly, ich bin bei dir.“, brummte ihr Mann leise und küsste ihre Stirn, Liana aber schloss nur ihre Arme fester um ihn und sagte ihm alles ohne ein Wort zu nutzen, sie sagte ihm, dass sie Amelia hasste für alles, was hier geschah. Und Ben hörte ihr still zu, strich ihr mit kalten Fingern durch die Haare und küsste ihre Stirn immer mal wieder, ging es ihm ja nicht anders. Erst, als sie ihm sagte, dass sie Angst davor hatte alleinerziehend zu sein ließ er sie etwas los und rahmte ihr Gesicht, sah sie mit seinen eisblauen Augen an und schüttelte den Kopf. „Das wird niemals passieren. Ich müsste sterben, ehe du alleinerziehend wirst, Lilly. Denk so etwas niemals wieder, hast du mich verstanden? Sie kann mir Arme und Beine ausreißen und mich innerlich kaputt machen, aber nichts im Leben wird uns beide trennen. Ich werde sie finden, ohja, und sie wird mich kennenlernen, wenn sie es wagt, auch nur einen falschen Schritt zu machen. Kleines, ich sehe die Situation so klar wie du es tust, okay? Unsere Vergangenheit war eine Lüge, alles davon. Damian ließ sich ebenso blenden wie ich das tat. Du hast all die Jahre unter ihr so gelitten, das ist jetzt endgültig vorbei. Damian ist frei, er hat sie hinter sich gelassen. Und wir beide haben uns etwas geschworen, erinnere dich an unseren Schwur, Liana.“, bat er und zitterte, seine Kleidung war nass, Ben hatte richtig kalt. „Wir zwei gegen den Rest der Welt.“, schluchzte sie und sah ihn an, warum war er denn so nass? „Wir beide, nur wir beide gegen alles, was sich uns in den Weg stellt. Du bist meine Zukunft, Liana, nicht Amelia. Sie hat von mir außer Wut und außer Ablehnung nichts mehr zu erwarten. Hör auf zu weinen, Kleines, bitte. Ich kann das alles nicht mehr ertragen, ich kann deine Traurigkeit nicht ertragen.“, bat Ben leise und schloss die Tür hinter sich, ehe er sich den nassen Pullover auszog. „Ich weiß nicht mehr, wie ich dich noch retten soll, Ben. Seit dem Abend in dieser alten Scheune, nein, seit dem Tag, an dem ich meinen Führerschein bestanden hab geht alles nur noch kaputt, wo sie auch ihre Finger mit ihm Spiel hatte und warum zur Hölle bist du so nass?“, fragte sie und ließ sich den Pullover geben, um ihn hier über die Heizung zu hängen. „Draußen regnet es. Ich war am Strand, bin gelaufen bis hoch zum Esk River, hat mich nicht gestört. Aber dann hab ich dich gehört und musste zurückkommen. Lilly, ich brauch manchmal Zeit für mich, um runter zu kommen und nichts Blödes zu sagen oder zu machen, das ist nicht deine Schuld, okay? Du musst mich nicht retten, du kannst das nicht mehr retten. Dieses Glas ist gesplittert und soll auch nicht mehr repariert werden, ich will sie nicht mehr in meine Welt lassen. Komm zu mir, bitte.“, bat der Kerl, der sich auch die nasse Hose auszog, ehe er sich mit einem Handtuch durch die Haare strubbelte und sich an Emma wandte, die ihren Papa nun mit großen Augen betrachtete. Kaum hatte Ben das Kind im Arm, streckte er die Hand nach ihr aus und zog sie an seine andere Seite, ganz nah an seine kalte Haut. „Meine beiden Frauen. Ich liebe euch und ich schwöre es euch, Amelia wird bluten dafür, was sie dir angetan hat, Kleines. Wir sind unantastbar geworden, schneiden wir dieses Geschwür einfach weg, okay? Hier, nimm sie, ich muss mir was anziehen, ich hab kalt.“, bat er und drückte Emma nun an ihre Brust, stahl sich einen warmen Kuss und drückte sie aus dem Bad, wo Chris im ehemaligen Schlafzimmer stand und wohl alles mitangehört hatte. Bens Dad streckte ihr nämlich die Hand entgegen und nickte Ben lediglich stumm zu, ehe er sie ins Wohnzimmer führte, ihr Emma abnahm und sie mit einer Hand in ihre Decke wickelte. „Hinsetzen. Hier, trinken. Abschalten.“, befehligte Chris sie liebevoll, gab ihr eine Tasse heiße Schokolade und kümmerte sich um Emmchen, die Kleine rasselte mit der Raupe herum und war ganz munter. „Danke.“, krächzte sie und trank noch einen Schluck, Chris hingegen sah von Emma zu ihr rüber und schüttelte den Kopf. „Für was denn? Den Kakao? Blödsinn. Meine Frau trank immer Kakao, wenn es kalt war oder es ihr nicht gut ging. Sie saß dann eingelümmelt in ihre Decke auf dem Sofa wie eine kleine Kugel aus Kuscheldecke und nippte an ihrer Tasse herum, bis sie einen Klecks Sahne an der Nasenspitze hatte. Und danach ging es ihr meist besser.“, erzählte Chris und ja, irgendwie konnte Liana sich Bens Mama genau so vorstellen. „Sie hat ihn getroffen und durch eure Verbindung und eure gemeinsame Kindheit dich gleich mit. Ich weiß, wie sich das anfühlt, ich sehe es in euren Gesichtern, Kleines. Ihr seid meine Kinder, meine Familie. Alles, was mir bleibt. Und ich lasse das hier nicht zu, das hab ich dir versprochen. Du wirst Amelia nie wieder zu Gesicht bekommen, deine Kinder werden behütet bei ihren Eltern aufwachsen können. Und sollte der Tag kommen, das Amelia wieder in Des Moines vor den Türen ihrer alten Verbindungen steht, dann lernt sie mich kennen, wie ihr alle mich nicht kennt. Sie überschreitet deutliche Grenzen und da sehe ich rot. Nun aber Schluss mit diesem unsinnigen Thema, du bleibst hier sitzen, trink deine Schokolade. Das wärmt Seele und Herz. Ihr beiden kommt mit mir mit in die Küche, ich mache jetzt mal ein sehr spätes Abendbrot und Ben, wo ist der Kerl hin?“, fragte Chris da sehr ernst und sah zur Tür, ehe er abwinkte, Emma in die Babywiege legte und das Ding zur Küche schob. Er war ein guter Papa, ein gutes Herz. Und er beschützte Ben, das ließ Lilly wieder lächeln. „Ich hab dich sehr lieb, Chris.“, meinte sie leise und lauschte seinem Geklapper. „Ich dich auch, Kleines. Ich hab dich auch sehr lieb.“, antwortete die Küche da hinten und tja, all das hatte Amy endgültig verloren, diese dumme Kuh von Zimtzickhausen.
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