Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Road Trip/ Wilde Zeit (2)

von JaneS
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P18 / Gen
Chris Fehn Corey Taylor Craig Jones Joey Jordison OC (Own Character) Sid Wilson
02.09.2020
26.10.2020
100
387.143
3
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
02.09.2020 3.090
 
Notiz am Rande: Ich schreibe und uploade für mich. Da ich die (1) - (10) in den letzten Tagen las, will ich das nun zu Ende bringen, sodass ich einen Abschluss für Jung und Alt finde.



Die letzten Erinnerungen


Sich auf das neue Sofa setzend und mit schwerem Herzen bedachte er diese vielen Erinnerungen in Form von großen und kleinen Bildern einen Moment lang mit einem traurigen Blick, ehe er die Augen auf das größte Foto von allen hier richtete und Wehmut in sich aufkommen spürte. Hinter ihm in den Räumen herrschte Trubel und eiserne Stille, denn heute wurde die alte Scheune zum letzten Mal von allen aus der Band betreten und ausgeräumt. Nur noch wenige Erinnerungen und persönliche Sachen waren hier verstaut, im Laufe der letzten Monate hatten sie nacheinander immer mal wieder einige ihrer Dinge mitgenommen und so die Flure und Zimmer geleert. Nur hier, im Aufenthaltsraum oder ihrem ehemaligen großen Wohnzimmer war alles noch so wie zu ihren besten Zeiten, wenn man das Mobiliar mal außer Acht ließ. Joey hatte hier alles auf dem Kopf gestellt, alles war erneuert und verbessert worden und nichts hier erinnerte so wirklich mehr an die glücklichen Tage voller Lachen und Musik, die sie hier als Einheit erlebt hatten. Nur die Bilder hier, die sprachen diese alte Sprache noch flüssig, heute nahm das große Abenteuer des Monsters aus Des Moines also endgültig ein Ende. Den Blick kurz zur Tür huschen lassend, wo Jim gerade erschien und ihm stillschweigend zunickte hob Chris kurz die Hand und sah wieder zu den unzähligen Bildern hier auf, es waren geschätzt über 500 Rahmen, die abgemacht und sortiert werden wollten. Ein jeder von ihnen würde seine Bilder mit nach Hause nehmen, sie vernichten, verbrennen, aufbewahren und wertschätzen, was auch immer. Chris hatte vor, all die Bilder von Elà und sich selbst sowie die der Kinder hier einzusammeln und einige nach Neuseeland zu verschiffen, wo sein Sohn ein neues Leben letztes Jahr begonnen hatte. Ben sollte die Bilder seiner Mutter bekommen, sollte seinem eigenen Sohn irgendwann von dessen Großeltern erzählen können, hing der Junge doch an seiner nie da gewesenen Mutter. Seufzend über diese Gedanken ließ er den Blick wieder auf das große alte Gruppenbild huschen, wo er Elá in die Augen sehen konnte. Sie sah so glücklich auf diesem Foto aus, wie sie da neben Paul und ihm im Gras saß und über das ganze Gesicht strahlte. Ben war seiner Mutter so ähnlich, das gleiche Haar und die gleichen filigranen Gesichtszüge, hm, sie wäre mit Sicherheit bestürzt über den Abschied aus diesen Hallen hier. Hier war einst ihr Zuhause gewesen, ihre Zuflucht, ihr Raum für die große Familie, nun waren die Hallen verlassen und leer, verkauft und nur noch mit dem Geist der Vergangenheit gefüllt. Ein Grunzen hinter ihm ließ ihn den Kopf wieder drehen und Shawn ins Gesicht blicken, sein einstiger bester Freund hatte sich schwer gezeichnet vom Leben verändert. Der Clown gab Elá die Schuld am Bruch innerhalb der Band, sah in ihrem Ableben die Verantwortung für all das, was die Jahre darauf mit ihnen allen geschehen war. Da stand der Clown, sah zu diesem großen Bild auf und schüttelte den Kopf darüber, doch es blieb still. Chris sagte dazu nichts mehr, zu viel war nach Elás Tod auf die Band eingeprescht und zu viele Beschuldigungen hatten sie sich alle gegenseitig an den Kopf geworfen, dieser Riss in ihrer Bruderschaft war nur allzu deutlich nicht mehr zu flicken. „Hier, hab ich gefunden.“, brummte dafür ein ruhiger Joey hinten am Sideboard stehend und hielt Papiere in der Hand, die er Shawn in die Hand drückte und den Clown damit wieder grunzen ließ. „Was gibst du mir den Scheiß? Lass ihn das mit nach Hause nehmen und von mir aus einrahmen.“, meinte Shawn kalt und warf ihm die Papiere über, ehe er sich an die Wand stellte und beobachtete, wie Chris sich nach den zu Boden gesegelten Papieren bückte und die losen Blätter aufhob. Es war der Vaterschaftstest, den er einst mit Amelia und Mina gemacht hatte, da Shawn ja der festen Überzeugung schien, er hätte damals eine heiße Affäre mit der Wildkatze gehabt. Seit ihrem Tod letztes Jahr war die Band nicht mehr zusammengekommen und es war gut, dass das Kätzchen diesen Streit nicht mehr miterleben musste, dafür kam Sid gerade in den Raum und trug einen Karton mit dem bisschen Hab und Gut, welches er hier noch zusammensuchte. „Danke. Das rahme ich mir und brüste mich dann damit, das einer meiner Brüder es nicht glauben konnte, wie anständig ich im Leben einer Frau gegenüber war.“, murrte Chris nur und schmunzelte, dieser Idiot von Clown aber hob nur spöttisch eine Augenbraue. „Habt ihr Stress hier?“, wollte Sid leise wissen und kam zu ihm um das Sofa herum, diese riesige graue Couch, die längst nicht mehr so bequem war wie ihre alten Ledersofas. „Keinen Stress, Sid. Ich pack nur meinen Krempel und überlasse ihm dann die Verantwortung für unser Aus.“, brummte Shawn und vergnügte sich darüber, dass das Raunen im Raum ihn darin bestätigte. „Herrschaftszeiten.“, brummte Joey und schüttelte den Kopf, Sid hingegen linste auf das Papier in seinen Händen und hob beide Augenbrauen in die Höhe, ehe er das Papier entgegennahm und es zerriss. „Lasst ihn gehen, Jungs. Soll er mir die Schuld geben, es ist in Ordnung. Nach all den Jahren komm ich damit gut zurecht.“, sagte Chris nur und blinzelte von Sid wieder in das Gesicht seiner geliebten Frau, ehe er zusammenzuckte und erschrak. Eines der Bilder landete klirrend vor seinen Füßen und verteilte das Glas quer durch den Raum, da der Rahmen durch die Wucht splitterte.

Das Foto aus dem zerbrochenen Rahmen fischend ignorierte er das aufgeregte Geschnatter der Jungs im Raum, betrachtete das Bild seiner Hochzeit und seufzte in sich hinein. Shawn würde diese Wunde immer wieder aufreißen und keine Ruhe geben damit, bis ein Jeder von ihnen für immer diese Hallen verlassen hatte. „Spinnst du?“, fragte Joeys tiefe Stimme, Jim murrte ein „Geht das wieder los.“, und Sid schnaufte angepisst neben ihm, Chris hingegen lächelte beim Anblick dieses alten Fotos und gab dem ehemaligen DJ einen Rand, woraufhin er gellend pfiff und die Band somit zur Ruhe orderte. „Lasst ihn reden, lasst ihn gehen. Selbst als Mina ihm eine Backpfeife gab und er meinem Sohn ins Gesicht blicken konnte ließ er sich von dieser Meinung nicht abbringen, also scheiß ich drauf. Ich sammele meine Sachen ein, nehme meine Bilder mit und lebe den Rest meines Lebens mit den Brüdern, die mir geblieben sind, so einfach ist das. Und ich kümmere mich um meine Kinder, macht ihr alle das Gleiche und hört jetzt auf mit diesem Gezank.“, bat er und sah zu Shawn, der den Kopf schüttelte und ein weiteres Bild von der Wand nahm. „Nein, Chris. Wir sind heute alle das letzte Mal unter diesem Dach vereint, ohne Frauen und ohne Kinder. Nur wir. Klären wir den Scheiß.“, sagte Corey und deshalb drehte Chris den Kopf wieder in den Raum, denn ausgerechnet Joey stand bei dem Fronter und nickte zustimmend. Corey hatte vor langer Zeit Joeys Exfreundin ein wenig zu sehr bekrabbelt und angemacht, das war so dermaßen explodiert, dass das einen Spalt in den Boden gerissen hatte, aus dem die Band nicht mehr rauskam. Und nun, nach all den langen Jahren standen die beiden Zankhähne brüderlich nebeneinander und vereinten sich gegen Shawns Wut auf alles und jeden, der sein Lebenswerk angekratzt hatte. „Drohen wir Shawn jetzt also doch wieder mit dem Ausstieg aus der Band, weil er auf Chris rumhackt?“, wollte Craig wissen und schmunzelte zu Sid, der mit der Zunge schnalzte. „Ihr könnt so viel drohen und meckern, wie ihr wollt. Meine Meinung dazu steht, ohne Elá wäre es nicht zum Verfall von innen heraus gekommen und ohne diese Frau würden wir heute nicht an diesem Punkt stehen.“, knurrte der alte Mann an der Wand der Fotos und warf ihm einen kühlen Blick zu, doch Chris nickte nur und besah sich wieder sein altes Hochzeitsfoto. „So ist es. Ohne sie wäre das Leben anders verlaufen, da gebe ich dir Recht. Aber Shawn, es war nicht Elás Tod, der die Band zerfetzte. Es war dein sturer Kopf und unsere goldenen Regeln, die das alles in Wanken brachten. Wisst ihr was, Jungs? Es ist mir egal geworden. Ich hab andere glückliche Wege in meinem Leben gefunden, die mich heute erfüllen und andere Sorgen, als euer Gemurre. Komm schon Sid, räumen wir unsere Erinnerungen auf und sagen diesem alten, mit Leben gefüllten Gemäuer ein letztes Mal Lebwohl.“ erklärte Chris und legte dabei das Hochzeitsfoto in seinen eigenen Karton, der hier auf dem Sofa stand und darauf wartete, gefüllt zu werden. „Du lässt uns alle also einfach so stehen? Ja, das sieht dir ja ähnlich. Alles dreht sich nur um sie, diese Frau hat dir Scheuklappen aufgesetzt und deshalb blendest du alles rundherum aus. Katastrophe, wäre sie nur niemals in unser Land gekommen.“, murrte Shawn und diesmal blieb es still, weil Corey nach Joey griff und Chris aufstand, um die ersten Bilder von der Wand vor sich zu nehmen. „Wer wird Pauls Gitarre bei Sandy abgeben?“, fragte er Shawn ignorierend an Sid gewandt, der den Wink mit dem Zaunpfahl verstand und die Gitarre kurz betrachtete. „Ich mach das. Damian wird sie wohl erben, denke ich.“, brummelte Joey hinter ihnen und tja, so sah das Verhältnis innerhalb ihrer einstigen Familie nun einmal aus. „Kotzt ihr mich an.“, brummte Shawn genervt und warf noch ein Foto auf dem Boden, es war ein Foto von Joey und Lynn, die ebenfalls schon so lange nicht mehr lebte. „Danke, gleichfalls.“, sagte Corey genervt und ließ somit wieder Schweigen in den Raum ziehen. Ein Schweigen, welches Chris jedoch nicht mehr belastete. Elá als Grund vorzuschieben war nur eine Ausrede für den eigentlichen Druck innerhalb der Neun, sie waren alt und nicht mehr in der Lage, das Schicksal mit diesem Leben auf der Straße zu vereinen. Es war okay geworden, das bestätigte ihm auch Sids Blick, der nun ein Foto von Elá und Mina anlächelte und es vorsichtig in seinen Karton gleiten ließ. Die Band hatte einen Abschluss gefunden, sie gingen alle ihrer Wege und wussten nun, auf wen Verlass war und auf wen nicht. „Fünf Kinder hab ich in diese Welt gesetzt. Dreimal musste ich zusehen, wie Marisa eine Schwangerschaft unterbrechen musste und der Tod meiner geliebten Frau und meiner Tochter hat mich nicht so zerrissen. Ja selbst Sid steht mit gefestigtem Stand im Leben und trauert wie jeder normale Mensch auch, nur du hast dich von ihr zerstören lassen. Ich verstehe das nicht, Chris.“, sagte Shawn in die Stille hinein nun sahen sie sich in die Augen, zum ersten Mal seit seiner Ankunft hier vor wenigen Stunden. „Zwei Wochen nach ihrem Tod hab ich ihre Medikamente geschluckt, 14 Tabletten auf einmal. Hab mich in die Badewanne gelegt und darauf gewartet, dass ich einschlafe und ertrinke. Ihre Stimme rief meinen Namen, ich schlug die Augen auf und sah sie über mir stehen, Shawn. Mit in die Seiten gestemmten Händen stand sie über mir und sah mich sorgenvoll an, das hat mir einen riesigen Schreck eingejagt und mir das Leben gerettet. Hast du Marisa jemals nach ihrem Tod vor dir stehen sehen?“, fragte er und räumte einfach weiter Fotos von der Wand, als Antwort erhielt er nur Stille. Nur Sid wusste bis heute von dieser Erfahrung in seiner alten Villa, es war so vieles im Verborgenen geblieben damals. „Tu mir einen Gefallen, Shawn, okay? Für mich, für uns, für die Familie. Laufe einen Monat jeden Tag 7 Meilen in meinen Schuhen und mit meinem Herzen, dann reden wir noch einmal darüber. Bis dahin freue ich mich auf meinen Enkel und lebe, so wie ich es die letzten 20 Jahre auch getan hab.“, fügte Chris an und sah wieder zu Sid, der neben ihm stand und an ihm vorbei linste. „Und wie ich trauere, das geht dich nichts an, mein Freund.“, meinte der ehemalige DJ und nickte langsam, damit waren ja alle Fronten geklärt. „Deinen Enkel? Ben wird Vater? Was ist denn mit Liana, ich dachte, die beiden seien auf großer Weltreise?“, fragte Corey nun hinter ihm, offenbar an Craig gewandt, der darüber grunzte. „Lebst du Trottel im Vorgestern?“, fragte Sid jedoch nach und darüber schmunzelte Chris nun, sah nochmal zu Shawn und zwinkerte dem Clown zu. So sah sein Leben nun einmal aus, er war ein alter Mann, der einen großen Umbruch im Leben zu erwarten hatte, dieses Gezank hier juckte ihn nicht mehr.


Belustigt über Coreys verdattertes Gesicht entzündete er sich eine Zigarette und sah zu Shawn, ehe er zu dem großen Gruppenfoto aufblickte und mit Zufriedenheit feststellte, das ihm das Gezank hier auch am Arsch vorbeiging. Sie alle waren jenseits der 50 angekommen und es war allen klar gewesen, dass das Leben als Band früher oder später mal ein Ende finden würde. Nun, das es so laut vonstatten gehen musste und so unschön, das war scheiße, aber was wollte man von neun unterschiedlichen Männern erwarten, die im Leben jeweils genug Scheiße gesehen hatten? Chris anzuprangern, so wie Shawn, Mick und Corey das seit Jahren machten war daneben und falsch, alle anderen wussten das hier. Doch der Perkussionist blieb mittlerweile cool und lächelte diesen Stuss nur noch weg. Diesen Vaterschaftstest hatte er damals ja auch ganz cool hier auf den Tisch gelegt und somit bewiesen, das Amelia die rechtmäßige Tochter von Sid war. Jesus, was hatte Mina damals gewütet über die wüsten Gerüchte rund um Chris und ihre Person, da sie in Ankeny Zuflucht mit den Kindern am Waldrand gesucht hatte und wie sehr hatte Sid über den Scheiß gelacht, den Shawn da verzapfte. Aus Spaß hatte er damals in die Runde gefragt, ob Jim und er selbst denn auch einen Vaterschaftstest für Ben und Amy ablegen sollten, waren sie ja alle irgendwie miteinander verflochten. Das hatte Mina nur noch wütender werden lassen, schmunzelnd erinnerte Craig sich an ihre giftig funkelnden Augen zurück. Sie fehlte ihm sehr, seine kleine Wildkatze, ohja. Und bald schon würde sein Enkel das Licht der Welt erblicken, Ben und Liana führten ein zurückgezogenes Leben in Neuseeland abseits der alten Spuren ihrer alten Eltern und das war gut so. Die beiden waren glücklich und im leben angekommen, schneller als erwartet, aber im Reinen mit sich. Es war schade, das Mina dieses Kind nicht mehr kennenlernen durfte, aber so war das Leben. Es nahm dir einst so geliebte Dinge und gab dir dafür neue, wunderbare Wunder. „Ben wird Vater, so ist es. Du kennst doch den alten Spruch, das sich ein Jahr nach der Hochzeit das erste Kind bemerkbar macht, Corey. Und ich bin wahrlich sehr stolz auf Ben. Mein Junge ist erwachsen und geht seinen Weg.“, antwortete Chris ruhig und überging die Frage nach Liana, deshalb hob Corey nun beide Augenbrauen in die Stirn, sah ihn mit großen Augen an und wartete wohl nun auf eine Antwort von ihm, doch Craig schmunzelte nur über diesen Blick. Liana war in den besten Händen und Ben war ein guter Mann, Craig hatte diese Liaison von Anfang an aufkeimen sehen und den Kern darin erblicken können. Den Kern, der Chris seit 20 Jahren am Leben hielt. Diese schräge Verbindung zweier Menschen, die zusammengehörten und die nur zusammen glücklich sein konnten, deshalb ließ er seine kleine Maus guten Gewissens in Bens Obhut und hatte dem Weg der Beiden voller Liebe zugestimmt. „Was?“, fragte er dennoch nach, da auch Joey ihn nun schief anblinzelte. „Sie wollen wissen, was mit Liana ist. Und ob es wahr ist, das Ben sie tatsächlich als seine Frau betrachtet und behandelt.“, meinte Chris mit vergnügtem Singsang in der Stimme und nun nickten sie alle, alle bis auf Sid, der schmunzelnd über seine Schulter blickte. „Wenn die beiden also tatsächlich noch zusammen sind und Eltern werden, wie wollen sie das denn auf der Straße handhaben? Ihr müsst die beiden nach Hause holen, sie unterstützen. Wie alt ist Liana, 18? Und Ben, er ist doch nicht mal volljährig, wie stellen die beiden sich das denn vor?“, fragte Corey besorgt nach und blinzelte zu Joey, der ebenso die Arme verschränkte. „Wer sagt denn, das die beiden noch auf der Straße unterwegs sind? Ja, Liana ist jung. Und sehr glücklich verheiratet mit Ben. Und nein, ich werde meiner erwachsenen, verheirateten Tochter sicher nicht vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen hat. Sie arbeitet, sie lebt und hat sich einen soliden Grund für ihr kommendes Leben gebaut. Wir waren letztes Jahr im Herbst bei den Beiden zuhause und haben ihr Haus und ihr Leben bestaunen dürfen. Also zerbrich dir nicht die hohle Rübe über Dinge, die längst entschieden wurden.“, antwortete Craig ruhig, schnippte die Asche von der Zigarette und sah wieder zu Chris und Sid, die beide ein Lächeln im Gesicht trugen. „Aha. Ihr seid nicht ganz dicht, wenn ihr glaubt, das die beiden zusammen eine rosige Zukunft in einem fremden Bundesstaat zu erwarten haben. Mittellos und mit Baby.“, murrte Shawn brummelig, worüber Chris nun grunzte. „Sie leben auf der anderen Seite des schönen Erdballs, Shawn, nicht in einem anderen Bundesstaat. Liana lernt neue Techniken als Tattookünstlerin und kann sich in ihrer Berufung weiterbilden, Ben hingegen lernt die Sprache der Einheimischen und geht in seinem Beruf beim Fernsehen voll auf. Die beiden sind glücklich mit ihrem Leben und sicher nicht mittellos.“, warf Chris in die Unterhaltung ein und sorgte für ein erneutes Raunen, worüber Craig nur wieder schmunzelte. Diese Idioten hatten doch selbst fast alle Kinder, was regten sie sich nun so auf? „Das hat klein Amelia sicher den Teppich unter den Füßen weggezogen, Bruder und Schwester auf diese Art zu verlieren. Armes Ding, wo ist sie überhaupt?“, wollte Shawn nun wissen und dieses Mal ließ Sid eines der Bilder fallen, eher aus Schreck als aus Berechnung. „Sie sind keine Geschwister und wärst du nicht so blind vor Wut, hättest du ihre Hochzeit letztes Jahr besucht. Hättest mich in den Arm genommen, nachdem meine Frau eingeschlafen war und hättest gesehen, wie unser Leben mittlerweile aussieht. Meine Tochter ist ebenso glücklich verheiratet wie Ben und Liana es sind. Also lass sie raus und Schluss jetzt, euer blödes Gezeter geht mir auf den Sack.“, motzte der DJ los und lief zur Tür, um zu verschwinden. „Autsch, wunder Punkt getroffen, Shawn.“, murmelte Mick, weshalb Craig sich nun aufrichtete. „Genau, wunder Punkt getroffen. Bei allen von uns, also haltet eure Backen und lasst uns um Mina trauern, auch wenn euch das wohl nicht juckt.“, warf er ein, drückte seine Zigarette aus, stand auf und half Chris dabei, die Bilder ein- für allemal abzuhängen. Das Gezank nervte, da musste er Sid definitiv Recht geben.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast