Es war eine dunkle und stürmische Nacht

GeschichteHorror / P12
01.09.2020
01.09.2020
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Es war eine dunkle und stürmische Nacht.
Plötzlich knallte ein Schuß. Ein Wolf heulte. Ein Käuzchen schrie.
Der kleine Junge, der in der Kate bei Husum aufwuchs, fürchtete sich, obwohl er schon sieben Jahre alt war, und obwohl der Ziehvater gesagt hatte, "Fürchte Dich nicht, Gott wird Dich schützen."

Das war vor zwei Tagen gewesen. Und er hatte noch mehr gesagt: "Wenn ich in drei Tagen  nicht zurück gekommen bin, geh ins Dorf zu Tante Magda. Du wirst die ganze Zeit Deine Alltagskleidung tragen und im Keller schlafen. Wenn Leute rufen und klopfen, öffne nicht die Tür."

Und er hatte noch mehr gesagt: "Was tust Du im schlimmsten Falle?"
-"Ich nehme den Rucksack und gehe nach Hamburg. Hamburg liegt im Süden. Ich lasse mich von niemandem sehen und bleibe dort."
-"Sehr gut", hatte der Ziehvater gesagt. "Du bist ein guter Junge." Er hatte ihn gesegnet und war gegangen.

Der Schuß war schlimm gewesen, aber er war nicht "der schlimmste Fall".
Leute waren gekommen, sie hatten gerufen und geklopft, er hatte nicht geöffnet. Am dritten Tage war der Ziehvater nicht zurückgekommen, und abends hatte der kleine Junge seinen Rucksack genommen und war zu Tante Magda gegangen. "Du kannst nicht bleiben", hatte sie gesagt. "Wenn sie Dich hier finden, sind wir alle tot."
Sie hatte ihm Wasser und ein großes Schinkenbrot gegeben und die Tür vor ihm geschlossen.

Das war "der schlimmste Fall".
Das war der Augenblick, in dem er aufwuchs. Er konnte kein kleiner Junge mehr sein. Ab diesem Augenblick war er ein großer Junge.