Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Fass mich an und du landest in Ziegenscheiße

KurzgeschichteDrama, Humor / P16 / Het
Der Professor / Sergio Marquina Raquel Murillo
01.09.2020
01.09.2020
4
9.400
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
01.09.2020 2.061
 
Hey ihr Menschen!
Das hier ist meine erste Fanfiktion in diesem Fandom. Ich hatte sie schon einmal hochgeladen und dann wieder gelöscht, da ich die Kapitel aufteilen wollte. Hier ist aber die neue Version und nach wie vor gilt: Viel Spaß beim Lesen
Melli


***

“Fass mich an und du landest in Ziegenscheiße“

***


Italien. Es waren noch ungefähr drei Wochen bis zu dem besagten Termin, an dem Sergio und seine Gruppe mit Lissabon nach Spanien reisen würde, um in Madrid in die Bank von Spanien einzubrechen. Naja okay, Sergio würde mit Lissabon die Bank nie betreten, aber zusammen würden sie die Gespräche mit der Polizei führen, während die Gruppe um Tokio das Gold schmelzen würde.

Davor standen aber noch einige Dinge an. Neben den letzten Unterrichtsstunden die Sergio noch erledigen musste, gab es noch die letzten feinen Details und Fragen, die geklärt werden musste. Außerhalb musste noch eine kleine Sache erledigt werden, von der Raquel noch nichts wusste. Sergio hatte er es ihr nicht früher gesagt, da es sonst nur Drama geben würde. Das würde es zwar jetzt auch geben, wenn Sergio es seiner Freundin, oder Frau, wie er sie immer nannte, erklärte, dass sie Raquels Blut brauchten.

Ja, Raquels Blut. Sergio musste einen kleinen Koffer vorbereiten, in dem sich DNA-Material von sich und Raquel befand, damit Marseille, sollte er einen Unfall bauen müssen, falsche Spuren legen konnte, die Sergio und Raquel mehr Zeit verschaffen würde, falls es um Leben und Tod ging. Nur da gab es dieses klitzekleine Problem, dass Raquel eine Nadelphobie hatte und Sergio absolut nicht wusste wie man mit so etwas umging, da er nie dieses Problem hatte. Durch die lange Zeit im Krankenhaus hatte er nicht mehr gezählt, wie oft Schwestern und Ärzte ihm einen Zugang gelegt hatten oder wie oft er gesehen hatte, dass Blut in diese kleinen Blutröhrchen floss, damit die Ärzte es untersuchen konnten. Sergio war die Nadeln gewohnt, anders als Raquel, die schon Probleme damit hatte, wenn sie sich mit einer Nähnadel in den Finger stach.

Deswegen war es auch so, dass jeder davon wusste, außer Raquel, die wie immer hinter dem Papier Modell der Bank von Spanien stand und aufmerksam dem Unterricht ihres Freundes lauschte, der abwechselnd mit Palermo sprach, Dinge zeigte und an die Tafel deutete, wo neue Zettel hangen oder Dinge standen, welche die anderen auswendig lernen mussten. Dieses Kloster würde man hoffentlich nicht so schnell finden, ansonsten hätte Sergio verloren. Er und seine Gruppe wäre damit am Ende.



„Okay, ich denke wir beenden hiermit den Unterricht. Das Mittagessen wartet und ich habe die ersten Mägen knurren gehört“, meinte Sergio ruhig und deutete noch einmal kurz auf die Tafel, die voller Zettel und Bilder waren. Anschließend wanderte sein Blick zu dem Glaskasten, in dem sich das, mittlerweile abgestandene, Wasser befand, welches er nie ausgeleert hatte. Martin war dem Anschein nach auch zu faul gewesen. Naja, irgendwann würde es Lissabon schon machen. Spätestens, wenn es anfing zu stinken.

„Endlich. Ich dachte ich muss in der Ecke sterben“, meinte Raquel plötzlich. Sergio wäre um ein Haar zusammengezuckt. Immer wieder vergaß er, dass seine Freundin hinter ihm stand oder saß, um den Unterricht mit zu verfolgen. Manchmal durfte sie aber auch etwas sagen, die meiste Zeit aber, schenkte sie Sergio nur einen vielsagenden Blick. Er wusste, dass er sich manchmal widersprach. Besonders, wenn es um persönliche Beziehungen ging. Gefühlt jeder hatte zu irgendwem eine persönliche Beziehung.

„Ich verhungere wortwörtlich“, meinte Palermo und stand auf. Den Stuhl ließ er schön nach hinten gleiten, damit es laut über den Boden schliff. Raquel kniff die Augen zusammen.

„Na dann lasst uns gehen.“ Helsinki hatte den Sessel auch nach hinten geschoben und den Raum schon fast verlassen, als ihm alle folgten. Raquel wollte gerade an Sergio vorbei gehen, um auch an Essen zu kommen, bevor es weg war, als sein Arm sie davon aufhielt.

Normalerweise verließen alle die Klasse, außer Sergio, der entweder die nächste Stunde vorbereitete, oder noch aufräumte, wenn es ein Chaos entstanden war. Manchmal musste er auch noch kurz mit einzelnen Menschen sprechen, aber meistens genoss er die kurze Zeit alleine, wo er so sein konnte wie er war, ohne, dass jemand sein Verhalten komisch oder besonders fand. Außerdem schaute dann Raquel nicht komisch, wenn er sein Buch über irgendein wissenschaftliches Thema las. Was sie nicht weiß, machte sie auch nicht heiß.

„Alles okay Schatz?“, fragte sie leise, als sein Arm sich nicht wegbewegte und der Abstand zu den anderen immer größer wurde. Ihre Blicke lagen auf seinem Arm, den er keinen Millimeter bewegte. Er zitterte nicht einmal leicht. Typisch Sergio. Er trainierte viel, auch, wenn man es ihm nicht ansah. Aber manchmal stand er früh auf, um Stunden auf einen Boxsack einzuschlagen, bis Raquel ihn irgendwann dazu zwang eine Pause zu machen, damit er mit der Gruppe frühstücken konnte.

„Ich muss kurz mit dir reden“, meinte er leise, als er sich aus seiner Starre gelöst hatte. Manchmal versank er in seinen Gedanken. Sein Kopf drehte sich zu Raquel, ehe er einen Schritt vor sie machte und den Weg zur Tür versperrte. Automatisch ging Raquel einen Schritt zurück.

„Na dann kannst du das tun“, sie musste Grinsen, als er mit einem kleinen Schnips zwischen seine Augen, seine Brille wieder nach oben schob. Raquel konnte ihm stundenlang zusehen, wie er das tat. Zum Glück tat er es recht häufig. Sie hatte es das eine Jahr wirklich vermisst, nachdem Sergio geflohen war. Umso mehr war sie in ihn vernarrt, als er kurz nach ihrer Ankunft in Palawan, seine Brille wieder nach oben stupste.

Ihre Hände legten sich um seinen Nacken. Sie zog sich an ihm leicht nach oben, nur, um ihm einen schnellen Kuss auf die Lippen zu drücken. Manchmal war viel zu wenig Zeit um Sergio zu küssen, ohne, dass ihm etliche Menschen zuschauten. Auch, wenn jeder wusste, dass die beiden ein Paar waren, versuchte er seine Liebe privat zu halten.

Sergio lächelte auch, nachdem er den Kuss erwidert hatte. Da Raquel kleiner war, musste er seinen Kopf nach unten beugen, gleichzeitig zog er sie mit seinen Armen näher an sich und hob sie leicht nach oben, damit seine Lippen ihre Lippen berühren konnten.

Kleine Menschen waren schon süß. Anschließend verharrte er mit seinem Arm da und genoss die Stille, als Raquel ihren Kopf gegen seine Brust lehnte.

Fast war es wie, als würden sie in einem Bett liegen und schlafen. Nur, dass die Schwerkraft beide auf den Beinen hielt.

„Was ist los Sergio?“, fragte sie nach, als sie sich löste. Sein Blick war ernst, dennoch hatte er irgendwas verliebtes an sich.

„In drei Wochen ist der Überfall“, fing er an. Raquel nickte. Ja, das hatte er ihr mittlerweile oft mitgeteilt und, dass sie manchmal viel zu unkonzentriert war. Aber was sollte er auch schon erwarten? Niemand hörte gerne zu wie in Zeiten von der Schule. Sie war auch nur eine erwachsene Frau, die dem ganzen Tag ihrem bezaubernden Mann zuschauen musste. Da kam man schon einmal auf andere Gedanken, die viel lustiger waren als in einer Kapelle zu sitzen während man zuhören musste.

„Marseille wird unser Joker sein und uns von außen unterstützen“, meinte Sergio weiter. Raquel nickte wieder. Das wusste sie doch alles schon. Aber wenn er es nochmal erzählte, dann machte es ihn irgendwie heißer als sie es sich hätte vorstellen können.

„Wenn du Sex haben willst, kannst du das auch einfach sagen, Schatz. Du musst nicht erst deinen Plan erzählen, wie am Abend. Du kannst mich einfach an die Wand drücken und küssen“, grinste sie süß. Ihre Hand nahm seine, welche sie anschließend drückte.

Sergio sah sie verdutzt an. Eigentlich hatte er das nicht gemeint, aber der Gedanke war trotzdem schön. Nur tat das nichts zur Sache. Nicht jetzt. Irgendwie hatte es den Professor auch aus seinen Gedanken gerissen.

„Ich will jetzt aber keinen Sex haben“, meinte er ruhig. Vielleicht nahm er auch einen Sicherheitsabstand ein, nicht, dass sie auf komische Ideen kam. Die Kapelle war nicht der richtige Ort um Sex zu haben. Er war traditionell. Traditionell im Bett. Wieso rutschten seine Gedanken jetzt dahin ab?!

„Oh, wieso willst du dann mit mir reden?“, sie legte den Kopf schief und drückte die Lippen aufeinander. Ihre Hand ruhte außen auf seiner, die Finger waren dabei fest umschlossen. Sergio schloss die Tür.

„Marseille wird uns von außen helfen und Telefonate verbinden, aber er wird auch da sein, sollte einer von uns abgeholt werden müssen. Aber zur Tarnung brauchen wir Blut. Blut von dir und mir“, murmelte Sergio.

Eine Augenbraue hob sich auf Raquels Gesicht. Was auch immer er von ihr wollte, sie würde da nicht mitmachen.

„Na dann bestell doch Blut im Internet? Es muss ja nicht von uns sein? Das hat doch keinen Sinn“, sie legte ihren Kopf schief, verschränkte aber beide Arme vor ihrem Körper. Immer wieder sah er, wie sich ihr Brustkorb hob und senkte. Raquel hasste Nadeln, aber noch viel mehr hasste sie Blut.

„Das geht nicht. Dein Blut ist nicht wie meines. Jeder hat eine andere DANN. Wir brauchen also deines. Sollte Marseille eine falsche Spur legen müssen, damit wir alle in Sicherheit sind. Deswegen brauche ich dein Blut. Ich nehme mir meines auch ab“, meinte er ruhig. Wieder stupste er seine Brille nach oben, die immer mehr nach unten rutschte.

„Ich lass mir sicher kein Blut abnehmen. Du wirst es sicher auch nicht tun. Kannst du vergessen Sergio. Dein Blut reicht aus“, meinte Raquel schnell. Sie wollte ihn auf die Seite schieben um Essen zu gehen, aber Sergio blieb wie ein großer Stein vor der Türe stehen. Sie konnte ihn nicht auf die Seite schieben. Dadurch war sie in dem Klassenraum gefangen.

„Raquel bitte. Das ist ein kurzer Schmerz und eine kleine Nadel. Du musst auch nicht hinschauen“, erklärte er ihr weiter. Zwei Hände legten sich auf je eine ihrer Schultern. Er musste sie einfach beruhigen.

„Nein Sergio. Ich lasse mir kein Blut abnehmen. Ich liebe dich wirklich sehr. Du hast mein Leben komplett gemacht, aber du bist kein Arzt. Ich lasse ja nicht einmal wirklich Ärzte an mich ran, also wieso denkst du dann, dass ich dich Blut abnehmen lasse?“, sie nahm Abstand von ihm. Vielleicht würde es ja mit Anlauf klappen Sergio aus dem Weg zu schaffen. Ihre ganzen Handgriffe konnte sie ja noch immer. Ganz so sinnlos war die Zeit bei der Polizei sicher nicht gewesen. Aber Sergio war stark und sie hatte ihm alles gezeigt. Er konnte sie also genauso bewegungsunfähig machen.

„Doch Raquel. Wir brauchen dein Blut genauso. Ich weiß echt nicht, was dein Problem ist“, meinte er. Sein Blick veränderte sich einen etwas strengeren Blick. Okay, sie konnte tun und lassen was sie wollte, bei dem Blick hatte sie sowieso keine Chance. Er würde es für sie Regeln. Besser gesagt, würde er sie regeln. Raquel wusste, dass Sergio fest durchgriff, wenn es sein musste.

„Das Problem ist die Nadel. Ihr braucht mich nicht. Dein Blut reicht doch, wenn ein Unfall passiert, dann soll er halt doppelt so viel von dir verteilen, so ich bin raus aus der Sache“, eine Augenbraue zog sie nach oben. Niemand. Wirklich niemand würde sie anfassen und sich ihr Blut schnappen.

„Doch es macht einen Unterschied, wenn Marseille ein Auto Schrott fährt und überall mein Blut ist, dann müsste auch deines am Unfallort sein. Wieso sollte dir auch nichts passieren? Du bist kein Engel“, meinte Sergio klar. Ja, da hatte er recht. Sie war vielleicht sein Engel, aber am Ende war sie immer noch nur ein Mensch.

„Vielleicht bin ich schnell genug ausgestiegen?“, fragte sie nach. Es war eine Fangfrage, aber er nahm sie ernst. Sergio nahm alles ernst, oder zumindest viel zu viel.

„Dann wäre da noch mehr Blut als nur ein bisschen was in dem Auto“, meinte er genauso ernst wie er es immer war. Raquel musste grinsen. Sie wusste, dass er so ernst antworten würde.

„Okay, ausnahmsweise darfst du mir Blut abnehmen, aber nach dem Essen erst. Ich verhungere sonst. Außerdem will ich nicht, dass Palermo die ganze Paella aufisst“, meinte sie versprechend. Sergio nickte. Um das Gespräch zu beenden drückte er ihr einen kurzen Kuss auf die Stirn, wich dann zur Seite, so, dass sie vor ihm den Raum verlassen konnte. Wenn das nicht zu einfach gewesen wäre, dann hätte sich Sergio nicht schon im Gedanken eine kleine Notiz geschrieben, dass Raquel vielleicht doch noch einen Fluchtversuch unternehmen würde. Sie war nie so einfach rum zu kriegen. Nicht bei sowas.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast