Shadows of Desire

GeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
Engel & Dämonen
01.09.2020
30.09.2020
18
32.078
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16.09.2020 1.709
 
Es war das erste mal seid sie mit Lilith zusammen war, dass sie alleine ausging. Aus irgendwelchen Gründen, die Lilith nicht länger erläutern wollte, hatte sie keine Zeit. Helena war frustriert. Sie hatte bereits seid einiger Zeit das Gefühl, dass Lilith ihr immer mehr verheimlichte. Sie reagierte hart und abweisend, wenn man sie darauf ansprach. Tatsächlich war Helena bereits der Gedanke gekommen, ob sie untreu war. Sie versuchte den Gedanken zu verdrängen, weil sie nicht wusste, ob sie es überleben würde, eine weitere wertlose Figur in ihrer Sammlung zu sein. Die letzten Monate, waren nicht nur die schwersten, sondern auch schönsten in ihrem Leben gewesen. Zuerst hatte Helena sich frustriert, mit einem Buch auf die Couch flüchten wollen, doch dann sah sie es gar nicht ein, wegen Lilith zuhause zu bleiben. Sie hatte Lust unter Leute zu kommen und vielleicht würden diese ja sogar mit ihr sprechen, wenn Lilith nicht dabei war. Auch wenn sie versuchte sich etwas anderes einzureden, hatte sie trotzdem ein schlechtes Gewissen und traute sich nicht einmal ein Kleid anzuziehen, welches ihren Busen betonte. Obwohl es überhaupt nichts schlimmes war und obwohl sie keine Hintergedanken dabei hatte, alleine in die Bar zu gehen, fühlte es sich bereits jetzt so an, als würde sie Lilith betrügen. Helena schüttelte diese Gedanken ab und entschied sich für ein schlichteres Kleid. Ein wenig nervös war sie schon. Immerhin hatte sie sich in der letzten Zeit ausschließlich gemeinsam mit Lilith präsentiert.

Sie merkte es an den abfälligen Blicken, die ihr die anderen teilweise zu warfen. Sie bemerkte es dadurch, dass sich niemand zu ihr setzten wollte, als sie an die Theke trat. Bei ihrem ersten Besuch, waren sie alle sehr freundlich zu ihr gewesen. Jetzt wo sie zu Lilith gehörte, schien es als wäre es eine Ausgestoßene. Sofort musste Helena daran denken, wie auch Cat über Lilith dachte und so langsam kam es ihr vor, als würde außer ihr selbst niemand mit der dominanten Frau zurecht kommen. Und selbst sie hatte mit manchen Dingen ihre Schwierigkeiten. Helena seufzte. Wahrscheinlich wäre es eine ganze Ecke einfacher gewesen nicht ihre Freundin zu sein. Aber ihr Leben verlief nun mal nicht mehr einfach, seid sie sich dazu entschieden hatte, zu sich selbst zu stehen. Ihr Weg war steinig und manchmal zweifelte sie an sich selbst und ihren Entscheidungen und trotzdem, konnte sie endlich sie selbst sein und Helena wurde bewusst, wie wichtig dies eigentlich für sie war. Und immerhin, hatte sie doch schon einiges erreicht. Ihre besten Freunde hatten ihre Sexualität einfach so hin genommen, sie hatte es endlich geschafft, ihren bescheuerten Job zu kündigen und sie war stark genug gewesen, ihren Eltern endlich die Meinung zu sagen. Eigentlich hätte sie sich stark fühlen müssen. Eigentlich lief es doch gar nicht so schlecht. Doch Helena hatte so ein komisches Gefühl in der Magengegend, ein Gefühl, dass sich schon bald als richtig herausstellen sollte.

Es war noch relativ früh, als sie die Bar wieder verließ, weil sie sowieso kaum einer beachtet hatte. Helena hatte ziemlich schlechte Laune und wollte einfach nur nach Hause. Sie war bereits fast an ihrem Auto, als sie unfreiwillig ein Gespräch mit anhören musste. Eigentlich wollte Helena ins Auto steigen und verschwinden, doch als sie sich sicher war, dass Liliths Stimme zu einer der beiden Frauen gehörte stockte sie. Zwischen dem Parkplatz und den beiden Frauen, lag ein Gebüsch, sodass sie Helena noch nicht bemerkt hatten. Noch nie zuvor, hatte Helena es für nötig gehalten andere zu belauschen und auch jetzt fühlte es sich nicht richtig an Lilith hinterher zu spionieren. Doch es war beinahe so, als hätte sie keine Kontrolle mehr über ihren Körper, als hätte er ihr die Entscheidung längst abgenommen. Langsam schlich sie näher und achtete darauf, bloß keine Geräusche zu machen. Die Frau, mit der Lilith scheinbar Streit hatte, war sehr hübsch. Natürlich. Helena hätte darauf wetten können, dass es eine ihrer zahlreichen Ex Freundinnen war. Sie unterdrückte ein Schnauben, immerhin wirkte es nicht so, als wäre Lilith in der Stimmung fremd zu gehen. Tatsächlich hatte Helena sie noch nie so angespannt gesehen. Lilith wirkte immer so, als hätte sie alles unter Kontrolle und das hatte sie ja auch. Sie drehte sich alles so wie es ihr gefiel. Sie so fassungslos zu erleben, war für Helena etwas völlig neues und es war auch beängstigend. Die fremde Frau hingegen schien sich zu amüsieren. Es gab kaum einen, der bei Lilith mit Worten irgendetwas bewirken konnte. Doch diese Frau schien es zu können. Helenas Herz raste. Zum ersten mal wurde ihr bewusst, dass Lilith nicht nur wunderschön wirkte sondern, dass auch eine gewisse Gefahr von ihr ausging. Helena versuchte das Gespräch zu verfolgen, wobei es für sie sehr schwierig war, das gesagte auch zu verstehen.

"Du kannst ihm von mir ausrichten, dass mir seine Drohungen am Arsch vorbei gehen", meinte Lilith und es war nicht zu überhören, wie wütend sie war. "Das wirst du ihm bald selbst sagen können, Lilith", meinte die andere Frau und verschrenkte die Arme ineinander, um besonders gelassen auszusehen. "Scheinbar ist dein Hirn seid damals nicht wirklich gewachsen, Calea. Ansonsten würdest du mich nicht noch bedrohen, bevor du die Jagd auf mich für eröffnet erklärst", höhnte Lilith doch Helena konnte auch eine Spur von Unsicherheit heraus hören. Ob Calea es auch konnte?
"Mach dich nicht lächerlich, Lilith. Ich komme mit einem Angebot. Dein Vater bietet dir an, freiwillig in die Unterwelt zurück zu kehren." Helena puhlte in ihrem Ohr herum, weil sie sich ziemlich sicher verhört hatte. Doch das Gespräch schien einfach nicht normaler werden zu wollen.
"Warum zur Hölle sollte ich darauf eingehen, Calea? Ich bin gerne auf der Erde." Calea stieß ein gehässiges Lachen aus.
"Seid wann bist du denn so naiv, Lilith? Hat das Menschenleben dich weich gemacht? Dein Vater wird über Leichen gehen, um das zu bekommen, was er will. Zumindestens was das angeht seid ihr euch verdammt ähnlich. Und was willst du dagegen tun. Du wirst nicht alles und jeden beschützen können, der dir etwas bedeutet." Ihre Stimme klang weich und beinahe liebevoll und doch konnte Helena heraus hören, wie falsch sie war. Lilith baute sich bedrohlich vor Calea auf und Helena hätte in diesem Moment nicht sagen können, wen sie mehr fürchtete. Beide strahlten etwas unglaubliches aus. Etwas was jeglicher normalen Realität fern lag. Helena wurde so langsam bewusst, dass das was sie gerade sah Wirklichkeit war und dass sie nicht träumte. Dass Calea tatsächlich ein weiblicher Dämon war und Lilith bedrohte. Und das Lilith....Nein Helena konnte es nicht ausprechen. Sie konnte es nicht einmal denken. Wie oft hatte sie diesen Menschen, der überhaupt kein Mensch war in Schutz genommen? Wie oft hatte sie ihr Verhalten verteidigt. Helena wurde klar, dass sie benutzt worden war. Dass Lilith mit ihren Gefühlen gespielt hatte. Zwar hatte sie keine Ahnung, welchen Nutzen sie daraus gezogen hatte doch dies erschien auch ersteinmal zweitrangig. Cat hatte recht gehabt. Cleo hatte Recht gehabt. Sogar Elaine, hatte sie warnen wollen doch sie war nicht in der Lage gewesen, einem von ihnen zuzuhören. Geblendet und verraten von einem Dämon, der sie nur für seine Sammlung wollt. Vielleicht ernährte sie sich davon. Was wusste sie schon? Sie war nur ein Mensch. Lilith war für sie unerreichbar. Sowie sie es bereits die ganze Zeit vermutet hatte. Lilith und Calea sprachen immer noch und Helena schien eine ganze Menge verpasst zu haben.
"Ihr werdet schon noch sehen, was ihr davon habt, Calea", meinte Lilith genau in dem Augenblick, als Helena beim versuch zurück zu weichen, über eine Wurzel fiel und sich dabei bemerkbar machten. Beide Frauen sahen zu ihr herrüber und Helena sah in Liliths Augen, dass sie wusste, dass sie gelauscht hatte. So schnell war Helena wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben wieder auf die Beine gekommen.

"Leyna warte!" Helena spürte, dass Lilith ihr folgte doch sie warf keinen Blick zurück, während sie zu ihrem Auto stürmte. "Helena bitte, lass mich doch erklären..", versuchte sie es erneut. Helena wirbelte umher und sie hasste sich selbst dafür, dass sie weinte.
"Nein da gibt es nichts zu klären, Lilith. Du hast mich von Anfang an nur belogen." Helena war so verletzt, dass sie ihre Gefühle nicht einmal hätte beschreiben können. Alles lief irgendwie auf Macht hinaus, zumindestens was Helena von dem Gespräch mitbekommen hatte.
"Und dann wunderst du dich, dass ich es dir nicht erzählen wollte? Ich habe gewusst, dass du so reagierst", schrie Lilith Helena hinterher und man hörte, wie frustriert sie war. Obwohl Helena ziemlich verletzt war, blieb sie stehen und sah der Dämonin in die Augen.
"Ich bin nicht sauer auf dich, weil du aus der Hölle kommst, Lilith", fauchte sie. "Obwohl es erstaunlich passend ist. Ich bin sauer, weil du mich nur benutzt hast, für deine eigenen abscheulichen Zwecke. Ich war naiv genug zu glauben, du würdest mich lieben!" Nun schrie Helena fast und sie hatte das Gefühl, es nicht länger ertragen zu können in Liliths Nähe zu sein. Die gesamten letzten Wochen, die so wichtig für Helena waren, waren nichts weiter als eine Lüge. Doch als sie in ihr Auto steigen wollte, hielt Lilith sie am Arm fest.
"Du hast Recht", meinte sie leise. "Was ich getan habe war abscheulich. Alles was ich kannte war die Dunkelheit. " Helena wusste nicht wirklich was sie mit diesem Eingeständnis anfangen sollte.
"Aber ich bin bereit mich für dich zu ändern, Ley. Für uns. Am Anfang mag ich dich benutzt haben doch dann habe ich gemerkt wie besonders du bist. Ich habe nicht daran geglaubt, als dunkles Wesen so fühlen zu können." Helena erstarrte. Was Lilith da sagte klang so wundervoll. Und doch irgendwie falsch in ihren Ohren. Eine Dämonin, die versuchen wollte gut zu sein? Wahrscheinlich war es nichts weiter als eine ihrer Manipulationen.
"Wenn du mich wirklich liebst, dann sollte Macht nicht länger wichtig für dich sein, Lith. Gib mir einen Grund dir zu glauben und ich denke vielleicht darüber nach." Dieses mal hielt niemand sie auf, als Helena in ihren Wagen floh, mit Tränen in den Augen und voller Verzweiflung, weil sie ahnte in wen sie sich da verliebt hatte.
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