You are so beautiful

von Shally
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Paul Landers Richard Kruspe
01.09.2020
21.10.2020
5
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01.09.2020 5.258
 
You are so beautiful

Hallo alle miteinander!
Ich hatte in den letzten Tagen eine einigermaßen kreative Phase und dabei ist nun dieser kleine OS rausgekommen. Vielleicht kommt auch noch ein zweites Kapitel, aber das hängt dann wohl davon ab, wie es euch gefällt :)
Denn ich hoffe wirklich, dass es euch gefällt!
In dieser Story musste ich leider unser liebes Paulchen ohne Arielle dastehen lassen und Reesh ist auch frauenlos unterwegs. Ich habe absolut nichts gegen deren Beziehungen (Paul und Arielle sind super cute), aber für diese Story mussten die beiden Herren leider single unterwegs sein. Ich bitte diesbezüglich um euer Verständnis.
Kleiner disclaimer: Die Personen gehören natürlich nur ganz sich selbst, ich verdiene hiermit kein Geld und die handlung ist allein meiner Fantasie entsprungen!

Genug gelabert! Ich wünsche ich viel Spaß beim lesen und hinterlasst doch gerne ein Review ^^
LG Shally

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„Leute?“

„Hm?“

„Ich lese hier gerade so einen Artikel. In Russland wurden zwei schwulen Männern ihre adoptierten Kinder weggenommen, nur weil sie schwul waren.“

Richard sah nun doch von seinem Notebook auf, als Paul das sagte. Auch die anderen vier richteten ihre volle Aufmerksamkeit nun dem Rhytmusgitarristen, welcher eben den Artikel angesprochen hatte. Warum sollte jemand zwei Vätern ihre Kinder wegnehmen, nur weil sie schwul waren? Richard konnte darüber nur leicht den Kopf schütteln und wartete dann darauf das sein Kollege weitersprach. Paul hatte nun auch gemerkt, dass die restliche Band ihm zuhörte und so nickte er kurz, bevor er weitersprach.

„Ich finde das schon krass. Also jemandem einfach so die Kinder wegzunehmen. Ich meine hier steht auch, dass einer der Männer die Kinder legal adoptiert hat und so. Findet ihr nicht, dass wir auf der Tour mal was Neues ausprobieren sollten, um sozusagen ein Statement dagegen zu setzen? Also ein Statement gegen Homophobie.“ Paul sah die anderen nun fragend und scheinbar etwas unsicher an, Richard konnte die Ausdrücke auf seinem Gesicht nicht so richtig deuten. Bei Pauls Vorschlag allerdings spürte er wie seine Kehle etwas trocken wurde und er sich leise räuspern musste.

„Wie genau stellst du dir das vor?“, meldete sich nun Schneider zu Wort. Paul zuckte mit den Schultern und rieb sich verlegen den Nacken. „Also dann wäre ich ja dafür, dass ihr beiden-‚‘‘, Schneider richtete seine Hände nun auf Paul und Richard, „-euch etwas einfallen lasst!“

„Was?“, brach es nun aus Richard heraus. „Warum ich? Das war Pauls Idee, soll er sich doch was einfallen lassen.“ Richard versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass er gerade sehr nervös wurde. Also das… Das lief jetzt absolut nicht nach Plan!

Richard hörte nun auch Till neben ihm zustimmend brummen und er musste sich nun zusammenreißen nicht einfach aufzustehen und zu gehen. „Kann mir jemand erklären, warum ich da jetzt mit reingezogen werde?“, fragte er also etwas patzig und merkte dabei das seine Stimme leicht kratzig war. Verdammte Scheiße.

„Naja… Schneider sitzt die ganze Zeit hinter seinem Schlagzeug, Till und Flake und haben schon ihre eigene Show auf der Bühne und ich steh‘ nicht so auf Rampenlicht.“, meldete sich nun auch Oliver zu Wort. Richard wollte gerade protestieren, als Till sich ebenfalls in das Gespräch einklinkte.

„Olli hat recht. Außerdem seht ihr auf der Bühne sowieso schon aus wie zwei Turteltauben. Also hab dich nicht so Kruspe und denk dir was gescheites aus.“ Richard gab es nun auf noch irgendwas sagen zu wollen und sank nur etwas weiter auf seinem Platz neben Till auf dem Ledersofa zusammen. Ganz toll. Wirklich. Er wollte sich gerade wieder missmutig seinem Notebook zuwenden, als er merkte wie ihn jemand ansah. Er hob den Blick und sah sofort das Paul zu ihm rüber sah. Richard verspannte sich etwas. „Was?“ Paul zuckte merklich zusammen und jetzt wurde es totenstill im Raum. „Ich… Ähm…“ Richards Blick verdunkelte sich weiter und dann reichte es ihm. „Wisst ihr was, ihr könnt mich alle mal!“, fluchte er dann und schnappte sich seinen Kram, bevor er aus dem Raum stürmte und die Tür lautstark hinter sich zu schmiss. Was zogen die anderen ausgerechnet ihn jetzt mit in diesen Scheiß hinein!? Nur weil Paul und er sich ab und zu auf der Bühne etwas anflirteten? Das konnten sie gleich wieder vergessen. Sollte Paul doch seinetwegen Olli auf der Bühne ficken, aber er hatte darauf keine Lust.

Die anderen blieben etwas verwirrt zurück und sahen sich unschlüssig an. Nur Till verdrehte die Augen und widmete sich wieder seinem Notizbuch. „Der kriegt sich wieder ein. Hatte wohl zu lange keinen Sex mehr.“

///

Richard war einfach raus ins Freie gestürmt und rauchte nun schon die dritte Zigarette. Wahrscheinlich dachten die anderen jetzt er hatte komplett einen an der Klatsche, weil er sich aufführte wie ein kleines Kind. Vor allem musste Paul denken, dass er auf einmal ein Problem mit dem Kleineren hatte. Leider nur war genau das Gegenteil der Fall, denn er-

„Reesh?“ Pauls zaghafte Stimme riss den Leadgitarristen aus seinen Gedanken und er schreckte zusammen. „Fuck’s sake! Erschrick mich doch nicht so!“, schnauzte er Paul dann sofort an und rieb sich über sein Gesicht, während er ein paar Schritte weiterging und seine Zigarette zu Ende rauchte. Musste nun ausgerechnet Paul hier raus kommen? Sie hätten genauso gut auch Schneider oder Flake schicken können, aber nein, es musste ja ausgerechnet sein Gitarristenkollege sein. Eben dieser Gitarristenkollege blieb, wo er war und musterte seinen Freund nur besorgt.

„Was ist los mit dir Richard?“, fragte er dann einfach. „Du bist doch sonst nicht so… Zimperlich… Hab‘ ich irgendwas falsch gemacht oder so? Wenn ja, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, um mir zu sagen was, denn falls du es noch nicht bemerkt haben solltest, wir gehen übermorgen auf Tour und ich hab‘ gerade echt keinen Bock auf Stress Kumpel.“ Paul ging nun doch langsam zu Richard, welcher sich schon die nächste Kippe angezündet hatte. Er brauchte dringend neue, seine Schachtel war fast leer…

Richard starrte nun nur auf einen unbestimmten Punkt am Boden und sagte nichts. Er musste sich erstens beruhigen und zweitens dringend eine Ausrede einfallen lassen, denn die Wahrheit kam nicht in Frage und Paul verdiente es auch nicht, dass er seine sinnlose Wut nun an ihm ausließ. Paul würde ihm wahrscheinlich erst eine reinhauen und ihn dann fragen was zum Geier bitte falsch mit ihm sei, wenn er ihm erklären würde, warum er gerade so empfindlich auf dieses Thema reagierte.

„Ich… Es ist nichts. Vergiss es einfach. Hab‘ nur ‘nen schlechten Tag, das ist alles.“, sagte Richard dann nur und zuckte mit den Schultern. Das war wohl die schlechteste Ausrede, die er hätte bringen können, aber es war ihm egal. Hauptsache er musste jetzt nicht darüber reden was sein Problem war. Je weniger Menschen davon wussten, desto besser. Und da zurzeit nur er allein wusste, worum es ging, war es perfekt so wie es war. Er sah aus dem Augenwinkel wie Paul die Stirn runzelte und seine Hände in seinen Hosentaschen vergrub. „Bist du sicher das alles okay ist? Du kannst immer mit mir reden Reesh, das weißt du.“ Im nächsten Moment spürte Richard wie Paul ihm eine Hand auf die Schulter legte und diese leicht drückte. Das führte dazu, dass er sich unwillkürlich anspannte und innerlich betete das Paul ihm jetzt nicht noch näherkommen würde, sonst könnte er für nichts mehr garantieren.

Paul allerdings interpretierte die Anspannung von Richard falsch und zog seine Hand schnell wieder zurück. „Komm wieder mit rein. Wir wollten noch die letzten Details durchsprechen.“, sagte der Kleinere dann nur noch leise, bevor er wieder nach drinnen in ihr Studio ging und Richard draußen stehen ließ.

Richard rauchte noch eine letzte Zigarette und versuchte seine Gedanken etwas zu beruhigen, um nichts Dummes zu tun, wenn er wieder da rein ging, bevor er sich überwinden konnte seinem Kollegen nach drinnen zu folgen und das restliche Treffen hinter sich zu bringen. Er hoffte einfach, dass die anderen ihn für heute mit ihrem tollen Plan in Ruhe lassen würden.

///

01.06.2019

Gedankenverloren sah Richard aus dem Tour Bus, der sie gerade vom Hotel zum RCDE Stadion in Barcelona brachte. Die ersten beiden Konzerte der Tour in Gelsenkirchen hatten sie erfolgreich hinter sich gebracht, die anderen hatten ihn glücklicher Weise nicht weiter mit ihrer Idee bequatscht und seit gestern waren sie nun in Barcelona. Paul hatte zum Glück noch keine Anstalten gemacht seine Idee, ein Statement gegen Homophobie zu setzen, auf der Bühne umzusetzen. Richard hatte erstens einfach keine Ahnung was die anderen, allen voran Paul, von ihm erwarteten und zweitens, wollte er verhindern Paul näher zu kommen, als es dringend notwendig war. Was sollten sie auch machen? Sich Umarmen? Nein, zu langweilig und das hatten sie schon tausend Mal auf der Bühne gemacht. Wangenküsse und andere harmlose Zärtlichkeiten hatten sie auch schon zur Genüge auf der Bühne vor tausenden von Menschen ausgetauscht. Es blieb also nur noch, dass sie sich richtig küssten. Allein bei dem Gedanken daran Paul zu küssen, wurde Richard heiß und er spürte wie seine Kehle trocken wurde. Er wusste nicht, ob er das konnte, ohne dabei mitten auf der Bühne einfach umzukippen oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Seit wie vielen Jahren träumte er nun schon davon Paul zu küssen? Ihm näher zu sein als alle anderen und ihm zu sagen was er für ihn empfand. Aber Paul würde es nie erfahren und das war auch besser so. Würden sie nicht so im Rampenlicht stehen und wäre er sich nicht sicher, dass Paul komplett heterosexuell ist, würde er es dem älteren vielleicht sogar sagen. Dann würde er ihm sagen wie sehr er ihn begehrte, dass er in jeder Minute an ihn dachte, dass er ihn berühren und ihn liebkosen wollte, dass er in der Öffentlichkeit seine Hand halten und ihn küssen wollte, dass er jeden Abend neben ihm einschlafen und jeden Morgen neben ihm aufwachen wollte.

Aber all das würde für immer in Richards Gedanken bleiben. Er wollte seinen besten Freund nicht verlieren. Denn das war alles was sie waren. Beste Freunde. Richard verzog leicht das Gesicht, wenn er daran dachte, mit wie vielen Frauen er in den letzten Jahren geschlafen hatte, nur um sich von Paul abzulenken. Seinem Paulchen… Dem einzigen Mann für den er ausnahmslos alles tun würde, ganz egal wie kitschig und verweichlicht das auch klingen mochte.

„Ey Scholle! Kommst du endlich? Wir sind da!“ Schneiders Stimme riss Richard mal wieder aus seinen Gedanken und er sah erschrocken auf. Er hatte gar nicht bemerkt, dass sie schon da waren.

Er stieg also schnell aus dem Bus und schulterte draußen seine Tasche, um den anderen nach drinnen zu ihren Umkleiden zu folgen. Tom, ihr Tourmanager, erklärte ihnen während sie nach drinnen gingen nochmal den Ablauf des Abends, doch Richard hörte nur halbherzig zu. Er kannte den Ablauf schon in- und auswendig und er war gerade sowieso viel zu abgelenkt, um sich lange auf eine Sache zu konzentrieren.

Die nächsten drei Stunden vergingen relativ schnell, sie spielten sich schonmal warm, machten ihre eigenen Aufwärmübungen und warfen sich in ihre Kostüme und Make-Up. Nachdem sie auch das Meet and Greet mit den Fans geschafft hatten, bei welchem Richard es mal wieder vermieden hatte direkt neben Paul zu stehen oder sich zu lange in dessen Nähe aufzuhalten, ging Richard nochmal schnell nach draußen zu den Trucks um eine letzte Zigarette vor dem Konzert zu rauchen und um seine Gedanken nochmal zu sortieren.

Er lehnte also gedankenverloren an der Wand neben dem Ausgang, als er hörte wie die Tür neben ihm sich öffnete und sich kurz darauf jemand neben ihn stellte.

„Hier bist du also. Ich hab‘ dich gesucht.“ Paul. Wer sonst sollte ihn so kurz vor einem Konzert auch noch stören….

„Jetzt hast du mich ja gefunden.“, gab der Leadgitarrist also nur zurück und zog an seiner Kippe, während er peinlichst genau darauf achtete seinen Kollegen nicht anzusehen.

„Reesh… Kannst du mich wenigstens mal ansehen, wenn ich mir dir rede? Du hast mich seit fast einer Woche nicht mehr angeguckt und so langsam kaufe ich dir nicht mehr ab, dass nichts mit dir ist.“ Paul klang etwas genervt und trotzdem besorgt. Wie konnte man gleichzeitig genervt und besorgt klingen? Das schaffte auch nur ein Paul Landers.

Richard atmete nun tief durch, bevor er zu Paul sah, er konnte ihn wohl doch nicht ewig ignorieren. Ihre Blicke trafen sich und Richard sah Paul sofort an, dass er ernsthaft besorgt war. „Es ist alles in Ordnung Paul. Wirklich.“, schaffte er es dann wenig glaubwürdig zu sagen.

„Du weißt ganz genau das ich kein Wort glaube von dem was du gerade gesagt hast.“ War ja klar… Nichts anderes hatte der Jüngere von Paule erwartet. „Reesh bitte. Du bist mein bester Freund und ich merke ganz genau das irgendwas nicht stimmt. Ich halte das langsam nicht mehr aus… Immer diese schlechte Laune von dir, du siehst mich nicht an, du verlässt sogar manchmal den Raum, wenn ich reinkomme! Irgendwas hab‘ ich falsch gemacht und ich-‘‘ „Gott verdammt, Paul! Du hast überhaupt nichts falsch gemacht!“, fuhr Richard nun laut dazwischen. „Es liegt nur an mir, kapiert!?“ Richard schnippte den Zigarettenstummel weg und raufte sich dann die Haare. Paul sah ziemlich überfordert und verwirrt aus. „Aber… Ich dachte es liegt an mir…“, murmelte er dann wahrscheinlich eher zu sich selbst und Richard sah nun wieder zu Paul, er hatte seinen Blick zwischendurch wieder von dem Kleineren abgewandt, hatte er es doch nicht ertragen können Pauls wütenden und enttäuschten Blick zu sehen.

„Ich… Es tut mir leid Paul, aber ich kann dir nicht sagen, worum es geht, es… Ach, ist auch egal… Wir sollten langsam wieder rein, es geht in zehn Minuten los und wir-‘‘ „Vergiss es Freundchen!“ Paul packte Reesh am Arm, um ihn davon abzuhalten sich wieder in die Halle zu verdrücken. „Wir bleiben so lange hier draußen, bis du mir sagst was zum Teufel mit dir los ist! Ich hab‘ keinen Bock mehr darauf das du andauernd vor mir weg rennst und versuchst dich vor mir zu verstecken! Zur Not darf das Publikum eben noch eine Stunde länger warten! Ich will verdammt nochmal die Wahrheit von dir hören, mir egal ob mir diese Wahrheit gefällt oder nicht!“

Richard sah seinen Kollegen ungläubig an und lachte dann auf. „Das kann nicht dein Ernst sein!“ Doch zu seiner Verwunderung zuckten nicht mal Pauls Mundwinkel und das obwohl er sonst eigentlich immer der war der die Scherze machte, er meinte es also wirklich ernst. Verdammt. Ihm blieben noch acht Minuten bis das Konzert begann und er konnte Paul unmöglich hier und jetzt sagen, warum er andauernd vor ihm weglief. Vor allem in den letzten Tagen… Richard versuchte verzweifelt sich eine plausible Ausrede einfallen zu lassen, aber er stand gerade so unter Stress, dass ihm beim besten Willen nichts Glaubhaftes einfiel, also schüttelte er erstmal Pauls Hand von seinem Oberarm, da der kleinere wirklich ganz schön zupacken konnte, wenn er wollte.

„Paul… Ich… Ich kann es dir nicht sagen, verstehst du…? Es geht einfach nicht… Es hat nichts mit dir zu tun und ich brauche einfach etwas Zeit, um damit klar zu kommen, das ist alles.“ Eine glatte Lüge. Als hätte es nichts mit Paul zu tun, beinahe hätte Richard über sich selbst gelacht für diese unglaublich dumme Lüge. Aber nur beinahe, denn dann sah er Pauls Gesicht und er musste schlucken. Jetzt war er wütend. Fuck.

„Seit wann fällt es dir so leicht mir ins Gesicht zu lügen? Es gab mal Zeiten da konnten wir beide über jeden Scheiß reden und jetzt? Jetzt tischst du mir eine Lüge nach der anderen auf und denkst ich merke es nicht!? Was soll das!?“ Paul war nun wirklich laut geworden und Richard konnte aus dem Augenwinkel sehen, wie einige von den Leuten, die im Backstage Bereich arbeiteten und jetzt nichts mehr zu tun hatten, da das Konzert gleich los ging, zu ihnen sahen. „Paul bitte, schrei mich nicht an!“

„Dann hör verdammt nochmal auf mich für dumm zu verkaufen! Ich dachte… Ich dachte du vertraust mir…“ Der Rhytmusgitarrist lehnte sich nun gegen die Wand und schloss scheinbar verzweifelt die Augen. „Ich kann das nicht mehr Reesh. Ich… Entweder du sagst mir jetzt was los ist oder das war es. Ich will nicht länger dieses Versteckspiel mit dir spielen. Für diesen Scheiß sind wir langsam zu alt…“ Richard stand wie vom Donner gerührt da. Das soll es gewesen sein? Wollte Paul Heiko Landers ihm gerade die Freundschaft kündigen, nur weil er ein verdammter Feigling war? Waren sie nicht längst aus dem Alter raus in dem man sich noch Freundschaften kündigte? Ein Blick auf die Uhr in der Nähe genügte, um Richard zu zeigen, dass er noch genau vier Minuten hatte, um eine Entscheidung zu fällen. Na gut, eigentlich hatte er noch eine Minute, denn in vier Minuten musst er auf der Bühne stehen und den Leuten eine geile Show bieten.

„Ach, fuck it!“, fluchte er dann leise zu sich selbst und bevor er es verhindern konnte, war er an Paul herangetreten und hatte seine Lippen auf die des kleineren Gitarristen gepresst.

Paul keuchte sofort erschrocken auf und stand stocksteif da, während Richard seine Hände an Pauls Wangen legte und ihn etwas näher zu sich zog. Der Kuss dauerte keine fünf Sekunden, doch Richard kam es vor wie eine Ewigkeit, in der er Pauls weiche Lippen zum ersten und wohl auch zum letzten Mal auf seinen eigenen spüren durfte.

„Jetzt weißt du es.“, sagte der Leadgitarrist dann nur leise, nachdem er seine Lippen wieder von Pauls gelöst hatte. Seine Hände lagen allerdings immer noch an den Wangen des anderen Mannes und er stand ebenfalls noch dicht an den anderen gepresst da. Paul war zwischen ihm und der Wand eingeklemmt und konnte sich keinen Millimeter rühren, er starrte Richard nur völlig fassungslos an.

Nachdem nach einigen Sekunden immer noch nichts passiert war, bekam Richard etwas Panik, weshalb er sich endgültig von Paul löste und zwei Schritte zurücktrat. „Ich… tut mir leid… Wir… Wir müssen jetzt rein…“, stammelte Richard dann etwas hilflos, weil er beim besten Willen nicht wusste was er jetzt machen sollte. Paul stand immer noch regungslos da und starrte Reesh an als wäre er ein Geist. „Paul… bitte… Ich weiß, das kam jetzt wahrscheinlich sehr unerwartet, aber wir müssen jetzt echt los, bevor-‘‘ „Halt die Klappe!“ Richard zuckte zusammen als Paul ihn auf einmal so anfuhr. Was war jetzt los? Verunsichert sah Richard den Kleineren an. Wahrscheinlich bekam er jetzt gleich die Abfuhr seines Lebens und Paul würde ihn schreien was er sich eigentlich erlaubte.

„Halt die Klappe… Und mach das nochmal.“, brachte Paul dann heraus und nun war es Richard, welcher stocksteif dastand. Hatte er gerade richtig gehört? Hatte Paul das gerade wirklich gesagt oder bildete er sich das nur ein und sein Hirn spielte ihm einen dummen Streich?

Bevor er sich weitere unnötige Gedanken darüber machen konnte, was Paul gerade gesagt hatte, trat dieser nun seinerseits an ihn heran und zog ihn in einen weiteren Kuss. Richard keuchte unwillkürlich gegen Pauls Lippen und zog diesen nach einigen Sekunden in völliger Starre langsam eng an sich, seine Hände wanderten automatisch zu Pauls Hintern und krallten sich daran fest. Pauls Finger krallten sich indessen in Richards kurze Haare und zogen das Gesicht von dem Größeren näher zu seinem. Der Kuss wurde nun sehr schnell sehr leidenschaftlich und ihre Lippen bewegten sich hungrig gegeneinander.

Paul stöhnte gerade leise gegen die Lippen seines Freundes, weil er merkte, dass dieses Spiel Richards untere Regionen nicht ganz kalt ließ, als die Tür neben ihn schwungvoll aufgestoßen wurde und ein gehetzt aussehender Schneider neben ihnen stand. „Fuck!“, fluchte dieser laut und die beiden Gitarristen stoben sofort auseinander wie aufgescheuchte Rehe. „Ich tue jetzt mal so als hätte ich das nicht gesehen und lösche das Bild von euch beiden wie ihr miteinander rummacht wie Teenager gleich wieder aus meinem Gedächtnis. Ich bin hier, weil alle euch suchen! Till rastet gleich völlig aus, Oliver rennt auch noch irgendwo rum und Flake sieht aus als müsste er gleich heulen! Also schwingt eure Ärsche nach drinnen, wir müssen in einer Minute spielen!“ Und nach dieser Ansage, war der Drummer auch schon wieder verschwunden und ließ die beiden erschrockenen Männer allein.

„Darüber reden wir noch! Komm jetzt!“ Damit schnappte sich Richard Pauls Arm und zerrte diesen mit nach drinnen, er konnte nicht verhindern, dass er dabei grinste wie ein Honigkuchenpferd. Paul hatte ihn geküsst! Zwar erst nachdem er es getan hatte, aber trotzdem! Er hatte seinen besten Freund geküsst und dieser hatte es erwidert! Richard grinste zufrieden vor sich hin und bemerkte dadurch das leichte Schmunzeln von Paul hinter ihm nicht. „Reesh, du kannst mich loslassen, ich komme auch so mit.“, lachte Paul dann leise. Richard sah nun auch mal nach hinten und wurde etwas verlegen, während er den Arm seines Freundes losließ. Fuck, jetzt war er völlig neben der Spur, wie sollte er jetzt bitte ein Konzert spielen? „Sorry.“, gab er dann also nur schief grinsend zurück.

Paul schüttelte nur amüsiert den Kopf und sie bekamen von irgendjemandem ihr traditionelles Glas Tequila in die Hand gedrückt. Die anderen waren alle schon da und man sah vor allem Till an, dass die beiden Gitarristen Glück hatten noch am Leben zu sein. „Wenn das nochmal passiert schlag ich euch die Köpfe ein!“ Richard grinste nur in sich hinein. Er wusste zwar, dass Till wirklich ausrasten konnte, wenn er wollte, aber er wusste auch, dass der Sänger ihnen niemals wirklich weh tun würde, auch wenn er es ganz einfach könnte. Sie stießen also wie gewohnt mit den anderen an, bevor Schneider als erstes die Bühne betrat und mit dem Intro von ‘Was ich liebe‘ begann und die anderen sich ihre Instrumente geben ließen.

„Küss mich auf der Bühne nochmal!“, raunte Paul Richard in letzter Sekunde noch leise ins Ohr, bevor der Leadgitarrist auch schon das Signal bekam, dass er auf die Bühne gehen sollte und er sah Paul noch kurz ungläubig an, bevor er sich zusammenriss und auf die Bühne ging, um mit seinem Part zu beginnen.

Die Show verlief kurz darauf wie geplant und Richard warf Paul immer wieder flüchtige Blicke zu, wenn sie nicht gerade nebeneinander standen und ein Riff zum Besten gaben, was die Fans sowieso immer dazu brachte noch lauter zu jubeln, als sie es sowieso schon taten. Er sollte ihn also nochmal vor versammelter Mannschaft küssen. Einfach so. Und das, ohne dabei direkt über ihn herzufallen? Zurzeit unvorstellbar, aber sie mussten den Leuten ja eine gute Show liefern, nicht wahr?

Sie kamen gerade zum Ende von ‘‘Ausländer‘‘, als Richard im Augenwinkel bemerkte wie sich sein Gitarristen Kollege langsam in Richtung Mitte der Bühne bewegte. Er versuchte sich seine aufkommende Aufgeregtheit nicht anmerken zu lassen, während er betont gelassen und langsam ebenfalls in Richtung Mitte der Bühne ging, sein Blick lag dabei auf Paul und er bemerkte das kleine Lächeln was schon jetzt auf dessen Lippen lag. Unbewusst legte sich ein kleines Lächeln auch auf seine Lippen und als sie ihre letzten Akkorde spielten, standen sie sich direkt gegenüber. Paul schenkte Richard nun eines seiner bezaubernden Lächeln und beugte sich ihm dann etwas entgegen.

Richard wusste sofort das dies der Moment war, auf den er sich schon die ganze Zeit gefreut hatte, weshalb er sich dem Älteren ebenfalls entgegen beugte und ihre Lippen dann zu einem sanften Kuss vereinte. Sein Herz machte kurz einen Sprung, vor allem als er hörte wie die Fans tobten und begannen zu jubeln und er löste sich viel zu früh wieder von seinem Gegenüber. Er zwinkerte Paul unauffällig zu, bevor er wieder zu seinem angestammten Platz auf der linken Seite der Bühne ging. Sein Herz raste in seiner Brust und er meinte er könnte jeden Moment einfach vor Freude anfangen zu tanzen. Das war definitiv einer der schönsten Momente dieses Abends gewesen und er hoffte das sie heute Abend noch einige schöne Momente miteinander erleben würden. Doch dass sie erstmal reden mussten, war ihnen wohl beiden sehr klar…

///

Später an diesem Abend stieg Richard in seinem Hotelzimmer aus der Dusche und trocknete sich gerade ab, als es zaghaft an der Tür klopfte. Er wickelte sich das Handtuch schnell um die Hüfte und ging zur Tür. Hoffentlich war das jetzt Paul und nicht irgendein Hotelangestellter…

Er öffnete die Tür einen Spalt breit und Gott sei Dank stand wirklich Paul vor seiner Tür. Er sah etwas verloren aus, weshalb Richard die Tür schnell ganz öffnete. „Komm rein.“ Er wusste nicht was er sonst sagen sollte, denn er spürte, wie er plötzlich ziemlich nervös wurde. Dazu kam, dass er halbnackt vor dem Mann stand, dem er gleich sagen wollte, dass er ihn liebte und das machte die Situation auch nicht wirklich besser oder weniger peinlich.

Paul ließ seinen Blick unauffällig über Richards Körper schweifen, nachdem er eingetreten war, oder zumindest schien er zu hoffen, dass es unauffällig war. Der Leadgitarrist bemerkte es trotzdem und räusperte sich kurz verlegen. Es war nicht so, dass sie sich alle nicht gegenseitig schonmal nackt gesehen hatten, denn das hatten sie durchaus, was nach fast 30 Jahren zusammen auch kein Wunder war, aber gerade war es… anders. Sie hatten sich heute zum ersten Mal geküsst und keiner von ihnen wusste, wie es nun weitergehen sollte. Auch wenn Richard natürlich nur hoffte, dass er seinen Freund in naher Zukunft wieder küssen durfte, konnte und durfte er nicht direkt ausschließen, dass Paul ihn gleich abservieren würde, weil er doch nochmal darüber nachgedacht hatte.

„Ich ziehe mir schnell was über.“, murmelte Reesh dann also und hastete schnell zu seinem Koffer, um sich rasch eine Boxershorts, eine Jogginghose und ein Shirt über zu werfen, bevor er sich wieder zu Paul drehte. Allein an dessen Blick merkte er, dass Paul ihn die ganze Zeit beobachtet und ihn keine Sekunde aus den Augen gelassen hatte. Diese Tatsache bewirkte, dass der Gitarrist unwahrscheinlich verlegen wurde und sich den Nacken rieb.

So standen sie nun also beide etwas verplant in Richards Schlafbereich und wussten nicht, wo sie anfangen sollten.

„Ich-‘‘

„Wir-‘‘

Sie fingen nun beide gleichzeitig an zu reden und lachten schließlich verlegen. „Setzen wir uns. Willst du ein Bier?“, fragte Richard dann und deutete gleichzeitig zu der kleinen Sitzecke mit einem großen Sofa und einem bequemen Sessel. Paul nickte zustimmend und so setzten sie sich mit etwas Abstand nebeneinander auf das weiche Sofa, Reesh hatte zwei geöffnete Bierflaschen aus dem Minikühlschrank vor ihnen auf dem kleinen Couchtisch platziert.

Richard sah als erster zu Paul, nachdem er einen Schluck getrunken hatte, bis dieser seinen Blick erwiderte. Unsicherheit lag im Blick des Rhytmusgitarristen, doch Richard glaubte ebenfalls Zuneigung und Wärme im Blick seines Kollegen zu sehen. „Du hast mich geküsst.“, fing er dann zaghaft an und grinste schief. Paul schmunzelte. „Du hast mich zuerst geküsst.“ Reesh lachte verlegen auf und rieb sich wieder den Nacken. „Damit hast du wohl recht. Aber… Warum hast du mich dann geküsst? Ich dachte ich hätte unsere Freundschaft zerstört, nachdem ich dich geküsst habe und auf einmal…“ Er ließ das Satzende offen, denn Paul wusste auch so was er meinte.

Paul sah nun zu Boden und stützte sich mit seinen Ellbogen auf seinen Knien ab. „Ehrlich gesagt… Weiß ich es auch nicht so genau… Du hast mich geküsst und es hat sich einfach nur richtig angefühlt… So als hätte ich mein Leben lang auf diesen Moment gewartet…. Verstehst du?“ Der Ältere legte eine kurze Pause ein und musste sich scheinbar kurz sortieren. Reesh ließ ihm die Zeit und war verwirrt als Paul auf einmal anfing zu lachen. „Gott, das klingt so kitschig, dass es schon peinlich ist… Meine Güte ich bin verdammt nochmal 55 Jahre alt und kann nicht einfach sagen, dass ich meinen besten Freund liebe.“ Paul vergrub sein Gesicht in seinen Händen und bemerkte dadurch den Blick seines Freundes neben ihm nicht. Völlig ungläubig starrte Richard Paul an, er sah so aus, als hätte er gerade einen Geist gesehen. Hatte er das gerade richtig verstanden? Hatte sein bester Freund und wohl schon seit Jahren die Liebe seines Lebens ihm gerade gestanden, dass er ihn liebte? Richard wusste mal wieder nicht, ob er das eben nur geträumt hatte oder ob das hier wirklich geschah.

„Sag das nochmal.“, brachte er also nur leise heraus, zu mehr war er gerade nicht fähig. Seine Gedanken rasten und er musste sich zusammenreißen Paul jetzt nicht in Grund und Boden zu küssen. Sie waren hier, um zu reden. Mehr nicht…

Paul sah nun wieder zu Richard und musste schmunzeln. „Habe ich es etwa geschafft Herrn Kruspe sprachlos zu machen? Ich muss sagen, ich bin stolz auf mich.“ Dann aber wurde er wieder ernst und er rutsche ein ganzes Stück näher zu dem, immer noch fassungslosen, Leadgitarristen. „Du hast mich schon verstanden Reesh. Ich liebe dich. Ich war nur scheinbar etwas zu dumm und engstirnig, um es nicht schon eher zu bemerken. Dafür musstest du wohl erst die Fassung verlieren und mich küssen, damit ich kapiere was mit mir los ist.“ Er grinste Richard nun verlegen an und bemerkte dabei erfreut, dass dieser nun aus seiner Starre erwachte.

„Du liebst mich wirklich? Mich? Du weißt schon, dass du mich jetzt nie wieder los wirst, Paulchen.“ Paul lachte bei dieser Antwort auf. „Ich denke dieses Risiko werde ich ausnahmsweise mal eingehen.“, gab er dann zurück und grinste sein altbekanntes Grinsen. Richard musterte sein Gegenüber nochmal und sein Blick blieb an dessen Lippen hängen. „Ach, scheiß drauf.“, murmelte er dann eher zu sich selbst, bevor er sich zu Paul beugte und ihre Lippen erneut miteinander verband.

Der Jüngere spürte diesmal sofort, dass Paul sich ihm nun voll hingab, sein Kuss wurde sofort erwidert. Paul rutschte nun noch näher zu Richard und dieser nutze das direkt aus, in dem er Paule mit einem leisen Knurren einfach rittlings auf seinen Schoß zog. Der Ältere keuchte überrascht gegen Richards Lippen, was erneut ausgenutzt wurde, denn im nächsten Moment spürte er Richards Zunge an seiner eigenen, was ihm ein leises Stöhnen entlockte. Richard keuchte nun auch leise auf, seine Hände lagen besitzergreifend an Pauls Hintern und er intensivierte den Kuss nur noch mehr.

Sie beide wussten nicht wie lange sie so auf der Couch saßen und sich einfach nur leidenschaftlich und am Ende erstaunlich sanft küssten und sich auf diese neue und ungewohnte und dennoch wundervoll befriedigende Art und Weise nahe waren. Irgendwann war es jedoch Paul, welcher seine Lippen zuerst von denen seines Freundes löste. Seine Hände lagen inzwischen an Richards Wangen und er strich leicht mit seinen Daumen darüber. „Danke, dass du mich geküsst hast.“ Richard musste kurz Lächeln. „Ich sollte dir wohl eher danken, dass du mir keine reingehauen hast.“, grinste er dann verlegen. „So wie du geguckt hast, dachte ich nämlich wirklich, dass du mir gleich eine scheuerst.“ Paul musste lachen und drückte daraufhin einfach einen kleinen Kuss auf Richards Lippen. „Sah ich wirklich so schlimm aus? Kann ich mir gar nicht vorstellen.“ Der Leadgitarrist konnte nur grinsend den Kopf schütteln. „Du sahst aus, als hätte dir Till gerade ‘nen Heiratsantrag gemacht, so geschockt warst du. Ich hätte auch genauso gut nackt vor dir tanzen können, die Reaktion wäre die gleiche gewesen.“

Paul schüttelte sofort lachend den Kopf. „Oh nein! Hättest du nackt vor mir getanzt, hätte ich dich als erstes Mal ausgelacht, dann hätte ich dich gefragt wie viel Till dir bezahlt hat das du das machst und als letztes hätte ich dich gefragt, welche Drogen du genommen hast!“ Richard sah seinen Kollegen nun sehr empört an. „Entschuldigung? Das war jetzt aber nicht nett!“ Paul lachte daraufhin nur noch mehr und Richard musste nun auch grinsen. Er konnte nicht in Worte fassen, wie unglaublich glücklich er gerade war. Sein bester Freund liebte ihn und saß hier lachend auf seinem Schoß. Was konnte er mehr wollen? Er hatte gerade das Gefühl sein Leben sei perfekt.
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