Of Sunshine And Broken Bones (September)

von Ririchiyo
GeschichteDrama, Sci-Fi / P16
01.09.2020
30.09.2020
31
66.196
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16.09.2020 2.153
 
Kapitel 15

Was auch immer es war, was sie hier taten, es lief ziemlich schnell, und ohne, dass irgendjemand auch nur ein einziges Wort sprach. Darren streckte seine eine Hand aus – nicht die aus Fleisch und Blut, wohlgemerkt – die fremde Gestalt, deren Gesicht man nicht mal richtig sehen konnte, legte etwas hinein, und ehe Cylar irgendwie reagieren konnte, drehte sie sich auch schon wieder um, und war kurz darauf verschwunden. Und zwar wirklich verschwunden. Wer auch immer es war, aber er war plötzlich einfach … weg.
     Anders als Darren, der noch sehr deutlich neben ihm stand. Und das trug nicht unbedingt zur Besserung seiner Laune bei. Noch tat es der Schlüssel, den Darren zwischen den Fingern hielt, aber das konnte auch einfach daran liegen, dass ihm verdammt noch mal niemand irgendetwas sagte, und er darum keine Ahnung hatte, was genau eigentlich los war! Aufklären schien ihn ja auch keiner zu wollen. Und es war wirklich toll, dass Darren nicht mehr mit ihm sprach, aber dass er Cylar damit auch jegliche Erklärung für sein Verhalten – wie zum Beispiel, dass er gerade schon wieder einfach loslief – verwehrte, war wirklich nicht besonders vorteilhaft.
     Wohin genau gingen sie? Warum? Was hatten sie vor? Wie wäre es mal mit Antworten?!
     Fragen, die zu beantworten sich Darren offenbar nicht die Mühe machen wollte. Gut. Dann nicht. Cylar würde ihm auch nicht die Genugtuung geben, wieder Fragen zu stellen. Sollte der doch einfach machen, was auch immer er wollte. Solange es nicht zu viel Zeit in Anspruch nahm. Denn ihm war wirklich eisig. Auch wenn er eine Jacke hatte, aber offensichtlich war die nicht für Regen gemacht. Und er konnte nicht einmal versuchen, irgendwie die Arme um sich zu schlingen. Sein ganzes Leben hasste ihn einfach. Ganz sicher. Er wünschte, all das wäre ihm egal, und er könnte einfach gehen. Er fühlte sich einfach nicht wohl hier. Auch wenn ihn niemand blöd anmachte, und er bis jetzt auch generell noch keine Probleme hatte. Ob die Organisation sie wirklich in Ruhe ließ, und sie vorerst sicher waren? Hatte Darren recht? Und würde sich das dann auch auf Finn auswirken? Hoffentlich.
     Er registrierte erst, dass er Darren einfach blindlings in ein Haus gefolgt war, als es plötzlich nicht mehr regnete und zeitgleich mit dem Finden dieser Erkenntnis eine Tür hinter ihm laut ins Schloss fiel. Er hatte keine Ahnung, wo sie waren, keine Ahnung, was das für ein Haus war, und hätte es für ein weiteres merkwürdiges Versteck gehalten, wenn es nicht ausgesehen hätte, als wäre seit Jahren niemand mehr hier gewesen. Wobei, vielleicht war es ja gerade deswegen ein Versteck?
     „Ist das hier Ihr Haus?“, wollte er von Darren wissen, während er sich zeitgleich den linken Arm vor‘s Gesicht hielt, und möglichst flach zu atmen versuchte, um nicht zu viel von dem Staub einzuatmen. Auch wenn das trotzdem nicht im Geringsten gegen den Hustenreiz half, der ihn alleine beim Anblick der Staubschicht schon überkam.
     Er räusperte sich laut, aber das Gefühl wurde dennoch nicht sehr viel besser.
     Im Gegensatz zu ihm schien es Darren vollkommen kalt zu lassen. „Es war auf jeden Fall mal meins, ja.“ Er öffnete eine Tür, und sah kurz hinein. Cylar sah das Licht in dem Raum flackern. Dann drehte Darren sich wieder zu ihm zurück. „Wir bleiben erst mal hier. Für die Nacht. Und morgen sehen wir weiter.“
     Nacht? War es- War es schon so spät? Und woher wusste Darren das? Cylar hatte ihn bisher nicht mit einer Uhr gesehen. Und am Himmel konnte man hier bestimmt nichts ablesen! Hier gab es keinen Stand der Sonne, oder was auch immer! „Ist das wirklich so schlau?“, wollte er wissen. „Sich einfach hier einzuquartieren?“ Denn das kam ihm einfach zu leicht vor. Sich jetzt schlafen legen, sich morgen um den Rest zu kümmern, einfach abzuwarten … auch wenn sie im äußersten Ring der Stadt waren, verdammt weit von dem Gebäude entfernt, in dem die Organisation sich einquartiert hatte, so war es dennoch ein Risiko, sich einfach nur auszuruhen.
     „Aber es wäre auch nicht schlau, sich nicht zu erholen, und unter großer körperlicher Erschöpfung irgendwas zu unternehmen.“
     So groß wäre die Erschöpfung jetzt auch nicht. Als ob Cylar nie mehr als einen Tag wach geblieben wäre. Und Darren doch bestimmt auch schon. Immerhin dauerte es manchmal seine Zeit, bis ein Ziel auftauchte.
     „Kannst du mit links kämpfen?“, fuhr Darren fort.
     Cylar seufzte. „Ich kann schießen.“ Was reichen musste. Wenn er unbedingt einen Verletzten mitnehmen wollte, sollte er auch mit den Einschränkungen Leben müssen.
     Darren murmelte irgendetwas, dann deutete er auf die Zimmertür. „Bad, das Wasser müsste auch noch gehen.“
     Ach ja? Bei dem Staub hier? Wie? Hatte er trotzdem immer die Rechnungen- Moment, hatte er, richtig? Sonst würde das Haus ja nicht immer noch leer Stehen. Und außerdem würde das Licht nicht gehen. Wer bezahlte für Jahre die Miete in einem Haus, in dem er nicht wohnte?!
     „Das Gästezimmer.“ Cylar folgte Darrens Bewegung, und entdeckte eine weitere Tür. Er nickte einmal kurz. „Und ich bin die Treppe rauf die erste Tür rechts.“ Er nickte noch einmal. Okay. Schön. Damit wusste er dann ja jetzt alles wichtige. „Wir sehen uns morgen.“ Darren schaltete das Licht im Bad wieder aus, schloss die Tür, und dann ging er die Treppe hinauf in den ersten Stock, und nachdem eine Tür zugeschlagen war, war es einfach still. Cylar stand noch immer in dem kleinen Eingangsbereich. Neben der Tür gab es einen Kleiderständer. Auf dem Boden ein Schuhregal. Keinerlei Kleidung, die Wände waren kahl, und abgesehen von dem Staub am Boden sah er gar nichts. Und hier durfte er dann also die Nacht verbringen, ja? Unangenehm. Wirklich unangenehm … am Besten, er dachte nicht zu viel darüber nach. Langsam machte er sich auf wen Weg zu der Tür, die Darren ihm gewiesen hatte, und öffnete diese.
     Er versuchte, nicht zu sehr auf den Staub zu achten, der bei jedem Schritt aufwirbelte; die Tatsache zu ignorieren, dass es in dem Zimmer auch nicht wirklich besser als auf dem Flur aussah, als er den Lichtschalter dann endlich fand und ihn betätigte; und außerdem den wirklich unangenehmen ollen Geruch von Putz und alten Steinen und Holz nicht zu beachten. Vielleicht sollte er sich über Kleinigkeiten freuen? Er sah zum Beispiel nirgendwo Ungeziefer … das war dann aber auch alles, denn im nächsten Augenblick fiel ihm auf, dass der Zustand des Zimmers wohl hieß, dass er mindestens versuchen musste, hier ein wenig den Staub loszuwerden. Denn es war auf jeden Fall zu viel, um hier einfach so Schlafen zu können. Besonders, um ruhig genug schlafen zu können, oder in dem Wissen, dass er nicht mitten in der Nacht an Staub erstickte.
     Er trat wieder aus dem Zimmer hinaus, und in Richtung Bad, öffnete dort die Tür, und schaltete das Licht an. Dann drehte er den Wasserhahn auf. Es gurgelte, und kurz darauf floss das erste Wasser in den Abfluss. Dunkel und Rostig. Eklig. Er ließ es laufen, und drehte sich nach einmal um. Auch überall Staub, ein Spiegel, Dusche, Toilette, und keinerlei Handtücher oder so. Nicht, was irgendwie bei Staub helfen könnte. Er verließ das Bad wieder, und sah sich in dem schmalen Flur um. Gleich neben der Treppe war noch eine Tür, die sich als Eingang zur Küche herausstellte. Hier war er wirklich froh, dass nirgendwo vergammelte Lebensmittel herumlagen. Aber erneut fand er weder Besen, noch Tücher, noch sonst irgendetwas. Nur Staub, Möbel, und sonst nichts. Also weiter. Die nächste Tür war ein komplett leerer Raum. Außer Staub nur gähnende Leere. Dagegen wirkten die anderen Räume geradezu belebt. Und die letzte Tür auf dem Flur, gleich hinter der Treppe, stellte sich dann endlich als Abstellkammer heraus. Genauso staubig, wie der Rest, aber mit Eimern, und einem Besen, und hoffentlich würde er heute Nacht wenigstens atmen können.
     Was er sogar wirklich schaffte. Mit einem Besen, einem Eimer Wasser aus dem Bad, und einer Menge Versuche, da es gar nicht so leicht war, nur mit einer Hand ein Zimmer zu säubern. Aber am Ende war der Staub auf ein Minimum reduziert, und Cylar hatte sogar das Gefühl, sich auf das Bett legen und nicht dabei sterben zu können, also hatte es sich immerhin irgendwie gelohnt. Natürlich gab es auch hier weder Decken noch sonstiges, aber selbst wenn es welche gegeben hätte, hätte Cylar sie vermutlich nicht genutzt, denn auch er hatte Grenzen. Eine alte Matratze in einem zuvor staubigen Raum? Seinetwegen, wenn es sein musste, aber eine olle Bettdecke dazu? Sicher nicht.
     Schließlich ließ er die ganzen Sachen, die er benutzt hatte, einfach in einer Ecke des Zimmers stehen, und schaltete das Licht wieder aus, bevor er sich vorsichtig im Dunkeln auf den Weg zum Bett machte. Und vielleicht war Darrens Plan nicht der schlechteste, denn obwohl es wirklich ungemütlich war, und im Zimmer auch nicht sehr angenehm roch, dauerte es nicht lange, bis er schließlich einschlief.
     Und danach wachte er gefühlt genauso schnell wieder auf, als es irgendwo knallte. Was? Wie spät war es? Ein Angriff? Nein, dafür war es nicht laut genug gewesen, es … es hatte eher wie eine Tür geklungen. Warum genau hörte- Hatte Darren ihn allein gelassen? Oder hatte oben eine Tür geknallt? Aber jetzt war nichts mehr zu hören. Wie lange hatte er geschlafen? Ein paar Minuten, oder doch schon lange genug? Darren hatte nicht gewirkt, als würde er so bald aus seinem Zimmer wieder auftauchen, also … war es der nächste Morgen? Schon? War es wirklich so lange her, dass er eingeschlafen war? So fühlte es sich nicht an. Verdammt.
     Cylar richtete sich langsam auf, und schwang die Beine aus dem Bett, ehe er sich vorsichtig zurück zur Tür tastete, und diese öffnete. Im Flur brannte Licht. Hatte Cylar wieder vergessen, es auszuschalten? Aber nein, immerhin war jemand – Darren – gerade hier gewesen. Oder wenigstens außerhalb seines Zimmers. Also hätte der das Licht ja auch ausmachen können. Dann also nicht Cylars Schuld.
     Als er sich umsah, waren alle Türen hier im Flur noch immer geschlossen, bis auf die zur Küche. Hatte er die gestern offen gelassen? Oder war das Darren gewesen?
     Er bog kurz ins Bad ab, um sich wenigstens halbwegs für den Tag fertig zu machen, und dann ging er in die Küche hinüber. Wirklich sah die heute anders aus als gestern. Diesmal war der Tisch nicht voller Staub, und darauf lag ein einzelner Zettel. Und auf diesem zwei kleine weiße Tabletten. Richtig.
     Cylar nahm sie, ohne groß darüber nachzudenken, und sah sich dann den Zettel genauer an. Er brauchte eine ganze Weile, um die krakelige Handschrift zu entziffern, und als er es dann schaffte, machte ihn das auch nicht viel glücklicher.
     Darren war offenbar irgendwohin verschwunden, um einige Dinge zu besorgen. Und etwas passenderes zum Anziehen. Bei der Bemerkung musste Cylar schnauben. Er hatte ja etwas besseres zum Anziehen gehabt! Er hatte einen Anzug! Genau genommen hatte er verdammt viele Anzüge. Und anderes Zeug. Aber wegen irgendwas, von dem er nicht mal wusste, konnte er ja nicht mehr in seine Wohnung! Und der Anzug, an den er herangekommen wäre, hing noch immer in der Herberge, und den würde er vermutlich nie wieder sehen, weil wie auch?! Und jetzt klang das hier wie ein Vorwurf. Vielleicht hätte das alles ja vermieden werden können, wenn Darren nur mal den Mund aufgemacht und gesagt hätte, was er eigentlich wollte!
     Immerhin hatte er seine Zigaretten nicht in seinem Anzug vergessen. Richtig? Er tastete sofort seine Jackentaschen ab, und wirklich fand er die zerknautschte Schachtel, und auch sein Feuerzeug in der einen Jackentasche. Normalerweise versuchte er, während Aufträgen nicht mal daran zu denken, dass er das Zeug bei sich hatte, aber genau genommen war das hier ja schon längst kein Auftrag mehr – genau genommen würde er wohl auch für einige Zeit keine Aufträge mehr haben –, und außerdem brauchte er wirklich Ablenkung.
     Und gegen Hunger half es auch. Wenigstens insofern, dass er anderes im Kopf hatte. Ob Darren wohl auch an was zu Essen dachte? Hoffentlich. Andererseits würde er ihm auch zutrauen, es einfach zu vergessen. Würde das nicht passen? Angst vor Erschöpfung zu haben, aber Hunger nicht einmal in Betracht zu ziehen? Bei seinem Glück würde es Cylar noch nicht mal wundern. Wäre doch typisch.
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