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Namenlose Nacht

von Liskaya
GeschichteLiebesgeschichte, Erotik / P18 / Het
OC (Own Character)
01.09.2020
20.11.2020
8
17.332
9
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01.09.2020 1.511
 
Mit dieser erotischen Geschichte betrete ich also Autorin quasi Neuland ;) Habt Spaß! LG, Liska

* * *

Gareth, 1034/35 BF

Der blutrote Wein hinterließ einen samtig-schweren, fruchtigen Geschmack auf seiner Zunge. Einige Momente lang genoss er den Nachgeschmack des edlen Tropfens, ehe er einen zweiten und letzten Schluck nahm und den geleerten Becher dann auf einem Tablett abstellte, das ihm ein Diener mit einer Verbeugung hinhielt. Sein Blick schweifte über die zahlreichen Menschen vor dem üppigen, opulenten Buffet, an dem kaum einer von ihnen allen zu wissen schien, welcher Köstlichkeit er sich zuerst widmen sollte.

Zwei Frauen trugen Tonbecher und Karaffen herum, auf denen das Zeichen der Göttin Rahja zu sehen war, viele Gäste winkten sie gezielt zu sich herüber und nahmen gemeinsam einen Schluck von dem Tee, der ihnen allen Sorglosigkeit und noch einiges mehr an Lust bescheren würde. Man konnte wirklich nicht sagen, dass sich der Gastgeber lumpen ließ. Diese Feier war eine exzellente, äußerst vorzügliche Veranstaltung verschiedenster Freuden und Leidenschaften, gewiss ein Lichtblick für viele in der dunklen, düsteren Zeit der fünf unheilvollen Tage, der Zeit zwischen den Jahren, an denen ein normaler Bürger sein Haus  zumeist kaum verließ und viel Zeit betend und im Kreise seiner Familie verbrachte.

Felian hätte sich tatsächlich momentan lieber in einem Tempel oder in einer Taverne aufgehalten, wartend mitsamt den anderen Pilgern, die er derzeit begleitete, bis das neue Jahr anbrach und das Reisen wieder sicher war. Seit einiger Zeit war er schon im Auftrag der Kirche des Götterfürsten als Begleitschutz unterwegs und auch selbst als Pilger auf der Suche nach dem Heiligen Licht und das Reisen, so manche Entbehrungen und einfaches Leben somit zunehmend gewohnt. Das, was vorher sein Leben gewesen war, hatte er in Wehrheim im Schatten der Fliegenden Festung sterben sehen, und auch wenn das Reich noch stand und er jederzeit einem Ruf zurück ins Heer auf der Stelle Folge leisten würde, war es nicht mehr dasselbe. Er ebenso nicht.

In jungen Jahren hätte er wohl nicht gezögert, auf eine Orgie inmitten der hohen Kreise der Hauptstadt zu gehen. Nach wie vor war er rahjanischen Freuden nicht abgeneigt, doch der Besuch auf dieser Festlichkeit, die nur wenige eingeladene Gäste zuließ und sich in einer eigens angemieteten und extra dafür hergerichteten Therme zutrug, war leider eben kein reines Privatvergnügen. Einer seiner Begleiter war von einem alten Freund um Hilfe gebeten worden, Felian und ein weiterer Pilger hatten sich ihm angeschlossen, sodass sie eine kampferfahrene und gut aufeinander abgestimmte Truppe bildeten, die den Auftraggeber auf diese Feierlichkeit begleiten und beschützen sollte. Es galt, Übel von ihm abzuwenden und eine entführte Person ausfindig zu machen. Und die besten Chancen dafür würde es wohl hier geben.

Phexisches Nachforschen und Herumschleichen waren jedoch nicht Felians Stärke. Es war ihm lieber, einem Gegner ehrenhaft entgegen zu treten und taktisch wie körperlich gefordert zu werden – so, wie er es von klein auf gelernt und später an die jungen Rekruten seiner Einheit weitergegeben hatte. So übernahm er nun einen Posten, der vor allem aufmerksam blieb, vieles im Blick hatte und im Ernstfall schnell reagieren konnte. Die anderen beiden hatten sich bereits unter die Gäste gemischt und gingen wie abgemacht ihren Nachforschungen nach. Felian würde die Feier eine Weile im Auge behalten und sich dann ebenfalls gezielt um Informationen bemühen, wenn er die Chance dazu sah.

Eine plötzliche Berührung an seiner Schulter riss ihn aus dem Strudel von unzähligen Gedanken, die ihn in den letzten Minuten gänzlich im Griff gehabt hatten. Er wandte den Kopf und erblickte eine schlanke, nur noch mit einem kleinen, sehr knappen Kleidchen aus dünner Seide bekleidete junge Frau, die ihn auffordernd anblinzelte und weiter mit den Fingerspitzen über seinen Arm strich, wohl in der Absicht, nach seiner Hand zu greifen. Kurz erwiderte er ihren Blick, schüttelte dann aber den Kopf und sah der Frau nach, die ihn zuerst durch ihre seidig-rote, zum Kleidchen passende Maske kurz verständnislos anblickte und sich dann mit einem Weinbecher in der Hand umwandte, um sich einen neuen potentiellen Spielgefährten zu suchen.

Felians Blick glitt über den Raum, in dem sich zahlreiche Gäste den Freuden von Völlerei, Ausgelassenheit und Ausschweifungen hingaben. Das reich gedeckte Buffet lud zum Naschen und Schmausen ein, zahlreiche Diener waren damit beschäftigt, die Weinbecher der Anwesenden nicht leer werden zu lassen und ihnen auch andere Wünsche zu erfüllen. Der schwere Duft einer Mischung aus Wein, Parfum, exotischen Gewürzen und Rauchwerk hing in der Luft und zog sich auch in den anderen Räumen weiter. Überall hörte man das Schwatzen, Kichern, oder auch Stöhnen der allesamt verkleideten Besucher, die sich schon kurz nach Beginn der Feierlichkeiten kopfüber ins Getümmel geworfen hatten.

Er und seine beiden Begleiter waren als drei Ritter erschienen, der Auftraggeber als eine zottelige Sagengestalt des hohen Nordens. Die Kostüme hatten sie zum Glück noch rechtzeitig besorgen können: Leichte Wappenröcke, Westen, Hemden, elegante Stiefel sowie unechte Waffen aus dem Fundus eines Theaters und kunstvolle Masken machten ihn und seine Begleiter zu einem Dreigespann, das so manche Blicke auf sich zog. Einer seiner Gefährten war ein wahrer Hüne mit wallendem, blonden Haar, seine Heimat unverkennbar Thorwal. Der andere stammte aus dem Süden, war braun gebrannt und nach vielen Jahren in der Arena sehr athletisch. Felian selbst bildete etwa die derographische Mitte zwischen beiden, jahrelanger straffer Militärdienst und Kampferfahrung waren ihm anzusehen. Zumindest ein Mindestmaß an Kleidung trug er noch, im Gegensatz zu vielen anderen Gästen, die sich sehr rasch von jeglichem störenden Stoff befreit hatten.

Unter anderen Umständen hätte er der Dame im roten Kleidchen vielleicht nachgegeben... doch er war zu angespannt. Gareth war für ihn kein Ort, an dem er sich leichtfertig die Zeit vertreiben konnte. Zu präsent waren ihm noch immer der Krieg und all die Verluste, auch der zerstörte Tempel der Sonne und das verschwundene Licht. Viele Gespräche hatte er darüber geführt, mit seinen Gefährten und auch Geweihten, die er auf seinen Reisen getroffen hatte. Manche schienen unerschütterlich, doch andere gaben ihre Zweifel und Ängste offen zu.

So auch eine junge Geweihte, deren Pilgergruppe sich seiner vor ein paar Jahren kurzzeitig angeschlossen hatte, um eine gefährliche Wegstrecke sicherer hinter sich bringen zu können: Livia te Ghune. Auch sie war in die Oberschicht des Raulschen Reiches hineingeboren worden, hatte wie er das Selbstverständnis anerzogen bekommen, vom Götterfürsten an diesen Platz gesetzt worden zu sein. Ihr Weg hatte in die Reihen der Kirche des Praios geführt, seiner in die des Reichsheeres. Sie beide hatten viel verloren, als das Licht verschwand und Gareth brannte, nicht nur in Glaubensdingen. Das letzte Mal hatte er sie vor drei Jahren gesehen, als sie es wagte, trotz aller Gefahren mit ihren Gefährten in Richtung Beilunk aufzubrechen.

Felian hoffte sehr, dass sie es wohlbehalten durch die Schwarzen Lande geschafft hatte. Sie hatte ihn damals sehr inspiriert, trotz aller eigener Momente der Angst, die sie ihm gegenüber in einem vertrauten Gespräch ebenso zugegeben hatte wie er ihr seine zuvor in seiner Beichte. Sie waren nur Menschen, Sterbliche, aller Weihen oder Heldentaten zum Trotz. Vielleicht ging es nicht darum, wer die meisten Anstrengungen auf sich nahm oder die meisten Rätsel löste, um das Licht zu finden... sondern eher Demut?

Erneut löste er sich mühsam aus seinen verworrenen Gedanken und erhob sich von dem gemütlichen Hocker, auf dem er nun schon einige Zeit geruht und das Treiben am Buffet beobachtet hatte. Zwei dickbäuchige Männer mittleren Alters ließen sich soeben Stopfschläuche bringen und begannen einen widerlichen Wettkampf, weshalb sich Felian bald abwandte, ein paar Häppchen von einem der Teller nahm und sich einen Raum weiter begab. Dort spielten ein paar Musiker, ebenso leicht bekleidet wie der Rest der Dienerschaft, wohl bekömmliche, seicht dahinplätschernde Musik als Untermalung der rahjagefällen, ausgelassenen Szenerie. Ein paar Gäste lagen in Ecken, die mit Kissen und tulamidischen Wänden zu wahren Liebesnestern hergerichtet worden waren, schwatzten, tranken oder verwöhnten einander ohne jegliches Schamgefühl.

Felian durchschritt rasch den Raum, ignorierte die neugierigen Blicke, die ihn streiften. Sein Kostüm ließ genug Sicht auf manche Narbe zu, die er auf den Schlachtfeldern des Reiches erlangt hatte, und auch unter Kostüm und Maske zeigte er klar die Statur eines trainierten Kämpfers. Erneut war er äußerst dankbar für die Maske, die den Großteil seines Gesichtes bedeckte. Wenn sein Vater wüsste, wo er, ein geborener von Sturmfels, sich hier gerade herumtrieb, dann wäre keine Queste als Ausrede genügend, um das schärfste aller Fallbeile der Verachtung von ihm abzuhalten, das unweigerlich auf ihn niedergehen würde...

Er durchschritt einige weitere Räume, in denen sich die Feiernden in Wasserbecken tummelten und allerlei unterhaltsame Spiele miteinander trieben. Aus dem Augenwinkel sah er mehrere Gäste, die versuchten, einen nackten, offenbar stark eingeölten Angroschim zu fangen. Der Zwerg wand sich aber geschickt aus jedem Greifversuch und entfleuchte jedes Mal, was die angetrunkene Menge drum herum nur noch mehr grölen und jauchzen ließ.

Erschöpft wandte sich Felian der kleinen Bibliothek zu. Hier könnte man im Moment tatsächlich in Ruhe lesen, denn gerade hatte kein Liebespaar diesen Raum für ein Stelldichein in Beschlag genommen. Sein Blick glitt über die zahlreichen, wohlsortierten Bücher, und stockte dann, als er eine blonde Frau erkannte, die, auf ein paar Kissen anmutig ruhend, entspannt in einem Buch blätterte.
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