DIE VEELA-CHRONIKEN TEIL V: Flowers like ice

von Tessgray
GeschichteMystery, Romanze / P18 Slash
Albus Severus Potter Draco Malfoy Harry Potter Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle OC (Own Character) Scorpius Malfoy
31.08.2020
20.09.2020
10
29.253
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16.09.2020 3.595
 
Kräftemessen



Luca stand am Eingang zum Pausenhof bei den Fahrradständern und wartete auf seine Freunde. Er war zwar recht beliebt in seiner Klasse, verbrachte aber die meiste Zeit mit Rick und Linda.
Während Rick noch auf sich warten ließ, kam sie freudestrahlend auf ihn zu. Sie war eine nordische Schönheit. Ihre Vorfahren stammten aus Schweden, was ihr hüftlanges hellblondes Haar und ihre hellblauen Augen unschwer erkennen ließen. Es war nicht übertrieben zu sagen, dass er das hübscheste Mädchen seines Jahrganges zur Freundin hatte.
Sie war mit ihren 1,82 relativ groß für ein Mädchen und musste sich nur leicht auf die Zehenspitzen stellen, um ihm einen Begrüßungskuss auf die Lippen zu hauchen.
Seine Arme fanden wie von selbst den Weg um ihren Körper und zogen sie näher. Er mochte das Gefühl sie zu küssen. Ihre Lippen waren weich und schmeckten meist nach Erdbeere oder irgend einer anderen Frucht, je nachdem, welchen Lippenstift sie trug.
Sie trennten sich erst voneinander als Rick genervt dreinblickend vor ihnen stand, um sie zu begrüßen.
"Leute, nehmt euch endlich mal ein Zimmer. Es ist ja nicht mehr normal wie ihr euch ableckt" neckte er.
"Wir haben uns zwei Wochen nicht gesehen, was erwartest du?" murrte Luca und Linda beugte sich näher, so dass sie leise in sein Ohr flüstern konnte.
"Meine Eltern sind morgen Abend zu einem Geschäftsessen mit Übernachtung. Wir hätten das Haus die ganze Nacht für uns." Ihre Finger fuhren federleicht über seinen Oberarm und ein wohliger Gänsehautschauer rieselte von seinen Haar- bis in die Zehenspitzen.
Sie wollte den nächsten Schritt machen. Und das schon in Morgen! Sein Magen schlug vor Aufregung einen Salto.

Händchenhaltend liefen sie zu ihrem Klassenzimmer. Linda setzte sich an den Tisch zu ihrer Freundin Milli, Rick und er an den Tisch dahinter in die vorletzte Reihe.
Das schrille Klingeln kündigte den Beginn der ersten Stunde an und Luca packte hektisch seine Bücher aus. Mrs. Flick war normalerweise überpünktlich und schätzte es nicht besonders, wenn sie noch in ihren Taschen kramten. Theorie der Magie war zwar das wohl langweiligste Fach von allen, doch das hinderte sie nicht daran, es für das Wichtigste zu halten. Doch heute kam sie ungewöhnlich spät zum Unterricht.
Die Klasse nutzte das natürlich aus und so stieg der Lärmpegel wieder an, einige wandten sich zu den hinter ihnen Sitzenden, oder erzählten den Banknachbarn von ihren Ferien.

In dieses Durcheinander platzten Mrs. Flick, Mrs. Lovegood und ein Junge.
Luca lachte gerade über einen von Ricks Witzen, als sein Blick auf den Neuen fiel und sein Gesicht zu Eis erstarrte.
Das konnte nicht wahr sein…

Fassungslos blickte er geradewegs in die ausdruckslosen Augen von Jade, welche ihn zielsicher in der Menge ausgemacht hatten. Ein leichtes Grinsen huschte kaum sichtbar über seinen Mundwinkel und Luca flüsterte geschockt zu Rick: "Kneif mich mal."
"Was ist denn? Du guckst als hättest du nen Geist gesehen" fragte sein bester Freund irritiert.
"Ach nichts" stammelte er schnell. Was auch immer Jade hier wollte, er musste vorsichtig sein, was er sagte. Es war sicher nicht klug, ihn vor seinen Mitschülern direkt als verrückten Irren zu outen.

Mrs. Lovegood verschaffte sich Aufmerksamkeit, was nicht besonders schwer fiel, da alle Augen nun neugierig auf Jade lagen.
"Meine Lieben. Das ist Riley Jade Winter. Er ist aus London hergezogen und wird sein letztes Schuljahr hier verbringen. Bitte nehmt ihn gut auf. Wer würde sich bereiterklären ihn ein wenig herumzuführen?" fragte Mrs. Lovegood.
Zu Luca's Entsetzen schoss Lindas Arm in die Höhe.
"Gott ist der knuffig!" raunte sie Milli zu, die verträumt nickte.
"Miss Goldstein, das ist sehr nett von Ihnen. Jade? Such dir doch bitte einen Platz aus" sagte Mrs. Lovegood beschwingt und verließ dann das Zimmer wieder. Jade lief derweil nach hinten und Luca folgte ihm aufmerksam mit seinen Blicken. Er musste herausfinden, was der Typ hier wollte.
Zu seinem Missfallen ließ der Junge sich ausgerechnet auf dem Platz direkt hinter ihm nieder.
Die komplette restliche Stunde spürte Luca seine Blicke im Nacken.

Das Pausenklingeln war eine Erlösung.
Bevor Luca sich jedoch umdrehen und Jade verhören konnte, hüpfte Linda übereifrig an ihm vorbei. Sie lächelte Jade freundlich an und streckte ihm die Hand entgegen, die er ohne Zögern ergriff.
Luca spürte einen heftigen Zorn in sich aufwallen. Er kannte sich gut genug, um zu wissen, dass es beißende Eifersucht war.
Wie konnte Linda so arglos sein? Fiel ihr Jades leerer Blick denn nicht auf?
Ihre leicht geröteten Wangen machten die Situation nicht besser.

"Soll ich dir dein Schließfach und die wichtigsten Räume zeigen?" fragte sie und Jade erhob sich augenblicklich.
"Gern" lächelte er und es zauberte einen Ausdruck in sein Gesicht, den Luca nicht anders als wunderschön bezeichnen konnte. Mit offenem Mund starrte er den Kleineren an. Selbst Linda war gut einen halben Kopf größer als dieser Psycho-Zwerg.
Hastig sprang er auf und lief ihnen nach. Er würde sicher nicht zulassen, dass die beiden allein waren.

Als er sich auf dem Flur betont lässig zwischen sie drängte und schützend einen Arm um seine Freundin legte, quittierte Jade dies nur mit einer fragend in die Höhe gezogenen Augenbraue.
"Ist das dein Wachhund?" fragte er Linda, ihn völlig ignorierend, was die beißende Wut in Luca's Magen nur noch mehr anschwellen ließ.
Sie lachte und legte ihm ebenfalls einen Arm um die Hüfte. "Das ist mein Freund. Luca."
Mit Genugtuung beobachtete er, wie Jade's Gesicht wieder zu einer leeren, unleserlichen Maske wurde und das geheuchelte Lächeln verschwand.
Schweigend gingen sie weiter und nachdem Linda die Cafeteria und die Bibliothek gezeigt hatte, sagte Jade emotionslos: "Ich denke das reicht. Danke für die Führung, ab jetzt komm ich allein klar", und ließ sie einfach so stehen.

Luca sah ihm missmutig hinterher. So würde er ihn nicht zur Rede stellen können. Er musste Jade allein antreffen. Solange Linda oder die anderen dabei waren, schien es ihm einfach zu riskant, den Jungen zu konfrontieren.
"Schatz?... Hallo?... Luca!"
Er zuckte zusammen und sah Linda ertappt an. Sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt und sah ihn merkwürdig an.
"Hast du dem Neuen gerade auf den Arsch gestarrt?" fragte sie empört.
"Wa… wie bitte?" fuhr er sie an. Wie kam sie auf so ein Blödsinn?
"Ich war nur in Gedanken!" rechtfertigte er sich.
Aus irgendeinem Grund, den er selbst nicht recht verstand, hatte sein Blick an dem Zwerg geklebt, bis dieser außer Sichtweite war, also mindestens zwei Minuten länger als angemessen, aber er hatte sicher nicht auf seinen Hintern  gestarrt!
Und selbst wenn, er behielt nur den Feind im Auge. Das war völlig legitim!
Sie sah ihn skeptisch an. Natürlich glaubte sie ihm nicht. Wie auch? Sie kannte ja nicht ihre gemeinsame Vorgeschichte.
Schnaubend und leicht beleidigt wandte er sich ab. Das war nun also der Dank dafür, dass er sie beschützen wollte. Super.

Als wäre das nicht genug, schien Jade innerhalb eines Tages zum neuen Lieblingsschüler sämtlicher Lehrer zu avancieren. Er schien praktisch auf jede Frage eine Antwort parat zu haben und Luca fragte sich schlecht gelaunt, wie er in seinem Zimmer in der Anstalt so viel Wissen erwerben konnte.

Nach dem Unterricht schaffte Luca es endlich, Jade allein zu erwischen, indem er sich schnell von seinen Freunden verabschiedete und ihm wie ein Irrer mit dem Fahrrad nachraste.
Er fuhr an ihm vorbei und bremste dann direkt vor dem Dunkelhaarigen ab, so dass er ihm den Weg blockierte.
"Was zur Hölle willst du an meiner Schule?! Bist du aus der Anstalt abgehauen? Verfolgst du mich jetzt?" fuhr er ihn ruppig an.
Er stand jetzt direkt vor ihm und sah mit angespannter Haltung auf den Kleineren herab. Er würde ihn nicht einen Schritt weiter lassen, bevor er eine Antwort hatte!
Jades Augen fixierten ihn und Luca betrachtete sie zum ersten Mal im Tageslicht.
Sie waren so dunkel, dass sie komplett schwarz wirkten und nun konnte er auch benennen, warum sein Blick immer so kalt wirkte. Diesen Augen fehlte jegliche Wärme.

"Was bringt dich dazu, dich für so wichtig zu nehmen? Vielleicht will ich nur meinen Abschluss machen?" lächelte er schmal.
Ok, diese Möglichkeit war nicht von der Hand zu weisen, aber sein Bauchgefühl sagte ihm, das da mehr dahinter steckte.
"Ja klar…" das eisige Grinsen des anderen spiegelnd, packte er Jade unsanft am Saum seines Shirts und zog ihn in die Höhe, so dass er nachgeben musste und nun leicht auf Zehenspitzen stand. Den Kopf hatte er ihm stolz und unnachgiebig entgegengereckt und sein Blick verriet keinerlei Unsicherheit oder Angst, war immernoch gefühllos und leicht spöttisch.
"Ich warne dich, wenn du vorhast, einem meiner Freunde wehzutun, dann…" wollte Luca drohen, doch Jade's weiche Stimme unterbrach ihn direkt.
"Lass mich lieber los, sonst werde ich noch ausversehen dir wehtun."
Luca wollte spöttisch auflachen, doch da erfasste ihn plötzlich eine ungeheuerliche Energiewelle und ließ ihn mehrere Schritte zurückstolpern.
Mit geweiteten Augen starrte er auf Jade den nun eine solch furchteinflößende magische Aura umgab, wie er sie nie zuvor gespürt hatte.
Luca wandte sich ab, stieg auf sein Rad und fuhr davon, ohne noch einmal zurückzublicken. Innerlich fühlte er sich wie gelähmt vor Angst. Er verachtete sich dafür, dass er vorerst die Flucht antrat, doch das letzte Wort in dieser Sache war noch nicht gesprochen.

Zuhause war er recht wortkarg und hatte auch keine Lust mehr, mit June zu spielen. Stattdessen verzog er sich in sein Zimmer. Seine Eltern taten es als jugendliche Laune ab und ließen ihn glücklicherweise in Frieden.
Luca fragte sich, was er wohl verbrochen hatte, dass das Schicksal ihn immer wieder mit diesem unheimlichen Jungen aneinandergeraten ließ.
Zu allem Übel sah er in dieser Nacht erneut das Licht auf dem Moor.


~ * ☆ * ♣ * ☆ * ~



Am nächsten Morgen warf er Jade hasserfüllte Blicke zu, die der andere gekonnt ignorierte.
Er schien in beinahe jedem Fach schon alles zu wissen, und Luca fragte sich einmal mehr, was dieser scheinbar hochbegabte Junge hier wollte.
Nur in Pflanzenkunde und Sport zeigte Jade deutliche Defizite. Witzigerweise waren das Lucas Lieblingsfächer.

In der Mittagspause genoss er es regelrecht, seine Ruhe vor dem unheimlichen Jungen zu haben. Dieser mied die überfüllte Mensa und so alberte Luca zum ersten Mal an diesem Tag unbeschwert mit seinen Freunden herum, ohne ständig brennende Blicke auf sich zu spüren.
Linda stand schon etwas eher vom Tisch auf. Er und Rick ließen sich Zeit.
"Hast du Kondome geholt?" grinste Rick bis über beide Ohren und Luca errötete leicht.
"Pssst. Brüll doch nicht so!"
"Ich mein ja nur. Heute ist die Nacht der Nächte. Du musst vorbereitet sein, darfst nichts dem Zufall überlassen. Keine Ablenkungen!"
"Ich hab welche dabei, ok?" stoppte Luca seinen Redeschwall. "Wir gehen direkt nach der Schule zu ihr."
Rick klopfte ihm anerkennend auf die Schulter.
"Ich beneide dich, Kumpel."

Luca fühlte sich aufgeregt aber euphorisch, als ihn nur noch die Pflanzenkundedoppelstunde von seinem ersten Sex mit Linda trennte.
Diese fing sogar recht unterhaltsam an, indem er Jade beobachtete, welcher die falschen Kräuter für die Heilsalbe pflückte und dafür Ärger bekam.
Seine hämische Freude hielt solange an, bis er bemerkte, dass dieser Trottel total arglos eine hochgiftige Pflanze in die Hand nahm und von der roten Beere probieren wollte.
Plötzlich zog sich sein Inneres so heftig zusammen, dass er vor Schmerz und Sorge laut aufschrie. Aus einem Impuls heraus rannte er auf Jade zu, der ihn wie alle anderen Schüler verblüfft anstarrte. Die hochgiftige Beere schwebte nur Millimeter von seinen zarten blassrosa Lippen.
Gefühlte Ewigkeiten und unzählige panische Herzschläge später war Luca bei ihm, riss an seinem Arm und schlug ihm die Beere aus der Hand.
"Bist du völlig bescheuert?! Das ist tödlich!" brüllte er den blassen Jungen an.
Jade blinzelte kurz und sah ihn dann seltsam an, als sähe er ihn zum ersten Mal wirklich.
"Kannst du das steuern?" wollte er unvermittelt wissen und Luca blieb kurz sprachlos der Mund offen stehen.
"Was?" fragte er überfordert und wurde dann von Professor Merryl unterbrochen, die eilig herbeigeeilt kam.
"Jungs, in den Waschraum, sofort! Sie müssen gründlich alle Spuren der Pflanze abwaschen, verstanden? Schnell!" Mechanisch setzten sie sich in Bewegung und sie sah ihnen völlig fertig nach. "Bei Merlin was da alles hätte passieren können…"

Während sie in den Waschraum liefen, fragte sich Luca, was Jade mit seiner Frage meinte.
"...kann ich was steuern?" hakte er nach.
Wieder huschte ein Grinsen über das blasse, wunderschöne Gesicht, diesmal allerdings ein recht freches.
"Deine Sorge um mich. Du eilst mir zu Hilfe wie so ein Ritter in strahlender Rüstung."
Lucas Mundwinkel wanderten nach unten. Machte der Drecksack sich etwa auch noch darüber lustig, dass er ihn vorm sicheren Tod bewahrt hatte?
"Ich versteh nicht was du damit sagen willst, ein einfaches Dankeschön hätte es auch getan. Oder habt ihr das in der Klapse nicht gelernt?!" fauchte er übellaunig, während sie sich sorgfältig an zwei benachbarten Waschbecken die Hände reinigten.
"Oh… soll ich dir zeigen was ich meine?"

Bevor Luca wusste was geschah, holte Jade aus einer seiner Hosentaschen eine der giftigen Beeren hervor und steckte sie blitzschnell in den Mund.
Erneut erfasste ihn die seltsame Panik, diesmal allerdings mit solcher Intensität, dass er handelte ohne nachzudenken. Blitzschnell schlossen seine Beine den Abstand zu Jade, seine Hände packten grob seinen Kopf, die Finger fuhren durch weiche Locken, und zogen den Kleinen ruckartig näher.
Ihre Lippen kollidierten fast schmerzhaft und Luca drängte seine Zunge grob in Jade's Mund.
Augenblicklich schoss eine Adrenalinwelle durch Luca und für eine Millisekunde ließ er den Gedanken zu, dass es sich berauschend gut anfühlte, diesem seltsamen Jungen auf so intime Art nah zu sein. Doch dann übernahm wieder die Angst das Ruder und seine Zunge tastete jeden Winkel nach der Beere ab.
Der Kleinere leistete keinen Widerstand und so gelang es ihm tatsächlich, sie durch den tiefen Kuss aus Jade's Mund in seinen Eigenen zu befördern.
Ruckartig löste er sich von dem Kleineren und spuckte die Beere aus. Sie hinterließ einen bitteren Geschmack.
Jade's Blick ruhte auf ihm und Luca sah, dass auf seinen Wangen ein rosa Hauch erschienen war. Die nun vom Küssen geröteten Lippen standen leicht offen und er verspürte den Drang sie erneut mit seinen zu verschließen, als sein Verstand endlich wieder begann zu arbeiten.

Geschockt riss er die Hände vor den Mund.
"Ach du Sch…!"
Das Grinsen auf Jade's Gesicht war zurück und am liebsten hätte Luca ihn dafür geschlagen.
"Du musst es tatsächlich sein.." hauchte er. "Keiner wäre so dumm, sein Leben einfach so wegzuwerfen."
Luca verstand nicht, was der Junge da redete. Unbändige Wut erfasste ihn und kurz darauf ohnmächtige Hilflosigkeit, als er realisierte, dass er sterben würde.

Warum nur hatte er das getan?
Warum hatte er sein Leben beendet, aus dem Zwang heraus, einem Jungen zu helfen, der nicht mehr zu retten war?

Er sah Jade vor sich straucheln.
Müsste nicht in diesem Moment sein Leben an ihm vorbeiziehen?
Bevor er noch einen weiteren Gedanken fassen konnte, wurde ihm schwarz vor Augen und sein Geist tauchte ab ins Nichts.


~ * ☆ * ♣ * ☆ * ~



Luca blinzelte. Das grelle Licht blendete ihn und sein Kopf dröhnte unangenehm.
Zuerst sah er nur verschwommen, dann wurde langsam die Umgebung sichtbar. Er lag in einem Krankenzimmer des Mungo. In einem Raum dessen Tür mit einem dicken Riegel verschlossen schien und dicke Gitterstäbe vor den Fenstern hatte.
Die Ereignisse drängten sich zurück in sein Gedächtnis.
Er… er hatte überlebt!
Sein Blick flog zum Nachbarbett, in dem ein zierlicher Junge mit Gurten festgeschnallt und durch Handschellen fixiert dalag.

"Na, endlich wach?" tönte seine emotionslose Stimme zu ihm herüber.
Es gab hundert unschöne Dinge, die er Jade in diesem Moment gern an den Kopf geworfen hätte, doch aus seinem Mund kam die dringendere Frage:
"Wir leben. Wie ist das möglich?!"

"Ich habe eine sehr starke Blutlinie und bin zudem ein magisches Wesen. So eine kleine Beere bringt mich nicht um."
"Schön für dich aber… wie konntest du wissen, dass ich ebenfalls überlebe?"
"Konnte ich nicht", war die schlichte Antwort und Luca drehte sich beinahe der Magen um.
"Aber wärst du so schwach, dass du an sowas verreckst, wärst du meine Aufmerksamkeit eh nicht wert" fügte Jade kalt an.

Einen Moment herrschte Stille, dann wollte Luca aus dem Bett springen und Jade eigenhändig erwürgen, doch sein Körper war noch so geschwächt, dass er sich kaum aufrichten konnte.
"Ich hab nie um deine Aufmerksamkeit gebeten, du Freak!" grollte er und sank kraftlos zurück in die Kissen. "Wieso liege ich überhaupt hier? Ich hab es langsam satt, mit dir eingesperrt zu sein!"

Eine Heilerin, die gerade den Raum betrat um nach ihnen zu sehen, antwortete an Jade's Stelle:
"Sie liegen zusammen hier, da sich die Veela und ihr Herr schneller erholen und ihre magischen Reserven regenerieren, wenn sie nah beieinander sind."

Luca fühlte sich verarscht.
"Nein. Da muss ein Missverständnis vorliegen. Ich bin keine... Veela."
Von Jade kam ein prustendes Lachen.
Dann dämmerte es ihm langsam und er sah geschockt zu dem Kleineren rüber. Es ergab alles ein erschreckend klares Bild.
"Nein! Sag mir, dass das nicht wahr ist!"
"Oh. Sie wussten nichts davon?" Die Heilerin wirkte peinlich berührt.

"Seit wann?!" Luca hatte nur noch Augen für den Schwarzhaarigen Jungen neben sich. Er konnte die unbändige Wut in seinem Inneren kaum noch zügeln.
"Hm?" Für einen Jungen dessen Gesicht sonst meist von Kälte oder einem schmalen Lächeln geprägt war, schaute er nun ungewohnt unschuldig drein.
"Seit wann du es weißt, dass du meine Veela bist! Antworte!" schrie er ihn unbeherrscht an und nun schrie Jade tatsächlich zurück, anstatt dem klaren Befehl zu gehorchen.
"Ich lasse mir von dir nichts befehlen!"
Trotz seinem Zustand war Luca nun doch aus dem Bett gesprungen, um den Jungen zu würgen.
"Mr. Potter, beruhigen Sie sich!" rief die Ärztin und sprang herbei.
Bevor er es sich versah hatte er eine Spritze im Nacken und sackte erneut in die Dunkelheit.


~ * ☆ * ♣ * ☆ * ~



"Du darfst nicht so hart zu ihm sein. Er ist dein Seelengefährte."
"Tz. Er ist ein erbärmlicher Schwächling."
"Nur weil er nicht auf den ersten Blick so stark ist wie du, heißt das nicht, dass er schwach ist. Es gibt andere Dinge, in denen er dir weit überlegen ist. Er ist ein Beschützer und ein sehr sanfter Junge. Er wird dir guttun."
"Bilden Sie sich nicht ein, zu wissen, was gut für mich ist! Das tut mein Vater zu Genüge. Nur weil Sie meine Psychologin sind, heißt das nicht, dass Sie mich kennen!"
"Wie dem auch sei. Es ändert nichts an der Tatsache, dass du diesen jungen Mann hier brauchst, um überleben zu können. Du solltest also etwas netter zu ihm sein, wenn du nicht riskieren willst, dass er dich abweist. Du spielst mit dem Feuer."
"Mir egal. Jetzt gehen Sie beiseite!"
"Du solltest wirklich bei ihm bleiben. Es ist nicht gut wenn…"
"Ich werde mich nicht wiederholen!"

Ein lautes Türknallen erklang und danach ein Seufzen. Luca hielt die Augen geschlossen und lauschte. Dann war ein Flüstern zu vernehmen:
"Dummer, naiver Junge! Hat er denn überhaupt nicht bemerkt wie knapp er an der Schwelle des Todes stand, und dass es nur seinem Gefährten zu verdanken ist, dass er sich so schnell erholt hat? Ihm die magische Kraft entziehen und ihn dann zurücklassen… dummer, dummer Junge…"

Die Tür ging erneut. Luca öffnete die Augen und blickte nachdenklich an die Decke.
Er hatte genug gehört.
Da seine Eltern ebenfalls ein Veela-Paar waren, wusste er um die Besonderheiten einer solchen Beziehung. Und er hatte auch die eher unschönen Details von Draco erzählt bekommen.
Es war nie ganz sicher gewesen, ob in ihm Harrys oder Dracos Gene überwogen. Als er sich an seinem 17. Geburtstag nicht gewandelt hatte, waren sie alle erleichtert gewesen. Vor allem Draco, der dankbar war, dass ein Sohn nicht sein Schicksal teilen musste.
Als Herr einer Veela war er definitiv in einer komfortabeleren Position. Er würde nicht sterben, wenn er die Bindung ablehnte. Er konnte sein Leben normal weiterleben. Allerdings hatten ihn seine Väter dazu erzogen, Veelas zu achten und es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sollte eine ihn zum Partner auswählen.
Wie er allerdings jemals mit jemandem wie Jade zusammenleben sollte, konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen. So gern er ihm auch helfen wollte, er glaubte nicht, dieser Veela wirklich gewachsen zu sein. Es gab durchaus widerspenstige Exemplare, die sich Befehlen widersetzen konnten, aber von einer, die ihren Herren noch vor der Bindung beinahe umbrachte, und das aus Spaß, hatte er noch nie gehört.

Als sich die Tür erneut öffnete, und seine Eltern mit besorgten Mienen hereinstürmten, beschloss er, die Sache geheim zu halten. Er würde das mit Jade persönlich klären.

Tbc.


Entschuldigt die lange Wartezeit.
Bin gespannt wie ihr den Verlauf der Story findet. Das letzte Kapitel hatte nicht so viel Feedback und ich hatte schon Angst euch gefällt die "Rollenverteilung" nicht xD
lg tess
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