Ein Stück davon bleibt für immer deins

GeschichteDrama, Familie / P16 Slash
Boris Saalfeld OC (Own Character) Paul Lindbergh Romy Ehrlinger Tobias Ehrlinger / Saalfeld
31.08.2020
28.09.2020
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3.507
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31.08.2020 1.400
 
Ihr Lieben

…seit Monaten, vielleicht sind es tatsächlich bald einmal Jahre, trage ich diesen Gedanken mit mir rum und nun wurde er so intensiv und aufmüpfig, dass ich diese Geschichte schlicht nicht mehr „nicht schreiben“ konnte! Das Verdrängen funktionierte irgendwie nicht mehr…vielleicht war es auch mit ein Grund, dass das Schreiben in letzter Zeit schwierig war, weil das einfach irgendwo schlummerte und rauswollte.

Was wäre gewesen, wenn das Schicksal anders entschieden hätte…Boris vor sieben Jahren hätte Abschied nehmen müssen…was ist aus ihm geworden, was aus Romy&Paul…wie geht es ihnen…

Ich kann absolut verstehen, wenn es LeserInnen gibt die finden, das kann ich nicht lesen, aber ich freue mich umso mehr über einen Jeden, der sich darauf einlassen mag und ihr wisst ja…ich freue mich immer total fest über Feedback...über Lob, aber auch über Kritik!


Für mich ist dies ein Weg...ja eine Variante aufzuzeigen, dass egal was einem im Leben widerfährt, es irgendwie weitergehen kann…und es muss nicht alles schlecht oder traurig sein, ganz sicher ist es einfach anders…aber manchmal auch anders gut…es kommt vielleicht auch einfach darauf an, *dem Anders* eine Chance zu geben.


Während dem Schreiben begleitet mich der Gedanke:

*** Sein Leben mit Tobias im Herzen und Linus an der Hand***

…vielleicht hilft dieser euch beim Lesen!

Ganz herzliche Grüsse eure BlackSea
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…seine eiskalte Hand ist warm umschlossen, wird leicht gedrückt…nicht aufdringlich oder unangenehm, im Gegenteil, behutsam und schützend! Es fühlt sich widererwarten gut an, das Labyrinth über den kleinen, ländlichen Friedhof von Krautting nicht alleine zu gehen, wie er es in den letzten sieben Jahren fast immer tat. Die Kieselsteine knirschen unter ihren Füssen, vermitteln ihm irrsinnigerweise ein zartes Gefühl von nach Hause kommen oder nach Heimat…vermutlich eine verinnerlichte Kindheitserinnerung, die sich festgesetzt hat in seinem Innersten und wahrscheinlich der einzige Grund, der es ihm vor Jahren überhaupt erst ermöglichte, diesen Ort zu besuchen.


Die Blätter der grossen Mamoffelbäume wiegen zart hin und her, rauschen leise im Wind und durch die Baumkronen blitzen einzelne Sonnenstrahlen durch. Schon bald wird nur noch das nackte Gerippe der imposanten Bäume zu sehen sein, der Herbst ist innert kurzer Zeit eingezogen, deutlich zu merken an den kürzeren Tagen und die Temperaturen sind weit unter 20 Grad gesunken…die dunkle Jahreszeit beginnt... Damit auch die zu dieser Zeit besonders intensive Phase der Verarbeitung und Trauer…ob es je aufhören wird weh zu machen?! Ob er es irgendwann schaffen wird, dass nur noch das Schöne, das er mit seiner grossen Liebe erleben durfte, seine Gedanken und Gefühle beherrscht?!

Seine Schritte werden schwerer…langsamer, sein Herzschlag im gleichen Masse schneller…und auch wenn es für die Meisten wohl nach einer Ewigkeit klingt, seit Tobias nach einem gehauchten, kaum verständlichen „ich liebe dich“ die Augen für immer schloss, fühlt er es bis heute, dieses Klemmen in der Brust, das sich eisern um seine Luftröhre schlingt, ihm den Atem abdrückt und Gänsehaut über seinen Rumpf ziehen lässt, wann immer er hier steht und die in Naturstein gemeisselten Worte liest, die das Geschehene nicht verdrängen lassen…nie verdrängen liessen!

TOBIAS EHRLINGER

***Einzig das Wissen,
dass du mit Liebe im Herzen gehen konntest,
macht es etwas erträglicher…
Du fehlst uns unendlich!***

Er kniet vor dem Grab am Boden, zieht hier und da etwas Unkraut aus der zurzeit staubtrockenen Erde, bricht, in seinen Gedanken verloren, verdorrte Blüten aus den prächtig blühenden rosa- und pinkfarbenen Sonnen-Impatiens…Tobias’ Mama schafft es seit Jahren, diesem so traurigen Ort eine strahlende, ja fast fröhliche Nuance einzuhauchen…sagt immer, Tobias hätte es bestimmt so gewollt. Burgel hegt und pflegt das Grab wie ein kleines Gärtchen, die Liebe, die Tobias in seinem Leben schenkte, aber auch geschenkt bekam ist deutlich sichtbar und so ziert auch eine seit Jahren verrostete Laterne, wobei der Rost sie nur noch schöner wirken lässt, das Plätzchen und wer immer da ist, zündet eine neue Kerze an… In all den Jahren war wohl kaum je länger als wenige Tage Finsternis auf diesem Grab. Bis heute wird Tobias letzte Ruhestätte von seiner Familie und Freunden sehr oft besucht…


„Ich gehe noch eine Giesskanne mit Wasser holen…ja?“ holt ihn die nur flüsternde Stimme von Linus kurz zurück…sanft streichelt dessen warme Hand über seinen Rücken, schenkt ihm einen liebevollen Blick aus seinen tiefgrünen Augen, ehe er ihn alleine lässt…alleine mit seinen Gedanken…
Wie so oft in all den Jahren, seit er Tobias verloren hat, spricht er mit ihm…ohne Ton…schenkt ihm seine Gedanken, erzählt ihm aus seinem Alltag, aus seinem Leben…von Träumen und Wünschen, nie waren diese Zwiegespräche zwischen ihnen an einen Ort, wie jetzt gerade der Friedhof, gebunden…nie und doch fühlt er sich Tobias in diesem Augenblick einfach nur nah…


***Hei mein Schatz…was du wohl gerade so treibst auf Wolke 12 oder ist es zurzeit die 17? Weisst du eigentlich, dass ich mir das manchmal so absolut kitschig und kindlich vorstelle, wie du da oben irgendwo auf einer Wolke sitzt…umherschweifst und runterschaust, was wir hier alles anstellen…und machmal frage ich mich, ob es dann im Winter auch kälter ist bei dir, ob du elende Frostbeule dann auch frierst…du siehst, alles beim Alten…ganz alles ist wohl nicht richtig verdrahtet bei mir, der Haustechniker fehlt halt einfach!

Aber weisst du was, hast du gesehen…ich bin heute nicht alleine gekommen, Linus hat mich begleitet…hab dir ja schon von ihm erzählt…ich weiss, dass du ihn sehr mögen würdest…und er dich! Du glaubst ja gar nicht, wie hartnäckig deine Cousine sein kann, was lag die mir in den Ohren in den letzten Jahren von wegen “ach Boris…du bist doch viel zu jung um alleine zu bleiben, Tobias würde das NIE wollen und der Mensch ist nicht gemacht zum alleine sein…dann hat sie sogar die Liebeskeule ausgepackt…hat steif und fest behauptet, es könne auch eine grosse Liebe NACH dieser einen grossen Liebe geben“ phu ich sags dir!! Aber ganz ehrlich, ich hatte schlicht nie das Bedürfnis, war nie auf der Suche Jemanden kennenzulernen…ich weiss genau was du jetzt fragen würdest, schon klar! Jaaa...natürlich hab ich nicht sieben Jahre wie ein Mönch gelebt…ich hatte Sex…anonymen und frei von jeglichen Gefühlen die tiefer gingen als…na du weisst schon…und nun…nun ist Linus gekommen und geblieben...völlig unerwartet, ungeplant und doch fühlt es sich schön an! Er purzelte wortwörtlich in mein Leben, ich war Laufen im Wald…er auch und offensichtlich hab ichs mit Tollpatschen…ich meine, wer mit offenen Schnürsenkeln im Wald Laufen geht, der muss sich nicht wundern, wenn er den Hang runter die Abkürzung nimmt…genau das hat er getan. Mittlerweile weiss ich, dass der Kerl schlicht zu faul ist, sich das Zeugs anständig zuzubinden…von wegen Versehen und so….ich höre dich gerade lauthals Lachen und schaue gegen den Himmel, welche Wolke sich nun wohl gerade schüttelt…!***

Den Blick in Richtung Himmel gerichtet, hört Boris das inzwischen so sehr vertraute Knirschen von Kieselsteinen, die von Schuhen zur Seite gedrückt werden, näher kommen…verstohlen streicht er sich kurz über die Augen, ehe er diese für einen Moment schliesst…

***weisst du Tobi, du wirst immer diese eine-meine grosse Liebe sein…und unvergessen bleiben, du gehörst zu meinem Leben wie die Luft zum Atmen, die wir eine Weile zusammen teilen durften!***


„…meinst du die zwei Kannen reichen aus?“ Da steht er sein Tollpatsch…Linus 36, tief grüne Augen, blonde Haare, die er in luftigen Wellen etwas länger trägt und ihn um einen halben Kopf an Grösse überragend… Boris blinzelt eine einzelne Träne weg, die seinen Blick etwas verschleiert, ehe er sich Linus zuwendet… „..ja ich denke das reicht aus, hilfst du mir?“ Stillschweigend giessen sie die Blumen, Boris zündet die mitgebrachte Kerze an und stellt sie in die Laterne und mit einem gehauchten Handkuss machen sie sich auf den Weg zurück zu ihrem Auto. Sie werden noch heute wieder Richtung Norden nach Hause fahren.

„Linus…warte kurz, bitte“, hindert Boris Linus daran einzusteigen, nimmt seine Hände und legt sie um sich und seine um ihn, schmiegt sein Gesicht in Linus’ Halsbeuge „Danke bist du mitgekommen und Danke für deine andauernde Geduld mit mir und meiner Vergangenheit, das bedeutet mir sehr viel…wohl mehr als du dir vorstellen kannst! Vielleicht magst du ja heute Abend noch auf ein Glas Rotwein bleiben…ich glaube, ich würde dir gerne etwas mehr von damals erzählen…“
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