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Wenn Narben verheilen

GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
31.08.2020
21.12.2020
17
17.721
5
Alle Kapitel
38 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
07.09.2020 1.035
 
Hey, hier kommt wie versprochen das nächste Kapitel!
Danke an Frelldy für einen weiteren Review! Außerdem danke an die drei, die diese Geschichte zu ihren Favoriten hinzugefügt haben!
Aber jetzt will ich euch gar nicht länger aufhalten, also Schluss mit der Vorrede!



Am nächsten Morgen wachte ich früh auf. Ich sah auf meinen Wecker. Erst halb sechs! Ich hatte noch eine Stunde, bis ich aufstehen musste. Ich drehte mich auf die andere Seite und kuschelte mich tiefer unter meine Bettdecke. Ich dachte an den Traum, den ich gehabt hatte. Ich konnte mich nur undeutlich an ihn erinnern.
Ich war in der Schule gewesen und meine Mathelehrerin Frau Eckert wollte mit mir wegen irgendeines Termins sprechen. Ich war daraufhin in die Toilette abgehauen, wo Emma von nebenan mir einen Teller Lasagne angeboten hatte.
So ein Quatsch! Wie konnte man nur so einen Unsinn zusammenträumen! Ich musste unwillkürlich grinsen.
Dann kroch ich aus dem Bett, schaltete das Licht an und tapste barfuß zum Bücherregal. Ich ließ meine Finger an den Buchrücken entlangstreifen. Dieses Buch kannte ich schon, das auch, das auch. So ein Mist! Das Vampirbuch hatte ich gestern Abend fertig gelesen. Und was jetzt? Ich hatte nichts zu lesen, gar nichts. Ich musste heute nach der Schule unbedingt zur Bücherei!
Schließlich fand ich doch ein eher dünneres Buch, das ich schon länger nicht mehr gelesen hatte. Es zählte nicht gerade zu meinen Lieblingsbüchern, aber ich wusste auch nicht, was ich sonst lesen sollte. Ich ging zurück zu meinem Bett und schlug es auf. Dann versank ich in der Welt des Buches.
Um halb sieben klingelte mein Wecker. Ich stellte ihn aus, klappte mein Buch zu und legte es weg. Dann sprang ich aus dem Bett, zog mich an, machte mich im Bad fertig und ging hinunter zum Frühstück. Mama stand schon in der Küche.
„Guten Morgen, mein Schatz“, rief sie fröhlich. „Hast du gestern den Kuchen zu den neuen Nachbarn gebracht?“
„Ja, hab ich“, antwortete ich. „Sie haben sich gefreut!“
Mama war immer glücklich, wenn sie jemanden mit etwas Selbstgemachtem erfreuen konnte, also erlaubte ich mir den Satz, ohne zu wissen, ob es wirklich so war.
Für gewöhnlich ging ich spätestens um viertel vor acht aus dem Haus, um pünktlich zum Unterrichtsbeginn um acht Uhr an der Schule zu sein. Heute war es zehn vor acht, als ich aus dem Haus spurtete. Jetzt musste ich mich aber wirklich beeilen! Während ich zur Schule rannte, fragte ich mich, wann Emma zur Schule gehen würde. Schon heute? Oder erst morgen? Vielleicht auch erst in einer Woche. Bisher war ja keiner der neuen Nachbarn aus dem Haus gegangen. Vielleicht waren sie alle eher schüchtern und Emma würde erst noch eine Weile zu Hause bleiben, bevor sie sich in die Schule wagte. Obwohl, gestern erschien Emma mir nicht gerade schüchtern oder ängstlich. Eher neugierig und tatkräftig.
Als ich ins Klassenzimmer stürmte, zeigte die Uhr eine Minute vor acht. Gerade noch rechtzeitig! Bei Frau Eckert war es wichtig, nicht zu spät zu kommen, denn sie betrat immer um Punkt acht Uhr das Klassenzimmer. Normalerweise. Es wurde zwei nach acht, fünf nach acht, zehn nach acht. Langsam begann die Klasse, sich zu wundern. Aber außer mir schien sich niemand Sorgen zu machen, dass ihr irgendetwas zugestoßen sein könnte.
Es war viertel nach acht, als Frau Eckert endlich durch die Tür schritt. Und sie war nicht allein. Ich traute meinen Augen kaum, als ich die Person an ihrer Seite erkannte. Emma?! Also doch!
Meine Lehrerin legte ihre Hand auf Emmas Schulter und führte sie nach vorne zum Pult. 21 Augenpaare folgten ihnen. Frau Eckert stellte sich neben das Pult.
„Zuerst einmal entschuldige ich mich für die Verspätung“, sagte sie. „Es gab wegen unserer neuen Mitschülerin eine kleine Zeitverzögerung.“ Sie schaute zu Emma. „Möchtest du dich kurz vorstellen?“
Meine Nachbarin befreite sich aus der Hand, die Frau Eckert immer noch auf ihre Schulter gelegt hatte, und stellte sich selbstbewusst hin. „Ich heiße Emma“, begann sie. „Ich bin dreizehn Jahre alt und vorgestern hierher gezogen. Davor habe ich in Schlettau gewohnt.“
Ich hatte keine Ahnung, wo Schlettau lag. Das musste ich zuhause mal nachschauen.
Während Emma weitersprach, musterte sie die Schüler und Schülerinnen einen nach dem anderen. Ihr Blick blieb an mir hängen. Sie runzelte kurz die Stirn, dann schien ihr wieder einzufallen, wo sie mich schon einmal gesehen hatte. Sie lächelte mich an. Ich lächelte zaghaft zurück.
„Wo möchtest du dich denn hinsetzen?“, fragte Frau Eckert, nachdem Emma geendet hatte. „Neben Paul ist noch ein Platz frei, da neben Sophie auch und dort neben Celina.“
Emmas Blick glitt zu Sophie. Ich senkte den Kopf. Dass Emma sich neben mich setzen würde, konnte ich knicken. Wahrscheinlich würde sie sich neben Sophie setzen. Sophie war immer gut gekleidet und hatte ihre blonden, glänzenden Haare meist zu einem Dutt hochgesteckt. Sie hatte mal eine beste Freundin gehabt, Marie. Doch dann war Marie umgezogen. Der Grund, dass inzwischen immer noch niemand neben Sophie saß, war, dass sie niemanden wirklich leiden konnte.
Aber jetzt sah sie Emma interessiert an. Ich seufzte leise. Warum hoffte ich eigentlich immer noch, dass sich irgendwann einmal jemand neben mich setzen wollte? Keiner will neben einem Mädchen mit zerzausten, langweilig dunkelbraunen Haaren und breiten Narben im Gesicht sitzen. Schon gar nicht, wenn auch ein hübsches, perfekt geschminktes Mädchen mit langen, blonden Haaren zur Auswahl steht.
„Okay“, sagte Emma schließlich. „Ich weiß, neben wem ich sitzen will.“
Schlagartig wurde es still in der Klasse. Ich hob den Kopf und sah zum Pult.
„Celina!“, verkündete Emma.
Ich kippte mitsamt meinem Stuhl nach hinten um.


So, ich bin's nochmal, diesmal am Ende des Textes. Ich wollte euch mal fragen: Wie findet ihr die Nutzung der Adjektive in dieser Geschichte?
a) zu viel (klingt zu übertrieben; Adjektive sind so auffällig, dass man sich nicht mehr auf die Handlung konzentrieren kann)
b) zu wenig (Text klingt langweilig; durch fehlende Adjektive sind Handlungsabläufe zu ungenau beschrieben)
c) genau richtig (Text klingt spannend/anschaulich, genau richtig eben)
ac) Mischung aus a und c (etwas zu viele Adjektive)
bc) Mischung aus b und c (etwas zu wenige Adjektive)

Ich weiß jetzt schon, dass niemand a) nehmen wird, aber egal ;)
Über Antworten zu dieser Frage würde ich mich freuen!
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