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Wenn Narben verheilen

GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
31.08.2020
21.12.2020
17
17.721
4
Alle Kapitel
38 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
07.12.2020 1.028
 
Hey :D
Ja, viel gibt es eigentlich diesmal nicht zu sagen. Gestern kam ein neues Kapitel von der Harry-Potter-Adventskalendergeschichte bei meiner Freundin Pradaline raus und allylu hat in ihrem Review geschrieben, dass bei dem ersten Kapitel ein kleiner Logikfehler drin ist. Da hab ich nämlich statt "einem halben Jahr" nur "ein Jahr" geschrieben. Das hab ich vorhin verbessert. Danke für den Hinweis!
Außerdem danke an Federhalter02, Samirana und eben allylu für eure Reviews zum letzten Kapitel und jetzt los geht's mit diesem Kapitel!



Langsam wandte ich mich von der Straße ab. Das war es dann wohl gewesen mit unserer Freundschaft. Ich fühlte mich seltsam leer und die Welt um mich herum kam mir still und unwirklich vor. Ununterbrochen kreisten meine Gedanken um Emma und die Szene mit dem Auto. Warum war Emma eigentlich plötzlich so wütend geworden? Ich versuchte meine Gedanken zu sortieren, wie ich es auch nach dem Gespräch mit Frau Eckert gemacht hatte. Doch es wollte einfach nicht klappen. Immer wieder schob mein Kopf das Bild von Emma dazwischen, als sie sich von mir abgewandt hatte. Ich konnte nicht sagen, wie lange ich hier draußen stand und in die Luft starrte. Irgendwann drang die Stimme meiner Mutter wie durch Watte an mein Ohr und ohne meine Umwelt richtig wahrzunehmen, aß ich mit meinen Eltern und Felix zu Abend. Wenn ich etwas gefragt wurde, gab ich nur einsilbige Antworten und schlich schließlich hoch in mein Zimmer, wo ich abschloss und mich aufs Bett warf. Später schlurfte ich kurz ins Bad, um mir die Zähne zu putzen und legte mich danach wieder ins Bett. Doch schlafen konnte ich nicht. Emmas harte Worte wollten einfach nicht auf meinem Kopf verschwinden und ich lag noch lange mit offenen Augen da, starrte in die Dunkelheit und kam nicht zur Ruhe. Es war weit nach Mitternacht, als ich endlich einschlief.

Müde schlug ich die Augen auf. Die Szene mit Emma hatte mich selbst im Schlaf nicht losgelassen. Ich fühlte mich ausgelaugt, aber wenigstens kam mir die Welt nicht mehr wie in Watte vor. Verschlafen warf ich einen Blick auf meinen Wecker: 6:27 Uhr. Kein Wunder, dass ich müde war, wenn ich nur knapp vier Stunden geschlafen hatte! Zum Glück war heute Samstag! Ich drehte mich auf die andere Seite und versuchte, weiterzuschlafen, aber die Gedanken an Emma hielten mich davon ab. Seufzend schlug ich die Bettdecke zurück, ging auf Zehenspitzen durch den Raum, um niemanden aufzuwecken, und suchte in der Tasche mit den Büchern aus der Bibliothek nach etwas Spannendem, das mich ablenken konnte. Ich wurde auch alsbald fündig und kuschelte mich mit Simons Geheimnis wieder ins Bett. Tatsächlich lenkte mich das Lesen von der Sache mit Emma ab und als ich um halb neun aufstand, hatte ich bereits das halbe Buch durchgelesen. Nach dem Frühstück beschloss ich auf gut Glück mal bei Emma zu klingeln, um mit ihr zu reden. Ich hatte wenig Hoffnung, dass sie mir zuhören würde, aber einen Versuch war es allemal wert.
Kurze Zeit später stand ich vor Emmas Haustür und brachte mich schließlich dazu, auf den Klingelknopf zu drücken. Ein gedämpftes Ding-Dong ertönte und dann raschelte es in der Türsprechanlage.
„Hallo?“
Das war Emmas Stimme!
„Hallo, ich bin‘s, Celina.“ Ich räusperte mich. „Emma, hör zu, ich –“
Die Türsprechanlage knackte und verstummte dann. Ein klares Zeichen. Ich war eigentlich nicht sehr nah am Wasser gebaut, aber in diesem Moment fühlte ich mich so elend und verzweifelt, dass mir die Tränen kamen, ohne dass ich etwas dagegen machen konnte.

Als ich zwei Tage später vor Emmas Haustür stand und sie abholen wollte, um mit ihr zusammen zur Schule zu gehen, kam sie vor meinen Augen aus der Haustür, ignorierte mich vollkommen und lief schnellen Schrittes auf die Schule zu. Ich spürte erneut einen Stich im Herzen. Langsam folgte ich ihr, obwohl ich am liebsten umgedreht und nach Hause gerannt wäre. In der ersten Stunde hatten wir Chemie und in dem Fachraum saß ich nicht neben Emma, aber danach stand Deutsch auf dem Stundenplan und das hatten wir im Klassenzimmer.
„Bitte, Emma“, sprach ich sie verzweifelt an. „Hör mir doch zu!“
„Lass es einfach, Celina!“
Ich erschrak über ihre kalte Stimme. Trotzdem redete ich weiter.
„Ich … ich konnte einfach nicht –“
„Ich sagte, lass es!“
Warum hörte sie mir nicht wenigstens zu? Ich beschloss, es für heute dabei zu belassen und morgen nochmal zu versuchen. Doch auch die beiden darauffolgenden Tage hatte ich keinen Erfolg.

Am Donnerstagmorgen in der Schule hatte ich dann genug. Emma erwiderte inzwischen nicht einmal mehr etwas auf meine Annäherungsversuche, sondern wandte sich einfach von mir ab, wenn ich sie ansprach. So auch heute nach dem Unterricht. Wir waren schon auf dem Pausenhof, von dem die Schüler gerade in Scharen zu den Fahrradständern und der Bushaltestelle strömten. Doch als Emma wieder den Kopf wegdrehte und loslaufen wollte, legte ich meine Hand auf ihre Schulter und hielt sie fest. Emma blieb stehen, schaute aber nicht zu mir und schien immer noch bereit, sich jeden Moment aus dem Staub zu machen.
„Was willst du noch?“, fragte sie mit gleichgültiger Stimme.
„Ich will, dass du mir zuhörst. Ich will, dass du weißt, dass das anders gemeint war. Dass ich schon mit dir auf den Ausflug wollte, nur …“
„Nur?“ Sie klang immer noch uninteressiert.
„Es ging nicht. Ich konnte nicht.“
„Wie meinst du das?“ Jetzt mischte sich doch eine Spur Neugierde in ihre Stimme, obwohl der kalte Teil immer noch überwog.
„Ich werde es dir erklären. Aber du musst versprechen, dass du bis zum Ende zuhörst und erst dann urteilst.“
Emma sagte nichts.
„Bitte versprich es.“
„Okay, ich verspreche es“, kam es schließlich von ihr.
„Danke. Komm mit.“
Ich zog sie zu einer Mauer auf dem Schulhof, die ein wenig abseits und von der Straße nicht einsehbar war. Ich spürte, dass ich nicht um dieses Gespräch herum kam. Ich musste es tun. Ich musste Emma mein größtes Geheimnis anvertrauen.


Okay, ich glaube, es ist klar, was im nächsten Kapitel kommt und ich wette, dass die meisten von euch schon lange auf das nächste Kapitel warten. ;)
Dann bis nächste Woche!
PS: Sorry, dass das Kapitel so kurz war …
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