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Wenn Narben verheilen

GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
31.08.2020
21.12.2020
17
17.721
4
Alle Kapitel
38 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
30.11.2020 1.352
 
Hey :D
Da bin ich wieder! Es tut mir leid, dass das Kapitel so spät kommt, dafür hat es aber auch über 1200 Wörter! Und das große Etwas kommt endlich! Aber lest einfach selbst! Zwei Dinge noch:
1. Ich bin in letzter Zeit nicht zum Beantworten der Reviews gekommen, das werde ich versuchen zu ändern, weil ich es selbst immer blöd finde, wenn ein Review unbeantwortet bleibt. Also sorry dafür!
2. Schaut doch mal bei meiner Freundin Pradaline vorbei! Wir haben eine Weihnachtsgeschichte angefangen über die Rumtreiber in Harry Potter (Pairings: Jily, Wolfstar). The Marauders Christmas Special. Weitere Infos gibt es dort.
Dann danke an Federhalter02, Samirana und Frelldy DA für eure Reviews und schon mal bis nächste Woche, weil das Ende des Kapitels meiner Meinung nach eine Stimmung hat, die ich nicht mit einem Kommentar zerstören will. Los geht's mit dem Kapitel!



„Was?!“, entfuhr es mir. Einen Psychologen? Ich konnte zwar Frau Eckerts Entscheidung verstehen. Nach dem Gespräch, das ich mit ihr hatte, war es schon irgendwie naheliegend, eine Hilfe für mich zu Rate zu ziehen. Nur, dass ich keine Hilfe wollte. Ich hatte das Gefühl, Emma als Freundin reichte schon dafür. Auch wenn ich nachts noch von dem Unfall träumte, dachte ich zumindest tagsüber nicht mehr daran und war generell viel glücklicher mit Emma an meiner Seite.
Mama nickte. „Ja, Frau Eckert hat erzählt, dass sie ein Gespräch mit dir hatte und du ihr einiges erzählt hast.“
„Was hat sie euch erzählt?“, fragte ich tonlos.
„Nur dass sie mit dir über den Unfall gesprochen hat.“
Ich atmete erleichtert auf.
„Und über das Mobbing. Da hat sie uns genauer informiert.“
Oh nein!
„Über was du mit ihr bezüglich des Unfalls geredet hast, wissen wir nicht, aber das kannst du ja dann dem Psychologen anvertrauen.“
Sie stellten sich das so einfach vor, ohne zu wissen, was wirklich in mir vorging und wie ich mich mit der ganzen Sache fühlte! Ich spürte, wie langsam Wut in mir aufkam und sich wie Flammen in meinem Körper ausbreitete. Doch ich versuchte, sie in Zaum zu halten. Ich musste es versuchen.
Papa ergriff das Wort. „Wir haben zum Glück schon jemanden gefunden. Sie heißt Frau Langer und wohnt nur zehn Minuten mit dem Fahrrad entfernt. Wir haben sogar recht bald einen Termin bekommen: nächste Woche Freitag.“
Schon so bald?! Wie hatten sie so schnell einen Termin gefunden? Die Flammen schlugen höher. Ich atmete tief durch und versuchte das Feuer, das auszubrechen drohte, niederzukämpfen.
„Moment, bitte“, versuchte ich es auf die ruhige Art. „Können wir nicht einen späteren Termin ausmachen?“
„Nein, das geht nicht“, sagte Mama mit einer Bestimmtheit, die mich an Frau Eckert erinnerte. „Der Termin ist schon ausgemacht und zur Zeit ist viel los bei Frau Langer. Wir können froh sein, dass das so früh geklappt hat.“
Froh? Froh?! Ich war überhaupt nicht froh! Die Feuer loderte weiter und die Flammen wurden züngelnd größer. Ich konnte sie nicht länger kontrollieren.
„Ihr versteht mich doch gar nicht! Es kümmert euch überhaupt nicht, was ich denke oder will!“, schrie ich meine Eltern an. „Ihr habt keine Ahnung, wie es mir damit geht!“
Mama und Papa schienen sehr erschrocken über meinen Ausbruch, doch das konnte die aufgestaute Wut nicht bremsen.
„Habt ihr mal einen Moment darüber nachgedacht, dass ich vielleicht gar nicht zu einem Psychologen will?!“
„Aber, Celina“, versuchte Mama, mich zu bremsen. „Du musst doch einsehen –“
„Nein, ich muss nichts einsehen! Lasst mich einfach in Ruhe!“, brüllte ich, drehte mich auf dem Absatz um und rannte die Treppe hinauf in mein Zimmer.
Es dauerte eine ganze Stunde lang, bis ich mich wieder beruhigt hatte. Jetzt war ich nicht mehr wütend, sondern nur verzweifelt, aber das war nicht wirklich besser. Schließlich ließ ich mich aufs Bett fallen. Als Mama später zum Abendessen rief, reagierte ich nicht und sie beließ es dabei.

Am nächsten Morgen in der Schule schien Emma zu bemerken, dass mit mir etwas nicht in Ordnung war. Doch als sie vorsichtig nachfragte, schüttelte ich nur den Kopf. Ich wollte nicht mit ihr darüber reden. Der Unterricht zog an mir vorbei, ohne dass ich etwas davon mitbekam.
Es war halb vier, als es an der Tür klingelte. Ich ging hin und machte auf.
„Oh, hallo, Emma“, sagte ich matt.
„Ich hab was, das dich aufmuntern wird!“, meinte sich fröhlich.
Ich lächelte schief. „Was denn?“ Ich bezweifelte zwar, dass Emmas Etwas mich aufmuntern würde, aber ich war schon neugierig, was es war.
„Komm mit!“, rief sie. „Wir machen einen Ausflug mit Picknick!“
Das klang nicht schlecht. Also zog ich mir Sandalen an und nahm den Schlüsselbund vom Brett. Dann folgte ich Emma durch den Garten zur Straße.
„Wo hast du denn die Sachen zum Picknicken?“, wunderte ich mich, als wir auf dem Gehweg standen. Ich sah mich um, als erwartete ich, irgendwo in der Hecke einen versteckten Korb zu sehen. Doch da war nichts.
Emma schwieg geheimnisvoll und zog mich am Arm auf ihr Haus zu. Vermutlich hatte sie den Korb dort. Als wir vor ihrem Garten standen, kam gerade eine Frau aus der Haustür. Sie hatte braune Haare, sah ansonsten aber Emma sehr ähnlich. Das musste ihre Mutter sein!
„Hallo“, grüßte ich und hoffte inständig, dass sie kein Wort zu meinen Narben verlieren würde.
„Hallo!“ Sie lächelte freundlich. „Du bist bestimmt Celina, oder? Emma hat mir schon von dir erzählt.“
Ich nickte.
„Ich heiße Ida“, stellte sie sich vor. „Du kannst mich ruhig duzen.“
„Okay, danke.“ Ich war ein bisschen überrascht, dass Ida mir gleich das Du anbot, aber ich fand sie sympathisch.
„Seid ihr fertig?“, fragte sie nun.
„Äh, fertig wofür?“ Ich war verwirrt. Was meinte sie?
„Na, dass wir losfahren können. Zum Picknicken, meine ich.“ Ida wies mit dem Arm nach rechts.
Ich schaute in die Richtung, in die sie zeigte und blieb vor Schreck stocksteif stehen. Mein Herz begann zu rasen und schlug laut gegen meine Rippen. Mein Atem beschleunigte sich. Ida wollte mit dem Auto zu einer Picknickstelle fahren!
„Celina?“, hörte ich Emmas besorgte Stimme neben mir. „Ist alles okay?“
Ich konnte nicht antworten, denn ich hatte nur einen Gedanken im Kopf: Ich sollte in das Auto einsteigen. Das war eine meiner größten Ängste. Ich war seit dem Unfall in keinem Auto mehr gewesen. Natürlich wusste Emma das nicht, woher auch? Aber wie sollte ich ihr das erklären? Ich konnte ihr noch nicht von dem Unfall erzählen, dazu fühlte ich mich noch nicht bereit. Außerdem war ihre Mutter dabei.
„Celina?“
Ich sah mich fahrig um. Emma stand direkt hinter mir und legte jetzt vorsichtig eine Hand auf meine Schulter.
„Ist alles in Ordnung?“, wiederholte sie ihre Frage.
Ich nickte abwesend.
Emma schien nicht ganz überzeugt, beließ es aber dabei. „Komm“, sagte sie und ging in Richtung des Autos. Ich konnte mich nicht von der Stelle rühren. Nach ein paar Schritten drehte sich Emma zu mir um.
„Kommst du?“, fragte sie irritiert.
Ich starrte an ihr vorbei auf das Auto, bei dem Ida schon stand und einladend die Tür aufhielt. Doch auf mich wirkte das keinesfalls einladend, sondern eher bedrohlich. Mein Herz hämmerte immer noch wie verrückt und schließlich brachte ich nur drei Worte heraus: „Ich … kann nicht.“
„Wenn du keine Lust hast, dann geh doch!“ Emma klang wütend und in ihrer Stimme schwang Enttäuschung mit. „Ich hatte eigentlich eine Überraschung an der Picknickstelle vorbereitet, aber wenn du nicht willst, werde ich dich nicht zwingen. Los, worauf wartest du?! Geh doch einfach! Und lass dich nie mehr hier blicken!“
Ich war so durcheinander und mit meinen Gedanken noch beim Auto, dass ich ihre Worte erst realisierte, als ich vor der Haustür zu meinem Haus stand: Emma hatte mich weggeschickt. Für immer.
Doch vielleicht war es noch nicht zu spät. Ich wollte gerade etwas zu ihr herüberrufen, als ich sie mit dem Auto vor meinem Haus vorbeifahren sah. Ich rannte durch den Garten und erhaschte noch einen Blick auf Emma, die auf dem Beifahrersitz saß und demonstrativ den Kopf von mir abgewandt hatte.
„Emma!“, rief ich. „Warte!“
Auf die Entfernung hätte sie mich eindeutig hören müssen, selbst durch die Autoscheibe.
Ich fühlte einen scharfen Stich im Herzen, als sie nicht reagierte.
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