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Wenn Narben verheilen

GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
31.08.2020
21.12.2020
17
17.721
4
Alle Kapitel
38 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
10.11.2020 1.514
 
Hey :)
Ich weiß, ich wollte eigentlich immer montags ein Kapitel hochladen, aber gestern hab ich es einfach verpennt. Tut mir leid. Dafür hat dieses Kapitel über tausend Wörter!
Was ich noch loswerden wollte: Federhalter02 hat mich völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass es schön wäre, wenn ich langsam mal einen Spannungsbogen aufbauen würde. Ich muss sagen, dass ich da bisher gar nicht so drauf geachtet habe. Als ich dann allerdings darüber nachgedacht habe, ist es mir auch aufgefallen. Dazu muss ich noch was erklären, aber es wäre besser, wenn ihr erst das Kapitel lest, damit ihr mitkommt. Also danke an Samirana und (wie schon gesagt) Federhalter02 für eure Reviews und los geht's mit dem Kapitel!


„Also, ich bin in Schlettau aufgewachsen, einer sehr kleinen Stadt im Süden von Sachsen.“
Innerlich hakte ich den Punkt nachschauen, wo Schlettau liegt auf meiner To-Do-Liste ab.
Emma redete weiter: „Der Vorteil daran war, dass es recht leise und weniger hektisch als in einer großen Stadt zuging. Der Nachteil war, dass es nur einen kleinen Lebensmittelladen gab und keine weiterführende Schule, sondern nur eine Grundschule. Wenn wir mal in den Zoo oder ins Kino wollten, mussten wir mit dem Auto in den nächsten Ort fahren oder den Bus nehmen. Um mit dem Fahrrad zu fahren, war es zu weit. Aber schlimm fand ich das nicht und ich habe mir in diesen Jahren nie gewünscht, woanders zu leben.
Als ich in die Grundschule kam, hab ich meine Leidenschaft fürs Lesen entdeckt –“
„Du liest auch so gerne?“, unterbrach ich sie überrascht. So aufgeweckt, wie Emma war, hätte ich eher nicht gedacht, dass sie viel las und in Büchern versank.
„Ja! Du etwa auch?“
Ich nickte. Vielleicht hatte ich jetzt mit Emma jemanden, mit dem ich über Bücher diskutieren konnte, Ungereimtheiten und Logikfehler austauschen oder überlegen, was passiert wäre, wenn etwas in der Geschichte anders gewesen wäre. Vielleicht. Wenn sie dieselbe Art von Büchern mochte wie ich.
„Was liest du denn so?“, fragte ich vorsichtig und wusste nicht, ob ich die Antwort wirklich hören wollte.
„Hmmm … also, am liebsten lese ich Krimis und Thriller“, sagte sie nach ein paar Sekunden, als hätte sie bisher noch nie darüber nachgedacht, welche Art von Büchern sie mochte. „Und du?“
Ja, Emma mit einem Krimi in den Händen konnte ich mir wesentlich besser vorstellen als mit einem Fantasyroman. Schon irgendwie schade …
„Ich mag Fantasy und … äh … na ja, eigentlich nur Fantasy.“ Ich lächelte schief.
Emma sah ein wenig enttäuscht aus. „Schade irgendwie, ich dachte, wir könnten uns dann über die Bücher unterhalten, zum Beispiel, welche Stellen die spannendsten waren. Also, versteh mich nicht falsch, es ist ja nicht schlimm, Menschen haben nun einmal verschiedene Geschmäcker, aber …“ Sie brach ab und zuckte mit den Schultern. Dann lächelte sie wieder. „Da kann man nichts machen.“
„Ich habe auch daran gedacht, dass wir über die Bücher, die wir lesen, diskutieren könnten. Nun ja, das hat sich jetzt wohl erledigt. Ich kann mit Krimis oder Thrillern eigentlich nichts anfangen und dir wird es mit Fantasy wahrscheinlich ähnlich gehen“, vermutete ich.
Emma nickte.
Wir waren inzwischen beim Park angekommen. Obwohl es immer noch ziemlich warm war, färbten sich die ersten Blätter an den Bäumen schon langsam gelb. Eine freie Bank entdeckten wir nicht, also beschlossen wir, eine Runde durch den Park zu drehen, in der Hoffnung, dass dann vielleicht eine frei sein würde.
„Was machst du denn sonst noch gerne?“, fragte ich, um das Gespräch wieder in Gang zu bringen.
„Ich spiele gerne mit meinem Bruder Nico“, antwortete Emma.
„Du hast einen Bruder?“, fragte ich neugierig nach.
„Ja, er ist drei Jahre alt. Eigentlich heißt er Nicolas. Ich helfe ihm zum Beispiel, Türme aus Bauklötzen zu bauen oder gehe mit ihm zum Spielplatz. Besser gesagt, ich bin im ihm zum Spielplatz in Schlettau gegangen. Kannst du mir vielleicht sagen, wo hier einer ist? Ich habe noch keinen gesehen.“
„Ja, klar! Wir können auf dem Rückweg einen kleinen Umweg nehmen, dann kann ich ihn dir zeigen.“
„Das wäre nett, danke!“ Emma lächelte mich an.
„Kein Problem!“
Emma erzählte noch ein bisschen von ihrem Bruder und was sie alles mit ihm unternahm und man merkte ihr an, dass sie ihn sehr mochte.
Als wir wieder an der Stelle standen, an der wir unseren Rundweg begonnen hatten, entdeckten wir tatsächlich eine Bank, die nun frei war. Schnell rannten wir darauf zu, bevor jemand anderes sie uns wegschnappen konnte. Etwas außer Atem ließen wir uns darauf nieder.
„Erzähl du doch mal!“, forderte Emma mich nach ein paar Minuten auf, in denen wir einfach nur schweigend auf der Bank gesessen hatten.
Ich war es eigentlich nicht gewohnt, anderen etwas über mich zu erzählen, aber Emma hatte mir so viel über sie berichtet, dass ich merkte, wie ich selbst ein wenig offener und unbeschwerter wurde.
„Ich hab früher auch woanders gewohnt“, fing ich an. „In Trier in Rheinland-Pfalz. Ich fand es ganz schön dort, als ich noch klein war, aber als ich in die Schule kam … hatte irgendwie jeder eine beste Freundin außer mir.“
Ich wusste nicht, warum ich Emma so einfach davon berichten konnte. Vielleicht lag es daran, dass sie sich mir auch anvertraut hatte. Damit wusste ich, dass ich ihr vertrauen konnte. Und es tat gut, dass jemand da war, der mir einfach nur zuhörte ohne zu reden.
Ich fuhr fort: „Als ich in der Dritten war, kam dann Anna in die Klasse. Sie hat auch niemanden gekannt, also hab ich mich ein bisschen mit ihr angefreundet. Aber es war keine wirkliche Freundschaft, mehr so oberflächlich. Wir haben uns nie gegenseitig bei etwas unterstützt, nicht zusammengehalten und hatten keine tiefgründigen Gespräche. Wir haben uns nie nach der Schule getroffen und wir wussten so gut wie nichts über das Leben des anderen. Wenn wir uns unterhalten haben, dann nur über die Schule und was damit zu tun hatte. Als ich dann auf die weiterführende Schule gewechselt bin, kam Anna auch dorthin. Doch zwischen uns hat sich nichts so richtig geändert und andere Freunde habe ich auch nicht gefunden. Und dann in der achten Klasse …“ Ich stockte. Ein Teil von mir sagte, dass ich Emma von dem Unfall erzählen sollte, aber da war immer noch ein anderer Teil, einer, der schon lange in mir war und darauf achtete, dass nichts, was mir später schaden könnte, aus meinem Mund kam. Und dieser Teil war stärker, auch wenn der erste, gutmütige, „Fehlalarm!“ schrie.
„Was war in der achten Klasse?“, fragte Emma neugierig.
„Ich … äh … ich bin umgezogen“, kürzte ich das Ganze schnell ab.
„Hierher?“
„Genau.“
Die Kirchturmuhr schlug und Emma schreckte hoch. „Was, schon sieben Uhr!? Ich muss dringend nach Hause, wir essen um diese Uhrzeit immer zu Abend! Kannst du mir den Spielplatz vielleicht morgen zeigen?“
„Klar!“ Ich musste auch nach Hause, deshalb war mir Emmas Vorschlag sehr recht.
Wir liefen im Eiltempo zurück und kamen drei Minuten später zuhause an.
„Bis morgen!“, rief ich Emma zum Abschied zu.
Sie winkte. „Bis morgen!“

So, das war jetzt einfach mal ein ruhiges Kapitel, in dem zugegebenermaßen nicht viel passiert. Ich dachte mir allerdings, dass es vielleicht gut wäre,  euch Celinas und Emmas Vergangenheit ein bisschen näherzubringen, damit ihr eventuell Handlungen der beiden im späteren Verlauf der Geschichte besser nachvollziehen könnt. Außerdem wollte ich euch noch einmal das Verhältnis der beiden zueinander zeigen: Celina möchte Emma zwar gerne als Freundin haben und vertraut ihr auch schon teilweise, aber eben noch nicht genug, um ihr von dem Unfall zu erzählen.
Emma dagegen hat ja im letzten Kapitel erfahren, dass Celina einen Unfall gehabt hat, von dem die Narben stammen, vermeidet es allerdings, das Thema anzusprechen.
Um noch einmal zu dem Thema mit dem Spannungsaufbau zu kommen, das ich am Anfang angesprochen habe: Es ist so: Ich habe etwas mit den beiden geplant und da ich euch nicht spoilern will, verrate ich an der Stelle auch nicht mehr. Um dieses Etwas, das ich geplant habe, aber durchführen zu können, sollten sich Celina und Emma noch etwas besser kennen. Mal als Überblick für euch: Dieses Kapitel spielt an einem Samstag. Es ist der Samstag der ersten Woche in der Geschichte, also Sa1. Die Geschichte hat an einem Dienstag begonnen, dem Di1. Das heißt, Celina und Emma kennen sich seit fünf Tagen (wenn man Sa1 mitrechnet) und sie kennen sich dementsprechend auch noch nicht so gut. Jedenfalls nicht gut genug für das Etwas. Die gute Nachricht: Von So1 bis Mi2 habe ich nicht viel geplant, erst am Do2 passiert wieder was. Also kommt So1 bis Do2 auf jeden Fall in das nächste Kapitel. Am Fr2 soll dann das Etwas passieren und ab da wird es spannend (zumindest hoffe ich das ;)). Eventuell werde ich im nächsten Kapitel noch Platz haben für den Anfang des Etwas. Falls nicht, kommt das Etwas im übernächsten Kapitel.
Kurz: Ab dem nächsten oder spätestens dem übernächsten Kapitel wird es spannend.
An der Stelle auch nochmal ein Dankeschön an Federhalter02 für den Hinweis. Und ich hab mir jetzt übrigens einen Wecker gestellt, damit ich nicht vergesse, das nächste Kapitel hochzuladen.
Also dann: Bis nächsten Montag!
PS: Sorry für das lange Vor- und Nachwort ...
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