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Wenn Narben verheilen

GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
31.08.2020
21.12.2020
17
17.721
5
Alle Kapitel
38 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
26.10.2020 843
 
Hey :D
Okay, ich gebe zu, ich bin nicht gerade ein Meister im Schnell-das-nächste-Kapitel-hochladen.
Aaaaber ... ich habe eine Lösung dafür (zumindest hoffe ich, dass es eine Lösung ist): Ich versuche mal, jeden Montag ein neues Kapitel hochzuladen. Falls das aus irgendeinem Grund gar nicht klappen sollte, werde ich das wieder lassen, aber jetzt versuche ich es erstmal ein paar Wochen lang.
Übrigens: Ich habe mich für Montag entschieden, weil es vielleicht den Einen oder Anderen gibt, der den Montag als Wochenanfang hasst und diejenigen können sich dann wenigstens auf ein neues Kapitel freuen. So als kleiner Trost.
Aber genug der Vorrede. Danke an Frelldy DA für einen weiteren Review und los geht's!



Emma starrte mich an. Sie sagte nichts, sie tat nichts, sie starrte mich einfach nur an. Ihr Blick war bohrend und ich hatte das Gefühl, darunter zusammenzuschrumpfen. Eine gefühlte Ewigkeit saßen wir so da.
Dann fragte Emma leise: „Warum hast du mir nicht davon erzählt?“
„Ich wusste nicht, wie.“
„Vertraust du mir nicht?“ Es klang verletzt.
Ich fühlte mich ein wenig überrumpelt von der Frage und von Emmas Tonfall. Wir kannten uns doch erst seit drei Tagen! Hatte sie erwartet, dass ich ihr sofort alle meine Geheimnisse verriet? Ich war niemand, der sich anderen schnell anvertraute. Und hier ging es nicht um ein peinliches Erlebnis oder etwas anderes Harmloses. Das Mobbing war ein Geheimnis, dass ich nicht einfach so ausplauderte. Zugegeben, es war ein mehr oder weniger offenes Geheimnis, zumindest, wenn man ein aufmerksamer Beobachter war. Die Zettel mit Beleidigungen, das Aus-dem Weg-gehen, das Getuschel und Gekicher hinter meinem Rücken …
Wenn ich jetzt an Emmas Reaktion dachte, war ich doch recht froh, dass sie es nicht von Frau Eckert erfahren hatte. Das hätte vermutlich das Ende unserer Freundschaft bedeutet. So konnte ich sie vielleicht noch retten.
„Schon“, antwortete ich zögerlich. „Nur … wir kennen uns doch erst seit Dienstag! Ich wäre gerne deine Freundin, aber … es gibt Dinge, die ich erst jemandem anvertrauen kann, wenn ich ihn gut kenne.“
„Sind wir das nicht schon? Freunde?“ fragte Emma. „Es tut mir leid, dass ich dich gefragt habe, ob du mir vertraust. Das war blöd von mir. Ich kann es natürlich verstehen, wenn du mir nicht alles sagen kannst. Also … Freunde trotz Geheimnissen?“
Sie sah mich fragend an.
Ich lächelte. „Freunde trotz Geheimnissen!“

Mein Hochgefühl hielt nicht lange an, denn schon bald kreisten meine Gedanken wieder um Frau Eckerts Gespräch mit meinen Mitschülern und meine Laune war wieder im Keller. Die Zeit raste dahin und ehe ich es mich versah, war die fünfte Stunde vorbei. Ich packte mein Geografieheft in meine Schultasche und lächelte Emma zum Abschied zu, obwohl mir gar nicht nach Lachen zumute war. Sie lächelte zurück.
„Bis Montag, Celina!“
„Bis Montag!“
Ich spürte die fragenden Blicke auf mir, als ich den Raum verließ, aber ich hatte keine Lust, irgendetwas zu erklären. Sie würden es noch früh genug erfahren.
Selbst die Tatsache, dass jetzt Wochenende war, konnte mich nicht aufheitern.
Als ich vor der Haustür stand, drückte ich auf die Klingel. Meine Eltern arbeiteten um diese Zeit zwar noch, aber vielleicht war ja Felix da. Doch niemand öffnete. Also kramte ich den Schlüssel aus meiner Hosentasche und schloss auf.
Im Kühlschrank fand ich noch einen Rest Lasagne von Dienstag, den ich mir aufwärmte. Schließlich saß ich am Tisch vor der Lasagne, die noch viel zu heiß zum Essen war, und malte mir aus, wie meine Mitschüler, vor allem Emma, auf Frau Eckerts Ansprache reagieren würden. Besser gesagt, mein Kopf malte sich das aus, während ich mit allen Mitteln versuchte, ihn davon abzuhalten. Doch krampfhaft bis Tausend zu zählen brachte ebenso wenig wie den Kopf auf die Tischplatte zu schlagen. Immer wieder sah ich auf die Uhr und wünschte mir, die Stunde würde endlich vorbei sein. Aber so schnell wie die Zeit vorhin verflogen war, so langsam schlich sie jetzt dahin.
Als ich gerade mit der neuen Taktik beschäftigt war, mir vorzustellen, was passiert wäre, wenn Sarah aus dem Vampirbuch Eric geglaubt hätte und ob der Titel des Buches dann noch passen würde, läutete plötzlich die Türklingel und ich zuckte heftig zusammen, wobei ich mit dem Ellenbogen schmerzhaft gegen die Tischkante stieß. Meinen Arm umklammernd hastete ich zur Tür und öffnete.
„Emma?!“, fragte ich überrascht. „Was machst du denn hier?“
Emma antwortete nicht. Stattdessen trat sie einen Schritt auf mich zu und dann legte sie einfach die Arme um mich und hielt mich fest.
Und in diesem Moment beschlich mich das Gefühl, dass Frau Eckert der Klasse nicht nur von dem Mobbing erzählt hatte, sondern auch von dem Unfall selbst. Warum nur hatte ich ihr das alles erzählt? Das hieß, die ganze Klasse wusste jetzt davon. Damit war garantiert, dass das Mobbing weitergehen würde, so wie ich meine Mitschüler kannte.
Und damit wusste Emma es auch.


Okay, bei diesem Kapitel würde mich eure Meinung bezüglich des Inhalts wirklich interessieren. Hättet ihr gedacht, dass Celinas Geheimnis so herauskommt? Hättet ihr wie Emma reagiert? Schreibt mir dazu doch gerne einen Review!
Dann bis nächsten Montag!
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